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E_1934_Zeitung_Nr.080

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BERN, Dienstag, 2. Oktober 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N 80 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freltitg Monatlich „Gelbe Liste** Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 87, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Das 4. Bergrennen Montreux-Caux Der letzte Lauf der schweizerischen Meisterschalt beschllesst mit vollem sportlichem Erfolg die Saison. — Tausende von Personen verfolgen die Rennen um die stark umstrittenen ersten Plätze. — Mettraux auf Ford ist der Schnellste bei den Tourenwagen, Stuber auf Alfa Romeo bleibt Sieger der Sportwagen, Pietsch auf Alfa Romeo stellt die beste Zeit der Rennwagen und des Tages auf. Montreux, 29./30. September 1934. Saison-Ausklang. Es war nach dem stark international betonten Sportprogramm dieses Jahres, das uns mit dem Klausen und den beiden Rundstrecken-Rennen von Montreux und Bern drei Veranstaltungen brachte, die weit über die Grenzen unseres Landes hinaus Beachtung fanden, keine leichte Aufgabe, die Saison mit einem Meisterschaftslauf zu beschliessen, der einen würdigen Schlusspunkt zu setzen vermochte. Die Erwartungen waren gerade in der welschen Schweiz um so höher eingestellt, als Montreux mit seinem ersten Rennen in der Stadt eine sportliche 'Sonderleistung geboten hatte, der nicht so leicht etwas Ebenbürtiges an die Seite gestellt werden konnte. Man weiss, dass die unvermeidlichen Mehraufwendungen, die nun einmal bei jeder Veranstaltung bedingt sind, welche erstmalig aufgezogen wird, und dazu eine Wettermisere sondergleichen den mutigen Organisatoren ein schwer lastendes Defizit brachten, das- ihnen grösste Zurückhaltung auferlegen musste. Um so anerkennenswerter ist die Initiative und der ungebrochene Wille, einmal eingegangene Verpflichtungen auch zu übernehmen, welche die Sektion Waadt des A. C. S. gemeinsam mit den Verkehrs- und Sportkreisen in Montreux an den Tag legten, als sie, allen Erfahrungen zum Trotz, an der Austragung des Bergrennens festhielten. Eine Absage nach den finanziellen Rückschlägen des Rundstreckenrennens hätte man niemand verübeln „können, und dies um so mehr, als bekanntlich der Fremdenverkehr, auf den das ganze Wirtschaftsleben von Montreux so sehr eingestellt ist, selbst nicht gerade erfreuliche Zeiten durchmacht. Ein solcher Verzicht hätte aber um so schwerer treffen müssen, als schon durch die Absage des Ceneri-Rennens eine empfindliche Lücke im Sportkalender entstanden war, die, allen Anstrengungen zum Trotz, nicht mehr ausgefüllt werden konnte und ja auch bereits allerhand Kopfzerbrechen wegen der Beendigung der Automobilmeisterschaft verursacht hatte. Doppeltes Lob und Anerkennung also den Förderern des Automobilsportes in Montreux! Das Bergrennen nach Caux hinauf findet am Sonntag nicht nur seine vierte und wesentlich verbesserte Auflage, sondern es rückt mit einer Startliste von 42 Meldungen auf, die kaum irgendwelche Wünsche offen lässt. Unsere nationalen Rennen sind vor allem Lehrbank und Prüfstein für die schweizerischen Sportsleute, denen damit die erste Möglichkeit geboten ist, sich im Rennsport auszubilden und die ihnen eine solide Vorbereitung für die Beteiligung an grösseren Veranstaltungen des In- und Auslandes vermitteln. Gerade die Beibehaltung einer besonderen Wertung für Tourenwagen erleichtert es Neulingen, die Renntätigkeit aufzunehmen, wobei sich jeder einzelne darüber Rechenschaft geben kann, ob er das Zeug zu einem aussichtsreichen Sportfahrer besitzt und aus dem richtigen Holz geschnitzt ist, um allen Anforderungen