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E_1934_Zeitung_Nr.059

E_1934_Zeitung_Nr.059

BERN, Freitag, 20. Juli 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 59 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb« Liste" Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5,—, Jährlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.50, Jährlich Fr. 30.- Telephon 28.223 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern wenn vor beiläufig 2000 Jahren die Konsuln des damals allmächtigen weltumspannenden römischen Reichs neue Strassenzüge erbauen Hessen, pflegten sie diesen Strassenzügen ihre eigenen Namen zu verleihen. Selbst die Nachwelt sollte wissen, wer diese kulturelle Tat vollbracht; denn als eine solche wurde sie gewertet. Es war dies eine Auszeichnung, der sich andere, selbst ebenso grosse Bauwerke nicht rühmen durften. Und in der Tat hätten Kriegsmut und Kriegsglück allein kaum genügt, ein Weltenreich, wie dasjenige des alten Roms, nicht nur erobern, nicht nur sich Untertan zu machen, sondern auch zu erhalten und kulturell auf eine so hohe Stufe zu bringen, wie sie uns aus den Ueberlieferungen der Geschichte bekannt geworden ist. Und in dieser weisen Erkenntnis haben diese Konsuln nicht mit Unrecht geglaubt, die Strasse ihrer besonderen Huld unterstellen zu müssen, ihr die höchste Auszeichnung teilhaftig werden zu lassen, nämlich die Bezeichnung mit ihrem eigenen Namen. Und sie haben sich damit, bewusst oder unbewusst, unvergängliche Monumente gesetzt; denn diese Namen haben sich, trotz allen Stürmen der Zeit — trotz dem Untergang des römischen Weltreiches und trotz dem Zerfall dieser Strassen — bis auf den heutigen Tag zu erhalten vermocht. So finden wir noch im heutigen Italien eine Via Aurelia, der seinerzeit der Konsul Marcus Aurelius den Namen verliehen, die weltberühmte Via Appia antica, so genannt nach ihrem Erbauer, dem blinden Censor Appio Claudio, eine Via Flaminia, erbaut zur Zeit der Regierung von Konsul Flaminius, und andere mehr. Die Geschichte der Strasse kennt keine spätere Epoche mehr, in welcher die Strasse in so hohen Ehren gehalten worden wäre wie damals; sie kennt aber auch keine Blütezeit der Strassenbaukunst mehr wie damals. Nie mehr ist sie später so hoch geschätzt und erkannt worden als Gradmesser der Kultur, als Trägerin und Verbreiterin von Wissenschaft, Handel und Wohlstand. Ist dieser Rückblick notwendig zur Erläuterung des heutigen Themas? — War es angezeigt, eine Parallel« ziehen zu wollen Als Vortrag Glafue, anlässlich einigung Schweiz. Strassen und Volkswirtschaft gehalten am 15. Juli 1934 in der Generalversammlung der Ver- Strassenfachmänner. F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (ö. Fortsetzung) Die kleine Küche enthielt einen Herd, einen Tisch und eine Bank. Das Kupfer- und Porzellangeschirr war, wie in Schiffskombüsen, an Wand- und Deckenleisten aufgehängt. Alles war blitzblank, «Und wer kocht hier?» fragte Fee misstrauisch und sah im Geiste eine niedliche Kunstreiterin, die selbstverständlich die Liebste des Clowns sein musste, hier schalten und walten. «Die grossen Mahlzeiten nehme ich meist im Restaurant und mache mir hier nur mein Frühstück. Aber manchmal koche ich auch selbst. Alles dazu Nötige ist vorhanden.» — Nun kam man in den zweiten und grössten Raum des langen Wagens, — in das Wohnmd Arbeitszimmer. Schränke, Bücherregale, chreibtisch waren fest eingebaut und aus unklem Mahagoni gefertigt, wie die Wandifelung. In der Mitte stand ein ovaler Tisch nit vier bequemen Stühlen. Ein orientalischer Teppich bedeckte den Boden. Alles machte einen gediegenen und behaglichen Eindruck. von DipL-In*. E.Thomann, Prof. der E.T.H.