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E_1934_Zeitung_Nr.055

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16 AUTOMOBIL-REVUE

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Bern, Freitag, 6. Juli 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 55 Vorsommerblüten..., dachte Sybilla aufgeschlossen und innig, während sie langsam am Rande des Parkes unter den hohen Bäumen auf und ab ging. Ein leichter Lufthauch strich ihr über die Wangen und spielte leise mit ihrem Haar. Die Hände in die Taschen des hellen Regenmantels vergraben, blieb sie an der niedrigen Parkmauer neben ihrer Lieblingsbank stehen und blickte über die Wiesen und Felder hin. Blüten — neues Leben überall! sann sie gedankenverloren weiter. Vielleicht wird heute noch mein Kind geboren, vielleicht ein kleiner Sohn, auf den wir beide so hoffen und warten. Aber mein letzter Sommer vielleicht...? Sie schauerte zusammen. Ihr war heute morgen so seltsam ängstlich zu Mute. Die frohe Sicherheit, die sie gestern Manfred noch gezeigt hatte, war wie fortgelöscht. Die bange Frage, der Absturz in das Nichts, das Sterben, an das sie oft und oft gedacht hatte in diesen Monaten, starrte sie plötzlich stumm und unerbittlicher an denn je. Es gab keine Ausflucht davor, kein Rütteln an ehernen Toren. Es ab nur Schweigen und demütig sich beugen unter das Schicksal, und stolz und aufrecht dem Unentrinnbaren entgegengehen. Es gab aber auch das Glauben an eine überirdische Gnade, an den Engel der Kindheit, der unsichtbar sie begleitet hatte auf ihren Kinderwegen und der jetzt vielleicht ihr wieder zur Seite gehen mochte? Aber warum war wieder und wieder diese schreckliche Angst viel stärker als alles andere? Warum Angst vor dem Tod? War sie denn nicht bereit, hinüber zu gehen? Es gab Augenblicke, in denen das zutreffen mochte. Aber als Mutter, jetzt? Nein, Gott sei mir barmherzig, ich möchte bei meinem Kinde bleiben, flehte sie bebend. Mein Kind! Es soll nicht mutterlos seinen Weg ins Leben gehen müssen... Alle Innigkeit ihres Herzens strömte bei diesem Gedanken zusammen. Leise Zuversicht verklärte ihr zartes, durchsichtiges Gesicht. Das Kind! Mit solcher unendlichen Freude fühlte sie sein erwachendes Dasein. Das Kind, ihr eigenes Kind und zugleich das unlösbare Band zwischen Manfred und ihr. Ein Gegengewicht gegen Pippa. Sie erschrak bei diesem Gedanken. Die hellen Kleider der kleinen achtjährigen Stieftochter leuchteten durch die lichten Büsche vom Spielplatz herüber. Manfred hing mit tiefer Zärtlichkeit an dem einzigen Kind aus seiner ersten Ehe, und mit unmittelbarem Verständnis hatte Sybille sich in das Bestehende eingefügt. Ueberaus glücklich war ihre junge Ehe mit ihm, der in ihr alles das gefunden hatte, was er bis dahin F E U I L L E T O N Bux. Pippa... Zirkusroman von Hans Possendorf. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) «Ach verzeihen Sie,» redete Fee ihn an. «Ich möchte so gern mal einen Blick hinter die Kulissen des Zirkus werfen. Geht das nicht?» «Wie meinen Sie das, Gnädigste?» fragte Ruperti. «Ich meine, ich möchte die Ställe sehen und die Wagen.» «Ja, da müssen Sie schon morgen bei Tage kommen, wenn die Tierschau geöffnet ist.» «Morgen früh reisen wir schon von Mailand ab. — Sehen Sie, wir sind doch auch Deutsche, da kann man vielleicht mal eine Ausnahme: machen.» «Ich kann's nicht erlauben, Gnädigste; da müssen Sie schon den Herrn Direktor fragen.» Und Fee liess ihrem Vater keine Ruhe, bis er seine Visitenkarte mit ein paar Worten an Direktor Kreno schickte. Als das römische Wagenrennen gerade sein Ende erreichte und die Menge schon nach den Ausgängen drängte, kam ein Herr auf vergeblich ersehnt hatte. Und sie selbst, durch frühes Leid über ihre Jahre gereift, hatte nur den einen Wunsch, dem geliebten Mann, dssen vornehme