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E_1934_Zeitung_Nr.078

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Und sie gingen los.

Und sie gingen los. Nicht nur jene, deren Männer und Söhne in jenem Unglücksschacht gefangen waren, lebendig oder tot, nicht nur die — auch die anderen — alle. Sie kamen aus den Häusern und Gärtchen, die jungen Mädchen, die Frauen, die alten Mütter. In fliegender Eile schlangen sie die Tücher um ihre Schultern, griffen sie Spaten auf und zogen zum Bergwerk. Viele waren, darunter, die im langen Leben einander meiden gelernt, viele, zwischen denen noch vor wenigen Minuten ein böses Wort gestanden, Neid oder noch Aergeres. Aber wie sie so, gegen den kalten Wind ankämpfend, mit wehenden Haaren und flatternden Tüchern vorwärts eilten, verilog alles, was sie getrennt hatte, aus ihren Herzen. Mit grossen, erstaunten Augen sahen die fieberhaft arbeitenden Männer die Armee der Frauen nahen. Aber sie fragten nicht viel, denn hier ging es um Menschenleben! Und in der jetzt folgenden Stunde leisteten diese Frauen mit ihren schwachen Armen, die Spaten und Hacken führend, Männerarbeit. Sie sprachen nicht, sie klagten nicht und — sie weinten nicht. Als die Rettungsmannschaften in ihren grossen Automobilen angefahren kamen, war der grösste Teil der Arbeit bereits getan. Man konnte sich mit den Eingeschlossenen schon durch Klopfzeichen verständigen. Eine dünne Wand aus Granit musste noch gesprengt werden, dann entschied sich, ob es Verluste gegeben oder keine. In einem dichten Häuflein standen die Frauen eng beisammen, mit schmierigen, zerschundenen Händen, zerrissenen Kleidern und russigen Gesichtern. Nur ihre Augen leuchteten un- ZÜRICH Schützengasse 29 Eröffnung: 22. September Ischias, Geht Rheuma, Gelenkleiden, Stoffwecfmlstförunoen befreien kann. Broschüre gratis! Leit.Arzt: Dr. med. Fortmann Venedigstr.2 (Bahnhof Enge), Telephon 59.346 Weitere, unter ärztlicher Leitung stehende Institute in O'ten und Romanshorn. Mod. Sprach- u. Handelsfachschule mit abschliessend. Diplom. Gründl. Erlernung des Rationelle Vorbereit, a. Universität(Matur.) u. Eidg.Techn.Hochsch. 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Dort kamen die Ersten heraus, wankend und ermattet. Schweigend standen die Frauen und lauschten. Und da kam ein Ruf von den Lippen eines der Geretteten und pflanzte- sich hundertstimmig fort und klang hell und laut zu den Frauen herüber: «Alle — am Leben!» Da knieten die Frauen hin und legten die zerschundenen Hände ineinander. Und dankten Gott. P. U. Von Jakob Harinrer. Lass ans noch ein Ständlein glücklich sein — Schau, der Sommer sinkt wie Gras dahin! Aus den Schenken lockt Burgunderwein Und die Welt ist noch so süss und grün. Sterne bläht Dein altes Mädchenkleid. Frühlingswind schneit uns so julimüd — 0, es war so schön oft — alle Leu? Sangen Deine kleinen Lieder mit. Ach, so bald bin wieder ich allein — Schau, der Sommer sinkt wie Gras dahin — Lass uns noch ein Stündlein glücklich sein Eh' ich wieder arm und traurig bin... Das Werk einer Philanthropin. in Zukunft alles Zerbrochene aus der eigenen Tasche bezahlen. Kurz darauf geschah Der Sommer 1933 ergab in Japan eine ganz erschreckende Zahl von Selbstmorden. wieder ein Unglück. Das vollkommen verzweifelte Mädchen rannte zur Sparkasse, Junge Menschen beiderlei Geschlechter stürzten sich allein oder paarweise in den hob ihre Ersparnisse — 20 Yen — ab und glühenden Krater des Mihara und warfen schrieb einen Brief. Es hoffe, dass dieser auf diese entsetzliche Weise ihr Leben weg, Betrag den bis jetzt angerichteten Schaden das ihnen aus irgendwelchen, oft nicht einmal ersichtlichen Gründen wertlos gewor- besten Kimono an und stürzte sich ins Meer. wohl decken werde. Darauf zog es seinen den war. Die