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E_1934_Zeitung_Nr.073

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BERN, Freitag, 7. September 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 73 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraibiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag nnd Freitag Monatlich „Gelb* Liste** Anigube A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geeignete Massnahmen für die Verkehrssicherheit. Anlässhch des zur Zeit in München stattfindenden 7. internationalen Strassenkonsresses wurde auch über obiges Thema ein Generalbericht erstattet. Den darin enthaltenen Ausführungen des Verfassers, Oberregierungsrat Heink, seien nachfolgende Gedanken entnommen: Der Verkehrssicherheit wird in allen Staaten eine immer steigende Sorgfalt gewidmet, deren Erfolg jedoch noch nicht allenthalben befriedigt. Wenn sich auch eine volle Verkehrssicherheit, d. h. die dauernde Ausschaltung jeder Unfallmöglichkeit im Verkehr, niemals erzielen lassen wird, ohne den Verkehr überhaupt lahmzulegen, so muss doch durch die zu treffenden Massnahmen erreicht werden, allen am Verkehr Beteiligten die grösstmögliche Ausnutzung der benutzten technischen Mittel zu gewährleisten, '•>hne die Unfallgefahr für die Beteiligten über ein erträgliches Mass hinaus zu steigern. Die zu treffenden Massnahmen müssen sich erstrecken auf 1. die Strassen, 2. die Fahrzeuge, 3. die Fahrzeugführer, 4. die Verkehrsregelung und 5. die Erziehung zur Verkehrsdisziplin. Die geeignetste Grundlage für die Art der zu wählenden Massnahmen bietet eine genaue statistische Erfassung des Verkehrs, der Verkehrsunfälle und deren Ursache. I. Die Strasse. Für die Verkehrssicherheit ist ausser dem Zustand der Strasse, der bei der noch immer steigenden Geschwindigkeit der Motorfahrzeuge immer grössere Bedeutung erhält, die Anlage der Strasse besonders wichtig. Auf gute Uebersicht, insbesondere an Kreuzungen und Krümmungen, richtiges Querprofil mit Ueberhöhung in den Kurven, auf flache Scheitel und klare Randbezeichnunigen sowie Radfahr- und Fusswege an beiden Strassenseiten muss noch mehr Sorgfalt verwendet werden als bisher. Darüber hinaus muss in den Städten auf die Freihaltung des für die Verkehrsabwicklung benötigten Geländes vorausschauend Bedacht genommen werden. Durch Bebauungspläne oder sonstige gesetzliche Regelung sind weite Baufluchtlmienabstände, Gliederung der Strassen in solche für grossen und kleinen Verkehr, getrennte Fahrbahnen für die verschiedenen Verkehrsmittel, sowie besondere Flächen — sei es über oder unter der Erde — als Parkplätze vorzusehen. Die Zahl der Kreuzungen lässt sich dadurch vermindern, dass der Verkehr aus F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (19. Fortsetzung) In dem Bruchteil einer Sekunde waren alle diese trüben Zukunftsbilder vor seinem Geist aufgetaucht. •Oh, Benson! That's you! — you damned scoundrel!» stiess er hervor und fühlte, wie ihm der Jähzorn fast die Besinnung raubte. Auch Jack Benson hatte jetzt seinen alten Gegner erkannt. Ein jäher Schreck fuhr ihm in die Glieder und eine unerklärliche Ahnung, dass jetzt sein letztes Stündchen geschlagen habe — ihm selbst um so unerklärlicher, als er ja seit anderthalb Jahren keinerlei Streit mehr mit Bux gehabt und auch keine Ahnung hatte von dem, was sich am Mittag auf dem Bahnhof in Breisach ereignet. In irrsinniger Todesangst, mit schlotternden Knien, die ihm fast den Dienst versagten, wandte sich Benson zur Flucht. Die Rangierlokomotive stiess jetzt einen heulenden Pfiff aus, — so laut und andauernd, dass niemand die entsetzlichen Schreie hörte, die ein Mann in die Nacht hinausbrüllte. Gegen halb sechs Uhr — es war noch I Verkehrsprobleme mehreren Häuserblocks zunächst auf Zubringerstrassen gesammelt und nur an wenigen Stellen in die Hauptverkehrsader eingeleitet wird. Die damit verbundenen Umwege fallen gegenüber der hierdurch erzielbaren Sicherheit nicht ins Gewicht. 