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E_1934_Zeitung_Nr.062

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stens einmal über den

stens einmal über den Klausen gekommen zu sein. Gereut hat es bestimmt noch keinen, denn abgesehen von der vorzüglich angelegten Strasse ist auch das Landschaftsbild von Linthal bis hinüber nach Altdorf ganz überwältigend. Nicht nur Privatwagen und Autocars befahren die Klausenstrasse, sondern auch die Post führt regelmässige Kurse in beiden Richtungen aus. Sie gehören mit zu den bestfrequentiertesten, die unsere Postverwaltung zur Zeit führt. Neben den von Menschenhand geschaffenen Kunstschätzen und architektonischen Schönheiten beidseits der Klausenstrasse darf die wuchtige Qross - Architektur der Landschaft nicht vergessen werden, die in bizarrsten und bezauberndsten Formen den Pass begleitet. Der Formenreichtum der Gipfel und Grate des Klausengebietes ist selten schön. Zugleich bildet die Klausenstrasse auch eine Trennungslinie zwischen zwei verschiedenen Gipfelformen. Im Norden erheben sich die steilabbrechenden hellen und dunklen Kalkfelsen, fast dolomitenartig muten der Ortstock- und die Schächentaler-Windgällen-Gruppe an, und im Süden recken sich die eisgepanzerten Hochgipfel der Claridenund Scheerhorngruppe empor. Gegensätze haben immer einen besondern Reiz und diese Gegensätzlichkeit in der Landschaft des Klausens trägt sehr viel zu seiner Anziehungskraft bei. Linthal sei Ausgangspunkt unserer Fahrt. Drohend stehen über dem Dorf die Steilhänge des Kilchenstocks, der den Bewohnern von Linthal so manche schlaflose Nacht gebracht hat, aber trotz seinem drohenden Wesen nicht halb so schlimm ist, als wie er aussieht. Wohl wirft er von Zeit zu Zeit einige Felsbrocken zu Tal, um die Menschen etwas zu schrecken, aber die Gefahr eines grossen Bergsturzes dürfte wohl ganz geschwunden sein. Die Linthaler, die nie recht an die Schrecken dieses Berges glaubten, schauen auch wieder vertrauensvoll zu seinem Gipfel hinauf und denken, dass er gleich wie ihren Altvordern auch in Zukunft ein treuer Hüter des Dorfes bleiben werde. Wenn man zum Dorf Linthal hinaus und die Klausenstrasse hinan fährt, so fesselt jeden der gewaltige Felsenzirkus, der das Glarner Hinterland abschliesst. Tödi, Bifertenstock und Selbsanft sind die gewaltigen Eckpfeiler, die in gigantischem Ausmasse das Glarnerland nach Süden abriegeln. Die Strasse hat nicht versucht, diese Felsenmauern zu durchbrechen; sie fand einen andern Ausweg und schlängelt sich daran vorüber ! ins Urnerland. Gleich nach Linthal beginnt die Steigung der Klausenstrasse; sie führt durch Galerien und in weiten Kehren durch die Fruttberge hinauf. Es lasse sich niemand dessen verdriessen, in den Fruttbergen mit seinem Wagen anzuhalten und die paar Minuten zu Fuss zu gehen, die notwendig sind, um die prachtvollen Wasserfälle des Fätschbaches bewundern zu können. Höher und höher schraubt sich der Wagen und immer wieder überraschen die Tiefblicke hinunter nach Linthal und ins Thierfehd und auch talauswärts. Von der andern Talseite herüber grüssen der steilaufragende Gipfel des Hausstockes und die trutzigen Mauern des Kärpfstockes. Aus den Matten der Frutberge führt die Strasse hinein in den Bergwald, über den steil die Felsen des Ortstocks in den Himmel ragen. Und plötzlich tritt man aus dem Wald, und vor uns liegt überraschend der weite ebene Talgrund des Urnerbpdens, einst als die grösste Alp der Schweiz bezeichnet. Samtbraune Hüttchen sind wie Spielzeug mitten in die Bergwiesen gestellt, und aus einer Tannengruppe grüsst von weitem ein hübsches Kirchlein. Fünf Kilometer lang ist das ganze Hochtal, und erst nach Zurücklegung dieser Strecke beginnt wieder die eigentliche Steigung der Strasse. Rechts haben uns die drohenden Felsmauern der Märenberge begleitet und links die steilen Nordabstürze der Claridengruppe. Weit ausholend zieht sich die Strasse