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E_1934_Zeitung_Nr.090

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BERN, Dienstag, 6. November 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 90 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienfta« und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Autgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.— Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtsespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentaril. Insfrutemthlns« 4 Tun» vor Erscheinen der Nummern Zur Verkehrserziehung der Schuljugend Zu diesem aktuellen Thema äussert sich ein Zürcher Schulfachmann wie folgt: Die steigende Zunahme des Autoverkehrs gestaltet die Frage der Verkehrserziehung in allen Ländern zu einem Problem, das in den einzelnen Staaten auf die verschiedenste Art und Weise zu lösen versucht wird. Nur in einem Punkt ist man überall derselben Auffassung, nämlich, dass sich der Fussgänger noch am undiszipliniertesten verhält, dass also beim Fussgänger mit der Verkehrserziehung in erster Linie eingesetzt werden muss. Ueber die Frage, #ie das erwünschte Ziel erreicht wird, herrscht dagegen bisher noch keine Einigkeit. In all den Staaten mit gesteigertem Automobilverkehr sucht man hier auf verschiedene Weise den Fussgänger zu einer besseren Verkehrsdisziplin zu bringen. Davon ausgehend, dass Verkehr Leben ist und wo dieses Leben vernachlässigt ist, das Gedeihen des Volkes leidet, ist man mancherorts Vorjahren dazu übergegangen,Verkehrsunterricht in der Schule zu treiben. Als einzige Kantone kennen St. Gallen und So- Iothurn den Verkehrsunterricht, der durch Verfügung des Erziehungsdepartements oder regierungsrätliche Weisung geregelt und obligatorisch eingeführt worden ist. Nicht nur in Zürich, auch in Winterthur, Basel, Bern ist durch Ausgabe von Verkehrsbüchlein oder Fibeln, in denen durch geschickt ausgewählte Bilder und einfachen Text auf die hauptsächlichsten Gefahren der Strasse und die gefährlichsten Untugenden der Jugend hingewiesen wird, dieser Verkehrserziehung erhöhte Beachtung geschenkt worden. Auch vielerorts in den U. S. A., in England und in Deutschland wird der Unterricht bereits schon obligatorisch in den Schulen erteilt. Dabei Hess man sich von der durch- -,aus richtigen Erkenntnis leiten, dass es not- ~wendig ist, in alle Arbeit am Verkehr in erster Linie die Jugend mit einzugliedern. Den Ausschlag dazu gibt die unumstössliche Tatsache, dass die Jugend heute viel mehr Verständnis für das Verkehrsleben hat als die Erwachsenen. Es ist dies auch verständlich, denn die Jugend ist in gewissem Sinn mit dem Automobil aufgewachsen, hat seine Entwicklung miterlebt, mitverfolgt und etwas anderes überhaupt nicht gekannt. Die Erwachsenen dagegen leben vielfach noch in jenem Milieu der vergangenen Jahrzehnte, wo es weiter nichts zu sagen hatte, wenn F E U I L L E T O N Unser neuer Roman. Wir haben bereits in den ersten Ankündigungen unseres neuen Romanes auf die Ausserordentlichkeit des ausgewählten Werkes hingewiesen. Unsere Leser werden eich mit Recht dafür interessieren, aus welchen Gründen wir uns dazu befugt glauben, dem neuen Roman ein solches echtgemeintes, wahrhaftes Lob vorauszuschicken. Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass der echte Zeitungs- Toman, der die Leser unterhalten soll, nicht notwendigerweise schlecht zu sein braucht, und dass es oft nur Gedankenlosigkeit und Zeichen geringen Verantwortungsgefühles sind, wenn heute auch bei nna so viele Redaktionen gerade jenen misslichen Schund unter dem Strich veröffentlichen, der die Welt von vornherein in kinohaft romantisch verbrämter, völlig verlogener Darstellung zeigt. Unsere Zeit hat die Menschen zu ernst gemacht, als dass ihnen nicht selbst zuerst die himbeersüsse Kost zuwider würde. Das Leben braucht nicht erst verfälscht zu werden, um mehr als genug Stoff zur Ablenkung, zur Unterhaltung, und — vor allem auch — zur inneren Erbauung zu liefern. Wir haben seit einiger Zeit mehrmals ernsthafteren man sich in der Mitte der Fahrbahn Neuigkeiten erzählte oder die Zeitung las. Damit soll aber gegen die Erwachsenen absolut kein Vorwurf erhoben werden, denn es ist eben so, dass ihnen die