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E_1934_Zeitung_Nr.062

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1934 - 62 Der neue 3,5-Liter-AohtzyIinder-Bugatti-'Wageii, der erstmals am Grossen Preis von Frankreich eingesetzt wurde. Aeusserlicb unterscheidet er sich vom bisherigen S^liter-Typ durch tseine etwas niedrigere längere Karosserie und seine neuartigen Räder, bei welchen die Antriebs- und Bremsmomente durch die verzahnte Bremstrommel .auf die Felge übertragen werden, so dass radiale Speichen angewandt werden können. Der Motor (rechts) zeigt die charakteristischen Bugatti-Baufonnen und hat zwei obenliegende Nockenwellen. Die Untersuchungen erstrecken sich auf die Bestimmung der verschiedenen Luftkraftkomponenten (Widerstand, Auftrieb und Quertrieb); ausserdem wurden an den wichtigsten Teilen Druckmessungen vorgenommen, die die Strömungsvorgänge klärten und richtunggebend waren für die Entwicklung der günstigsten Formen. Die Abfederung des Wagens weist als hauptsächliche Neuerung die Anwendung von auf Torsion beanspruchten Federstäben an den Vorderrädern auf, die den Vorteil des geringen Gewichtes und der leichten Anpassbar- "keit an verschiedene Betriebsbedingungen ergeben und zudem eine in jeder Hinsicht korrekte Führung der Vorderräder ermöglichen. Die schwingenden Hinterachsen sind durch eine Qtierfeder abgefedert. Der Mercedes-Wagen, als zweiter grosser Vertreter der Automobilbaukunst, steht dem Porsche-Wagen in der Maximalgeschwindigkeit kaum nach, hat er doch auf der Avus, offiziell gemessen, über längere Strecken eine Geschwindigkeit von 305 km/St, entwickelt. Ausser mit seinen unabhängig abgefederten Rädern, die, wie bei den Mercedes-Gebrauchswagen, gegen Schraubenfedern wirken und vorne durch Gelenkarme und hinten durch schwingende Halbachsen geführt sind, lehnt sich der Wagen jedoch in seinem Gesamtaufbau mehr wieder an die konventionelle Bauart an. Der Motor ist ein Achtzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und vorn eingebautem Kompressor, der reine Luft durch den Kühler ansaugt und dabei ein charakteristisches Heulen auftreten lässt. Zuverlässige Angaben über Zylinderinhalt und Maximalleistung waren bisher über den Mercedes- Motor so wenig erhältlich wie vom P-Motor, doch dürfte es sich ungefähr um die gleichen Werte handeln. Auch der Mercedes-Wagen ist aerodynamisch sehr hochwertig karossiert. Rein schon hiedurch und durch die unvergleichlich bessere Strassenhaltung stehen diese deutschen Neuschöpfungen deutlich im Vorteil. Maserati startet als Grand Prix-Wagen seinen erleichterten letztjährigen Achtzylinder-Monoposto, den wir in der Schweiz schon am Montreux-Rennen eindrucksvoll kennen gelernt haben. Man weiss, dass dieser Wagen, dessen Motor 3 Liter Zylinderinhalt auf-' weist, ausserordentlich schnell ist und, überall; als Siegesanwärter in Betracht kommt, wo er bis zum Schluss durchhält Sein Gewicht beträgt rund 725 kg, die Maximalhöhe der Karosserie 85 cm, die Bodenfreiheit 18 cm und das Kompressionsverhältnis 1:10. Bugatti war mit seinem Dpppelnockenwellen-Achtzylinder von zuerst 3,3, dann 3,5 1 Zylinderinhalt bisher vom Pech verfolgt. Wie schon oft, ist aber immer noch damit zu rechnen, dass der Künstler von Molsheim über Nacht den Wagen in verbesserter Auflage herausbringt und die Fachwelt von neuem in Staunen