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E_1934_Zeitung_Nr.070

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einem Rundgang um dio

einem Rundgang um dio Strecke benutzt werden konnte. Alle Rangunterschicde waren aufgehoben, Arm und Reich, Jung und Alt, Klein und Gross drängten sich in den gleichen dichten Menschenhaufen, und wer noch keinen festen Standplatz hatte, der konnte sehen, wo er noch einen guten Ausblick auf die Strcfke bekam. Mit lautem Staunen wurden die grossen Wagen begrüsst, die in der Zwischenzeit vor den Boxen zum Starte fertiggemacht wurden. Der Grossteil der Zuschauer hatte überhaupt noch nie ein Autoi'undstreckenrennen gesehen, und kam nun gleich zum Genuss einer Veranstaltung, bei der ausschliesslich die Elite zum Kampfe antrat. « Die Alfas, die Alfas » hörte man laut rufen, als die schlanken, roten Renner langsam die Strasse daherkamen, und noch grösser wurde die Aufregung, als die deutschen Maschinen mit ihren neuartigen Bauformen anrollten. Nuvolari geniesst in Bern grösste Sympathien, auch seine Maschine empfingen die Massen mit Beifallsrufen. Von Minute zu Minute wuchs die Spannung, und als auch die Fahrer in Erscheinung traten, nahm die Erregung fieberhaft zu. Hans Stuck lachte und plauderte, als mache er sich zu einer Bummelei auf, Chiron und Varzi unterhielten sich eifrig mit den Mechanikern, und auch Nuvolari sass wieder ruhig bei seiner Boxe. Drevfus hatte stets sein sphinxhaftes Lächeln, und auch Garacciola verlor nichts von seiner angeborenen Ruhe. Es war ein Moment von atemraubender Spannung, als die grossen Maschinen zum Starte aufgestellt wurden. Die besten Fahrer mit den besten Rennwagen traten zum ersten Male zu einem grossen Rundstreckenrennen in der Schweiz an, das war immerhin ein Ereignis ganz besonderer Art! Die Organisatoren, ihrer Sache bereits völlig sicher, trafen ruhig die letzten Startvorbereitungen, und alles vollzog sich, dass man glauben konnte, Auto-Rennen gehörten zum normalen Wochenprogramm. Und dann rollte dieser tolle Kampf um dio höchsten Schnelligkeiten ab, wie er an anderer Stelle ausführlicher geschildert wird. Wie entfesselte Raubtiere rasten dio niedrigen Wagen über die Bahn dahin, über Gerade und Kurven, an Menschenmauer vorbei, durch die Kühle des Tannenwaldes, an kleinen Wassern dahin, und der Schall der donnernden Motoren brach sich immer wieder an -den umliegenden Anhöhen. Maschine und Mensch verwuchsen zu einem untrennbaren Ganzen, zu einer Vision des zwanzigsten Jahrhunderts mit seiner entfesselten Technik. Von einem Gesicht war nichts mehr zu bemerken, man sah nur eine leicht nach vorn gebeugt, niedrige Gestalt, um die der Luftzug brauste. Und doch beherrschten diese kühnen Männer das Lenkrad mit einer Virtuosität ohnegleichen, und keinen Augenblick hatte man das beängstigende Gefühl eines Wagnisses. Was dem normalen Menschen das gewöhnliche Schreiten ist, das schien diesen Fahrern das Rasen im 200-km-Tempo zu sein. Trotz allen Anstrengungen eines solchen gewaltig langen Kampfes Hessen sie sich bei den kurzen Zwischenhalten vor den Boxen nichts von Ermüdung anmerken, liefen ihren Mechanikern schon von weitem den Grund des Haltes entgegen, nahmen höchstens rasch einen Schluck Wasser, um sofort wieder loszulegen. Während ihrer Fahrt sind eie immer in ganz unvorstellbarer Weise von der Umwelt abgeschlossen. Sie haben keine Verständigungsmöglichkeit, als ein vages Deuten oder Winken mit der Hand, und die Aussen- •welt wird für eie zu einem blossen. vorbeihuschenden Schatten. Die Luft, die heulend um ihre Ohren braust, ist der einizge Geselle während ihrer Fahrt. Mit