Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.070

E_1934_Zeitung_Nr.070

AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1934 - 70 Stuck als Wegmeister! H. Stuck war auch im Training stets guter Laune. Hier nützt er eine Pause aus, um sich auch körperlich etwas Bewegung zu verschaffen, wobei er das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet. Vom ersten Grossen Preis der Schweiz Bild links: Dsr französische Kleinwagen-Spczialisi. Vcyron klassierte sich als Zweiter im Rennen der 1500-ccrn-Wagen und bewies damit einmal mehr seine hervorragende Klasse Bild rechts: Die Boxenanlage erwies sich als sehr geeignet. Im Vordergrund links stehen die drei Maschinen der Mercedes-Benz. Die Gruppe in der Mitte des Bildes sind die Wagen der Scuderia Ferrari. Bild links: Dreyfus nitit Interviews. Der talentierte Franzose, dessen Debüt in der Schweiz weitgehende Beachtung fand, gibt hier französischen Journalisten seine Eindrücke über Bern zum besten. Bild rechts: Der schnellste Mann! Momberger, der zusammen mit Stuck ein grossartiges Rennen für die Auto-Union fuhr, erzielte bei seinem Positionskampf um einen vorderen Platz die schnellste Runde. Bild links: Varzi, der als Vierter das grosse Rennen beendete, fuhr in grossem Stil, doch vermochte sein Wagen nicht gegen die neue deutsche Konstruktion aufzukommen. Wir stellen vor: Dr. ing. Porsche, der Konstrukteur der siegreichen Renawagen der Auto-Union. Gute Sportkamerad- schaft. Earl Howe, der Senior der englischen Herrenfahrer, der beide Rennen zu beenden vermochte und damit allein schon ein glänzendes Zeugnis seiner Leistungsfähigkeit ablegte, unterhält sich hier kameradschaftlich mit Momberger dem zweiten Trumpf der Auto-Union. Mit Vollgas zur Kiesgrube. Caracciola nimmt mit elegantem Schwung die Kurve, -welche zur Kiesgrube hinabführte. Leider musste der beste Mann der Mercedes-Benz wegen Schmerzen, in seinem kaum verheilten Bein vorzeitig aufgeben.

N°70 II. Blatt BERN, 28. August 1934 Der Auftakt zum Grossen Preis der Schweiz Zur Orientierung der Besucher des Grossen Preises gab unsere Redaktion am Samstagabend ein vierseitiges, illustriertes Grand-Prix-Bulletin heraus, das überall regem Interesse begegnete. Da •die hiefür vorgesehene Auflage bereits am Sonntagmorgen frühzeitig vergriffen war und anderseits doch eine gewisse Zahl unserer Leser keine Gelegenheit gehabt hat, nach Bern zu kommen, wollen wir im nachstehenden die wichtigsten Berichte aus den Vortagen auszugsweise noch einmal wiedergeben. Bern am Vorabend des Grand Prix. Bern, den 25. August 1934. Und nun wären wir glücklich so weit! Noch ein paar Stunden und der Bremgartenwa!d wird vom Brüllen und Heulen der schnellsten Rennwagen der Welt erdröhnen, und über die Strassen, auf denen sich sonst der geruhsame Alltagsverkehr abwickelt, werden die schlanken, niedrigen Wagen mit einer Schnelligkeit dahinbrausen, dass die Sinne sich zu weigern drohen, diese unheimlichen Schemen als von Menschen geschaffene und von Menschen geführte Wunderwerke zu anerkennen. Schon drei Male mischte sich in den Lärm der Stadt an den Nachmittagen das dunkle, stossweise Summen der Maschinen, die auf dem Circuit ihre ersten Proberunden zogen. Doch nun ist auch das Training, von Tausenden mit Spannung und mehr oder weniger grosser Fachkenntnis verfolgt, vorüber, und die ganze grosse Rundstrecke, der Wald, die Tribünen, die Boxen, das Zeitmesserhaus, die Strassen werden nach einer kurzen Nacht der Ruhe von einem phantastischen Massenbetrieb erfüllt werden, der den Rahmen zu dem tollen Wettkampf einiger verwegener Menschen bilden wird, die mit den