gewachsen zu bleiben. Nun wird aber der Kreis der Rennfahrer immer ein beschränkter bleiben, und so sehen wir an den einzelnen Meisterschaftsläufen neben einigen wenigen neuen Gesichtern immer wieder den Stamm der bewährten Aktiven, die bereits seit mehreren Jahren mit von der Partie sind. Stehen sich nun fast während einer ganzen Saison immer wieder die nämlichen Fahrer und Maschinen gegenüber, so verlieren die Rennen notwendigerweise an Wert und Interesse sowohl für die Nächstbeteiligten, als auch für das Publikum. Die Rennen waren gar nicht so selten, wo bezüglich der Kategoriesieger, ja sogar über manchen Klassen-Ersten, gar kein Zweifel bestand. Nur ein schwerer Defekt im Rennen selbst oder sonstwie ein unprogrammmässiger Zwischenfall konnten eine Aenderung in der Rangliste bringen, die in grossen Zügen schon zum vorneherein umrissen war. Das Kampfmoment, das allein solchen Rennen ihren besonderen Wert und Reiz verleiht, fehlte oftmals weitgehend und zwang nicht immer zu Höchst- und Bestleistungen. Der Ausgang einzelner Veranstaltungen vermochte daher mit seinen fast ausgekarteten Siegen nicht immer vollauf zu befriedigen. Die Organisatoren verschiedener nationaler Rennen haben diesen Mangel mitempfunden und scheuten daher nicht vermehrte Aufwendungen, um durch den Zuzug einiger tüchtiger ausländischer Kräfte den Konkurrenzen neuen Impuls zu verleihen. So sahen wir Leute wie Stuck am Kriens-Eigenthal und Gurnigel, Graf Trossi am Ceneri usw., und jedesmal, wenn fremde Gäste mit um den Lorbeer kämpften, kam Bewegung in die Angelegenheit, wobei die spannenden Wettkämpfe hohen sportlichen Gewinn und wertvolle Erfahrungen für unsere eigenen Leute brachten, ganz abgesehen davon, dass auch das Publikum besser als je auf seine Rechnung kam. Diesen Weg hat nun auch Montreux beschritten. Dabei machte man gleich ganze Arbeit und konnte eine Anzahl bekannter Fahrer des Auslandes verpflichten, so dass von den 27 Anmeldungen der Sport- und Rennwagenklasse nicht weniger als zehn auf fremde Piloten entfallen, unter welchen sich Namen wie Balestrero, Pietsch, Graf Castelbarco, Soffietti usw. von gutem internationalem Klang finden. Durch ihre Teilnahme, die allerdings propagandistisch nicht voll ausgeschöpft worden zu sein scheint (so war beispielsweise, trotz allen Bemühungen, noch am Samstag abend kaum ein Programm aufzutreiben!), erhält das Rennen ein neues Gesicht und reicht damit gleichzeitig wesentlich über den üblichen'Rahmen der nationalen Anlässe hinaus. Weder in den einzelnen Klassen noch in den Kategorien ist irgendein Sieg eine ausgemachte Sache. Im Gegenteil stehen sich überall mehrere ernsthafte Anwärter gegenüber, die sich bezüglich ihres Könnens und des Maschinenmaterials ziemlich die Waage halten. Es darf mit Genugtung festgestellt werden, dass wir unter den Favoriten mindestens so viele Schweizer Fahrer als ausländische Gäste finden, wobei nicht übersehen werden darf, dass es sich bei unseren Leuten durchwegs um Sportund Herrenfahrer handelt, die ausschliesslich aus Freude zur Sache mitmachen, während das Kontingent der Gäste mehrheitlich aus Fahrern zusammengesetzt ist, welche den Rennsport, wenn nicht ausgesprochen berufsmässig, so doch mehr aus Erwerbsgründen betreiben und daher Sonntag für Sonntag irgendwo am Start erscheinen. Maschinen und Piloten sind daher weit mehr im Training und vielfach besser konditioniert, als dies bei den schweizerischen Konkurrenten der Fall ist. In Kessler, Stuber und Ruesch können wir aber dem ausländischen INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Imeratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Ansturm eine aussichtsreiche Verteidigung