frühere laxe Verkehrsordnung in Fleisch und Blut übergegangen ist. Daraus leitet sich auch die Begründung ab, dass wir unsere ganze Zukunft auf die Jugend setzen müssen. Damit aber, dass wir mit der Verkehrserziehung der Jugend uns intensiver beschäftigen, werden auch die Erwachsenen weiterhin besser mit den Gepflogenheiten des heutigen modernen Verkehrslebens vertraut gemacht. Und zwar dadurch, dass das, was die Jugend lernt, von ihr zu Hause mit den Eltern besprochen wird, sowie auch Schulaufgaben zu Hause mit den Eltern besprochen werden. Deshalb muss die Forderung nach einer systematischen Verkehrsschulung der Kinder mit allem Nachdruck erhoben werden. Da die Erwachsenen grösstenteils selbst nur die einfachsten Regeln des heutigen Verkehrslebens beherrschen, fehlt es bei den Eltern meistens nicht am guten Willen, sondern an der eigenen Erfahrung und den nötigen Kenntnissen. Der Endzweck unserer heutigen Verkehrserziehung muss daher in der Heranbildung einer Jugend gesucht werden, die die natürlichen Gesetze der Strasse und des Verkehrs vollkommen beherrscht, die nach diesen Gesetzen lebt und schliesslich dem Alter, dem Verkehrsunsichern, vorbildlich vorangeht. Je früher mit dieser Erziehungsarbeit begonnen wird, desto mehr kann manches Leid vermieden werden. Die Schule muss also dasjenige Organ sein, das die Jugend mit dem Fortschritt unseres heutigen Verkehrslebens und mit dessen Gefahren aufs engste vertraut macht. Bei einem kürzlich erfolgten Besuch in Stuttgart hatte Schreiber dieser Zeilen Gelegenheit, mit massgebenden Stellen der Verkehrsschulung Fühlung zu nehmen. Obwohl da, wie auch im übrigen Deutschland, schon viel getan worden ist, wird eine weitere Ausgestaltung der Verkehrserziehung gefordert. So soll diese in den Schulen obligatorisch Werken Zugang zu unserm Feuilleton verschafft — wir nennen « Kelch und die Brüder » — « Rufe aus dem Dunkel» — « Die ewige Wahrheit» — «Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsdbet» — und gerade aus dem Leserkreis zu diesen Romanen die lebhafteste Zustimmung erhalten. Mit ganz besonderer Freude kündigen wir heute •inen neuen, hervorragenden Roman an, der erst vor relativ kurzer Zeit in Ruchform erschienen ist nnd einen wahrhaft «ensationellen Erfolg errangt Die Magd des Jürgen Doskocil » von Ernst Wiechert. Wiechert ist heute einer der repräsentativsten Dichter der jungen Generation, der die Verworrenheit und Unklarheit der modernen Literatur überwunden und sich wieder zu den grossen, einfachen Dingen des Lebens zurückgefunden hat. Mit seinem Roman « Die Magd des Jürgen Doskocil» schuf er ein Kunstwerk, von dem die objektive führende Kritik eagt: « Ich wüsste nur einen, d«m eine verwandte Einheitlichkeit von Gestalt und Stimmung gelungen ist: Adalbert Stifter. Auch sprachlich ist Wiechert mit ihm verwandt, so selbständig sein Stil aus dem Stoff heraus sich entwickelt Der Vergleich will den hohen Rang andeuten, den Wiechert mit dieser dichterischen Gabe erreicht hat.> Und der Rezensent des « Autler-Feierabends > schrieb in seiner Besprechung dieses Werkes vor einiger Zeit: « Man könnte diesen Roman das wundervolle Lied der menschlichen Liebe nennen. Jedem, den das wirre Leben in Konflikte führt, wird dieses einfache, grosse Werk eine wahre Labsal bedeuten. » Wiechert ist seinerzeit schon mit mehreren ausgezeichneten Novellenbänden und dann auch mit dem Kriegsbuch « Jedermann» (die Geschichte eines Namenlosen) hervorgetreten. Für unsern neuen Roman erhielt der Dichter übrigens den Volkspreis der Raabe-Stiftung, eine hohe Ehrung, die bezeichnend für die Qualität de3 Werkes ist. Ausserordentliches Echo fand auch «ein erst vor Wochen erschienener neuester Roman « Die Majorin » der zur Zeit in allen Ruchhandlungen ajjsliegt. Dr. Korro-di widmete dem neuen Buche in der < NZZ» zwei grosse Feuilletons, in denen er seiner Ergriffenheit über die Schönheit des Werkes beredten "Ausdruck gab. Ein glücklicher Zufall will es, dass Ernst Wiechert noch in diesem Monat in einigen Städten der Schweiz literarische Vorlesungen halten wird, so unter anderm auch im Schosse des bekannten Zürcher « Lesezirkels Hottingen ». eingeführt werden. Die Lehrer in sämtlichen Schulen Württembergs sind auf Grund