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E_1934_Zeitung_Nr.071

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 - Reifen nicht gerade billig sind, kann auch im Geldbeutel ein hübsches Loch entstehen. Wenn man das vermeiden will, mache man beim Festschrauben der Radmuttern eine Ausnahme von 4er sonst gültigen Regel und rufe sich zu: bitte — nicht der Reihe nach! Gewissenhafte Instandhaltung der Bremsen. Mehr als jedes andere Organ des Automobils verlangen die Bremseinrichtungen eine laufende Pflege und Ueberwachung. Stets muss die Bremswirkung so ausreichend sein, dass der Wagen in Fällen der Gefahr auf kürzeste Entfernung zum Stillstand gebracht werden kann. Die Bremskraft muss sich gleichmässig auf alle vier Räder verteilen. Ihr Wirkung wird unzureichend, sobald sich der Bremsbelag übermässig abgenutzt hat und damit ein grösserer Leerweg des Bremspedals entsteht. Neben der Einregulierung der Bremsen auf gleiehmässige Wirkung muss der Automobilist deshalb auch darauf bedacht sein, dass der Reibungswert des Belags stets in unverminderter Weise erhalten wird. Zu diesem Zweck sind die Bremsen von Zeit zu Zeit nachzustellen. Wer die Bremsen nicht über Gebühr oft betätigt, wird sich darauf beschränken können, nach jeweils 3000 km eine Nachstellung vorzunehmen. Er sichert sich damit die Oewissheit, vor Ueberraschungen bei plötzlich auftretender Gefahr geschützt zu sein. Die Einstellung der Bremsen muss bei aufgebocktem Wagen so erfolgen, dass die gleiehmässige Vollbremsung aller Räder bereits erreicht wird, wenn das Bremspedal zu etwa zwei Dritteln durchgetreten ist. Auf diese Weise wird ein letztes Drittel des Pedalweges als Reserve für die Abnutzung des Bremsbelags sichergestellt. Wer sieh nicht zutraut, die Nachstellvorrichtung selbst mit hundertprozentigem Erfolg betätigen zu können, hat die Pflicht, die laufende •Ueberwachung der Bremsen einer Werkstatt zu übertragen. In jedem Falle muss der Fachmann in Anspruch genommen werden, wenn der Bremsbelag verbraucht ist. Die Erneuerung des Belages ist nach etwa 20 000 Fahrtkilometern geboten. Die Auswechslung kann aber auch schon früher notwendig werden, nämlich dann, wenn Oel in die Bremstrommel eingedrungen ist und dadurch die Bremswirkung bis zu einem gewissen Grade aufgehoben wird. Massige die Geschwindigkeit in Ortschaften und bei Strassenkreuzungen. Beachte bei letzteren die Verkehrsvorschriften! Tethn. *•» Antwort 9154. Kleine Autoheber. Zuschrift weitergeleitet. Red. II. Antwort 9158. Automatische Kupplung. Zuschrift weitergeleitet. Red. Fraqe 9169. Benzinniveau Im Veraaser. Wie hoch soll das Benzin im Schwimmergehäuse des Vergasers stehen? Welches sind die Folgen eines zu hohen und eines zu niedrigen Niveaus? M. W in W. Antwort: Bei waagrecht liegendem Vergaser soll das Benzin im Schwimmergehäuse so hoch stehen, dass sein Spiegel 2—3 mm unter dem oberen Rand der Arbeitsdüse liegt. Ist das Niveau höher, so besteht die Möglichkeit, dass Benzin aus der Düse ausfliesst, wenn der Wagen einmal auf der Seite einer stark gewölbten Strasse parkiert wird. Ist es zu niedrig, so wird die Gemischbildung besonders bei langsamem Lauf des Motors erschwert. Der Motor lässt sich dann Schwierigkeiten in Gang setzen oder erbleibt, wenn man. ihn aus dem Leerlauf beschleunigen will, gerne wieder stehen. Frage 9170. Verschmutzte Zündkerzen-Gewinde. Uae Hinein- und Herausschrauben der Zündkerzen macht bei meinem Motor immer grössere Schwierigkeiten, da die Innengewinde am Motor mit einer pechartigen Rußschicht verschmutzt sind, die nach und nach immer dicker und störender wird. Wie kann dem Uebelstand