grossen, breiten Zahlen und Buchstaben, sorgfältig hingehalten, konnten sich die Helfer ihren Fahrern verständlich machen. Auch am Sonntag musste man wieder den Einfallsreichtum der Boxensignalisation bewundern. «Schonen», wurde Hans Stuck mitgeteilt, als er unangefochten an der Spitze lag, und mit den Abkürzungen «Stu-Mo-Drey» wurde ihm die Reihenfolge der Spitzengruppe kundgegeben. Den Scudoria-Forrari-Leuten hielt man jeweils ganze Rochnungstafeln hin, auf denen die gefahrenen Runden und der Abstand vom Ersten angegeben waren. In den Boxen herrschte während der ganzen Zeit des Rennens grösste Ruhe, und ob im Lager der mit gewaltigen Mannschaften aufgerückten Mercedes-Benz, der Auto- Union, oder bei den Ferrari-Leuten, überall waren Rennleitcr und Mechaniker weit weniger nervös als das Publikum selbst, das zehnmal mehr um die Fahrer zitterte. Gab es einen Ausfall, dann schwang sich der Betroffene ohne langen Kommentar aus dem Wagen, wkchte sich das Gesicht rein und verzog sich still in den Hintergrund. Nur Menschen mit eisernen Nerven können diese Rennen mitkämpfen und sich ihren Sensationen ausliefern. Der Schluss des Kampfes endete im allgemeinen Freudentaumel. Hans Stuck wurde von Dr. Porsche und Ober-Ing. Walb, die ihm auf die Strecke hinaus entgegenHefen, stürmisch umarmt; die ganze Belegschaft stand Parade und drückte dem lachenden «Hans» immer und immer wieder die Hand. Den kleinen Momberger, der in Bern LLSLJLLJLiLLS Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (16. Fortsetzuni;) Fast alle entschliessen sich, vorläufig in M. zu bleiben und abzuwarten, denn es geht ein Gerücht, dass man vielleicht schon in ganz kurzer Zeit wieder auf neue Tournee gehen würde, — irgendwohin in den Süden. Geschäftsführer Schmoller ist schon längst wieder unterwegs, weiss Gott wol Im Büro herrscht fieberhafte Tätigkeit, ein Telegramm jagt das andere. An der Ausbesserung der Geschirre, der Requisiten, der Kostüme wird Tag und Nacht gearbeitet. Kurz: es liegt was in der Luft! Das wäre mal eine Sache, wenn man wieder den ganzen Winter durch in Engagement bei Kreno bleiben könnte! Buxens Nervosität ist noch nicht ganz gewichen: Irgendeine Unterlage für die Warnung muss jener anonyme Zettelschreiber doch gehabt haben! Ausserdem nagt noch etwas anderes an Bux, wenn er es sich auch nicht gern eingesteht: Anschliessend an den Besuch bei seinen Eltern, den er jetzt vor hat, hat er ja nach Potsdam fahren wollen, um seine Freundin Fee zu überraschen. Nun, c B a> A 2. w. 5. 6. 7. 10. 12. 13. 15. 16 60 70 eif 68 Die Rangreihenfolge der Fahrer in den einzelnen Runden, graphisch dargestellt. Ausser dem glatten Verlauf der Kurve Stucks beachte man besondo-rs das unaufhaltsame Vordringen seines Markenkollegen Momberger. Die Zahlen über den Kurven bedeuten die Startnummern der Wagen. einen der grössten Erfolge seines Lebens errang, trugen eie auf den Schultern herbei und rasch vorschwanden die Sieger in einer dichten Menschenansammlung. Die deutsche Nationalhymne ertönte. Allgemein war der Jubel. Und während sich dies ereignete, starb der junge, sympathische Hamilton einen jähen, grauenvollen Tod... Niemand wusste etwas davon, und die Massen verliessen zufrieden, ruhig und froh die Bahn, auf der im letzten Augenblicke noch ein unbegreifliches Schicksal ein Opfer forderte. Erst in der Stadt verbreitete sich mit rasender Eile das Gerücht: «Hamilton ist tot». Dio Wirkung dieser unerwarteten Trauernachricht war niederschmetternd. Sofort nach der Ehrenrunde Stucks überschwemmten die Massen alle Strassen. Die Verkehrspolizei bekam einige Stunden härtester Arbeit zu tun. Noch nie sah Bern