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E_1934_Zeitung_Nr.055

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St. Denis und Bulle und

St. Denis und Bulle und nehmen als allerletzten Alpenpass den Jaun unter die Räder und beendigen mit einer Fahrt durchs Simmental an den Thunersee unsere Kreuz- und Querfahrt über sämtliche schweizerischen Alpenpässe. Wer unternimmt die Tour? Wir empfehlen sie allen denen, die Freude an unsern prächtigen Bergen haben und die möglichst abwechslungsreiche Ferientage erleben möchten. Aber noch einmal: Fahren Sie die Alpenpässe nicht in Rekordzeit, sondern besuchen Sie sie bummelnderweise, und Sie werden aus Ihren Ferien ein reiches Erlebnis mit in den Alltag hinübernehmen, -r. Was braucht man bei Auslandfahrten ? Wir sind leider noch nicht in der glücklichen Lage, bei Auslandsfahrten ohne weiteres über die Grenzen fahren zu können. Hemmende Vorschriften, die noch immer die Erfüllung der verschiedensten Formalitäten verlangen, zwingen uns bei Auslandsfahrten zu langweiligen Vorbereitungen. Mit der Freizügigkeit im internationalen Touristenverkehr ist es noch nicht weit her, wenn auch immerhin festgestellt werden muss, dass die letzten Jahre wieder mancherlei Erleichterungen gebracht haben, besonders im Verkehr mit unsern Nachbarstaaten. Grundsätzlich braucht man für Fahrten ins Ausland folgende Dokumente: 1. Persönlichen Reisepass, erhältlich beiden kantonalen Passbureaus. 2. Triptyk oder Grenzpassierscheinheft, erhältlich bei den Clubs. 3. Internationalen Führerschein, erhältlich bei den kantonalen Automobil-Bureaus. Strassen, wie sie z. B. über den Grossen St. Bernhard und den Septimer führten, zogen nun die römischen Heere und die Felswände hallten wider von Waffengeklirr und dem gleichmässigen Schritt der marschierenden Kohorten. * Vorbei war der Glanz, der Ruhm und die Macht des römischen Weltreiches. Die Völker des Nordens waren erwacht, sie hatten gar oft als Sklaven das sonnige Land südwärts der Alpen kennengelernt. Sie fluteten nun auf den Pfaden, die einst ihre Beherrscher nach Norden geführt hatten, den blauenden Meeresküsten entgegen. Schwere Kämpfe entbrannten um die Alpenstrassen als Schlüssel vom Norden zum Süden; die römischen Kaiser deutscher Nation oder die alten Eidgenossen rangen um deren Besitz. Im Wechsel der Jahrhunderte war es bald der Söldner, bald der Handelsmann, der über die gefahrvollen Pässe zog. Der Verkehr, der so über die Alpen entstand, führte Tausende und Abertausende über ihre Höhen und Hess sie viel von ihren Schrecken verlieren. Der Mensch gewöhnte sich an die Berge, und langsam, ganz langsam fing er an, nicht mehr nur ihre Tücken, sondern auch ihre Schönheiten zu erkennen. * * * Um die Wende des vorletzten Jahrhunderts brach auch in der Geschichte der Alpen — revolutionär wie das ganze damalige Weltgeschehen — eine neue Epoche an. Kühne Forscher erwählten die Alpen zu ihrem Arbeitsgebiet. Strassen wurden gebaut, regelmässige Postverbindungen eingerichtet, und in immer breitere Schichten der Bevölkerung drang die Erkenntnis von der Schönheit der Bergwelt. Bis zu Ende des 19. Jahrhunderts war es ein dichtes Strassennetz, das den Gebirgszug der Alpen vom Mittelländischen Meer bis nach Wien an die Donau kreuz und quer 4. Internationalen Zulassungsschein, erhältlich bei den kantonalen Automobilbureaus. 