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E_1934_Zeitung_Nr.055

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Büchertisch

Büchertisch Lebensglück — Liebesglück. Ein Trainingsbuch der modernen Lebenskunst. Von Dr. Gerhard Heyde. 136 Seiten. Verlag von Walter Haedecke, Stuttgart, — Das unter dem etwas verdächtigen Namen eines « Trainingsbuches » augekündigte Werk « Lebensglück — Liebesglück» enthüllt sich als eine geschickte Darstellung, die zur vermehrten Bemeisterung des modernen Lebqns, das an die heutigen Menschen immer stärkere Anforderungen stellt, verhelfen -will. Wir möchten nicht behaupten, dass dieses Buch irgendwie tiefer in die Geheimnisse .des menschlichen Wesens eindringt, um hier jene ewig gültigen Wahrheiten aufzufinden, die vor allem für das Leben von Wert sein können. Aber für einen grossen Teil der Menschen kommen solche tieferschürfenden Werke religiöser und philosophischer Art gar nicht in Betracht, einesteils weil der Sinn und anderseits schon weil die Zeit dazu fehlt. Dieses Buch will deshalb in konzentrierter Form — gewissermassen als fertiges Rezept — kluge Ratschläge zur richtigen Lebensgestaltung erteilen, und trotz der Kürze des Werkes strömt einem aus dem Inhalt ein warmer Sinn für die menschlichen Werte entgegen. «Ueberwinden und nicht verzweifeln! », das ist das Leitmotiv für den Inhalt, der vor allem jenen Menschen dienen will, die aus Unbefriedigtsem und Enge heraus zu einem bessern Dasein streben. Dem seelisch und beruflich gehemmten Menschen sollen Wege zum guten Fortkommen gewiesen werden. Wir zitieren wahllos einige Kapitel, die einen ungefähren Einblick in das Wesen der Schrift geben: Lebensglück, Training als Lebensform, Willenserziehung, die Ziele des Glücketrainings, die Arbeit, Glück in der Liebe, AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N°55 Einschränkung zu machen — letzten Endes das Glück nicht gelernt und aus einem Buche abgelesen werden kann ... mb. Bewährt« Mittel der häuslichen Gesundheitsund Krankenpflege. Von Dr. med. H. Malten, leitender Arzt der Anstalt für Nerven- und Stoffwechselkranke in Baden-Baden. Mit Bildern. Süddeutsches Verlagshaus G. m. b. H., Stuttgart. — Die meisten schweren Krankheiten beginnen mit kleinen Gesundheitsstörungen, deren rechtzeitige Beseitigung viel Leid und Unglück verhindern kann. Hier zeigt der bekannte Arzt Dr. Malten, welche umfassenden und tiefgreifenden Heilwirkungen man mit ganz einfachen Behandlungsmitteln erzielen kann, wenn man sie richtig und rechtzeitig anzuwenden versteht. Leibwickel, Packungen und Wechselfussbad die Bildekräfte der Liebe, Liebe und Ehe, Harmonie mit der Umwelt, die Pflicht zur Gemeinschaft, über den Umgang mit Menschen, Glückshemmungen, sind die unentbehrlichen Mittel der häuslichen Be- Es ist erstaunlich, was man alles mit Schicksalsschläge, seelische Hemmungen, das Le-handlungbensprogramm, die grosse Linie, der Tod. Das Buch diesen einfachen Massnahmen bei akuten und chronischen Krankheiten erreichen kann. Berücksichtigt wird vielen gute Winke zur besseren Lebensgestaltung geben. Auch wenn — um die notwendige sind vor allem die Nervosität, die oft so cniälende Schlaflosigkeit, Blutdrucksteigerung, Arterienverkalkung, Herz- und Nierenkrankheiten, Stoffwechselstörungen, Diabetes, fieberhafte Erkrankungen bei Erwachsenen und Kindern, Krampfadern, Störungen in den Wechseljahren bei Frauen usw. Ueberall ist besonderer Wert auf einfache, klare Anweisungen gelegt, welche keine Zweifel und Irrtümer aufkommen lassen. Das Buch enthält eine Fülle wertvoller