solche Menschenmassen und Wagen beisammen. In wenigen Minuten waren alle Strassen mit Wagen angefüllt. Wie Hochwasser durch alle Rinnen und Gräben geflossen kommt, strebten die unzähligen Kolonnen nach allen Richtungen davon. Trotzdem kam es nie zu eigentlichen Verkehrsstockungen, und in verhältnismässig kurzer Zeit wickelte sich der Riesenverkehr ab. Dem Polizeikomitee macht dies alle Ehre; ganz besonders erwähnt werden muss noch Herr Polizeihauptmann Müller, dessen Korps den Absperrungsdlenst in hervorragender Weise versah, und der auch alle notwendigen Massnahmen zur reibungslosen Albfahrt der Besucher getroffen hatte. Nur ein Beispiel für das Raffinement dieser Vorbereitung: Nach Schluss des Rennejns: wurde beim Ziclrichterhäuschen eine Rakete abgeschossen, die allen Strecken- und Parkwärtern das Zeichen zur Oeffnung der Zugänge gab. Die Organisation hat gleich auf den ersten Anhieb hin über alle Massen gut geklappt, und es muss ihr in jeder Hinsicht das unumschränkte Lob ausgesprochen werden. Die Rennleitung, die in den Händen von Herrn Huber lag, versah ihr grosses und wichtiges Amt mit erstaunlicher Ruhe, Sicherheit und Autorität Dass sich bei diesem ersten Versuch alles ohne jede Schwierigkeit abspielte, stellt der Organisation ein ganz glänzendes Zeugnis aus. Die unzähligen Mitarbeiter, die seit Monaten eine unvorstellbare Arbeit geleistet haben, mögen sich mit einer gemeinsamen Anerkennung begnügen, da es zu weit führen müsste, alle verdienstlichen Persönlichkeiten einzeln zu nennen. Jedenfalls haben die Berner eine prachtvolle Leistung vollbracht, und das Echo in der ganzen Schweiz, ja selbst im Ausland, wird nicht ausbleiben. Der erste Grosse Preis der Schweiz war ein Erfolg von grössten Ausmassen, der unserm Lande hohe Ehre macht. Auf den Tribünen bemerkte man überall sehr gutes Publikum. Zahlreiche hohe Ehrengäste waren gekommen, sich das Rennen anzusehen. Wir erwähnen nur die Gesandten von England, Frankreich und Italien, ferner Freiherrn von Egloffstein, zer Kessler, den lautes Beifallrufen der begeisterten Menge empfängt. Dann flirren Sojka (Bugatti), der Deutsche Burggaller und Hans Ruesch (Maserati) heran. Das Feld ist bereits erstaunlich weit auseinandergezogen, und die Letzten kommen mit beträchtlichem Rückstand bei den Tribünen vorbei. Die zweite Runde bringt den Schweizern eine grosse Sensation. Wie der Spitzenfahrer daher gerast kommt, schiesst alles auf: Wie, ist das nicht Kessler? Es stimmt, der rotweisse Maserati — eine unheimlich gute Maschine — pfeift mit einem für Kleinwagen ganz hervorragendem Tempo als Erster vorbei, und Malaguti ist nun Zweiter, während Sojka auf dem dritten Platz nachfolgt. Die Situation ist für die Schweiz denkbar günstig. Hans Ruesch folgt bereits als Vierter. So kann es ja für unsere Farbe nicht fehlen, denkt man, und zittert schon wieder in Erwartung der Spitze. Bereits muss der Budapester Hartmann mit seinem Bugatti rasch bei den Boxen anlegen, doch bald geht die Reise weiter. Earl Howe scheint mit seiner Maschine irgendwie nicht ganz zufrieden zu sein, er gibt lebhafte Zeichen bei der Vorbeifahrt. Dritte Runde! Wieder ist es Kessler, der nun bereits seinen Vorsprang vergrössert hat, und der die grössten Chancen besitzt, wenn alles gut geht. Malaguti hat Mühe, seiner Spur zu folgen. Ruesch hat Sojka erledigt, und findas kommt freilich nicht mehr in Frage, denn sie hat nicht meiir geschrieben seit jener Karte; auch unter den Briefen, die in Nördlingen für ihn angekommen waren, und ihm jetzt nach M. gesandt wurden, ist nichts von Fee gewesen, obwohl er ihr diese seine .ständige Adresse' für alle Fälle gegeben