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E_1934_Zeitung_Nr.066

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Gleichung einsetzen. Die Wucht, mit der unser Wagen in die Mauer rennt, entspricht der gleichen Wirkung, wenn der Wagen von einer 13,5 m hohen Brücke auf eine harte Unterlage hinunterstürzt. Vergleichsweise ergibt sich für 120 km eine Fallhöhe von 33 Metern. Es bleibt nun jedem einzelnen anheimgestellt, sich die Wirkung zu vergegenwärtigen, indem er sich auf eine solche Höhe stellt und sich den Fall vor Augen führt. Diese Wirkungen ergeben sich, wenn nur ein Fahrzeug gegen ein stillstehendes Hindernis rennt. Stellen wir uns aber vor, dass z. B. zwei Wagen unter den gleichen Voraussetzungen gegeneinanderfahren, dann summieren sich die Geschwindigkeiten und dementsprechend auch die Wirkungen, d. h., wiederum auf unser Beispiel übertragen, dass dann jener Wucht eine Fallhöhe von 33 m entspricht. Ebenso verhält es sich mit der Zentrifugaloder Schleuderkrait in der Kurve, wo sich dieselben Kräfte in dem Sinne auswirken, dass entweder der Wagen schleudert oder, was wohl weniger der Fall ist, umkippt. Auch hier genügt es, die Wucht in PS ausgedrückt, sich vorzustellen, um zu erkennen, dass auch die durch die Lenkung übersetzte und gesteigerte menschliche Kraft nicht ausreicht, um die entgegengesetzten Kräfte zu meistern. Ganz abgesehen davon, dass es sich nicht vorwiegend um diese Problemstellung handelt, sondern dass sich hier zwei Naturkräfte, Adhäsion und Schwungkraft, gegenüberstehen. Wohl kann hier die Geschicklichkeit in der Kräfteverteilung korrigierend eingreifen. Aber nur dann, wenn z. B. eine Kurve Raum genug bietet, wie z. B. bei Rennen, niemals aber dann, wenn dem Fahrer nur die schmale rechte Strassenseite zur Verfügung steht. Mit diesen knappen Ausführungen soll nur angedeutet sein, welche enormen Kräfte, tödlichen und vernichtenden Energien im Fahrzeug versteckt sind. Vor allem aber darf der Fahrer nie vergessen, dass sein Körper niemals nur annähernd eine verhältnismässig gleiche Kraft aufzubringen vermag. Seine einzige Kraft, die ihn befähigt, diese technischen Energien zu meistern, ist die Gabe, sie zu kennen und berechnen zu können, ihre Wirkung in geordnete Bahnen zu zwingen, kraft seiner geistigen Ueberlegenheit. Diese einzige Kraft versetzt ihn in die Lage, Herrscher über andere Kraft zu sein, sie zu zähmen und zu zügeln. Erst das Verstehen schafft auch hier die Vorsicht. Davon hängt das Leben Tausender ab, wir dürfen damit nicht spielen. Für uns alle gilt als Warnung eine Stelle aus Schiller: Doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft. E. F. Venedig, 10. August. Die gefürchtete vierte Etappe hat, wie man erwartete, unter den strafpunktfreien Fahrern, die in St. Moritz noch in ganzen Scharen eingelaufen waren, ziemlich schwer gehaust. Sehr viele sind es, die heute ihre Hoffnungen auf eine strafpunktfreie Alpenfahrt fahren lassen mussten, und sie müssen froh sein, wenn sie heil bis München durchhalten. Die eigentliche 550 km lange Fahrt von St. Moritz aus bis nach Venedig konnte an und für sich den Wagen und Fahrern nicht Förderung der französischen Automobil-Ausfuhr. Seit einiger Zeit wird von der französischen Automobilindustrie heftige Klage gegen die hohen inländischen Gestehungskosten geführt, indem nur mit