Ratschläge. Briefkasten der Redaktion Der «Autler-Feierabend» im Urteil seiner Leser. Herr E. W in S. schreibt uns: « Zu Ihrer Strandbad-Nummer beglückwünsche ich Sie. Illustrativ und textlich ist die Ausgabe mit Niveau zusammengestellt, und ich zweifle nicht, dass sie nicht bloss mir, sondern allen Lesern, die Ansprüche stellen, Freude bereitet hat. Ich bin seit Jahren ein aufmerksamer Leser des « Autler-Feierabends >. Die geistige Note, die darin ständig zum Ausdruck kommt, fesselt mich und sagt mir sehr zu . > Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich inO. R. Wagners CH Touring,Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T.C.S BRIENZ - ROTHORN - BAHN Hotel Rothorn Kulm 2351 m U. M. Bewachter larkDlatz Retourtaxe Fr. 10.— Familienbillet Fr. 8.— Sonntagsbillet Fr. 7.50 Hinaufl Ein Bild, das nimmer Dir entgleitet 1 direkt am See nächst Xnterlaken T. C. S. A.C.S. Bekannt für gutes Essen. Stets Forellen. Garten- u. Terrassen-Restaurant. Eigene Strandbad-Anlagen. Grosser Autopark. Pensionspreis von Fr. 8.- an. Prospekte. Telephon 51.04 und 51.11. ÄESCHI GUNTEN (THUNERSEE) 15 Auto-Minuten über SPIEZ, Altbekanntes, gutes Familienhotel. Auch Passanten durch gepflegte Küche empfohlen. S. A. C. Tel. 58.03 Fr. Haubensak, Dir. Vornehmes Familien-Hotel. Neuzeitlich eingerichtet. Alle Zimmer mit fHessen dem Wasser. Privatbäder. Große Park-Garten- Terrasse. Lunch. Diners. Tees. 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Bern, Freitag, 6. Juli 1934 IV. Blatt der „Automobil-Revue " No. 55 Kinderarme Von Bruno Brehm. Welch ein Morgen! Da steht der Zug in Mitte des Zuges, unter dem Gepäckwagen der kleinen Station, der Beamte mit der roten Kappe blickt zur Lokomotive vor, die Männer, winken andere heran, dort ruft man muss es sein. Dort stehen schreckensbleiche Post und die Pakete werden ausgeladen, die mit hohen Stimmen, dort bückt man sich und Milchkannen, die das Mädchen in den Lastwagen reicht, klappern, ein Hausdiener hen offen, noch immer klettern Leute aus starrt unter die Räder. Alle Wagentüren ste- nimmt den wenigen Leuten, die aussteigen, dem Zug und laufen dorthin. Männer kommen mit einer Tragbahre. Dort steht auch das Gepäck ab. So muss es sein: gestern Abend sind wir bei Regen und Wind abgereist, nun blicken wir in den reinsten blauen dass ganz und garnichts zu machen gewesen der Lokomotivführer und sagt immer wieder, Morgenhimmel. Ueber dem ausgedienten Wagen auf dem rostigen Nebengeleise stehen Kind in die Lokomotive gerannt. Er nimmt sei. Gerade bei der Biegung dort sei das frischgewaschen und doch noch regendunkel seine schwarze Kappe ab und fährt sich mit die Felsen, hoch oben in ihren Wänden seinem blauen Leinenärmel über die Stirne. blinkt noch Schnee. Ist das nicht genau so Der Heizer hebt etwas auf und zeigt es wie der erste Ferientag in der Bubenzeit? den Leuten, ein plattgewalztes Zweigroschenstück: «Sie hat den Rappen auf die Schienen Die stürmische Nacht hat ihr zerwühltes Bettzeug über die fernen, hohen Wände gehängt, nun kommt der Wind und löst Feder- Ein blaues Röckchen, zwei blosse braune gelegt, das machen die Kinder öfter.» chen um Federchen auf und lässt sie über Füsschen werden auf die Bahre gelegt. Nur den Himmel dahinflocken. Unter dem invaliden Wagen blühen weisse Winden und zwi- nige Leute schauen zwischen die Räder, nicht rasch ein Tuch darüber! rasch! rasch! Ei- . sehen den saftgrünen Bäumchen entlang dem hinsehen, denn das ist fürchterlich. Bahndamm leuchtet der See. Eine Ferienbrise frischt das Wasser auf, die blanke grünen