* zwischen dem «Damals» und dem «Heute»? Wo doch die Verhältnisse, die Lebensbedingungen, die Verkehrsvorverhältnisse im besonderen doch so ganz andere geworden sind? Die Frage stellen heisst sie beantworten. Damals wie heute hat der Wunsch nach bessern Fernverbindungen bestanden, das Bedürfnis, wirtschaftlich günstigere Transportverhältnisse zu schaffen. Damals wie heute aber ist auch das Aufblühen der Strassenbaukunst, die zunehmende Bedeutung der Strasse im volkswirtschaftlichen Sinne, auf die Einführung eines neuen Verkehrsmittels zurückzuführen. Damals wie heute hatte die Einführung dieses neuen Verkehrsmittels eine Umwälzung in der Gestaltung der Strasse zur Folge. Damals hiess es, die Strasse dem von den Römern eingeführten und sich rasch durchsetzenden Vierradfahrzeug anzupassen, heute müssen unsere Strassen entsprechend den Anforderungen des schnellfahrenden motorisierten Strassenverkehrs um- und ausgebaut werden. Eine Parallele ist also unzweifelhaft vorhanden; wir können uns vielleicht heute nur nicht mehr recht vorstellen, dass die Einführung eines vierrädrigen gezogenen Fahrzeuges ähnliche Konsequenzen für den Strassenbau habe hervorbringen können wie der in unserm Jahrhundert in den Verkehr gestellte Motorwagen. Und doch haben wir die Entstehung der sogenannten Kunststrasse; der Strasse, wie wir sie ganz allgemein heute kennen und bauen, der Notwendigkeit der Anpassung der Strasse an die Bedürfnisse des Vierradwagens zu verdanken. Solange die Waren- und Personenbeförderung nur per Pferd, per Sänfte und per Zweiradwagen vor sich ging, genügte es, den Strassenkörper den vorhandenen Terrainverhältnissen anzupassen; mochte die Strasse auch holperig und unregelmässig sein. Das Vierradfahrzeug, mit seiner Lastenverteilung auf zwei Achsen, aber benötigte eine der neuen Konstruktionsart angepasste Linienführung, verlangte eine möglichst ausgeglichene Fahrbahn; daher die Anlage von Einschnitten und Dämmen, ja sogar von Tunneln und zufolge der grösseren Lasten und dementsprechend grösseren Raddrücken eine künstliche Verfestigung der Fahrbahndecke. Nicht nur das: Die Reisenden haben die Annehmlichkeiten und Vorteile des neuen Jedes Plätzchen war sinnreich ausgenutzt. Der Tisch war weiss gedeckt und mit schönem Porzellan bestellt. Kaffee, Kuchen, Likör, Zigaretten standen bereit. Aber Fee wollte noch das Schlafkabinett sehen. Es schloss sich an den Wohnraum und war ganz in weissem Schleiflack gehalten. «Dann ist noch ein vierter Raum da, der Schlafraum für Tom und Dhakjee, meine Tier Wärter,» sagte Bux. «Aber er hat seinen Eingang von der anderen Schmalseite des Wagens.» Fee konnte es gar nicht fassen, dass man in einem Wohnwagen so komfortabel eingerichtet sein könne. «Da müssten Sie mal erst die Wohnung von unserem Direktor sehen. Zwei viel längere Wohnwagen werden miteinander verbunden, so dass eine ganze Flucht hocheleganter Zimmer entsteht. Sogar ein Badezimmer hat er dabei.» «Und darf man die Wohnung auch mal besichtigen?» «Wo denken Sie hin? Eher wird es Ihnen noch gelingen, in Rom die Privatgemächer des Papstes zu besichtigen!» «Wohnen denn alle Leute beim Zirkus so elegant?» fragte Fee fast enttäuscht. «Nein, meist viel einfacher. Dieser Wagen Verkehrsmittels rasch erfasst, steigern, ganz wie heute, ihre Ansprüche und verlangen recht bald auch stossfreie, ebene Fahrbahnen, welcher Forderung genügt wurde durch kunstvoll