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E_1934_Zeitung_Nr.071

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BERN, Freitag, 31. August 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 71 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" ABONNEMENTS-PH EISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Aatgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, Jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Was wird in der Schweiz gefahren? Als zweiter Teil der Motorfahrzeugstatistik, 3er mit ebenso grossem Interesse erwartet wurde, gibt nun das eidg. statistische Amt eine Uebersicht heraus, die über die Zusammensetzung unseres Automobilbestandes allerlei wissenswerten Aufschluss vermittelt. Die Hauptlieferanten für den Gesamtbestand an 66394 Personenwagen sind acht Staaten, von denen wiederum fünf, nämlich Deutschland, Frankreich, Italien, die USA. und neuerdings auch England den Löwenanteil unter sich verteilen. Amerika bestreitet allein fast 45 % unserer Lieferungen. Frankreich, das an zweiter Stelle steht, folgt erst in grösserem Abstand mit 21 %. Ganz unbedeutend ist natürlich der Anteil der Schweiz, dem, nachdem die eigentliche Automobilfabrikation in unserem Lande vollständig aufgehört hat, bald nur noch eine historische Rolle zukommen wird. Bevor wir die Bedeutung der einzelnen nationalen Marken noch etwas näher betrachten, lassen wir das Ergebnis der arbeitsreichen Erhebungen der Statistiker folgen: Zahl der verkehrsberechtigten Personenwagen am 1. Januar 1934, nach Lieferungsländern geordnet. * Schweiz Deutschland Frankreich Italien Oesterreich Belgien England Vereinigte Staaten Uebrlee Länder Zur schweizerischen Automobilmarken-Statistik. 647 6194 14212 12753 396 727 2016 29424 Total 66394 Beginnen wir mit der Schweiz, so wird bestimmt nicht die bescheidene Zahl, dagegen die Buntheit der stets noch vertretenen Marken überraschen. Wer nicht die ersten Entwicklungsjahre der einheimischen Autoindustrie miterlebt hat, wird bestimmt nie etwas von Marken wie EFAG, Yaxa usw. gehört haben. Dass es sich dabei aber um zähe Konstruktionen gehandelt haben muss, beweist deren Langlebigkeit. Wenn heute noch gegen 100 Pic-Pic laufen, nachdem die Fabrikation seit rund 15 Jahren eingestellt ist, so spricht das gewiss für die Qualität des Produktes, und man muss nur bedauern, dass es nicht wenigstens einer Marke möglich war, sich zu behaupten. Auf alle Fälle ist volkswirtschaftlich dieses Kapitel der Markenstatistik das bescheidenste und recht bedauerlich dazu. Von den wichtigsten europäischen Lieferanten steht Frankreich an erster Stelle. Un- * Detaillierte Markenstatistik nach Ländern geordnet siehe Seite 2 ! I ser Land scheint ein getreues Spiegelbild der französischen Automobilproduktion zu sein, wo neben einigen wenigen führenden Fabriken eine Vielzahl von Klein- und Liebhaberbetrieben auftauchten, irgendein Produkt auf den Markt warfen, um dann nach einer Reihe von Jahren wieder ebenso lautlos von der Bildfläche zu verschwinden. Die Liste der bei uns vertretenen Marken ist eine Musterkarte, deren Buntheit wohl kaum mehr übertroffen werden könnte. Fast scheint es, als ob die Schweizer stets die geduldigsten Objekte für Experimente mit neuen Wagen gewesen wären, ansonst gewiss nicht ein derartiges Sammelsurium an bekannten und unbekannten Namen die Statistik « zieren » würde. Bei den massgebenden französischen Fabrikaten führt Citroen, wie dies seit Jahren der Fall ist, der gegen 40 % des französischen Anteiles an unserem Wagenbestand bestreitet. Er lässt damit selbst bekannte Fabrikate, wie Peugeot und Renault, um ein mehreres hinter sich zurück. Unter sich zusammen bestreiten die fünf bestvertretenen Erzeugnisse, nämlich Citroen, Peugeot, Renault, Delage