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E_1934_Zeitung_Nr.076

E_1934_Zeitung_Nr.076

BERN, Dienstag, 18. September 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 76 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag nnd Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Atisgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Au«s«b« B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern EVSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntenschlass 4 Tage TOT Erscheinen der Nummern Die Entwicklung des Fahrzeug-Dieselmotors. Die Gewinnung der riesigen, zur Bedarfsdeckung für einen Weltbestand von rund 30 Millionen Motorfahrzeugen ausreichenden Mengen an niedrigsiedenden Erdölen ergibt aus der Aufarbeitung des Roherdöles gewaltige Mengen an Mittel- und Schwerölen, das heisst Oelen mit mittleren und höheren Siedetemperaturen. Dem ungeheuren Weltbedarf an Leichtölen steht kein auch nur annähernd ähnlicher Bedarf an mittleren und schweren Oelen gegenüber, so dass ihr Preis, bezogen auf gleichen Heizwert, erheblich unter dem der Leichtöle liegt. Die Preisdifferenz zwischen Leicht- und Schwerölen ist die wirtschaftliche Existenzgrundlage des Oelmotors. Diese Basis wird um so breiter, je stärker der heute fast ausschliesslich auf dem Leichtölmotor (Vergasermotor) aufgebaute Motorverkehr anwächst; sie erfährt eine weitere Verbreiterung durch die bei der Braunkohleverschwelung anfallenden Braunkohlenteeröle und die als Nebenprodukt der Leuchtgaserzeugung und des Kokereibetriebes gewonnenen Steinkohlenteeröle, die einen aufnahmefähigen Absatzmarkt suchen. Die aus den ungleichen Absatzverhältnissen für die leichten und schweren Bestandteile des Roherdöles erwachsenen Bestrebungen nach chemischer Weiterverarbeitung der Schweröle (Ueberführung in Benzine durch Crackung oder Hydrierung) sind Versuche, von der chemischen Seite her das Mengenverhältnis der Erdölfertigprodukte in stärkerem Masse mit dem Bedarf in Einklang zu bringen. Die organisch aus den Na- F £ U Probleme der Technik Bux. TON Zirkusroman von Hans Possendorf. (22. Fortsetzung) 10. Als Bux am nächsten Vormittag die Avus entlang Potsdam entgegenfährt, lässt er die Ereignisse der gestrigen Nacht nochmals an seinem Geist vorüberziehen. Ihm ist noch immer, als sei alles nur ein Traum. Er kann sich nicht einmal mehr Rechenschaft geben, wie das alles gekommen ist: Schon als er gegen Mitternacht — eine gute Stunde nach Absolvierung seiner zweiten Zirkusnummer — den Saal betrat, war ihm so seltsam zumute gewesen: Dieses glänzende gesellschaftliche Bild! Die vielen eleganten Menschen, die sich neugierig um ihn drängten! Diese Unmenge von Namen, die bei dem Vorstellen auf ihn eindrangen — zum Teil bekannte und berühmte Namen! All diese Schmeichelei, Bewunderung, Lobhudelei, mit der man ihn überschüttete! — Und dann stand plötzlich ein wundervolles Wesen vor ihm, — den gertenschlanken Körper von irgendwas goldig Schillerndem umspannt, — die grossen veilchenblauen Augen unter den dunklen Brauen strahlend auf ihn gerichtet. Ein Mädchengesicht, das er einst gekannt, turgegebenheiten entstehende Aufgabe jedoch lautet: unmittelbare Verwendung der Mittel- und Schweröle in der Verbrennungskraftmaschine. Die nächstliegende Lösung dieser Aufgabe scheint darin zu bestehen, dass man im heutigen leichten und betriebssicheren «Vergasermotor» an Stelle von Benzin oder Benzol Mittel- oder Schweröl zu verarbeiten versucht, ohne dabei an dessen Arbeitsprinzip, nämlich der Verarbeitung von ausserhalb des Motors erzeugtem, fertigem Brennstoff-Luft- Gemisch, das in den Arbeitszylinder eingeführt und in ihm vor dem Explosionshub verdichtet wird («Gemischverdichtung»), etwas zu ändern. Das setzt voraus, dass es gelingt, das Brennöl in einen äusserst homogenen, auf das innigste mit Luft gemischten Brennstoffnebel überzuführen, diesen dem Zylinder zuzuführen und darin bis zur Verbrennung zu erhalten. Ist diese Aufgabe schon bei Benzin und Benzol nur unvollkommen zu erfüllen, so potenzieren sich bei Schwerölen die hauptsächlich der Kondensationsneigung des Oelnebels entspringenden Schwierigkeiten. Versuche sind seit vielen Jahren in grossem Umfang im In- und Ausland ausgeführt worden, und man hat dabei eine Fülle verschiedenster Möglichkeiten erprobt. Erfolge Hessen sich hauptsächlich dann erzielen, wenn man durch entsprechende Formgebung der Ansaugewege und Verbrennungsräume, durch Verdampfereinsätze im Zylinder (Glühringmotor) oder Vorverbrennung in einer Aufbereitungskammer der Kondensation des Brennstoffes entgegenarbeitete. Unter diesen Bedingungen ist es möglich, nicht allzu schwere Treiböle einigermassen wirtschaftlich im Vergasermotor zu verarbeiten, wobei jedoch an Betrieb und Wartung höhere Anforderungen gestellt werden als beim Leichtölbetrieb. Die Schwierigkeiten der Gemischbildung und -erhaltung werden ausgeschaltet, wenn man auf die Gemischbildung ausserhalb des Zylinders ganz verzichtet und den Brennstoff unmittelbar in die verdichtete Luftfüllung des Zylinders einführt. Der Vorteil dieser Arbeitsweise liegt darin, dass Gemischbildung, Verdampfung und Verbrennung örtlich und zeitlich unmittelbar aufeinanderfolgen. Treibt man die Luftverdichtung im Zylinder vor der Brennstoffeinführung so weit, dass die Temperatur über die Zündtemperatur des Brennöles ansteigt, so verbrennt dieses unmittelbar und ohne fremde Zündquelle: das ist das Arbeitsprinzip des Dieselmotors. Treibt man die Luftverdichtung jedoch nur bis zu mittleren Enddrücken (10 bis 15 Atm.), so zündet das im Zylinder gebildete Gemisch nicht selbst, sondern bedarf dazu einer fremden Zündquelle. Als solche dient bei dem wichtigsten Vertreter dieser sogenannten Mitteldruckmotoren eine durch Wärmestauung auf Rotglut gehaltene Stelle dqs Zylinderkopfes (Glühkopfmotor). Der verhältnismässig hohe Brennstoffverbrauch und die schlechte Regelbarkeit dieses vom Wärmezustand des Glühkopfes abhängigen und im Zündzeitpunkt nicht beeinflussbaren Arbeitsverfahrens beschränken die Anwendung dieser Motorbauart auf Fälle, in denen die Einfachheit der Bedienung und Wartung von ausschlaggebender Bedeutung ist, zum Bei- vielleicht geliebt hatte, — das ihm so vertraut war und doch so fremd; denn diese Fee von Prastelny war noch viel, viel schöner, als jene Fee es gewesen: seine Patientin aus Mailand, — seine Freundin aus Florenz» — Und dann hatte er sie in seinen Armen gewiegt zu den Klängen einer berauschenden Musik. Was sie gesprochen, wie sie aus dem Saal gekommen, wohin sie sich gewendet hatten, — er weiss das alles nicht mehr. Er weiss nur noch, dass sie sich irgendwo, fern von der bunten Menge, in den Armen gelegen, — dass sie sich geküsst und immer wieder geküsst haben — und dass dieses berauschend süsse Geschöpf nun bald seine Frau sein wird! Ob der Major seine Zustimmung gibt oder nicht, das ist bedeutungslos geworden. Schon seit drei Monaten ist Fee ja mündig. Natürlich muss man versuchen, ob nicht alles im Guten und in Frieden geht! Und was wird seine kleine Cilly dazu sagen? Gleich heute morgen hat er es ihr mitteilen wollen, als er an sie schrieb: Erst wollte er den Brief damit beginnen. Aber dann schien es ihm besser, die Mitteilung von seiner Verlobung an den Schluss des Briefes zu setzen. Und schliesslich schrieb er's überhaupt nicht, — verschob es auf den nächsten Brief. Weshalb