versetzt. Der gegenwärtige Grand Prix- Bugatti gleicht in der Bauart dem wohlbekannten grossen 4,9 Liter, der anfänglich ebenfalls versagte, dann aber plötzlich eine ganze Serie von Höchstleistungen aufstellte. Seine Karosserie hat die Breite eines Zweiplätzers, wobei jedoch die Sitzöffnung des Antriebskräfte zu übertragen haben. Zur Antriebsübertragung wird vielmehr die mit dem Rad abnehmbare, durch kleine Klauen in die Radfelge eingreifende Leichtmetallbremstrommel herangezogen. Zoller, ein in Deutschland lebender Schweizer, hat zu Beginn des Jahres, anlässlich der Berliner Automobil-Ausstellung, mit einem 1500- ccm-Zweitaktkotnpressormotor Sensation erregt, leistete dieser Motor doch nicht weniger als 200 PS. Die mit dem Zoller- Motor versehenen Rennwagen vermochten bisher die in sie gesetzten Hoffnungen noch nicht zu erfüllen, da Schwierigkeiten hauptsächlich thermischer Natur meist vorzeitig einen Strich durch die Rechnung machten. Nach Ueberwindung der Kinderkrankheiten kann aber auch der Zoller-Wagen jederzeit zu einem höchst respektablen Gegner wer- Beifahrers mit Blech abgedeckt und derden, besonders auf kürzere/i Strecken. Seinem Motorsystem steht jedenfalls noch eine Sitzraum desselben durch einen Zusatzbrennstoffbehälter ausgenützt ist Die auffallendste Neuerung am Wagen stellen die so lässt sich die Motorleistung, soweit man grosse Zukunft offen; denn wenn irgendwie, Räder dar. Statt aus Aluminiumguss sind sie heute die Sachlage überblicken kann, nur als Stahlspeichenräder ausgeführt, wobei jedoch die radial angeordneten Speichen keine rens wesentlich steigern. noch unter Anwendung des Zweitaktverfah- m. Spritzen Sie Ihr Auto selbst Einige Autodecken Gepäcknetze Kleiderhaken Sie können es bei unbedeutenden Auslagen während Jahren wie neu erhalten. FARBSPRITZPISTOLE Sohweizer-Präzisionsarbeit, mit regulierbarer Düse und Luftzuführung, sowie auswechselb. Glas- oder Aluminiumbehälter. Fr. 19.50 AI uminiumbehälter Brookland-Celluloselacke spritzfertig, äusserst haltbar, werden in allen Farbtönen geliefert, trocknen sofort und ergeben einen glatten, gleiehmäs- Eigen Belag von seltener Pracht. 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62 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE 25 Aus der Werkstatt eines Rennsekretariates Berge von Briefen, Formularen, Anmeldungen, Reglementen, ein unaufhörliches Kommen und Gehen, unermüdlich einsetzende Telephongespräche, Tag und Nacht durchgehender Telegrammverkehr, unzählige Konferenzen und Besprechungen — das alles gehört zu dem enervierenden Betrieb im Sekretariat eines grössern Rennens. Die Zeiten sind endgültig vorbei, -wo man einige Wochen vorher die Reglements an Clubs und Fahrer in die Welt hinaussandte und dann ruhig zuwartete, bis die Nennungen -wieder hereinkamen, ohne jegliches -weitere Zutun und — o herrliche vergangene Zeiten früherer Rennquästore — begleitet von ansehnlichen Nenngeldern und Versicherungsprämien, die allein schon einen erheblichen Teil eines allfälligen Defizites kompensierten. Ein bewährter Kämpe des Rennsportes hat einmal den Rennsekretär mit dem Ausdruck «Mädchen für Alles> charakterisiert, in dessen Küche all die unzähligen Detailarbeiten zu erledigen sind, die, jede für sich vielleicht unbedeutend ist, deren reibungslose Erledigung aber den Erfolg des Rennens sicherzustellen haben. Am