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E_1934_Zeitung_Nr.084

E_1934_Zeitung_Nr.084

BERN, Dienstag, 16. Oktober 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N» 84 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABOXNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste** Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Wir haben kürzlich in der «A.-R.» von technischen Massnahmen gesprochen, die zur Gewährleistung eines störungsfreien Autobetriebes auch mit dem Eintritt der kälteren Jahreszeit ergriffen werden müssen. Als vorläufig wichtigste Massnahmen führten wir den Oelwechsel und die Kontrolle, sowie eventuelle Neuanpassung der elektrischen Beleuchtungs- und Anlasseranlage an. Ebenso wichtig wie die technische, ist aber auch eine gewisse moralische Vorbereitung. Der Herbst stellt den Automobilfahrer vor eine Anzahl neuer Situationen, die voraus bedacht sein müssen, sollen sie ihm nicht unter Umständen zum Verhängnis werden. Ganz besonders gilt das für Autler mit vielleicht erst halbjährigen Führerausweisen. Aber selbst der alte Routinier tut gut, sich seine Fahrweise auf den Herbst hin wieder einmal zu überlegen. Nur zu leicht lässt man sich durch die günstigen Fahrbedingungen des Sommers in eine trügerische Sicherheit einwiegen und iiwird dann hinterrücks das Opfer eines unbeachteten Risikos. Der Herbst bringt vor allem eine starke Steigerung der Schleudergefahr mit sich. Nebel, Regen und feuchtes, abgefallenes Laub können die sonst griffigste Fahrbahn zu einer lebenbedrohenden Rutschbahn machen. Sinkt die Lufttemperatur gar einmal unter Null,, so ist immer mit Glatteis zu rechnen,, und Glatteis ist weit heimtückischer als irgend sonst etwas, was die Fahrsicherheit bedroht. Die Gewissheit, griffigen Boden unter den Rädern zu haben, darf nie zur Unvorsichtigkeit verführen, den Strassenzustand auch weiterhin als griffig anzunehmen. Hinter der nächsten Kurve können sich die Verhältnisse vollständig geändert haben, ja, auch in der Geraden weichsein «griffige Fahrbahn» und «Rutschbahn» oft ganz unvermittelt miteinander ab. ^ Saust der Fahrer ahnungslos in eine solche "^Situation hinein, so genügt oft die geringste Unruhe in der Lenkung oder auch schon nur ein bescheidenes Anziehen der Bremsen, um das Schleudern einzuleiten. Was weiter geschieht, hängt zum grossen Teil vom Glück ab. Starkes Schleudern in der Kurve lässt sich oft auch, durch geschicktes Handhaben der Lenkung nicht mehr rechtzeitig parieren, es sei denn, auf der Kurvenaussenseite sei genügend Raum vorhanden, um die unvermeidliche starke Seitwärtsbewegung des Wagens ohne schlimmere Folgen zu ermöglichen. Auch in der Geraden kann eine einmal eingetretene kleine Schleuderbewegung zur Kata- F E U I L Gefahren im Herbst O Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (30. Fortsetzung) Lorenzo aber gesteht heulend und um Gnade wimmernd, wer ihn zu seinen schuftigen Taten verleitete: die Senora! t «Das ist nicht wahr!» schreit Bux'und taumelt wie von einem Schlag getroffen zurück. «Ja, ja, Senor! Is wahr ! Pura verdad, Senor!» Und er berichtet mit keuchender Stimme: Fee habe ihm gesagt, wenn die Tiere tot wären, bekäme er viel Geld von ihr, — ganze dreitausend Mark! Und sie würden dann in dem grossen, schönen Berlin wohnen, und er würde in ihrem Dienst bleiben, weil sie die Pferde zum Spazierenreiten behalte, und er hätte dann viel weniger Arbeit... Bux hat wie in Erstarrung gestanden. Aber dann bricht sein Zorn fürchterlich hervor : «Mörder! Mörder! Verfluchter Mörder!» brüllt er auf. Er sieht kaum mehr etwas. Wie ein roter Schleier hat es sich über seine Augen gelegt. Seine Hände zucken wieder nach dem Haken, der noch an, dem Schieber