Gesinnung, Herzensgüte und Zartheit des Empfindens sie immer wieder neu bezwang, Frieden und häusliches Glück zu schaffen. Mit scheuer Herzlichkeit, mit ehrlichstem Bemühen war sie der kleinen Stieftochter entegengetreten. Immer und unablässig versuche sie ihre Zuneigung zu gewinnen — und sah sich doch nach dem Ablauf eines vollen Jahres keinen Schritt voran, nein eher zurückgekommen. Bemerkte Manfred das nicht? Uebersah er es absichtlich, da es um seinen Liebling ging, dass eine unsichtbare Scheidewand, ein dunkler schwerer Schatten zwischen Sybille und Pippa, der kleinen, zierlichen leichtfüssigen und ach, sonst so warmherzigen, lag? Nicht offen trat dies zutage, nicht hässlich oder unbefangenen Blicken überhaupt bemerkbar. Es äusserte sich nicht in Ungezogenheit oder gar Böswilligkeit. Lag es nicht greifbar nur in dem Umgehen der Anrede «Mutti», die Pippa vermied, was aber vielleicht nicht einmal Manfred auffiel? So winzig klein waren die äusseren Beweise einer Abneigung und geheimen Feindseligkeit und doch empfand Sybille sie mit untrüglichem Feingefühl. Es schien ihr wie ein dumpfes Verhängnis, das abzuändern nicht in ihrer Macht lag. Pippa allein hatte den Schlüssel dazu in ihren kleinen Händen. Aber das konnte wohl nur ein Wunder bewerkstelligen. Sybille glaubte nicht an diese Möglichkeit. Sie dachte an die Zukunft, wenn Pippa grösser sein würde, sich wirklich bewusst gegen die Stiefmutter stellte, wie sie es vorerst noch kindlich-unbefangen und unbewusst tat. Und Manfred? Und das Glück ihrer Ehe? Unsägliche Bangigkeit überfiel sie. Pippe spielte unterdess an ihrem Sandhaufen. Sie baute eine Miniaturgebirgsstrasse mit schroffen Steilwänden und kühnen Brücken für das kleine Blechauto, das vorerst am Fuss des Berges wartete. Sie blickte von fern zu der Mutter hinüber, aber sie mochte nicht hingehen. Sie spielte lieber hier allein für sich. Zwischen ihren feinen Brauen stand eine kleine senkrechte Falte. Vati hatte ihr damals alles genau erklärt, wie es war. Vati und ihre richtige Mutti waren ganz verschiedene Menschen gewesen, so verschieden wie Feuer und Wasser. Wenn man Wasser' auf eine heisse Herdplatte goss, dann zischte es! Wasser und Feuer passten nicht nahe zusammen. Und darum hatten Vati und Mutti sich wieder getrennt. Vati war alles von jeher für Pippa gewesen, beinahe wie der liebe Gott, zu dem man betete. So war Mutti fortgegangen und Pippa allein bei Vati geblieben. Und dann war eine neue Mutti gekommen. Man müsse sehr, sehr lieb zu ihr sein, hatte Vati gesagt. Warum, das würde sie erst später verstehen. Ihm, Vati, zu Liebe, müsse Pippa sie auch lieb haben. Aber das konnte Pippa nicht mit dem Herzen; da war ein so schwerer Reif um ihre Brust, der drückte so, dass man es nicht konnte. Pippa klopfte energisch den feuchten Sand fest. Und dann hatte Vati jetzt so etwas Merkwürdiges und Unerwartetes erzählt, was bald geschehen würde. Ein Engel würde Pippa ein Geschwisterchen bringen, vielleicht ein Brüderchen. Und ob sie sich freue? Vatis Augen leuchteten dabei. Pippa war stumm vor Staunen. « Und Mutti,» hatte sie zögernd gefragt, « Mutti wird dann die richtige Mutti von dem Brüderchen sein? » Ja freilich, hatte der Vater gelacht. Ein Brüderchen hätte sie den Major zu, verbeugte sich und fragte: «Herr Major von Prastelny?» «Jawohl, das bin ich.» «Hartmann, Pressechef des Zirkus Kreno,» stellte sich der Herr vor. «Herr Direktor hat ausnahmsweise erlaubt, dass ich Sie noch durch die Ställe führe. Wollen Sie, bitte, mitkommen.» Fee war hocherfreut und äusserte den Wunsch, vor allem die reizenden Tiere des Clown Bux in der Nähe zu besichtigen. Als sie in dem Stallzelt waren, wurde Herr Hartmann für einige Minuten abgerufen. Obwohl gross angeschrieben stand, dass man hier nicht rauchen dürfe, übersah es Feodora und zündete