hinein in die Klus, diesem imposanten Felsenzirkus, der dem ganzen Pass den Namen verliehen hat. Ueber die Kehren der Vorfrutt windet sich die Strasse weiter hinauf, vorbei an kleinen, steinernen Alphütten, deren Einfachheit schon manchen Städter überrascht hat. Wenn man bei sinkender Nacht im Sommer hier vorbeifährt, so hat man hie und da das Glück, den Sennen zu hören, wie er weit ins Tal hinaus seinen « Alpsegen > ruft. Wer das erlebt, der halte seinen Wagen schleunigst an, um die erhabene Feierlichkeit dieses Gebetes miterleben zu können. Das Wahrzeichen der Klausenpasshöhe ist das Märcherstöckll. Als trutziger Wächter des Passüberganges schaut es schon seit Jahrtausenden herunter auf die Passhöhe, und gewiss hätte es in den letzten Jahren gerne manchmal sein greises Haupt geschüttelt über das tolle Menschengewimmel zu AUTOMOBIL-REVUE 1934 — N» 62 seinen Füssen. Ganz neue Aspekte eröffnet dem Klausenfahrer die Ankunft auf der Passhöhe. Plötzlich schweift der Blick hinüber zur Urirotsock-Gruppe ennet dem Reusstal, und das vor uns liegende Schächental wird rechts flankiert vom Massiv der Schächentaler-Windgälle und links vom Scheerhorn, Griesstock und der Grossen Windgälle. Langsam fährt man talabwärts, und mancher wird sich auf der Balm schon gefragt haben, wo nun wohl eigentlich die Strasse weiterführen möge. Denn links ist der Absturz hinunter ins Schächental und geradeaus sieht man nur die Steilhänge der Balmwand. Und doch schlängelt sich die Strasse gerade hier durch. Mit letzter Kühnheit ist der Pass hier in den Felsen gesprengt worden, und doch in einer so verblüffend sicheren' Anlage, dass auch der bergungewohnte Fahrer keinen Augenblick beunruhigt werden könnte. Mit dem Durchqueren der Seelitalgalerie ist die Felspartie beendigt und die Obwohl die in den Jahren 1893 bis 1899 mit einem Kostenaufwand von Fr. 4,140,000.— erstellte Klausenstrasse zweifellos zu den modernsten und bautechnisch am besten angelegten schweizerischen Alpenstrassen gehört, ist heute schon deren Ausbau zur Notwendigkeit geworden. Dank ihren bautechnischen Vorzügen und ihren landschaftlichen Schönheiten, die in gleichem Masse keine andere Alpenstrasse aufzuweisen hat, ist die Klausenstrasse zu einer der wichtigsten internationalen Ost-Westverbindungen durch die Schweiz und zu einer vielbesuchten Touristenstrasse geworden. Dementsprechend weist der Verkehr eine stetige Zunahme auf, um jeweilen bei den internationalen Klausenrennen ein extremes Maximum zu erreichen. Die Kantone Glarus und Uri haben ihre Zufahrtsstrassen zum Klausen systematisch ausgebaut und sind im Begriff, auch diesen selbst zu verbessern. Sie gehen dabei von der Erwägung aus, dass der Wert und die Bedeutung dieser Zufahrtsstrassen erst dann Strasse zieht sich wieder durch blumige Bergmatten, vorbei an braunen Bauernhäusern, nach Urigen und wieder rückwärtsstrebend tief hinunter ins Tal nach Unterschächen. Nach Süden öffnet sich hier.das Brunnital, in seiner Form an das Lauterbrunnental en miniature erinnernd. Obschon wir auf der Talfahrt sind, steigt die Strasse von Unterschächen talauswärts noch einmal an, um das vom spitzen Kirchturm überragte Spiringen zu erreichen. Ein paar Spitzkehren bringen uns wieder hinunter auf die Talsohle, und nun führt die Strasse hinaus über Witerschwanden-Trude- Iingen zur Brücke bei Loreto und dann über Bürglen ins Reusstal nach Altdorf und Flüelen. Und damit sind wir an den Vierwaldstättersee gelangt, dessen Ufer so reich sind an historischen Stätten, dass es eigentlich Pflicht jedes Schweizers wäre, jährlich einmal dahinzupilgern, wobei der Klausen bei der Hin- oder Rückfahrt jeweils auch besucht werden sollte. Lr. Der Ausbau der Klausenstrasse zur vollen Auswirkung gelangen können, wenn auch das verbindende Zwischenglied den Forderungen des Verkehrs entspricht. Die Klausenstrasse hat normalerweise eine nutzbare Breite von 4,80—5,50 m. Diese Von