gefügte Oberflächenpflästerungen. Das Reisen wird dadurch immer leichter und angenehmer. Ein Schriftsteller jener Zeit konstatiert mit einer gewissen Selbstgefälligkeit: «Man könne nun stundenlang so bequem reisen, dass es möglich sei, noch zu lesen, und zwar ohne Gefahr zu laufen, die Augen zu überanstrengen.» — Aber auch die Reisegeschwindigkeit erhöht sich zusehends; Schnelligkeitsrekorde werden aufgestellt und aufs höchste gepriesen. Der Staat fühlt sich veranlasst, die Reiselust noch mehr zu wecken und führt erstmals öffentliche Postkurse (cursus publicus) ein, mit Haltestellen für den Pferde Wechsel, Herbergen für die Reisenden etc. Die Wirkung des neuen Verkehrsmittels auf die Verkehrs- und Transportverhältnisse war also ganz ausserordentlich und wurde logischerweise richtungsbestimmend für den damaligen Strassenbau. Dieser macht eine radikale Umwälzung durch; einen Anpassungsprozess an die neugeschaffenen Verhältnisse. Von den römischen Baumeistern wird dieser Anpassungsprozess so gut gelöst und die Bedeutung der Strasse von den römischen Konsuln so vollkommen erkannt, dass für dieselbe eine Blütezeit anbricht, wie wir sie später niemals mehr vorfinden. Erst heute stehen wir vielleicht wieder vor dem Beginn einer Epoche, die, strassenbautechnisch gesprochen, sehr viele verwandschaftliche Berührungspunkte mit jener hat. Wiederum ist es ein neues Strassenfahrzeug, das eine Umwälzung Im modernen Strassenverkehr und damit eine Umwälzung in der konstruktiven Durchbildung der Strasse hervorruft. Wiederum ist es diesem neuen Fahrzeugtypus zu verdanken, wenn heute die Bedeutung der Strasse im Leben der Völker wieder im Zunehmen begriffen ist, ja beginnt, eine prominente Stellung einzunehmen und zu einem wirtschaftlichen Faktor zu werden, wie ihn vordem nur die Eisenbahnen besassen. Niemand kann sich heute mehr dieser Bedeutung verschliessen, und wer als Erster auch die Nutzanwendung daraus zu ziehen weiss, dem-werden auch die grössten Vorteile aus dieser Anpassung erwachsen. Aus dieser Erkenntnis heraus ist der Wettlauf im Aufstellen grosser Strassenbauprogramme entstanden. Italien ist hier bahnbrechend vorangegangen; hat den Provinzen das Hauptfernverkehrsnetz abgenommen und in wenigen Jahren bereits an die 10,000 km ist mein Privateigentum; ich habe ihn mir nach einer Zeichnung bestellt. Aber sehr ordentlich und sauber sieht es fast in allen Wohnwagen aus, denn die Zirkusfrauen sind auch meist sehr gute Hausfrauen.» «Ist das Ihr Ernst, oder verulken Sie mich?» «Durchaus nicht. Es ist mein voller Ernst.» «Aber die jungen Mädchen beim Zirkus, — die Akrobatinnen und Kunstreiterinnen, — die sind doch meist recht leichtsinnige Dämchen, nicht wahr?» «Wie kommen Sie denn auf so eine Idee?» «In den Zirkusgeschichten und Zirkusfilmen haben sie doch fast immer reiche Liebhaber.» «Was redest du für Zeug, Fee!» rief der Major. «Eine unmögliche Jugend heutzutage!» Er warf Bux einen verzweifelten Blick zu. «Aber was wahr ist, kann man doch ruhig sagen», beharrte Fee. «Es ist aber nicht wahr, gnädiges Fräulein. Die meisten Zirkusartistinnen sind entweder verheiratet, oder sie sind die Töchter von Artistenfamilien und von ihren Eltern sehr streng und wohl behütet. Es dürfte den Herren aus dem hochverehrten Publikum in den meisten Fällen kaum gelingen, auch nur flüchtige Bekanntschaft mit einer Artistin aus dem Zirkus zu machen. Nein, glauben Sie mir: Diese Zirkusnovellen und Zirkusfilme sind in INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit« oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Strassen