5. Zollfreipass, der an den Grenzzollämtern ausgestellt wird. 6. CH-Schild, bei den Clubs erhältlich. Wer diese Dinge alle mit sich führt, der ist sicher, dass er durch ganz Europa ohne weiteres reisen kann. Nun bestehen- aber zwischen der Schweiz und den Nachbarstaaten besondere Abkommen, die in bezug auf das Mitschleppen obiger Dokumente einige Erleichterungen bringen. Wer nach Italien reist, braucht den internationalen Führer- und den internationalen Zulassungsschein nicht mehr. Es genügt der schweizerische Fahrausweis. Ebenso ist Triptyk oder Grenzpassierscheinheft entbehrlich, sofern man sich nicht länger als 5 Tage in Italien aufhält und sich nicht über 1000 km im Umkreis vom Eintrittszollamte hinaus begibt. Diese sogenannte Fünftagekarte kann bei den Sekretariaten des A. C. S. oder bei den grössern Eintrittszollämtern nach Italien beschafft werden. Für Fahrten nach Frankreich sind allerdings auch heute noch die sämtlichen oben angeführten 6 Ausweise mitzufiihren. Nur gerade jetzt, zwischen dem 15. Juni und dem 15. Juli 1934, anlässlich der «Semaines de Paris», braucht man nur den Reisepass und das CH-Schild, weil man an der Grenze ein sogenanntes «Laissez-passer» erhält, das die übrigen Ausweise ersetzt. Hoffen wir, dass dieser Versuch, den Frankreich in den 4 Wochen macht, so günstig ausfällt, dass es später zu einer definitiven Regelung in diesem Sinne kommt. Glücklicherweise hat ja Frankreich seit diesem Jahr seine wirklich durch nichts mehr zu begründenden Aufenthaltsgebühren abgeschafft, wobei allerdings gleich die Einschränkung beizufügen ist, dass im gleichen Augenblick die Benzinpreise um 0,50 franz. Fr. pro Liter erhöht wurden. Wer nach Deutschland reist, braucht Pass, Triptyk oder Grenzpassierscheinheft, Zollfreipass und CH-Schild. Es genügt aber an Stelle der internationalen Papiere der schweizerische Fahrausweis. Auch nach Oesterreich reist man unter den gleichen Bedingungen wie nach Deutschland, nur mit dem Unterschied, dass dort auch an Stelle des Triptyks oder Grenzpassierscheinheftes ein sogenannter Zehntage-Vormerkschein treten kann, der 5 Schilling kostet und der noch zweimal um 10 Tage sich verlängern lässt, wobei jedesmal je 5 Schilling zu bezahlen sind. ' "' ; Und noch etwas braucht man, wenn man ns Ausland reist und woran man nicht zuetzt denken soll: das sind Karten und Füher, die zur notwendigen Ausrüstung jedes Automobilisten gehören. Wohin man auch mmer fahren mag, in irgendein Land Europas, der Tourenonkel der «Automobil-Revue» weiss Ihnen immer einen Führer oder eine Karte, die Sie auf allen Strassen Europas sicher führen werden. durchzog. Es war die Zeit der Landstrassenromantik, die Zeit, da vielspännige Postkutschen mit klingendem Gescheite die Fremden über die Alpenpässe führten. Beschaulich war das Reisen damals, Tage brauchte man, um vom Nordfuss zum Südhang der Alpen zu gelangen, für Strecken, die man heute in wenigen Stunden durchfährt. Und es kam die Eisenbahn, und es kam der Krieg — die Strassen in den Alpen verödeten. Still war's auf den Bergstrassen geworden, kaum ein Wanderer, der noch darüber pilgerte; es schien, als ob diese Gebiete wieder zurückversinken wollten in die Zeiten urweltlicher Stille. Doch einen Augenblick nur dauerte diese Stille, kaum eine Sekunde, gemessen am Zifferblatt der Natur. Es kam die Zeit des Automobils und mit ihm sprunghaft eine Belebung der Alpenstrassen, wie sie nie auch nur geahnt werden konnte. Wo früher ein paar Kutschen den Weg über einen Pass fanden, da flitzen heute Hunderte von Automobilen täglich hin- und herüber. Die Strasse die in einstigen Zeiten