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E_1934_Zeitung_Nr.074

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 — darstellen. Leider ist die Beschaffung grösserer Mengen der Schwelbriketts nicht möglich, so dass nun in Mülheim die Versuche mit gewöhnlichen Briketts fortgeführt werden. Bei den Versuchen musste darauf geachtet werden, dass im Gaserzeuger, der aus metallischen Baustoffen dem Wagen angebaut wird, ein fast teerfreies Gas hergestellt wird. Des weitern war jede Schlackenbildung iu vermeiden, und eine einwandfreie Reinigung des Gases von Staub- und Flugasche vorzunehmen. Die Neukonstruktion zeigt eine Feuerzoge, die von zwei Stellen aus gespeist wird. Eine Düse saugt die Schweldämpfe an und vermischt, diese mit der Vergasungsluft. Eine derartige Anlage wurde auf einem 1,5-Tonnen-Lieferwagen aufgebaut; es konnte damit bereits eine Reihe gelungener Probefahrten ausgeführt werden. Praktiidie W^inke Reinigung der Innengewinde. Um Schmutz aus einem Innengewinde herauszubekommen, braucht man nur einen in das Gewindeloch hineinpassenden Gewindebolzen mit zwei bis drei Längsnuten zu versehen und dann mehrmals in das Loch hinein- und herauszuschrauben. Der Schmutz sammelt sich dann in den Nuten des Gewindebolzens an und kann so leicht abgestreift werden. -at- * Elastische Riickblickspiegelbefestigung. Die üblichen Rückblickspiegel neigen häufig dazu, bei Vibrationen ein unscharfes Bild zu geben. Will man sie dagegen erschütterungsfrei anbringen, so sind sie vom Fahrer unbequem zu benutzen. Man muss also eine Befestigung -wählen, die einerseits räumlich zweckmässig. anderseits frei von Erschütterungen ist. Beide Aufgaben erfüllt die Befestigung des Rückblickspiegels mittels Saugnäpfen, wie sie in verschiedener Ausführung im Fachhandel erhältlich sind. Sie haben den Vorzug, dass sie sich überall an jeder glatten Fläche anbringen lassen. Der besondere Wert dieser Halter besteht jedoch darin, dass sie infolge ihrer Elastizität die auftretenden Schwingungen in sich selbst verarbeiten, ohne sie merkbar an den Spiegel weiterzuleiten. Es ist ein automobilistisches Grundgesetz, dass die Unfallsmöglichkeiten im Quadrat zur Schnelligkeit wachsen. Diese Tatsache muss man sich immer vor Augen halten. Ted* *•» «

Bern, Dienstag, 11. Sept, 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 74 Regen Von Karl von Clement Wie ein überhitztes Meer liegt die Luft auf dem flachen Land. Wohl kam Wind gestern oder vorgestern und fegte den Glutstrom fort, aber was nachfolgte, war eine neue Flut brennender, träger Luft. Die Sümpfe trockneten ein und die Brunnen begannen zu fallen. Nur der grosse See lag spiegelnd mitten im Land, das Leben spendend und erhaltend. Aber auch über seinem breiten Rücken dröhnte die Glut der Sonne, und manchmal im Mittag stürzten Vögel wie verbrannte Phönixe von hoch oben aufschreiend in die Flut. Knarrende Wagen zogen durch den Staub, die Fuhrkneehte taumelten dahin in der Sonne, und von den Pferden floss der Schweiss in dünnen Bächen. Das Kind lief auf das Feld hinaus. Wie ein goldener Widerschein allen Lichtes inmitten der sprühenden Helle des Sommertags tauchte der blonde Schopf fern am Feldrand auf. Und als die Mutter mit dem Handrücken den beizenden Schweiss aus den Augen wischte und während des Fruchtschneidens eben kurz innehaltend unter dem breiten Strohhut einen Blick zum Horizont entsandte, sah sie es kommen: das Kind. Und hinter dem Kind die kleine Wolke. F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendort (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Da ist es gut, dass Bux nicht allzuviel Zeit zum Nachdenken bleibt. Sein Leben spielt sich hier in Berlin ganz anders ab, als er es sonst gewöhnt ist. Vor allem wohnt er hier nicht in seinem Wagen — den hat er in M. gelassen —, sondern in einem Hotel, in einem sehr soliden gutbürgerlichen Hause am Gendarmenmarkt. Auch mit seiner üblichen Tageseinteilung und seiner gewohnten Zurückgezogenheit hat er hier brechen müssen. Die Tiere sind bei der Winterkälte dauernd im warmen Stall, und es gibt keine Möglichkeit zu .Spielstunden'. Er selbst wird von Besuchern überlaufen, denn sein Auftreten ist in Berlin zur Sensation geworden. Täglich kommen Presseleute, um ihn zu interviewen, Photographen und Zeichner, Zirkus-Enthusiasten, Tierliebhaber, die ihn unbedingt sprechen wollen. Er erhält Einladungen von Künstlerklubs, von ärztlichen und tierärztlichen Vereinen, von Snobs, die den berühmten Clown absolut auf einer ihrer Gesellschaften den erstaunten Freunden präsentieren möchten. Er kann sich unmöglich allen diesen Einladungen entziehen, ohne sich zu schaden. Fast jeder Abend sieht ihn irgendwo in einer Gesellschaft von vielen fremden Menschen. Jäher Schrecken durchzuckte sie und teilte sich dem Manne mit, der das Ereignis gleichzeitig gewahrte, doch nur das Kind, und nicht die Wolke. Denn das Kind kam in der glühenden Sonne, und kein Lufthauch bot i'nen Halt und kein Atem und kein Dach beschützte es, und kein Vogel flog über sein Haupt, um es zu beschatten. Das Kind war zart. Ein Mädchen, eben von schwerer Krankheit genesen. Die Sonne aber prasselte auf das Land nieder wie nie zuvor seit vielen, vielen Jahren. Daheim in der Stube war es kühl — und der Bauer hatte verboten, diese Kühle zu verlassen. Da standen die Zwei, Vater und Mutter, in der glühenden Hitze, die seit Tagen ihre Träume verdunkelte und alle Kraft aus den Halmen sog und vielleicht einer schrecklichen Dürre voranging, einer Missernte —der Not. Alles dies aber verschwand aus ihren Herzen in jenem Augenblick, denn das Kind kam nun schon eine Stunde weit vom elterlichen Hof her, unbedeckten Hauptes durch die glühende Sonne. Sie schrien nicht, sie sprachen kein Wort, sie warfen nur die Sensen fort $Wid während der Schweiss aus allen ihren i.-'oren brach, liefen, liefen sie dem Kind entgegen. Die Entfernung war nicht gross, doch während sie mit schlotternden Knien vorwärts taumelten, weiteten sich im Schauen ihre Augen vor Verwunderung. Denn das Kind schritt leichtfüssig und ruhig über die Erde, die es kaum zu tragen schien, ohne eine Spur der Ermüdung, als wandle es durch kühlen Laubwald. ...Die kleine Wolke aber, die mit dem Kind gekommen war, glitt in den Himmel hinein und begann sich zu dehnen und zu strekken. Da war ein schwarzer Kern in ihr, kaum handbreit erst, der sich zu grosser Dunkelheit entrollte, blitzschnell den ganzen Himmel überspannend. Und eben, in jenem Augenblick, als die Eltern am oberen Ende des Feldes ihr Kind erreichten, verdunkelte sich die Sonne. Dann war's, als hielte einen Moment lang die Welt den Atem an. Und dann kam ein Windstoss vom See herüber, unerwartet und stark, dass die Bäume und Sträucher erzitterten und die noch ungeschnittene Frucht zu wogen begann wie ein aufgescheuchtes Meer. Und während der Bauer das kleine, zarte Kind in den Armen hielt Sebastian oder die wunderbare Welt Gottes und die Mutter die schlanken Glieder von allen Seiten ängstlich betastete, das Wunder ihrer Unversehrtheit kaum fassend, fiel der erste Tropfen schwer und hart auf des Bau