Hang beginnen die Schnitter schon Oben, über der schwarzen Mauer auf dem Fläche kräuselt sich und lacht uns mit vielen wieder zu arbeiten, es war doch so lange kleinen Wellen an. Und ruft dort nicht ein Regenwetter, sie sind mit der Mahd im Rückstand. Aber ein Eisenbahner ruft durch den Mann in einer beneidenswert alten Arbeitshose, mit einem verwitterten Hut in der Schalltrichter seiner Hände hinauf, jemand Feriensprache jemandem irgend ein Scherzwort zu? Wer mag denn dort drüben auf der überfahren worden. möge doch herunterkommen, ein Kind sei andern Seite sein? Gehen wir zum andern Fenster, schauen wir nach: dort drüben sind Die Leute lassen die Sensen fallen, ein Wiesen am Hang der Höhen, die den See begleiten und diese Wiesen werden gemäht! Wie das duftet! Wie die Mäher langsam vorrücken und Schwaden um Schwaden hinter sich lassen. Fort sind die Blumen, und auch jene, die dort drüben noch leuchten, werden bald unter den Strichen der Sensen fallen. Niemand steigt mehr ein. Der Stationsvorstand hebt seinen Signalstab und, da er ein Schweizer ist, schämt er sich ein wenig dieser weitausholenden Machtgebärde. Weiter fährt das Züglein nun in das Ferienland hinein, immer weiter hinein in den blauüberstrahlten Tag. Auf den Telegraphendrähten sitzen die Schwalben, Notenköpfe eines beglückenden Liedes. Links, auftauchend und verschwindend zwischen Baumgruppen und Wäldchen, bleibt der See und die noch schlummernden weissen Badeorte, rechts zieht der Hang der Berge mit uns. Alle paar Minuten hält der Zug, Bäuerinnen steigen ein, verstauen ihre Körbe, setzen sich auf ihre blauroten Unterröcke und schauen ernst aus ihren strenggeschnitzten sonnenbraunen Gesichtern auf die blassen, zerfahrenen Menschen aus der Stadt. Geht es bergab ? Sind wir um so viel leichter geworden? Rattert der Zug jetzt nicht schneller seinem Ziele zu? Ein Ruck ! Gepäckstücke fallen herunter, Leute taumeln gegeneinander Was ist denn los ? Was ist geschehen ? Fenster werden heruntergelassen. Menschen beugen sich hinaus. Ja, was ist denn geschehen ? Warum steht denn der Zug? Ein Unglück? Wir stehen in einem Einschnitt, der den ruhig dahinfliessenden Hang mit hohen, verrauchten Steinwänden unterbricht. Oben, auf dem Hang sind Schnitter. Die Leute blicken mit überschatteten Augen zu uns herunter. Aussteigen! Bitte, doch aussteigen lassen! Nun rennen die Leute hin und her. In der paar gellende Frauenstimmen rufen Kindernamen. Aus den Haselnusstauden kommen ein paar Kinder: der Franzli, derSeppli, der Hansi, das Elseli, und auch die kleine Toni kommt angewackelt, einen grellroten Fetzen hinter sich herziehend. « Anneli! Anneli! * Aber da kommt niemand mehr, da gibt niemand mehr Antwort. « Anneli ! » Nun rufen alle Mäher und die Kinder stimmen ängstlich ein. ' ' .... Ein grosser Mann springt, los, sein Hemd gibt die braune Brust frei, da ist er schon, da lässt er sich auch schon über die hohe Böschuns:smauer gleiten, da humpelt er mit verstauchtem Fuss auf den Zug zu. Die Leute treten zurück, der grosse barfüssige, braune Bauer taumelt durch diese gaffende Gasse der Neugier und des Mitleids zur Bahre vor, er sieht das Blut und das blaue Röcklein, er sinkt in die Knie und schreit so furchtbar auf, dass der Wald erstarrt und der blaue Himmel sich verdunkelt. Der Lokomotivführer presst die Fäuste gegen seine Schläfen, damit sein Schädel nicht zerspringe. Die Menschen lehnen blass an den Trittbrettern der Wagen, sie blicken starr auf diesen grossen Schmerz. Aber da lässt sich ein kleiner Junge über die schwarze Steinmauer fallen, landet