lächerlichsten Dinge genügten, In japanischen Augen hat der Mut, sein Leben einen jungen Menschen in den Tod zu treiben. Ein kleines Beispiel: In Yokohama strahlt. Die Selbstmorde der letzten Jahre wegzuwerfen, immer in hohem Glanz ge- lebte ein junges Dienstmädchen, das ab und aber arteten zur Seuche aus. Hier griff eine zu das Missgeschick hatte, Geschirr zu zerbrechen. Eines Tages kündigte die aufgetete an besonders berüchtigten Selbstmord- japanische Frau ein : Nebu Jo. Sie errichbrachte Hausfrau dem Mädchen an, es müsse stellen fünf grosse, nachts elektrisch be- leuchtete Tafeln, auf denen nur ein Satz stand : « Warte noch ! Sprich mit Frau Nebu Jo ! », dann folgte die genaue Adresse. Und sie kamen dutzendweise, meistens Frauen, heimatlose, freund- und freudlose Frauen : unverehelichte Mütter, verirrte Töchter und bitter unglückliche Ehefrauen. Frau Nebu Jo fand immer einen Weg. Dank ihrer unermüdlichen Arbeit sind inzwischen Heime für diese enttäuschten Menschen entstanden, in denen sie leben und wieder eine Existenz aufbauen können. Rund 10,000 Frauen haben bei diesem edlen und verständnisvollen Menschen Rat und Hilfe gefunden. Frau Jo's Jugend fiel noch in die Zeit, als die japanische Frau eine durchaus untergeordnete Rolle im Leben des Landes spielte. Die neugeborene Tochter wurde vom Vater als « fades Ei >, das heisst als Schuldenquelle, scheel angesehen. Ihr Leben wurde von der bindenden Pflicht zum Gehorsam bestimmt: Gehorsam gegen den Vater und später Gehorsam gegen Gatten und Söhne. Das war das Gesetz, nach dem sie sich zu richten hatte. Heute ist es zwar besser geworden: die japanische Frau kann in der Fabrik, als Verkäuferin, Lehrerin und Bureauangestellte ihr Brot verdienen. Frau Jo, durch frühe Witwenschaft gezwungen, den Lebensunterhalt selbst zu erwerben, weiss um die Not, und deshalb kann sie wieder den Weg zum Leben zeigen. höchste und interessanteste Aussichtswarte am Vierwaldstättersee. PILATUS-KULM wird von Alpnachstad, an der Brünigstrasse, mit der kühnsten und interessantesten Zahnradbahn der Welt in 70 Minuten bequem erreicht. Garagen in Alpnachstad. D e Zufahrtsstrassen aus CH Touring, Führer f ür der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O, R. Wagners A utomobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. 1130 m 0. 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Nach eingehenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass ein Meteor 3 Kilometer im Umkreis ein 70 Meter tiefes Bett geschlagen hatte. Die Goldsucher kamen zu der Ueberzeugung, dass die erzene «Himmölsgranate» erst 14 Tage vor ihrer Ankunft explodierte. Die warnende Hand. Bei der Restauration einer Renaissancekirche in Herefordshire wurde kürzlich ein Ueberbleibsel aus alten Tagen aufgefunden, das nicht ohne ein gewisses grausiges Interesse ist. Man entdeckte eine schmiedeiserne Platte mit einer runden Oeffnung in der Mitte, unter der ein Stück Leder in der Form einer menschlichen Hand ausgespannt war. Nach Berichten der Kirchenältesten hing dieses Stück früher am Eingangstor der Kirche und zwar handelt es sich in der Tat um die gegerbte Haut einer Menschenhand. Die chemische Analyse stellte die Richtigkeit dieser Behauptung fest. Die Hand wurde im 17. Jahrhundert einem der vielen Räuber abgeschlagen, die die Gegend unsicher machten, und die abgezogene Haut sollte als Warnung für die Verbrecherbanden dienen. Totentanz.» Aus Newyork wird gemeldet: Am Strand von Ashbury ist, wie aus dem Boden gezaubert, ein wahrer Jahrmarkt entstanden, der einem zahlreichen Publikum vom Ringelspiel bis zur Bar alle Volksbelustigungen bietet. Den Mittelpunkt bildet jedoch das noch rauchende Wrack der «Morrocastle». Der Gemeinderat von Morrocastle betrachtet das Wrack als sein Eigentum. In Kähnen werden Neugierige dahingefahren. Das Betreten des Wracks kostet 5 Dollar und die Leihgebühr für die infolge des Rauches notwendigen Gasmasken ebensoviel. Die Zahl der von Neugier getriebenen Besucher des Unglücksschiffes beträgt täglich über 30,000. (Das Grauen des Massentodes als letzte Sensation : das hat zur Charakteristik Amerikas noch gefehlt!) (Ein