eigentlich? Wusste er nicht, wie er sich ausdrücken sollte? Oder was sonst hemmte seine Feder? Zum Kuckuck, wie albern spiel bei landwirtschaftlichen Zug- undscher Wirkungsgrad niedriger als beim Ver- Kraftmaschinen, Feldbahnlokomotiven und dergleichen. Um den Mangel des ungesteuerten Zündzeitpunktes auszuschalten, hat man Mitteldruckmotoren mit elektrischer Kerzenzündung entwickelt. Bei einer der Konstruktionen dieser Art, dem Motor des schwedischen Ingenieurs Hesselman, wird der Brennstoff fein zerstäubt in einen im Zylinder kreisenden Luftstrom eingespritzt, und zwar so, dass nur ein Teil der Verbrennungsluft mit Brennstoff angereichert wird, nämlich jener Teil, der an der Zündkerze vorbeistreicht. Der hohe Verdichtungsenddruck (26 bis 40 Atm.) und damit die hohe Erhitzung der Luftfüllung bilden den Kernpunkt des Diesel- Arbeitsverfahrens; sie erst ermöglichen, der Grundforderung jeder motorischen Verbrennung nach hohen Brenngeschwindigkeiten auch mit schweren Oelen nachzukommen. Hohe Temperatur bedeutet erhöhte kinetische Energie der Moleküle, sie begünstigt die Gemischbildung und erhöht die Geschwindigkeit der chemischen Reaktion; hoher Druck bedeutet Erhöhung der Sauerstoffkonzentration in der Verbrennungsluft, Verkürzung der Wege der miteinander reagierenden Moleküle im Gemisch. Diese beiden Vorbedingungen werden ergänzt durch eine planmässige Luftumwälzung im Zylinder, die rasche Zufuhr des Sauerstoffes zu den an ihrer Oberfläche brennenden Oeltröpfchen und damit eine kräftige «innere Gemischbildung» be- Avirkt. Hinzu kommt, dass die Verbrennung im Dieselmotor bei niedrigen und mittleren Belastungen mit beträchtlichem Luftüberschuss erfolgt, der im Vergleich zum Vergasermotor wesentlich bessere Verbrennung und damit günstigeren thermischen Wirkungsgrad zur Folge hat. Im Gegensatz zum Vergasermotor ist der Dieselmotor von der Kompressionsfestigkeit des Brennstoffes unabhängig; denn er verdichtet ja nur Luft und kann seine Kompressionswärme voll zur Verarbeitung des Brennstoffes ausnützen. Die Folge dieser günstigen Faktoren ist sehr hoher thermischer Wirkungsgrad, der den aller anderen Wärmekraftmaschinen weit übertrifft und zusammen mit der Verwendbarkeit billiger Brennstoffkalorien die günstige wirtschaftliche Situation des Dieselmotors begründet. Allerdings entspringen aus dem Arbeitsprinzip der Dieselmaschine im Vergleich zum Vergasermotor auch gewisse Nachteile; die höheren Verdichtungs- und Explosionsdrücke bedingen stärkere und damit schwerere Ausführung der Triebwerksteile, deren mechani- von ihm! Was hat diese Liebe mit der Liebe zu seiner kleinen Cilly zu tun, — zu seinem Kerlchen. Er würde sie bestimmt in nichts schmälern. Von ihrem Platz in seinem Herzen konnte sie doch nichts und niemand verdrängen! Es hat Fee grosse Ueberwindung gekostet, sich schon nach fünfstündigem Schlummer wieder zu erheben. Aber die Zeit bis zwölf Uhr mittags, der verabredeten Stunde für den Besuch ihres Verlobten, muss ausgenützt werden, um die Stellung des Herrn Major sturmreif zu machen! Als Fee dem Vater beim Frühstück ihre Verlobung mit Bux mitteilt, sieht er sie an, als ob sie den Verstand verloren habe. Dann zieht er mit der Linken die Taschenuhr aus der Weste und greift mit der Rechten nach ihrem Handgelenk. — Drei und eine halbe Stunde lang bombardiert Fee die Stellung des Majors mit Trommelfeuer. Endlich ist er so weit, dass er unter gewissen Bedingungen kapitulieren will. Dann erscheint Bux auf der Bildfläche. Er wird nicht eben herzlich empfangen, aber immerhin höflich. Die beiden Herren gehen gleich in medias res: «Ich sage Ihnen offen, Herr Doktor, dass ich einer Eheschliessung zwischen Ihnen und