abgeholfen werden? E. E. in M. Antwort: Ein einfaches Instrument zur Reinigung der Gewindegänge können Sie sich anfertigen, indem eine alte Zündkerze an ihrem Gewindeteil mit 1—12 Längsnuten versehen wird. Dreht man dann diese Kerze einige Male im Gewinde einwärts und auswärts, so sammelt sich der Schmutz der Gewindegänge in den Längsnuten an und kann leicht entfernt werden. Zur Erleichterung der Arbeit werden die Kerze und das Gewindfl vorher mit Petrol — besser noch mit «Lubarit» — bepinselt. Ein anderes Verfahren, das allerdings mehr Zeit in Anspruch nimmt, besteht darin, die Gewindegänge mit einer Drahtbürste, ebenfalls wieder unter Zuhilfenahme von Petrol oder «Lubarit», sauber zu reiben. Damit die einzelnen Borsten in die Gewindegänge eintreten können, muss die Bürste natürlich nicht hin und her, sondern ringsum be-wegt werden. Um einer neuen Verschmutzung der Gewindegänge vorzubeugen, müssen die Zündkerzen lang genug gewählt und mit einem gut abdichtenden Dichtungsring versehen werden. Zudem empfiehlt es sich, die Gewindegänge von Zeit zu Zeit immer mit etwas Graphitpulver einzureiben. -at- Frage 9171. Sich verklemmender Anlasser. Unter mehreren Malen hat sich bei meinem Wagen schon der Anlasser verklemmt. Um wieder flott zu werden, musste dann der Wagen vor- und rückwärts geschoben werden. Lässt sich der Uebelstand auf keine Art endgültig beseitigen? E. R. in.Z. Antwort: Besonders bei älteren Anlasser- Konstruktionen war ein derartiges Verklemmen nicht selten zu beobachten. Seinen Grund hatte ;es meist darin, dass der Anlasser zu wenig starr 4 eingebaut war oder dass die Ritzelwelle zu ein Lastwagen in seinem Wohnortskanton statt für schwach war, etwas nachgeben konnte und das2Ü t nur noch für 1 t zugelassen wird. Durch Ritzel dann auf die Verzahnung aufsteigen Hess. Verabredung oder stillschweigende Willensübereinstimmung der Parteien kann aber dieses Risiko Selbst bei manchen modernen Konstruktionen kann es aber zu Verklemmungen kommen, was beweist, dem Verkäufer Überbunden werden. Dieser kann, dass man auch theoretisch die Sachlage noch nicht ausdrücklich oder stillschweigend, zusichern, der vollständig beherrscht. Um das Flottmachen des vielleicht nur mit Anlassers zu erleichtern, versehen mehrere Fabrikanten ihre Anlasser am rückwärtigen Wellen- Ende mit einem Vierkant. Durch Drehen der Anlasserwelle mittels eines -passenden Schlüssels lässt sich dann das verklemmte Ritzel wieder lösen. Ist keine solche Möglichkeit zum Drehen der Welle vorgesehen, so bleibt allerdings nichts anderes übrig, als das abwechslungsweise Hin- und Herschieben des Wagens oder gar das Lösen des ganzen Anlassers von seiner Grundplatte. «»• Anfrage 443. Wertminderunn durch Gewichtsbeschränkung. Mein Kollege B. kaufte von derSie am besten tun, einen Anwalt mit der Sache zu des Prozessausganges, die Klage wagen, so werden Firma F einen Lastwagen zum Preise von 4000 Fr., beauftrag"" • bezahlte 3500 in bar und hat nun nooh eine Rate von 500 Fr. zu entrichten. Der Wagen war gelaufen in Basel-Land und dort laut Verkehrsbewil- Bfidievl seh ligung für 2K t Tragkraft abgenommen worden. Lehrbuch der Auto-Fahrtechnik, von Walter. B. hatte den Wagen gekauft mit dem guten Glauben, jetzt nun einen 2%-WW&gen für sein Trans- Verlegers. 104 Seiten. Preis in Leinwand gebun- Aep-pli, Autofachlehrer, Zürich. Selbstverlag des portunternehmen zu besitzen. Da B. in Basel- den Fr. 6.