genügte, war bald zu eng und ungeeignet, um den plötzlich anschwellenden Verkehr zu fassen. Es setzte, wie schon zur Zeit der Römer, und später um die Wende des 17. Jahrhunderts, zum dritten Male ein neues gewaltiges Bauen ein, welches das Strassennetz des Alpengebietes in Oesterreich, Italien, der Schweiz und Frankreich zu einem der vorzüglichsten der Welt ausweitete. Mit der Einsamkeit und der Stille in den Alpen ist es vorbei. Und das ist gut so. Dafür sind es Tausende, die jährlich kreuz und quer über die Berge fahren, hinauf und hinunter durch liebliche Täler und wilde Felsschluchten, sich niederlassen zur Rast an den blauen Seen, und sich aus den Bergen wieder die Kraft und den Mut zur täglichen Arbeit zu holen. REISEBLATT DER AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N° 55 Aus der Werkstatt des Tourenonkels. Wem ist der Tourenonkel nicht bekannt, dieser Herr mit der grossen Locke, der Ihnen aus allen Ecken der «Automobil-Revue» freundlich zulächelt; er, dieser Sonderling, der, je mehr er von Ihnen, lieber Leser, «belästigt» wird, um so freundlicher dreinblickt; denn er ist so begeistert, Tourenauskünfte und Ratschläge erteilen zu können — er erlebt ja die Reise mit — allerdings nur in seinem Landkartenhaus. Viele Tausende von unseren Lesern haben sich von ihm beraten lassen, und dass alle mit seinen Ratschlägen und Routen zufrieden waren, dafür zeugen die unzähligen Kartengrüsse, die täglich aus allen Gegenden Europas in seinen Briefkasten fliegen! Heute will Ihnen der Tourenonkel berichten, wie es so zu und her geht in seiner Werkstatt Lieber Leser! Ich will Dir ein wenig verraten, wie eigentlich mein Betrieb funktioniert. Ganz einfach, wirst Du sagen; da kommen am Morgen eine Menge Anfragen ins Haus und am Abend gehen, wenn immer möglich, ebenso viele Antworten wieder aus. Was in der Zwischenzeit geschieht, nun da gibt's manchmal viel Kopfzerbrechen, sind doch die Wünsche unserer Leser so grundverschieden. Da will einer eine Tante im Elsass besuchen, ein Mutterherz will zu ihrer Tochter nach Brüssel fahren, die dort im Pensionat weilt. Unzählige möchten an der Riviera ihren Teint verschönern. Besonders Italiens Kunststätten üben grosse Anziehungskraft auf viele Autler aus; andere wünschen die Eigenheiten des Balkans kennenzulernen und ein besonders Eiliger will den ganzen Kontinent in 10 Tagen abklopfen (im dritten Gang) und möglichst viel sehen. So lauten etwa die vielen Fragen. Damit es mir überhaupt möglich ist, stets auf dem laufenden zu sein, habe ich mir meine Werkstatt als kleine Nachrichten-Zentrale eingerichtet, in der regelmässig von Mitarbeitern aus allen Herren Ländern Europas Meldungen über Strassenzustand und örtliche Verhältnisse eingehen; auch viele meiner Freunde berichten mir von ihren Reisen, was sie für Strassen angetroffen und wie die jeweiligen Verhältnisse auch sonst gewesen sind. Rings um mich ist Karte an Karte gereiht, auf denen die letzten Meldungen über Zustand, Bau oder Sperrungen im gesamten, europäischen Strassennetz gebucht werden. Ein Schrank mit Dutzenden von Regalen enthält Literatur über die verschiedensten Gebiete Europas. Das ist meine Werkstatt, die, fast möchte ich sagen, einer Drehscheibe der europäischen Strassen gleicht. Ja, und bald hätte ich noch vergessen, dann sitzen meine Mitarbeiter, oder ich, regelmässig am Steuer, dadurch reihen sich jährlich Tausende von Kilometern auf dem Zähler und zugleich häufen sich die Mappen mit den gesammelten