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E_1934_Zeitung_Nr.086

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BERN, Dienstag, 23. Oktober 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 81 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dtenstit« und Freitag Monatlieh „Grlk* Ltate" Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 ' Tel«fr»mm-Adresse: Autorevue, Bern Gefahren erhöhter Benzinzölle Wie unseren Lesern aus kürzlichen Mitteilungen bereits bekannt ist, hat man im Bundeshaus im Zusammenhang mit der Bearbeitung des Arbeitsbeschaffungsprogrammes und des darin vorgesehenen etappenweisen Ausbaues der Alpenstrassen das alte Projekt einer weiteren Erhöhung des Benzinzolles aus der Schublade hervorgeholt. Unter der schönen Devise «keine Neuausgaben ohne vorherige Deckung», die zwar schon lange besteht, bis jetzt aber in allen Fällen meisterhaft umgangen worden war, soll nun der Strassenverkehr nochmals herhalten und für die Kosten einer Modernisierung des Netzes von Alpenstrassen aufkommen. Man spricht von einer «bescheidenen» Mehrbelastung des Benzins um 2 Rp. pro Liter, womit der Tribut an den Fiskus auf 19 Rp. pro Liter ansteigen würde. Bei der Neubehandlung dieses Traktan- 1 dums — das immer dann wieder als bequemes Rechenexempel zitiert wurde, wenn der Finanzminister keinen bessern Vorschlag zu machen wusste — dürfte die Überlegung, dass der motorische Betriebsstoff trotz der jetzigen hundertprozentigen Belastung im Preis nicht teuerer ist, als in den Nachbarländern, eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Tafsächlich erfreuen wir uns, dank der besonderen Marktverhältnisse im schweizerischen Benzingeschäft eines Benzinpreises, der sogar zum Teil noch etwas billiger ist als in den umliegenden Staaten. Diese bescheidene Preisdifferenz ist in der Verkehrswerbung im Auslande zu einem Trumpf der Propaganda geworden und hat als zügiges Argument dafür gedient, dass das Reisen in der Schweiz nicht mehr kostspieliger sei als in Ländern mit entwerteter Valuta. Dem überaus günstigen Ergebnis des diesjährigen Autotourismus in der Schweiz nach zu schliessen, hat dieser Hinweis zusammen mit verschiedenen anderen Reiseerleichterungen seine Wirkung nicht verfehlt. F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorf. (32 Fortsetzung) Neue Vernehmungen beginnen in Berlin and in M.... Die Akten gehen hin und her, die untersuchenden Kommissare müssen Reisen in der Sache machen, denn manche der zu vernehmenden Artisten sind jetzt wo anders tätig. So vergehen Wochen und Wochen. Dreimal wird Bux in dieser Zeit die Erlaubnis erteilt, in Gegenwart des Kommissars Roth Besuche zu empfangen: Seine Mutter ist aus Frankfurt gekommen. Es ist ein trauriges Wiedersehen gewesen. Cillys Gesuche, Bux besuchen zu dürfen, sind glatt abgelehnt worden. Aber Herrn Direktor Kreno hat man zu ihm gelassen. Er ist extra aus M gekommen, um Bux zu sehen, ihm zuzureden, doch endlich die Wahrheit zu gestehen, — und um ihm zu versichern, dass alle über seinen Charakter so aussagen werden, dass wohl nur eine Anklage wegen Totschlags erfolgen könne. Und noch einer hat es seltsamerweise durchgesetzt, Bux besuchen zu dürfen: Major von Prastelny. Die Scheidung von Fee ist unterdessen ausgesprochen worden. Fee hatte Gegenklage eingereicht, ist aber abgewiesen worden, denn ihr Gatte ist ja vorläufig noch nicht verurteilt. Hingegen hat die Scheidungsklage von Bux Erfolg gehabt. Fee ist als schuldiger Teil erklärt und die Ehe geschieden worden. Mit der Verwirklichung des Zollprojektes würde man aber die mühsam erzielten Erfolge der Fremdenverkehrs-Werbung mit einem Schlage wiederum grösstenteils zunichte machen. Die von der Hotellerie gemachten Anstrengungen würden paralysiert, ihre Opfer wären ziemlich vergebens gewesen, ebensogut