— Stadt wohnt, musste der Wagen nochmals zur Prü- Das Lehrbuch enthält alles Wissenswerte, was fung geführt werden. Obwohl am Wagen nachweisbar nichts geändert wurde, ist er in Basel- Stadt nur noch für eine Tonne Tragkraft abgenommen worden. Natürlich ist dadurch B. schwer im Nachteil, da «r doch laut Kaufvertrag einen 2/4-t- Wagen gekauft hatte und jetzt mit dem 1-t-Wagen lange nicht das herauswirtschaften kann, da der das hei der Führerprüfung verlangt wird. Aehnliche deutschsprachige Lehrbücher haben bis jetzt Wagen für 2% t zu hoch bezahlt gewesen wäre. wohl schon bestanden, waren aber immer fast ausschliesslich auf deutsche Verhältnisse und deut- Muss nun B. diese Differenz von Seiten der beiden Prüfungsexperten ohne weiteres annehmen und ist sche Gesetzesbestimmungen zugeschnitten. Dag er zudem noch verpflichtet, an die Firma F. dieLehrbuch von Walter AeppH dagegen nimmt speziell auf die schweizerischen und internationalen,- nooh ausstehenden 500 Fr. zu bezahlen? H. W. in B. gesetzlichen Bestimmungen Rücksicht. Es behan< delt die Vorschriften über die Zulassung zumVer-* Antwort: Es ist unmöglich, Ihre Frage ein- kehr, die fahrtechnischen Regeln für den Fahr- deutig zu beantworten. Die Beurteilung hängt weitgehend vom Ermessen des Richters ab, da es eich im wesentlichen um Auslegung des Kaufvertrages und Feststellung des mutmasslichen Parteiwillens handelt. Es ist auch noch nie ein ähnlicher Fall zur Entscheidung gekommen. Der Fahrzeugausweis wird von dem Kanton NO 71 ausgestellt, in dem das Fahrzeug seinen Standort hat. Sind die angewandten Prüfungsmethoden verschieden, so können natürlich die Prüfungsergebnisse in verschiedenen Kantonen eventuell erheblich voneinander abweichen. Es besteht daher die Möglichkeit, dass ein Wagen an einem neuen Standort nicht mehr zu denselben Bedingungen zugelassen wird, zu denen er früher zugelassen war. Damit kann der Wert eines Wagens bedeutend vermindert werden. Beim Kauf fragt es sich nun, ob Käufer oder Verkäufer dieses Risiko einer event. Wertverminderung zu tragen haben. Im allgemeinen geht die Gefahr einer Wertverminderung der Kaufsache mit Abschluss des Vertrages auf den Käufer über. Er hätte also den Schaden zu tragen, der ihm daraus erwächst, dass Wagen werde überall für 2M t Tragkraft abgenommen werden. Erfüllt sich diese Zusicherung nicht, gleichgültig ob ihn dafür ein Verschulden treffe, so haftet er für dem Käufer entstehenden Schaden. Es wird nun sehr schwierig sein festzustellen, ob der Wagen verkauft wurde, so wie er war, d. h. im Kanton Basel-Land für 2/4 t zugelassen, oder ob die Garantie übernommen wurde, dass er auch in Basel-Stadt für 2% t werde zugelassen werden. Wenn sich darüber aus dem Kaufvertrag nichts Klares ergibt, so hängt alles vom Ermessen des Richters ab. Wir raten Ihnen, dem Verkäufer von der Wertverminderung des Wagens sofort Mitteilung zu machen und die 500 Fr vorläufig- zurückzubehalten. Sollte dann der Verkäufer, trotz der Unsicherheit ein junger Fahrer in knapper Form vom Auto und den Verkehrsregeln wissen muss. Es ist speziell für Fahrschüler geschrieben und nimmt in seinem dritten Teil, dessen Text in Form von Fragen und Antworten gehalten ist, Rücksicht auf das Wissen, schüler, Verkehrsregeln, Kantonszeichen, Verkehrssignale, die internationalen Landeszeichen, Fahrvorschriften in den verschiedenen Ländern, die Praxis des Autofahrens, den Aufbau des Automobils in seinen Grundzügen, um zum Schluss, wie bereits erwähnt, auf das speziell bei der Führerprüfung verlangte Wissen einzugehen. Alle Schweissarbeiten Volle Garantie fOr verzugsfreie Reparatur verriebener Zylinder, sodass die bisherigen Kolben, Ringe und Bolzen beibehalten werden können. Kurze Lieferfrist. Elektro-Autogen-Schweisserei. Schweissen von Aluminium- Gehäusen und Grauguss. E. Briegel, Zürich-Altstetten vorm. G. H. Schmidt & Co. 