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E_1934_Zeitung_Nr.088

E_1934_Zeitung_Nr.088

BERN, Dienstag, 30. Oktober 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° St ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erseheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „fielb* Liste" Aufgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Ausgab« B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.— Telephon 28.322 Tetegramm-Adresse: Autorevue, Bern Fortschreitende Motorisierung des Strassenverkehrs. Obschon die Schweiz auf maschinenbautechnischem Gebiete unter ihren Konkurrenzländern eine gewisse Vorzugsstellung einnimmt, konnte sich dessen ungeachtet bei uns kein lebensfähiger Industriezweig für Personenautomobile entwickeln. In erster Linie, haben marktpolitische Faktoren und weniger produktionstechnische Momente diese sonderbare Situation geschaffen. Die seinerzeit in einigen Fabriken hergestellten Motorfahrzeuge durften für sich vollauf Anspruch auf beste Qualitätsarbeit erheben, was aber mit teuren Materialien und hohen Arbeitskosten bezahlt werden musste. Zudem konnte die auf grosse Serien eingestellte Auslands- |abrikation mit Preisansätzen rechnen, die bei uns zum vorneherein ausgeschlossen waren. Wenn auf dem Gebiete der Lastwagenproduktion die verschiedenen Firmen den Krisenwellen bedeutend besser zu trotzen vermochten, so sind dafür andere Gründe als bei der Personenwagenproduktion massgebend. Gerade wegen dieser etwas sonderbaren Entwicklung der Automobilindustrie im Lande anerkannter Qualitätsleistungen in der Branche des Motorenbaues haben wir immer schärfer den Aufbau und die Neuschöpfungen der ausländischen Motorfahrzeugindustrie zu verfolgen. In manchem Staate hat sich in den letzten Jahren die Motorfahrzeugfabrikation zu einer vielversprechenden Schlüsselindustrie durchzuarbeiten vermocht, deren Wechselwirkungen sich auf das gesamte Wirtschaftsleben um so intensiver auswirken, je mehr die Motorisierung des Strassenverkehrs fortschreitet. Vielfach "wird die Bedeutung der Automobilindustrie ?als Endglied einer langen Kette von Bearbeitungsgliedern unterschätzt und vergessen, dass der Umfang dieser Beschäftigung sich im Beschäftigungsgrad einer grossen Zahl anderer Industriezweige wiederspiegelt. F E U I L L E T O N Bux. Zlrkusroman von Hans Possendorf. (Fortsetzung und Schluss.) Diesmal erwischt der Elefant Benson, hebt ihn hoch und schmettert ihn auf den offenen Wagen, in dem die Anker (die langen Eisenpfähle für die Zelttaue) gepackt sind. Auf diesen Ankern bleibt die Leiche liegen und wird erst am nächsten Morgen im Tagesgrauen bei der Entladung des Zuges in M entdeckt. Dhakjee hat auch in diesem Falle die blitzartig schnelle Attacke des Elefanten nicht verhindern können. Niemand ' ausser dem Inder etwas davon gesehen, und die Schreie Bensons wurden wohl von dem anhaltenden Pfeifen der Lokomotive übertönt. — Natürlich fällt der Verdacht des Mordes auf Bux. Aber man kann ihm ebensowenig wie im Falle Vegas die Tat nachweisen. » Der Zeitungsbericht rollt nun den dritten Fall, den Fall LorenzoBaredez auf. Es ist der einzige, in dem Anklage erhoben werden konnte, und auch der seltsamste: Vom Tage In gewissem Umfange wird denn auch der Absatz von Motorfahrzeugen in den hauptsächlichsten Produktionsländern, vor allem aber in den Vereinigten Staaten von Amerika, als Gradmesser der konjunkturellen Entwicklung betrachtet. Aber auch in einigen europäischen Ländern hat man die Bedeutung dieses Zweiges industrieller Tätigkeit für das Wohl der gesamten Volkswirtschaft, und zwar nicht nur vom