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E_1934_Zeitung_Nr.089

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BERN, Freitag, 2. November 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° äi ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag ' Monatlich „Gelbe Liste** Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- REDAKTION u. ADMlNISTRATIONrBreltenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.— Telephon 28.222 ,... Telegcümm-Ädresse: Autorevue, Bern Aktuelle Tagesfragen Ueber die wirklichen Ursachen von Verkehrsunfällen. Der Angriff auf das neue Verkehrsgesetz durch die Motion Nietlispach und die Resolution der Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren zur erneuten Festlegung von Höchstgeschwindigkeiten lassen den Schluss zu, dass die steigende Zahl der Verkehrsunfälle lediglich auf die Freigabe der Geschwindigkeiten zurückzuführen sei. Wenn wir uns auch nicht mit der Entschuldigung behelfen wollen, dass die zunehmende Zahl der Verkehrsfahrzeuge automatisch eine grössere Verkehrsdichte mit sich bringe und demzufolge eben die Unfallgefahren in dem Masse zunehmen als der Verkehrsraum für das einzelne Fahrzeug kleiner werde, so müssen wir doch diesen Umstand mit einstellen, um klar und nüchtern zu einem Urteil zu kommen. Es gibt eben Relationen, die nicht beseitigt werden- können, auch nicht mit Gesetzesparagraphen, wenn die Diagnose der Unfälle falsch gestellt wird. Wir sind der Ueberzeugung, dass mit der Einführung von Höchstgeschwindigkeiten nichts erreicht wird, deshalb nicht, weil damit kein Fahrzeug weniger verkehrt und anderseits kein Zentimeter mehr Strassenbreite gewonnen wird, zudem keine der übrigen Unfallursachen beseitigt ist.. Man -könnte also höchstens sagen» man .glaube damit die Unfallzahlen reduzieren zu..können. Das ist eben das Unbefriedigende^ NytH uns .vorschwebt, dass wir an der vollständigen Beseitigung aller Verkehrsunfälle arbeiten müssen. Es gibt unzählige Situationen, die einen Verkehrsunfall nach sich ziehen rnüssten, wenn nicht der Zufall dabei helfen würde, dass er nicht passiert, und beinahe ebenso zufällig ist es, wenn der Unfall tatsächlich passiert. In der Regel sind eine ganze Reihe von Verumständungen die Un- »vfallursache; sie auseinanderzuhalten ist nötig, "um die Unfallanalyse zu bekommen. Immer und immer wieder müssen wir lesen, dass der Alkohol den Fahrer zu Handlungen verleitet, die eine Unfallgefahr in sich schliessen, und wenn es nicht zum Unfall kommt, dann hat eben der Zufall eine Rolle gespielt. den Alkoholgenuss oder eben auf das Motorfahrzeugfahren verzichtet, denn beides ist 7 unvereinbar. Das Unglück von St. Sulpice ist. das schrecklichste des Jahres. Die Presse schreibt, man sei Wein einkaufen gegangen,.; und da tauchen Hunderte von Vermutungeu auf in diesem Zusammenhang. Darum fragen wir auch hier: Was nützen Höchstgeschwin-' digkeiten in diesem Falle? Die Strasse istdort glänzend, die Anlage erheischt nicht viel/ Vorsicht, aber sie verlangt bei jeder- Ge-, schwindigkeit an jener Stelle, dass nicht vor-' gefahren wird ohne die sichere freie Bahn; sie war nicht sicher, weil man die Strasse der Wellung wegen nicht überblicken könnte';' Die Auslese der Fahrer muss vorsichtiger sein, wird erklärt. Glaubt jemand, dass man' dem Herrn Direktor, der den Unglückswagen: lenkte, der Offizier und ein forscher Fahrer war, eine Fahrbewilligung nicht erteilt hätte? Wir glauben das nicht, denn er hat sich im,' Militärdienst hundertmal ausgewiesen, dass er ein glänzender Fahrer ist; also suchen wir die Ursache doch dort, wo sie sitzt, beim Weineinkauf und der damit zusamrrrenhän-" genden Gefahr für