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E_1934_Zeitung_Nr.083

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BERN, Freitag, 12. Oktober 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 83 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dlenstno und'trettag Monatlieb „Gelk* LUte" Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— Autfabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Zur Geschichte des Luftreifens Die Geschichte de's aus Gummi gefertigten Luftreifens gehört zu jenen Merkwürdigkeiten der Technik, wo sich aus einem anfangs unscheinbaren Gedanken später zwei grosse Industrien, die Fahrrad- und die Autoindustrie entwickelten. Es ist eine unleugbare Tatsache, dass sich Fahrrad und Automobil niemals zu jenen unentbehrlichen, grossartigen Verkehrsmitteln hätten entwickeln können,, wenn nicht die Erfindung des Luftreifens dies möglich gemacht hätte. Als im Jahre 1813 der badische Forstmeister Freiherr Karl von Drais das erste aus Holz gefertigte Fahrrad erfand, zunächst kein Tretrad, sondern ein Laufrad, ahnte damals niemand die kommende Bedeutung dieser Erfindung. Diese eisenbeschlagenen Holzfahrräder machten das Fahren natürlich zu keinem körperlichen Genuss und so ist es begreiflich, dass das hölzerne Fahrrad zunächst .in seiner Entwicklung stehen blieb und auch keine Anhänger fand. Die starken körperlichen Erschütterungen beim Fahren dieser nicht abgefederten hölzernen Laufräder machten das Fahren mehr zu einer Qual als zu einem Vergnügen, und so ruhte die weitere Entwicklung des Fahrrades zunächst mehrere Jahrzehnte. .• Erst mit der Erfindung des Gummis sollte, eine neue Epoche für bestimmte Verkehrsmittel in&rechen. Man erkannte sehr früh, dass man ein eisenbeschlagenes Wagerträd duTchBdegcn mit «inetn «lastischen Gummi» streifen gewissermassen etwas federnd gestalten konnte, wodurch das Fahren in- einem Wagen wesentlich angenehmer gestaltet wurde. Wann und wo das erste gummibelegte Wagenrad in Erscheinung getreten ist, darüber fehlt es an geschichtlichen Aufzeichnungen. Es war anfangs nur üblich, lediglich Luxuswagen mit Gummirädern auszustatten, insbesondere war es die sogenannte Equipage, die man auch scherzhaft Gummikutsche nannte, welche vornehmlich gummibelegte Räder erhielt. Die Equipage als Luxuswagen war das Zeichen der vornehmen und reichen Welt, die, volkstümlich gesprochen, «auf Gummi fuhr». Der Wunsch nach einer Abfederung der Wagen war damals auch deswegen sehr dringend, weil die Strassen mit ihrem holprigen, schlechten Steinpflaster das Wagenfahren zu keinem Genuss-gestalteten, denn die glatten \sphaltstrassen kannte man damals noch nicht. Die Erfindung nach einem stossfreien Gefährt lag also gewissermassen in' der Luft. F E U I Da man in Berlin einen Tag länger zum Aufbau braucht als sonst, hat Bux die Gelegenheit benutzt, seiner Mutter in Frankfurt einen kurzen Besuch abzustatten, während' Fee mit dem Zirkus direkt von Arnheim nach Berlin gefahren ist. Als Bux dann am 20. September um halb acht Uhr morgens mit dem Schlafwagenzug auf dem Anhalter Bahnhof auch in Berlin eintrifft, steht Cilly auf dem Bahnsteig. Schon als sie ihm entgegentritt, fällt ihm ihre verstörte Miene auf. «Was machst du denn für ein Gesicht, Cilly?» fragt er besorgt. «Ist .irgend was passiert?» Da bricht Cilly in Tränen aus und sagt unter Schluchzen: «Teddy... ist... tot.» Bux wird kreidebleich. «Wie? Wo?» stösst er heftig hervor. «Auf der Reise, Als Tom in Minden frühmorgens... die Klappe aufgemacht hat zum Füttern ... lag er tot... im Käfig.» «Und ihr habt keine Ahnung, was mit ihm passiert ist?» fragte Bux mit heiserer Stimme. Als man schliesslich die hervorragende Luftdichte des Gummis erkannt hatte,' ergab sich der Gedanke eines Luftreifens beinahe von selbst, denn der volle Gummireifen oder -Streifen blieb naturgemäss in der Federung immer etwas unvollkommen. Der Erste, der das Problem des hohlen Gummi-Luftreifens einer Lösung entgegen führte, war der Amer rikaner Robert Wilhelm Thompson, der im Jahre 1844 ein englisches Patent auf einen Luftreifen in London nahm; zwei Jahre später liess Thompson das französische -Und 1847 das amerikanische Patent folgen. Wir finden bei diesem historisch ersten Luftreifen bereits Schlauch und Decke, auch: ein Ventil zum Aufpumpen, und obgleich: dieser Thompsonsche Luftreifen auch in der Pfa?us Anwendung fand, so setzte er sich dennoch nicht durch, vielmehr geriet die an sich bedeutende Erfindung mehr und mehr in Vergessenheit. Thompson hielt zwar auch später noch seiner Erfindung die Treue und kam 1868 mit einem starken Vollgummireifen heraus, ohne dass ihm auch jetzt das Glück hold war. Die Erfindung geriet völlig in Vergessenheit; sie war der Zeit vorausgeeilt., Inzwischen hatte die •• Erfindung des Fahrrades den Weg weiterer Entwicklung genorm rnen. Als 1854 der^SchweinftifterMecrianiKfer: Philipp Moritz Fischer, das alte; schWerfäl T lige Laufrad zur schtielleren Bewegung der Räder mit einer Tretkurbel versah und damit eewisserniasseo .das fahrrad kn nlodernei!; Sinne erfand, trat die Frage nach einer, Ab^ federung der Räder wieder in den Vordergrund, ohne dass man zunächst eine Lösung fand. Mehrere Jahrzehnte sollten noch vergehen, bis das Problem des Gummireifens zu einer praktisch brauchbaren Lösung ausreifte. Den Anstoss zur Entwicklung der modernen Bereifung gab die Erfindung des Fahrrad-Luftreifens im Jahre 1888 durch den irir sehen Tierarzt John Dünlop, der auf diesen Gedanken durch seinen radfahre.nden Sohn gebracht wurde. Als Arzt hielt Dunlop das Fahren auf einem nicht abgefederten Fahrrad für gesundheitsschädlich, da der Körper in der Tat erheblichen Erschütterungen ausgesetzt war, die bestimmt manchen menschlichen Organen nicht zuträglich sein konnten. Um diese körperlichen Erschütterungen nun möglichst zu mildern, versah Dunlop das Fahrrad seines Sohnes mit einem Qartenschlauch als Bereifung, wobei sich, eine starke Abschwächung der körperlichen Erschütterungen zeigte. Dunlop, der ohne Kenntnis der geschichtlichen Vorerfindungen auf diesen Gedanken gekommen war, meldete seine Erfindung zum Patent an, bekam jedoch ein solches nur in England, da die anderen Länder das Patent mit dem Hinweis ablehnten, dass schon entsprechende Voreffindungen vorlägen. Damals sprach man nicht von,' Luftreifen, sondern von Pneumatiks, ein heute glücklich überwundenes Fremdwort. Dünlop verstand .übrigens seine epochemachende Erfindung wirtschaftlich gut auszuwerten, denn bereits 1893 kam es in Hanau zur Errichtung der «Deutschen Dunlop Gummi Co. », die sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Weltunternehmen entwickelte. Der Gummireifen hatte bei seinem ersten Erscheinen keinen leichten Stand, da diese ersten Reifen bei ihrer begreiflicherweise technisch höchst unvollkommenen Ausführung den Fahrern oft viel Verdruss und Aerger bereiteten. Besonders die Ventilfrage bereitete' grosse Schwierigkeiten, da die Schläuche» oft nicht genügend dicht hielten. Anfangs der- 1890er Jahre beschäftigte sich die Radwelt sehr eingehend mit dem Problem des Fahrradreifens. So wurden damals vielfach Versuche mit Polster- oder Kissenreifen'gemacht, die aber in der Elastizität INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlugs 4 Tage vor Erseheinen der Nummern nicht an seltsamen Reifenbauarten. So versuchte man es mit' einem Hohlen Vollreifen mit drei