Aufrufe
vor 11 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.056

E_1934_Zeitung_Nr.056

BERN, Dienstag, 10. Juli 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 56 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zweierlei Meinungen In der abgelaufenen Junisession hat der Ständerat das Verkehrsteilungsgesetz angenommen. Es geschah dies, wie zu erwarten war, ohne grosse Opposition. Im September wird sich nun auch der Nationalrat dazu zu äussern haben, und da dürfte es kaum ohne Widerstand abgehen. In den welschschweizerischen Kreisen macht sich eine gewisse Gegnerschaft wegen verfassungsrechtlicher Bedenken geltend, während die Vertreter der Wirtschaft bis vor kurzem kaum geneigt schienen, das Gesetz ohne Garantien für die Zukunft zu akzeptieren. Ihre Forderung: kein Verkehrsteilungsgesetz ohne gleichzeitige Vorlage eines "Sanierungsprogramms für die Bundesbahnen ist im Bundeshause aber rechtzeitig gehört worden. Wenige Tage vor Schluss der Beratungen in den Räten legte der Chef des eidg. Eisenbahndepartements den Entwurf für ein Reorganisationsprojekt vor und gleichzeitig präsentierte der Bundesrat den Entwurf für einen dringlichen Bundesbeschluss, um sofort Massnahmen zur Vereinfachung und Verbilligung des Bahnbetriebs ergreifen zu können. Man hofft offenbar, mit diesen Vorschlägen einen Teil der Gegnerschaft gegen das Verkehrsteilungsgesetz beschwichtigen zu können. Es wäre verfrüht, jetzt schon Stellung zum Reorganisationsplan für die Bundesbahnen zu nehmen, da die Einzelheiten nicht bekannt sind. Immerhin kann mit Genugtuung festgestellt werden, dass das Departement fest entschlossen zu sein scheint, die Entpolitisierung der Bahn durchzuführen und die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der leitenden Organe einmal genau festzulegen. Das ist für die gedeihliche Arbeit von grösster Wichtigkeit. Uns Automobilisten hat besonders aber noch der Vorschlag im Reorganisationsplan und im Entwurf zu einem Bundesbeschluss interessiert, wonach der Bundesrat berechtigt werden soll, der Bahn die Kompetenz zur Uebertragung des Verkehrs von der Schiene auf die Strasse auf verkehrsschwachen Strecken zu geben. Dass sich der Bundesrat damit den Zorn der Eisenbahner und der ihnen nahestehenden politischen Kreise zuzog, war ihm wohl im voraus klar. Das ändert aber auch in keiner Weise die Tatsache, dass die Forderung des Bundesrates berechtigt und, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, nötig ist. Schon seit Jahren hat die Automobilfachpresse darauf F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (3. Fortsetzung) Die Einladung wollte Bux erst nicht annehmen. Doch als Fee ihn so dringend bat, gab er schliesslich nach. Sie gefiel ihm heute weit besser, denn sie gab sich viel natürlicher als während der faden Reiseplauderei. Und hübsch war sie wirklich auch — mit ihrem bräunen Bubikopf und den veilchenblauen Augen, die so herausfordernd aufblitzen konnten, — sogar verdammt hübsch! Aber Bux konstatierte nur einfach diese Tatsache. Ach, du lieber Himmel, wie viele schöne Frauen hatte er in seinem Leben schon kennengelernt! — und wie waren sie ihm nachgelaufen, alle die hübschen Frauen dreier Erdteile! Nein, so leicht war Willy Bux nicht von einem hübschen Lärvchen aus der Ruhe zu bringen! Nun sassen sie bei einer echt italienischen Colazione um den kleinen runden Tisch. Der Major erhob das Glas mit dunkelrotem Chianti. sprach ein paar herzliche Dankesworte, und man stiess