starken finanziellen Verlusten das Ausfuhrgeschäft entwickelt werden könne. Die französische Regierung ist nun bestrebt, durch Schaffung einer Exportprämie diesen Uebelständen nach Möglichkeit abzuhelfen. Ein besonderes Dekret ordnet vorläufig vom 1. August bis 31. Dezember 1934 einen weitgehenden Erlass aller Steuern an, die vornehmlich den Automobilexport belasten. Die in Betracht kommenden Steuersätze werden zu einem Pauschalsatz von Urs 1.50 pro Kilo zusammengefasst, was gegenüber den bisherigen Steuersätzen für mittlere französische Wagen an den Ausfuhrmärkten eine Verbilligung um rund 350—400 sfr. bedeuten dürfte. Beschränkung des deutschen Tankstellennetzes. Nach einer Jüngsten Anordnung des Reichswirtschaftsministers bedarf die Errichtung neuer und die Erweiterung der Leistungsfähigkeit bestehender Tankstellen bis zum 30. Juni 1935 der Einwilligung der zuständigen Reichsstelle. Die Reichsautobahnen bedürfen auf den von der Gesellschaft betriebenen Autobahnen keiner obrigkeitlichen Bewilligung. Soweit jedoch Tankstellen durch andere Unternehmen auf diesen Bahnen errichtet oder erweitert werden sollen, ist an Stelle der Zustimmung seitens des Reichswirtschaftsministers diejenige des Generalinspektors für das deutsche Strassenwesen erforderlich. Tankstellen im Sinne der deutschen Anordnung sind Verkaufsstellen von Brennstoff, die mit eingebauten Tanks und mit Abfüllvorrichtungen versehen sind. Die Anordnung ist am 25. Juli in Kraft getreten. Bevorstehende russische Automobilexportoifensive? Zwischen der Regierung und Vertretern der Automobilwerke sollen unlängst in Moskau Verhandlungen stattgefunden haben, um eine grosse russische Exportoffensive einzuleiten. Zwischen den verschiedenen russischen Automobilfabriken sind Abmachungen getroffen worden, die auf eine Produktions-Spezialisierung hinauslaufen, und zwar in dem Sinne, dass in den einzelnen Fabriken lediglich eine be- Sportnachrichten Die internationale Alpenfahrt Die vierte Etappe. viel anhaben, um so schwerer hatten die meisten Konkurrenten mit der Bergprüfung auf das Stilfserjoch zu schaffen, die schon in früheren Jahren zum gefürchtetsten Punkt der ganzen Alpenfahrt wurde. Die am Schluss der heutigen Etappe eingeschaltete Gesch-windigkeitsprüfung auf der Autostrasse Padua-Mestre erwies sich dafür als eine ziemlich harmlose Angelegenheit, auch wenn sich hier einige Fahrer eine Schlappe in Form von Strafpunkten holten. Wie noch in der letzten Nummer gemeldet, war der Fahrtbeginn in St. Moritz von 4 Uhr früh auf 5 Uhr verschoben worden. Die Kon- AUTOMOBIL-REVUE 1934 - istischer stimmte Zahl von Automobilbestandteilen produziert wird, die alsdann in den Automobilwerken von Nishninovgorod montiert werden sollen. Bei der geplanten Exportoffensive, hinter deren Erfolg wir fedoch noch ein grosses Fragezeichen stellen wollen, handelt es sich vornehmlich um die Ausfuhr von Personenautomobilen, wobei Preissätze von 750- 1000 Fr. verlangt werden sollen. Bei solchen Preisen wird es vornehmlich der russischen Industrie möglich sein, den Konkurrenzkampf, vor allem mit der japanischen Automobilindustrie, aufzunehmen. Automobilstrasse von Oslo zum Weissen Meer. Die norwegische Regierung plant den Bau einer Autostrasse von der Landeshauptstadt Oslo zu der ungefähr auf der Höhe von Hammerfest liegenden Stadt Vadsö, resp. Kirkenes