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E_1934_Zeitung_Nr.061

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BERN, Freitag, 27. Juli 1934 Mit Bundesfeier-Beilage Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 61 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Autgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit oder deren Raum 45 Cts. rar die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere inserate nach Seitentarif. Inseratenschlus» 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Das Altwagen-Problem In allen Staaten, in denen der Motorverkehrswirtschaft eine Bedeutung zukommt, wird das Problem der Verwertung der gebrauchten Fahrzeuge immer brennender. Für viele, die bisher Motorfahrzeugbesitzer waren, ist die Anschaffung eines neuen Wagens nur dann möglich, wenn sie ihren alten zu einem annehmbaren Preise verwerten können. Da aber die Zahl der gebrauchten Fahrzeuge schon seit Jahren ständig gestiegen ist, kann man heute für einen auch noch gut erhaltenen Wagen mit Mühe nur mehr einen Bruchteil jenes Betrages erhalten, den man vor mehreren Jahren noch ohne Schwierigkeit erzielen konnte. Da nun aber im Hinblick auf die noch immer beträchtlichen Unterhaltungskosten für den Betrieb eines Motorfahrzeuges nur Personen ganz bestimmter Einkommensgruppen in Betracht kommen, steht für den Absatz von Motorfahrzeugen lediglich ein fest umrissener Interessentenkreis zur Verfügung. Dessen Volumen lässt sich zwar dadurch vergrössern, dass durch Ste&erermässigungen, Herabsetzung der Betriebskosten und durch weiter fortschreitende Verbilligung der Fahrzeuge die Einkommensgrenze der in Betracht kommenden Interessentengruppen nach abwärts verschoben wird: trotzdem hängt der Absatz neuer Fahrzeuge zu einem bedeutenden Teil davon ab, wieviele gebrauchte Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen werden. Es steht ausser jedem Zweifel, dass die laufenden Bänder der Fabriken mehr neue Fahrzeuge abzugeben vermögen, als in der gleichen Zeit Fahrzeuge unbrauchbar werden. Hier stehen sich nun grundsätzlich die Interessen der Fabriken und der Wagenbesit- ) zer diametral gegenüber: Während der Fahrzeugbesitzer seinen Altwagen « auf Glanz » herrichtet und ihm noch eine letzte Lebensdauer prophezeit, um einen guten Verkaufspreis erzielen zu können, liegt es im Interesse der Wagenerzeuger, dass die Altwagen zweiten Altwagens den Absatz eines neuen Wagens unmöglich macht oder doch auf längere Zeit hinausschiebt. Zwischen den Fabriken und den Konsumenten steht — wie in manchen andern Fällen, so auch hier — der Markenvertreter, der Motorfahrzeughändler. Da er aus der Erfahrung weiss. dass in vielen Fällen ein Neuwagen nur verkauft werden kann, wenn ein Altwagen in Zahlung genommen öder sonstwie günstig verwertet wird, muss er trachten, auch Altwagen unterzubringen. Aber das Altwagenproblem ist damit nicht gelöst. Sehen wir uns einmal um, wie es sich in analogen Fällen bezüglich anderer Waren verhält. Zwei typische Fälle seien hiezu herangezogen : die Schreibmaschine und der Staubsauger. Bei beiden Artikeln hängt der Absatz der Neuwaren ebenfalls grundlegend von der Verwertung der gebrauchten Waren ab. Es bedarf keiner nähern Erläuterung, dass insbesondere bezüglich der Staubsauger sich nach einer kurzen Periode einer intensiven Verkaufstätigkeit ein- Sättigungsgrad des Marktes ergibt, der die Aufnahmefähigkeit für neue Apparate fast auf Null herabsetzt. Die neuen Modelle lassen sich also in grösserer Zahl nur verkaufen, wenn die in Betrieb stehenden und auch noch betriebsfähigen