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E_1934_Zeitung_Nr.058

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 — N° 58 schlusskappe abgenommen, dann löst man nacheinander bei jedem Bürstenhalter den Schraubenring und zieht die Kohlenbürsten heraus. Mit einem Haarpinsel werden der Bürstenhalter und die Bürsten von ansitzen- zu schaffen, dass ein auf der Strassenfahrbahn sich bewegendes oder stehendes Fahrzeug möglichst frühzeitig angezeigt wird und J der Motorfahrzeuglenker, dadurch gewarnt, seine notwendigen weiteren Handlungen entsprechend frühzeitig einrichten kann. Unabhängig davon aber muss der Motorfahrzeuglenker sich ausschliesslich nach seiner eigenen Beleuchtungsanlage und deren Leistungsfähigkeit richten, besonders da es ja auch eine Reihe Strassenbenützer gibt, die zu eigener Beleuchtung nicht verpflichtet sind, auch einmal ein wohl zur Beleuchtung verpflichtetes Fahrzeug am Strassenrande ste- Wie man don Kollektor der Lichtmaschine reinigt. hen kann, an dem die Beleuchtung aber zufällig versagte, das nun für die Dauer der schliessend wieder eingesetzt. Hierbei dem Kohlenstaub gereinigt und diese an- ist Behebungszeit des Mangels oder bis zurdarauf zu achten, dass die Kohlenbürsten in Herbeiholung von Hilfe zum Abschleppen unbeleuchtet ist. Verschmutzter Verteiler. Obgleich der Verteiler unter einem nahezu staubdicht schliessenden Deckel arbeitet, ist es doch nach längerer Zeit des Betriebes nicht ausgeschlossen, dass sich hier aus den abgeriebenen Bestandteilen des Verteilers, untermischt mit Oel und Staub, eine leitende Verbindung von einer Kontaktstelle zur andern bildet. Der Strom wird dann von dem Verteiler nicht nur immer der jeweils gewünschten Kontaktstelle zugeführt; es haben vielmehr sämtliche Kontaktstellen Strom und die Folge ist eine Störung. Man entfernt den Deckel, zieht den Verteiler, der nur aufgesteckt ist, mit der Hand heraus und reinigt Verteilerscheibe und Stromverteiler. Man verwendet dazu einen trockenen Lappen oder einen weichen Pinsel, Um jeden Kohlenrückstand zu entfernen, kann man die Schleifbahn auch noch mit einem benzinbefeuchteten Lappen abwischen, vergesse dann aber nicht, mit einem mit Maschinenöl befeuchteten Lappen nachzuwischen, weil dadurch die vom Benzin aufgerauhte ScMeifbahn wieder geglättet und der Verschleiss der Verteilerkohle vermindert wird. Mit dieser Arbeit braucht man übrigens, nicht zu warten, bis sie ununmgänglich nötig ist, man kann sie gelegentlich vornehmen, denn Sie bedeutet nur einen Handgriff. Die Behandlung der Lichtmaschine. Ungefähr alle sechs Monate ist die Lichtmaschine zu kontrollieren. Zunächst wird die Ver- den Haltern leicht beweglich sind und die Federn richtig aufdrücken. Ist eine Bürste zu weit abgenutzt, so muss sie ausgewechselt werden. Mindestens alle Jahre muss die Lichtmaschine auch geschmiert werden. Die beiden Kugellager auf dem Anker sowie das Antriebslager und das Kollektorlager werden sorgfältig von dem alten Fett befreit und mit einem in Benzin getauchten Pinsel oder Lappen gereinigt. Das Kollektorlager ist durch das Magnetgehäuse hindurch sehr leicht zugänglich. Sobald die Lager trocken sind, können sie wieder mit frischem Heisslagerfett (Schmelzpunkt nicht unter 175° C) eingefettet werden. Der Kollektor ist ebenfalls mit einem in Benzin getauchten Lappen zu säubern. fp