am Varangerfjord. Der Ausbau der zirka 1500 km langen Nord-Süd-Verbindung, für die eine Strassenbreite von 8 Meter Vorgesehen ist, soll in Anwendung der neuesten Errungenschaften der Strasseribautechnik erfolgen und wird vor allem aus handelspolitischen Gründen erstellt. Diese Verbindungsstrasse soll die grossen Materialtransporte aus dem hohen Norden, wie Kabeljau, Dorsch, Heringe, Walfische und Hummer etc., erleichtern und den wichtigen Holzhandel in den Hanptumschlagplätzen im _ äussersten Nordosten Norwegens mit den finnischen und russischen Handelsplätzen am Weissen Meere fördern. Auch für den Touristenverkehr aus dem In- und Ausland wird diese Nord-Süd- Route von grösster Bedeutung sein. Aus der polnischen Automobilindustrle. Das polnische Verkehrsministerium hat kürzlich den staatlichen Ingenieurwerken in Warschau eine Lieferung von über 200 Autobussen in Auftrag gegeben. Diese für den Autobusbetrieb vorgesehenen Wagen sollen vornehmlich dem weitern Ausbau des polnischen Strassenverkehrs dienen. Da die bisherigen Einrichtungen der Ingenieurwerke kaum genügen dürften, um den Auftrag innert nützlicher Frist erledigen zu können, 'soll nach entsprechender Vorbereitung eine" starke Erweiterung der polnischen Automobil-Montagewerke durchgeführt werden. Bekanntlich erstreckt sich die Tätigkeit der Warschauer Firma vornehmlich auf die Montage von Saurer- und Fiat-Automobilen. kurrenten wären über diese zusätzliche Stunde Schlaf nicht unglücklich, auch wenn sich dafür die Ankunft in Venedig bis in die Nacht hinein verzog. Ueber den Bergen wurde eben die erste Helle des Tages sichtbar, als die Wagen sich in der Richtung Zernez-Ofenpass zur Fahrt aufmachten. Keine Hitze und kein Regen störte die Reise, so dass Fahrer, Kommissäre und Presseleute mit dem gleichen Vergnügen die Schönheiten des im frühen Morgendunste liegenden Engadins bewundern konnten. Der Nationalpark wurde im Fluge passiert und der Ofenpass in Angriff genommen. Der Uebertritt auf italienisches Gebiet vollzog sich ohne jede Schwierigkeit. Auf der letzten schweizerischen Teilstrecke hatten die Konkurrenten im übrigen noch einmal die Vorzüglichkeit der schweizerischen Streckenbewachung bewundern können. Ueber Sluderno und Spondigna wurde Trafoi erreicht, wo die Stilfserjoch-Bergprüfung begann. Die Teilnehmer hatten entsprechend der Stärke ihrer Wagen Durchschnitte von 35 bis 40 km/St, innezuhalten. Wenn man das Stilfserjoch selber kennt, so weiss man, was diese (Mittel von Fahrer und Wagen verlangen. Die Kurven scheinen überhaupt nicht mehr aufzuhören, und die Geduld des Fahrers, der um seinen Wagen bangt, wird auf eine harte Probe gestellt. Eine Erleichterung bedeutete für die Piloten der weit vorgeschrittene Ausbau der Passstrasse, die an vielen Stellen schön verbreitert und zementiert ist. Nur eine enge Kurve war heute wegen vorhergegangenem Regen stark aufgeweicht und schlecht befahrbar. Bei einer Bergprüfungsfahrt auf das Stilfserjoch kommt es gleichmässig auf die Uebersetzung, das Schalten, die 1 Fahrkunst und schliesslich auch auf den Zus'and des Wagens überhaupt an, der nacn drei Tagen der Hetzjagd durch die Alpen Europas nicht mehr unbedingt hervorragend zu sein braucht. Die Prüfung wurde von einer Reihe von Ford-Wagen eröffnet, die das Ziel erreichten, ohne wie eine Lokomotive zu kochen. Ein Delahaye des Teams blieb wegen Getriebebruch auf der Strasse liegen, damit wurde diese Mannschaft gesprengt; auch einen Renault sah man mit Motorschaden an der Strasse warten. Der schnellste der grossen Gruppe war der Hotchkiss von Trevoux, der die 18 km lange Bergstrecke in 26'21'' erledigte. Nur vier Wagen der grössten Klasse erhielten Strafpunkte. In der zweiten Gruppe bis 3000 ccm bekamen sechs Konkurrenten Strafpunkte aufdiktiert, u. a. auch englische S. S.