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E_1934_Zeitung_Nr.054

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II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE 1934 - 54 An amerikanischen Verhältnissen gemessen, erscheinen diese Zahlen noch sehr bescheiden. Allein für unsere Volkswirtschaft will das sehr viel bedeuten, wenn 150 arbeitslose Berufsleute wiederum in den Produktionsprozess eingegliedert werden können, wenn sie niemand mehr zur Last fallen und imstande sind, ihre Familien und Angehörigen wiederum durch eigener Hände Arbeit izu ernähren. Allein an reinen Arbeitslöhnen dürften künftig jährlich wenigstens 250,000 Fr. im Lande bleiben, welche Lohnsumme wiederum ihren Teil zur Belebung der übrigen Wirtschaftszweige beizutragen bestimmt ist. Dabei handelt es sich hier ausschliesslich um die Leistungen in der Fabrik von Saurer selbst. Wie nämlich bereits angedeutet, beschränkt sich der Import an Einzelteilen nur auf solche Stücke, die in gleicher Qualität und bei annähernd gleichem Preise wegen der kleinen Serien im Inland nicht hergestellt werden könnten. Dort aber, wo unsere einheimische Industrie und vor allem die Fabrikation von Zubehör bereits seit Jahren leistungsfähig ist, wird sie in weitgehendem Masse berücksichtigt und in den neuen Wirtschaftsprozess miteingespannt. So werden die elektr. Ausrüstung, die Scheinwerfer, Winker, die Batterie, die Dynamo, Anlasser, Pneus und Kühler von Schweiz. Produzenten beizogen'. Ferner wird 1 die Karrosserie im Inland gespritzt und fertig ausstaffiert, indem von Amerika nur die gepressten aber sonst noch rohen Karosserieteile geliefert werden. Es ist daher einleuchtend, dass durch die Montage eine weit über die Fabrik iin Arbon hinausgehende Arbeitsund Verdienstmöglichkeit für schweizerische Erwerbende geschaffen wird. In welchem Umfange dies heute schon der Fall ist, dürfte der Umstand aufzeigen, dass der schweizerische Anteil an Waren und Arbeit bereits jetzt 48 % des Gesamtwertes des Wagens darstellt! Es wird aber nicht mehr allzulange dauern, bis die grössere Hälfte ziehen können, als dies bei uns der Fall ist und daher für die Nichtlieferung solcher Stücke nur einen bescheidenen Abzug im Preis bewilligen. Hier musste also die Zollverwaltung ausgleichend eingreifen und wie man uns versichert, hat diese Verwaltungsabteilung erfreuliches Verständnis für die praktischen Bedürfnisse und besonderen Verhältnisse bewiesen, so dass auch diese Seite der Angelegenheit im gegenseitigen Interesse geordnet werden konnte. Es darf dies hier anerkennend um so eher erwähnt werden, als es leider trotz aller Krisen da und (dort immer noch schwer hält, « Mr. le bureau^ vom Schema abzubringen. • Bück in die grosse Montage-Halle der Saurer-Werke, deren eine Hälfte vollständig für die Montage der Plytnoiitli- und Dodge-Wagen in Anspruch genommen ist. Unser Bild zeigt links vorn teilweise ausgepackte Karosseriebestandteile, rechts den Beginn der ;Karosserie-Montage-«Linie». Im Hintergrund rechts die Boxen der Spritzlackiererei. Setzung in die Praxis um so gegebener erschienen, als uns ja in den schweizerischen Fabriken für Lastwagen tüchtiges und fachkundiges Personal, geeignete Räumlichkeiten und Maschinenanlagen zur Verfügung stehen. Zu Beginn dieses Jahres -wurde nun zwischen den Saurer-Weriken in Arbon einerseits und den schweizerischen Vertretern von Ghrysiler-Plymouth sowie von Dodge., welche Fabriken ja iin einem grossen amerikanischen Konzern zusammengeschlossen sind, ein Vertrag abgeschlossen, der vorläufig für drei Jahre Gültigkeit hat. Demzufolge liefern die Werke in Amerika nurmehr die dort nach wie vor in grossen Serien hergestellten wichtigsten Einzelteile, deren Herstellung bei uns zufolge der geringen Stückzahl viel zu teuer zu stehen käme, so Motor, Achsen, Chassisrahmen, die gepressten aber nicht verscjos^ejssien Karjasserie,- stücke usw. Diese 'werdpn in .^ganzen; Schiffsladungen, welche jewöilen §e£ien /von 30—50 Stück umfassen, nach Europa verfrachtet, vom europäischen Meenhafen dann seinen schweizerischen Arbeitskollegen so lange mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, bis der ganze Mechanismus der Fertigstellung von Wagen reibungslos und einwandfrei läuft. In iArbon steht eine an die Lastwagenabteilung angegliederte mächtige Halle aus- schliesslich für die Montage zur Verfügung, wo nach dem System des laufenden Bandes, aber nicht im gleichen mörderischen Tempo und ohne dass die Arbeit jedes Einzelnen zu einer eintönigen, geisttötenden und rein mechanischen Tätigkeit wird, der Zusammenbau der Wagen erfolgt. Der Betrieb wujpde mit einem neueingestellten Personal von rund 80 Mann, die hier nun dauernd ihr Auskommen finden sollen, aufgenommen. Sie sind bereits so aufeinander eingespielt, dass die Produktion schon fünf