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E_1934_Zeitung_Nr.060

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BERN, Dienstag, 24. Juli 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 60 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freltng Monatlieh „Gelb« Liste" Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgab« B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, Jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Vorbereitung des Wagens für die Ferienreise Ferien sind zur Erholung da. Frei von allen Fesseln des Berufslebens, den Kleinlichkeiten des Alltags, den Pilichten der nächsten Stunden und den Nöten und Aergernissen der Gegenwart will der Mensch einmal ganz sein eigenes Leben leben, will er dem Mechanismus seines Körpers und Geistes eine Ruhepause und Ueberholung angedeihen lassen, die ihn nachher den Betrieb mit erhöhter Leistungsfähigkeit wieder aufnehmen lässt. — Ferienreisen im Auto können die höchsten der Genüsse bieten. Aber sie müssen verstanden sein, sonst können sie nur zu leicht in eine Hölle neuer kleiner Nöte, wenn nicht gar ins Verderben führen. Der Fahrer muss sich in jedem Moment ganz auf seinen Wagen verlassen können. Gerade während er sich ausruhen will, muss der Wagen in Hochform sein. Es ist nur recht und billig, dass man ihn dazu instandsetzt und auf die bevorstehende Schwerarbeit vorbereitet. Kleine Mängel bleiben im Alltagsbetrieb nur zu oft unbeachtet, wenn sie überhaupt zum Vorschein kommen. Auf der Ferienreise können sie sich aber bitter rächen. Nicht jedermann verfügt über genügend Humor oder auch nur Zeit, um sich unterwegs unverdrossen mit allen möglichen Tücken der Materie herumschlagen zu können. Und es ist kein billiges Vergnügen, den Wagen beispielsweise von einem abgelegenen Bergpass abschleppen oder ihn im Ausland in einer Reparaturwerkstätte vielleicht über die Ferienzeit hinaus liegen lassen zu müssen. Ein technisch routinierter Praktikus kann sich vielleicht ein Spielchen mit den Tücken des Zufalls noch leisten. Nötigenfalls repariert er eben den leck gewordenen Kühler mit Kaffeepulver, eine durchgebrannte Sicherung mit Stanniol aus der Zigaretten-, schachte! oder Schokoladenpackung, ersetzt . verlorene Splinte durch Sicherheitsnadeln und hat ausserdem für alle Vorkommnisse die passenden Kraftworte, Muskelkräfte und Geduldsquantitäten im Vorrat. Wer aber das Basteln nicht als Sport betreibt und mit Isolierband, Universalzange, Schnürsenkeln und seinem ganzen Tascheninhalt nicht virtuos umzugehen versteht, sehe sich lieber vor. Dass man ohne Benzin auf eine grössere Reise geht, kommt nur noch ziemlich selten vor. Selbst ausgesprochene Sonntags-Automobilisten und Nur-Fahrer haben darüber hinaus meist einen gewissen Respekt vor der Motorschmierung, der sie veranlasst, zur F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (6. Fortsetzung) «Wieh der Floh in't Saxophon, — durch eenen Zufallssprung. Ick war auf der Wanderschaft und konnte keene Stellung finden, und da hab' ick in der Not 'ne Position bei 'nem Dampfkärussel anjenommen. Von da an bin ick dann als Ringkämpfer in 'ne Bude jejangen. Dann war ick Rekommangdör bei 'ne tätowierte Dame, dann kam ick in 'ne Menagerie, und endlich zu Kreno bei de Löwen.» «Und weshalb treten Sie jetzt gar nicht mehr auf?» fragte Fee amüsiert. «Die Biester sind zu jefährlich. Da bin ick nach zwanzig Jahren endlich dahinterjekommen.» — Dieser Scherz beruhte in gewissem Sinn auf Wahrheit. Nachdem er sich fast zwanzig Jahre lang allabendlich mit den Löwen im Käfig getummelt, erklärte er eines schönen Tages, ohne dass