wie die Aufwendungen einzelner Kantone zur Offenhaltung internationaler Durchgangsstrassen im Winter. Wir haben es bereits letztes Jahr erlebt, wie rasch der Automobilverkehr auf stärkere Belastungen reagiert, als mit der Einführung des neuen Verkehrsgesetzes die Fahrzeughalter durch erhöhte Versicherungsprämien und Neuanschaffungen zu empfindlichen Mehrausgaben gezwungen waren. Es wurde eine Reihe von Wagen und Motorrädern aus dem Verkehr gezogen, und jedermann schränkte den Fahrbetrieb möglichst ein. Das Resultat war ein Minderkonsum an Benzin von 9000 Tonnen, was ein entsprechender Rückgang des Benzinzolles zur Folge hatte. Aus der jetzigen günstigen Preisgestaltung auf dem schweizerischen Benzinmarkt hat der Staat mehr Nutzen gezogen, als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Es bestand für die Schweizer kein Anreiz mehr, möglichst oft und viel im angrenzenden Ausland zu tanken, wie dies vor einigen Jahren noch der Fall war. Dagegen suchten die ausländischen Automobilisten in vermehrtem Masse von den billigeren Preisen in unserem Land zu profitieren. Die Tankstellen im Grenzrayon könnten dies zahlenmässig deutlich belegen. Es würde sich lohnen, festzustellen, in welchem Umfange der Benzinabsatz in den dortigen Garagen und Service- Stationen zugenommen hat. Jeder Gfenzübertritt wird zu einer Tankfüllung benutzt, und wenn die Ersparnis nur einen Franken einträgt, so verpasst niemand die günstige Gelegenheit. Dass auch der kleinste Preisunterschied den Benzinkonsum alsbald zu beeinflussen vermag, werden alle jene Benzinverkaufsstellen bestätigen, die vor der Vereinheitlichung des Detailpreises in der Schweiz in den Zonen mit Gebirgszuschlag lagen. Damals hütete sich jeder Fahrer, in diesen Gebieten tanken zu müssen, und wenn es doch notwendig wurde, so begnügte man sich mit dem Bezug des Mindestquantums Am Tagen nach der Verkündung des Scheidungsurteils erscheint also der Major bei seinem ehemaligen Schwiegersohn, und es geschieht etwas, das Bux nie und nimmer erwartet hätte: Herr von Prastelny erklärt ihm, dass er fest an seine Unschuld glaube, — dass er. sich der Tat seiner Tochter tief schäme; und zum Schluss der kurzen Unterredung bittet er Bux unter verhaltenem Schluchzen um Verzeihung, dass er durch die Schuld seiner Tochter in diese schreckliche Lage gekommen sei. — Den einzigen Trost für Bux bilden Cillys Briefe, die in beschränktem Masse und nach genauer Durchsicht zugelassen werden. — Endlich, kurz nach Neujahr, sind die Voruntersuchungen abgeschlossen. In den Fällen Vegas und Benson haben die Ermittelungen zu keinem Resultat geführt. Es kann also nur Anklage in dem Falle Lorenzo Baredez erhoben werden. Aber Buxens Anwalt verhehlt ihm nicht, dass der Mordverdacht in den beiden anderen Fällen sicher die Stimmung der Geschworenen ungünstig beeinflussen wird. Von Neujahr ab spielt Zirkus Kreno wieder in seinem festen Zirkusgebäude in M von vielleicht zehn Litern, um dann im Mittelland das Reservoir wieder aufzufüllen. Erst diesen Sommer haben uns bei einer Fahrt durch Graubünden mehrere Garagisten ihre Befriedigung über die Vereinheitlichung des Verkaufspreises ausgedrückt und erfreut von einem doppelten und dreifachen Umsatz berichtet. Dabei ist nicht zu vergessen, dass jeder ausländische Gast, der auch beim kürzesten Aufenthalt mit seinem Auto in der Schweiz wenigstens seinen Tank wieder füllt, schon beim Bezug von nur 30 Litern unserem Fiskus einen Obolus von minimal einem Fünfliber entrichtet. Wer sich nur wenige Tage in unserem Land aufhält und dieses durchquert, der wird, wenn er nur wenige hundert Kilometer zurücklegt, wenigstens zehn bis fünfzehn Franken an Benzinzoll abliefern, ohne dass ihm dies beim heutigen Preis zum Bewusstsein kommt, oder besonders schwer fällt Wird*dagegen das Benzin wieder teurer, so