hängt.., zu packen und diesen Wagen zu verlassen. Bist du dann noch hier, so werfe ich dich hinaus!» Dann wendet er sich ab und verlässt taustrophe führen, wenn man ihr nicht sofort und sachgemäss zu begegnen weiss. Freilich nützt dabei theoretisches Wissen nur wenig. Einem Anfänger mag noch so oft eingeschärft worden sein, bei auftretendem Schleudern nicht zu bremsen und nicht entgegen der Richtung der Schleuderbewegung einzulenken, er wird es in neun von zehn Fällen doch tun. Nur durch längere Praxis gewonnene Erfahrung führt zur Entwicklung der instinktiv richtigen Reaktionen. Solange also ein Fahrer noch überlegen muss, was er im Notfall zu tun hätte, halte er sich mit doppelter Vorsicht von allen Risiken fern. Oft genug wird er auch trotzdem noch unverhofft in Lagen kommen, in denen er sein angelerntes Wissen und seine durch die Fahrpraxis nach und nach von selbst reifer gewordenen Erkenntnisse zur Anwendung bringen kann. Will er um jeden Preis von einer Stunde auf die andere in die Geheimnisse des Schleuderns eindringen, so tue er das wenigstens an geeignetem Ort, am besten auf einem freien Platz oder auf breiter, unbefahrener und unbegangener Strasse. Was man aber unbedingt von jedem Fahrer — auch dem krassesten Anfänger oder gerade diesem — verlangen müsste, das ist ein gewisses Minimum an Kenntnissen über die Griffig, keit der verschiedenen Strassenbeläge. Eine Asphaltstrasse wird immer weitaus gefährlicher sein als eine Stfasse mit Beton- oder Kleinsteinpflaster-Belag. Handelt es sich bei ihr um den braunen Stampfasphalt, so bietet sie wiederum auch viel schlechtere Adhäsionsverhältnisse als etwa die geteerte oder mit ilüssigem Kaltasphalt behandelte Walzschotterstrasse. Zum grossen Glück wurde bei uns Stampfasphalt nie zum Bau von Ueberlandstrassen angewandt. Oft genug ist dieser heimtückische Belag aber noch in Städten anzutreffen, wo er schon ungezählte Unfälle verschuldet hat. Bei auch nur einigermassen feuchter Witterung bildet sich auf ihm eine schmierige Schicht, auf der die Adhäsion der Gummireifen manchmal nur noch einen Zehntel des normalen Wertes erreicht. Die Folge davon ist, dass der Mindestbremsweg um ebensoviel verlängert und das Kurvenfahren ausserordentlich gefährdet wird. Aber auch die geteerten oder kaltasphaltierten Ueberlandstrassen können gefährlich werden, wenn ein Feuchtigkeitsniederschlag auf ihnen mit Schmutz oder abgefallenem Laub durchmischt ist oder die Möglichkeit der Der erste, dem Tom die Nachricht von dem Fang des Mörders verkündet hat, ist Dhakjee. Er hat den Alten aus dem Schlaf gerüttelt, und endlich ist der Inder einmal in so etwas wie Erregung geraten. Oder ist es nur Neugier, die ihn treibt, aufzustehen und mit eiligen kleinen Greisenschritten nach dem Stallzelt zu trippeln? Als Dhakjee eben um die Ecke des Zeltes biegt, sieht er seinen Herrn mit wankenden Schritten herauskommen, — nur zwei Meter von ihm entfernt. Aber ohne den Inder, zu sehen, taumelt Bux an ihm vorbei. Da hört Dhakjee einen markerschütternden Schrei aus dem Zelt dringen. Während er hineilt, schallen ihm noch zwei dieser furchtbaren Reif- oder Eisbildung besteht. Allein auf das Aussehen der Strasse darf man sich dabei niemals verlassen. Glatteis, diese heimtückischste aller Gefahren, ist auf der dunkeln Unterlage oft ganz unsichtbar! Das einzige, was gegen die Schleudergefahr unternommen werden kann, ist die Anwendung gut profilierter Reifen. Ein scharf gemustertes Gleitschutzprofil verbessert den Adhäsionskoeffizienten ganz wesentlich. Besonders die seit dem letzten Jahr aufgekommene, nachträglich anbringbare Gleitschutzmusterung durch zahlreiche, schmale Sägeschnitte, mit der auch fast alle Rennfahrer ihre