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Bern, Freitag, 31. August 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 71 Abschied vom Grand Prix: Miniatur-Reportage Von Peter Pee. Diese Reportage wurde an den Rand der Seiten der Startliste des Grand Prix in Bern stenographiert. Endlich habe ich einen Platz. War gar nicht so einfach. Ueberall so furchtbar viele Menschen. Man sieht den Zaun nicht mehr, nur noch einen Menschenzaun. Das Billett habe ich auf den Hut gesteckt, die Organisation ist ebenso fabelhaft wie leider aufmerksam. Beinahe hätte ich mich auf die Tribüne verirrt — jetzt stehe ich am Waldrand. Schmutzig ist's. Meine Hosenränder sind dick beklekert und die Schuhe sehen verböten aus. Der Boden ist total weich, vom Regen aufgeweicht. Aber die Strecke sieht trocken aus. Hö, macht mal Platz! Rechts vor mir ein Mann, so in den Vierzigern. Netter Bürgerstand, mit Schirm bewaffnet. Links vor mir eine Frau. Man kann sie mit drall bezeichnen, obwohl sie nicht dick ist. Sie schaut mit blitzenden Augen herum, meistens auf die schräg gegenüberliegende Tribüne und scheint nicht sonderlich zufrieden zu sein. Dabei steht sie dicht am Zaun — bester Platz. Mit der Zeit werde ich mich mal zwischen die beiden klemmen. Kleines Ellbogenrecht und zweimal «Verzeihung>, dann wird's schon gehen. Halt. Sie reden miteinander. Sie gehören zueinander. Mann und Frau. Warum stehen ^e denn nicht dicht nebeneinander? Hat wohl Streit gegeben? Richtig: Sie: «Wenn ich mir eine Lungenentzündung hole, bist du daran schuld!» Er: «Aber gern, Schatz!» Maliziöses Lächeln. Sie schiebt die Unterlippe vor und blickt auf die komplett beschmutzten schwarzen Strassenschühchen. Murmelt: «Eine Gemeinheit!» Er: «Was denn? Was denn?» Sie: «Mich hier herauszuschleppen, wo mich sowas gar nicht interessiert. Eine Gemeinheit, sozusagen eine Rücksichtslosigkeit!» Sie weicht vor Wut nach links — ich kann mich sanft vordrängen. Ein energischer Stoss des Gatten gegen mich, ein Vorstoss gegen sie: Er: «Du wirst's nicht bereuen, Schatz. Es fängt gleich an.» ^iSie: «Ja, der Regen. Dann spannt man ichirme auf, dann fahren sie überhaupt nicht, dann wird noch mein Rock ruiniert und bis du mir das Geld...» Er: «Da, da, sie kommen an den Start!» Das Ehepaar drückt sich zusammen. Ich blinzle, auf den Zehen stehend, zwischen dem Regen-Filzhut und einem drolligen Strohhütchen Richtung Startplatz. Die winzige Schleife, Rosaband, stört gewaltig. Ich blase sie nieder. Sie: «Fahren alle zu gleicher Zeit los?» Dumpfes Beifallsgetöse, beinahe erdrückt vom Lärm der rasenden Motoren und dann das unaussprechliche Gefühl: Sie kommen. Es presst gegen die Brust, es läuft kalt den Rücken herunter, es verschlägt den Atem, es weitet die Augen — toll gewordene Energie — da sind sie, da, — jetzt — zwei nebeneinander — dann einer — dann gleich drei, ganz dicht — der Rest, brüllend, tobend, Gefühle zerschmetternd — und schliesslich noch einer, allein — der Motor pfupft —setzt aus — springt wieder an — jetzt — da saust er den andern nach. Sie hat sich an seinem Arm gehalten und muss tüchtig zugepackt haben. Er reibt sich die Stelle und lacht. Sie: «Ist ja phantastisch. Du! Warum machen sie denn einen solchen Lärm?» Er: «Es sind alles über hundertpferdige Motoren.» Sie: «Ueber hundert Pferde? In jedem Wagen soviel wie an einem Rossmarkt?» Er: «Na, viel mehr. Und jetzt kommt's nur auf die Taktik an.» Sie: «Auf was?» Er: «Auf die Taktik, auf die Fahrkunst.» Sie: «Fahren ist doch keine Kunst. Tante Elsa zum Beispiel hat die letzte Woche doch die Fahrprüfung gemacht, ich bitte dich, eine alte