kostbarsten Produkten der europäischen Automobilindustrie Runde um Runde rings um den hochsommerlichen Wald dahinrasen. Vorbei die Riesen-Vorbereitungsarbeit einer ebenso komplizierten wie grossen Organisation, vorbei das Hangen und Bangen um das Gelingen des kühnen Wurfes. Der Grosse Preis der Schweiz, jahrelanger Traum aller Sportsfreunde, das bedeutendste motorsportliche Ereignis des Jahres innerhalb unserer Landesgrenzen, und darüber hinaus auch von höchster internationaler Wichtigkeit, wird zur Tatsache! Mancher Mitarbeiter, der seit Monaten nur auf diesen Tag hin seine Kraft eingesetzt hat, wird es noch nicht ganz richtig erfassen können, dass nun endlich dieser erste Grand Prix über das Stadium der jahrelangen Vorbereitung hinaus zur atemraubenden Wirklichkeit wird. Das erste Rundstreckenrennen auf der prachtvollen Rennstrecke im Bremgartenwald, der seit einiger Zeit weit über seine Lokalberühmtheit hinaus jenseits der Landesgrenzen bekannt geworden ist, stellt keinen bescheidenen Erstlingsversuch dar, der dann erst allmählich zu internationaler Grosse anwächst. Den Veranstaltern ist der kühne Plan gelungen, ihren Anlass gleich von Beginn an unter die bedeutendsten europäischen Rennen einzureihen, und bis zum Augenblicke können nur die Grossen Preise von Frankreich und Deutschland, sowie die überaus interessant verlaufene Coppa Acerbo bei Pescara mit der Besetzung des Berner Rennens verglichen werden. Der Zweikampf der romanischen und deutschen Spitzenvertreter der Automobiltechnik erneuert sich auch in Bern, und auch hier verteidigen die französischen und italienischen Konkurrenten ihre jahrelange Vormachtstellung gegen die Angriffe des neuen deutschen Autosportes, der mit ungeheurem Elan seit Beginn dieses Jahres in die internationalen Kämpfe eingriff und revolutionierend gewirkt hat. Deutschland präsentiert völlige Neuschöpfungen auf dem Gebiet des Rennwagenbaus, und deshalb ist das Jahr 1934 für den Autosport von entscheidender Bedeutung geworden, da man wahrscheinlich an einer Schwelle steht. Um so erfreulicher ist es, dass Bern gleich zum ersten Male zum Terrain wird, auf dem ein weiterer dieser Entscheidungskämpfe ausgetragen wird. Schon seit einigen Tagen schwelt in der Stadt das geheime Rennfieber, und sei es im Tramwagen, im Omnibus, beim unvermeidlichen Coiffeur, überall sind plötzlich jene Namen von Fahrern an die Spitze der Tagesordnung gerückt, die man sonst nur auf den grossen ausländischen Bahnen antreffen konnte. Leute, die nie sehr viel von einem Chiron und Stuck läuten gehört haben, verteilen mit grosser Sachkenntnis ihre Chancen, und jeder weiss zur letzten Neuigkeit noch eine grössere hinzuzusetzen, so dass die Gerüchte wie Lauffeuer durch die unruhige Stadt eilen. «Programm! — Programm!» schreien schon jetzt alle Zeitungsverkäufer und heben den Passanten das schmucke Bild mit den beiden in schönem Schwung hingeworfenen Rennwagen entgegen. Zum ersten Male erhielt zu Beginn dieser Woche die Butidesstadt auch den Besuch jener grossen, schweren Lastwagen, deren Auftauchen immer die Nähe eines Rennens ankündigt. Aussen stehen meistens die Namen der Autofabrik oder des Rennstalles geschrieben, dem sie angehören, doch manchmal bleiben sie auch völlig anonym und geben nur durch die fremde Wagennummer Kunde davon, dass sie von weither gerollt kommen. In ihrem Innern bergen diese Lastwagen eine teure und kostbare Last: die schnellen Renner, die dann am Sonntag mit eigener Kraft dahinbrausen. Für die gewöhn- 'ichen Ueberlandstrassen und die Gassen der Städte sind diese Maschinen nicht gebaut, die nur auf besonders für sie bestimmten