unten wie eine Katze auf allen Vieren, springt auf, windet sich zwischen den Leuten durch, hastet auf den vor der Bahre zusammengesunkenen und röchelnden Mann zu und wirft sich ihm mit ausgebreiteten Armen um den Hals : « Vati! Vati! » Der Bauer richtet sich auf, soweit ihn die Arme des Buben freigeben, seine braune Wange lehnt sich an des Buben gelben Haarschopf, und so bleiben sie, so verzuckt des Mannes Schmerz in den lindernden, schmalen Armen des Kindes. Nun kommen die Mäher und die Mäherinnen, nun weinen sie laut auf, kreischen und klagen, aber der Mann und der Bub stehen und rühren sich nicht, schauen nicht nach den braunen Füsschen und dem blauen Röckchen. Der Lokomotivführer schleppt sich mit schweren Füssen zur Lokomotive vor. Der Kondukteur pfeift, die Leute steigen langsam und zögernd ein. Die Türen werden zugeschlagen, der Zug setzt sich langsam in Fahrt. Durch das Rollen der Räder klingt das Klagen der Frauen, der Vater hält den Buben bei der Hand, das kleine Mädchen winkt mit dem roten Fetzen, die Bahre wird aufgehoben und fortgetragen, der schwarze Rauch der Lokomotive verschleiert die hellen Berge und den blauen Himmel. Wong-Peh-Mai, die Königin der Piraten Chinesische Banden plündern unter dem Befehl eines Mädchens. Die Geheimorganisationen sind es, gegen die sich seit Jahrzehnten der Hauptkampf der chinesischen Polizei richtet. Sämtliche Erpressungen, Entführungen hoher, einflussreicher Persönlichkeiten aus Handels- und Finanzkreisen, aber auch aus der Politik und dem Adel, aMe Ueberfälle auf Fluss- und Küstendampfern, alle Räubereien zu Lande gehen auf das Konto dieser unsichtbaren und allmächtigen Geheimbünde. Tausende von Piraten sind im Laufe der Jahre verhaftet und hingerichtet worden. Keiner verriet auch nur ein Wort, tausende treten ersatzbereit in die Lücken. Es sind meist heruntergekommene Matrosen. verhungerte „Kulis und sonstiges lichtscheues Hafen- ..gesindel aus Schanghai. Könnte man die Führer dieser Geheimorganisationen in die Ringer bekommen, würden auch die Bünde „gesprengt sein, da de.r chinesische Kuli sel- : 't^n oder nie zur Führung taugt, ;:: Im Sommer 1933 kommen der chinesischen Geheimpolizei erstmals merkwürdige Gerüchte zu Ohren. Merkwürdiger als alles, was man bisher vermutet hatte. Ausgeplünderte Opfer waren die ersten, die die unglaubhafte Nachricht überbrachten. der oberste Führer aller chinesischen Piraten und Banditen sei eine Frau. Man nahm diese Erzählungen anfänglich als wilde Gerüchte oder unkontrollierbare Märchen hin. Auch hohen, einflussreichen Geschäftsleuten wurde kein Glauben geschenkt. Als aber einige Engländer und Amerikaner die Sache vor ihre Konsulate und diplomatischen Vertretungen brachten, wurde man aufmerksam. Schliesslich wurde ein hoher chinesischer Offizier, der sich in Verkleidung auf einen Küstendampfer begab, mit unwahrscheinlicher Frecheit von Piraten ausgeraubt. Nun ging man der Sache ernsthaft auf den Grund. Der Offizier berichtete zur Ueberraschung der höchsten Regierungsstellen, die Anführerin der Piraten sei eine tollkühne, junge Chinesin, die an Mut. Frecheit und Entschlossenheit alles übertreffe, was man selbst von den berüchtigsten Bandenführern erwartete. Selbst den Namen hatte er in Erfahrung gebracht: Wongpehmai, und dass sie etwa zwanzig bis zweiundzwanzig Jahre alt sei. Hierzu ist eine kleine Vorgeschichte interessant: Im Herzen Pekings liegt ein englisches Erziehungsinstitut, das seine Schüler und Schülerinnen in jenem vornehmen und gesellschaftlichen Stil heranbildet, der auf den englischen