Frau von über 50 Jahren...» Er: «42 ist sie.» Sie: «Also beinahe 50.» Sie rücken beleidigt auseinander. Ich klemme wieder ein bisschen. Die ganze Tribüne schaut auf die Strecke. Sie kommen wieder — sie kommen wieder — Er: «Nun pass genau auf, wer der Erste ist.» Da sind sie. Nr. 6 und auf den Fersen Nr. 28 — dieses mörderische Tempo — sie können's doch in den Kurven nicht halten — wenn die Bremse versagen würde — und wieder ein Wagen und noch ein paar — das Feld hat sich bereits auseinandergezogen. Er: «Hast du nun gesehen, wer der Erste war?» «Sie: «Ja, aber ich kenne den Herrn nicht. Hat er nun das Rennen gewonnen?» Er: (leise aber zischend): «Bist wohl verrückt? Frag' doch nicht solche Dummheiten! Die müssen doch mindestens ein paar hundert Runden fahren und nicht nur eine einzige.» Sie (laut und unbekümmert): «Ist denn die Strecke rund?» Er, schwört brummend: «Niiie mehr eine Frau an einen Grand Prix nehmen!» Soll ich sie aufklären? Soll ich ihm sagen, dass sich das Rennen nicht um mindestens ein paar hundert Runden, sondern um exakt 70 Runden handelt, soll ich beiden erzählen, dass das bereits einer Strecke von über 500 km entspricht? Nein, es hat keinen Zweck und schliesslich sind solche Details auch Nebensache. Die Rosa-Bandschleife auf dem Strohhütchen macht sich wieder frech. Ich blase sie um. Er stochert mit dem Schirm in den Boden: «Nr. 6 ist imstande und drückt den Rekord.» Sie: «Was soll der drücken?» Er: «Den Rekord, Schatz, die beste Fahrzeit. Das ist also...» Sie: «Du brauchst das gar nicht zu erklären. So dumm bin ich nicht. Aber wie kann man eine Zeit drücken?» Er antwortet nicht, sondern schiebt sich ein Stückchen weg und ich schiebe mich wieder nach vorne. Die kleine Frau ist erneut mit ihren Schuhen beschäftigt. Sie bemüht sich, mit dem einen Absatz den andern zu säubern. Eine schwierige Balance-Aufgabe. Zwischendurch pfeifen die Rennwagen vorbei. In grauenhaftem Tempo — mal einer, mal ein paar und — da, da sind die beiden wieder, Nr. 6 und 20 — immer führt 6 — der Fahrer sitzt mit eingezogenen Schultern in unheimlicher Ruhe hinter dem Steuer — der andere hat gelacht, man hat kurz seine Zähne gesehen — oder hat er nur den Mund verzogen — Er: «Der steht aufs Gas! Der zieht los!» Sie: «Jetzt bist du wohl blöde geworden? Wie kann ein Mensch auf Gas stehen?» Er: «Frag' doch mal, ob wir jetzt an einem Kinderfest sind oder an einem Pferderennen?» Allseitig beleidigte Mienen. Mein Platz zwischen ihnen ist so gut wie erobert. Nur darf ich die Arme nicht seitlich des Körpers halten. Ich werde über-sprochen. Sie: «Hat wohl der Nr. 6 eine Frau, die zuschaut?» Er: «Wenn er gescheit ist, ist er überhaupt nicht verheiratet. Und wenn er verheiratet ist, wird er seiner Frau bestimmt überflüssige Fragen verboten haben. Wieso überhaupt?» Sie: «Nun, die weisse Mütze, die er trägt, ist, glaub' ich, handgenäht.» Er (halblaut verzweifelt): «Sie sieht sich die Mützen an! Und dafür hat man einen Eintritt bezahlt!!» Das Rennen wickelt sich programmässig ab. Aufregungen — ist ein Unfall geschehen? — Leute rennen — Sanität — ein Arzt — da noch einer — eine Tragbahre — nein, ist nichts — Zündkerzenwechsel und immer wieder vorübersausende, rasende Boliden — Zwischenhalt — tanken — Sie: «Er verschüttet! Das waren mindestens 2^ Liter. Soviel Geld auf die Strasse zu werfen! Na, dem wird's seine Frau auch sagen, zu Hause dann, heute abend!!» — Und weiter — weiter — gesteigerter Lärm — gesteigerte Geschwindigkeit — Spannung — Spannung — letzte Runde und letzter Kampf von Nr. 6 und Nr. 4 Nr. 6 hat gewonnen! 