-Wägen. Von den 14 Einzelfahrern der 2000-ccm- Klasse wurden sieben gebüsst, während die Teams den Durchschnitt innehalten konnten. Sehr bemerkenswert ist die Tatsache, dass bei den kleinen Wagen bis 1500 ccm teilweise gleiche Zeiten wie die grössten Maschinen erreicht wurden. In der 1100-ccm- Klasse kamen mehrere Maschinen nicht zur rechten Zeit auf der Passhöhe an. Insgesamt wurden 27 Fahrer beim Stilfserjoch wegen Zeitverlusten gebüsst. Das Wetter hatte sich sehr günstig gehalten und auch dieses Jahr fanden sich längs der Strecke und auf der Passhöhe viele Zuschauer ein. Ueber Bormio erreichten die Alpenfahrer dann das Addatal und Tirano. Langsam verschwanden die Berge im Hintergrund, und die italienische Tiefebene nahm die Alpen- Reisenden auf. Mit voller Schnelligkeit wurde auf den schönen Strassen losgelegt. Die Geschwindigkeitsprüfung auf der Autostrasse zwischen Padua und Mestre wurde von den meisten Fahrern ohne Mühe erledigt. Nur sieben Konkurrenten konnten die vorgeschriebenen Mindestdurchschnitte von 95 bis 110 Wst. nicht innehalten. Insgesamt ergab dieser Tag den Ausfall von 10 Konkurrenten, nämlich des deutschen Wanderer-Team-Fahrers Graumüller, der bei Santa Maria in einer Geröllkurve ausrutschte und gegen einen Strassenstein prallte, ferner Perrot (Frankreich) auf Delahaye, Negrel (Frankreich) auf Renault, Loenholdt (Frankfurt) auf N. A, G., Malanciano (Frankreich) auf Ford, und Real (Frankreich) auf Renault, alle wegen Zeitüberschreitungen, Falmbigl (Oesterreich) auf Bugatti, wegen Schwierigkeiten mit der Bremse, Light (England) auf SS., Miss Allan (England) auf Lancia, und Mrs. Petre (England) auf Singer. Insgesamt sind in Venedig 108 Fahrer eingetroffen. Die fünfte Etappe. Bux hatte die Zeilen nur flüchtig überflogen. Dann griff er nach den Briefen. Der erste war von seiner Mutter. Sie schrieb: «Mein lieber Junge! Wir haben Dein Telegramm aus Florenz erhalten. Vater sagte gleich, dass ihr dort wohl nicht allzu lange bleiben würdet. Florenz war immer eine schlechte Zirkusstadt. Die Leute sind steifer als die anderen Italiener. Neapel und Mailand sind in Italien immer die besten Geschäfte. Ich schreibe Dir also (heute nach Rom. Hoffentlich trifft Dich mein Brief bei guter Gesundheit an. Wir haben uns gefreut zu hören, dass es dem lieben Alten gut geht. Hoffentlich hast Du nicht Unannehmlichkeiten davon gehabt, dass er der deutschen Dame so übel mitgespielt hat. Dhakjee soll doch besser aufpassen und ihm nicht alles durchgehen lassen. Aber ich weiss ja: Alles, was Brahma tut, it in Dhakjees Augen wohlgetan! Wir freuten uns auch sehr, dass Deine Judith wieder ganz gesund ist und dass es allen Tieren und Tom und Dhakjee gut geht. Von uns ist nicht viel zu berichten. Wir sind alle gesund. Vater lag allerdings drei Tage mit einer Erkältung, aber heute ist er wieder wohlauf und will abends auch wieder zu