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E_1934_Zeitung_Nr.074

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BERN, Dienstag, 11. September 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 74 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dlenstng und Frellng Monatlich „Gelbe Liste" Ausgabe A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Autgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.— Telephon 2S.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Fahre mit Ueberlegung! Die Fahrschule ist für den Automobilisten nicht mehr als was ein Trockenkurs für den Skiläufer. Sie vermittelt nur Grundbegriffe, lehrt nur das rein Handwerksmässige der Autobedienung, kann aber auch bestenfalls nie die Schulung umfassen, die der Automobilist später in der Praxis erfährt. Gut Autofahren heisst, über einen immensen Schatz teils unbewusster, teils bewusster Erfahrungen verfügen. Einerseits! Andererseits kommt noch Talent hinzu, und Talent lässt sich nicht erzwingen. Um so mehr ist ein untalentierter Fahrer auf seinen Verstand und die Erfahrungen anderer angewiesen. Die nächsten Monate mit ihrer feuchten Witterung und der frühzeitig eintretenden Dunkelheit bedeutet für jeden Strassenverkehr erhöhte Gefahr. Die Strassen sind oft schlüpfrig, die Sichtverhältnisse schlecht. Kälte trägt weiter dazu bei, die Handlungsweise des Fahrers kritisch zu beeinträchtigen, seine Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft abzulenken. Es dürfte deshalb nicht unangebracht sein, wieder einmal auf die wichtigsten Regeln zur Sicherung der Fahrt hinzuweisen. Manche davon werden zwar diesem oder jenem Autler selbstverständlich erscheinen. Ist ein solcher Fahrer aber mit sich ehrlich, so wird er doch zugeben müssen, gelegentlich gegen sie verstossen zu haben, weil er sich im Moment von der Tragweite seiner Handlung nicht Rechenschaft ablegte. Theoretisches Wissen kann ihn aber nie vor schlämmen Folgen bewahren, geschweige denn die Folgen rückgängig machen. Grundsätzlich kann angenommen werden, dass die meisten Automobilisten ihre Fahrweise so einrichten, um Unfällen «gerade noch mit Sicherheit» zu entgehen. Gegen eine derartige Ausnützung des Autos lässt F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (20. Fortsetzung) «Ja, er hat meine Tiere misshandelt, und da hab' ich ihn verprügelt. — Der Kerl ist übrigens noch immer bei uns.» «So?» sagte der Regierungsrat sehr erstaunt. «Davon wissen wir ja gar nichts. — Nun, ich werde mir den Mann auch mal hierher bestellen.» «Wie lange werde ich in Haft bleiben müssen?» «Ich denke, falls eine Wiederaufrollung des Falles nicht in Frage kommt, können Sie vielleicht schon übermorgen auf freiem Fuss sein. Ich werde alles dazu tun, dass die Entscheidung schnell erfolgt.» «Ich danke sehr!» Bux verbeugte sich und wurde von einem Beamten wieder hinausgeleitet. Dann Hess sich Dr. Röder den Tierwärter Tom hereinholen und gab Auftrag, den Artisten Jack Benson zur sofortigen Vernehmung zu bestellen. Nach einer Stunde wurde Bux abermals zu Dr. Röder gerufen. Schon beim Eintritt fiel sich durchaus nichts einwenden, sie entspricht im Gegenteil weitgehend seiner Zweckbestimmung und der modernen Auffassung des Verkehrs überhaupt. Beschaulichkeit ist heute ein Luxusartikel geworden, den sich nur wenige mehr leisten können, «Höchstleistung» und «Kampf ums Dasein» gehen vor. Eine grosse Gefahr besteht nur darin, dass sich der Automobilist in der Grenze des Tunlichen sehr leicht verschätzt. Eine Anzahl gut abgelaufener Gefahrsituationen oder ein ständiges gänzliches Verkennen von Gefahren können ihn in ein trügerisches Sicherheitsgefühl einlullen, aus dem fast immer das Erwachen nur um so katastrophaler ist. Für den einen Lenker bedeuten vielleicht schon 60 km/Std. Fahrgeschwindigkeit ein gewisses Risiko, während der andere noch unter den gleichen Voraussetzungen im 120-km-Tempo sein Fahrzeug absolut zu beherrschen meint. So weit liegen die Fahrer-Qualitäten nicht auseinander. Es zeigt das nur um so deutlicher, wie individuell ausserordentlich verschieden die Gefahr beurteilt wird. Versetzt man sich als Autler in durchlebte Gefahrsituationen zurück, so wird man sich erinnern, fast immer einen gewaltigen Schreck davongetragen zu haben. Dieser Schreck hatte keine andere Bedeutung, als dass das Ereignis ganz neu und unerwartet an einen herantrat. Man war nicht auf die Situation gefasst und hatte im Moment keine Abwehrmittel zur Verfügung. Kam man trotzdem noch heil davon, um so besser. Der Respekt vor heimtückischen Situationen wird dann so gestiegen sein, dass man sich kaum mehr ein zweitesmal dem gleichen Risiko aussetzte. Wie viele Fahrer geben sich nicht den krassesten Selbsttäuschungen über den erforderlichen Bremsweg hin! Sie glauben, den Wagen im Notfall auf ein paar Schritte stoppen zu können, bis ihnen einmal ein Hindernis unerwartet in den Weg läuft. Selbst wenn man den Kopf nicht verliert und sofort bremst, scheint der Wagen seine Geschwindigkeit njit einem Sprung noch zu verdoppeln. Der vermeintlich weitaus genügende Bremsweg ist in einem Sekundenbruchteil aufgezehrt. Hilflos schlittert man ins Unheil hinein. Auch hier wieder handelt es sich meist nur um Mangel an Erfahrung. Schlechtweg unverantwortlich aber ist es, mit wissentlich schlechten Bremsen in der Welt herumzufahren. Der Bremsweg wächst dabei im Gefahrfall scheinbar ins Unendliche, und das Auto wird zum Raubtier, dem die Beute schon fast sicher ist. Unfälle in Kurven stellen weitere typische Schätzungsfehler dar. Nie kann man sich aber auch so leicht verschätzen. Eine Kurve in dem Tempo zu durchfahren, das sie «gerade noch» verträgt, erfordert ein Fahrgefühl, wie es höchstens langjährige Erfahrung mit sich bringt. «Ausprobieren» geht hier nicht, oder doch nur, indem man schon ein grosses Risiko in Kauf nimmt. Beginnt nämlich der Wagen einmal zu rutschen, so ist es sehr oft mit der Adhäsion endgültig vorbei und der Wagen landet am nächsten Baum ihm auf, dass ihn der Regierungsrat scharf ansah und die Blicke nicht mehr von seinem Gesicht wandte. Auch bot ihm der Beamte keinen Platz an, wie das erstemal, sondern Hess ihn vor dem Schreibtisch stehen. «Ich habe soeben Herrn Benson vernommen», begann Dr. Röder und sah Bux scharf ins Gesicht. «So? — Viel Neues werden Sie da wohl nicht erfahren haben?» «Nein — gar nichts habe ich von ihm erfahren, Herr Buchsbaum, denn Benson ist — tot.» «Wie?» Willibald Buxbaum starrte den Kriminalbeamten scheinbar ungläubig an. «Ja, Herr Buchsbaum. Man hat die Leiche heute morgen beim Entladen des Zuges oben auf einem der offenen Zirkuswagen gefunden — auf dem offenen Wagen, in dem die grossen Eisenpflöcke transportiert werden, die man in die Erde klopft, um die Zeltseile daran...» «Also auf dem Ankerwagen?» unterbrach Bux fast tonlos; er schien von der Mitteilung Dr. Röders völlig benommen. «Sehen Sie mal an, wie gut Sie Bescheid wissen, Buchsbaum!» «Was soll dieser Ton bedeuten, Herr Regierungsrat?» Buxens Stimme nahm einen scharfen Klang an. Da spielte Dr. Röder seinen Trumpf aus: oder im Graben, wenn nicht eine glückliche Vorsehung viel Spielraum offen gelassen hat. Man vergesse nie, dass — in Uebereinstimmung mit einem physikalischen Gesetz — der Adhäsionswert plötzlich und unvermittelt abnimmt, wenn die vorher auf dem Boden abrollenden Räder einmal ins Gleiten kommen. Man denke an diese Tatsache vor allem auch dann, wenn die Strasse schon ohnehin schlüpfrig und unsicher ist. Und man halte sich immer vor Augen, dass jedes Bremsen in der Kurve die Gefahr nur noch erhöht, dass also das Unheil fast unabwendbar ist, wenn der Wagen einmal ins Schwimmen und Schleudern gerät. Deshalb: Schon vor der Kurve soweit abbremsen, dass man die Kurve frei durchrollen oder sogar wieder mit Gas durchfahren kann. Der routinierte Fahrer beurteilt den Halt der Räder auf der Strasse nach dem Gegendruck der Lenkung und den Druckempfindungen, welche die Zentrifugalkraft an seinem Körper auslöst. Er lässt es nicht erst darauf ankommen, dass der Wagen Neigung zum Schieben oder Schwänzen zeigt. Dem Anfänger bleibt jedoch nur die Möglichkeit, die Sicherheitsmarge absichtlich übertrieben gross zu wählen.wenn er sich nicht dem Vorwurf des unverantwortlichen Handelns aussetzen will. Gefährliche, folgenschwere Schätzungsfehler sind auch besonders immer dann möglich, wenn ein Automobilist dem anderen vorzufahren sucht. Sind beide Fahrzeuge annähernd gleich rasch, so kann das Ueberholungsmanöver vielleicht Hunderte von Metern Wegstrecke erfordern, vor allem dann, wenn der «Gegner» auch plötzlich wieder Gas gibt. Kommt gleichzeitig aus der anderen Richtung ein drittes Fahrzeug, wie es ja fast immer der Fall zu sein pflegt, und dessen Geschwindigkeit sich überhaupt nicht genau beurteilen lässt, so sind alle Vorbedingungen für eine Katastrophe erfüllt. Nichts kennzeichnet übrigens den Stümper und den Autorüpel deutlicher, als das Vorfahrenwollen um jeden Preis. Der überlegte, erfahrene Lenker geht erst ans Ueberholen, wenn es sich rasch und gefahrlos vollziehen lässt. Pflicht des langsameren Wagenlenkers ist es allerdings, ihn dabei zu unterstützen. Selbst wenn man sich, bewusst weder krasse noch leichte Fehler zuschulden kommen lässt und den Verkehrsregeln genau nachlebt, selbst wenn man sich schärfstens hütet, eines der oben angeführten Risiken einzugehen, Kurven zu schneiden, Kreuzungen zu rasch zu überqueren, unachtsam rückwärts oder in übermüdetem Zustand zu fahren, sind immer noch zahlreiche Gefahren INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenscblnss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern auf der Lauer. Es gehört mit zum überlegten Fahren, immer auch auf Fehler der anderen Strassenbenützer gefasst zu sein. Was nützt eine finanzielle Entschädigung des Gegners, wenn man bei einem Unfall um seine Gesundheit oder sein Leben gekommen ist? Vielfach messen aber auch bei einem offensichtlich falschen Verhalten des anderen die Gerichte einen Teil der Schuld dem korrekten Fahrer zu, mit der Begründung, dass jeder Automobilist mit der Unvernunft der anderen Strassenbenützer rechnen müsse. Besonders auf das richtige Verkehrsverhalten der Fussgänger darf man sich nie verlassen. Fussgänger haben ja auch nicht die Verkehrs- Schulung des Motorfahrzeuglenkers, sie sind weit weniger gut imstande, Distanzen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen. Vielleicht ist die Person, die scheinbar achtlos in die Fahrbahn hineinläuft, kurzsichtig oder schwerhörig oder sie hat noch keine Erfahrung im Grossstadtverkehr. Der Automobilist hat diese Erfahrung, er soll alle diese Fehler kennen. Er kann täglich unzählige Beispiele von Unvernunft beobachten und muss sich deshalb auf das Unmöglichste gefasst machen. Nur wer ständig mit dem unvernünftigen Verhalten der anderen Strassenbenützer rechnet, sich selbst aber kein Vergehen gegen die Verkehrsregeln zuschulden kommen lässt, wird auf die Dauer von Unfällen verschont bleiben, -th- Verkehrswirtschaft und Verkehrsschäden auf Strassen. Im Generalbericht über dieses Traktandum des 7. internat. Strassenkongresses in München führt der Berichterstatter Prof. W. Raven u. a. folgendes aus: Eine der Fragen, die in München 1934 auf dem 7. Kongress des Internationalen ständigen Verbandes der Strassenkongresse in der Abteilung « Verkehr, Betrieb und Verwaltung» behandelt werden, hat zum Gegenstand: « Die Untersuchung der Beziehungen zwischen Fahrzeugverkehr und Fahrbahndecke im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit der Transporte » und «Massnahmen technischer, gesetzgeberischer oder verwaltungsmässiger Natur zu dem Zweck, die durch den Verkehr verursachten Schäden aller Art (Verkehrserschütterungen, Lärmbelästigungen usw.) auf ein Mindestmass herabzusetzen. > Berichte zu den beiden Hauptgruppen dieser « 5. Frage » sind eingegangen von 9 Ländern, nämlich von Deutschland, Oesterreich, Belgien, Frankreich, Grossbritannien, Ungarn, Italien, Japan und Schweden. Einige Berichte beschäftigen sich im vollen Umfange mit der gestellten Frage, andere nur mit einem oder mehreren Teilen derselben. Zusammenfassend ergeben die 9 Berichte etwa folgendes Bild: Die Wirtschaftlichkeit der Transporte hängt Abend steht sie am Eingang zum Chapiteau und überwacht, sozusagen, mit einem Auge den geschäftlichen und mit dem andern den artistischen Betrieb. Niemand aus dem Publikum merkt, dass diese mit vornehmer Einfachheit gekleidete Dame die .Direktorin'ist, — dass sie auch zum Zirkus gehört, — ja kaum, dass sie überhaupt da ist. Frau Kreno stammt, wie ihr Gatte, aus einer alten Schaustellerfamilie, kennt das Geschäft durch und durch, hat Jahre und Jahre selbst als Dompteuse im Manegensand gestanden und hat deshalb auch ein Herz und ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen der Artisten und Angestellten. Hochmut ist ihr fremd: Sie ist im wahren und besten Sinn die .Zirkusmutter'. Aber sie hat deshalb auch etwas mitzureden, wenn es wichtige Entscheidungen gilt. Und als sie mit ihrem Gatten, das erstemal seit so langer Zeit, wieder im eigenen Hause, statt in der fahrbaren Wohnung zusammensitzt und er neue Pläne schmieden will, spricht sie ein Machtwort: «Ausgeschlossen, Kurt! Du hast dir jetzt seit Jahren nicht einen einzigen Tag Ruhe den bekannten Trumpf, dem Verdächtigen die Schuld auf den Kopf zuzusagen. Er sprang mit einem Ruck auf und brüllte Bux ins Gesicht: «Dass Sie Benson in der vergangenen Nacht ermordet haben! — aus Rache für seine Anzeige! Wir haben alle Beweise in den Händen. Sie sind bei der Tat beobachtet worden. Versuchen Sie nicht zu leugnen, — es nützt Ihnen nichts mehr!» 7. Es gibt Gattinnen von Zirkusdirektoren, deren ganze Tätigkeit darin besteht, sich elegant anzuziehen, sehr viele und teure Ringe an die Finger zu stecken, spazierenzufahren, ein bisschen im Zirkusgelände umherzustreifen, die devoten Grüsse des Personals mit huldvollem Kopfneigen entgegenzunehmen und — recht viel Geld auszugeben. Zu dieser Sorte, die übrigens in der Minderzahl ist, gehört Frau Erna Kreno nicht. Sie ist, neben ihrem Gatten, die ,Seele vom Geschäft'. Sie gönnt sich von morgens bis abends keine Ruhe. Ihren wachsamen Blikken entgeht nichts. Sie macht täglich ihren Revisionsgang durch die Tierschau, durch alle Ställe und Zelte, trifft Anordnungen, kontrolliert neueintreffende Sendungen von Ko-gegönntstümen und Requisiten, sie stellt das ganze pausiert. Vom ersten Weihnachtstage ab kön- Die nächsten fünf Wochen werden Programm zusammen, denkt sich neue Nummern und Pantomimen aus. Und Abend für len, mit kleinerem Programm; und nen wir dann meinetwegen hier in M. spie- Mitte