2. Fahrzeuge. a) Die amtliche Prüfung der von motorischer Kraft betriebenen Fahrzeuge vor ihrer Zulassung auf öffentlichen Wegen wird allgemein als nötig anerkannt. Eine periodische Kontrolle der im öffentlichen Verkehr eingesetzten Verkehrsmittel (elektrische Bahnen, Omnibusse) hinsichtlich ihrer fortdauernden Eignung für diesen Verkehr hat sich bewährt und wird auch für schwere Lastzüge emofohlen. Für die übrigen Fahrzeuge genügen durch Gesetz oder Verordnung festgelegte allgemeine Sicherheitsvorschriften, deren Befolgung von der Verkehrspolizei überwacht werden muss. b) Beschränkungen des Gewichts und der Abmessungen der Fahrzeuge und deren Ladung und des Ueberhanges nach hinten, sind unentbehrlich, dürfen aber der gesunden Fortentwicklung der Verkehrsmittel nicht hinderlich werden. Beschränkungen, die im Hinblick auf die Breite der Strassen oder zum Schütze der Strassen nötig sind, sollten durch beschleunigte Anpassung der Strassen an den Verkehr entbehrlich gemacht werden. c) Ausreichende Beleuchtung aller Fahrzeuge bei Nacht — vorn weisse, hinten rote Lampen — bis herab zum kleinen Handwagen ist erforderlich. Die Beleuchtung der Motorfahrzeuge muss so beschaffen sein, dass sie den Querschnitt der Fahrzeuge deutlich erkennen lässt. Bei Radfahrern und nicht mit motorischer Kraft betriebenen Fahrzeugen genfisrt als hintere Beleuchtung ein wirksamer Rückstrahler. Die durch die Scheinwerfer verursachte Blendung bleibt immer eine grosse Gefahrenquelle. Bis zur Erfindung blendungsfreier Scheinwerfer müssen die Beleuchtungsanparate in bestimmten Zwischenräumen durch die Strassenpolizei mit Unterstützung von Fachleuten auf ihre richtige Ausführung und Einstellung kontrolliert werden. Der allgemeine Gebrauch der gelben Lichter für die Scheinwerfer würde bereits einen sehr erfreulichen Fortschritt bedeuten. 3. FahrzeuRiührer. Durch gesetzliche Bestimmungen muss dafür gesorgt sein, dass nur solche Personen dunkle Nacht — hielt der Zug wieder. Schon wenige Minuten später wurde an das Fenster von Buxens Wohnwagen geklopft. Er öffnete sofort, sah Inspektor Friedenthal mit zwei Männern stehen und fragte: «Was ist los, Friedenthal? Wo sind wir denn?» «Schon am Ziel — in M — Hier sind zwei Herren von der Polizei, die dich sprechen wollen. Wat is denn da los, Mensch?» «San Sie der Herr Willibald Buchsbaum?» fragte einer der Beamten in ganz gemütlichem Ton. «Jawohl. Sie wünschen?» «Wir müssen Sie leider verhaften.» «Hab ich mir schon gedacht. Ich bin bereits angezogen. Warten Sie einen Augenblick!» Bux schloss das Fenster wieder und machte einen Schritt nach dem Schlafkabinett Cillys zu. Aber dann besann er sich anders: Vielleicht würde er sie wochenlang, jahrelang, vielleicht überhaupt nicht wiedersehen! Wer weiss, was nun alles passieren konnte! Nein, da war es besser, ganz ohne Abschied zu gehen — seinetwegen und des Kindes wegen. — Er zog seinen Mantel an, setzte den Hut auf, verliess ohne Zögern den Wohnwagen und sprang auf den spärlich erleuchteten Güterbahnsteig hinunter. Fahrzeuge