Bern, Dienstag, 17. Juli 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 58 Vor allem irtüsst flir bedenken, dass es sich um einen Menschen handelt, der bei Jahren ist. Wollt ihr als ein Beispiel des Menschendaseins ein Leben betrachten, das mit der Geburt beginnend, wie der Weg eines Bergsteigers hinauf bis zur Kuppe und dann wieder zu Tal führt in den Tod, so hat dieser Mann hier gut vier Fünftel seines Ausflugs hinter sich. Noch streifen die letzten Strahlen einer Sonne, die jenseits der fernen Berge versinken will, sein schlohweisses Haar, er schreitet rüstig, aber bald wird seine aufrechte Gestalt im Dunkel des Talkessels verschwinden. Seht, welch ein Mensch er ist! Stürme haben Furchen in seine Stirn geschlagen; die Lippen, die in den Kämpfen des Lebens zusammengepresst waren wie ein Schnitt, haben sich jetzt im Abend wieder mild erschlossen und die von vielen Falten und Fältchen umgebenen Augen blicken klar wie der Himmel selbst, der ihm den letzten Gruss entbietet. Damit ihr ihn näher kennenlernt, sei euch noch mitgeteilt, dass er ein kleines Haus bewohnt hat nah einem Dorf, doch ziemlich einsam, wo Wald und Wiesen zusammentreffen. Es ist offenbar, dass er nichts wollte, als hier in Einsamkeit und Besinnung ein Leben still zu beschliessen, das reich gewesen an Erschütterungen. Bedenkt, wie schwer es sein musste, das Gleichmass dieses Einsamen zu stören, ^ $eine Seele, die bereits Einzug hielt in Baum ! und Blume und sich verlor an die Erde, den Wind, das Himmelslicht, aufzurütteln zur Tat, die er begangen hat. Sein Geständnis ist klar und eindeutig: «Ich habe ihn niedergeschossen.» Er hat einen Mann getötet, ohne Gewinn und Vorteil daraus zu ziehen, einen Mann, den er nicht kannte und der ihm nie etwas zuleide tat. «Ich bin ein alter Soldat und habe meinen letzten Schuss abgegeben — auf den Feind,» Mehr war nicht aus ihm herauszubringen. Jenseits der Lichtung stand ein Haus. Aus dem Garten des alten Soldaten sah man hinüber zu diesem Haus, man hörte, was darin vorging, und konnte dem Leben der zwei Menschen, die es bewohnten, nicht entrinnen. Vor Monaten hatte der Nachbar das Haus gekauft. Ueber seinen Beruf war man sich nicht recht im klaren; vielleicht ">ar er Holzhändler, denn er hatte regelmässig in der Stadt zu tun. Meist fuhr er morgens mit dem Rade fort, den Waldpfad benutzend, der am Hause des alten Mannes vorbeiging, und kehrte erst heim, wenn der Abend seine Nebel über den Teich ausbreitete. Gross und knochig war der Mann, hatte struppiges schwarzes Haar auf dem Kopfe und kleine stechende Augen. Seine Arme waren wie Dreschflegel, er hatte Fäuste wie Keulen. Er hielt sich stets etwas geduckt, als wäre er auf Fang aus, wie ein Raubtier. Die Frau war klein und zart, und einmal, als der alte Mann sie aus dem Garten erspähte, während sie Wäsche von der Leine nahm, erschien sie ihm leicht wie ein Alter Soldat Von Alexander von Sacher-Masoch. Falter, den der erste Windstoss fortzuwehen vermochte. Leicht, aber nicht fröhlich, denn sie sang nie. Er beschloss, gleichsam als hätte er gespürt, dass sich von dort drüben eine Gefahr für ihn näherte, die Nachbarn gar nicht zu beachten. Das gelang ihm nicht. Er hörte das Schreien der kleinen Frau schon in der zweiten Woche nach ihrem Einzug. Zwar konnte er die Schläge nicht vernehmen, aber am nächsten Tag schleppte sie sich erst gegen Mittag vor das Haus, um ihre schwere Arbeit zu verrichten, Wider Willen musste er hiniibersehen, ihr Kopf war mit einem Tuch verbunden und es schien ihm, als könnte sie den linken Arm kaum bewegen. Sich abwendend, war er bemüht, den Vorfall zu vergessen. Aber leiser Unwille regte sich schon damals in seinem Herzen. Es blieb nicht dabei. Einmal sah er die kleine Frau voll Entsetzen zwischen den Bäumen und Sträuchern ihres Gartens rennen. Aber sie wurde eingeholt, bei den Haaren gepackt und in das Haus zurückgezerrt Er dachte daran, den Fall anzuzeigen, dann aber siegte die Erwägung, dass ihn nichts anginge, was in fremden Häusern sich ereignete. Wer konnte wissen, wie die kleine Frau selbst darüber dachte? Doch er war aufmerksam geworden und begann seine einsamen Tage damit auszufüllen, das Leben der Nachbarn zu beobachten, soweit dies anging. Und er gewann allmählich die