eine besondere Veranlassung vorgelegen, dass er um keinen Preis mehr in einen Löwenkäfig gehen würde. Es war ein ähnlicher Fall wie der des berühmten Kapitän Alfred Schneider, der früher als Looping the Loop-Fahrer 998mal die Fahrt durch die Todesschleife gemacht und Vorsicht Heber einmal einen Strich mehr Oel ins Kurbelgehäuse einzufüllen, als der Wagenfabrikant mindestens vorsieht. Der Respekt vor der Schmierung kann aber nie übertrieben werden. Schmierung bedeutet nicht nur für den Motor, sondern für den ganzen Wagen, das A und 0 der Lebensfähigkeit. Vor Antritt der Ferienreise darf man den gesamten Oelvorrat im Kurbelgehäuse getrost erneuern, aber gleichzeitig soll auch die Oelfüllung des Getriebes und der Hinterachse nicht zu kurz kommen. Gründliche Beachtung der Schmiervorschriften des Wagenkonstrukteurs ist auch für alle nebensächlicheren Gelenk- und Reibstellen des Chassis geboten, nicht zu vergessen das Kupplungsdrucklager, das Ventilatorlager und die Wasserpumpe. Wer in weniger automobilisierte Gegenden fährt, nimmt vorteilhafterweise ausser dem vertrauenspendenden Reservebenzinbidon einen Eigenvorrat des erprobten Motorenöls auf die Reise mit. Ein Blick unter die Motorhaube. Die modernen Motoren sind im allgemeinen die Zuverlässigkeit und Ausdauer selbst. Trotzdem kann vor Antritt einer längeren Fahrt eine kleine Unterhaltung mit ihnen nicht schaden. Wie steht es mit dem Elektrodenabstand und der Reinheit der Zündkerzen und des Unterbrechers? Sitzen alle Kabel fest, ist ihre Isolation überall intakt? Wann wurden der Vergaser oder Benzinfilter das letztemal gereinigt? Bestehen keine undichten Stellen? Wann wurden die Muttern und Verschraubungen unter der Motorhaube zum letzten Mal angezogen? Hat der Ventilatorriemen noch genügend Spannkraft? Benötigen der Magnet, die Dynamo oder der Verteiler nicht etwa nach Vorschrift einen Tropfen Oel ? Wer von den Lesern weiss, wo er die Sicherungen der elektrischen Anlage zu suchen hat, oder wo den Benzinhahn, für den Fall, dass der Wagen einmal Brandabsichten zeigt? Je schneller man fahren und je höhere Pässe man erklimmen will, um so besser müssen die Bremsen sein. Mindestens « gute » Bremsen gehören zum elementaren automobilistischen Anstand, schlechte Bremsen kennzeichnen den Lenker des betreffenden Wagens als Luftibus, wenn nicht Schlimmeres. Mit guten Vierradbremsen vor dem 999. Male erklärt hatte, dass ihn keine Macht der Welt dazu bringen würde, dieses waghalsige Kunststück in seinem Leben nochmals auszuführen. — Friedenthal schenkte sich nochmals einen Kognak ein, Hess ihn mit blitzartiger Schnelligkeit in seiner Kehle verschwinden und erhob sich dann: «Sie wollten sich unser Zijeunerlager mal ansehen, meine Herrschaften, — nich wahr? Also, wenn's Ihnen recht ist.. Bux wird doch nich so schnell wiederkommen.» Als die drei am Schluss ihres langen Rundganges durch die ganze Zeltstadt den Stall von Bux betraten, entstieg dieser gerade dem Bärenkäfig. Er hatte festgestellt, dass der Bär Teddy an einer kleinen Magenverstimmung litt, und ihm bereits eine Medizin gebraut und eingegeben. Plötzlich stiess Brahma einen zornigen Trompetenton aus und klappte erregt mit den grossen Ohren. «Passen Sie auf, gnädiges Fräulein!» rief Bux warnend: «Gehen Sie lieber nicht in die Nähe von Brahma! Er hat Ihren schlechten Scherz noch nicht vergessen.» Fee hatte sich sofort erschreckt zurückgezogen. «Sie glauben wirklich, dass er mich jetzt, nach einer Woche, wiedererkannt hat?» fragte sie erstaunt. «Brahma? Der erkennt Sie noch nach soll sich der Wagen aus 30 Kilometer Fahrgeschwindigkeit auf eine