Schulen Tradition ist. Unter ihnen war auch die 15jährige Wongpehmai, ein ungewöhnlich intelligentes und vor allem sportgewandtes Mädel, das bald ihre Mitschülerinnen in allem überholte und sich von ihnen durch eine auffallende Entschlossenheit und Zielsicherheit unterschied. Wongpehmai war zudem aus einer alten, konservativen und vornehmen Familie Pekings, die sich den Luxus einer «first - class english education» leisten konnte. Vier Jahre besucht Wongpehmai dieses Institut, lernte die europäischen Hauptsprachen fliessend wie ihre Muttersprache und war auf dem besten Wege, eine « Chinese ladv » zu werden. Bis eines Tages in Wongpehmai ein lange gezügeltes Temperament durchbrach. Sie tat etwas Ungeheuerliches: sie brannte durch! Und von da ab blieb sie für ihre eigene Familie verschollen. Zwei volle Jahre hörte man nichts über sie. Dann tauchten die ersten Nachrichten auf in den Titeln der Schanghai- Zeitungen: «Berüchtigte Räuberbanden tyrannisieren unter dem Oberbefehl einer Frau die Provinzen Kiangsu und Tschekiang. > Bald kamen solche Meldungen aus allen Provinzen Chinas. Bis jener Offizier erstmals Wongpehmai persönlich zu sehen bekam. Kein Mensch wollte es noch glauben. Die eigene Familie steht vor einem Rätsel. Die Behörden lächeln. Sie kennen den Typ eines chinesischen Bandenführers. Er müsste anders aussehen als die hübsche, zierliche 20iährige Chinesin. Da trafen weitere Nachrichten ein. Die Kot>fzeilen der Schanghai-Zeitungen meldeten ein geradezu unerträgliches Ueberhandnehmen von Ueberfällen und Erpressungen an Alisländern. Die Konsulate schritten ein. Man wurde nervös. Europäer waren nur noch auf den grossen Regierungsdamofern sicher. £s kam eine Depesche an die Zentralregierung: «Acht Grosskaufleute verschiedener Nationalität von Wongpehmai persönlich gefangengenommen. Beute 240.000 Dollar, Lösegeld ermresst in der Höhe von weiteren 270,000 Dollar. » Es war der erösste Schlag in der gesamten Geschichte des chinesischen Piraten- und Räuberunwesens aller Zeiten! Selbst die kleinen und kleinsten Bandetifiihrer wurden ihrer Sache überdrüssig und traten auf Seite WongDehmais. die fetzt aflmäh'ich über eine riesenhafte Oreanisation verfügte und fihp.r eine hundertkönfiare Kerntrurme von Piratenfiihrern. von denen '©der einzelne hundertmal knarm am Tode vorbeiging. Alles ordnet sich freiwillig ihrem Kommando unter, da sie fünf europäische Hauptsprachen beherrscht, arme Kulis im Inland fürstlich belohnt, auch für die kleinsten Dienste. Geld spielt bei Wongpehmai keine Rolle. Es wird ihr tagtäglich zue^bracht. Ihre Stosstruppe ist mit den letzten, modernsten Waffen — Maschinengewehren. Handgranaten und Bomben ausgerüstet. Jeder grösseren Aktion folgen genaue, antei'lmässige Leistungsprämien, die die Kulis zu immer neuen Kundschafterdiensten aufstacheln. In Schanghai, Peking und sämtlichen Hafenstädten folgen Razzien auf Razzien. Keine Spelunke, keine internationale Bar, keine Hafenkneipe ist mehr sicher vor den Zueriffen der Polizei. Aber alles bleibt nutzangenehm riechend/ machf die Haut geschmeidig, bräunt u.schutziv Sonnenbrand, ÖMPD &-a BBEL'BIENNE ORICINALFLACON Fr. 2.- IN APOTHEKEN, DROGERIEN, PARFUMER1EN u. COIFFEURGESCHAFTEN ERHÄLTLICH Für den Automobilisten sind nicht nur Haftpflicht-Versicherungen Unfall- und Lebens- Versicherungen, die wirksamen materiellen Schutz vor mancherlei Schicksalsschlägen schweizerische Untallversicherunes-Gesellschat' notwendig, sondern auch gewähren. Verlange Sie unsere Prospekte ono Otferu „Wintert hur" Lebensversicherung»-Gesellschaft