Staubsauger in Zahlung genommen werden. Wie jedermann weiss, geschieht dies auch in weitestgehendem Masse. Für den Kunden sieht demnach die Sache so aus : er tauscht seinen alten Apparat gegen das neueste Modell aus und hat dabei einen gewissen Betrag aufzuzahlen. Das Wesentliche ist nun aber, dass die alten, in Zahlung genommenen Apparate nicht wieder abgesetzt werden. Die Apparate gehen in die Fabrik, werden dort hinsichtlich der noch verwendbaren Teile «ausgeschlachtet» und bezüglich des Restes vernichtet. Auf diese Weise schaffen die Fabriken die Möglichkeit zum Absatz neuer Apparate. Gegenüber dem Motorfahrzeuggeschäft zeugen wäre eine solche Kalkulation gänzlich ausgeschlossen, weil sich dadurch eine vollkommen untragbare Erhöhung des Verkaufspreises der Neuwagen ergeben würde. Zwar ergeben sich für die Importländer durch die in der «Automobil - Revue» bereits mehrfach erörterten Umstände bedeutende Erhöhungen des ursprünglichen Exportpreises, doch ist es auch bekannt, dass in den Erzeugungsländern die einzelnen Fahrzeuge auf den Franken genau auskalkuliert sind und dass schon die Zugabe irgend eines kleinen Zubehörgegenstandes auf kalkulatorische Schwierigkeiten stösst. Jedenfalls ist die Gewinnspanne des Händlers grösser als jene der Fabrik, da diese letztere ihren Gewinn nur aus der Auflegung ganz grosser Serien ziehen kann, während die ZahJ der vom einzelnen Händler zu verkaufenden Wagen stets sehr klein, die von ihm jedoch verlangten Sonderleistungen sehr gross sind. Für Motorfahrzeuge käme es also nicht in Betracht, dass die Altwagen von den Fabriken in Zahlung genommen und durch Verschrotung aus dem Verkehr gezogen würden. Nun zum Beispiel der Schreibmaschine ! Sie hat es mit dem Motorfahrzeug gemein, dass ihre absolute Verwendungsfähigkeit weit grösser ist als die Zeit ihres wirklich einwandfreien Funktionierens (Zeilengeradheit usw.). Dadurch ergibt sich für den Schreibmaschinenbesitzer das Bedürfnis, die an sich noch verwendungsfähige Maschine gegen eine neue oder neuwertige bei gleichzeitiger Leistung einer Aufzahlung einzutauschen. Die amerikanischen Schreibmaschinenfabriken haben nun diese Sache in der Weise in die Hand genommen, dass sie gebrauchte Maschinen zurückkaufen und in der Fabrik generalerneuern. Alles, was schadhaft oder übermässig abgenützt ist, wird durch neue Teile ersetzt, ausserdem das Aeussere der Maschine durch neue Lackierung verschönt. Man kann diese « Rebuilt-Maschine •» von fabrikneuen kaum unterscheiden; die niedrige Seriennummer und die Zugehörigkeit zu einem altern Modell schaffen jedoch den Unterschied gegenüber den fabrikneuen neuesten Modellen. möglichst bald verkehrsuntüchtig werden, um Platz für neue Fahrzeuge zu schaffen. liegt der Unterschied nun vor allem darin, Auf diese Weise ist es den amerikanischen Zwar würde vielleicht mancher, dem esdass es die Fabriken selber sind, die dieSchreibmaschinenfabriken gelungen, sich in wirtschaftlich möglich ist, zu einem niedrigen Preis sich einen Altwagen zu erstehen, dem Verkehr ziehen, nicht die zwischenge- demselben zu verdienen. Aber auch der alten Apparate in Zahlung nehmen und aus das Altwarengeschäft einzuschalten und an sich keinen Neuwagen erschwingen können, schalteten Händler. Weiters ist die Preiskalkulation der neuen Apparate von vorneherhält für wenig Geild eine unbedingt zuver- Konsument hat seinen Vorteil, denn er er- aber wenn man bedenkt, dass den Betriebskosten jedenfalls die grössere Bedeutung zukommt als einer Differenz in den Anschaf- in Zahlung genommenen alten, an sich noch gangsweise nur dort rationell durchführbar, ein so abgestellt, dass die Verschrotung der lässige Maschine. Natürlich ist diese Vorfungskosten, so kommt man doch zu dem gebrauchsfähigen Apparate ohne Verlust wo es sich um grosse Massen gleicher Produkte handelt. Die « wiedergebauten » Schluss, dass mindestens der Verkauf jedes durchgeführt werden kann. Bei Motorfahr- Ma- F E U I L L E T O N Bux. Zlrkusroman von Hans Possendorf. (7. Fortsetzung) Vorsitzender : War der Körper noch warm ? Angeklagter: Jawohl. Der Tod konnte erst kurz vorher erfolgt sein. Vorsitzender: An Ihrer Kleidung haben sich nun Blutspuren gefunden, Angeklagter. Wie erklären Sie das ? Angeklagter : Wahrscheinlich ist bei der Untersuchung der Leiche das Blut an meinen Aermel gekommen. Vorsitzender: Sie besassen einen Spazierstock, der einen mit Schweinsleder bezogenen Eisenknauf hatte — einen sogenannten Totschläger ? Angeklagter: Jawohl. Es ist ein Erbstück von meinem Grossvater gewesen. Vorsitzender : Dieser Stock ist von dem Artisten White bei der Leiche gefunden worden. White hat auch gesehen, wie Sie davonliefen. Angeklagter : Das ist ganz erklärlich. Ich hatte den Stock bei mir, als ich die Leiche fand, und legte ihn neben mich auf den Boden, während ich den Toten untersuchte. Dann lief ich fort, nämlich zum Büro, um die Direktion zu benachrichtigen. Den Stock habe ich wohl in der Erregung neben der Leiche liegenlassen. Es ist also sehr wohl möglich, dass White, der mit seiner Truppe die letzte Nummer des Programms hatte, als er aus seiner Garderobe kam, mich noch gerade hat weglaufen sehen und dann die Leiche und meinen Stock gefunden hat. Vorsitzender: Was geschah nun weiter ? Angeklagter : Ich fand das Büro verschlossen, suchte den Sekretär des Theaters dann vergeblich in einem andern Zimmer und ging schliesslich in den Hof zurück. Da waren schon Whites ganze Truppe, ein Garderobier, der Portier und ein paar Arbeiter um die Leiche versammelt. Vorsitzender: Und wo war nun Ihr Stock? Angeklagter: Der war spurlos verschwunden, und ich habe ihn auch nicht wiederfinden können. Vorsitzender: Das scheint sehr unglaubhaft. Vielmehr nimmt das Gericht an, dass Sie den Stock, dessen Knauf wahrscheinlich Blutspuren aufwies, beseitigt haben. Angeklagter: Da nimmt das Gericht etwas Falsches an. Wann sollte ich denn den Stock haben beseitigen können ? Vorsitzender: In den wenigen Augenblik- schinen gehen nicht an den ursprünglichen Besitzer zurück; dieser hat inzwischen eine andere fabrikerneuerte Maschine erhalten, während die von ihm abgegebene nach der Instandsetzung im Wege der normalen Verkaufsorganisation frei verkauft wird. Dieses Beispiel nähert sich den besondern Verhältnissen des Motorfahrzeughandels sehr stark. Tatsächlich haben verschiedene amerikanische Automobilfabriken, vor die Unmöglichkeit, neue Fahrzeuge in den früher gewohnten Massen absetzen zu können, gestellt, sich in das Altwa^engeschäft eing&* schaltet, indem sie die Altwagen, die nach bestimmten Richtpreisen übernommen werden, in der Fabrik generalerneuern und mit einer beschränkten Fabrikgarantie, die natürlich für den Käufer ausserordentlich wertvoll ist, wieder absetzen. Dieser Vorgang bedeutet vor allem für den Händler eine ungeheure Entlastung; weiter bedeutet er eine Hebung der Verkehrssicherheit, weil ein grosser Teil der alten Fahrzeuge in besseren Zustand versetzt wird. Aber auch der Käufer hat seinen Vorteil : kauft er einen solchen fabrikerneuerten Altwagen, so hat er kein Risiko bezüglich des innern Zustandes des Wagens; kauft er einen Neuwagen, so kann er denselben