seinem Skat in den Stern gehen. Von Anna bekamen wir einen Brief aus Tokio. Sie und ihr Mann sind gesund; ihre Nummer gefällt in Japan sehr gut. Sie gehen, bevor sie nach San Franzisco reisen, erst noch nach den Philippinen zu einer sehr guten Gage. Hoffentlich ist die Sache dort sicher! Es ist doch hart, wenn man seine beiden Kinder so weit entfernt von sich weiss! Die neuen Gardinen für Deinen Wagen habe ich Ende der Woche fertig. Ich schicke sie nach Neapel. Hoffentlich hast Du nicht mit dem Zoll Aerger. Vater und ich sprechen noch viel von Deinem leider so kurzen Besuch hier. Vater lässt dich vielmals grüssen; er wollte selbst ein paar Zeilen schreiben, aber er ist immer so schreibfaul, das weisst Du ja. Es grüsst und küsst Dich innig Deine Mutter. «Du Gute!» sagte Bux leise vor sich hin und faltete den Brief mit einer zärtlichen Bewegung zusammen. Dann nahm er den zweiten Brief, sah die unbekannte Handschrift der Adresse und öffnete den Umschlag ohne besondere Neugier. Aber gleich darauf wusste er, von wem der Brief wa»-, denn das feine Papier zeigte oben links in farbloser Pressung die Buchstaben F. v. P. und darunter ein Wappen. Und dieser Brief lautete: Florenz, ... Liebster Freund! Ich wollte Dir schon längst schreiben, denn seit unserer Trennung sind schon drei und ein halber Tag vergangen, und das finde ich furchtbar lange! Aber ich konnte ja nicht früher schreiben, weil ich doch den ganzen Tag mit Papa zusammen bin und mit unseren Florentiner Verwandten. Und abends war ich dann immer so müde. Jetzt ist es nach Tisch, und da hat sich Papa endlich mal ein bisschen hingelegt, und ich bin unbeobachtet. Mir ist eingefallen, dass Du so gut wie nichts von mir weisst. Ich werde Dir allmählich alles von mir erzählen, aber auf einmal ist es zuviel. Ich habe Dir erzählt, dass Mama nicht mehr lebt. Das ist aber nicht wahr. Sie ist lange von Papa geschieden und mit einem andern verheiratet. Ich sehe sie nie. Die Eltern wurden während des Krieges geschieden, 1915, als ich elf Jahre war. Schreib mir postlagernd unter «Brahma» — ja? Denn den Namen vergesse ich sicher nicht! Wir wohnen allein, Papa und ich. Papa war früher sehr wohlhabend, aber jetzt geht es uns gar nicht mehr so gut. Immerhin hält sich Papa noch ein Pferd, und ich reite es auch oft — natürlich im Herrensitz! — Papa, hat Zagreb, 11. August. Die fünfte, 440 km lange Etappe von Venedig nach Zagreb stellte für die Alpenfahrer ein Novum dar. Noch nie hatte diese Könnoch viele alte Vorurteile, während ich natürlich moderner denke. Er ist auch etwas verbittert, weil er gegen früher nicht mehr viel zu sagen hat. Er war nämlich sehr streng und scharf im Dienst, wie ich von Offizieren weiss, die in seiner Abteilung waren. Die neue Zeit ist sehr ungerecht und gewöhnlich, aber manches gefällt mir doch daran: zum Beispiel, dass die jungen Mädchen viel mehr Freiheit haben. Das soll ja früher fürchterlich gewesen sein. Papa findet zwar die heutigen Sitten unmöglich und möchte mir vieles verbieten, aber er kann eben doch nicht gegen die Zeit an! Gott sei Dank! Ich würde Dir gern schreiben, wie ich Dich liebe, aber Du bist ja so komisch und willst vorläufig nur, dass wir gute Freunde sind. Deshalb schreibe ich nicht, wie ich möchte. Aber eins muss ich Dir doch sagen: Die Fahrt mit Dir in Deinem Wohnwagen hat es mir so angetan, dass ich jetzt noch sofort mit Dir fliehen würde. Du hättest dann in einem anderen grossen Zirkus Engagement angenommen, und ich hätte vielleicht als Schulreiterin auftreten können! Das wäre herrlich gewesen! (Fortsetzung im zAutler-Felerdbend».)