Erfahrungen und Ratschlägen aus den verschiedensten Tourengebieten. Nun, nachdem ich geprüft habe, wo Hans und Heiri hinreisen wollen, wo Müllers die Sommerfrische zu verbringen wünschen, -wird 1 Ordnung in die Wunschzettel gebracht; nar 1 -; Gebieten werden die Fragen eingeteilt uti-_L dann beginnt das oft mühsame Nussknacken. Zuerst wird, sagen wir mal, die Gruppe Oberitalien behandelt; eine Anfrage nach der andern wird «zu Faden geschlagen», die Strecke wird zusammengestellt, die Kilometerzahl ermittelt, dann wird das vielgewünschte Sehenswerte herausgesucht. Des weitern werden die Sonderwünsche der Feinschmecker usw. berücksichtigt und der Spezialist für Hotels gibt die gewünschten Angaben; dieser Kerl kennt deren viele, über 2000 Hotels von Europa hat er klassenweise geordnet und kennt ihre Vorzüge. Dann kommt noch der letzte Hobelschliff; auf Grund der letzten Meldungen über Strassenzustand wird die «Probe» verbessert, bis der Tourenvorschlag perfekt ist und Dir, lieber Leser, zugeteilt wird, damit Du die denkbar schönste und genussreichste Reise antreten kannst. Du siehst, dass es nicht ganz so einfae ist, die unendlich vielen Wünsche zu erfassen. Ich tue mein möglichstes, um den Vorschlag Dir treffend zu gestalten, aber sollte er einmal nicht ganz Deinem Wunsche entsprechen, so sei mir nicht böse; sollten kleine< Unrichtigkeiten sich eingeschlichen haben, so teile mir diese so bald wie möglich mit, dafür bin ich Dir sehr zu Dank verpflichtet und viele andere Deiner Brüder, denen ja Deine interessanten Mitteilungen auch zugute kommen. Damit ich Deine Anfrage ganz und gar nach Deinem Wunsch ausarbeiten kann, lass mich über nachfolgende Punkte nicht im Unklaren: 1. Reiseziel. 2. Was für Orte,müssen berührt werden? 3. Wieviel Zeit steht zur Verfügung? 4. Durchschnittliche Tagesetappen in Kilometer? 5. Zeitpunkt der Bellinzona, Schloss Uri.

N» 55 - 1934 SEISEBLATT DER AUTOMOBIL-REVUE 29 Reise? 6. Werden Hotelangaben gewünscht? Rang? 7. Sind Grenzformalitäten anzugeben? Auf diese Weise wird es mir stets möglich sein, Dir eine schöne Fahrt auszuarbeiten. Und nun Glück auf zu frohen Fahrten! Der Tourenonkel. Schweizer Küche und Keller . Die Schweiz kann sich mit ihren gastronomischen Schätzen nicht an die Spitze ihrer Nachbarn im Westen und Süden stellen. Die Lage des Landes, die intimen Verhältnisse einzelner Landesteile zum benachbarten Ausland, sowie die den Gaumen und Wünschen der Fremdenwelt gerecht zu werdenden Hotelküchen, haben eine vielseitige Anpassung der Schweizer Küche mit sich gebracht. Dass sich trotzdem da und dort eine Spezialität zu halten vermochte und weder der Schweizer Küche noch dem Schweizer Keller das Zeugnis der Armseligkeit und Banalität ausgestellt werden kann, dürfte der nachfolgende ungezwungene gastronomische Streifzug durch die Schweiz beweisen. Mit dem Schweizer Keller ist es viel besser bestellt, Alter Schlosshof in Interlaien. als man schlechthin glaubt. Es wächst an manchem sonnigen Rain ein Tropfen, der selbst der vornehmsten Kennertafel zur Ehre gereicht. I. In der Ostschweii. Der Thurgau ist die eigentliche Obstkammer der Schweiz. In keinem andern Kanton stehen die Aepfel- und Birnbäume so dicht. Man tut deshalb gut, im Gau der Thur dem Kernobst zuzusprechen. Die zahlreichen Mostereien schaffen aus besondern Obstarten .den Most und Saft; der letztere ist reiner Obstsaft, während Most eine gewisse Menge Wasser enthält. An Weinen ist der Thurgau schlechter bestellt. Abgesehen