entgegensetzen, die den Gästen den Sieg nicht allzuleicht machen wird. Montreux-Caux wird aber noch in anderer Beziehung unter recht günstigen Auspizien zum Austrag kommen. Es wurde bereits darüber berichtet, dass die Strecke vom Start bis hinauf zum Ziel einen durchgehenden Ausbau erfahren hat, indem die Fahrbahn teilweise verbreitert und mit einem sehr griffigen Belag versehen wurde und eine ganze Anzahl der vielen Kurven durch Ueberhöhung und weitere Korrekturen modernisiert worden waren. Die Fahrer äusserten sich durchwegs sehr anerkennend über die fortschrittliche Gestaltung der Strasse. Sie sind sich alle darüber einig, dass das Rennen dadurch an Sicherheit gewinnt, obwohl es wesentlich schneller werden wird. Bekanntlich ist die Renndistanz durch die Verlegung des Startes weiter nach der Stadt zu um etwas mehr als einen halben Kilometer verlängert worden. Die anfänglich gewählte Streckenführung vom Start weg wurde noch am Samstag für das letzte Training geändert, da die vorgesehene Strasse einige Wellen aufwies, die den Wagen allzu sehr zugesetzt und zudem nicht die Entwicklung flotter Geschwindigkeiten von Anfang an erlaubt hätte. Der jetzige Verlauf des Kurses lässt nun keinerlei Wünsche mehr offen und darf als der schwierigste aber auch interessanteste der dieses Jahr ausgefahrenen Läufe bezeichnet werden. Schlussendlich noch ein Wort des Lobes für die Wetterregie! Nachdem das letzt jährige Rennen unter Regen und Nebel litt, die sowohl die sportlichen Ergebnisse als auch den Besuch notwendigerweise beeinträchtigen mussten, empfindet man das ideale Herbstwetter, das der Gegend seit Tagen beschieden ist, nicht nur als eine persönliche Wohltat, sondern geradezu als eine wohlverdiente Entschädigung der unermüdlichen Arbeit der Organisatoren und der Treue der Fahrer, welche sie diesem Rennen halten. Obwohl am Sonntag Winzerfeste aller Art in der ganzen Weingegend des Welschlandes stattfanden und daher das Rennen stark konkurrenziert war, so fanden sich doch über 6000 Personen ein, welche sich längs der Rennstrecke auf Wiesen und Hängen, Mäuerchen, Hausdächern und Terrassen wohnlich eingerichtet hatten und im Scheine der wärmenden Herbstsonne die Eindrücke des Rennens auf sich einwirken Hessen. Das Publikum erwies sich als überaus sportfreundlich und -verständig und kargte nicht mit Beifall, wenn es saubere Fahrleistungen und gute Kurven- (Fortsetzung siehe Seite 3.) F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (26. Fortsetzung) Fee lachte auf. «Ich glaube kaum, dass dieser Grund meinem Mann sehr einleuchten würde. — Uebrigens musst du nicht glauben, dass du da einen sehr neuen und genialen Plan äusserst. Aber mein Mann will eben seine Zirkuslaufbahn einfach nicht aufgeben, obgleich es sehr gut ginge. Er will sich nicht von seinen Biestern trennen. Die sind sein ein und alles. Und auch bei dem Gedanken, dass sich seine Eltern nur ein bisschen einschränken mussten, bekommt er fast Krämpfe.» Kroidt schüttelte den Kopf. «Ich begreife offengestanden nicht, wie er selbst, als gebildeter Mensch, sich in diesem Milieu wohlfühlen kann.» «Er ist doch darin aufgewachsen.» Fee zuckte geringschätzig die Achseln. «Und dann hat er ja auch seine wissenschaftlichen Interessen. Während der Tournee in Südamerika hat er sogar ein sehr grosses Werk geschrieben, in dem er seine ganzen Erfahrungen zusammenfasst,. die er bei seinen eigenen Biestern und in der grossen Tierschau im Laufe der vielen Jahre gesammelt hat.» Kroidt horchte interessiert auf: «Was ist das für ein Werk? Wie heisst es? Hat er schon einen Verleger?» «Natürlich. Es soll schon bald erscheinen, — in diesem Sommer. Es behandelt die Pflege und die