und Mathis, drei Viertel des französischen Kontingentes, was zeigt, welch unbedeutende Rolle die Vielzahl von Phantasiemarken spielen, die übrigens auch meistens mit weniger als einem halben Dutzend Exemplaren bei uns vertreten sind. An zweiter Stelle der Europäer steht Italien, wo Fiat ein noch weit ausgeprägteres Primat führt, als irgendeine andere Marke in einem der Lieferantenländer. Nicht weniger als 82 % des italienischen Anteiles hat uns Fiat geliefert, welche Firma damit gleichzeitig den unbestrittenen Rang einnimmt, in der Schweiz am stärksten vertreten zu sein, resp. gefahren zu werden. Für keinen anderen Staat, der irgendeinen Anteil an der Automobileinfuhr in die Schweiz hat, ergibt sich eine derartige Priorität eines Fabrikates. Deutschland folgt unter den europäischen Lieferanten im dritten Rang. Wenn sich dabei der Anteil der einzelnen Fabrikate auch wiederum etwas gleichmässiger verteilt, so fällt doch Opel und Mercedes-Benz mit rund zwei Dritteln der Löwenanteil zu. Unter den kleinen Restbeständen an teilweise bereits eingegangenen Marken finden sich auch noch einige Veteranen und Pioniere des deutschen Wagenbaues, die auf ein geradezu patriarchalisches Alter zurückblicken müssen. Es scheint wirklich rätselhaft, wie solche Fahrzeuge noch den gestrengen neuen Verkehrsvorschriften zu genügen vermögen, es sei denn, dass von ihrem ehemaligen Gestell kaum mehr übrig äst als das Markenschild. England hat sich in aller Stille einen beachtlichen Platz in der Gruppe unserer Lieferanten geschaffen und es sind alle Anzeichen •dafür vorhanden, dass seine Position sich mit 'der Zeit noch wesentlich günstiger gestalten wird. Freilich wird das Bild dadurch etwas gefälscht, dass der Ford'sche Anteil mit 1057 Fahrzeugen England gutgeschrieben wird, •weil diese Wagen aus den englischen Werkstätten von Dagenham stammen. Dabei wird aber im Ernst niemand den Ford als ein englisches Erzeugnis ansehen. Bleiben noch Belgien und Oesterreich. Die beiden Länder haben sich seit Jahren stets eine beachtliche Gefolgschaft bei den schweizerischen Käufern zu sichern gewusst und diese auch weiterhin gepflegt. Dabei teilen sich Minerva und F. N. in die Vorrangstellung für Belgien, während Steyr sein 'Herkunftsland mit 90 Prozent des Anteiles Vertritt. Nun zu Amerika, unserem Hauptlieferanten! Hier führt erwartungsgemäss Ford mit 4097 Wagen, welches Kontingent durch die über 1000 english made Exemplare eigentlich noch zu ergänzen wäre. Ford bestreitet somit allein den sechsten Teil der amerikanischen Einfuhr, trotzdem diese an und für sich weitaus die grösste ist und sich ein gutes Dutzend sehr populärer Marken um den Markt reissen. Angesichts des hohen Prozentsatzes amerikanischer Fahrzeuge, ist es nicht verwunderlich, dass kein anderes Land soviel Fabrikate mit Posten von mehreren Tausend Wagen vertreten hat, wie gerade Amerika. • Aus Frankreich übersteigen nur drei Fabrikate das erste Tausend, aus Deutschland nur zwei, dagegen finden wir 8 amerikanische Werke, die einen grösseren Abnehmerkreis in unserem Land aufweisen. Den zweiten Rang unter den Amerikanern machen sich eigentlich ex aequo Chevrolet und Chrysler streitig, wobei allerdings nicht zu vergessen ist, dass es sich bei der letzteren Marke grösstenteils um Wagen einer höheren Preisklasse handelt, indem ja der Plymouth- Chrysler, statistisch separat behandelt wird. Mit an der Spitze marschieren nach wie vor Buick und Essex, welche Marken sich immer eines regen Interesses in unserem Lande erfreuten. Abschliessend dürfte noch eine kurze «Rangliste» der meistvertretenen 12 Marken interessieren, wobei wir zur Ergänzung noch die Vergleichszahlen aus dem Jahre 1931 folgen lassen, seit welchem Datum unseres Wissens eine Markenstatistik nicht mehr veröffentlicht wurde: 1934 1931 1. Fiat 10457 1. Fiat 1063? 