Gummilagen; um den sehr empfindlichen Luftschlauch zu umgehen, stellte man einen hohlen Vollreifen her, dessen Inneres mit luftgefüllten Bällen ausgefüllt wurde. Man ging hierbei von dem Gedanken aus, dass die so oft auftretende, äusserst störende plötzliche Luftleere des Luftschlauches bei den zahlreichen Luftbällen weder so oft, noch plötzlich auftreten könne. Doch auch dieser Reifen bewährte sich nicht, da sich auch die Bälle mit der Zeit nicht als luftdicht erwiesen. • Schliesslich erfand man damals auch einen Vollreifen mit sieben rund um den Reifen laufenden ausgesparten Hohlräumen, ohne auch hiermit eine brauchbare Lösung gefunden zu haben. Uebrigens ist nach Jahrzehnten,, in der Gegenwart, der Gedanke des Hohlraumreifens bei der elastischen Vollbereifung, der Lastkraftwagen mit Erfolg wieder aufgenommen worden. Die ersten in Deutschland benutzten Gummi-Luftfahrradreifen waren englischer Herkunft; das erste mit einem Luftreifen versehene Fahrrad wurde auf der Leipziger Fahrrad-Ausstellung im Jahre 1890 gezeigt; bis dahin hatte allgemein der Vollgummireifen geherrscht. In den Fahrrad-Zeitschriften entspann sich in den 1890er Jahren ein ausgedehnter Meinungsstreit über die Brauchbarkeit des Luftreifens, der anfangs sogar verlacht und bespöttelt wurde. Man hielt das Aufpumpen der Reifen oder Aufblähen, wie man damals sagte, für praktisch undurchführbar, gewöhnte sich aber bald daran. Immerhin bedurfte es noch einer eingehenden technischen Kleinarbeit zahlreicher Erfinder, bis der Luftreifen jenen Grad von Vollkommenheit erreichte, wie wir ihn in der Gegenwart kennen. Dass der Fahrrad-Gummi-Luftreifen zum Vorbild des Auto-Luftreifens wurde, lag in der Natur der Entwicklung. Der Fahrrad- Luftreifen als' Vorläufer des Auto-Luftreifens zeigte immerhin die technisch annähernd einzuschlagenden Richtlinien der Ent- nichi"befriedigten. Auch mit den Gummireifen würden in den verschiedensten Formen wicklung, an. Zunächst war natürlich auch Verstfehd unternommen. > So- stellte man ein-beifach itarKwandige (Jürhrtiifeifen ohne Uuft» 'bene! Bereifung, bis man: bei leichteren Wa- "Auto der Vollgummireifen die gegefüliüng liW;vdle- Jedöcft otlf vea leichteren gen damit anfing,; Luftreifen zu verwenden. Personen gefahren werden konnten. Man führ • In: die Entwicklung 'der 'Technik de? äamals Wrft Erföifc wriröllige ttiässive Gtmrmireifeh; von stärkeren Fährradreiferi sah seit 1871: bestehende- Goatinental-iGaout- Auto-Luftreifens griff weiterhin die schon man dätnals ab; da sie das Fahrrad im Gewicht zu Sehr-'belasteten. Man erkannte aber hervorragender Weise, ein, waren doch die chouc und GnttarPercha Co.,. Hannover in zu jener Zeit sehr schnell, dass die einzige Voraussetzungen für einen Luftreifen gegenüber einem Automobil wesentlich andere als Lösung in dem mit komprimierter Luft gefüllten Höhlreifen zu suchen sei. Es fehlte bei einem Fährradreifen. Eine Fülle von grossen und kleinen technischen Problemen harrten bei den Auto-Luftreifen der Lösung, an der sich nahezu alle grossen Reifenfabriken der Welt beteiligten. So erforderte die Frage des Gleitschutzes eine ständig erneute Bearbeitung, und noch heute steht diese Frage im Fluss der Entwicklung. So hat der Gleitschutz des Luftreifens seine eigene geschichtliche Entwicklung. Man begann mit einfachen Rillen in der Laufdecke, die jedoch keinen ausreichenden Schutz gegen das gefährliche Rutschen boten; in der weiteren Entwicklung kam man dann zu einer Stahlnieteneinlage, dann versuchte man es mit sogenannten Saugnäpfchen, um eine besondere Griffigkeit des Reifens zu erzielen. Da, sich aber die Saugnäpfchen leicht verstopften, Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brettenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 Telecramm-Adresse: Autorevue, Bern Cilly schüttelte unter Schluchzen den TON Vogels,- zieht'ihn heraus und schreit laut auf: ändern. Wir könnten doch so nett noch ein Kopf. «Und in Hannover hat ihn Fee dann ... Die Lider sind halb über die starren Augen Weilchen zusammenbleiben.» von der Abdeckerei holen lassen.» gefallen, der Kopf hängt schlaff zur Seite «Ja, schade — aber ich muss doch fort.» «Was?» fährt Bux auf. herab. Mohrchen ist tot. «Ja, ich... ich habe so gebeten, dass sie * * Fee zuckt die Achseln. «Die kleine Cilly Berndt war am Apparat. Sie sagt mir, dass ,29 hortset.zuni:: es nicht tun soll, damit du den. Körper erst Fee ist an diesem Mittag zusammen mit mein Mann wie irrsinnig ist. Er sässe seit untersuchen kannst, denn Teddy war doch Otto von Kroidt und mit Bentheimers bei. kerngesund. Aber Fee hat gesagt... es wäre Marwitzens zu Tisch: Als man nach dem Essen plaudernd beim Mokka sitzt, kommt das unsinnig, einen Bärenkadaver noch weiter mitzunehmen.» Mädchen und meldet, dass Frau Dr. Buchsbaum am Telephon verlangt werde. Bux spricht kein Wort mehr. Auch auf der Fahrt zum Zirkus sitzt er stumm und bleich Fee erhebt sich. «Verzeiht. Das ist wahrscheinlich mein Mann. Er muss heute von in der Ecke der Autodroschke. Cilly weint leise vor sich hin. Nur einmal tut Bux eine Frankfurt angekommen sein.» kurze Frage: «Ist Fee im Zirkus?» «Nein, es war eine Damenstimme», sagt «Nein — in Potsdam. Sie kommt erst heute das Dienstmädchen. gegen Abend wieder — zur Vorstellung.» — Fee begibt sich in das Zimmer des Hausherrn, wo der Apparat auf dem Schreibtisch Noch ehe Bux seinen Wohnwagen, betritt, eilt er mit Cilly ins Stallzelt. Mit leiden- steht. Nur ein paar undeutliche Worte von schaftlicher Zärtlichkeit begrüsst er seine Tiere, die bei seinem Eintritt gleich ein Freudenkonzert angestimmt haben. Nur der Rabe zeigt sich nicht. «Mohrchen! Mohrchen!» lockt Büx und blickt zu dem Kasten hinauf, der über Brahma an der Zeltwand hängt. Nichts regt sich. Bux und Cilly wechseln einen bestürzten Blick. Gleich darauf hat sich Cilly schon von Brahma auf den Rükken heben lassen. Nun kann sie. auf Brahma stehend,, den Kasten gerade mit der Hand erreichen. Sie fasst hinein, fühlt den Körper des dem Gespräch dringen ins Speisezimmer, aber an Fees Stimme merkt man, dass es eine erregte Unterhaltung ist. Als Fee nach geraumer Zeit wieder eintritt, merkt man ihr eine gewisse Verstörtheit an. «Doch nichts Unangenehmes?» fragt Grete von Marwitz die Freundin. «Leider ia. Ich muss sofort nach Berlin heute morgen schon mit dem toten Raben in den Händen auf einem Schemel im Stalle und starre den Tierkadaver an, ohne einen Ton zu reden.» «Gott, das ist ja schauderhaft!» sagt• Otto von Kroidt. «Ich kann mir vorstellen, wie unglücklich er ist. Ich werde nie vergessen, wie er sich vor einem Jahr in Buenos Aires schluchzend: über den Körper von dem toten Wolf geworfen hat. — Nun ist doch seine Nummer völlig kaputt? Erst der Wolf, jetzt der Bär und der Rabe!» «Ja, die eine Nummer ist natürlich erledigt», meint Fee. «Es würde mindestens ein Jahr dauern, bis er Ersatztiere so wert dressiert hat, wenn es überhaupt gelingt. Aber zu seiner andern grossen Nummer braucht er ja nur die Tigerin, Die wird er also wohl vorläufig weitermachen.» Bentheimer schüttelt den Kopf: «Das geh! doch nicht mit rechten Dingen zu. Ob da nicht ein Racheakt von jemand vorliegt?»» abfahren. Es ist wieder ein Tier von meinem Mann eingegangen.» «Bei dem Bären haben wir ja keine Todes- «Das ist so gut wie sicher», erwidert Fee. «Oh, wie traurig!» ruft Ria Bentheimer. ursache festgestellt; Aber, wie Cilly sagt, «