kleinlichen Gesichtswinkel des Fiskus aus betrachtet, erkannt und durch Gewährung verschiedener zollsteuerund sozialpolitischer Erleichterungen für einen gedeihlichen Ausbau gesorgt. Wohl stellt die wachsende Bedeutung eigener und möglichst leistungsfähiger Automobilwerke für die Landesverteidigung, im Zeichen zunehmender Motorisierung der Landtruppen, einen Faktor von eminenter Bedeutung dar, aber ebenso bedeutungsvoll ist unter den vorherrschenden weltwirtschaftlichen Verhältnissen die Schaffung zusätzlicher Arbeitsmöglichkeiten mit Hilfe des motorisierten Strassenverkehrs. Aus diesem Grunde dürfte eine vergleichende Betrachtung der Absatzentwicklung in den europäischen Hauptländern von erheblichem Interesse sein, geht doch aus der folgenden Aufstellung ziemlich deutlich hervor, dass selbst bei der heutigen Weltwirtschaftslage dem Automobil eine Stosskraft innewohnt, deren Stärke auch sein erbittertster Gegner, die Eisenbahn, nicht verleugnen kann. Im weitern zeigt die Tabelle mit nicht zu verkennender Deutlichkeit, dass die Höhe der fiskalischen Belastung des Strassenverkehrs für den Grad der Motorisierung eine wesentliche Rolle spielt, ein Faktor also, den man insbesondere den «eidgenössischen und kantonalen Geldsuchern» nicht klar genug vor Augen halten kann. Totalbestand von 252.567 Fahrzeugen, zusammengesetzt aus 197.943 Personen- und 54.624 Lastwagen. Im Verlaufe eines Jahres, d. h. bis Mitte 1933, hatte sich der Bestand um 16.815 Einheiten auf 313.382 Wagen erhöht, bei einer Zunahme der Personenwagen um 56.766 Stück auf 254.709 Automobile und einen solchen der Lastwagen um 4049 auf 58.673 Einheiten. Vergleicht man das erste Semester des laufenden Jahres mit der vorjährigen Parallelperiode, so ist eine Totalzunahme von 313.382 auf 399.387 oder um 86.005 Wagen zu registrieren, bei einem mengenmässigen Anstieg der Personenwagen um 69.420 Einheiten, d. h. von 254.709 auf 324.129 Wagen und einem solchen der Lastwagen von 58.673 auf 75.258 oder um 16.585 Einheiten. Setzt man- den Personenwagen-, Lastwagen- und den Totalbestand Ende des ersten Semesters 1932 mit der Indexzahl 100 ein, so ergibt sich für das erste Halbjahr 1933 bei den Personenwagen eine Steigerung auf 129, bei den Lastwagen eine solche auf 108; beim Bestandestotal kommt der Index auf 124 zu stehen. Die diesbezüglichen Erhöhungen betragen vom ersten Halbjahr 1933 bis zum ersten Semester 1934 bei den Personenwagen plus 40 (auf 169), bei den Lastwagen plus 30 (auf 138), während der Totalbestand von 124 auf 158 angezogen hat. Wenn auch die vorstehende Tabelle nur einen Ausschnitt aus den europäischen Ab- Zulassungen neuer Personen- und Lastwagen in Europa im ersten Semester 1934 gegenüber dem ersten Halbjahr 1933. Land P.-W. L.-W. Zusammen P.-W. L.-W. Zusammen Index 1 ) I. Semester 1933 I. Semester 1934 1933 1934 Grossbritannien 5 ) 100 248 30 184 130 432 126 712 40 815 167 527 123 158 Frankreich 3 ) 86 984 15 699 102 683 85 075 14 017 99 092 113 109 Deutschland ,35 550 4 785 40 335 74 799 9148 83 947 172 358 Italien 12 913 1968 14 881 12 562 1898 14 460 205 199 Spanien 4 919 2 201 7 120 6 741 3 655 10 396 163 238 Schweden 2 959 1658 4 617 5 230 2 588 7 818 95 160 Schweiz 4 675 622 5 297 5 217 815 6 032 100 114 Tschechoslowakei 4169 447 4 616 4 306 401 4 707 68 69 Portugal 1003 310 1313 1384 668 2 052 142 223 Norwegen 4 ) 482 517 999 1032 985 2 017 86 173 Oesterreich 807 282 1 089 1 071 268 1 339 56 69 Total 254 709 58 673 313 382 324129 75 258 399 387 124 158 ') I. Semester 1932 = 100. 2 ) Ohne Nordirland und Irischer Freistaat. 3 ) Omnibusse unter P W. eingereiht. 