miteinander an. .Eigentlich ein netter und vornehmer Mann!' dachte Bux bei sich. .Weshalb gibt er sich nicht immer so einfach und menschlich?' hingewiesen, dass der Betrieb mancher Nebenlinie für die S. B. B. unverhältnismässig grosse Opfer erfordert und die Herstellung des finanziellen Gleichgewichts im Bundesbahnhaushalt erschwert. Sie war mit dieser Ansicht nicht allein, denn auch kompetente Eisenbahnfachleute, wie der Generaldirektor der französischen Staatsbahn, Herr Dautry, und der Direktor der Chemin de Fer du Nord, Herr Chavarey, fordern immer und immer wieder die Einstellung des Bahnbetriebs auf den verkehrsschwachen Nebenlinien. Sie gehen sogar noch weiter und schlagen vor, den Bahnbetrieb auf den Schnellverkehr zwischen den grössern Stationen zu beschränken und den Zubringerdienst mit Automobilen zu besorgen. Was die beiden französischen Fachleute vorschlagen, wird übrigens im Güterdienst in der Schweiz durch das Verkehrsteilungsgesetz verwirklicht. Auch hier soll der Zwischenverkehr zwischen den Hauptstationen der Bahn entzogen und dem Auto übergeben werden. Dass es sich dabei nicht um ein Wagnis handelt, haben die Erfahrungen im Astodienst bereits eingehend bewiesen. So sehr also das Vorgehen des Bundesrates zu begrüssen ist, so sehr muss man sich doch fragen, ob er nicht sofort ganze Arbeit leisten und wie beim Güterdienst auch beim Personendienst das Auto in den Dienst. =der Bahn stellen sollte. Sind einmal die Astodienste restlos durchgeführt, so wird sich zeigen, dass das bei den kleinen Stationen vorhandene Personal nicht mehr genügend beschäftigt werden kann. Also wäre es zweckmässig, mit dem Güterdienst auch den Personendienst auf den kleinen Zwischenstationen einzustellen und den Zubringerdienst zu den Hauptstationen mit Autobussen zu besorgen. Die Eisenbahner, denen bekanntlich weniger an der Sanierung der Bahn als an der Festigung der eigenen Stellung liegt, werden nun sofort mit den bekannten Schlagworten vom Stossverkehr, von ungenügender Leistungsfähigkeit der Autobusse usw. kommen. Sehen wir nun einmal aus der Praxis, wie die Verhältnisse wirklich sind. Der Kampf um die Surbtalbahn dürfte noch in allgemeiner Erinnerung sein. Was hat man dort nicht alles an den Autobussen auszusetzen gehabt, und dennoch wickelt sich der Verkehr vollständig zufriedenstellend ab. Dabei ist der Verkehr im Surbtal bedeutend grösser als auf mancher Bahnlinie. Nimmt «Nehmen Sie nicht von der Frittura mista, Herr Doktor?» fragte Fee, ihm die Platte hinreichend. «Nein, ich danke sehr.» «Oder von dem Aufschnitt?> «Nein, danke; ich... ich esse nichts von ermordeten Tieren.» «Wie?» fragte der Major erstaunt. «Ich bin Vegetarier, wenn man das so nennen will. Ich meine: nicht aus Gesundheitsrücksichten, sondern aus Prinzip.» «Weil sie mit Tieren arbeiten?» fragte Fee neugierig. ,. u v , «Nein, weil ich Tiere liebhabe.» «Das meine ich ja. Man gewinnt seine Tiere sicher im Laufe der Zeit sehr lieb, nicht wahr?» «Nicht nur im Laufe der Zeit. Ich habe alle Tiere lieb. Und deshalb arbeite ich eben mit Tieren, — nicht umgekehrt.» «Aber die Tiere müssen sicher erst viel Prügel bekommen, ehe sie so weit dressiert sind?» «Ich sollte meine Tiere prügeln? Mein Gott, was denken Sie denn von mir?» rief Bux ganz entsetzt. «Natürlich touchiere ich meine Tiere beim Proben, das heisst, sie bekommen mal einen kleinen Klaps mit der Peitsche. Aber das sind nur Zeichen, — Anweisungen, die nicht wehe tun.» man die Statistik der Postverwaltung