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Neue Szene 2018-03

Stadtmagazin für Augsburg (Bayern)

28 ZOOM Thomas Kazianka

28 ZOOM Thomas Kazianka wird Kulturreferent in Gersthofen Ein Interview mit Helmut Gieber und seinem Nachfolger Helmut Gieber, langjähriger Fachbereichsleiter des Kulturamts in Gersthofen, hat im März die Geschäfte an Thomas Kazianka übergeben. Auch der neue Mann ist ein alter Hase in der Kunst- und Kulturszene und hat zuletzt als Leiter des Kulturzentrums k1 in Traunreut gewirkt. Neue Szene-Redakteur Markus Krapf wirft mit beiden einen Blick in Vergangenheit und Zukunft. Markus Krapf , Thomas Kazianka, Helmut Gieber Thomas Kazianka Helmut Gieber „Die Halle braucht ein Gesicht und das Publikum wünscht den direkten Kontakt!“ Fotos: Harald Sianos

ZOOM 29 Herr Kazianka, erzählen Sie uns etwas über sich. Welche Wege haben Sie denn nach Gersthofen geführt? Kazianka: Vor über zehn Jahren habe ich die Stelle in Traunreut angetreten, um dort ein Kultur- und Veranstaltungszentrum aufzubauen. Helmut Gieber hat den gleichen Job bereits 15 Jahre früher in Gersthofen begonnen. Wir sind uns zum ersten Mal über den Weg gelaufen, als ich damals in Gersthofen war, um zu sehen, wie so eine Halle überhaupt funktioniert. Im Laufe der Zeit hatten wir immer wieder engen Kontakt und viele interessante Diskussionen. Während Helmut Gieber von der Verwaltungs- und Finanzseite kommt, stamme ich ja eher aus der kreativen Ecke. In diesem Bereich waren Sie ja unter anderem auch schon am Theater Augsburg tätig? Kazianka: Richtig, dort war ich in den 90er- Jahren in der Regieassistenz, der Produktionsleitung und als Inspizient tätig. Im Chiemgau schien man recht überrascht über ihren kurzfristigen Weggang. Ist Ihnen der Wechsel nach immerhin 10 Jahren schwergefallen? Kazianka: Ich habe in Salzburg gewohnt, dort ist meine Heimat. Und ich hatte die Chance, dieses Haus in Traunreut von Anfang an aufzubauen und ihm meine Handschrift zu verleihen. Wie oft hat man schon so eine Chance im Leben? Wenn ich zurückschaue, dann ist es schon sehr rührend. Trotzdem muss man im Leben immer geradeaus weitergehen. Ihr neues Aufgabengebiet in Gersthofen ist vielfältig. Für welche Bereiche sind Sie denn genau verantwortlich? Kazianka: Neben der Stadthalle obliegt mir auch die Verantwortung für die Stadtbibliothek und das Ballonmuseum. Hier ist schon ein gewisses Knowhow gefragt, aber die Stadt Gersthofen ist sehr gut vernetzt und man kann sich der verschiedenen Ämter bedienen. Es ist auch wichtig, dass die Stadthalle innerhalb der Stadt Gersthofen aufgehoben ist, andernfalls würde man sehr viel mehr Personal benötigen. Ich darf jedenfalls in Zukunft die Führung eines tollen Teams übernehmen. Frage an den bisherigen Teamchef. Ist denn Anfang März nach 25 Jahren tatsächlich Schluss für sie, Herr Gieber? Gieber: Ab 01. März ist Thomas der Kulturreferent in Gersthofen, ich bin dann Verwaltungsdirektor ohne eigenes Ressort. Momentan bin ich nach einer längeren Burnout-Erkrankung, die mich nach 30 Jahren zum Beenden meiner Tätigkeit gezwungen hat, in der Wiedereingliederung. Vor allem aber bin ich über dem Berg, freue mich auf die Zukunft und kann mich nur bei Bürgermeister Michael Wörle für sein Wiedereingliederungsmanagement bedanken. Es ist schön zu sehen, wie die Stadt mit ihren Mitarbeitern auch in schweren Zeiten umgeht. Aber es scheint, als wären Sie sehr zufrieden mit Ihrem Nachfolger? Gieber: Absolut. Ich komme ja aus der Verwaltung und habe dann mein Hobby Kultur zum Beruf machen können. Bei Thomas ist es genau umgekehrt, er hat in den letzten zehn Jahren aus der Kultur kommend seine Erfahrungen mit der öffentlichen Verwaltung gemacht und sich sehr gut mit diesem System arrangiert. Jetzt ist es natürlich so, dass mit dem neuen Mann auch ein neuer Ansatzpunkt zum Tragen kommt und man vielleicht mit der ein oder anderen Veranstaltung ein wenig mehr Risiko eingehen und ein bisschen mehr Mut zeigen kann. „Je breiter das Programm der Stadthalle aufgestellt ist, desto mehr wird es auch angenommen.