von einigen sogenannten Landweinen (Iselisberger, Nussbaumer, Kalchrainer etc.), die ziemlich rauh und sauer sind, sind als vorzügliche, jedoch nur in geringen Mengen gekelterte Tafelweine der «Karthäuser» und der «Bachtobler» zu nennen. — Am Untersee und Bodensee wird eifrig Fischfang getrieben, so dass überall am Seeufer mit Fischen, vor allem Felchen, Egli, Eschen, Chretzern und Seehechten, aufgewartet wird. Die im November und Dezember in den Handel kommenden «Gangfische» sind geräucherte Seefische, in De Ture-Unga'e rOefl von hoher Warte: «Fahr 1 immer mit-ere Hallwaa-Charte!» Art und Geschmack den Bismarck-Heringen nahestehend. Der Kanton St. Gallen hat einer in der ganzen Schweiz geschätzten Wurst, dem «St. Galler-Schüblig», den Namen gegeben, die fast überall zu finden ist und, allerdings je nach Befähigung und Geschmack des Metzgers, eines der vorzüglichsten Produkte der Metzgerei darstellt. Am sanktgallischen Ufer des Bodensees versorgen die Fischer die Gasthöfe mit Felchen und Hechten. St. gallische Weine keltert man am Sonnenhang des Rheintals (Rheintaler, Werdenberger). Die beiden Halbkantone Appenzell Ausser- und Innerrhoden erzeugen einen eigenen Magerkäse, den Appenzellerkäse mit dem Adjektiv «räss», womit gesagt ist, dass der «Appenzeller», wenn er gut sein soll, auch «räss« (scharf) sein muss. Die Zuckerbäcker fabrizieren, wahrscheinlich seit Jahrhunderten, ihre Biberfladen, vorzüglich mundende Kuchen mit Mandelfüllung, die auf den Jahrmärkten vor den Festttagen vielbegehrte Artikel sind. Aus den im appenzellischen Voralpenland gesammelten Kräutern wird der Appenzeller Alpenbitter, ein bekömmlicher, in der Ostschweiz weitverbreiteter Bitter hergestellt. Am sonnigen Rain des Zürichsees gedeihen einige famose rote Weine: Herrliberger, Erlenbacher und Stäfener. Der Kanton Zürich ist überhaupt nicht schlecht versehen mit einheimischen Sorten. Auch in den östlichen Gebieten hat das «Züribiet» ein paar Weinresidenzen mit wohlklingenden Namen, so Rafz, Flaach und Neftenbach, die es zu grosser Ehre gebracht haben und die sich mit den Forellen aus den vielen Bächen und Flüssen, die der drittgrösste Kanton der Schweiz sein eigen nennt, ausnehmend gut vertragen. Der Zürichsee ist an Fischen nicht besonders reich. Der Grenzlkanton Schaffhausen hat auf der Sonnseite des Randen einige Rebhänge, an welchen im Herbst ein zu den besten einheimischen Sorten zählender «Roter» gekeltert wird. Das ist der «Hallauer». Schaffhausen und Stein am Rhein, das am Hohenklingen seinen eigenen roten «Steiner» pflegt, warten mit Fischarten auf, die sich sehen lassen dürfen. Felchen und Hechte nehmen die beiden Vorzugsplätze ein. Aus dem Glarnerland stammt das im Inland als Ziger und im allgemeinen als Kräuterkäse bekannte Milchprodukt. Das Glarner Bäckereigewerbe hat zwei schmackhaften Spezialitäten: der Pastete, einer mit Mandeln und Zwetschgen gefüllten Torte, und dem. Glarner Birnbrot, zu gutem Ruf weit über die Kantonsgrenze hinaus verhelfen. Der Bergkanton Graubünden erzeugt das als Delikatesse geschätzte Bündnerfleisch, oder, wie es in seiner Heimat selbst genannt wird, das Bindenfleisch, das an der frischen Bergluft getrocknet und zart geschnitten serviert wird. An Weinen gedeihen in der Bündner Herrschaft, worunter das Rheintal zwischen Chur und Ragaz gemeint ist, einige ganz vorzügliche Sorten: Maienfelder, Malanser, Jeninser, Zizerser und Fläscher. Das nahe Veltlin liefert einen ansehnlichen Teil des bündnerischen