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E_1934_Zeitung_Nr.065

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BERN, Freitag, 10. August 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N» 65 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Ausgabe A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, Jahrlieh Fr. 10.- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die Kunst des Tourenfahrens Das Ausmass der Tagesetappen. Hier lässt sich natürlich in allgemeiner Hinsicht nicht sagen, wie lange die einzelnen Tagesetappen sein sollen; das hängt von der Fahrkunst und dem Training des Fahrers, von der Möglichkeit des Fahrerwechsels, vom Gesundheitszustand aller Fahrtteilnehmer, von der Beschleunigung, der Strassenhaltung und der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges, besonders aber auch von den Strassenverhältnissen — schliesslich aber auch von der verfügbaren Zeit ab. Wer viel sehen will und ein tüchtiger Fahrer ist, kann es sich zumuten, über drei oder mehr Wochen einen Tagesdurchschnitt von 400 km durchzuhalten, und wer auch im «Schauen» trainiert ist, wird dabei auch wirklich etwas sehen von den Herrlichkeiten, durch die er fährt. Aber solche Leistungen sind nicht das Normale. Es tritt nun die wichtige Frage auf, ob die zu durchfahrenden Strecken gleichmässig auf alle Tage zu verteilen sind, so dass jeder einzelne Tag verhältnismässig bequem ist, oder ob es besser ist, die eigentlichen Fahrtage schärfer zu halten und dafür Rasttage an besonders schönen Stellen einzuschieben. Die Praxis hat ergeben, dass das letztere Vorgehen unbedingt den Vorzug verdient. Kurze Tagesetappen führen zu eine.r Bequemlichkeit, die die Erreichung des gesteckten Zieles in Frage stellt. . Dazu kommt, dass halbe Fahrtage niemals recht praktisch sind. Es hält schwer, Fahren und mehrmaliges Aufenthaltnehmen wirklich zweckmässig an einem Tag zu verbinden. Das Einstellen des Fahrzeuges, die Vorsorge für die Sicherheit des Gepäcks, die persönliche Reinigung und die Kleiderfrage nehmen zu viel Leerlauf in Anspruch. Auch ist es eine Erfahrungstatsache, dass es beim Fahren s^ets eine gewisse < Zeit erfordert, bis der Fahrer ordentlich «in Schwung kommt». Ist er einmal richtig im Fahren, so hat er selbst und die Insassen das Bedürfnis, zügig durchzufahren und ein gutes mittleres Tempo zu halten. Niemals aber soll man « rasen »; das rächt sich meist sehr bald. Auch noch ein anderer Grund spricht dafür, die zu bewältigenden Strecken tunlichst in längeren, zusammenhängenden Tagesetappen zu fahren: das Uebernachten im Hotel ist stets mit allerlei Umständen verbunden. Werden nun die Kilometer in zusammenhängender Fahrt hinter sich gebracht, so besteht die Möglichkeit, hin und wieder einen oder mehrere Tage in demselben Ort zu bleiben, so Vergleiche No. 63 der A.-R. F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (11. Fortsetzung) Als Benson am nächsten Tage wiederkam, empfing ihn der Generalkonsul persönlich. < Hören Sie mal zu, Mister Benson,» sagte der alte Herr. « Sie denken sich die Sache mit Mister Buchsbaum-Bux viel leichter, als sie ist. — Vor allem können wir, als Behörde, Ihnen keinen Auftrag geben, den Stock zu entwenden und uns zu übergeben. Und auch wenn Sie es auf eigenes Risiko täten, könnte Herr Buchsbaum dann bestreiten, dass es sein Stock ist, — dass sie jenen Stock bei ihm gefunden haben. — Vielleicht sind Sie gar mit ihm verfeindet? Wie? » Der Generalkonsul warf einen misstrauischen Blick auf den Mulatten. « Können Sie denn nicht seinen Wagen von der Polizei durchsuchen lassen und ihn, wenn sich der Stock findet, verhaften lassen?» fragte Benson lauernd. « Unmöglich! Die