eines Erlasses aus dem Jahr 1932 schon verpflichtet, die Heimatkunde, Rechnen und andere geeignete Schulfächer in gewissen Zeitabständen mit der Verkehrserziehung der Jugend zu verbinden. Den Schulen steht vor allen Dingen ein in Stuttgart vom Polizeipräsidium schon 1931 hergestellter, sehr anschaulicher Verkehrsfilm zur Verfügung. In alljährlichen Verkehrswochen wird in den Schulen an jedem Tag in der umfassendsten Weise die Schuljugend mit den Fragen der Verkehrsordnung eingehend vertraut gemacht. Trotz allem wird der jetzige Zustand noch keineswegs als ideal bezeichnet. Behörden und Lehrerschaft vertreten den Standpunkt, dass man erfreulicherweise schon über die ersten Anfangsgründe der Verkehrserziehung in den Schulen hinweg sei, dass aber noch viel, sehr viel getan werden müsse. Bei einer Rücksprache mit dem Gauamtleiter des Württembergischen Lehrerbundes erklärte dieser, dass eine gründliche Einführung der Schuljugend in die Verkehrsordnung von grösster Wichtigkeit sei. Die Verkehrserziehung der Jugend müsse daher im Lehrplan noch weit mehr verankert werden als bisher. Er verkannte nicht, dass auf der einen Seite mit der bisherigen Art der Verkehrserziehung in den Schulen wohl schon erspriessliche Arbeit geleistet wurde, dass sie aber nicht mehr ausreicht, da der Lehrplan, vor Jahren aufgestellt, vor allen Dingen mit der ungeheuren Entwicklung des Autoverkehrs nicht Schritt gehalten hat. Es wird daher beim Württembergischen Kulturministerium der Antrag gestellt, Lehrer als besondere Verkehrsfachleute auszubilden und dann zu Referenten für das Verkehrserziehungswesen in den Schulen zu ernennen. Ihre Aufgabe wäre, die Lehrer mit den Fragen der Verkehrserziehung der Jugend vertraut zu machen und nach der weitern Verankerung der Verkehrserziehung im Schulplan die richtige Durchführung zu überwachen. Die Gestaltung der Verkehrserziehung. Bei der Frage, wie die Verkehrserziehung gehandhabt werden soll, muss davon ausgegangen werden, dass die Jugend schnell erfassen und erkennen kann, wenn sie die rechte und geeignete Schulung erhält. Unbedingt notwendig dazu ist gutes Anschauungsmaterial. Wirksamer Verkehrsunterricht kann nicht eindringlich genug sein, und deshalb kommt es hauptsächlich auf die Anschauung an, weil nur durch Sehen und Erkennen das erreicht werden kann, was allgemein erstrebt wird, das Bekenntnis zur allgemeinen Verkehrsvernunft. Die Handlung des neuen Romanes ist so einfach als möglich. Nach all den grübelnden, nervösen, aufgeregten Dichtungen der letzten Zeit, die alle eine grenzenlose Unsicherheit und einen ganz schwankend gewordenen Boden offenbarten, ist dieses Werk dazu berufen, als ein Versuch, das ungeheure Chaos zu überwinden, gedeutet zu werden. Es stösst zu den ewigen Dingen des Lebens vor, hinein in eine erschütternde, tiefste Innerlichkeit der Seele, die sich ganz mit den Gewalten der Natur verbunden weiss. In Jürgen Doskocil erlebt man eine der schönsten männlichen Gestalten, denen man je begegnet ist: Einen erdnahen, einfachen, vom Glauben an eine höhere Welt durchdrungenen Menschen, der von dem grenzenlosen Impuls der Liebe erfüllt ist. Und seine demütige Magd Marthe, mit der zusammen er durch ein schweres Schicksal geht, ist mit einer ganz ergreifenden seelischen Schönheit geschmückt. Der Roman ißt ein Hohelied der opferbereiten, Teinen Liebe, die über allem Verhängnis und allen dunklen Schatten triumphiert. Schuld und Not liegen in dem Geschick der beiden beschlossen, doch sie tragen es mit seelischer Grosse und einer geradezu an Heilige gemahnenden Kraft. Durch Leiden Teifen sie zur Erkenntnis und Klarheit heran, und alle Misserfolge führen dazu, dass sie ihr Leben mit doppelter Liebe, doppelter Bereitschaft weitertragen. Wahrhaftig, dieser Roman ist eine einzige wunderbare Dichtung der Seele, von Menschen, die mit den Gewalten des Wassers und der Erde verwachsen sind, und die mit der glühend bereiten Reinheit ihres Herzens nach oben streben. Die Sprache schwingt im herrlichen Gleichklang mit. Wir freuen uns ehrlich, unsern Lesern dieses Werk vorlegen zu können, und möchten nur eines noch betonen: Wer vor diesem Roman glaubt zurückschrecken zu müssen, da er annimmt, er gelte nur für ein» gewisse Sorte