4 ) Nur bis und mit Mai. Umgekehrt machen sich aber ebenso die seitens einzelner Regierungen ergriffenen und der Förderung der Automobilindustrie dienenden Massnahmen in einer erheblichen Belebung des Absatzmarktes bemerkbar, wie dies z. B. für Deutschland, Grossbritannien, Oesterreich, Schweden, Norwegen, Spanien und Portugal zutrifft. Bei einer summarischen Analyse der ersten Semesterergebnisse der letzten drei Jahre ergibt sich Ende des 1. Halbjahres 1932 bei den von der Statistik erfassten 11 europäischen Staaten ein Brahma, dessen Podium dem Käfigwagen von Judith gegenüber lag, muss wohl gesehen haben, wie Bux, um Lorenzo zum Geständnis zu bringen, den Haken in den Schieber hakte und so tat, als wolle er aufziehen. Nachdem Bux das Stallzelt verlassen hatte, um zu Fee zu gehen, hat Brahma gleich mit seinem langen Rüssel den Schieber gepackt'und ihn ein wenig aufgezogen. Dhakjee hörte, gleich nachdem Bux das Zelt verlassen, einen Angstschrei aus dem Zelt dringen, lief schnell hinein und sah, wie sich die Tigerin schon mit dem Kopf durch den Spalt zu drängen versuchte. Sofort rief Dhakjee den Elefanten an, aber es war zu spät. Brahma hatte im nächsten Augenblick den Schieber schon völlig- herausgezogen. Die Tigerin stürzte sich auf den Mexikaner und zerriss ihn in wenigen Sekunden. — Voller Entsetzen lief Dhakjee aus dem Zelt und kam ungesehen zu seinem Lager zurück. «Wie der Elefant dazu gekommen ist, den Schieber herauszuziehen,» — so schliesstder Bericht — «ob es aus Ueberlegung geschah und mit der Absicht, Lorenzo, den er nicht leiden mochte, durch die Tigerin töten zu lassen, — das wird natürlich ein ewiges Rätsel bleiben, — eines der vielen tiefen Rätsel der Elefamtenseele. Das Wahrscheinlichste aber ist, dass Brahma wohl nur aus Spielerei den Schieber herauszog und dass ihn der daran hängende Haken, der sonst stets in einer Kiste verwahrt war, dazu verleitet hat.» Es ist abends zehn Uhr. Bux ist direkt nach Ankunft in M zur Klinik gefahren. Nun sitzt er in dem kleinen Krankenzimmerchen an Cillys Bett und hält; ihre Hände zwischen den seinen. ' Lange dauert es, bis sie beide ihrer Bewegung so weit Herr geworden, dass sie sprechen können. Aber nun sind sie ins Reden und Fragen gekommen, dass es gar kein Ende nehmen will. Bux ist überglücklich zu erfahren, dass Cilly fieberfrei und ganz ausser Gefahr ist, — dass sie nur Fleischwunden davongetragen hat und keine Sehnen zerrissen sind. Aber sie muss Bux den ganzen Hergang erzählen und besonders genau, wie die brave Judith ihr das Leben rettete. — Die sensationellen Aufklärungen in Buxens Sache hat Cilly schon mittags in den Zeitifhgen gelesen, aber sie hat noch tausenderlei Einzelheiten zu fragen. Auch erfährt sie erst jetzt von Dhakjees'Tod, der sie sehr bewegt, obwohl sie doch entsetzt ist in dem Gedanken, dass der Inder, wenn Brahma nicht ge- INSERTIONS-PRKIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. tür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntengebtass 4 Tage vor Erscheinen der Nummern satzverhältnissen darstellt, so vermittelt diese dennoch einen klaren Ueberblick über die Lage der Automobilindustrie in den verschiedenen Ländern, vor allem aber einen Begriff über die Fortschritte der Motorisierung. Die Hauptkomponenten der automobilindustriellen Entwicklung liegen naturgemäss bei den vier hauptsächlichsten Produktionsstaaten: Grossbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland, wovon die drei letztern also direkte Nachbarstaaten der Schweiz sind. Unsere Behörden, die bei den chronischen Staatsdefiziten es meisterhaft verstehen, dem Automobilisten