italienische Polizei wird sich hüten ! Auf einen Zeitungsbericht hin kann man doch so etwas nicht durchsetzen. Dazu müsste die amerikanische Regierung Am folgenden Abend während der Vorstellung schmuggelte Jack Benson Herrn Valenzini durch einen Seiteneingang auf das Zirdass mindestens zwei Uebernachtungen auf die gleiche Unterkunft entfallen. Dadurch wird viel Zeit und Mühe gespart, ausserdem können sich alle sowohl für Fahrt wie Aufenthalt zweckmässiger kleiden. Die Fahrtgenossen. Mit entscheidend für den Erfolg und den befriedigenden Verlauf einer Fahrt sind die Fahrtgenossen. Es sei hier nicht von der persönlichen Harmonie gesprochen, die natürlich zwischen Leuten, die gemeinsam auf eine grosse Fahrt gehen, unbedingt bestehen muss, wenn nicht Dissonanzen entstehen sollen. Vielmehr sei in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit gemeinsamer Interessen und gemeinsamer Arbeit hingewiesen. Wenn beispielsweise bei einer Fahrt sich die einen nur für Museen und alte Gebäude interessieren und sie unglücklich sind, wenn sie nicht stundenlang ungestört sich in deren Betrachtung ergehen können, während sich die anderen für « altes Gerumpel » überhaupt nicht erwärmen können, hingegen vor jeder gegenwärtigen Naturschönheit in helle Begeisterung geraten, die die anderen wieder kalt lässt, so ist die Fahrtgesellschaft jedenfalls schlecht zusammengestellt. Freilich steht nicht in allen Fällen die Wahl ganz frei, aber dann muss bei der Anlage der Tour auf die Verschiedenartigkeit der Interessen Rücksicht genommen werden. Ebenso wichtig ist es, dass sich bei einer gemeinsamen Fahrt alle Fahrtteilnehmer ohne auf diplomatischem Wege erst einen Antrag an Italien auf Verhaftung des Mannes stellen. Und dann ist es fraglich, ob diesem Antrag stattgegeben wird; denn die Auffindung des Stockes scheint mir doch noch kein endgültiger Beweis für die Täterschaft des Buchsbaum zu sein. > « Also wollen Sie den Kerl einfach laufen lassen? » fragte Benson ärgerlich und enttäuscht. «Nein, aber wir müssen langsam und sicher vorgehen. Ich werde Ihnen einen Angestellten des Generalkonsulates zur Verfügung stellen, und Sie werden versuchen, diesem Herrn den Stock zu zeigen, und zwar auf eine Weise, dass es klar ist, dass dieser Stock im Besitz des Mister Buchsbaum ist. » « Er trägt ihn aber fast nie.» «Ich muss es Ihrem Geschick überlassen, wie Sie das arrangieren, Herr Benson. Ich möchte mit diesbezüglichen Anträgen sehr vorsichtig sein.» « Und wenn das nun gelungen ist, was soll dann geschehen? » «Vor allem den Mund über die Sache halten! — Wir werden dann nach Amerika über den Fall berichten und es der.amerikanischen Regierung überlassen müssen, ob und wie sie in der Sache handeln will. > ~c Darüber vergehen Monate.» päcksminister» auch die Unterbringung der technischen Hilfsausrüstung, des Wagenheoers, der Reserveschläuche, des Abschleppseiles usw. übertragen. Dadurch, dass der Fahrer beim Aufbruch aus den Etappenstationen sich um das Gepäck nicht zu kümmern braucht, wird er sehr wesentlich entlastet. Er findet dadurch Zeit, rasch den Wagen auf seinen ordentlichen Zustand durchzusehen. Dies soll unbedingt vor Beginn jeder Tagesetappe geschehen; es ist in einer oder zwei Minuten gemacht: ein Rundgang um den Wagen mit Kontrolle der Reifen, ein Blick auf die Blattfedern, eine kurze Untersuchung, ob die Steuerung in Ordnung, ob die wichtigsten Verbindungen wirklich fest sind, ob genügend Oel, Kühlwasser und Benzin vorhanden ist, Lichtanlage, Signale und Bremsen funktionieren. Ein anderer Mitfahrer übernimmt es, die Autokarten und Stadtpläne bereitzuhalten und auf denselben die Fahrtroute ständig genauestens zu verfolgen. Hiezu ist eine minimale Karteniesekunst erforderlich. Aber auch eine gewisse Fahrtroutine ist für diesen Helfer erforderlich. Die ganze Fahrt wird ungleich kurzweiliger, wenn dieser Fahrtgenosse berichtet: «Der nächste grössere Ort ist X., wir sind in etwa 12 km dort; dann biegen wir nach rechts ab in das Y.