Weinkonsums. Obschon ausländischer Provenienz, nimmt der Veltliner auf den Weinkarten Graubündens einen bevorzugten Platz ein, und es ist leicht zu begreifen, dass des Landes Unkundige den «Veltliner» für einen ganz vorzüglichen Bündnerwein halten. II. Die Innerschweiz. hat einen beträchtlichen Anteil an der Produktion von gebrannten Wassern der Schweiz. Die Kantone Zug und Schwyz verfügen über vorzüglich gepflegte Kirschenkulturen, die die Landschaft im April und •Mai in ein einziges grosses Blühen versetzen. Die Birnwecken der Luzerner und Schwyzer, die auf die Winterfesttage im ganzen Land Anklang finden, sind denn auch nur wahrhaftig echt, wenn der Bäcker mit dem Kirsch nicht allzu sparsam umgegangen ist. Der Zugersee liefert im Frühwinter die begehrten Zuger-Rötel, eine von Kennern vielgepriesene Fischart, die an einer Sauce schmackhaft zubereitet wird. Im luzernischen Städtchen Willisau ist eine Bäckereispezialität heimatberechtigt, die zu hohen Ehren gelangt ist: das Willisauer Ringli. Im Herbst wird in manchem Landgasthof .in der Umgebung von Luzern eine vorzügliche Schnecke in verschiedener Zubereitung vorgesetzt, die dem berühmten Burgundergericht nicht nachsteht. III. In der Zentral- und Nordschweiz. Eine Spezialplatte, die zu nationaler Bedeutung gelangt ist, besitzt der Kanton Bern in seiner Bernerplatte, ein Gericht aus Speck, Rauchwurst, Rippli, Rindfleisch, Kartoffeln und je nach Jahreszeit Sauerkraut (Winter) oder Bohnen bestehend. Das Emmental hat, abgesehen von dem universell bekannten Emmentaler Käse, auch einer dem St. Galler Schüblig nahe verwandten Wurst den Namen gegeben. Im Kanton Bern sind auch die ersten schweizerischen Schachtelkäse entstanden, die nicht nur als Bereicherung der schweizerischen Käsetafel, sondern vor allem auch zur Belebung des schweizerischen Käsemarktes im Ausland viel beigetragen haben («Gerberkäse», «Chaletkäse»). Auch die Berner, vor allem stadtbernische Konditoren haben ihre Spezialität, die «Lebkuchen», die sie in origineller Weise mit dem Wahrzeichen Berns, dem unvermeidlichen Bären, zieren. Die Reben für die Berner Weine stehen im Seeland, um den Bielersee vor allem, Lausanne mit Schloss und Kathedrale. wo einige vorzügliche weisse Sorten gedeihen: Twanner, Schaffiser, Gampeler. Eine bevorzugte Spezialität der bernischen Landgasthöfe, die vom Kenner zu den vorzüglichsten des Landes gezählt wird, ist die Forelle, die in den Bergbächen des Emmentals und der Voralpen in hervorragender Qualität gedeiht. Blau, gebacken oder « ä Ia meuniere» wird sie überall als Delikatesse serviert. Auch der Berner Landschinken, die sogenannte « Burehamme », ist ein Gericht, das hierzulande in seltener Güte anzutreffen ist. Die Berner « Rösti», die trefflich zubereitete Bratkartoffel, darf als Zuspeise auf keinem Tisch im Berner Landgasthof fehlen, sowenig als die « geschwungene Nidle », eine Nachspeise, die anderswo als Schlagsahne kaum besser mundet. In den Backstuben Basels wird die berühmteste aller schweizerischen Backwerk- Spezialitäten hergestellt, das Basler Leckerli. Es hat heute in allen guten Konditoreien des Landes sein Plätzchen, doch soll es in seiner Heimat besonders gut geraten und daher als «echtes Basler Leckerli» eine wohlbegreifliche Vorzugsstellung gemessen. IV. In der Westschweiz. Im Kanton Freiburg liegt die Heimat des Greyerzer Käses («Gruyere»), der in Art und Geschmack dem Emmentaler Käse gleichkommt. In den Freiburger und Waadtländer Voralpen stellen die