Distanz von 8—9 Meter abstoppen lassen, oder aus 60 Kilometer Fahrgeschwindigkeit auf ca. 27 Meter. An ungenügender Bremswirkung ist häufig nur eine ungleichmässige Einstellung schuld. Eines der Räder wird vielleicht schon dann blockiert, wenn die Bremsen der anderen Räder noch kaum zu wirken begonnen haben. Richtig ist die Einstellung dann, wenn bei vollständigem Durchtreten des Pedals alle Räder gleichzeitig zum Stillstand kommen. Vorzeitiges Blockieren der Vorderräder hat zur Folge, dass der Wagen in Kurven geradeaus weiterrutscht und unsteuerbar wird, während vorzeitiges Blockieren der Hinterradbremsen die Schleudertendenz erhöht. Beim Einstellen der Bremsen untersuche man, ob die Bremsen auch dann nochmals nachgestellt werden können, wenn während der Reise eine stärkere Abnützung einträte. Wäre die Nachstellbarkeit schon « aufgebraucht >, so müssten die Beläge erneuert werden. Bei hydraulischen Bremsen ist auf jeden Fall der Vorrat an Bremsflüssigkeit nachzuprüfen. Er befindet sich gewöhnlich in einem mit dem Hauptzylinder zusammengebauten Behälter. Die normale Nachstellung der hydraulischen Bremsen geschieht meist dadurch, dass die Bremsbacken durch Exzenter näher an die Bremstrommel herangebracht werden. Um einen Ausgleich der Kräfte braucht man sich dagegen hier nicht zu kümmern. Ein weiteres Kapitel von primärer Bedeutung für eine möglichst störungsfreie Ferienfahrt bezieht sich auf die Reifen. Will man vor Nagelpannen einigermassen geschützt sein, so darf der Laufstreifen der Reifen nicht zu stark abgefahren sein, es sei denn, man rüste die Räder mit Nagelschutzeinlagen aus. Uebrigens stellen sich erfahrungsgemäss Pneupannen um so seltener ein, je besser man zu ihrer Behebung ausgerüstet ist. Wer einen schlecht oder gar nicht funktionierenden Wagenheber, ein defektes Reserverad mit sich führt, oder wer gar die Radwechselwerkzeuge zu Hause vergisst, wird bestimmt nach wenigen Kilometern eine Reifenpanne erleben. Warum das so ist, vermag die Wissenschaft noch nicht zu erklären aber es ist so. Wer ganz sicher gehen will, exerziert das Wechseln aller vier Räder vor Antritt der Reise einmal durch. Vielleicht wird er dann erkennen, dass er zur Benützung des Wagenhebers im einen oder andern Fall noch einen Holzklotz als Unterlage zwanzig Jahren wieder», sagte Bux fast stolz. «Mit dem haben Sie's wahrscheinlich ein für allemal verdorben.» — Herr von Prastelny war sonst kein grosser Psychologe, aber bei der Verabschiedung fing er den Blick auf, den Fee dem Clown zuwarf, während sie ihm die Hand reichte; und dieser Blick liess den Major plötzlich ahnen, wie es mit ihr stand. Ihm wurde ganz schwindlig: Ja, zum Donnerwetter, war denn so etwas denkbar! Seine Tochter war in diesen Zirkusclown verliebt! Hier musste schnell und energisch gehandelt werden, wenn man eine «Katastrophe» noch verhindern wollte! «Jetzt hätte ich über all diesen interessanten Dingen fast die Hauptsache vergessen», wandte er sich nochmals an Bux. «Unsere Zeit und unsere Reisekasse sind nämlich bis zu einem gewissen Grade beschränkt und wir INSERTIONS-PREIS: Dl« «chtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; tur Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserateniehluss 4 T«o« vor Erscheinen der Nummern braucht, den er sich später vielleicht nur schwer beschaffen könnte. Möglicherweise macht er dabei auch die Entdeckung, dass die Radmuttern schon lange locker waren, oder dass zu lösende Teile gründlich festgerostet sind. Aber auch schon die Erkenntnis, dass man sich für den Fall des Radwechselnmüssens vorteilhafterweise einen Staubmantel und