hatte. Es ist offenbar, dass sie genug hat von dieser für ein Weilchen ganz amüsanten und orignellen Korrespondenz und Freundschaft mit einem Zirkusclown! Dann denkt Bux aber, dass er ungerecht sei, bitter gegen Fee zu empfinden. Hat er ihr doch selbst damals gesagt, sie solle sich ihm nie und zu nichts verpflichtet fühlen — ihm wirklich nur dann schreiben, wenn es sie dazu treibe. Und hatte er nicht gleich gezweifelt, als sie sagte, sie werde ihm immer, immer schreiben, — hatte er nicht damals skeptisch geantwortet: Qui vivra verra! — Nein, er ganz allein war schuld, dass er sich in diese unmögliche Beziehung eingelassen und sich in eine regelrechte Verliebtheit hineingesteigert hatte! Nun, er würde auch damit fertig werden! Und grimmig schliesst er seine Gedankenreihe: .Ganz recht ist mir geschehen! — ganz recht!' — 3. Schon zwei Tage nach der Ankunft in M. AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N° 70 Runden - tours 20 2 i+ 6 8 10 12 m 16 16 X 28 Nuvolari X Chiron Dreyfus Fagioli 2^ 28 32 36 52 56 Momberger Hamilt-nn / RraiirhiJ-crr» / fihor

N° 70 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE. det sich an dritter Stelle. Hinter ihm folgen der Tscheche, dann Hamilton mit seiner silberhellen Maschine, Burggaller, Veyron, der etwas zurückgefallen ist, Graf Castelbarco mit seinem eleganten Maserati, Seaman vom Whitney Straight-Stall auf M. G. Magnette und Earl Howe auf Delage. Wie die Spitze der vierten Runde wieder bei den Tribünen vorbeidonnert, legt sich allgemeine Ratlosigkeit und Beklemmung über die Menschenmassen. Wo bleibt nur Nr. 78? Kessler fehlt! In seiner Boxe wird man unruhig, und es verstreicht einige Zeit, bi man die enttäuschende, überaus bedauerliche Nachricht erfährt, dass der hervorragend gefahrene Zürcher ausgefallen ist. Er verlor in der Hitze des Kampfes seine Schutzbrille, und erhielt von Malagutis Wagen, der ihn kürz nach den Tribünen überholt hatte, Staub und Schmutz in die Augen geworfen, so dass er einen Augenblick lang nichts mehr sehen konnte. Das genügte, um ihm nach der Einbiegung in die neue Strasse durch die Kiesgrube Messerli einen Augenblick die Sicht zu rauben. Im Bogen schoss der Wagen gegen das erhöhte Strassenbord, wo die Maschine umstürzte. Die Folge war ein Steuerradbruch der die Weiterfahrt verunmöglichte. Glücklicherweise hatte Kessler grosses Glück, den er trug lediglich einige kleine Quetschungen davon. Die dritte Runde hatte er übrigens mit der Rekordzeit von 3.04 Min. (Stundenmittel 142 km/St.) zurückgelegt. Kohlrausch scheint mit seinem M. G. ebenfalls Schwierigkeiten zu haben und legt rasch bei den Boxen an. Ruesch fährt ausserordentlich gut, und ist nun als zweiter Schweizer auch schon knapp hinter Malaguti gerückt. Nach fünf Runden präsentiert sich die Situation folgendermassen: Malasutti (Maserati) 18 • 36 Ruosch (Maserati) 18 • 39,4 Hamilton (M. G. Magnette) 18 • 4o' Seaman (M. G. Masnette) 18 53 Burssallor (Eligatti) IS- 1 )^ Malaguti führt die wilde Jagd weiterhin an, und entpuppt sich auch in Bern als sehr guter Fahrer. Ruesch macht ihm aber das Leben sauer und faucht mit seinem Maserati unheimlich rasch hinter ihm her. Hamilton ist nun Dritter und sein Stallgenosse Seaman Vierter. Auch Graf Castelbarco legt schnell bei den Boxen an. An der Spitze führt immer noch Malaguti, und Ruesch folgt ihm bis zur 8. Runde als Zweiter. Dann erlebt das Publikum seine zweite Enttäuschung: Ruesch hält bei den Boxen und kann die Fahrt wegen Bruch der Schwimmernadel im Vergaser nicht fortsetzen. Damit ist auch der zweite Schweizer eliminiert — ein unverdientes Schicksal für unsere sehr tüchtigen