H»66 - 1934 ÄÜTOMOBIL-REVUB kwrenz so weit ins Oebiet des Balkans hinunter geführt Im grossen und ganzen ist zu sagen, dass diese Etappe ohne allzu ernste Schwierigkeiten überwunden werden konnte. Die erste Hälfte bis Triest war ein reiner Genuss. Auf glänzend ausgebauten, geraden Strassen konnte voll aufgedreht werden, und die grossen Wagen erreichten Stundendurchschnitte bis 90 km. Die Italiener hatten selbstverständlich an dieser Jagd ihr helles Vergnügen und spendeten überall begeisterten Beifall. War das erste Teilstück das reine Vergnügen, so enthüllte sich die zweite Partie der Etappe von Fiume nach Zagreb als ein wahres Martyrium. Die Strassen waren steinig, staubig und wiesen gegen den Schluss hin unzählige Kurven auf. Die Fahrer hatten auf dem unübersichtlichen, hügeligen Gelände grösste Mühe, und stellenweise glaubten sie alle miteinander verzweifeln zu müssen. Trotzdem hielten sie überraschend gut durch und Zagreb wurde am Abend des Samstag von den meisten in verhältnismässig befriedigendem Zustand erreicht. Die Bilanz lautete hier folgendermassen: 24 Konkurrenten waren bis Zagreb insgesamt ausgefallen, 34 hatten Strafpunkte erhalten und 69 lagen noch strafpunktfrei im Rennen. Leider war diese Etappe für die Schweiz ziemlich verheerend gewesen. Der Genfer Philippossian auf Terraplane gab am Ziel wegen Defektes an der Vorderachse auf; im Verlaufe der Etappe hatte er übrigens einen Polizisten ungefährlich angefahren. Der Luzerner Dreier auf Alfa Romeo und Züst (Lausanne) auf M. G. Magnette erreichten das Ziel nicht zur Zeit. Auch die Engländer Leye (Talbot) und Dr. Khambatta (Lancia) fielen aus. Der Holländer van Beeck auf Ford erhielt 12 Strafpunkte und die Engländerin Miss Pattern auf Alois 32 Punkte. Die letzte Etappe. München, 12. August. 102 Konkurrenten starteten am Sonntagmorgen zu der längsten Etappe von 616 km, die von Zagreb über Oesterreich nach München führte. Der erste Teil der Fahrt war wiederum reichlich mit Schwierigkeiten gespickt, und die Strassen fanden sich an manchen Orten in einem unerfreulichen Zustande. Ueber Laibach erstreckte sich die Route das Savetal aufwärts, bis am Fusse der Karawanken, dem jugoslawisch - österreichischen Grenzkamm, der Wurzenpass überschritten wurde. Von Villach aus begann nun der zweite Teil dieser letzten Etappe. Die Turacherhöhe, deren Steilroute diesmal auf der Abfahrtsstrecke erledigt werden musste, bot die grössten Schwierigkeiten. Aus Karaten führte die Strecke hinüber nach Steiermark und ins Salzburgerland. Ueber Berchtesgaden wurde am Abend München erreicht, das die Alpenfahrer grosszügig empfing. Die Organisation der Streckenbewachung war sowohl in Jugoslawien wie in Oesterreich und dann vor allem auch in Deutschland ausgezeichnet Sofort nach der Ankunft am f Schlussort wurden die Maschinen im geschlossenen Park vereinigt. Zum Abschluss der Fahrt. Unmittelbar vor Redaktionsschluss erhalten wir aus München von unserem Sonderkorrespondenten die Mitteilung, dass die Endresultate zur Stunde noch nicht feststehen. In Zagreb starteten zur letzten Etappe noch 102 