immer neue Lasten aufzubürden, brauchen also nur einmal einen Blick über die weissroten Grenzpfähle zu werfen, damit vielleicht selbst in ihren Köpfen ein Licht aufgehe — die Erkenntnis nämlich, dass selbst die finanzielle Belastung des motorisierten Strassenverkehrs sich nicht in beliebige Höhen steigern Iässt. In dieser Hinsicht ist besonders die Absatzentwicklung auf dem französischen Automobilmarkt sehr lehrreich, glaubten doch unsere westlichen Nachbarn, mit Hilfe der Steuerumlage auf den Treibstoffkonsum dem Staat aus dem Strassenverkehr erhebliche Mehreinnahmen verschaffen zu können. Diese Praxis beantworteten die Automobilisten damit, dass sie sich die Frage der Anschaffung eines neuen Fahrzeuges reiflich überlegen, was deutlich in der Absatzentwicklung zum Ausdruck kommt. Während z. B. Italien, im Vergleich zu 1932, seinen Automobilabsatz nahezu verdoppeln konnte, verzeichnet derjenige Frankreichs in der nämlichen Vergleichsperiode keine nennenswerte Aenderung, denn es wurden daselbst nur soviel Automobile neu angeschafft, um damit den laufenden Bedarf decken zu können. Die gegenüber andern Produktionsstaaten auffallende Stagnation auf dem französischen Absatzgebiet dürfte eine direkte Folge der anfangs 1934 eingeführten Treibstoffbesteuerung sein, so dass schon heute die Frage ventiliert wird, ob der Staat sich durch den Verlust der übrigen Einnahmen nicht ins eigene Fleisch geschnitten habe. Demgegenüber vermochte die englische Automobilindustrie ihren Aufstieg weiterhin fortzusetzen und den Vorsprung gegenüber Frankreich, der im ersten Semester 1932 noch rund 15.000 Wagen oder 16% betrug, im ersten Halbjahr 1933 um 28.000 Wagen oder um 27% und in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres sogar um 68,500 Einheiten oder um 69 % zu vergrössern. Was die Entwicklung des deutschen Absatzgeschäftes anbetrifft, so ist bei dessen Beurteilung zu beachten, dass der deutsche Markt im Jahre 1932 auch von einer grössern Depressionswelle als in den übrigen kontinentalen Märkten heimgesucht worden war. Wenn die deutschen Absatzziffern, auch relativ betrachtet, am grössten sind, so ist der Gesamtabsatz auch absolut gegenüber dem ersten Quartal 1932 fast um die gleiche Wagenzahl gestiegen wie in Grossbritannien, nämlich um 60.486 gegenüber 61.808 Wagen. In der Tabelle sind von den wichtigem Produzenten die Niederlande und Belgien nicht vertreten. Ihr Jahresabsatz dürfte auf etwa 15.000 resp. 8000 Einheiten zu schätzen sein. Von den kleinern, nicht aufgeführten Staaten ist noch Rumänien mit einer Vervierfachung starben wäre, weiter geschwiegen hätte. — Schon ein paarmal hat die Krankenschwester den Kopf zur Tür hereingesteckt. Cilly hat sie wohl verstanden. Aber als die Schwester zum dritten Male kommt, sagt Cilly: «Nur noch ein paar Minuten, Schwester, wir haben uns so furchtbar viel zu erzählen!» «Sie haben sehr recht, Schwester,» sagt Bux. «Das Kind muss jetzt Ruhe haben.» «Ein schönes Kind — mit fast achtzehn Jahren!» lacht Cilly. Die Schwester verschwindet wieder, und Bux erhebt sich, um zu gehen. Dabei sagt er wie nebensächlich: «Dass ich von Fee geschieden bin, weisst du?» «Ja. Auch das haben die Zeitungen gebracht.» Und wie um von Fee abzulenken, fügt Cilly, schalkhaft lächelnd, hinzu: «Nun, das kann mir mit Pieter Hemsterhuis jedenfalls nicht passieren!» Bux fühlt die Worte wie einen Stich in sein Herz dringen: So sehr liebt sie den Pieter jetzt? Nun wird sie also bald heiraten, und er wird ganz allein sein! Ach, du gütiger Gott! — Aber Bux kämpft diese Regungen tapfer nieder, Iässt sich nichts anmerken und sagt: