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E_1934_Zeitung_Nr.075

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BERN, Freitag, 14. September 1934 Nummer 20 Cts. ' 30. Jahrgang - N» 75 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentra'.blatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— REDAKTION U.ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Zum Ausbau der Schweiz. Alpenstrassen Obwohl sich die von der schweizerischen Verkehrsliga eingereichte Initiative zum Ausbau der Alpenstrassen und ihrer Zufahrtsrouten nur mit der prinzipiellen Seite dieses überaus wichtigen Strassenproblems befasste, so fehlt es doch nicht an praktischen Vorschlägen, welche den Bundesbehörden das Studium des ganzen Fragenkomplexes erleichtern und ihn auf einen durchaus realen und praktischen Boden stellen. Es ist das Verdienst der von der Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner bestellten Kommission für Alpenstrassen, eine sorgfältige Zusammenstellung derjenigen Strassen ausgearbeitet zu haben, welche für den Ausbau in erster Linie in Frage kämen. Wir hatten bereits im Frühjahr Gelegenheit, auf diese Vorschläge näher hinzuweisen (A.-R. Nr. 29 vom 6. April: « Alpenstrassenbau und -initiative »). In der neuesten Nummer der schweizerischen Zeitschrift für Strassenwesen, dem Organ der vorgenannten Vereinigung, erstattet nun der Kommissionspräsident, Kreisoberingenieur Walther in Thun, Bericht über die Tätigkeit seiner Kommission. Die Ausführungen verdienen schon deshalb weitgehende Beachtung, weil sich gewiss jeder, der die Initiative unterschrieben hat, dafür interessiert, was nach Ansicht der Fachleute in ein kommendes Ausbauprogramm aufgenommen werden -sollte. Dabei sei gleich eingangs auf die ausdrückliche Feststellung des Berichterstatters verwiesen, dass es sich bei der Arbeit der Kommission nur um eine Tätigkeit mit förderndem, abklärendem und beratendem Charakter handelt und damit keineswegs eine Einmischung in die Kompetenz der Strassenbehörden beabsichtigt ist. Es handelt sich also durchaus nur um Diskussionsvorschläge, die aber deswegen, vom gesamtschweizerischen Verkehrsstandpunkt aus gesehen, nicht weniger wertvoll sind. ^ Als erstes wurden bereits im Jahre 1931 Normalien für den Neu- oder Ausbau von Bergstrassen ausgearbeitet, die dann ein Jahr später von der Konferenz der kantonalen Baudirektoren genehmigt und den Kantonen F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (21. Fortsetzun«) zur Anwendung empfohlen wurden. Mittels dieser Normen soll eine möglichst weitgehende Vereinheitlichung im Strassenbau erzielt und Mängel verhütet werden, wie sie sich beim früheren Ausbau zeigten. Das Normenblatt legt vor allem einmal die Fahrbahnbreiten für die verschiedenen Strassenkategorien fest, wobei für Haupt- und damit auch für die Alpenstrassen eine Fahrbahnbreite von 6 m vorgesehen wird. Dies gestattet das Kreuzen in voller Fahrt von zwei Wagen von den durch Gesetz festgelegten Maximalbreiten von 2,4 m. Wie sehr hier die Wirklichkeit noch hinter diesem erstrebenswerten Ziel zurückliegt, geht daraus hervor, dass bis jetzt nur eine einzige Route, nämlich die Simplonstrasse, für den durchgehenden Verkehr von Wagen mit 2,4 m Breite geöffnet werden konnte. Ausser den Normalien, die auch das Ausmass der Kurvenverbreiterung, die Vertikalausrundung von Gefällwechseln im Längenprofil, die Gestaltung des Querprofils, die Ausbildung der Kurven u. a. m. regeln, wurden folgende Leitsätze als Richtlinien für den Ausbau der bestehenden Alpenstrassen aufgestellt: unübersichtlichen Kurven, bei Kuppen und anderen gefährlichen Stellen. 9. Wünschenswert ist die Anlage eines Fusspfades parallel oder in der Nähe der Fahrstrasse, soweit nicht die alten Passwege als Fusswege hergerichtet werden können. Der nächste zu verwirklichende Programmpunkt betraf die Bearbeitung eines generellen Ausbauprogramms für das Netz von Alpenstrassen. Nach der Ansicht der Kommission hat sich ein Programm für die Modernisierung der Alpenübergänge zunächst auf die wichtigsten im schweizerischen und internationalen Touristenverkehr und für die ErschMessung der einheimischen Hauptfremdengebiete unbedingt notwendigen Strassenzüge zu beschränken. Der endgültige Vorschlag der Alpenstras- zückt davon gewesen, dass er ihm am andern Tage einen pompösen Stern überreicht hatte, der an farbenprächtigem Band um den Hals zu tragen war. Ausserdem hatte Bux die deutsche und die italienische Rettungsmedaille. Es blieb ihm also nichts anderes übrig: Er musste sich am andern Morgen einen neuen Frack anmessen lassen und an seine Mutter eine Karte schreiben: sie möchte ihm gleich die Zigarrenkiste mit dem ganzen Ordenskram senden, da er in Berlin an einer grossen Maskerade teilzunehmen habe. An dem gleichen Tage erhielt Major von Prastelny ein Telegramm seiner Tochter: «Komme schon morgen abends 7.50 zurück wegen Presseball — Fee.» «Sag' mal, du bist wohl total verrückt geworden?» Mit diesen liebevollen Worten empfing der Major seine Tochter. «Du willst auf den Presseball? Wer soll denn das bezahlen?» «Ich bin von Marwitzens eingeladen!» gab Fee strahlend zurück. «Aber eine neue Toilette brauche ich unbedingt dafür!» «Und wer soll die bezahlen? «Du!» war Fees lakonische Antwort. — Ueber das ganze Abendessen erstreckte sich der Kampf um diese neue Toilette und endete mit einer Niederlage des Majors auf der ganzen Linie. Und darüber vergass Herr VQn Prastelny ganz, Fee die grosse Neuig» INSERTIONS-PREIS: TMe achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenicbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern 1. Durchgehende Verbreiterung der nutzbaren Fahrbahnbreite auf 6 m. (Der Begriff der nutzbaren Fahrbahnbreite umfasst die Strassenbreite zwischen den beidseitigen Bordsteinen oder talseitiger Brüstung und bergseitiger Strassenschale inklusive. In den Kurven ist die Fahrbahn nach den Normalien zu verbreitern.) 2. Verbesserung der Linienführung und der Sicht an allen denjenigen Stellen, wo dies notwendig und nicht mit unverhältnismässig grossen Kosten verbunden ist. 3. Korrektion dos Querprofiles nach den Normalien, Umbau zu schwacher Stützmauern und Kunstbauten. 4. Ausbau der Wendeplatten nach den Normalien. Befestigung der Fahrbahn in denselben durch Kleinstpinpflästerung oder einer anderen rauhen Belagsart: 5. Verbesserung in der Strassenentwässerung. 6. Ausführung der erforderlichen Sicherheitsvorkehren (Radabweiser, Geländer, Brüstung und dergleichen). 7. Einwalzen der Fahrbahn, Staubfreimachung derselben in möglichst ausgedehntem Masse durch Oberflächenbehandlung oder eigentliche Beläge. 8. Markierung der Kurven, Aufteilung der Verkehrsspuren durch Striche in Strassenmitte in Uebersicht der zum Ausbau vorgeschlagenen Alpenstrassen. Die zehn in Frage kommenden Pässe sind durch besonders starke Markierung hervorgehoben. Der Plan wurde nach einer von der Alpenstrassenkommission des V. S. S. ausgearbeiteten Karte zusammengestellt. senkommission der V. S. S. umfasst folgende Strassenzüge, wobei aus der Tabelle gleichzeitig die Länge derselben wie auch die budgetierten Kosten des Ausbaues ersichtlich sind: In der Nord-Süd-Richtung: Grosser St. Bernhard von Martigny-Landesgrenze Simplonstrasse von Brig-Landes- • grenze Gotthardstrasse von Brunnen- Biasca von Chur-Silva- Julierstrasse plana-Castasegna In der West-Ost-Richtung: Furka-Oberalpstrasse von Brig- Andermatt-Chur Grimselstrasse von Meiringen- Gletsch als Zufahrt in obige West-Ost-Transversale Flüela-Ofen-Umbrail von Landquart-Zernez-Umbrail Pillonstrasse von Aigle durch das Simmental nach Spiez Brünigstrasse von Brienz nach Giswil mit Zufahrt Meiringen- Brünig Klausenstrasse von Altdorf nach Linthal Total Zuschlag für Unterbringung der Arbeiter im Gebirge, Einrichtung der Baustellen, Fusswege und Parkplätze an den Paßstrassen usw. zirka 8% Total Ausbaukosten der in Vorschlag gebrachten Alpenstrassen und Zufahrtsstrasseh km Fr. 44.6 3,200,000 42,3 2,100,000 114,1 20,028,480 105,0 4,256,000 172,0 18,948,000 37.7 7,126,000 124,0 12,800,000 98.5 8,411.500 23.6 2,695,000 47,0 9,208,000 808,8 88,772,980 7,227,020 96,000,000 «Nein — oder vielmehr: ja. Aber den habe ich seit Jahren nicht mehr angehabt. Der ist sicher schon ganz altmodisch geworden. Kann ich denn nicht in meinem Smoking gehen?» «Ausgeschlossen! Auf den Presseball müssen Sie im Frack kommen — im Frack und mit Orden. — Sie haben doch einen? — oder mehrere sogar?» «Ja, das schon. Aber solche Maskerade mache ich nicht mit. Nein, da geniere ich mich.» «Genieren? Wieso? Sie haben doch Ihre Orden nicht gestohlen! — Nein, Herr Bux, die Direktion würde Ihnen das direkt übelnehmen, wenn Sie da