Wagen pro .Arbeitstag erreicht hat. Ab nächsten Monat soll nun in Doppelschicb'fäg^'arbeiflt werden* wodurch sich die Belegschaft auf 150 Mann erhöhen wird. Dann rechnet man mit einer Tagesleistung von 10 Wagen. ..W,ie^die....K.aii06serieii aus Amerika eintrsjfjgn. Sie bestehen •vorläufig a«s~gepressten und gestanzten Einzelteilen, die in grossen Kielen unterT\6ctister Raumausnülzüng verpacKl wurden. Was wird nun eigentlich montiert? Vorläufig beschränkt sich der Arbeitsprozess auf die bestbekannten Plymouth-Modelle sowie den Sechszylinder Dodge. Für beide Marken liegen von seiten der schweizerischen Vertreter bereits feste Aufträge für rund 640 Wagen vor, indem erfreulicherweise schon vor der Inangriffnahme der Montage Käufe getätigt wurden. Allein die Tatsache, dass bei diesen Automobilen etwa zur Hälfte schweizerische Arbeit beteiligt ist, hat ge- awf die inländischen Werte entfällt, indem systematisch jede Möglichkeit geprüft wird, wo schweizerische Arbeitnehmer berücksichtigt werden können. So ist es sehr wohl möglich, dass mit der Zeit auch die Räder, Stoßstangen u. a. m. nicht mehr importiert zu werden brauchen. Diese Vergebung von Aufträgen an schweizerische Zubehörfabriken hatte natürlich eine besondere Zollbehandlung der importierten Teilstücke zur Voraussetzung. Wenn die fertigen Wagen einer genügenden Nachfrage begegnen sollen, so dürfen sie, selbst wenn der Anteil schweizerischer Arbeit und Qualität recht beträchtlich ist, im Preise nicht viel teurer zu stehen kommen, als fertig importierte Fahrzeuge. Würden die Einzelteile aber zolltarifarisch so behandelt, wie die Fertigwaren, so hätte das die ganze Preiskalkülation über den Haufen geworfen. Zudem ist nicht zu vergessen, dass die amerikanischen Fabriken, zufolge ihrer gewaltigen Serien Zubehör wie Scheinwerfer, Pneus usw. bedeutend billiger benügt, eine Reihe von einsichtigen Interessenten zu veranlassen, sich für diese Wagen zu entscheiden. Der Verkauf erfolgt nicht etwa ab Fabrik Arbon, sondern ausschliesslich durch die Vertreterorganisation von Chrysler-Plymouth und von Dodge. Die Montage wurde mit Recht vorläufig auf die beiden Marken beschränkt, um die Organisation im Betriebe nicht zum vorneherein zu überlasten. Bereits aber wird die Möglichkeit studiert, in absehbarer Zeit andere Typen von Chrysler und Dodge und event. sogar De Soto mit in den Fabrikationsprozess einzubeziehen. Aber selbst die Beschränkung auf zwei Typen bringt schon genügend Variationen nrji sich, indem diese zusammen in 13 verschiedenen Modellen verlangt und geliefert werden, je nach der Zahl der Fenster und Türen und was die Wünsche jedes einzelnen Kunden noch für Abarten mit sich bringen mögen. Ueber den technischen Werdegang orientiert der nachstehende besondere Bericht. Abschliessend möchten wir in bezug auf die Die Vereinigung der Karosserie-'Seitenwände mit der Rückwand. als Bahntransport nach Arbon versandt, wo nun die Montage zum fahrbereiten Wagen erfolgt. Dieser Werdegang hört sich recht einfach an, bedingte aber sehr umfangreiche Vorarbeiten, organisatorische Studien und nicht zuletzt die Bereitstellung der hierfür geeigneten Arbeitskräfte, der Räumlichkeiten und die Anschaffung eines recht kostspieligen Parkes von Spezialmaschinen. Es wurden mehrere Fabrikingenieure von Saurer, sowie eine Anzahl als künftige Vorarbeiter bestimmte Handwerker und Mechaniker für längere Zeit nach London delegiert, wo sie in den dortigen Montagewerken von Chrysler mit ihrer neuen Aufgabe gründlich vertraut gemacht wurden. Zudem ist heute noch ein Werkstättechef aus den amerikanischen Chrysler-Hauptwerken im neugeschaffenen Arboner Betrieb tätig, um Anbau des Karosserie-Vorderteils in einer Vorrichtung, die. ein genaues Ausgerkhtetsein und Masshaltung der Karosserie sichert. präzise

N° 54 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE III CHRYSLER Sechszylinde p 14 und 17 PS Preise abFr. 5950.' nunmehr ab SAURER-WERKE, Arbon lieferbar mit 48% Schweizer-Arbeit und Material Gesamte elektrische Ausrüstung von Scintilla, Schweizerkühler, -Pneus und -Batterie Der Wagen f. die Schweiz mit seinen markanten Vorteilen: 1. Robust und dauerhaft. 2. Aeusserst sparsam im Betrieb. 3. Grosse Schnelligkeit in der Ebene und unerreichterBergsteiger. 4. Erstklassige Strassenlage mit den sichersten hydraul. Bremsen. Technische Vorteiles Schwebender Motor - Auswechselbare StahJventilsitze - Stopfbüchsenfreie Wasserpumpe - Geräuschloses Getriebe - Schwingachsen vorn - Speziell stark kreuzverstrebtes Tiefrahmenchassis - Ganzstahlkarosserie (Luxusmodelle mit Freilauf und zugfreier Karosserieentlüftung - Antiquietschfederung etc.) DIE FABRIKVERTRETUNGEN: AMAG Automobil und Motoron A..G. ZÜRICH BLANC & PAICHE BERN und GENF RITZI * WAGNER AMRISWIL u. ST. GALLEN FERRARI. BERNASCONI * Co., 8. A. LUGANO