Vertreter! Auch Kohlrausch wird nicht mehr gesehen, er hatte Defekt mit seiner Oelpumpe und unterbrach das Rennen auf der Wohlenstrasse. Im mittleren Feld tobt unterdessen die Schlacht mit unverminderter Härte weiter. Seaman kann sich dadurch, dass sein Stallgenosse Hamilton ebenfalls Defekt hat und ausfällt, weiter nach vorn schieben, und durch den Ausfall Ruesch wird er plötzlich sogar Zweiter. Burggaller hetzt hinter ihm her, ohne ihn jedoch packen zu können. Veyron schliesst sich dem Deutschen an, Simons und Krebs bilden das Schlussfeld. Der Erstere hat mit seinem Bugatti Schwierigkeiten und fällt nach einiger Zeit aus. Krebs hat schon beim Start die Brille verloren und muss deshalb wohl oder übel mit seinem M.G. ein Tempo halten, das ihm noch eine einigermassen gute Sicht ermöglicht. Nach zehn Runden bietet sich das folgende Bild: Die Helden des ersten Schweiz. Grand Prix: Stuck (linig) und Momberger mit ihren Auto-Union-Wagen in Toller Fahrt. / Malaguti (Maserati) 36 :21,4 Seaman (M. G. Magnetto) 36 • 28 Burggaller (Bugatti) 37 : 00,2 Veyron (Bugatti) 37 .01 Sojka (Bugatti) 37:27 Earl Howe (Delage) 37 • 34 Cholmondeley-Tapper (Bugatti) 38 31,6 Mme v. Kozmian (Bugatti) 38 : 58 Nur eine Runde nachher erlebt man eine weitere grosse Sensation : Malaguti fehlt nun auch. Unter den Spitzenfahrern dieses Kleinwagenrennens herrscht die reinste Defektepidemie. Ein Magnetdefekt hat den Italiener um seine fast sicheren Chancen gebracht. Plötzlich sieht sich nun Seaman mit seinem schnellen M. G. Magnette an der Spitze, und wenn er nicht ganz ungeschickt fährt, ist ihm der Enderfolg sicher. Burggaller erhält von den Boxen eifrig Zeichen, aufzudrehen, denn er ist nun Zweiter und kann noch Vieles gewinnen. Er zieht mit grossem Elan los, und doch liegt Veyron hinter ihm, sein ewiger, scharfer Gegner aller Kleinwagenrennen. Hartmann hält zwischenhinein wieder rasch, und setzt die Reise erneut fort, um dann doch vor Schluss noch auszufallen. In der 13. Runde erscheint Veyron an zweiter Stelle, und Burggaller ist jetzt Dritter. Seaman muss sich nun hüten, denn der Franzose ist ein gefährlicher Mann, der bei den Kleinwagenrennen fast immer unumschränkt herrscht. Doch die Distanz ist zu kurz, und Veyron kann nichts Entscheidendes mehr ausrichten. Seaman wird als Sieger abgewunken und Veyron faucht als Zweiter daher, während Burggaller Dritter wird. Jubel empfängt den jungen Fahrer, der bis jetzt vor allem in Brooklands hervorgetreten st, und auf dem Kontinent noch nicht viel ausgerichtet hat. Die Zuschauer klatschten, vor den Boxen wird der Sieger weidlich umart und geküsst, dass er seine liebe Not hat. Die Schlussresultate: 1. Seaman (M. G. Magnctte) 50 : 43,4 (Std.-Mittel 120,559 km/St.) 2. Veyron (Bugatti) 51 : 05,6 3. Burggaller (Bugatti) 51 :11,4 4. Sojka (Bugatti) 51 :41 5. Earl Howe (Delage) 51:53,6 6. Graf Castelbarco (Maserati) 52 :18,4 7. Girod (Salmson) 52:58,6 8. Cholmondeley-Tapper (Bugatti) 53 : 20,4 9. Mm«. Hier (Bugatti) 54:00,4 10. Mme. Kozmian (Bugatti) 54:20 Der Start der 23 Kleinwagen. Das Rennen um den Grossen Preis. 70 Runden = 509,6 km. Schon die von den grossen Wagen am Training aufgestellten Leistungen hatten ja einen höchst spannenden Verlauf des Rennens erwarten lassen. In Wirklichkeit wurden aber die Erwartungen noch weit übertroffen. Das Publikum schien das auch vorausgeahnt zu haben. Trotz der immer noch ganz unsicheren Witterung strömte es gegen Mittag in neuen unabsehbaren Massen heran. Längs der ganzen Piste sammelten sich erwartungsvoll gespannte Zuschauer, 4, 5 Reihen tief hintereinander, die Tribünen füllten sich bis auf den letzten Platz, und in der riesigen Halle der Festwirtschaft wimmelte es wie in einem Ameisenhaufen. Trotzdem klappte auch jetzt die Organisation, soviel wir es beobachten konnten, bis aufs letzte i-Tüpfchen. 