-Tal». Auch auf Wegabzweigungen, Strassenkreuzungen und dergleichen muss rechtzeitig hingewiesen werden; wenn an Strassengabelungen Halt gemacht werden muss, um erst die Karte zur Hand zu nehmen, oder um auf Grund der Aufschriften der Wegweiser" zu beratschlagen, so ist dies ein Beweis dafür, dass der Kartenieser nicht kartenlesen kann, oder dass er auf seinen Posten nicht richtig eingespielt ist. Er muss sich an Hand der Karte ununterbrochen über die Route orientieren und schon rechtzeitig sagen: «Wir kommen jetzt bald zu einer Weggabelung, da müssen wir uns rechts halten ». Im Vorbeifahren wirft er noch einen Blick auf den Wegweiser, um die Richtigkeit seiner Angaben prüfen zu können. Hiezu aber ist es notwendig, dass er auf der Karte die Fahrtroute schon in ihrem weiteren Verlauf verfolgt, damit er nicht erst lange suchen muss, ob die auf dem Wegweiser angeführten Orte wirklich auf der gewählten Fahrtroute liegen. Von grösster Wichtigkeit ist es natürlich, dass bei Fahrten durch Städte die Stadtpläne zur Hand sind. Obwohl in den Automobilführern fast durchwegs solche Pläne mit besonderer Hervorhebung der Durchgangsstrassen enthalten sind, werden diese überaus praktischen Behelfe doch wenig benützt. Dies liegt an den Mitfahrern; der Fahrer selbst ist natürlich in einer Stadt durch die Aufmerk- « Das ist nicht zu ändern. » « Bis dahin hat Buchsbaum wahrscheinlich Italien längst wieder verlassen.» « Er ist ein Deutscher, nicht wahr? > « Ja.» « Kehrt er wieder nach Deutschland zu- *rück? > « Ueber kurz oder lang sicher. Er hat seine Eltern in Deutschland, wie ich gehört habe.» «In welcher Stadt? » « Das weiss ich nicht. Ich will aber versuchen, es festzustellen.» « Gut. Dann hätte also unsere Regierung den Antrag auf Verhaftung an Deutschland zu stellen, und falls ihm stattgegeben wird, muss die deutsche Polizei den Mann eben fassen, wenn er mal wieder deutsches Gebiet betritt. — Ich werde Sie jetzt mit dem Herrn bekanntmachen, dem Sie den Stock zeigen sollen. Es ist ein Italiener, aber schon lange bei uns angestellt und ganz zuverlässig. Einen unserer amerikanischen Herren möchte ich nicht in eine so heikle Sache verwickeln. > — Der Generalkonsul nahm das Telephon: «Hailoh! Mister Valenzini soll gleich mal zu mir kommen! » — INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inserntengchluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Ausnahme an der Bewältigung der entstehenden Arbeiten entsprechend beteiligen. Es geht nicht an, dass alles auf den Schultern des Fahrers selbst liegt, dass die Mitfahrer zwar alle Schönheiten der Fahrt mitgeniessen, alle Widerwärtigkeiten aber dem Fahrer (wir sprechen hier vom Herrenfahrer) überlassen. Es muss eine rationelle Arbeitsleistung platzgreifen. Vor allem ist es zweckmässig, wenn eine bestimmte Person für die gesamte Fahrt die Verantwortung für das Gepäck übernimmt. Der Betreffende hat dafür zu sorgen, dass das Gepäck stets richtig verstaut wird und dass in den Etappenorten nichts vergessen wird. Von ihm wird alles verlangt, was benötigt wird, an ihn muss alles abgegeben werden, was im Wagen, im Kofferraum, auf den Gepäckhalter usw. untergebracht werden soll. Er hat sich jeweils davon zu überzeugen, ob das Gepäck ordentlich befestigt ist, ob alles staub- und wasserdicht ist, dass nichts scheuert usw. Mit Vorteil wird diesem « Gesamkeit