Bahnen existieren können. Ihr Lebenselement ist die ( Geschwindigkeit, und wenn man schon gezwungen ist, mit ihnen langsam zu fahren, dann packt man sie lieber in spezielle Transportwagen, mit denen sie' dann gleich wilden Tieren im Zirkuswagen durch halb Europa reisen, von einer Rennbahn zur anderen, und von Mechanikern ständig überwacht. Die Berner Garagiers haben seit einigen Tagen unruhige Stunden. An allen möglichen Ecken der Stadt Hessen sich die Firmen und Fahrer nieder und stellten manchmal dicht nebeneinander ihre Wagen auf. Werkzeuge und Kisten wurden ausgebreitet, um nun auf Tod und Leben zu montieren und zu proben. Es gibt Firmen, die in Bern in der Mannschaftsstärke einer grösseren Werkstätte aufgerückt sind, und wenn man frech und geschickt genug ist, kann man mehr als ein •Dutzend Mechaniker miteinander arbeiten sehen. Erst dann wird einem auch klar, welche wirtschaftliche Bedeutung ein solches zrosses Rennen hat. Die Maschinen werden 70 II. Blatt BERN, 28. August 1934 kostbarer als goldene Schätze im Märchen gehütet, und wer sich etwa zu weit vorwagt, um einen indiskreten Blick unter eine Motorhaube zu werfen, wird energisch zurückgepfiffen. Nie sind diese kostbaren Rennwagen allein: zur Tageszeit sind sie stets das Objekt liebevoller Behandlung und nachts wacht sogar ein Angestellter im Feldbett, dass keinem auch nur das geringste geschehe. Mit Argusaugen lauern die Mechaniker und Konkurrenten aufeinander, dass gegenseitig nichts abgespickt wird, und doch bewahren sie über allem eine herzliche, überaus erfreuliche Kameradschaft. Trainings-Betrieb! Die Bundesstadt hat schon jetzt von dem Betrieb einen ungefähren Begriff bekommen, der am Sonntag sich von den frühesten Morgenstunden an abspielen wird. Donnerstag, Freitag und Samstag waren für das Training reserviert, das bei einem Rennen von diesen Ausmassen sehr ernst genommen wird. Hier gibt es kein Drücken, schon allein, weil das Reglement die Zurücklegung von 10 Trainingsrunden fordert. Keiner soll diese Bahn am Sonntag als Neuling betreten. So wurde in den Werkstätten rings in der Stadt herum mit Hochdruck gearbeitet, um jeweils für die Hauptproben rechtzeitig bereit zu sein. Die Berner waren nicht wenig erstaunt, als sich an den letzten drei Tagen mitten in dem Grossverkehr vor dem Bureau-Beginn am Nachmittag dumpf grollende Rennwagen in allen Farben mischten und, in einer Wolke blauen Rauches gehüllt, blitzschnell an allen Hindernissen vorbeipfeilten. Die Eingänge zu der Rennstrecke waren bereits von erwartungsvollem Volke belegt, wobei die Jugend jede Beobachtung mit lauten Kommentaren begleitete. Die Autoparks füllten sich mit Maschinen aus allen Kantonen und auch dem Ausland an. Auch die Kassiere konnten schmunzelnd mit dem ersten Silber klimpern, das bereits reichlich floss. Die ganz besonders Wissbegierigen hatten sich einen freien Nachmittag reserviert, um diesen hochinteressanten Trainingsfahrten beizuwohnen, bei denen es erfahrungsgemäss schon immer recht lebhaft zugeht. Die Sonne kargte nicht, die ersten Läufe auf der prachtvollen neuen Rundstrecke mit empfindlicher Wärme zu begrüssen, so dass die gewinnt überlegen den Grossen Preis der Schweiz ERSTER: Stuck 509,6 km in 3 Std. 37 Min. 51,6 Sek. (Durchschnitt 140.35 Std./km) ZWEITER: Momberger und Rundenrekord 2 Min. 53 Sek. = 151,5 km Horch AUTO-UNION produziert Audi Wanderer DKW Acht- und Zwölf-Zylinder Sechszylinder Sechszylinder Zweitakt-Zweiund Vierzylinder GE NERALVERTRETER Fü R DIE SCHWEIZ: Horch u. Wandere p Au di u. DKW C. SCHLOTTERBECK AUTROPAA.-G. Automobile A.-G. BASEL - ZÜRIC H Jenatschstrasse ZÜRICH-ENGE