Wagen. Die Strecke war äusserst schwierig und dürfte hauptsächlich bei der Ueberwindung der Turracherhöhe, die Steigungen bis zu 30% aufweist und wo eine Durchfahrtskontrolle eingeschaltet war, gegen ein Dutzend Ausfälle mit sich gebracht haben. Ebenso viel Fahrer mussten wahrscheinlich in der Schlussetappe noch Strafpunkte in Kauf nehmen. Obwohl die Ausrechnung der Resultate weder bei den Einzelfahrern noch bei den Mannschaften abgeschlossen ist, so kommen bei den letztern als voraussichtliche Sieger in Frage: Wertungsgruppe I: Delahaye, Gruppe II: Adler und Clement-Talbot, Gruppe III: Adler, Opel und Wanderer, Gruppe IV: B.M.W, und Gruppe V: Triumph. Organisation und Strekkendienst waren auf dem ganzen Sektor des letzten Tages mustergültig. Der ausführliche Schluss-Bericht folgt in der nächsten Nummer. ^^^^^^ Nuvolarl meldet für den Großen Automobilpreis der Schweiz! Mit der Nennung von T. Nuvolari, der als Ein- , zelfahrer auf Maserati starten wird, ist die Liste für das bedeutsame autosportliohe Ereignis in Bern vom 26. August aller Voraussicht nach abgeschlossen. Sia vereinigt für den eigentlichen Grossen Preis nunmehr 19 Anmeldungen, die sich in Bezug auf die Qualität und Eignung der eingeschriebenen Fahrer nicht nur mit allen ausländischen Rennen gleicher Bedeutung messen darf, sondern einige sogar übertrifft. Dadurch, dass die Anmeldungen gleichzeitig von einer Bankgarantie begleitet sein mussten, die im Falle unbegründeten Wegbleibens verfällt, ist weitgehende Gewähr dafür geboten, dass die Namen der internationalen Kanonen nicht nur auf dem Programm prangen, sondern dejen Träger auch tatsächlich in Bern zu sehen sein werden. Wie bereits früher berichtet, stehen «cfa in •riiosem Rennen die drei zur Zeit erfolgreichsten Mannschaften, nämlich die Fabrikequipen von Mercedes-Benz und Auto-Union, sowie die Fahrer der Scuderia Ferrari als Vertreter der Alfa-Romeo- Werke gegenüber. Dazu gesellen sich zehn unabhängige Piloten besten Rufes, die alle für einen äusserst spannenden Austrag sorgen werden. Das vorangehende Rennen der Kleinwagen hat 22 Anmeldungen aue 9 verschiedenen Ländern auf sich vereinigt, worunter sich anerkannte Spezialisten der Rennmaschinen bis 1500 com Inhalt befinden. Welche Bedeutung der gesamten Veranstaltung auch in offiziellen Kreisen beigemessen wird, dürfte schon daraus hervorgehen, dass Herr Bundesrat Dr. 3. Baumann das Ehrenpräsidium übernahm. Dem Ehrenkomitee gehören ferner der Präsident des bernischen Regierungsrates A. Stauffer, Regierungsrat Dr. Bcesiger, Stadtpräsident H. Lindt, sowie Oberetkorpskommandant H. Roost und der Chef des Motorwagendienstes, Oberst Labhardt an. Zu ihnen kommen noch die Präsidenten der zehn nationalen Automobil-Clubs, welche durch Fahrer am Rennen beteiligt sind. Aus dem Programm sei vorläufig erwähnt, dass an den drei Vortagen jeweilen von nachmittags 14 bis 17 Uhr trainiert wird, wobei das Publikum gegen bescheidenes Entgelt die Möglichkeit hat, den Trainingsbetrieb aus nächster Nähe zu verfolgen. Dieser wird um eo reger und interessanter sein, als jeder Fahrer durch das Reglement verpflichtet ist, mindestens zehn Runden im Training zu absolvieren. Am Samstagmittag erfolgt ab 15 Uhr die Abnahme der Maschinen im Areal der Giiterverwaltung SBB beim Weyermannshaus. Die Rennstrecke wird am Sonntag morgens 5 Uhr gesperrt, zu welcher Zeit auch bereits die Kassastellen eröffnet werden. Um zehn Uhr morgens sammeln eich die Kleinwagen zum Start, der um 10.30 Uhr erteilt wird. Nach Schluss des Rennens bietet eine etwa einstündige Pause den Zuschauern Gelegenheit, im Tribünenrestaurant oder in der Stadt das Mittagessen einzunehmen. 