nicht in vollem Kriegsschmuck erscheinen! Denken Sie doch, diese Reklame für uns, wenn in der Presse steht...» Und nun musste Bux seinen ganzen Ordens" Vorrat beichten: Als ganz junger Artist, schon bevor er studierte, hatte er in Portugal, in Griechenland und in Rumänien schon ein paar Auszeichnungen erhalten; dann im Sommer 1922 in Schweden und in Dänemark; und in Habana hatte der Präsident von Haiti, der dort zufällig auf einem Erholungsurlaub war, Buxens Nummer gesehen und war so entkeit mitzuteilen, dass Freund Buchsbaum schon seit Wochen die Sensation des schaulustigen Berlin bildete. Erst im Bett fiel es dem Major wieder ein. Doch plötzlich dachte er, dass es besser sei, Fee diese Tatsache nicht noch auf die Nase zu binden. Am Ende fing dann der unmögliche Flirt mit dem Herrn Zirkusclown von neuem an. Auf einer Reise konnte man ja leicht einmal zu sonderbaren Bekanntschaften kommen! Aber in Berlin und Potsdam, — da war das wohl nicht der richtige Verkehr! Fee aber war die nächsten drei Tage über so ausgiebig mit der Sorge für die neue Toilette beschäftigt, dass sie nicht dazu kam, auch nur einen Blick in die Zeitung zu werfen. Fees Freundin Frau von Marwitz und ihr Gatte gehörten zu den Menschen, die es sich leisten konnten und auch Vergnügen daran fanden, überall dabei zu sein, wo gesellschaftlich .etwas los' war. Sie hatten also schon längst vor ihrer Rückkehr vom Wintersport durch Otto von Kroidt eine Loge für den Presseball reservieren lassen. Dieser Herr von Kroidt, ein früherer Offizier, hatte sich vorzüglich in die neue Zeit gefunden. Er war ein gewandter und gut bezahlter Journalist bei einem bekannten Blatt. Mit Marwitzens war er, ebenso wie mit Fee von Prastelny, intim befreundet, und es schien allen Bekannten so gut wie sicher, dass er und Fee über kurz oder lang einander heiraten würden, Nach Kantonen verteilt, entfallen auf die einzelnen Stände folgende Kostenanteile: Strassenlänge Mill. Fr. Bern 123,3 km 15,6 Glarus 10,0 • 1,65 Graubünden 313,0 > 26,08 Obwalden 9,0 > 0,85 Schwyz 5,6 » 1,5 Tessin 54,0 > 7 4 Uri 120,1 » 28,5 Waadt 21,5 » 2,3 Wallis 152,3 » 12.07 Total 808.8 km 96,0 Da sich die Kostenberechnungen nach dem Kommissionsbericht weniger auf bereits ausgearbeitete Projekte als meistens auf Schätzungen aufbauen, so ist der gesamte Schlussbetrag von 96 Millionen Franken eher zu niedrig als zu hoch angesetzt. Sehr interessant: und begrüssenswert ist die im Kostenzuschlag von 8 % zum Ausdruck kommende Absicht, die alten Passwege als Fusswege für Wanderer herzurichten und da, wo diese nicht mehr benützt werden können, parallel zur Fahrstrasse oder in ihrer Nähe Fusspfade anzulegen, um auch dem Wanderlustigen die Möglichkeit zu bieten, die Alpen zu durchqueren, ohne vom Motorfahrzeugverkehr be'ästigt zu werden oder diesen zu stören. Im fernem wird auch der Notwendigkeit der Anlegung von Parkplätzen Rechnung getragen. Der obige Vorschlag enthält ausschliesslich Strassen, die bereits bestehen und daher nur, zum Ausbau in Frage kommen. Dagegen wurde von der Berücksichtigung neu anzulegen- obwohl sie noch nicht als Verlobte galten oder auftraten. Ausser diesen vieren sassen noch Bankier Bentheimer und seine Gattin am Tische. Frau Bentheimer war Otto von Kroidts Schwester. Ihre Eheschliessung hatte seinerzeit bei der ganzen adeligen Verwandtschaft höchste Missbilligung hervorgerufen, was Ria Bentheimer aber gänzlich kalt Hess, denn sie fühlte sich mit ihrem guten dicken Adolf restlos glücklich. Bentheimer und sein Schwager von Kroidt kannten alle Welt, das war für sie Ehrensache; und für Fee war es höchst interessant. Alle Augenblicke zeigten sie ihr neu auftauchende prominente Persönlichkeiten: Minister, Sänger und Industriegewaltige, Gelehrte, Schriftsteller und Filmstars. Fee war wie geblendet von dieser grossen Welt; die ihre ganze Sehnsucht bildete und zu der sie trotz ihrem alten Adel als Tochter eines verabschiedeten und massig begüterten Offiziers nicht gehörte. Eben entstand wieder eine Bewegung an der gegenüberliegenden Seite des Saales. Menschen drängten sich neugieris: zusammen. Herr von Kroidt erhob sich halb von seinem Sitz und spähte aus wie ein Jäger nach dem Wild. «Was tut sich da, Otto? Was tut sich da?» fragte Bentheimer ganz erregt und tauschte blitzschnell seinen scharfen Zwicker mit einem noch schärferen Glas.