nach modernsten Grundsätzen neu ausgebaut; ist also als erstes Land zum Bau der Rein-Autostrassen übergegangen, und zum Bau von Rein-Lastwagenstrassen; ihm folgt nunmehr auch Deutschland mit einem grosszügigen Programm für den Bau eines Netzes von Rein-Autostrassen nach; aber auch alle andern Länder, die Schweiz inbegriffen, verwenden heute ausserordentlich hohe Summen auf den Ausbau ihres Strassennetzes und versuchen mit den Anforderungen der Zeit Schritt zu halten. Und wenn je öffentliche Mittel richtig angewand worden sind, so dürften es diese sein; denn die Rolle, die die Strasse in unserem modernen Zeitalter und dank dem motorisierten Strassenverkehr heute wieder zu spielen begonnn hat, ist eine so vielgestaltige, eine in unser Leben, in unsere Volkswirtschaft so einschneidende, dass es kaum möglich ist, dieselbe in einem Vortrage auch nur angenähert zu skizzieren. Immerhin sei versucht, wenigstens einige der in die Augen springendsten Punkte hier festzuhalten; Punkte, die in engster Relation stehen mit unserer heutigen Verkehrswirtschaft und damit auch der Volkswirtschaft. Wenn auch der Umschwung der öffentlichen Meinung in der Einschätzung der Bedeutung der Strasse in erster Linie auf die Kreation des gummibereiften Motorfahrzeuges zurückzuführen ist, so steht anderseits fest, dass eben dieses moderne Motorfahrzeug niemals hätte seinen Siegeszug durch die Welt antreten können, wenn nicht die Strassenbauer es verstanden hätten, ihre Strassen im Rahmen des Möglichen den vielseitigen Ansprüchen dieses modernen Fahrzeuges anzupassen. Denn seinen eigentlichen Aufschwung hat das Motorfahrzeug erst angetreten mit der staub- und Stossfreimachung der Strassenfahrbahn. Erst dadurch ist das Reisen auf der Strasse, ich meine das bequeme Reisen, mit dem Motorfahrzeug möglich geworden. Wenn daher laut einer amerikanischen Statistik im Jahre 1933 auf der ganzen Welt insgesamt 33,500,000 Motorfahrzeuge, wovon 27,800,000 Personenautos, 5,400,000 Lastautos und 360,000 Autobusse immatrikuliert gewesen sind, so ist am Verdienst dieses ungeahnten Aufschwungs die Strasse ebenso stark wie die Automobilindustrie beteiligt. Trägt man z.B. graphisch die jährliche Zunahme der Automobilproduktion und daneben die Summen der Aufwendungen der Länder für den jährlichen Strassenausbau auf, so kann man eine überraschende Uebereinstimmung in der Progressivität konstatieren; und wenn man die jährlich immer grösser werdende Reisegeschwindigkeit der Mo- der Mehrzahl barer Unsinn und von Leuten geschrieben, die keine Ahnung von uns Artisten haben.» Man hatte sich um den Tisch gesetzt, und Bux bediente seine Gäste. Fee fragte unentwegt weiter: «Eine Schreibmaschine haben Sie ja auch!» Sie deutete mit dem Kopf nach dem Schreibtisch. «Haben Sie denn so viele Briefe zu schreiben?» «Briefe nur wenig, aber anderes.» «Vielleicht schreiben Sie gar selbst Zirkusgeschichten, — ja? Um das hochverehrte Publikum mal aufzuklären über diese klösterlichen Verhältnisse im Zirkus ?» Fee lachte spöttisch. «Um Gottes willen, nein!» rief Bux. «Ich schreibe nur tierärztliche Aufsätze und dergleichen. Manchmal auch Kindergeschichten über Tiere.» «Da müssen Sie mir aber auch mal was zu lesen geben — bitte ja!» schmeichelte Fee. «Was ist denn das, was Sie dort gerade in der Maschine haben? Bekomme ich das zu lesen, wenn es fertig ist?» «Gern. Aber es wird Sie furchtbar langweilen.. Es ist ein Aufsatz über Fussleiden bei Raubtieren und über die Behandlungsweise solcher Erkrankungen. Ich habe ia im Zirkus