Sennen den vor allem von den Einheimischen hochgeschätzten Weichkäse «Vacherin» her, der zur Herstellung von « Fondue », dem « Fondue fribourgeois», verwendet wird. Als einziges Weingelände besitzt Freiburg die Rebhänge am Murtensee, wo, allerdings nicht in grossen Mengen, am Mont Vully der weisse «Vully» gedeiht. Im Frühjahr locken die ausgezeichneten Spargeln dieser Gegend. Rühmlichst hervorzuheben an den Gestaden des Neuenburger- und Bielersees sind die spritzigen, kohlensäurestarken Neuenburger Weine, vor allem der weisse; sie munden trefflich, zählen zu den leichten, « süffigen» Weinen und sind stets eine angenehme Begleiterscheinung zu den vorzüglichen «Bondelles», der ausgezeichneten Fischgerichte des Neuenburgersees. Im Waadtland sind es vor allem Fisch und Käse, die zu Spezialitäten herangezogen werden: Die « Friture du lac », aus gebackenen Seefischen, meistens Feras (Felchen) bestehend, und drei Käsespezialitäten, «Sales », « Croüte au fromage » und « Fondue ». «Sales> sind kleine Käsetörtchen, «Croütes» Käseschnitten, und das «Fondue», das beliebteste von allen, besteht aus in Weisswein und Kirsch gekochtem Käse, der warm mit Brot gegessen wird. Die Metzger von Payerne haben einer sehr schmackhaften Wurst, der «Saucisson de Payerne», zu kantonaler Bedeutung verhelfen. Zu allem gehört natürlich Weisswein, der in der Waadt zur Genüge wächst und auf jeder gutbestellten schweizerischen Weinkarte vertreten ist. Aus der reichen Auswahl nennen wir die folgenden: «La Cöte», «Dezaley», «Cure d'Attalens», «Luins», «Yvorne»und « Aigle ». Die oberste Talsohle der Rhone, das Tal zwischen dem Walliser und dem Berner Hochgebirge, ist einer der fruchtbarsten Gärten des Landes. So kann sich denn das Wallis Tühmen, nicht nur die höchsten Berge und die meisten Gletscher sein eigen zu nennen, sondern es hat auch, allerdings auf einem im Verhältnis zur Grosse des Kantons beschränkten Teil innerhalb seiner Grenzen mannigfaltige und sehr ertragreiche Kulturen. Ohne einer andern Marke nahe zu treten, darf wohl gesagt werden, dass im Wallis einer der besten Tropfen zum Gedeihen kommt. Es ist vor allem Weisswein, Fendant, der zwischen Sitten und Martigny sonnenseits gekeltert wird und in seiner Heimat in jedem Wirtshaus zu erstaunlich billigem Preis erstanden werden kann. Als Flaschenwein steht er als «Fendant du Valais», « Montibeux », « Chäteau Conthey », « Molignon » und « Johannisberg » auf der Weinkarte. Der bekannteste Rotwein ist der von Kennern hochgeschätzte, ziemlich schwere «Dole». Das Wallis aber hat nicht nur einen Weinkeller par excellence; neben den Reben kommen, dank dem milden Klima — das Wallis ist der regenärmste Kanton — die Aprikose und der Pfirsich in Fülle zum Gedeihen. Im Frühsommer liefert das Rhonetal ausserdem in beträchtlichen Quantitäten Spargeln. Wenn auf den Speisekarten mit Nachdruck darauf hingewiesen wird, dass die Spargeln des Hauses aus dem Wallis stammen — Asperges du Valais — so will man damit betonen, dass man es mit ganz vorzüglichen Spargeln zu tun hat. Der Walliser selbst spricht allerdings einem «Fondue » oder einem « Raclette » mit Vorliebe zu. Während das «Fondue » in der ganzen Westschweiz zu Hause ist, ist das «Raclette» in erster Linie im Wallis heimatberechtigt und nicht etwa in irgendeiner Hotelküche er- Zwei Führer — die Ihrigen! AUTOMOBILFUHRER DER SCHWEIZ EUROPA TOURING AUTOMOBILFÜHRER VON EUROPA Zu beziehen in allen grdsseren Buchhandlungen und beim VERLAG HALLWAG, BERN