Kantons-Ingenieur Blumer, Glarus. Breite wäre theoretisch genügend, nachdem die maximale Ladebreite der auf der Strasse zugelassenen Fahrzeuge zu 2,20 m festgesetzt worden ist; praktisch hat sie sich in vielen Einzelfällen als ungenügend und damit als stark verkehrshindernd erwiesen. Die Gründe sind rein technischer Art. Gemäss den Vorschriften für den Bau der Klausenstrasse war zunächst eine Kurvenerweiterung in den «Kehren» vorgesehen; in allen übrigen Kurven wurde die normale Strassenbreite durchgeführt. Für den heutigen Verkehr bedeutet dies einen erheblichen technischen Fehler, der sich in der Weise auswirkt, dass in sämtlichen Kurven mit Radien von unter 100 m das Kreuzen von breiteren Fahrzeugen die normale Abwicklung des Verkehrs stört. Ein weiterer technischer Fehlf~ besteht darin, dass die Wölbung des Que ± * profils der Strasse meistens zu gross und in den konvexen und konkaven Kurven durchwegs in gleicher Weise ausgebildet ist. Auch dieser bautechnische Mangel erschwert Kreuzungen oder verhindert das Ueberholen von Fahrzeugen, ganz besonders m den Wendeplatten. Erschwerend sind endlich die vielfach ungenügenden Sichtweiten. Hieraus ergeben sich für den zukünftigen RASSIGES AUSSEHEN RASSIGE FAHRT UNGEMEINE SICHERHEIT DAS IST Bei allen grossen internationalen Rennen immer wieder UNL auf den Wagen der ELITE-FAHRER Folgen Sie diesem Beispiel! PERSONEN- UND LASTWAGEN VERTRETER Zürich A.B.C. Garage A.G. Fleurier R. Gammeter Bern Gebrüder Marti Neuchätel Garage Central S. A. Basel Ed. Contelly St. Gallen Widler &. Hürsch Lausanne W. Zwei gart Bellinzona Grand Garage S.A. Geneve Ch. Hoffer Locarno E. Broggini Wlnterthur H. Roos Wohlen J. Henggl Brugg F. Zulauf Solothurn W. Bircher Sion Revaz Freres Baar Stierli & Cie. (cam.) Langenthal Moser &. Cie. Vevey Auto-Stand S. A. (camlons) Generalvertreter für die Schweiz: FRATELLI AMBROSOLI - LOCARNO

62 -1934 AUTOMÖBIL-REVUE 15 IDie. ausgebaute Klausen strasse mm££ä£%L2 m ~«»**£.,~»4B Die «er Klausen-RennfahreT werden diesmal eine teilweise moäern ausgebaute Strecke antreffen. TJn- Bild zeigt die erste grosse Doppelkehre am Anfang des Klausenpasses im Umbau. Als Belag wird Wildpflästerung mit ausgegossenen Fugen verwendet. Ausbau der Klausenstra&se ungefähr folgende massgebliche Richtlinien: 1. Sukzessive Verbreiterung der Strassenfahrbahn auf durchwegs 6 m, mit Kurvenverbreiterungen, soweit dies technisch notwendig ist. (Zweckmässig wird man so vorgehen, dass die Verbreiterungen überall da zuerst ausgeführt werden, wo sie wenig kosten.) 2. Umbau des Querprofils der Strasse, Ausbildung der Kurven unter etwa 100 m Radius mit einseitigem Gefälle und 3. Verbesserung der freien Sichtweite. 4. Erstellen von Schutzfried an gefährlichen Stellen. Qlarus und Uri arbeiten seit einigen Jahren nach diesen Richtlinien an der Modernisierung der Klausenstrasse. Auf der Nordostrampe, zwischen Linthal und der Klausenpasshöhe sind bis heute von den 25 Wendeplatten bereits 16 verbessert; die noch verbleibenden dürften in ununterbrochener Folge ebenfalls noch umgebaut werden. Dabei handelt es sich vornehmlich darum, die wassergebundene Schotterdecke durch einen harten Dauerbelag zu ersetzen und das Kehrengefälle einseitig auszubilden. Die vom Kanton Glarus umgebauten Wendeplatten haben durchwegs ein einseitiges Quergefälle von 8% und als Belag wurde eine sog. Wildpflästerung mit ausgegossenen Fugen (Kaltbitumen Bitumin) gewählt. Diese Belagart hat einen grossen Reibungskoeffizienten und erlaubt daher ein verhältnismässig schnelles Fahren in der Kurve, ohne dass die Fahrzeuge ins Schleudern geraten; ebenso gewährt sie grosse Sicherheit für die noch häufig auf der Strasse verkehrenden Pferdefuhrwerke. Eine Neuheit sind die von der Betonstrassen A.