literarischer Feinschmecker, wird sich irren. Das Werk ist bis zum Rande mit blutvollem Leben gefüllt, und entbehrt auch jener ausserordentlichen Spannung nicht, die man billigerweise von einer Zeitungslektüre doch verlangen darf. Der Roman ist wie jedes echte dichterische Werk auch im besten Sinne unterhaltend, seine Handlung und Sprache sind einfach, gross und schlicht, sp gewaltig wie die Landschaft, die den Rahmen liefert Bei der Heranbildung einer verkehrsfreundlichen und verkehrsverständigen Jugend kann mit der Schulung nicht früh genug begonnen werden. Schon mit dem Spielzeug wird, wenn oft nur unbewusst, das Interesse am Verkehr geweckt. Eine systematische Verkehrsschulung der Kinder in den Schulen ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und auch die Frage, wie dieser Verkehrsunterricht in den Schulen gehalten sein soll, ist nicht schwer zu beantworten. Für die untern Klassen dürften als Grundlage für die Anfangsgründe der Verkehrserziehung das vom Polizei- und Schulwesen der Stadt Zürich herausgegebene Verkehrsbüchlein wohl als sehr geeignet anzusprechen sein. Schade I auch, dass die Bilderserien und die dazugehörige Anleitung des T.C S. nur einmal herausgegeben worden sind, auch dieses Anschauungsmaterial könnte vortreffliche Dienste leisten. Allerdings erfüllt es seinen Zweck nicht, sofern diese wirklich praktische Verkehrsfibel nur zur Verteilung an die Schulkinder gelangt. Wenn das Geld nicht nutzlos auf die Strasse geworfen sein soll, dann müssten diese Heftchen nicht nur zum ständigen Bestand der Schulbücher eines jeden Schülers gehören, sondern es ist auch in regelmässigen Zeitabständen eine Würdigung durch den Lehrer notwendig. Wie im Lesebuch, so müsste der Lehrer auch hier Abschnitt um Abschnitt mit seiner Klasse behandeln. Während sich das Verkehrsbüchlein zum mündlichen Unterricht durch den Lehrer besonders eignet, könnten die T. C. S.- Bilderserien und die « Regeln des Strassenverkehrs» eine nicht zu unterschätzende wertvolle. Ergänzung bilden. Sie gäben dem Lehrer die Möglichkeit den Schülern an Hand der Bilder und Fragen Aufsatzthemen zu stellen. Doch kann auch aus dem praktischen Verkehrsleben genug Stoff für die Aufsatzstunden geschöpft werden. Gerade aus diesen Aufsätzen ersieht dann jeder Lehrer sofort und mit aller Deutlichkeit, in wieweit seine Verkehrsbelehrung Frucht getragen hat und wo deren Sinn noch nicht richtig erfasst worden ist. Verkehrsbüchlein und Bilderserien haben dazu den Vorteil, dass eine besondere Vorbildung des Lehrers nicht nötig ist, denn beide sind ausserordentlich anschaulich gehalten. Kürzlich ist in Zürich auch ein besonderer Verkehrsfilm für die Jugend fertiggestellt worden, der auf die besonderen Bedürfnisse des Schulunterrichtes zugeschnitten Ist und über den an dieser Stelle gelegentlich noch eingehender berichtet wird. Es ist nur zu wünschen, dass der Film in sämtlichen Schulhäusern und Klassen gezeigt und in den Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. Copyright by Albert Langen-Georg Müller, München. Im Schweiss Deines Angesichts sollst Du Dein Brot essen, bis dass Du wieder zu Erde werdest, davon Du genommen bist. Denn Du bist Erde und sollst zu Erde werden. . I. Die Stimme der Sterbenden ist leise, aber so scharf, dass das tröpfelnde Licht neben dem Bett unaufhörlich zittert. Der Atem ist schon mühsam, der die Stimme bewegt, aber er wird nicht zu Ende sein, bevor sie alles gesagt hat. Die Hände liegen nebeneinander auf dem blaugemusterten Bettuch. Sie haben schon die Farbe der anderen Welt. Sie sind in sich bewegungslos, aber die Finger heben sich noch einzeln auf und drücken sich wie bei der Aufzählung einer Schuldenreihe wieder in den leise knisternden Stoff. Der Fährmann Jürgen Doskocil sieht weder in das sterbende Gesicht noch auf die Bewegung der Finger. Er sitzt vornübergeneigt auf dem Schemel aus Holz, die schweren Hände hilflos in dem leeren Raum vor seinen Knien. Man sieht nur seine riesigen Schultern und den wilden Haarwuchs über seinem gebeugten Haupt. Aber er hört die Bewegung der Finger, die Zahl auf Zahl in das blaue Tuch schreiben. Er weiss, dass sie falsch schreiben, dass selbst der Tod dieser seiner Frau falsch ist, aber er bewegt kein