und die statistischen Tabellen der S. B. B. zur Hand, so stellt man fest, dass der Verkehr der Autobusse im Surbtal viel bedeutender als jener der anschliessenden Bahnlinie Oberglatt-Niederweningen ist. Das Postbureau Oberendingen mit einem Posthalter und einer Hilfskraft verkaufte im Jahre 1932 nicht weniger als 101,960 Billette, das benachbarte Postbureau Lengnau deren 81,820. Demgegenüber weisen die hauptsächlichsten Stationen der Bahn Oberglatt-Niederweningen folgende Zahlen auf: Niederweningen 9209, Dielsdorf 17,154, Schöffiisdorf 9524. Wird nun noch jemand behaupten wollen, dass der Schienenverkehr zwischen Oberglatt und Niederweningen nicht aufgehoben werden.könnte und dem Verkehr mit einer Autobusverbindung Oberglatt-Niederweningen-Oberendingen-Döttingen-Koblenz nicht viel besser gedient wäre? Man könnte sogar noch weitergehen und die Fahrten bereits in Zürich beginnen und über Kloten nach Oberglatt und ins Surbtal führen, statt die Reisenden zu mehrmaligem Umsteigen zu zwingen. Die Bundesbahnen haben nicht allein im Surbtal bewiesen, dass auch ein mittelstarker Verkehr mit dem Autobus zu bewältigen ist, sondern auch auf der Linie Payerne-Palezieux. Zwar wurden dort die Autofahrten wegen angeblicher Unrentabilität wiedereingestellt, aber man hat in der Gegend, die mit dem Autobetrieb sehr zufrieden war, doch erfahren, dass der. ausschlaggebende Grund der Widerstand des Personals gegen die Neuerurig war. Die Bundesbahnen bezahlen den Verlust und die Einwohner der Gegend müssen, wie früher, den weiten Weg zu den Stationen zu Fuss zurücklegen. Die S. B. B. machen allerdings einen neuen Versuch, um den Betrieb zu verbilligen, indem sie Schienentriebwagen einsetzen. Der Erfolg wird aber gering sein, denn solange die Bahnanlage bewacht werden muss und solange der wenigen Reisenden wegen die Stationen beibehalten werden müssen, wird man keine wesentliche Verbesserung des Betriebsergebnisses erreichen. Wie der Vorschlag zum Bundesbeschluss zeigt, haben Bundesrat und Generaldirektion die Schwächen des Bahnbetriebs wohl erkannt. Hoffentlich werden sie dem Druck des Eisenbahnerverbandes und dem der hinter ihm stehenden politischen Partei nicht nachgeben. «.«.;.,.-. Wie man auf der Gegenseite denkt, zeigt das Gutachten der Herren R. Grimm und Der Major schüttelte den Kopf. «Ich habe doch auch viele Hunde gehabt. Aber ohne Prügel bin ich da nie durchgekommen. — Sogar bei Kindern kommt man nach meiner Erfahrung nicht ohne gelegentliche Schläge aus.» Fee lachte auf. «Ja, ich erinnere mich noch ganz gut, Papa.» «Kinder sind Menschen», sagte Bux trokken. «Was meinen Sie damit?» Der Major machte ein etwas törichtes Gesicht. «Ich meine damit, dass bei Menschen — auch bei erwachsenen Menschen — eine ordentliche Tracht Prügel gelegentlich sehr am Platze ist. Nicht die Tat ist das eigentlich Strafbare, sondern die Gesinnung, die dahinter steckt. Tiere haben aber n i e eine gemeine Gesinnung, — sind nie böse, wenn man sie nicht erst durch Quälereien böse gemacht hat.» Man schwieg ein paar Augenblicke. Dann sagte der Major: «Wohin sollten aber solche Prinzipien führen — in der Strafrechtspflege zum Beispiel? Man kann doch Menschen nicht ihrer Gesinnung wegen bestrafen?» «Weshalb nicht?» «Nun, nehmen Sie mal an, dass ein Mensch bei jeder Gelegenheit die gemeinste Gesinnung offenbart, ohne aber dabei mit den Gesetzen wirklich in Konflikt zu geraten. Soll INSEnTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Hummern