Anfang stand das Reglement! Heute ist dessen propagandistisch gute Aufmachung: und vor allem der Versand von grösster Wichtigkeit. Die für die grössern internat. Rennen allgemein geltende Begrenzung der Teilnahme am Rennen auf die qualitativ guten Fahrer brachte den Uebergang zur Individualpropaganda, wo es vorerst gilt, die in Betracht fallenden Fahrer mittels der betreffenden nationalen Clubs zu erreichen. Was machen sich da oft für Sonderwünsche geltend, nationale Einflüsse, verletzte Eitelkeit unberücksichtigter Fahrer, unzulässige Ansprüche bezüglich Fahrzeugeinteilung und ähnliche Dinge mehr. Zwar hat die Bildung von Rennställen diese Fahrerwerbung etwas erleichtert, •wenn auch anderseits dadurch die finanziellen Ansprüche an die Organisatoren erheblich gestiegen sind. Wenn es auch einerseits eine nicht zu negierende Tatsache ist, dass die Kosten des Rennsportes heute für die Fahrer ausserordentlich hohe sind, so ist es vielleicht gerade dieses «Markten» um die sog. Startgelder, das die Rennsekretariat-Tätigkeit, besonders wenn es sich um ein Rennen mit 130 bis 150 Fahrern handelt, ausserordentlich belastet, erschwert und auch wenig angenehm und dankbar gestaltet. Was werden da alles für Anforderungen gestellt, Uebernahme der Hotel- und Garagenkosten, Rückvergütung allfälliger Zollgebühren für die Einfuhr von Last- und Rennwagen, Bezahlung der Haftpflicht- und Unfallversicherung, ja selbst einer Kaskoversicherung der Rennfahrzeuge, Bezahlung von Spesenzuschüssen, die oft ins Phantastische steigen, und wenn man dann schliesslich glaubt, dass nun die «Einigung» endlich da und die Anmeldung des grossen Führers, um dessen Teilnahme man Tage und Nächte bangte, definitiv gesichert ist, da wird der Wagen sieben Tage vor dem Rennen an einer andern Konkurrenz noch havariert und — alles war für die Katz. Man kann wohl nirgends die Eigenschaften der Fahrer besser studieren als in diesen mündlichen, schriftlichen, telephonischen und telegraphischen, in allen europäischen Sprachen zu führenden Verhandlungen, die ihren Schlussprint in den letzten 14 Tagen vor dem Rennen finden, wo nur noch Telephon und Telegraph mit der hasticr vorwärts eilenden Zeit im Wettlauf zu bleiben vermögen. Kaum steht die N'ennllste fest, so kommen schon all die damit zusammenhängenden Tausende von Anfragen, die es alle rasch und zuverlässig zu beantworten gilt. Die Zubehörfirmen wollen möglichst früh die Anmeldelisten zur Bearbeitung der Fahrer haben, Hotelquartiere müssen belegt werden, die Fahrer wünschen ihre Startnummer, um ihre Fahrzeuge durch Aufmalen zu kennzeichnen, die Trainingsfahrten und Abnahmezeiten müssen mitgeteilt, Hunderte von Instruktionen an die Fahrer über Fahrzeugeinteilung, Lizenzen, Rennprogramm, Zollabfertigung der Fahrzeuge, Versicherung, Beschafmg von Ersatzteilen, Spezialbrennstoffen und -Oelen usw., erteilt werden. Ein Frag- und Antwortspiel, wo nur Geduld und noch einmal Geduld zum Ziele führen kann. Gerade die Quartierfrage i»t nicht so leicht zu lösen, wenn es heisst, rund 150 Fahrer, dazu den Tross von Mitfahrern und Mechanikern, in einem Dorf wie Linthal unterzubringen. Nicht nur die Menschen, sondern auch all die ungestümen Rennvehikel, denen oft noch eine verwöhntere Behandlung als den Fahrern selbst zuteil wird, sind zu beherbergen. Da müssen Pensionspreise mit den