Ueberzeugung, dass die kleine Frau drüben in einer wahren Hölle lebte. Weshalb er sie so schlug und peinigte, war nicht zu ergründen. Denn sie besass alle Eigenschaften einer guten Hausfrau. Peinliche Sauberkeit herrschte in Hof und Garten, sie fütterte die Hühner, kochte, wusch, räumte auf. Die Mühen des ganzen Haushaltes waren ihren schwachen Schultern aufgebürdet. Der alte Soldat empfand grosse Ehrfurcht vor~~dieser kleinen Frau und begann' mehr Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen, als einem Fremden eigentlich zukam. Und langsam erwachte der Groll in seinem Herzen gegen den Nachbarn. Immer von neuem kam es drüben zu Misshandlungen. Einmal wachte er spät nachts vom Schreien der Nachbarin auf. Es waren dünne, langgezogene Schreie, wie sie ein Kind ausstösst, das grosse Angst empfindet. Tags darauf — ihr Mann war wie gewöhnlich abwesend — kam sie erst spät zum Vorschein. Sie bot einen jammervollen Anblick. Sie trat aus der Tür, in ein Tuch gehüllt, und lief, nicht rechts und links blikkend, durch das hintere Gartentürchen auf den Teich zu. Etwas in ihren Bewegungen machte auf den alten Soldaten einen besonderen Eindruck. Er verspürte den Zwang. ihr zu folgen. Er bog um das Birkenwäldchen und gelangte zwischen den Weiden in die Nähe des Ufers. Dort sah er sie laufen. Ihre Bewegungen hatten nichts Menschliches mehr an sich. Sie lief mit genau abgemessenen Schritten wie eine Maschine auf den Teich zu. , Das Ufer war seicht, sie war bereits knietief im Wasser, als er sie einholte. Sie sah ihn erschreckt und verständnislos an, aber dann folgte sie ihm willig die Böschung hinauf, während er begütigend wie ein Vater auf sie einsprach. Er strich ihr das wirre Haar aus der Stirn und sprach Gedanken aus, die er sonst nur sich selbst anzuvertrauen pflegte. Unter dem Eindruck seiner stillen, klaren Worte beruhigte sie sich allmählich. Ja, sagte sie, sie werde es noch einmal versuchen, er habe recht, aber das Leben sei so schwer zu tragen. Er verliess sie an der Gartenpforte. Dann ging er zurück zum Hause, nahm den alten Armeerevolver zu sich, schloss die Tür ab und gelangte auf einem Umweg auf den Pfad, der zur Stadt führte. Er ging vielleicht eine Stunde lang weiter mit ruhigen, gleichmässigen Schritten, den Blick geradeaus auf den Weg gerichtet. Dann setzte er sich auf einen Baumstumpf und wartete. Er überlegte alles genau. Wieder verging eine halbe Stunde. Dann hörte er in der Ferne das Klirren des Fahrrades. Der Mann kam näher, wuchtig die Pedale tretend, mit gesenktem Kopf. Der alte Soldat stand auf. « He ! » rief er. Der Mann sprang im gleichen Augenblick vom Rade. So standen sie sich gegenüber, eine Weile schweigend. « Wer sind Sie ? » fragte der Mann mürrisch. « Ich bin Ihr Nachbar », sagte der alte Soldat. Und nach kurzem Ueberlegen : « Ich möchte mit Ihnen über Ihre Frau sprechen. Ich weiss ! » rief er mit erhobener Stimme, als der andere Miene machte, ihn unwillig zu unterbrechen. «Es geht mich nichts an, was drüben in Ihrem Hause geschieht. Es ist Ihre persönliche Sache, ob Sie die kleine, zarte Frau zu Tode prügeln oder durch Ihr Verhalten in einen freiwilligen Tod treiben. Dies alles geht mich nichts an. Aber sehen Sie, ich bin ein alter Mann und habe Vieles erlebt. Ich bin in der ganzen Welt herumgekommen, ich habe die Menschen, das Leben, kßrjtren gelernt. Ich hatte niemanden. Verstehen'Sie, ich hatte keinen Menschen, der zu mir gehörte. Das tat mir immer leid, aber ich habe wohl die richtige Zeit verpasst und heute ist es zu spät. » Der andere stand mit geballten Fäusten und engverkniffenen Augen vor dem alten Mann. Er sagte nichts. Der alte Soldat sprach weiter : « Es geht mich also nichts an, was Sie da drüben tun, aber heute habe ich Ihre kleine Frau aus dem Wasser geholt. Eine Minute später und