Ingenieur Rothpletz über die Beschaffung von Arbeitsmöglichkeit. Das Gutachten ist zweifellos in mancher Beziehung verdienstlich und enthält mehrere wertvolle Anregungen, so besonders auch hinsichtlich der Unterstützung junger Techniker und Ingenieure durch Arbeit. In anderer Beziehung konnten aber die beiden Herren nicht aus ihrer Haut und so nehmen die Vorschläge für Bahnbauten einen breiten Raum im Gesamtvorschlag ein. Nehmen wir's ihnen nicht übel, denn der eine baut Eisenbahnen aus Profession, der andere dagegen ist politischer Führer der Eisenbahner. Wenn dementsprechend ihr Vorschlag auch einzuschätzen ist, so muss doch darauf hingewiesen werden, dass er in der gegenwärtigen Zeit rundweg abgelehnt werden muss. Der Bundesrat verlangt vom Volk ein Opfer von 1,3 Milliarden Fr., was entsprechend neue Steuern und Abgaben zur Folge haben wird. Dazu fordern die beiden Begutachter wenigstens weitere 110 Millionen ä fonds perdu für den Ausbau der Bahnlinien. Und diese Forderung erfolgt zu einer Zeit, wo Bundesrat und Generaldirektion zugegeben haben, dass die Bahnen an der Ueberinvestition von Kapital kranken und in der auch das Volk erkennen gelernt hat, dass es die Bequemlichkeit der forcierten Elektrifikation und die Grosse der Bahnbauten sehr teuer zu bezahlen hat. Wenn wir unsern Leuten Arbeit verschaffen wollen, so müssen wir das in erster Linie dort tun, wo sie die gewohnte Arbeit verloren haben, d. h. in der Exportindustrie. Gelingt es nicht, den Export zu fördern und damit Arbeit zu schaffen, so können wir das Arbeitslosenproblem nicht lösen, denn auf die Dauer wird uns das Geld zu Notstandsarbeiten ausgehen. Es gilt also, die Exportindustrie mit allen Mitteln zu unterstützen, sei es, indem man die Hilfsmittel der Kontingentierung und des Kompensationsverkehrs noch stärker als bisher in ihren Dienst stellt, sei es durch Uebernahme eines Teils der infolge der hohen Lebenshaltung viel zu grossen Produktionskosten. Da es auch bei staatlicher Unterstützung der Exportindustrie noch eine Zeitlang gehen wird, bis sie wieder in Schwung kommt und die bereits verlorenen Absatzgebiete zurückerobert hat, wird man inzwischen durch Notstandsarbeiten Hilfe schaffen müssen, die Dauerwert haben, dem Lande nützen, also produktiv sind. Der Verkehr der Bahnen ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Er wird das frühere Ausmass nie mehr erreichen, weil sich eine vollständige Umstel- man einen solchen Menschen etwa... hinrichten?» «Ich fände es durchaus in der Ordnung, wenn Menschen, die eine hoffnungslos gemeine Gesinnung offenbaren, einfach beseitigt würden», erklärte Bux. Der Major schwieg hierauf, — nicht weil er dem Clown ganz unrecht gab, sondern weil er nichts zu erwidern wusste. Diese Ansicht verblüffte ihn durch ihre Ueberspanntheit gar zu sehr. «Aber nun müssen Sie uns erzählen!» platzte Fee plötzlich hemmungslos heraus. «Bitte, bitte!» «Gern. Aber Sie müssen sagen, was ich erzählen soll!» «Alles, alles!» Bux lachte hell auf. Es war das erstemal, das Fee ihn richtig lachen hörte, — lachen sah. Und sie fand sein Gesicht, das ihr erst nur interessant und klug erschienen, plötzlich so sympathisch und hübsch... —ja zum Verlieben hübsch und sympathisch! «Also wollen Sie meine Lebensgeschichte hören?» «Wenn ich Sie damit nicht quäle...» «O nein, gar nicht. Die kann ich schon im Schlaf aufsagen. Und was ein paar hundert Reportern recht ist, ist meiner Patientin billig. Also los: — Heinrich, Karl, Willibald