jeden. Darum wollen wirmahnen! Der Schlaf ist der grösste Feind des Verkehrs, und doch sehen wir immer Chauffeure,- Begleittnänner, aber auch private Autofahrer, die nicht ganz Wach Sind,"-die zusammen--' schrecken, wenn wir. kreuzen. Das Lenken, ist mm grosso physische Anstrewingt um* darum- sind genügend Ruhe und Erholung WOtwendig für alle Fahrer. Der alkoholisierte wie der schläfrige Fahrer bilden für jeden eine Gefahr; dabei spielt die Höchstgeschwindigkeit nur eine mittelbare Rolle. Der Gefährdete ist nicht aliein der Gefährliche, sondern die andern, die nicht wissen können, in welchem Zustande sich der Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeuges befindet, und."da hilft keine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeiten. Wir betonen nochmals: Die Geschwindigkeit des Fahrzeuges ergibt sich von selbst, aus der Beschaffenheit des Fahrzeuges und dem vorhandenen Raum. Alle Fahrer, die sich diese Formel einprägen, werden nie einen Unfall verursachen, vorausgesetzt, dass sie auch das eigene Fahrzeug immer in absolut betriebssicherem Zustande unterhalten. Die Bremsen, und immer wieder die Bremsen, müssen fleissig kontrolliert sein, der Fah- Hat es einen Sinn, für einen Alkoholiker Höchstgeschwindigkeiten aufzustellen? Wohl nicht, denn sein Zustand wird ihn verleiten, diese zu überschreiten. Sind solche aufgestellt, dann treffen sie alle Fahrer, und da rer darf nie gleichgültig werden und meinen, nun einmal jene gestraft werden sollten, die es gehe noch. Sobald die Bremsen in der eine Unfallgefahr bilden, dann inuss man Wirkung spürbar nachlassen, müssen sie in eben jedem, der am Volant sitzt, raten, überhaupt keinen Alkohol zu gemessen. Verbieten Ich war Zeuge einer Nachtkontrolle und stellte Ordnung gebracht werden. Dann das Licht! lässt sich das Trinken nicht, aber man kann fest, dass bei jedem zehnten Fahrer mit dem verlangen, dass wenn einer ein Motorfahrzeug besteigt, er nicht allein in seinem, son- Bremsen bedingen gute Reifen. Wie viele Lichte etwas nicht in Ordnung war. Gute dern viel, mehr im Interesse aller andern auf fahren noch auf der weissen Zwischenlage, ; trotzdem die Pneus heute so billig sind! Es ist eine. Unverantwortlichkeit sondergleichen, •mit abgefahrenen Pneus nicht nur sich, sondern eben, alle-andern in Gefahr zu bringen. Alle diese Umstände haben mit Höchstgeschwindigkeiten nur mittelbar zu tun. ' Um nun die Unfallgefahren herabzumindera K glauben wir, dass es viel wirksamer wäre, die ; Verkehrssicherheit mehr von anderer als der Seite der Geschwindigkeiten zu verbessern. Da nun einmal der Ausbau unserer Strassen aus Gründen der Krise (? Red.) nicht mit der Entwicklung des Verkehrs §chrjtt halten kann, bleibt eben nur eines: die Verkehrsteilung auf der Strasse, die Aufteilung -des Verkehrsraums. Niemand hat die Priorität in des andern Fahrbahn, sondern es.hat die Anpassung zu erfolgen. Und wäre die Strasse noch so schmal, praktisch bleibt nichts anderes übrig. Dem Radfahrer und Fussgänger wird beidseitig ein entsprechender Streifen eingeräumt, der je nach Gesamtstrassenbreite variiert. Bei Strassen von beispielsweise 7 m werden beidseitig je 1 m reserviert, verbleiben für den übrigen Verkehr 5! m; dies ergibt zwei Fahrbahnen ä 2,50 jn, die für einen normalen Verkehr genügen. Will \jorgefahren werden, dann muss eben die gegenüberliegende Fahrbahn benützt werden, wobei der Möglichkeit Rechnung getragen werden muss,. dass aus der entgegengesetzten Richtung ein Fahrzeug •kommt. In dieser •Situation sollte sieh diefteschwintftgkert von selbst ^rge&dn;- Oft hat A maa. einen spazierenden Fahrer vor sich, der just dann erwacht, wenn ihm., jemand v