werden alsbald wieder Preis-Vergleiche gezogen, Berechnungen angestellt, und der fremde Autotourist wird erneut das unsympathische Gefühl bekommen, es koste einfach zu viel Geld in der Schweiz. Das Nachsehen haben dann wir, den Profit unsere Nachbarn, die auf alle Fälle den Vorzug besserer Durchgangsstrassen auf ihrer Seite haben. Wir stehen durchaus nicht allein mit unserer. Ansicht. Erst dieser Tage äuss'erte sich die Schweizerische Hotel-Revue zu diesem Thema. Dabei kommt die Auffassung der Hotellerie wie folgt zum Ausdruck: « Wie man hört, sollen im Bundeshaus als neu« Einnahmequellen zur Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms Zollerhö'hunigen, auf Benzin, Zucker und Schweröl« vorgesehen sein, mit "welchem Projekt man aber erst herausrücken wolle, wenn das Verkehrsteilungsgesetz unter Dach sei. Wir wissen nicht, was an diesen Gerüchten Wahrheit ist und was nur hlosse Vermutung; auf jeden Fall begegnet aber dieses angebliche Finanrierungsprojekt in der Presse bereits ernsten Bedenken. Auch die Genfer Handelskammer hat eich veranlasst gesehen, den Vorort des Schweiz. Handels- und Industrie-Vereins zu ersuchen, beim Bundesrat entsprechende Vorstellungen zu erheben. Vom Standpunkte der Hotellerie kann diese ablehnende Einstellung gegen die drohenden neuen Belastungen nur mit allem Nachdruck unterstützt werden. Es wäre denn doch krass, in einem Zeitpunkt, da die Hotellerie trotz umfassender Sparmassnahmen und Kationalisierung ^ihr^r Betriebe Auch Cilly tritt wieder auf. Ihre gesunde Frische ist geschwunden, sie sieht elend und abgehärmt aus. Die Verzweiflung über das Schicksals ihres Onkels Bux hat furchtbar an ihr gezehrt. Aber sie wollte durchaus wieder ihre Tigergruppe vorführen, weil sie das Gefühl hat, ganz ohne Arbeit diesen Zustand nicht länger ertragen zu können. Sie hat sogar beim Direktor und brieflich bei Bux durchgesetzt, auch Judith wieder mit in den Zentralkäfig nehmen zu dürfen, auf der sie zum Schluss ihrer Nummer aus dem Käfig reitet Weshalb ihr das irgendeinen Trost gewährt, weiss sie selbst nicht recht; wohl deshalb, weil ihr Onkel Bux an der Tigerin so hängt. Das Tier hat, seit es Lorenzo Baredez getötet, lange Zeit hindurch eine eigentümliche Verschüchterung gezeigt, scheint aber jetzt seine alte Frische ganz wiedergewonnen zu haben. — Es ist am Abend des 6. Januar. Cillys Nummer soll gerade an die Reihe kommen. Der Zentralkäfig ist soeben fertig aufgebaut. Die dummen Auguste, die das Publikum solange durch ihre Scherze unterhalten haben, ziehen sich zurück. Das Orchester setzt mit Cillys Musik ein, ihre Tiger werden bereits durch den Laufkäfig aus ihren Wagen in den Zentralkäfig getrieben. Als Cilly eben durch den Aufsitzraum kommt, sieht sie eine Gruppe Artisten dicht gedrängt beisammenstehen. Colani hat ein Zeitungsblatt und liest etwas vor. Sie hört den Namen Buchsbaum, drängt sich zu Colani durch und fragt erregt, was da stehe. Der Chef der Luftnummer zeigt auf eine fettgedruckte Notiz, Cilly reisst ihm das Blatt aus der Hand und liest: Der Staatsanwalt hat gegen den Artisten Dr. Willibald Buchsbaum nunmehr die Anklage auf Mord erhoben. Die Hauptverhandlung soll am 10. Januar beim Kriminalgericht in Moabit beginnen. Cilly stösst einen Schrei aus: Also nicht nur ein Totschläger, — nein, ein Mörder soll ihr Onkel Bux sein! Da fühlt sie sich an der Schulter gerüttelt. Sie wendet sich um. Oberregisseur Ruperti steht vor ihr: «Raus doch! Schnell, schnell! Die Katzen sind ja schon alle durch!» Cilly reisst sich zusammen. Sie sieht, wie; INSteRTIONS-FREI-S: r>te achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarii. 4 Tage TOI Erseheinen der Nummern einer Katastrophe entgegensieht, von Staats wegen neuen Auflagen und Steuern auf den Plan zu treten, welche den Reiseverkehr neuerdings beeinträchtigen