billiger erhalten, weil die Verdienstspanne des Händlers, wenn die Sorgen des Altwagenhandels von ihm genommen sind, kleiner bemessen sein kann. Leider kommt diese schöne Lösung für uns in Europa, zumindest zurzeit, kaum in Betracht. Am ehesten wird sie in Staaten durchgeführt werden können, in welchen sich die Automobilproduktion nicht auf eine grosse Anzahl einzelner Fabriken verteilt. Derzeit kann es sich also nur darum handeln, unter den nun einmal gegebenen Verhältnissen das Altwagengeschäft auf eine möglichst gesunde Basis zu bringen. Daran sind — mögen im einzelnen auch die Interessen widerstreitend sein — alle Beteiligten, der Produzent, der Importeur, der Detailhändler, der Käufer und auch der Staat, gleichmässig interessiert. Die Grundfrage lautet: Sollen Altwagen in Zahlung genommen werden ? In kalkulatorischer Hinsicht wäre es das Einzigrichtige, mit einem strikten « Nein ! » zu antworten. Es ist bekannt, dass in vielen Fällen dem Händler eine anormal hohe Spanne eingeräumt wird, damit er in die Lage versetzt werde, die Verluste des Altwagengeschäftes zu tragen. Das ist natürlich ungesund. Der Preis einer Ware muss alleinig nach ihrem Werte — also nach den Gestehungskosten und jenen Spesen und Zwischengewinnen, die erforderlich sind, um die Ware an den Käufer heranzu- ken, die White dazu brauchte, um in dieBäumen umgeben und so geräumig, dass Garderobe zu laufen und seine Kollegen zu man sich beim Aufbau wieder einmal richtig rufen, sind Sie zurückgekommen zu der Leiche, um die vergessene Mordwaffe zu holen Städten, die Wagen und Zelte in fürchter- ausdehnen kann und nicht, wie in manchen und zu beseitigen. licher Enge stehen müssen. Kurz, die Arr Angeklagter: Da war ich ja auf der Suche tisten haben gute Tage, verleben fast eine nach dem Direktor und dem Sekretär. Art Sommerfrische. Vorsitzender: Das behaupten Sie. Es ist Bux ist besonders zufrieden, denn Inspektor Friedenthal, der die Raumeinteilung zu kein Mensch aufzutreiben, der Sie bei dieser Suche gesehen hat. bestimmen hat, reservierte für ihn gleich Angeklagter: Dafür kann ich doch nichts. hinter seinem Stallzelt einen schönen Platz, Vorsitzender: Wie wollen Sie also das wo sich seine Tiere in den frühen Morgenstunden, ehe noch das Publikum das Zirkus- höchst verdächtige Verschwinden des Stokkes erklären ? gelände betreten darf, nach Herzenslust austoben dürfen. Bux hat diesen Platz mi + ei- Angeklagter : Ich habe keinerlei Erklärung dafür. — nem Holzgitter umgeben, das er eigens zu Was noch in dem Bericht folgte, waren diesem Zweck mit sich führt; und hier hält uninteressante Zeugenaussagen. Die Ver-ehandlung hatte nur einen Tag in Anspruch Tiere « Spielstunde » ab, — wie er es nennt. auch morgens von 6—7 Uhr für seine genommen und endete damit, dass Willibald Es gibt da eine grosse Holzkugel, auf der Buchsbaum von der Anklage des Mordes Teddy, der Bär. herumturnt; Bälle zum an dem Artisten Vegas von dem Kriminalgericht in New Orleans U.S.A. wegen Manhaufen, in dem man herrlich wühlen, Nachlaufen und Apportieren; einen Sandgels an Beweisen freigesprochen werden scharren und sich wälzen kann. Die Tiere, musste. die ja auch zusammen arbeiten, vertragen 9. sich ausgezeichnet miteinander. Nur Brahma Seit drei Tagen ist Zirkus Kreno in Florenz. Es ist Mitte April, die Sonne strahlt alt und würdig, um sich am Spielen zu be- und Judith sind nicht dabei. Brahma ist zu warm vom blauen Himmel. Der Platz, den jteiligen. Bei der Arbeit versagt er nie, aber der Zirkus hier gefunden, ist von schönen | sonst will er seine Ruhe haben. Judith hin-