sich eine Zigarette an. — Tom, der Stalldienst hatte, sah es nicht, weil er gerade mit Gretchen, dem Schwein, beschäftigt war, und der Inder war nicht anwesend. — «Sieh mal, Papa, einen Tiger hat er auch! Warum er den wohl nicht gezeigt hat?» «Vielleicht war er bei der grossen Gruppe,» meinte der Major. «Möglich.» — Fee trat jetzt vor das Podium des Elefanten. Ein Schild warnte davor, das Tier zu necken und zu füttern. Dennoch hielt ihm Fee ein Stückchen Schokolade hin. Brahma wollte es mit seinem Rüssel fassen, doch Fee zog es im letzten Augenblick zurück wohl gern gehabt. Aber da war Mutti. Das, was so schwer und hart um das Herz lag. Sie wusste nicht, dass es Eifersucht hiess, es war nur ein dumpfes quälendes Gefühl, das manchmal bis in den Hals hinauf stieg und bis in die Augen. «Pippa, Pippa,» rief es von der Parkmauer her. Und noch einmal ganz schwach und ängstlich: « Pippa, schnell... » Pippa kam eilends, der Ton hatte sie erschreckt. Mutti sass auf der Bank, ihr Gesicht war weiss, ihre Augen so gross, dass man sich fürchten musste. « Pippa, hol' Vati und Schwester Else, mir ist nicht gut,» sagte sie mühsam, «lauf schnell, bitte, ja? » Pippa flog ins Haus, geradewegs in Vatis Arme. Der hörte sie an, dann stürzte er in die Halle, rief nach der Schwester, verschwand im Park. Pippa fühlte etwas Unbekanntes, Schreckliches, das vorging. Mutti war in ihr Zimmer gebracht worden, krank. Ein Arzt kam aus der Stadt. Vati hatte keine Zeit für Pippa. Sie verkroch sich oben in ihr Kinderzimmer. Ein unklares Angstgefühl, dem auch ein leiser Trotz sich gesellte, liess sie am Spielen keine Freude finden. Sie horchte nach unten; kein Laut drang herauf, und doch war Unruhe und Hast zu spüren. Die alte Köchin, die sie vom ersten Tage an kannte, brachte ihr das Essen herauf ins Zimmer und umsorgte sie mit bekümmerter Miene. Sie wich allen Fragen aus und war bemüht, ihr gutes Gesicht in freundliche Falten zu zwingen. Sie war sichtlich verstört und ging bald wieder. Pippa sollte ruhig in ihrem Zimmer bleiben und spielen, hiess es. Pippa wartete. Der ganze Nachmittag verging. Niemand kam. Da fasste sie sich ein Herz und verliess trotz des Verbotes das Zimmer. Sie schlich lautlos die Treppe hinunter, mied ängstlich die Flur, an dem die Schlafzimmer lagen, und gelangte auf Zehenspitzen an die Tür des Herrenzimmers. Diese war nur angelehnt, sie schob sich geräuschlos hinein. Am Schreibtisch sass der Vater, seine grosse Gestalt fast zusammengesunken; er hielt den Kopf in die Hände gestützt. Ein unterdrückter Laut, den Pippa noch nie gehört hatte, erschütterte seinen Körper. Pippa wagte sich näher, bis dicht an ihn heran. Sie öffnete den Mund, aber kein Ton kam über ihre Lippen. Manfred hob den Kopf, zuckte zusammen. Dann nahm er mit ruhiger Bewegung Pippa auf die Knie und sah ihr ins Gesicht. Pippa schlang die Arme um seinen Hals; sie wollte sprechen, aber es dauerte eine Weile, bis sie Worte hervorbringen konnte. «Was ist. Vati, was ist?» Er schüttelte den Kopf. «Mutti,» flüsterte er. Er riss sich zusammen. «Mutti ist in Gefahr, Pippa — Mutti stirbt vielleicht. Ach...», der Schmerz zerbrach ihm die Stimme. Er sprach dann mühsam weiter. «Pippa, verstehst du das wohl: nicht ein Engel bringt uns das Brüderchen, nein. Mutti selbst schenkt es uns. Das ist so, weisst du, und blies dem Tier in kindischer Spielerei eine Rauchwolke gerade in die Rüsselöffnung. Brahma gab ihr zur Strafe mit dem Rüssel einen blitzschnellen Klaps gegen die linke Schulter. Er meinte es wohl nicht allzu böse. Doch Elefantenklapse haben es in sich: Fee stiess einen Schmerzensschrei aus. Ihr Arm hing wie leblos am Körper herunter. Herr Hartmann, der eben zurückkam, und der Neger Tom eilten herbei. Fee wimmerte vor Schmerzen. Sie schien ernstlich verletzt zu sein. Der Pressechef