N° 78 — 1934 AUTOMOBIL-REVUE 15 HD BOB DP Neue Ideen für das Abendkleid. So sehr die Frauen auch die Möglichkeit ersehnen, die festlichen Abendroben recht oft anzuziehen — die Gelegenheiten, die fliessenden und duftigen dekolletierten Roben aus lichten oder dunklen kostbaren Geweben zu tragen, bleiben selten. « Man kann den Herren nicht den Smoking diktieren — wir Damen bleiben also in Nachmittagskleidern », sagt die Hausfrau. Geht man ins Theater, hat es wohl nur dann einen Sinn, SSE CPIDP^IU Kleine Blitzlichter sich festlich anzuziehen, wenn man den Abend mit irgendeiner Unterhaltung in einem Dancing oder in einer Bar fortsetzt. Sonst trägt man auch für schöne Theaterabende — das Nachmittagskleid. Es ist stillos, sich festlich zu kleiden, wenn die Zeit an Festen arm ist. Aber die Frauen wissen, dass sie einzig in abendlichen Kleidern vorteilhaft aussehen, in den langen weichen Röcken und den schmiegsam drapierten Taillen dieser Modelle. In der vergangenen Saison gab es bereits Iangfliessende Nachmittagstoiletten, die für den The prolonge, diese beliebteste und praktischste Form der Geselligkeit, vorzüglich passen. Für den Nachmittag aber setzten sich diese Modelle nicht durch — es ist beschwerlich und auffallend, mit diesen Kleidern — noch bei Tageslicht — in die Strassenbahn einzusteigen oder gar, ehe man der Einladung folgt, im langen Kleide Kommissionen zu erledigen oder seiner Arbeit nachzugehen. Deshalb behielt das Nachmittagskleid seine Geltung. Nun aber, für die neue Saison will die moderne Frau nicht auf dekorativ-kleidsame Abendtoiletten verzichten. Sie macht den Modeschöpfern ihre eigenen Vorschläge und denkt praktisch und logisch nach, um die Anforderungen ihres Lebens, die mühsame und sparsame Gegenwart mit ihren Wünschen in Einklang zu bringen. Einfach müssen die Abendkleider sein. Sie haben lange, weite oder auch kurze Aermel. Der Dreiviertelärmel in neuer, loser Form, der mit den Bewegungen seine Form jeweils verändert, scheint für den neuen Toilettentyp wie geschaffen. Dekollete — keines. Oder nur ein kleiner viereckiger oder spitziger Ausschnitt, wie er ja sogar fürs gestrickte Kleid modern wird. Eine weisse Garnitur für Hals und Aermelabschluss ist jenen Frauen willkommen, die durch helldunkle Kontraste frisch und jugendlich aussehen wollen. Die langfliessenden Röcke, zumeist ohne Schleppen, sind von Glocken oder Faltengruppen erweitert. Plissierte Schmetterlingsärmel scheinen schlicht genug für das neue Kleid. Wollstoff, durchwirkt von Metall oder auch nur Ton-in-Ton reliefiert, schwarz, dunkelblau, braun, rostfarbig, schiefergrau oder graugrün, wird nur vom Standpunkt der Kleidsamkeit aus gewählt. Seide und Kunstseide in erhabenem Dessin dienen diesen Modellen. Man möchte nach des Tages Mühen in ein anderes Kleid schlüpfen und sich in seiner graziösen Form, in seiner stilisierten Einfachheit wohl fühlen. Später einmal, nach einem Jahr, wird der Rock des Modells gekürzt und das Kleid dient weiter: nun für die Tagesstunden. Sparsame Frauen oder jene Damen, die viel Abwechslung lieben, tragen zum langen schiedenheit gegen den Kultus der schlanken Linie. Und die Schwärmer für die Rundlichkeit finden ihr Pendant in den Damen. Bemerkenswert gross ist die Zahl der Frauen, die sich als Verfechterinnen des Embonpoints entpuppen. Eine offenbar sehr gebildete Dame begnügt sich nicht bloss mit dem naheliegenden Zitat, sie stimme Cäsar zu, der