Ho- teliers und Logisgebern vereinbart werden, jeder Fahrer will individuell behandelt werden, ein jeder hat seine Sonderwünsche, und wenn auch diese Unterkunftsfrage einem besonderen Komitee überwiesen ist, so hat doch das Rennsekretariat die Korrespondenzen zu führen. Von besonderer Wichtigkeit ist für das Motorrad- und Automobilrennen auch die Beschaffung von Brennstoff und Oel geworden. Zwar ist für das Autorennen nichts vorgeschrieben wegen Art und Lieferung dieser Betriebsmittel, aber die wichtigern Fahrer wollen ihren Brennstoff, über den stets ein mehr oder weniger offenes «Geheimnis» herrscht, selbst einführen, was aber heute, wo der Import kontingentiert ist, keine so einfache Sache bedeutet. Bewilligüngsgesuche an die Zollbehörden, Ausfindigmachen der schweizerischen Lieferanten usw. folgen. Für das Motorradrennen aber hat man zweifellos gefunden, dass die Organisatoren noch zu wenig mit Arbeit bedacht sind. Also ging man hin und überband die Lieferung von Brennstoff und Oel dem Organisationskomitee, das nun als Tanksäulenhalter und Oellieferant eine ganz neue Arbeit, damit auch eine neue Würde erhalten hat und so Freuden und Leiden eines Benzindetaillisten mitkosten kann. Aber damit nicht genug; das Rennsekretariat ist auch zur Wechselstube geworden. Im kleinen Linthal existieren keine Banken. Also her mit Börsenund Kurszetteln, um den Fahrern der 12 vertretenen Länder ihre fremden Notenscheine in ehrbares, biederes Schweizergeld umzuwechseln. Das vielgestaltige Rennsekretariat wird aber auch zum Postbureau. Da kommen Stösse von Briefpost für die Fahrer an, deren Unterkunftsadresse man • nicht kannte. Botengänge, Umadressierungen, Ausfindigmachung der Hotels sind die Folge. Und wenn man sich so sieben Tage um die Fahrer gesorgt, sie quasi mit Glacehandschuhen behandelt, ihnen jeden Wunsch vom Auge abgelesen und ja alles vermieden hat, was ihre gute Laune trüben könnte, ist man noch nicht am Ende des Lateins. Da melden sich all die unzähligen kleinen Sonderwünsche: Frauchen wünscht einen Spezialhundekuchen für das liebe Mopserl, dort sucht einer in Linthal ein Wellenbad mit Violettstrahlenbelouchtung, dort wollen zwei wissen, ob der Kilchenstork vielleicht in fünfzig Jahren.nicht doch noch runterkommt, und ein besonders Gwundriger regt an, mit der geplanten Claridenseilbahn eine neue Autorennstrecke zur Bergstation zu bauen. Wirklich, auch der älteste und spitzfindigste Briefkastenonkel käme sich da als leeres, ausgebranntes Lexikon vor, wenn er auf das köstliche Wissenwollen stets mit schlagender Antwort bereit stehen müsste. Zu den «Kunden» des Sekretariates gehören schliesslich auch die Komiteemitglieder. Für jede Organisationsabteilung bedarf es besonderer Wagentafeln und Ausweise. Die Feuerwehrleute werden mit blauen und gelben Fähnchen ausgestattet, Parkplatzkarten, Armbinden, Rosetten fliessen in unzähligen Kanälen an ihren schliesslichen Bestimmungsort. Man lebt heute im Zeitalter der Propaganda! Radioberichte und Pressebulletjiis setzen die Vervielfältigungsmaschinen unter'Hochdruck, Inserate für den Vorverkauf "werden lanciert, man bedauert unendlich, nicht all die wohlgemeinten und so günstigen Inseratofferten all der Zeitungen, die plötzlich so sportfreundlich geworden, sind, berücksichtigen zu körnen, denn der Geldbeutel ist leer. Ja, selbst der Wetterdienst muss noch herhalten, es gilt am Vortag noch rechtzeitig per 'Radio die Witterungsaussichten durchzugeben, um dem Rennen möglichst grossen Besuchererfolg zu sichern. «Die Niederschläge weichen, Aufheiterung verheisst schönes Wetter», eine solche Meldung, richtig verwertet, kann Wunder für die Kassen eines solchen Rennens wirken. Ein paar Tage vor dem Rennen aber wird geziigelt»! In Koffern und Kisten werden Maschinen, Büreaumaterialien, ganze Stösse von Papier ins Glarnerland verfrachtet, und bald herrscht im Linthaler Rennbureau ein Leben wie in einem Taubenschlag. Die Extrazüge sind anberaumt, die Tausende von Parkkarten und Zuschauerkarten der «Securitas» übergeben, die Abnahmekarten für die €lennfahrzeuge vorbereitet. Die Polizei- und Feuerwehrmannschaften erhalten Ordnungsvorschriften, Instruktionen für Abschnittskommandanten und Streckenwärter, die Verpflegung des Hilfspersonals und der Mitarbeiter wird sichergestellt. Am Vorabend des Renntages nochmals ein stärkstes Anschwellen all der Auskunfts- und Hilfstätigkeit, nochmals ein unaufhörliches Erklingen des Telephons, der Morgen naht, die ersten Fahrer kommen zum Start. — und schon steht verlassen das Rennsekretariat, das nun droben am Ziel in voller Tätigkeit begriffen ist, wo im Chronometerhaus gerechnet, diktiert, geschrieben und vervielfältigt wird, wo man in all dem Dröhnen und Getöse auch einen Rekord schlagen will, nämlich in der Anfertigung der Pressebulletins, die, kaum ist der Fahrer durch, ausgegeben werden und die Sporterfolge melden. Und schon wieder packen — und hinab nach Altdorf. Hier ein letztes Nachkontrollieren der Resultate, Bereitmachen der Barpreise für die Preisverteilung, Bereitmachen der Spesenzuschüsse, die an die Fahrer ausbezahlt werden müssen. Es hebt da ein Kassaverkehr an, der in der heutigen Krisenzeit manchem Bankinstitut sehr -wohl anstehen würde. Der Umsatz eines solchen Schlusstages im Rennsekretariat ist von Fr. 50,000 nicht so fern. Zum Schlüsse nochmals Packen, Heimfahrt und Schlaf, viel Schlaf, um all das nachzuholen, was man in den letzten Wochen opfern musste. Es folgen die Wochen des Aufräumens! Das heisst, die ersten acht Tage lebt man von lauter Reklamationen und Beschwerden der Landeigentümer, der Fahrer, der Zuschauer, erfreut sich an den Kritiken der Presse, begeistert sich an all den wohlmeinenden Ratschlägen der B'esserwissenwollenden. Schreibmaschinen klappern nochmals im Sturmestempo, manche «beleidigte Leberwurst» muss besänftigt werden, man kommt sich als Friedensrichter in Permanenz vor. Die Liquidation des Rennens schreitet vorwärts, der umfangreiche Rennbericht wird redigiert und dann ein letztes Bangen und Hangen: Die Abrechnung! Schliesslich noch hundert Dankesbriefe an all die, welche das grosse Werk ermöglicht und gefördert haben. Zuletzt doch das beglückende Gefühl, dass man positive Arbeit geleistet und als «getreuer Geist des Hauses» in ungezählter Kleinarbeit etwas dazu beigeträgen hat, dem Schweizerland -wieder mal ein Grossportereignis gesichert zu haben. S. „Programm! — Programm!" Eine lustige Klausen - Erinnerung Wissen Sie, was eine Verkaufskanone ist? Also: Wenn Ihre Frau vor drei Tagen von einer kleinen Türvorlage redete und heute mit einem Beludschistan 4X3 Meter erscheint — Oder wenn Sie selber schnell ein paar Gabatabletten kaufen wollen und der