2. Citroen 5363 2. Citroen 5702 3. Ford 5154 3. Ford 4044 (engl. u. amerikan.) 4. Chevrolet 3357 4. Chrysler 3288 INSERTIONS-PREIS: pie aühtgespaltene 2 mm hotie Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem- Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. • Inseratensehln'ss 4 Tag« vor Erscheinen der Nnmtnenr 1934 5. Chrysler 3265 6. Buick 2728 7. Opel 2595 8. Essex 2234 9. Peugeot 2052 1931 5. Buick 3051 6. Chevrolet 2745 7. Peugeot 1996 8. Renault 1869 9. Essex 1783 10. Renault 1918 10. Nash 1713 11. Nash 1858 11. Opel 1208 12. Mercedes-Benz 1702 12. Whippet 1005 Wir ersehen daraus, dass sich das Stärkeverhäiltnis für die drei meistvertretehen Fabrikate ziemlich das nämliche geblieben ist. Chevrolet ist um einen Platz an die vierte Stelle vorgerückt. Dagegen hat Chrysler seinerseits Buick überholt und-diese Marke auf den 6. Platz verwiesen. Bei Chrysler lässt sich übrigens nicht ohne weiteres ein Vergleich ziehen, da dieser -zu Unrecht zu seinem .Nachteil ausfallen müsste. Im Jahre 1931 wurden nämlich unter Chrysler auch noch die Plymouthwagen, die dazumal freilich noch nicht so zahlreich zirkulierten, zusammengefasst, während seither nun eine separate Rubrizierung für die beiden Fabrikate erfolgt. Einen gewaltigen Sprung nach vorwärts machte Opel, das von 11. Stelle an die 7. aufholte. Ebenso hat Essex eine weitere Stufe erklommen. Dagegen mussten sich die beiden französischen Marken Peugeot und Renault um je zwei Ränge zurückdrängen lassen. Sehr beachtlich ist auch das Vordringen von Mercedes-Benz, das nunmehr zu den zwölf « Grossen » gehört und damit eine Reihe anderer Marken auf hintere Plätze verwies. Es Hesse sich noch manche Interessante Entwicklung oder Kräfteverschiebung aus den Angaben herauslesen, allein die obigen Angaben mögen als Orientierung genügen und gleichzeitig eine Anregung darstellen, das gesammelte Material, das u.a. auch im neuen. Automobil-Adressbueh enthalten ist, eingehender zu studieren. B. Schweizerische Rundschau Schatz ausländischer Landesflaggen. In den wöchentlichen Ausgaben der Offiziellen Clubzeitschrift, des Deutschen Automobil-Club finden sich in den letzten Wochen stete Klagen von Mitgliedern über unangenehme Erlebnisse bei Mitführen der Hakenkreuzflagge im Ausland, wobei allerdings interessanterweise festgestellt werden muss, dass sich diese Klagen ausnahmslos auf die Tschechoslowakei und" — die Schweiz bezogen* Es muss daher wohl als erwiesene Tatsache gelten, dass in den übrigen Ländern eine etwas andere Einstellung Geltung hat und man dort den ausländischen Hoheitszeichen die nötige Achtung entgegenzubringen weiss. In der letzten Nummer der «D.D.A.C.- Wochenschrift > klagt nun aufs neue ein Mitglied über Belästigungen wegen Mitführens der Hakenkreuzflagge in der Schweiz, und F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (17. Fortsetzung) Schon am nächsten Morgen hatte sich unter den Bekannten des Hauses die Nachricht verbreitet, dass bei Direktor Buchsbaums der Sohn angekommen sei. Und nun folgte ein Besucher nach dem andern, um Bux zu begrüssen. Mancher alte Patient von ihm war darunter, denn er hatte ja in Nördlingen eine Zeitlang seine ärztliche Praxis ausgeübt. Alle nannten ihn hier .Herr Doktor', was auf Cilly einen tiefen Eindruck machte; denn sie hatte ihn bisher nie anders als ,Herr Bux', »Mister Bux' oder einfach ,Bux' nennen hören. Am Nachmittag fragte Cilly: «Onkel Bux, darf ich ein bisschen weggehen? Wir wollen Polizei und Räuber spielen!» «Wir? Wen meinst du denn damit?» Und es stellte sich heraus, dass Cilly bereits mit sämtlichen Nachbarskindern Bekanntschaft geschlossen hatte. Natürlich erlaubte es Bux. Jubelnd empfing eine ganze Rotte von Buben und Mädeln die