Arbeitshandschuhe bereithält, bedeutet einen Gewinn. Verletzte Reifen lässt man am besten zu Hause, selbst wenn sie noch keine Luft verlieren. Sie können später immer noch aufgebraucht werden. Den Gleitschutz bereits etwas abgefahrener Reifen kann man jetzt für geringe Kosten in manchen Automobilwerkstätten erneuern lassen. Schliesslich sind alle Reifen einschliesslich die der Reserveräder auf den vorgeschriebenen Luftdruck zu bringen. Schon eingangs haben wir das Gebiet der elektrischen Anlage kurz gestreift, indem wir darauf hinwiesen, dass der Fahrer die Anordnung der Sicherungen kennen muss. Gerade bei älteren Wagen empfiehlt sich der elektrischen Anlage gegenüber einige besondere Aufmerksamkeit. Die Batterie ist auf richtigen Säurestand und genügenden Ladezustand hin zu prüfen. Sie soll in ihrem Kasten absolut fest sitzen, weil durch ihr Herumwackeln nicht nur die Kabelisolation durchgescheuert werden kann, sondern auch die Platten Schaden erleiden. Nötigenfalls wird sie durch Holzkeile am Wackeln verhindert. Für jede in der Beleuchtungsanlage angewandte Lampentype soll in geeigneter Verpackung eine Reservelampe vorhanden sein. In den Autozubehörgeschäften sind fertige Sortimente erhältlich, die ausser der Lampenreserve auch noch die unbedingt erforderliche Sicherungen-Reserve enthalten. Das Einsetzen der Reservelampen und -Sicherungen wird am besten wie das Radwechseln schon zu Hause einmal durchexerziert. Allerlei unangenehme Ueberraschungen sind sonst auch hier nicht ausgeschlossen. Für alle Fälle merke man sich, dass beim Durchbrennen, einer Sicherung keine neue Sicherung eingesetzt werden darf, bevor die Ursache nicht festgestellt ist. Vielleicht entstand der Stromstoss nur durch schlechten Kontakt eines der beiden Batterieanschlüsse. Da dieses Vorkommnis aber ein gefährliches plötzliches Versagen der ganzen Beleuchtung zur Folge möchten ja noch mehr von Italien sehen als nur Venedig und Mailand. Kennen wir nicht morgen weiterfahren — nach Rom? Mir scheint, dass Fee doch jetzt wirklich transportfähig ist, — wie?» Feodora von Prastelny warf dem Clown einen flehenden Blick zu. Bux verstand ihn wohl und zögerte mit der Antwort. Wieder stieg ein zärtliches Gefühl für das feine schöne Geschöpf in ihm auf. Doch ebenso schnell wurde er Herr darüber: Diese Leute, so nett und nobel sie sein mochten, gehörten einer anderen Welt an, — hatten mit der seinigen nichts zu tun! Nein, er würde sich nicht auf solchen romantischen Unfug einlassen! — Und er sagte mit einer so sachlichen Miene, als habe er jenen Blick überhaupt nicht bemerkt: «Ja, Herr Major, Sie können unbesorgt die Weiterreise antreten. Der Arm muss noch etwa vierzehn Tage lang massiert werden. Aber dafür finden Sie überall einen geeigneten Mann. Jeder geschickte Heilgehilfe oder Masseur kann das machen, wenn Sie ihm sagen, worum es sich handelt.» Bux wandte seinen Blick wieder Feodora zu. Sie war vor Scham und Zorn feuerrot geworden. Er fand sie in diesem Augenblick so reizend wie nie zuvor und hätte viel darum gegeben, wenn er seine Worte hätte zurücknehmen können. «Aber Sie werden doch hoffentlich an diesem letzten Abend nochmals die Vorstellung besuchen, gnädiges Fräulein, nicht wahr? — Sie haben ja meine Judith noch gar nicht arbeiten sehen.» Er hatte die Worte hastig, fast verwirrt hervorgebracht. Doch Feodora sagte hart: «Das ist leider unmöglich, Herr Doktor; ich habe heute abend zu packen.» Dann flüsterte sie ihrem Vater zu, — absichtlich laut genug, dass Bux es verstehen konnte: «Vergiss nicht, Papa, den Herrn Doktor um seine Liquidation für meine Behandlung zu bitten.»