lenken und bedienen dürfen, die den nach der Fahrzeugart verschieden hohen Anforderungen körperlich und geistig gewachsen sind. Allgemein gültige Bestimmungen darüber, welche Anforderungen an Alter, Körper, Geist und Kenntnisse der Fahrzeugführer und -begleiter bei den einzelnen Fahrzeugarten zu stellen sind, lassen sich nicht geben, weil die Verhältnisse in den einzelnen Staaten zu verschieden liegen. Es wäre aber erwünscht, für die Führer von Motorfahrzeugen solche Mindestanforderungen international zu vereinbaren. Jedenfalls ist besonders sorgfältige Prüfung der Führer solcher Verkehrsmittel nötig, die dem öffentlichen Verkehr dienen. Diese Prüfung muss durch eine periodisch wiederkehrende Kontrolle dieser Führer ergänzt werden. 4. Verkehrsregelung. Die möglichst bestimmte Kodifizierung der Verkehrsregeln, die klar und einfach sein müssen, ist die wichtigste Voraussetzung für die Sicherheit des Verkehrs. Diese Regeln müssen im ganzen Lande gleich sein; örtliche Abweichungen dürfen nur im engsten Rahmen und nur mit Genehmigung der Zentralbehörde erfolgen. Auch muss dann durch besondere Kennzeichen auf sie hingewiesen werden. Der Kongress spricht den Wunsch aus, dass jeder Staat von sich aus Mittel und Wege finden möge, sich der erforderlichen internationalen Gleichförmigkeit möglichst zu nähern!. Die innerhalb der einzelnen Staaten fortschreitende Vereinheitlichung der Verkehrsvorschriften und Verkehrszeichen berechtigt zu der Hoffnung, dass auch der Wunsch nach der nötigen internationalen Einheitlichkeit in absehbarer Zeit zum mindesten für die durch das Abkommen von Paris von 1926 und von Genf von 1931 geregelten Zeichen erfüllt werden wird. a) In der Stadt. •I. In der Stadt hat sich die straffe Führung des Verkehrs durch Polizeibeamte oder Lichtsignale überall bewährt. Radfahrer, langsam fahrende Fahrzeuge und Fussgänger bilden im städtischen Verkehr grosse Gefahrenquellen und erfordern besondere Massnahmen. Durch rechtzeitige Trennung des Verkehrs, durch Sperrung gewisser Verkehrswege der inneren Stadt für Fuhrwerke mit langsamerer Verkehrsgeschwindigkeit, besondere Wege oder Wegstreifen für Schienenfahrzeuge und für Radfahrer sowie durch die Schaffung von besonderen Uebergängen für Fussgänger, die durch Striche oder Nägel zu kennzeichnen sind, können diese Gefahren erheblich verringert werden. «Mensch, red' doch mal 'nen Ton!» drängte Friedenthal erregt. «Wat is denn da wieder los mit dir?» «Wohl wegen der Sache in Amerika», gab Bux mit gekünstelter Ruhe zurück. Ich hab' dir doch damals davon erzählt.» «Wat? Det is doch schon so lange her, det et fast jarnich mehr wahr is!» «Weswegen verhaften Sie mich eigentlich?» wandte sich Bux an die Beamten. «Ich glaub, Sie soll'n oan' totg'schlagen ham, — gelt?» erwiderte einer von ihnen ganz treuherzig. «Nur einen?» fragte Bux spöttisch. «Na, das geht ja noch! — Aber hören Sie mal, ich verlange, sofort dem Staatsanwalt bei der Polizeidirektion — oder wer mich da sonst verhört — vorgeführt zu werden!» «Um acht Uhr is der betreffende Herr da. Dees können S' dann verlangen.» «'Gut. Und dann nehmen Sie bitte meinen Tierwärter Tom Brass auch gleich mit, denn der hat wichtigere Aussagen zu machen als ich selber.» «Dees könna mir net machn, Herr Buchsbaum. Aber der Mann kann ja gleich selber hinfahr'n zur Polizeidirektion und braucht da nur um acht Uhr nach dem Herrn Regierungsrat Doktor Röder zu frag'n.» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ctt. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inse-ratenschlnes 4 Tage vor Erseheinen der Nummern II. Im allgemeinen bietet an wichtigen Kreuzungen der Kreisverkehr hinreichende Sicherheit, vorausgesetzt, dass der Kreis gross genug ist, um den Fahrzeugen genügend Zeit zum Ein- oder Austritt aus dem Verkehrsstrom zu lassen. Eine Trennung der Strassenebenen, so erwünscht sie wäre, kommt innerhalb des Stadtbereichs nur für verkehrsreichste Kreuzungen in Großstädten in Frage. Wo Kreisverkehr nicht möglich ist, muss der Verkehr durch regelmässig abwechselnde Sperrungen geregelt werden, wobei an Kreuzungen mit nicht ganz starkem Verkehr die Regelung durch Beamte wegen der grössern Anpassungsfähigkeit an den jeweiligen Verkehr den Vorzug vor optischen Signalen verdient. III. Bei den Verkehrssignalen sollte überall streng darauf geachtet werden, dass « rot» stets « Halt » bedeutet. Zur Kennzeichnung von Verkehrssäulen, Schutzinseln und dergl. sollte daher nicht rotes, sondern gelbes Licht verwendet werden. IV. Eine gute, den Fahrer nicht blendende Strassenbeleuchtung trägt wesentlich zur Sicherheit bei. Lichtreklamen und dergl. dicht neben oder an der Strasse dürfen keine Blendung hervorrufen. V. Die sorgfältige Beobachtung der Verkehrsregeln und Signale durch alle Wegebenutzer ist unerlässlich, damit sich jeder auf deren Beachtung durch den andern verlassen kann. Uebertretungen dürfen daher auch dann nicht geduldet werden, wenn sie im Einzelfalle zu keinem Unfall Anlass geben. b) Auf dem flachen Lande. 1. Infolge der grösseren Geschwindigkeit des Motorfahrzeugverkehrs auf freier Land' strasse ist die Gefahr für den Verkehr auf dem flachen Lande nicht wesentlich geringer als in den Städten. Trotzdem sind Geschwindigkeitsbeschränkungen, die leicht eine Ausnutzung des technischen Fortschrittes hindern, nur in Ausnahmefällen anzuwenden. Insbesondere sind vielfach solche Beschränkungen für schwere Lastwagen auf denjenigen Strassen nötig, die noch nicht genügend für diesen Verkehr ausgebaut sind. 2. Die Trennung der Fahrbahn, besonders in den Kurven, durch gelbe oder weisse Striche ist ein geeignetes Mittel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. 3. Eine Trennung der Strassenebenen an verkehrsreichen Kreuzungen lässt sich auf dem flachen Lande leichter durchführen als in den Städten. Deshalb sollte von dieser Möglichkeit viel Gebrauch gemacht werden. Die Verfolgung dieses Grundsatzes führt in der Vollendung zum Bau von kreuzungsfreien Autobahnen. Ein zusammenhängendes Netz «Ick sorg dafür, Bux, det Tom pünktlich dort is», sagte Friedenthal. «Ick schick' jemand mit, det er's ooch findet. Und für deine Tiere sorg ick ooch. — Also dann: Hals- und Beinbruch! Komm bald wieder!» Der Inspektor drückte Bux die Hand und verbarg nur mit Mühe seine Bewegung. Man rief nach ihm, weil das Ausladen beginnen sollte. Er nickte Bux nochmals zu und eilte fort. 6. Gleich nach acht Uhr wurde Willibald Buchsbaum dem Regierungsrat Dr. Röder vorgeführt. «Sie wissen, weshalb man Sie verhaftet hat, Herr Buchsbaum?» begann er die Vernehmung. «Ich kann es mir wenigstens denken. Wegen meines Prozesses in Amerika?» «Ganz recht.» «Und weshalb? Ich bin doch freigesprochen worden.» «Sie haben damals angegeben, dass Ihr Stock, den Sie neben der Leiche liegen Hessen, spurlos verschwunden sei. Man nahm natürlich gleich an, dass dieser Stock die Mordwaffe war und Sie ihn nur deshalb beiseite schafften, weil wohl Spuren daran zu sehen, waren. Die Indizien reichten jedenfalls nicht