meiner Tochter nicht mit Optimismus entgegensehe — in keiner Beziehung. Aber meine gasermotor wird, wogegen das Gewicht der Maschine pro PS, das sogenannte Leistungsgewicht, höher ist. Mit Rücksicht auf die bei schwererem Triebwerk rasch anwachsenden Massenkräfte lassen sich hohe Drehzahlen nur schwierig erreichen. Die Literleistung des Dieselmotors (PSe pro Liter Hubraum) bleibt hinter der des Vergasermotors zurück. Die ausserordentlich verschiedenen Arten, auf die das Arbeitsprinzip des Dieselmotors verwirklicht werden kann, haben zu einer Fülle der verschiedensten Bauarten geführt. Für die Brennstoffeinführung in den Zylinder sind zwei Möglichkeiten, gegeben. Bei der einen wird der Brennstoff zusammen mit stark gespannter Pressluft kurz -vor der oberen Totpunktlage des Kolbens in die auf etwa 28 bis 36 Atm. verdichtete hocherhitzte Luftfüllung des Zylinders eingeblasen und zerstäubt (Lufteinblasung). Bei der zweiten wird der Brennstoff durch hohen hydraulischen Druck oder den Gasdruck einer Teilverbrennung dem Zylinder zugeführt (kompressorlose Bauart). Die letztgenannte Bauart, bei der der etwa fünf bis sieben Prozent der Maschinenleistung beanspruchende Luftkompressor fortfällt und eine höhere Wirtschaftlichkeit erreicht wird, ist heute die vorherrschende, nachdem sie sich in den letzten Jahren auch im Grossdieselmaschinenbau durchsetzen konnte. Die kompressor- oder luftlose Brennstoffeinführung ist in zweifacher Weise möglich: durch direkte Einspritzung des Treiböles unter hohem Druck (270 bis 300 Atm.) in die auf 16 bis 18 Atm. verdichtete Luftfüllung des Zylinders (Strahlzerstäubungsmaschine) und durch Einführung des Treiböles unter etwa 80 Atm. Druck in eine mit dem Zylinder in Verbindung stehende Vorkammer, in welcher eine Teilverbrennung stattfindet, deren Druckwirkung den Brennstoff in die auf 35 bis 40 Atm. verdichtete Füllung des Zylinders treibt (Vorkammermaschine). Bei den Strahl Zerstäubungsmaschinen unterscheiden sich die verschiedenen Bauarten vor allem in der Ausbildung der Brennräume; da hier die Durchwirbelung durch Einblaseluft oder Vorkammergase fehlt, werden besondere Massnahmen zur Erzielung einer gleichmässigen und durchschlagskräftigen Verteilung der Brennstoffstrahlen über den ganzen Brennraum erforderlich. Der Unterschied zwischen Viertakt- und Zweitaktmaschinen dürfte vom Vergasermotor her geläufig sein. Der Viertaktmotor liegt zwar im spezifischen Brennstoffver- Tochter ist fest entschlossen, — sie ist mundig, — ich will nicht, dass sich mir mein Kind entfremdet: kurz, ich will meine Einwilligung nicht... sagen wir: ich kann sie nicht versagen.» Bux macht eine dankbar zustimmende Verbeugung. «Was nun die Mitgift, die Aussteuer anbetrifft», fährt der Major fort, «so werde ich...» «Oh, bitte», unterbricht Bux. «Davon kann keine Rede sein. Wenn ich eine Frau heirate, so ist das wohl meine Sache. — Nein, bitte, ich lehne jede Mitgift oder auch nur einen Beitrag zu einer Aussteuer oder dergleichen 'schönen Dingen mit dankbarer Anerkennung 'Ihres guten Willens ganz entschieden ab.» Major von Prastelny findet Herrn Dr. Buchsbaum immer sympathischer; er kann es nicht leugnen. — Und nun kommt er zum Wichtigsten: «Ich kann doch selbstverständlich annehmen, dass Sie Ihre Seilt...» — Beinahe hätte er gesagt: Ihre Seiltänzerei — «Ihre Zirkuslaufbahn aufgeben und sich wieder Ihrem bürgerlichen, Ihrem ärztlichen Berufe zuwenden werden?» «Nein, Herr Major», sagte Bux. «Vielleicht später einmal, vorläufig aber nicht.» Herr von Prastelny ist einer Ohnmacht nahe. Bux lässt sich dadurch nicht rühren. Er erklärt, dass er für seine Eltern zu sorgen habe, wozu er mit ärztlicher Praxis nicht in