Konditor gibt Ihnen gleich den Laufjungen mit einem Vacherin für 8 Personen auf den Heimweg mit — Oder Ihr Grosspapa will ein Dutzend Nägel kaufen, um etwas am Gartentor zu flicken, und Sie sehen ihn mit einem T-Balken unterm Arm zum Laden hinauskommen — Sehen Sie, verehrter Leser — dann hat eine Verkaufskanone die Hand im Spiel gehabt. Das ist ein Mensch, der aus 90% Mundwerk besteht; der Rest ist Branchenkenntnis, Figur, Blick, Kleidung, Phantasie; falls noch ein Prozent, übrig bleibt, auch dieser letzte nochmals Mundwerk. So einen Menschen braucht man, um Programme an einem Autorennen zu verkaufen. Es gibt Leute, die prinzipiell solche Druckerzeugnisse erstehen. Leider Gottes aber noch viel mehr andere, die behaupten, man sehe, höre und rieche alles von Fall zu Fall, hübsch der Reihe nach, mehr brauche man nicht, und notwendigenfalls habe bombensicher irgend ein Nachbar so einen Wisch. Da ist die Stelle für den Programmverkäufer! — Und so einen habe ich am letzten Klausenrennen in voller Blüte gesehen. Alles war in Erwartung. Tausende sassen längs der Strecke, Hessen ihre Beine über alle Mauern hängen, gähnten und warteten. Warteten. Ein Extrazug aus Zürich brachte noch ein paar Hundertschaften, die spurlos in der Masse verschwanden. Einer aber — tauchte auf! Mitten über das abgesperrte Band der Strasse, unbekümmert um dae Knattern und Rattern' der Motoren, um die Polizei, um die Komitees — unbekümmert wandelte ein Männchen in einem ältlichen Ueberzieher von Grocks Format über die Strasse. Aus seinen sämtlichen Taschen guckten gelbe Zettel, in seinen Knopflöchern, Serien von Knopflöchern, hingen an Schnürchen rote Papierdreiecke, und auf dem Hütchen, das ein Filzer von ebenfalls respektablem Alter war, glänzte eine Art Ehrenmeldung. Ich dachte an den schweizerischen Kunstsr-bein, den ich mir samt dem Inhaber immer ungefähr so vorgestellt habe. Das Männchen guckte sich die Landschaft an, strassauf und strassab. Dann stiess er einen Schrei aus: Programm! Worauf ein Polizist auf ihn zuschritt und mit ihm zu disputieren anfing. Hier könnte die Geschichte fertig sein. Sie fängt aber erst an; denn der Ueberzieher blieb bei dem Wortgefecht Sieger. Und plötzlich schreit er los: «Obachtl Hallo! Attenzione! Alarm! Meine Damen und Herren — jawohl, das ist der Mann aus Amsterdam, der alles will und alles kann — jawohl, der Mann, -welcher! auf welchem! durch welchen! Der Mann, welcher Ihnen Programme verkauft, auf welche Sie schon seit Noahs Zeiten — die Damen weniger! — eewartet haben! und durch welchen Sie erst das -wahre Vergnügen an dieser hochsportlichsten Veranstaltung des gesamten Inund Auslandes haben werden. Amen!» — Er lässt in beiden Händen Hundertbüschel von goldgelben Programmen wie Kartenspiele zu hellen Sonnen sich ausbreiten. Rennt ein wenig hin und her und findet die ersten Käufer. Aber das Geschäft hat ihm zu wenig Schwung. Wieder schreit er- « Meine Herrschaften in drei, vier, fünf europäischen Sprachen, inklusive das Türkische, Arabische, Chinesische und Kuhspanische! Schauen Sie in die Ferne! Schauen Sie in die Tiefe, rückwärts, aufwärts, hoch, höher, am höchsten, zum Himmel, zur Hölle! Was sehen Sie? Nichts sehen Sie, denn das Rennen beginnt erst in zehn Minuten. Aber nun schauen Sie doch endlich mal vorwärts, Stauffacher und nicht hinter Dich — vorwärts mit