Krankheiten von all dem exotischen Viehzeug, was eben in Menagerien und zoologischen Gärten gehalten wird.» Otto von Kroidt schwieg ein Weilchen nachdenklich. Dann sagte er: «Hör zu, Fee! Ich habe schon einen bestimmten Plan. Aber den verrate ich nicht. Du weisst, ich habe sehr gute und vielseitige Verbindungen in Berlin. Sobald das Werk erscheint, wirst du mir Nachricht geben, — Titel, Verlag und so weiter. Falls es mir gelingt, etwas zu erreichen, muss ich aber auf deine Unterstützung, rechnen können. Ich muss sicher sein, dass du dann alles daransetzest, Dr. Buchsbaum zu einer Uebersiedlung nach Berlin zu bewegen.» «Na, das ist doch selbstverständlich!» rief Fee. «Wie du da noch fragen kannst!» Da schlang Otto von Kroidt plötzlich seine Arme um Fee, und ehe sie es sich versah, küsste er sie ein paarmal hintereinander auf den Mund. «Lass doch die Dummheiten!» rief Fee und machte sich frei. Aber der Verweis klang durchaus nicht so ernst, dass sich Herr von Kroidt hätte gemassregelt fühlen müssen. — Am übernächsten Tage traf ein Brief aus Nördlingen ein. Bux schrieb sehr deprimiert: Sein Vater hatte eine Woche vor der Ankunft des Dampfers einen Schlaganfall erlitten. Er hatte sich zwar wieder davon erholt, aber die Untersuchung hatte ergeben, dass die Arterien sehr brüchig waren und dass man mit dauernder Lebensgefahr für den alten Herrn rechnen musste. Zum Schluss teilte Bux mit, dass seine Schwester Anna mit ihrem Mann seit einem Monat auch wieder in Deutschland sei, — dass das Ehepaar seine Artistenlaufbahn aufgegeben und mit seinen Ersparnissen ein gutgehendes Kino in Frankfurt am Main gekauft habe. • Am 31. März trafen Bux und Fee aus verschiedenen Richtungen in Osnabrück ein. Zirkus Kreno war auch erst am frühen Morgen dort angekommen und der Aufbau noch nicht ganz vollendet. Aber Buxens Stallzelt stand bereits, seine Tiere waren gut untergebracht, und auch sonst war alles in bester Ordnung. Gegen Abend, als die Manegen schon hergerichtet waren, musste Fee dem Direktor eine Probe von ihrem und ihrer Pferde Können ablegen. Sie fiel leidlich aus, und Fee bekam zu recht anständiger Gage einen Vertrag für die ganze Sommertournee. — Bux war von allen Kollegen und Kolleginnen mit grosser Herzlichkeit begrüsst worden. Und da an diesem Abend noch keine Vor- Stellung stattfand, lud er alle zu einer kleinen Wiedersehensfeier ein. Fee wollte sich natürlich von diesem Beisammensein drücken. Doch Bux hielt ihr vor, dass sie sich damit von vornherein die Stellung bei den Artisten verderben würde; und so fügte sie sich. — Es wurde ein urgemütliches, echtes Artistenfest, — heiter und harmlos. Man schwatzte, scherzte, sang, tanzte. Herr Hartmann, der Pressechef des Zirkus, hielt eine Willkommensrede auf den beliebten und berühmten Kollegen. Und schliesslich erhob sich auch Friedenthal — zu einer Ansprache an Fee. «Sehr vaehrte junge Frau!» begann er, — ahnungslos, dass schon diese Anrede Fee wie ein Pfeil traf. «Ick will hier keen langet Kokolores machen, aber een paar unpassende Worte sollen nichts desto trotz ooch Ihnen jewidmet sein; — nich nur vonwejen det Sie die Jattin, ach die teure, von unserm lieben Bux zu sein det ausvaschämte Jlück haben, — nich nur vonwejen det Sie mit heile Knochen aus det Affenland da drieben in die traute Heimat zurückjekehrt sind, — sondern vor allem, weil Sie heute offiziell in unsern Haufen rinjetreten sind, — in unser Häufken, det unser Herr Hartmann in seine Presseartikel imma so hochpoetisch Nals* ,das lustige Artisten-Völkchen' bezeichnet, — indem det der Olle heute mit Ihnen Vertrag jemacht hat. Und somit bejrüssen wir Sie, vaehrte junge Frau, hierdurch in unsre Mitte und heissen