Reifen versehen lassen, hat sich gut bewährt. Im übrigen sei hier nochmals ausdrücklich hervorgehoben, was oben bereits angedeutet wurde: Ist der Wagen einmal im Schleudern begriffen, so ist das Bremspedal unbedingt in Ruhe zu lassen und die Lenkung sanft nach der Seite der Schleuderbewegung hinüber abzudrehen. Alles andere würde meist nur schaden. So wie einerseits die Schleudergefahr, so zwingen anderseits auch die schlechteren Sichtverhältnisse den Fahrer im Herbst zum Aufwand besonderer Vorsicht. Fahrten in der Dunkelheit werden jetzt für manchen Automobilisten zur Regel. Zur Dunkelheit kann sich Nebel gesellen, oder es ist mindestens häufig damit zu rechnen, dass die Sicht durch Regen oder in den nassen Strassenbelägen sich spiegelnde Lichter erschwert wird. Erstes Erfordernis für die Sicherheit bei Nachtfahrten ist eine zuverlässige, leistungsfähige Beleuchtungsanlage. Eine fachmännische Revision des ganzen Elektrizitätswerkes im Auto kann deshalb nicht genug empfohlen werden, um so mehr, als man sich dadurch auch weitgehend gegen Scherereien mit der Inbetriebsetzung des Motors schützen kann. Nicht zuletzt denke man aber auch daran, dass ein plötzliches Versagen der Beleuchtung der ganzen Wagenbesatzung mit Leichtigkeit das Leben kosten kann, lediglich deshalb vielleicht, weil sich ein Kabel mit der Zeit in seiner Klemme gelockert oder irgendwo ganz unscheinbar durchgescheuert hat, Defekte, die in zwei Minuten zu beheben gewesen wären. Zumindest gehört es auch nicht zu den Gipfelpunkten menschlichen Wohlbefindens, wenn man auf einsamer, abgelegener Ueberlandstrecke, selbst unversehrt, liegen bleiben muss, um einen Helfer abzuwarten, wenn man wegen eines läppischen kleinen Kurzschlusses eine wichtige Verabredung nicht einhalten kann, oder sich in die Notwendigkeit versetzt sieht, den Wagen für teures Geld abschlep- Bux ist unterdessen in seinen Wohnwagen Schreie entgegen. Dann steht er vor demgelangt. Er hat die Tür von Fees Schlafzimmer geöffnet. Ihre regelmässigen Atemzüge Entsetzlichen: Auf dem Boden von Teddys Käfigabteil liegt blutüberströmt Lorenzo, auf haben ihm angezeigt, dass sie nicht erwacht ihm die wütende Tigerin. Der Schieber, der ist, als Tom ihn geholt. Mit bebenden Fingern hat Bux Licht gemacht und betrachtet die beiden Käfigabteilungen bisher trennte, ist völlig herausgezogen. Die Brust des Mannes ist von Judiths Tatzenhieben schon ganz Das ist Fee, seine Frau, die ihm einstmals nun die Schlafende: zerfetzt. Nur ein letztes dumpfes Röcheln gesagt, dass sie ihn liebe! — In Sekunden dringt jetzt noch aus seiner Kehle. zieht die ganze Zeit an ihm vorbei, seit er Dhakjee steht einen Augenblick wie er-sie das erstemal sah, als er in Verona in den starrt. Dann rennt er, so schnell ihn seine alten Beine tragen, wieder aus dem Zelt: Nur nicht als Erster von allen das hier gesehen haben! Denn dann muss man vor Gericht aussagen! — Nein, er war überhaupt nicht im Stallzelt! Niemand wird es ihm beweisen können, niemand hat ihn hier oder unterwegs zum Zelt gesehen! Nein, er weiss überhaupt von nichts! Da hört er Schritte nahen, laufende Schritte von ein paar Männern, und drückt sich in den dunklen Schatten einer Zeltwand. Friedenthal und Siebert, die Tom auch schon alarmiert hat, rennen an Dhakjee vorbei. Aber in ihrer Erregung bemerken sie nichts von ihm. Von niemand gesehen, gelangt der Alte zu seinem Lager im Wagen zurück und hüllt sich, am ganzen Leibe zitternd, wieder in seine Decken. — Zug stieg. Ja, jede Stunde, die er mit ihr erlebt, scheint ihm plötzlich gegenwärtig: Wie er im Hotel in Mailand seinen ersten Krankenbesuch bei ihr machte, — wie sie INSERTIONS-PREIS: Die achtRespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Cts. (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarif. InaeratenschluM 4 Tage vor Eraeheinen der Nummern pen zu lassen usw. Jeder Automobilist wird sich da mit Leichtigkeit noch selbst ein Dutzend weitere unerfreuliche Situationen ausmalen können. Die Güte der Beleuchtung hängt weitgehend von der Einstellung der Scheinwerfer ab. In dieser Hinsicht gilt es vor allem, die Vorschriften des neuen Verkehrsgesetzes zu beachten, die zum Beispiel bestimmen, dass auch noch das Abblendlicht eine Reichweite von 30 Meter haben muss, wobei jedoch der oberste Lichtstrahl des reflektierten Strahlenbündels den Scheinwerfer nur schräg abwärts gerichtet verlassen darf. Die stärksten Glühlampen und die besten Scheinwerfer nützen wenig, wenn die Glühfäden der Lampe nicht richtig im Brennpunkt des Parabolspiegels sitzen. Statt eines gleichmässig beleuchteten Strassenbildes zeigen sich dann hellere Ringe und dunkle Zonen, die ein klares Sehen stark erschweren. Auch hier wieder kann ein kleiner Handgriff oft Wunder wirken. Für Fahrten im Nebel gestattet das Bundesgesetz die Benützung eines besonderen, nicht blendenden Nebelscheinwerfers, der tiefer als die gewöhnlichen Scheinwerfer angebracht sein muss. Wer ohne einen solchen vom Nebel überrascht wird, blendet vorteilhafterweise die Scheinwerfer ab, da eine zu grosse Lichtfülle nur noch störender wirkt. Selbstverständlich ist das Tempo dabei soweit zu reduzieren, dass man den Wagen immer auf der halben Länge des zu überblickenden Weges sicher anhalten könnte. Man vergesse nie, dass auch ein eventuell aus der entgegengesetzten Richtung kommender anderer Fahrzeuglenker einen gewissen Mindestbremsweg nötig hat. Und man sei sich bewusst, dass alle Distanzen im Nebel ausserordentlich täuschen, so dass man z. B. auf einen Radfahrer, ein stehen gelassenes Landfuhrwerk oder einen Fussgänger aufzufahren droht, bevor man das Hindernis auch nur recht erkannt hat. Gerade mit Rücksicht auf Fussgänger, fahre man nicht zu knapp am rechten Strassenrand, hüte sich aber auch wieder, die linke Strassens'eite in Anspruch zu nehmen, auf der jeden Moment ein Radfahrer oder Fuhrwerk ohne Beleuchtung auftauchen kann. Und die «einäugig», das heisst nur mit einem brennenden Scheinwerfer fahrenden Automobilisten — auch sie wollen nicht vergessen sein. Alle sind sie natürlich auf dem direkten Weg zur nächsten Service- Stelle, um die durchgebrannte Lampe ersetzen zu lassen. Damit man aber nicht anderen Gelegenheit gibt, sich ebenso über einen zu ärgern, nehme man sie sich zum abschreckenden Vorbild und schaffe noch heute den notwendigen Satz Reservelampen an. Reservelampen sind so wichtig wie Reservereifen und Reservezündkerzen! M. mit ihrem Vater zum Kaffee in seinen Wohnwagen kam. Er denkt an die Fahrt mit ihr in diesem Wagen zum Güterbahnhof in Florenz. Er sieht sie wieder auf dem Presseball, wie sie plötzlich vor ihm stand, so schön, wie sie ihm noch nie bis dahin erschienen, — wie sie zusammen tanzten und dann im Glückstaumel einander in die Arme fielen. — Und diese Frau mit den schönen sanften Zügen, über die sich jetzt das unschuldige Lächeln des Schlafes breitet, hat einen Pferdeknecht angestifte, seine Tiere zu ermorden! — unschuldige Wesen, an denen er mit seinem ganzen Herzen hing! Bux gleitet langsam in die Knie. Und während sein Gesicht auf die Decke sinkt, die sich über Fees Körper breitet, beginnt er bitterlich zu weinen. — Er weiss nicht, wie lange er da gekniet und geweint hat. Aber nun steht er mit einem Ruck auf. Fee fährt aus dem Schlaf und fragt erschrocken: «Was ist denn? Sag' doch! Ist was passiert?» Und Bux sagt mit harter, kalter Stimme: «Ich gebe dir eine Stunde Zeit, deine Sachen