“ Man darf aber bei aller Bescheidenheit sagen, dass die Stadt Gersthofen sehr zufrieden mit der aktuellen Situation ist? Gieber: Das ist richtig, allerdings hat man trotzdem sicher keinen geklonten Gieber gesucht. Ich glaube aber schon, dass es gerne so ähnlich weitergehen darf wie bisher. Kazianka: Geklonter Gieber (lacht)! Nein, natürlich war dem Stadtrat mein Zukunftskonzept wichtig, aber ich weiß aus der bisherigen Zusammenarbeit, dass die Situation hier in Gersthofen beinahe perfekt aufgestellt ist und man allenfalls an einigen wenigen Stellschrauben drehen kann. Sicher gibt es ein paar Nischen, in die man gehen kann ohne anderen weh zu tun. Es ist ein sehr starker Grundstock vorhanden und es wird sicher ein paar Jahre dauern, bis man seine eigene Finessen dazugeben kann. Wird sich in Zukunft trotzdem etwas ändern? Kazianka: Je breiter das Programm der Stadthalle aufgestellt ist, desto mehr wird es auch angenommen. Das war bisher so und wird auch in Zukunft so sein. Je höher man die Qualität der Veranstaltungen ansetzt, desto bedeutender ist der Ruf, was man hier in Gersthofen sieht. Die Grundprogrammatik steht, aber in Nuancen kann man schon etwas tun. Im Wirtshaus „Zum Strasser“ gibt es beispielsweise einen schönen Veranstaltungsraum, den man mit Formaten füllen kann, auch das Ballonmuseum und die Bibliothek kann man noch näher zusammenbringen. Und mein Steckenpferd in Traunreut waren die Kinderveranstaltungen, die wesentlich größer waren als hier. Wir wollen in einem langfristigen Prozess die Jugend erreichen, um einen Generationenwechsel nicht zu verpassen. Der Augsburger Kulturreferent Thomas Weitzel hat Ihre Verpflichtung als Bereicherung für die Region bezeichnet. Ist die Vernetzung mit anderen Kulturschaffenden der Region wichtig? Kazianka: Du kannst nur miteinander Kultur machen, hier gibt es keine Gegner, denn jeder hat seine Stärken. Beim Theater Augsburg bin ich tatsächlich gut vernetzt, allein durch meine frühere Tätigkeit dort von 1994 bis 1997. Das war eine wahnsinnig kreative Zeit und gleichzeitig meine härteste Lehrzeit. Seit 2008 organisiere ich ja auch die Fronhofkonzerte in Augsburg und konnte mich dadurch weiter vernetzen. Ich werde mich bemühen, tatsächlich eine Bereicherung für die Region zu sein (lacht). Ist der neue Job ein Sprung auf der Karriereleiter? Kazianka: Ja absolut, die Stadthalle Gersthofen hat mehr als doppelt so viele Besucher im Jahr als das k1, weil sie einfach größer ist. Schon dadurch hat man hier ganz andere Möglichkeiten. Dennoch wird die neue Aufgabe der in Traunreut ähnlich sein, auch hier in Gersthofen ist mit Augsburg eine historische Großstadt nebenan, so wie es mit Salzburg und Traunreut ist. Haben Sie schon eine Wohnung gefunden? Kazianka: Ich bin gerade auf der Suche. Gieber: In einer Stunde besichtigen wir zusammen eine Wohnung für Thomas. In Augsburg? Kazianka: Nein. Ich werde hier in Gersthofen wohnen, denn die Präsenz vor Ort ist mir sehr wichtig. Ich möchte auf jeden Fall die räumliche Nähe. Die Halle braucht ein Gesicht und das Publikum wünscht den direkten Kontakt! Auch Helmut Gieber war bekannt dafür, dass er 25 Jahre ganz hart am Wind gesegelt ist. Genau so werde ich das auch tun.

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