sie wäre ertrunken. Sie lief auf das Wasser zu, nicht wie ein Mensch, der sich umbringen will, sie lief wie eine Maschine, die nichts Menschliches an sich hat; sie lief, als wäre sie bereits tot. Verstehen Sie das, Herr ? Können Sie das begreifen ? Es geht mich nichts an. was Sie da drüben treiben », sagte der alte Soldat mit erhobener Stimme, « aber obwohl dies so ist, werde ich Sie doch daran hindern, einen Mord zu begehen. Vielleicht tue ich unrecht, danach frage ich nicht viel. Es ist der letzte Befehl, den ich heut befolge. Der letzte Befehl eines Vorgesetzten : meines Herzens. » Leise senkte sich die Dämmerung auf den Waldpfad. Die Zwei standen sich gegenüber. Klar und hart leuchteten die Augen des alten Soldaten. Ihr Blick bohrte sich in das Gesicht des Mannes, der keuchend und seiner selbst kaum noch mächtig vor ihm stand. Er schleuderte das Fahrrad von sich. « Sie werden mir hier versprechen », sagte der alte Soldat leise, « Sie werden mir bei Ihrem eigenen Leben schwören, dass Sie die kleine Frau nie wieder anrühren wollen. Hören Sie mich ? ! Nie wieder ! Es sei denn — in Liebe.» Da lachte der andere. Und in diesem Lachen entschied sich sein Schicksal. Denn hl diesem Lachen war keine Spur von menschlichem Begreifen. Er würde es wiedertun, klang aus diesem Lachen heraus, und nun erst recht, weil dieser Fremde ihn daran hindern wollte. In der Dämmerung, die sich jäh hernieder senkte, begannen die Konturen des andern zu verschwimmen. Nur seine Augen glommen wie die eines Raubtieres, das zum Sprung ansetzt. Und zwischen diese Augen hinein zielte der alte Soldat mit grosser Sorgfalt. Der Knall des Schusses floh aus dem Wald und glitt, allmählich verhallend, über das Land... Der Sieger von Ohio. John Davison Rockefeiler — Die. Bilanz eines Lebens. (Fortsetzung aus Nr. 56 des «A.-F.») Nichts kennzeichnet die Gegensätze und inneren Widersprüche in diesem Menschen übrigens deutlicher, als sein Verhalten in sozialen Dingen. Als Kapitalist und Unternehmer ist Rockefeller bis zur Brutalität rücksichtslos und bedenkenlos gewesen. Der Arbeiter war für ihn nichts anderes als ein Sklave, der entlohnt wurde, und eine Maschine, die unablässig und mit Rentabilität zu arbeiten hatte. Der Herr der Standard Oil ist für ungeheuer viel Elend und Jammer verantwortlich. Er hat Hunderte und Tausende auf die Strasse gesetzt, und er hat weitere Hunderte und Tausende vom Militär niederschiessen lassen, wenn es zu Streiks in seinen Werken gekommen ist. Er watete förmlich in einem Meer von Blut und Tränen. Aber dieser gleiche Rockefeiler ist es dann wiederum gewesen, der der Welt ein. seltenes Vorbild an Grossmut und Opfermut war, hat er doch im Laufe seines Lebens für Zwecke der Wohltätigkeit und für Stiftungen aller Art nicht mehr und nicht weniger als 750 Millionen Dollar ausgegeben. «Unsereiner hat die verdammte Pflicht», so meinte er gelegentlich, «so viel Geld wie nur immer möglich zu verdienen, um so viel wie möglich geben und schenken zu können.» Und daran hat er sich auch wirklich gehalten. Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) 7. «Tom, dass mir heute nachmittag im Stallzelt und im Wohnwagen tadellose Ordnung herrscht!» mahnte Bux, als er einige Tage später von einem Ausgang in die Stadt zurückkehrte. «Wir bekommen heute Besuch von Privatleuten, die uns Zirkusmenschen wahrscheinlich für eine Art Zigeuner halten. Da muss alles nur so blitzen, damit sie sich "mal wundern sollen.» — Dr. Buchsbaum hatte täglich seine Patientin besucht. Heute, am sechsten Tage nach dem Unfall, war Fee soweit hergestellt, dass sie wieder ausgehen durfte. Sie hatte Bux gebeten, diesen ersten Ausgang zu einer Besichtigung der Zirkusstadt benutzen zu dürfen. Vor allem wollte sie seinen Wohnwagen besichtigen — seinen Zigeunerwagen, wie sie sich