-Q. erstellten Betonbeläge in der Kehre mit der Höhenquote 1702 m (Klus), namentlich aber in der Kehre oberhalb Vorfrutt (zweite Kehre unterhalb der Passhöhe). Das einseitige Quergefälle der Fahrbahn mit Betonbelag beträgt im Maximum 12%. Es darf angenommen werden, dass die Sicherheit gegen das Schleudern der Fahrzeuge in diesen betonierten Kurven mit grösserem einseitigem Quergefälle wegen dem kleineren Reibungswiderstand ungefähr gleich gross ist wie in den mit Wildpflästerung Viele Kehren des Passes haben eine Verbreiterung und einen' neuen Belag erhalten. Die obenetehendo Aufnahme zeigt die zweite Kurve unterhalb der Passhöhe, die einen Beton-Belag erhielt. (Photos Schönwetter-Elmer, Glarus.) ausgebauten Kehren mit kleinerem Seitengefälle, aber grösserem Reibungswiderstand. Eine erhebliche Verbesserung stellt ferner die Pflasterung der Fahrbahn in den beiden Tunnels oberhalb Linthal und endlich die Staubfreimachung der ganzen Strasse von Linthal bis in den hintern Teil des Urner- Dem diesjährigen internationalen Klausenrennen kommt als Jubiläumsveranstaltung besondere Bedeutung zu. Zum X. Male werden am nächsten Sonntag die Maschinen aus aller Herren Länder die unzähligen Kehren der schönen Klausenstrasse hinanjagen. Kein Bergrennen Europas, auch wenn es an Alter den Klausgn zu übertreffen vermöchte, weist eine ruhmvollere Vergangenheit auf. Das berühmte schweizerische Rennen ist aus dem internationalen Autosport überhaupt nicht mehr wegzudenken, und was beispielsweise der Grosse Preis für Frankreich in der Geschichte der Rundstreckenrennen bedeutet, ist bodens auf insgesamt 14,7 km Länge dar. Es sollte erwartet werden dürfen, dass dieser erste grössere Versuch für die Staubfreimachung von Alpenstrassen zur Erhaltung des guten Rufes der schweizerischen Alpenstrassen gebührende Beachtung findet. Die Geschichte des Klausenrennens für die ersten europäischen Bergrennen der Klausen. Verschiedene Umstände haben zusammengewirkt, um diesem Anlass zu der wirklich überragenden Grosse zu verhelfen, in der er uns auch am nächsten Sonntag wieder entgegentreten wird. Jeder Austrag brachte eine weitere Steigerung der Veranstaltung, und 1932 stand man bereits vor einem vorläufigen Ziel. Das Maximum der Quantität war erreicht. Der Lauf vom nächsten Sonntag wird in seiner erstmals abgeänderten Form ein Rennen der Qualität sein. DL Schweiz wird am Sonntag wieder zum Mittelpunkt des internationalen Autosportes, mnltibestos-Brems- und Kupplungsbeläge für Automobile, Lastwagen, Krane, Bagger und alle Sonderzwecke Warum fahren in der ganzen Welt Hunderttausende von Wagen nur mit MuHibestos-Bremsbelag? Warum viele Tausende allein in der Schweiz? Doch wohl darum, weil Qualität und ganz besondere Eignung fOr unser Terrain bei Multibestos-Bremsbelag längst schlagend erwiesen ist. Untenstehende Tabelle zeigt Ihnen an einem Beispiel die Wirkung des Multibestos-LX-Belagesausdem sich unsere kombinierten Bremssätze entwickelt haben. Urteilen Sie selbst: ?O0 15,0 y, Kuive .eines schlechten Bi-emsbelstfes- I M l I I I I I I I I I I I • • I I M I I I I I M J . ! I I ! I I I I I I I Resultate mit .MulnbQslos..lX Bremsbelag. 5£ aufeinanderfolgende SJops Hier Blockieren die Bremsen 32 Km Stundenqeschwindiqkeir J m 24 Kg, Pedaldruck ch Wassereinfiuss HIIIII imiiiniim -Anormal schlechteBi-emswii-kung P Kuive Nornialkx/rye ••- — — — — —««irtrirtdn«« rtmi|i«it Anzahl der Bremsungen [Stops]" • Da wir als Spezialhaus für Bremsen und Kupplungen die denkbar grBsste Erfahrung besitzen, sind wir In der Lage, das einwandfreie Funktionieren der von uns gelieferten M ultl bestos-Bel äge absolut zu gewährleisten. Höchste Bremsen nur durch fflnltibestos-Bremsbelag! Für jedes Bremssystem die richtige Materialsorte, da nun geringste Abnützung! V er nun f t i n s Preise! Wir sind ausschliesslich auf Bremsen und Kupplungen spezialisiert und geben Ihnen gerne jede, gewünschte Auskunft. Verlangen Sie bei Ihrem Garagisten nur Multibestos-Brems- und Kupplungsbeläge. — Keine Lieferung an Private. 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