und damit dem Gastgewerbe erneut schweren Schaden zufügen müssten. Einer Benzinzo-ilerhöhung werden die sämtlichen Interessenten am Schweiz. Reiseverkehr unter allen Umständen den schärfsten Kampf ansagen müssen und des weitern scheint uns, wenn das Arbeitsbeschaffungsprogramm nicht ohne neue Belastungen des Verkehrs und des täglichen Verbrauchs finanziert werden kann, tauge es ohnehin nicht viel und sei sein Nutzen mehr als fraglich. Durch eine neue Mehrbelastung der Gesamtwirtschaft wäre jedenfalls das ganze Programm zu teuer erkauft! Was nützt es z. B. der Hotellerie, wenn die Finanzierung des Aushaues der Alpenstrassen auf ihrem Rücken erfolgen soll, was nützt es dem Fremdenverkehr, wenn der Wert einer verkehrsfördernden Massnahme illusorisch gemacht wird durch neue Finanzlasten, welche den Verkehr in einem seiner wichtigsten Punkte treffen und schädigen? Eine solche Verkehrspolitik erscheint denn doch ziemlich krass und wir fragen uns, ob man masegebenden Orts wirklich nicht einsieht, dass dadurch dem Reiseverkehr und der Hotellerie mit der einen Hand genommen würde, was man ihnen mit der andern gibt. » Ohne weiter auf diese Seite des Problems eingehen zu wollen, sei nur abschliessend darauf verwiesen, dass die Benachteiligung des Fremdenverkehrs durch Zollaufschläge nur eine der verschiedenen unangenehmen Folgen ist, die sich unweigerlich ergeben müssten. Die einheimische Automobilwirtschaft würde eben so sehr unter der künstlichen Verschlechterung der Preise und der Verteuerung des Betriebes leiden. Möglicherweise könnte sich aus der geplanten Neuordnung der Einfuhrzölle ein so empfindlicher Konsumrückgang ergeben, dass die Erhöhung gerade auszureichen vermöchte, um das entstehende Loch wieder zu verstopfen. Damit wäre aber weder dem Staat, noch viel weniger aber der Privatwirtschaft geholfen. Wir haben im Gegenteil alles Interesse, den motorisierten Strassenverkehr und damit den Betriebsstoffverbrauch zu fördern, denn nur auf diese Weise gehen, wie in den vorangegangenen Jahren, die Einnahmen aus dem Benzinzoll ständig in die Höhe. Für den Staat ist aber eine Sicherung dieser ergiebigen Einnahmequelle auch für die nächste Zukunft vongrösster Bedeutung. Man lasse sich daher ja° nicht durch ein falsches Rechenexempel zu einer verfehlten Zoll- und Preispolitik verleiten! gerade Judith als letzte durch den Laufkäfig der Arena entgegensaust. Am ganzen Leibe bebend, wankt Cilly nach dem Zentralkäfig, tritt ein und hört wie im Traum den Begrüssungsapplaus der Menge. Sie verbeugt sich mechanisch, aber sie kann sich dabei kaum auf den Beinen halten. Es sieht aus, als ob sie betrunken sei. Auf ganz unerklärliche Weise verbreitet sich eine grosse Unruhe im Publikum. Jeder fühlt, dass irgend etwas nicht stimmt. Auch die Tiger sind wie besessen. Sie wollen nicht auf ihre Postamente; nur Judith sitzt schon brav auf ihrem Platz. Cilly knallt mit der Peitsche, ruft die Tiere mit ihren Namen an. Aber sie gehorchen nicht. Und plötzlich stürzt sich Butan mit einem Wutgebrüll auf Schiva. Im Augenblick sind Krischna, Vischnu, Mirza und ein paar andere Raufbolde auch dabei. Dann sieht man nur noch einen gelben Knäuel von beissenden, kratzenden, fauchenden, brüllenden Tigern. Cilly schlägt mit der Peitsche, stösst mit der Stange dazwischen. Ihre helle Stimme schallt durch den Raum: «Butan! Schiva! Mirza! — Butan!, Butan»!!! — Ein einziger Schrei geht durch die Menge. Der Tiger hat Cilly angesprungen, das Kleid hängt in Fetzen von ihrer bluttriefenden linken Schulter. Nur zwei Schritte ist Cilly zurückgewichen. Dann geht sie direkt auf Butan los, die Stange zum Schutz vor sich gestreckt. Das Tier duckt sich zum zweiten Angriff, die übrigen beissen aufeinander ein. Da geht ein zweiter Schrei durch die Reihen des Publikums: Judith ist auJbrüllend