zeigte sich sehr bestürzt, denn er fühlte sich für den Unfall verantwortlich, da ihm die Führung der Fremden übertragen worden war. «Warten Sie hier!» rief er erregt. «Ich werde schnell einen Arzt holen.!» Und ohne eine Antwort abzuwarten, rannte er aus dem Zelt. Feodora setzte sich stöhnend auf eine Kiste. Schon nach wenigen Minuten kehrte Herr Hartmann in Begleitung eines italienischen Arztes zurück, den er unter dem abziehenden Publikum ausfindig gemacht hatte. Unglücklicherweise aber hatte er einen Spezialisten für Nasen- und Halsleiden erwischt. Dafür sprach dieser Arzt aber etwas Deutsch. «Die Arm ist ausgekugelt.» erklärte er. Sternenaufgang Von Heinrich Zillich. Vom Himmel fallen sonnenmatt Die Winde in die weite Welt, Die mich auf einer grünen Schale Von tausend Gräsern aus dem Tale Ins Schattendach des Abends hält. Die Berge rings, die klargeweht Am Grate noch ein Leuchten kühlt. Die fühlen wie an ihrem Stein Die Nacht erschwillt und sind allein, Wenn sie der Schatten überspült. Doch meine grossen Augen fahren Ins Dunkel wie zwei Lichter ein, Die kalt vom Raum und heiss vom Flug Zersplittern an dem Himmelsbug Zu Sternen und zu Sternenschein. vom Himmel geschenkt. Unter Schmerzen muss Mutti gebären. Und vielleicht stirbt Mutti dabei, es steht schlimm, verstehst du...» «Und dann könnte Vati nie wieder froh werden...» Er brach ab und senkte den Kopf. Pippa begriff all das Unbegreifliche mit Sekundenschnelle. Mutti stirbt vielleicht? Die Eifersucht, das Quälende, Schwere, der Reif um die Brust schmolz jäh dahin, war fort, wie nie gewesen. Der Schmerz des Vaters, seine stumme Verzweiflung traf sie mitten ins Herz. Ihre Augen füllten sich mit Tränen des Kummers und Mitleids. « Und was können wir tun, dass Mutti nicht sterben muss? » fragte sie in rührender Unbeholfenheit. « Du kannst beten, Pippa, für Mutti...» Sie machte sich von ihm los und versuchte die Hände zu falten. Eine tiefe Scham hinderte sie, es offen zu zeigen. Zitternd fanden sich die beiden Hände, und ihr Blick flog durchs Fenster hinaus, über die leise rauschenden Bäume in den Abendhimmel hinein. In Manfreds Gesicht zuckte keine Muskel. Eine bleierne weitere Stunde des Wartens verging lähmend langsam, Sekunde um Sekunde. Draussen dunkelte es. Pippa sass ruhig beim Vater. Beide lauschten wortlos. Dann klopfte es leise, Manfred fuhr herum. « Ein Sohn ist da,» meldete behutsam die Schwester, «und die gnädige Frau wird leben, lässt der Herr Doktor sagen...» Blauer Ferientag J. F. Von Hanna Gärtner. Eine unendliche Sehnsucht nach einsamen, sonnigen Bergeshalden zittert in meiner Seele; wie lange lag ich nicht mehr im Gras und sah den kleinen stahlblauen Schmetterlingen nach, deren Flügel auf der Unterseite, der sahnenweissen, mit winzigen schwarzen und rostgelben Viereckchen vollgestempelt «Ich sofort muss einrenken, sonst sehr schlimm.» Er liess eine Matte bringen. Vorsichtig zog er der Verletzten das Jackett aus und schnitt ihr den engen Blusenärmel von Arm und Schulter. Herr Hartmann und Tom nahmen an beiden Ausgängen des Zeltes Aufstellung, um unliebsame Störungen zu verhindern. Nun lag Fee, die linke Hälfte des Oberkörpers entblösst, flach am Boden, und der Arzt machte ein paar Versuche, den Arm einzurenken. Aber es gelang ihm nicht. Bei jedem neuen Versuch knackte das Gelenk und Fee stiess Schmerzensschreie aus. «Halt! Nein, ich kann nicht mehr!» flehte sie endlich unter Tränen. «Was ist denn hier los?» erklang plötzlich eine barsche Stimme und Bux, noch in seinem Clownkostüm, auf dem Kopf die weisse Zukkerhutmütze, kam mit grossen Schritten herbei. Weder Herr Prastelny noch Fee erkannten ihn, so verschminkt war sein Gesicht. «Bitte, stören Sie den Arzt nicht!» sagte der Major streng. «Wollen Sie uns jetzt, bitte, allein lassen.» (Fortsetzung siehe Seite 21.)