13 Uhr 40 nehmen als erste die Union- Rennwagen ihre Startpositionen ein. Dann werden der Maserati von Earl Howe und die Mercedes-Wagen ins Startfeld geschoben. Die Wetterlage scheint sich inzwischen, wieder verschlechtern zu wollen. Noch ist zwar die Piste auf dem gepflasterten Teilstück vom Forsthaus zur Kiesgrube trocken, aber der Regen liegt in der Luft. Bald beginnen die Wolken sich auch zu entladen. Ueber den Wagen, die jetzt bis auf den Maserati von Ruesch vollzählig angetreten sind, werden Regenschirme und Planen ausgespannt. Wie man erfährt, wird Ruesch nicht starten, weil die Brandwunde, die er sich in Italien zuzog, beim Kleinwagenrennen wieder aufgegangen ist. Die Startpositionen sind wie folgt: Biondetti Varzi Stuck Maserati Alfa Romeo Auto Union Chiron Alfa Romeo Balestrero Nuvolari Hartmann Maserati Maserati Itunaltl Ghersi Caracciola Alfa Romeo Mercedes-Benz Prinz Leiningen Hamilton v. Brauchitsch Union Union Maserati Mercedes-Benz Fagioli Dreyfus Mercedes-Benz Bugatti Earl Howe Momberger Maserati Anto Union Die letzten Minuten verfliegen im Nu. Der Mercedes-«Autobahn-Kurier» mit der roten Flagge, die den Rennbeginn anzeigt, ist bereits von seiner Runde zurück. Wie auf Signal beginnen die Motoren fast gleichzeitig aufzuheulen und Rauchwolken hinter sich zu schleudern. Ja, diesmal sind alle im Gang. Steinerne Ruhe in Antlitz, kauern die Fahrer in ihren Sitzen. Dann fällt .die Startflagge nieder und die Meute tobt davon. Deutlich hat sich Stuck bereits beim Start herausgeschält. Aber an seinen Fersen kleben Nuvolari und Chiron. Mehr ist im Moment nicht deutlich zu erkennen, und die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf Earl Howe, der mit abgestandenem Motor noch immer am Startplatz steht und erst mit etwa 10 Sekunden Zeitverlust wegkommt. Das Motorgetöse ebbt ab und verliert sich als dumpfes Brummen im Westen. Man atmet auf, um nur sofort wieder einer grösseren Spannung anheimzufallen: Was wird die erste Runde zeitigen? Nur mit Mühe lässt sich das Publikum zum Sitzenbleiben verhalten. Es ist, als ob es keine Schwerkraft, keine «Massenträgheit» mehr gäbe. Und schon hört man es im Osten rauschen, wo jetzt die Meute den Wald hinaufstiebt. Stuck, Chiron, Nuvolari, Dreyfus, Caracciola, Brauchitsch, vielleicht auch Fagioli oder Varzi? Wer sollte es wissen, bei derartigem embarras de richesse ? Und dann rast, es ist kaum zu glauben, Stuck auf Auto-Union schon mit einem Vorsprung von einem Kilometer an den Tribünen vorbei. Nicht weni- FERNSCHREIB BEI DER RUSTAG ger «rast» das Publikum. «Sitzenbleiben!», «Absitzen!». Doppeltes Motorengeheul jetzt: Chiron/Alfa Romeo, Nuvolari/Maserati, kaum 20 Meter hintereinander. Darauf, wieder mit grösserem Abstand, Caracciola auf Mercedes-Benz, Varzi auf Alfa Romeo, Biondetti, Dreyfus, Qhersi, als Gefolge Leiningen, Hamilton, Brauchitsch, Momberger, Balestrero und zum Schluss Hartmann und Earl Howe. Phantastische Tempi, selbst nachdem sich das Auge am Kleinwagenrennen schon an etwelche Geschwindigkeiten gewöhnt hat. Die zweite Runde bringt keine Entspannung, im Gegenteil. Es beginnen sich die grossen Verschiebungen und Aussiebungen vorzubereiten, die für den Ausgang des Renbesorgen die laufende fernschriftliche Uebermittlung der Rennen und Rennresultate zwischen Zeitmesser, Pressetribüne und Zeittafel am Grossen Preis für Automobile Geliefert von SIEMENS Elektrizitätserzeugnisse O.-G. Zürich - Bern - Lausanne