auf den Verkehr genügend in Anspruch genommen. Besonders bei Stadtdurchfahrten müssen dem Lenker rechtzeitig vor den Strassenkreuzungen Anweisungen gegeben werden, damit Unfälle vermieden werden. Der Mitfahrer gewöhne sich daran, bei Kreuzungen, bei denen nicht nach einer Seite abgebogen werden muss, dem Fahrer sicherheitshalber rechtzeitig zu sagen «Gradaus ». Auch sollen es die Mitfahrer (in offenen Wagen) unbedingt vermeiden, sich am Zeichengeben zu beteiligen. Die Betätigung der Fahrtrichtungsanzeiger u. dgl. ist alleinig Sache des Piloten, wenn Zweideutigkeiten und Unfälle vermieden werden sollen. Einer der Mitfahrer bzw. eine Mitfahrerin muss es übernehmen, für das leibliche Wohl aller Fahrtteilnehmer zu sorgen und hiezu stets rechtzeitig den erforderlichen Mundvorrat einzukaufen und in leicht zu verabreichenden Portionen vorzubereiten, damit der Hunger ohne Schwierigkeit während der Fahrt gestillt werden kann. Sehr zweckmässig ist es auch, bei grösseren Fahrten einen « Finanzreferenten » zu bestellen, dem vor allem das Umwechseln der Valuten — infolge der Kursdifferenzen in den verschiedenen Ländern kann man durch Ausnützung aller Möglichkeiten die Fahrtkosten bedeutend senken! — dann aber auch die Begleichung aller gemeinsamen Ausgaben zufällt. So wird der Fahrer beispielsweise sehr entlastet, wenn ein Passagier die Bezahlung an Tankstationen, die Begleichung der Hotelrechnung usw. übernimmt und über alles sorgfältig Buch führt. Schliesslich ist es zweckmässig, wenn einer der Mitfahrer es im besonderen auf sich nimmt, den Führer bei der Instandhaltung des Wagens und bei der Behebung auftretender Mängel zu unterstützen. Dieser Beifahrer muss rechtzeitig über die Unterbringung des Werkzeuges usw. genau unterrichtet sein. Hier sei eingefügt, dass zur technischen Ausrüstung für grössere Fahrten unbedingt auch die Gebrauchsvorschriften des Wagens sowie ein Ersatzteilverzeichnis gehören. Die richtige Bezeichnung beschädigter Gegenstände ist besonders bei telegraphischen Ersatzteilbestellungen ausschlaggebend; auch kann sich ein fremder Mechaniker an Hand des Verzeichnisses leichter in einem ihm unbekannten Wagen zurechtfinden. Der einzelne Fahrtag. Es ist schön, schon sehr zeitig am Morgen aufzubrechen, aber die Erfahrung lehrt, dass man bei längeren Fahrten infolge der Notwendigkeit einer ausreichenden Nachtruhe doch nie so früh in Schwung kommt, als dies am Tage vorher vorgenommen wurde. Zudem vergeht durch das Frühstücken und die Ver- kusgelände ein. Er hatte die Stunde sehr geschickt gewählt: Berno und Berna führten gerade ihren Radfahrakt auf dem Hochseil vor, und Bux, dessen grosse Nummer gleich darauf zu folgen hatte, wartete mit seinen Tieren schon im Aufsitzraum. Die Artisten waren fast alle mit Umkleiden beschäftigt oder « standen Uniform ». *) Die Gelegenheit war also günstig. Vorsichtig um sich spähend, führte Benson den Italiener an den Wohnwagen des Clowns. « Sehen Sie, hier steht gross angemalt: Willy Bux. Wenn ich also den Stock in diesem Wagen finde und Ihnen zeige, dann ist es klar, dass er Bux gehört, nicht wahr? » Valenzini nickte. « Aber ich dringe nicht in einen fremden Wohnwagen ein, denn das ist Hausfriedensbruch, wenn nicht Schlimmeres. Ich habe keine Lust, mich verhaften zu lassen. — Wie wollen Sie übrigens d* hineinkommen? » c Ich drücke eine Scheibe ein.» c Damit habe ich aber nichts zu tun. » «Haben Sie doch nicht solche Angst! Ich stelle den Stock dann wieder an seinen Platz, wenn Sie ihn genau besichtigt haben. — *) Die meisten Artisten sind verpflichtet, vor und nach ihrer Nummer in der bekannten goldverbrämten «Stallmeister-Uniform» am Manege-Eingang zu stehen.