6. Hurra, Es war ausgeschlossen, die letzten Phasen des Rennens nachzustenographieren. Einesteils liess mir die Nervosität, die jeden Rennbesucher gegen Schluss des Kampfes beherrscht, nicht die notwendige Ruhe, um in Müsse und geniesserisch die Miniatur-Reportage nachzuführen. Anderseits jedoch veränderte sich das Bild der beiden Akteure — Mann und Frau — plötzlich gewaltig: Die Spannung hatte auch sie ergriffen. Mich schob man kurzerhand zurück, wodurch der Platz links neben der Frau frei wurde. Und dann gings los, mit entzückenden kleinen Jubelrufen, mit wilden energischen Gesten, mit Gepuff und Gekneif und während der allerletzten Runde erhielt ich Die Insel Von Otto Michel. Kamerad komm! Lass uns hinaussteuern in die glänzende Flut! Der See ist ganz in die Glut der Sonne getaucht. Kein Wind stört die Fahrt. Unser Boot schwebt über der leuchtenden Tiefe. Kleine Wellen kräuseln sich am Kiel. Alle Schwere ist von uns gewichen, wir sind in die schwebende Leichtigkeit des heiteren Tages eingesponnen. Morgen wird man wieder mit Forderungen an uns herantreten, heute heisst sie: das Segel der Phantasie hissen und in die blaue Unendlichkeit treiben. Das Ufer entschwindet immer mehr. Die Türme d.er Stadt versinken, das Geräusch verstummt. Der Horizont vor uns ist glatt. Aber bald erscheinen Spitzen, dann Astwerk und dann die vom Lichte vergoldeten Stämme. Eine Insel steigt aus den Wassern, verlockend! Wir wenden unser Fahrzeug dorthin. Nach kurzer Zeit hat unser Boot das mit Röhricht umstandene Ufer erreicht. Nun schlürft der Kahn hindurch, und wir werden vom Blütenstaub besprengt. Wie wir am Lande ankommen, empfängt uns ein Chor munterer Vögel. Im Rücken den flammenden See, vor uns das frische Grün des Waldes, schreiten wir voran. Aber bald blickst du ins Moos, wo sich eine schillernde Eidechse zeigt und rasch wieder verschwindet, bald deutest du, mein Freund, auf die aus dem Dickicht auf schiessenden Wasservögel. Und nun plaudern wir beiden von Blumen und Tieren und vom verlorenen Paradies. Der Wald umfängt uns immer inniger. Längst entschwand dem rückwärts schauenden Auge der See. Eine Lichtung lädt zur Rast ein. Wie wir so im Grase liegen, dem Spiel der Falter zusehen, dem bunten Leben der Käfer lauschen und dem stummen Sein der Gräser, ist's uns, als zöge der alte Pan mit seiner Flöte durch die blühende Stunde. Ungetrübte, dauernde Freude ist jedoch auch uns nicht beschieden. Aus der Ferne schweben Glockentöne herüber. Die Sonne nimmt Abschied. Wie wir nun zum Ufer der Insel schreiten, unter Lachen und muntern Gesprächen, fragst du plötzlich: «Wann werden wir die nächste Reise zur Insel der Träume antreten?» Ich schaue dir fest ins Antlitz. Es ist dein Ernst. Aber ich vermag dir nicht zu antworten. Du ergreifst meine Rechte und hältst sie umschlungen. Irgendwo pfeift ein Totenvogel, doch sein Gesang wird übertönt vom Freudenruf der anderen, munteren Stimmen. mehrere unbeabsichtigte Rippenstösse. Die Frau stand keinen Moment mehr ruhig. Sie stampfte ihre feinen Stadt-Schühchen in den Schmutz, trat in Pfützen, dass die Strümpfe WURST- « muccnUCMCiQUi« nTTn DliccnnniKu F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendori. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) «Auf neun bis zehn Monate rechne ich schon», warf Bux ein. Frau Buxbaum sandte ihrem Sohn einen fragenden Blick zu, mit einer unmerklichen Neigung nach Cilly hin; und der Sohn nickte beistimmend. Und unsere kleine Cilly», fuhr Frau Buchsbaum fort, die bleibt dann so lange bei uns. Wo sie doch jetzt schon so gute Bekannte hier gefunden, wird's ihr sicher hier gefallen — gelt?» Cilly lächelte etwas verlegen. Sie hielt die Einladung für einen Scherz und wusste nicht recht, wie sie antworten sollte, ohne unhöflich u sein. «Ja, Cilly bleibt bei euch!» stimmte Bux seiner Mutter bei. «Und sie wird schön brav sein und einsehen, dass ihr Onkel Bux recht hat. Nicht wahr, mein Kerlchen?» Aber ihm war butterweich ums Herz, als er das sagte. Der Gedanke, sich plötzlich von Cilly zu trennen, schien ihm mit einmal unerträglich. Sie war ihm in diesen vielen Monaten so sehr ans Herz gewachsen, als ob sie sein eigenes Kind sei. Cilly war vor Schreck blass geworden, denn nun merkte sie, dass es sich bei diesem Plan keineswegs um einen Scherz handelte. Sie rührte kein Glied und starrte vor sich auf den Teller. Alle blickten gespannt auf sie. Bux bemerkte, dass ihre Lippen wie unter verhaltenem Weinen zitterten. Und dann brach plötzlich der ganze leidenschaftliche Schmerz hervor. Sie sprang auf und warf sich wild aufschluchzend an seinen Hals. Da war's um die sonst unbeugsame Energie von Willy Bux geschehen: «Aber Cillychen, was ist denn?» Er streichelte zärtlich ihren rotblonden Pagenkapf. «Magst nicht hierbleiben — nein?» Cilly schüttelte unter Schluchzen den Kopf. Von ihrem Gesicht war nichts zu sehen. Sie hatte es an seiner Brust versteckt. «Willst du mit nach Spanien?» Sie nickte heftig: «Ich... will... bei dir...» Die Tränen erstickten ihre Stimme. «Gut, Cilly!» sagte Bux erleichtert. «Du bleibst also bei mir. Aber nun hör auf zu weinen und antworte ruhig auf meine Fragen. — Du bist jetzt bald vierzehn Jahre alt und kein dummes Kindchen mehr. Vielleicht entscheidet sich jetzt in diesem Augenblick dein ganzes ferneres Leben. Ueberlege also gut! — Was willst du in Spanien machen? Bloss in der Welt umherreisen ist kein Lebenszweck — nicht wahr?» Cilly kämpfte gewaltsam die letzten Schluchzer nieder, hob den Kopf und sagte: «Ich will ... arbeiten.» «Im Zirkus?» «Ja.» «Was aber? Nur ein bisschen auf dem Panneau rumhüpfen? Ein paar Flicflacs machen? Das machen viele — das gibt keine Nummer. Wenn du schon Artistin werden willst, muss es etwas Besonderes sein.» «Ich will mit Tieren arbeiten.» «Mit was für Tieren? Meine Tiere brauche ich für meine Nummer. Noch mehr Tiere können wir nicht anschaffen; sonst geht die ganze Gage drauf. Es ist schon so ungeheuer, was ich für Spesen habe.» «Dann will ich die Nummer von Papa und Mama neu 'rausbringen — den Radfahrakt auf dem Hochseil», erklärte Cilly, als handle es sich um die natürlichste Sache von der Welt. Ein .Privater', der das Schicksal von Cillys Eltern gekannt, wäre wohl durch diese Erklärung in Staunen versetzt worden: wäh- rend er sich keineswegs gewundert hätte, von einem jungen Menschen, dessen Vater im Krieg gefallen, zu vernehmen, dass er Offizier werden wolle. Für Zirkusleute, wie Bux und seine Eltern, lag hier also kein Grund zur Verwunderung vor. Dennoch erklärte Bux: «Nein, Cilly, das erlaube ich nicht. Eher würde ich dich noch Herrn Montez' Tigergruppe vorführen lassen! — Nun, die Frage des Faches werden wir heute doch nicht entscheiden. Kurz: du willst absolut Artistin werden. Also, in Gottes Namen!» In M. trafen Bux und alle Artisten und Angestellten des Zirkus Kreno in bester Stimmung an. Man war nun wieder für viele Monate aller Sorgen um Engagement und Gage enthoben! Nach einer fast ununterbrochenen Arbeit von achtundvierzig Stunden war Zirkus Kreno reisefertig. Pünktlich am 10. November abends gingen die drei Zöge ab. Am Mittag des folgenden Tages wurde in Kehl die Grenze erreicht. Bux fuhr diesmal mit dem ersten Zug. Als er mit Cilly in der langen Reihe zur Passkontrolle anstand, dachte er wieder an (Fortsetzung auf Seite 16J