wohlbeleibte Männer mit glatten Köpfen um sich liebte, sondern sie mobilisiert die gesamte Weltgeschichte, um ihre Vorliebe für Dicke historisch, philosophisch und psychologisch zu begründen. Sind nicht die meisten genialen Männer von gedrungener, stämmiger Figur und eigentlich höchst undämonisch in ihrem Aussehen? War nicht Sokrates so dick, dass man ihn hätte mit gutem Gewissen eine Bade-Kur verordnen können? Und Cäsar: offenbar war sein eigener Leibesumfang daran schuld, dass er gegen den hageren Cassius eine instinktive Abneigung empfand. Napoleon war kleinen Wuchses, und wenn auch sein grauer Mantel die Leibesfülle malerisch verhüllte, so ist doch sein Embonpoint eine Tatsache, die der Weltgeschichte angehört. Und Goethe? Schopenhauer? Beethoven? Eine Galerie der Unsterblichen, der man, wenn es keine Maiestätsbeleidigung ist, einen immerhin stattlichen Leibesumfang nicht absprechen kann. Die Einsenderin kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Dicken offenbar für den Lebenskampf besser ausgerüstet seien und höhere Erfolgschancen hätten als die Schlanken. Eine Meinung, die gewiss manchen Widerspruch erwecken wird. Die neue Mode Eine grosse Modeschau im Kursaal Zürich. Der vornehme Rahmen des grossen Saales und ein anstehender Salon des «Kursaales > nahmen zweimal, am 21. und 22. September, eine umfangreiche und elegante Modeschau auf. Ihr Gelingen lag zum grossen Teil an der sorgsamen Regie und dem wohlüberlegten Zusammenstimmen von Kleidung und Accessoires. Die peinliche Sorgfalt im Zusammenstellen von Farben, von Materialien und die Wahrung eines einheitlichen Stils bis in •die kleinen Details hinein, ist keineswegs Snobismus. Vielmehr liegt darin sogar ausgesprochene Diskretion. Denn mit harmonischem Aufbau der Toilette erreichen wir jene feine Unauffälligkeit, die der wirklichen Dame eigen ist. Es wurde diese Modeschau von sieben Zürcher Spezialfirmen durchgeführt: H. Brändle zum Leonhardseck, Frau Peter, Frau S. Seiler, das Schuhhaus Rivoli, M. Fiedler, Rückmar & Cie. und Hans Locher & Cie., beteiligten sich mit aparten Modellen, worunter sich manches Einzelstück befand, das eigens für diese Vorführung geschaffen worden war. '•- Gross war die Zahl der Mäntel und Komplets, die in schönster Verarbeitung, und in sehr gediegenen, aktuellen Wollstoffen die Firma Hans Brändli z. Leonhardseck zeigte. 'Sie •waren jeweils von Hüten aller heute typischen Schattierungen begleitet, die von den Firmen Madame Peter und S. Seiler geliefert worden waren. Dieser Modeschau gibt die Aufnahme von Damengarderobe für stärkere Figuren sowie für ältere Damen ein besonderes Gepäge. Denn nicht bloss die jungen Damen brauchen eine dem Modewechsel folgende Toilette. Ebenso wichtig bleibt die Kleidung der nicht mehr jungen, der vielfach auch nicht gerade schlanken Damen. Und unter den Rundlichen finden wir häufig solche, die erst in den zwanziger Jahren stehen. Denn die Mannequingrössen, sowohl in der Länge wie in der Breite gemessen, sind entschieden in der Minderzahl. Dies gilt für die Schweiz so gut wie für das Feenland der Mode, für Frankreich. Doch zu den Modellen der Firma H. Brändli. Gezeigt wurden «ehr schöne Mäntel in allen möglichen, heute modern gewordenen Wollstoffen; all die Neuheiten der Haute Gouture sind dieser Kollektion geläufig- Und auch die darin auflebenden, aparten Farbtöne. Bekanntlich ist die Mantelmode grosszügig in der Linie; sie verlegt das Dekorative auf Kragen und auf Aermel. Und da gab es -wirklich ein« Fülle von Neuheiten zu sehen. So, wenn es sich um ganz weich in Falten gelegte Kragen, um Capuchoneffekte, um geschlungene Schärpen und Krawatten vorwiegend aus eehr schönen Pelzen, aber da und dort nur aus "Stoff, handelte. Und gerade im Zusammenspiel von Stoff und Pelz in der