ausdrückte; und da hatte der Clown nicht umhin gekonnt, Vater und Tochter für diesen Nachmittag einzuladen. Feodora war überglücklich, denn nun musste sich doch mal wieder Gelegenheit zu einem längeren Zusammensein ergeben, das Bux bei seinen weiteren Besuchen stets zu vermeiden gewusst. Immer hatte er angeblich etwas Dringliches vor, so dass sich seine Besuche nicht mehr über die Zeit einer normalen ärztlichen Visite ausgedehnt hatten. Er hatte wohl gemerkt, dass Feodora von Prastelny bereits rettungslos in ihn verliebt war. Auch sie gefiel ihm von Tag zu Tag besser, seit sie ihre Versuche, ihm durch Bildung und mondänes Wesen zu imponieren, endgültig eingestellt hatte und sich völlig natürlich gab. Aber gerade deshalb hielt sich Willibald Buchsbaum zurück. Er hatte gar keine Lust, sich in eine junge Dame zu verlieben, die ihrem Herkommen und ihrer Gedankenwelt nach nicht in seine Sphäre gehörte, — sich in Beziehungen einzulassen, die ihm letzten Endes nur Qualen und Enttäuschungn bringen konnten. Glücklicherweise würde der Zirkus ja in einer Woche Mailand verlassen; vielleicht würden die Prastelnys noch früher ihre Weiterreise antreten. Und damit war der Fall ja sowieso erledigt! — , Pünktlich um vier Uhr fuhren der Major und seine Tochter am Hauptportal des Zirkus Kreno vor. Bux stand hinter dem Holzzaun und beobachtete ihre Ankunft; denn die Besucher schon ausserhalb des Zirkusbereiches am Wagenschlag zu begrüssen, schien ihm ein Zuviel an Beflissenheit und Ehrung. Weshalb sollte er ihnen, die ihm nur Dank schuldeten, auch noch hofieren? Fee sprang leichtfüssig aus dem Wagen, und der Major folgte etwas schwerfällig. «Sie sehen wahrhaftig nicht aus wie Vater und Tochter!» dachte Bux bei sich. «Dieser untersetzte, breitschultrige Mann mit dem derben Schädel — und dieses gertenschlanke, hochgewachsene Mädel! — Sie würde, ihrer Gestalt nach, übrigens eine ideale Schulreiterin abgeben!» Nun trat er den Besuchern entgegen, — etwas zu ernst und formell, wie es nun mal seine Art war. «Führen Sie uns gleich zu Ihrem Wohnwagen, — ja?» fragte Fee nach der Begrüssung. Und da sie im gleichen Augenblick auch das Gefühl hatte, ihr persönliches Interesse für Bux durch solche Ungeduld gar zu deutlich zu verraten, fügte sie hastig hinzu: «Und durch alle Ställe und Zelte, nicht wahr?» «Das Letztere möchte ich lieber unserem Inspektor Friedenthal überlassen, gnädiges Fräulein», meinte Bux. «Sehen Sie, ich bin ja hier nur für ein paar Monate engagiert. Aber Friedenthal gehört sozusagen zum Inventar. Er ist, glaube ich, schon über zwanzig Jahre beim Zirkus Kreno.» «Wenn es Ihnen recht ist, trinken wir zuerst eine Tasse Kaffee?» «Ach, Ihr Wagen hätte mich weit mehr interessiert als die Kantine!» schmollte Fee. «Ja, ich meine ja auch, in meinem Wagen.» «Herrlich!» jubelte das junge Mädchen auf. — Nun würde die Sache endlich etwas abenteuerlich werden! Seit ihrer Kindheit war es Fees Wunsch gewesen, mal das Innere von so einem Wohnwagen zu sehen. Und sie erblickte sich schon im Geiste auf einem zerbrochenen Schemel hockend, in der Hand die angeschlagene Kaffeetasse; die Kanne stand auf einer Kiste, der Kuchen lag auf, einem Zeitungsblatt am Boden; eine Holzpritsche mit kariertem Bettzeug würde dastehen, und an Bindfäden, die durch den Wagen gezogen waren, hing die Wäsche zum Trocknen ... «So, hier sind wir am Ziel», sagte der Clown endlich. «Dies ist die Villa Bux!» Er machte eine einladende Bewegung und Fee stieg die drei Stufen empor. «Dies ist meine Veranda und mein Garten!» Bux deutete auf die gepflegten Blumen, die in langen Holzkästen die Balustrade des kleinen Vorbaues säumten. «Bitte nähertreten! Ich muss Sie leider durch die Küche führen.» Und nun fielen der Major und seine Tochter von einem Staunen ins andere. (Fortsetzung folgt J