12.30 Uhr erfolg die Aufstellung der grossen Rennwagen, die um 13 Uhr zum Grossen Preis starten, so daes die Veranstaltung spätestens um 17 Uhr ihren Abschluss finden dürfte. Die Rennleitung hat sich erfreulicherweise entschlossen, unmittelbar nach jedem Rennen die Sieger auf eine Ehrenrunde zu schicken, damit dem geeamtee Publikum längs der ganzen Piste die Möglichkeit geboten ist, die erfolgreichsten Fahrer und Wagen nochmals zu sehen und zu begrüssen. Als offizielle Anlässe sind am Samstagabend ein groseer Empfang im Kursaal Schänzli und am Sonntagabend ein Festakt mit Preisverteilung im Bellevae-Palace vorgesehen. Sämtliche Komitees arbeiten zur Zeit unter Hochdruck, und der rege Vorverkauf für Eintrittskarten, Sitz- sowie Parkplätze lässt erkennen, dass Bern am 'Sonntag, den 26. August einen Massenaufmarsch erleben wird, wie er der Bundeshauptstadt nur selten beschieden ist. Lückendorfer Bergrennen. Das am letzten Sonntag in Sachsen abgehaltene Lückendorfer Bergrennen, das über eine Strecke von 5 km führte, wurde von Steinweg auf Bugatti mit 2' 44,2" (Std.-Mittel: 109,4 km/St.) gewonnen. Einheimische Bedürfnisse und einheimische Verkehrsverhältnisse auf dieser Grundlage hat sich die Berna-Produktion im Laufe von 30 Jahren entwickelt. Gibt es eine bessere Garantie, dass sie Ihre Anforderungen in jeder Beziehung zu erfüllen vermag? Unsere Erfahrung steht Ihnen für die Lösung IhrerTransportprobleme jederzeit gerne zur Verfügung. Modelle von 1-7 Tonnen Nutzlast. Ulrich Maag f. Kaum hat sich das Grab über dem jugendlichen Autosportsmann C. PedrazzJrri geschlossen, steht die schweizerische Aßtosportsgemeinde erschüttert an der Bahre eines weitern jungen Herrenfahrers, der seine Begeisterung für den Rennsport und sein Interesse für die Sache des Automobils mit dem Leiben bezahlen musste. Noch am Sonntag, anlässlich des Klaasenrennens, unterhielten wir uns mit dem stets frohen und liebenswürdigen «Ueli» über sein Programm der verbleibenden Saison. Als richtiger Sportsmann Hess er sich die tückische Pneupanne auf dem Urnerboden, die ihn um einen voraussichtlichen und recht ehrenvollen Klassensieg brachte, nicht verdriessen und berichtete uns mit ungebrochener Begeisterung und voller hoffnungsfreudiger Erwartung über das kommende 24-Stunden- Rennen in Italien, das er mit seinem Renn- Kameraden H. Ruesch als einziger Vertreter der Schweiz bestreiten wollte. Auch im Grossen Preis der Schweiz gedachte er unsere Motorwagenfabrik Berna A.-G., Ölten Farben .ehrenvoll au vertreten, und versprach sich auf alle Fälle im Kleinwagen-Rennen einen achtunggebietenden Platz in dem international beschickten Feld. Der erst 24-jährige Fahrer, der hn Militärdienst den Grad eines Leutnants bei der Motorwagentrtippe bekleidete, blickte auf eine kurze aber recht erfreuliche und zu grossen Erwartungen berechtigende Renntätigkeit zurück. Abgesehen von einem ersten Versuch am Kilometerrennen der letzten St. Moritzef Atrtomobilwoche, nahm der Verunglückte eist seit dem Jahre 1932 regelmässi-