Volldampf, vorwärts im Leben und dann sehen Sie mich! Jawohl — mich sehen Sie! Mir oder mich, falls Sie aus Berlin sind, ist mir egal, schnuppe, knorke, ein Dreck, hundewurst oder einerlei! Mich müssen Sie sehen, denn ich bin der Mann, der Ihnen die Zeit vertreibt! Programme, einen Franken das Stück! » — Ein Mercedes brüllt vorüber und reisst ihm beinahe die Mantelßchwänze fort. Alles lacht. Ein schwarzes Hündchen überquert die Strasse, gleich hat er's entdeckt: « Schwarz ist der Hundl Schwer ist das Pfund! Rot ist Dein Mund, und jeder Tag, den Du mir schenkst. Marie Luiiese — aber gelb jst das Programm! Programm! Programm! » — Wieder bringt er ein Dutzend ab. Ein neuer Anlauf! «Einen Moment Aufmerksamkeit! Keine Politik, keine Front, keinen Kuhhandel und kein •Stratosphärenflug — aber das Allerneuestet Nämlich wir haben hier, unsere Firma, zum erstenmal ein nigelnagelneues Prinzip in der Programmheretellung unter hohen Kosten angewandt! Passen Sie Obacht: Erstens: eine Extra-Schrift! klar, klarer, am klarsten! Zweitens: eine imposante Uebersicbtlichkeit der Schriftbilder von A—Z — Sie erkennen jeden der 25 Buchstaben auf den ersten Blick im Hui, im Galopp, im Flug. — Drittens: eine Papiersorte! Ein Wort genügt: extra! Kunstdruckpapier. auf dem kann man sämtliche Oelgemälde •der Welt in sieben Farben drucken! Und nun. der Clou: Preisreduktion! runter mit den hohen Preisen sag' ich! Migrospreis! Epa! einen einzigen Franken!» — «Für ein einziges Schweizerfränkli haben Sie hier in gedrängter Kürze hundert Romane, hundert Schicksale berühmter Rennfahrer, hundert Lebensbilder der Helden von 1934, einen ganzen kompletten Rennstall von hundert der modernsten Pferdekräfte! Der frisst Ihnen kein Gras, kein Heu, sauft Ihnen das Bier nicht vor der Nase weg — gar nix ist gschehn, guet is gangen! » , Der Mann nimmt sich Schon hat. er einen: Einzelpersonen vor. Der neue 5-Tonnen- HÜRLIMANN - INDUSTRIE - TRAKTOR ist eines der wirtschaftlichsten Nutzfahrzeuge der Gegenwart verlangen Sie Offerte und Gratiskataloge TECHNISCHE DATEN: Leergewicht: 4 Tonnen Max.-Geschwindigkeit: 40 km Radstand: 2 m Spurweite: 1,86 m Lenkradius: 2,5 m Motorsystem: Zürcher Steuerleistung: 19,2 PS Bremsleistung 55 PS Zylinderzahl: 4 Bohrung: 100 mm Hub:. 120 mm Zylinderinhalt: 3770 cm 3 Kurbelwellen - Hauptlager und Pleuellager: 55 mm 0 Hinterachse: 65 mm 0 Hinterachslagerung nachstellbar, • mittels 2 Schrägrollenlager Zündung: Magnet Scintilla Vergaser: Petrolvergaser Auf Wunsch mache Ich Ihnen kostenlos und unverbindlich eine Vorführung auf Ihrem eigenen Betriebe HANS HÜRLIMANN TRAKTORENFABRIK TELEPHON 94 Uebersetzungen: 3 vorwärts, 1 rückwÄrts KQhlung: Orion-Kühler Kupplung: Einplatten-Trockenlamellen Zahl der Achsen: 1 Hinter- und 1 Vorderachse Triebachsen: 1 Hinterachse Federung vorn: Dreipunktfederung Fussbremse: 1 Fuss- und 1 Getriebebremse Handbremse: 1 Handbremse Lenkung: Kegelrad Bereifung: hinten 40x8 vorn 2,75x20 Elektr. Ausrüstung: Anlasser, Dynamo, Batterie Brennstoffverbrauch: 4,2 Liter Petrol pro Stunde WIL (St. Gallen) Betrachten Sie einmal Ihre GeschaftspapiereF Briefbogen, Besuch$karfen usw. Entsprechen sie noch dem, was man von einer Firma wie der Ihrigen er« wartet? Wenn nicht, lassen Sie sich doch gleich unser« Muster zeigen. — Immer werden Sie von uns geeignete Vorschläge bekommen,, Buchdruck Offsetdruck