Kragenpartie war die Kollektion von besonderem Geschmack. Die Aermel mit ihrer Betonung des unteren Teils brachten eine Menge Varianten, worunter die rassigen Aermelstulpen besonders auffielen, wie andere Finessen mit Falten. Originell war mehrfach der VerachlusB der weit übereinander gehenden Mäntel, wobei es an schöner Linienführung nicht fehlte. Sportliches Tenue, gab es doch ausgesprochenen Sport mit Skianzügen und Schlittschuhkleidern, wie auch Halbsport und der vornehme Nachmittagsmantel in allen Schattierungen, prägte sich in diesen Modellen aus. Gerade die feinen Nachmittagsmäntel überraschten idurch sorgfältige Ausarbeitung des Details, duTCh Finessen des Schnitts und durch neuartige, sowohl etwas gerippte Stoffe wie feinste Velours und Duvetine, die von eigenartigem Reiz waren. Ebenso gut gelungen waren die ziemlich zahlreichen Komplets, die bald leger, bald fest zugeknöpft, sich jedem Wetter anpassen und sich teils mit jugendlichen, kleidsamen Farben und in gemusterten Stoffen, teils in zurückhaltenden Tönen und ruhigeren Geweben vorstellten, um sich in schwarzen Komplets, leicht abstehend und mit Pelz umrandet, zu wirklich damenhaftem Stil, aufzuschwingen. Im übrigen war auch der Tailleur nicht vergessen und stellte sich in richtigem, klassischem Tailormade, wi« in weniger strenger Form mehrmals vor; auch da umspielt von allen erdenklichen Finessen in der Verarbeitung, ohne Beeinträchtigung der grossen Linie. Sportliche Wollkleider traten dazu, auch sie kleidsam, den verschiedenen Figuren gut angepasst und den aus neuesten Stoffen. Madame Peter bestritt das Kleid, wie es sich für alle Tageszeiten in der heutigen Mode präsentiert. Hier gab es reizvolle Komplets, weich wirkende Wollkleider, es erschienen die schönsten Seidenstoffe und allerlei Neuheiten mit Metallzusatz. Spitzen nicht zu vergessen! Mit ausstudierten Schnitten wurden die Wollkleider begehrenswert gemacht. Und die gross geführte Linie kam den Alltagskleidern wie den Teetoiletten, den schicken Casaques und den damenhaften Nachmittagsroben ausgezeichnet zu statten. Mit Garnierung wurde sparsam verfahren. Und wo einmal Spitzen mitsprachen, wurden sie sehr zurückhaltend, als Aermelstulpe und Jabot, verwendet, so an der Toilette der altern Dame. Apart war die Farbenwahl, die alle neuartigen Schattierungen von Rost und 3m £er&fi 1934 abendlichen Rock dunkle oder metallisch glitzernde Kasacken und Wickelblusen, die für gesellige Stunden des Nachmittags auch zum knöchelkurzen Rock passen. Schach der schlanken Linie. Wer hat mehr Aussichten im Lebenskampf — die Wohlbeleibten oder die Schlanken? Man sollte meinen, dass es auf diese Rundfrage einer Londoner Zeitung in England der hochgewachsenen, sportlich trainierten, sehnigen Gestalten nur die einstimmige Antwort geben könne, dass die Chancen der Mageren besser seien als die der Dicken. Um so mehr empfindet man es als Ueberraschung, dass eine beträchtliche Zahl von Einsendern antwortet: «Die Wohlbeleibten bringen es weiter». Diese Feststellung bezieht sich gleichermassen auf Männer und Frauen. Ein Herr, dessen Schönheitsideal offenbar die Frauengestalten sind, wie Rubens sie gemalt hat, erklärt der schlanken Linie den Krieg. «Man wird der ätherischen Mädchen allmählich überdrüssig», beklagt er sich, «es vergeht einem der Appetit, wenn man einer Dame gegenübersitzt, die widerwillig in den Speisen stochert und sich schliesslich mit einem Zwieback und einer Apfelschnitte begnügt. Wie kann man nur für wandelnde Skelette schwärmen! Ich liebe frische, blühende Gesichter, weiche Hände mit Grübchen, rundliche, harmonische Formen.» Dieser Hymnus auf üppige, junonische Frauen ist keineswegs vereinzelt. Eine ganze Reihe von Einsendern wendet sich mit aller Entetfdjemttm äSeriag §allroag, SBern baä prä