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E_1934_Zeitung_Nr.090

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1934 - N» 90 Motor bei Stillstand warm erhalten, das gleiche gilt für die Thermostaten. Zu empfehlen ist ferner, unter der.Haube eines der vielen im Handel befindlichen Sicherheitsöfchen unterzubringen, das während der Fahrt als Fusswärmer für die Insassen gut verwendet werden kann. — Ein sehr wichtiges Instrument ist das Kühlerthermometer, das an keinem Fahrzeug fehlen sollte. Starterklappen, Vergaser-Tupfer und Benzm-Einspritzvorrichtungen betätige man nur vorsichtig, damit man nicht der Maschine durch die damit auftretende Gefahr der Oelverdünnung Schaden zufügt. Die Verwendung eines guten Obenschmieröls und eines Graphitzusatzes aus kolloidalem Graphit zum Schmieröl ist empfehlenswert. Oft kommt es bei Kälte vor, dass der Anlasser versagt, weil das Ritzel beim Bendix- Antrieb nicht eitrkämmt. Dies liegt gewöhnlich daran, dass durch das dick gewordene Oel auf dem Gewinde des Bendix-Antriebs das Ritzel sich nicht verschiebt. Man verwende deshalb nur ganz dünnflüssiges Oel oder unterlasse die Schmierung während dieser Zeit überhaupt. Ferner ist es wichtig, dass die Unterbrecherkontakte und die Vorzündung richtig eingestellt sind. Es kommt oft vor, dass der Unterbrecherhammer auf seiner Achse klemmt, wodurch natürlich keine Zündung erfolgt. Dies ist nur zu beseitigen, indem man den Hammer vorsichtig von seiner Achse abzieht, reinigt und die Achse mit einem Hauch Fett versieht. Dass die Batterie im Winter einer ganz besonderen Pflege bedarf, wenn man von ihr erwartet, dass sie immer anstandslos ihren Dienst tun soll, sollte nachgerade bekannt sein. Aber wie oft findet man, dass immer noch bei der Pflege der Batterie gesündigt wird. An und für sich ist es doch gar nicht so schwer, im Monat ein- bis zweimal einen Blick in die Zellen der Batterie zu werfen, •um festzustellen, ob der Säurespiegel die Platten noch bedeckt, mit Hilfe des Säureprüfers den Ladezustand der einzelnen Zelle zu kontrollieren und ob die Anschlüsse frei von Oxydationsbildung sind. Der Grund für die Vernachlässigung ist aber meistens darin zu suchen, dass die Batterie bei den meisten Fahrzeugen leider auch heute noch zu schwer zugänglich ist. Sehr zu empfehlen ist es, an seinem Fahrzeug eine der auf dem Markt befindlichen Nebellampen anzubringen. Diese Lampen sind für die links gesteuerten Fahrzeuge bei Nebelfahrten geradezu unentbehrlich. Zu kauften gesucht Kleinwagen nicht über 8 PS, Occasion oder neu (nicht unter Modell 1932), gegen Möbellieferungen Konditionen nach Vereinbarung. Offerten gefl. unter Chiffre 65296 an die Automobil-Revue, Bern. 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Frage 9230. Elektr. Thermostaten. Können Sie mir die Adresse des Fabrikanten mitteilen, welcher elektr. Thermostate zum Heizen des Kühlwassers, einbaubar «wischen unterem Kühlerschlauch und Motorblock, fabriziert, und wie eich solche bewährt haben? E. N. in W. Frage 9231. Abdecken des Kühlers. Mein Motor wird bei nicht sehr heissem Wetter eher zu stark gekühlt, weshalb ich den Kühler teilweise abzudecken beabsichtige. Wird diese Abdeckung nun besser oben oder unten am Kühler vorgenommen? P. A. in B. Antwort: Hauptsächlich mit Rücksicht auf die Gefahr eines Einfrierens des Kühlwassers im Winter ist es vorteilhafter, den Kühler unten abzudecken. Im untern Teil des Kühlers ist das Wasser schon bedeutend kälter als oben. Für den Sommerbetrieb, wo es sich nur darum handeln kann, eine Ueberkühlung zu vermeiden, könnte allerdings auch eine Abdeckung des oberen Kühlerteils den Zweck erfüllen. -at- Frage 9232. Batteriepflege Im Winter. Ist es angängig, die Batterie eines Wagens; der über Winter nicht gebraucht wird, zu entleeren, mit frischem Wasser gut auszuspülen, auszutrocknen und dann in diesem Zustand aufzubewahren? Oder könnte die Batterie durch diese Behandlung Schaden nehmen? R. 0. in S. Antwort: Die in Aussicht genommene Behandlung würde mit Sicherheit zum Ruin der Batterie führen. Die trockengelegten Platten würden sulfatieren und langsam zerfallen. Für die Ueberwinterung einer Batterie gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird die Batterie im Wagen belassen und alle vier Wochen neu aufgeladen. Oder man füllt sie mit destilliertem Wasser, lädt sie hierauf vollständig auf (damit die Säurereste aus den Platten herausgetrieben werden), füllt nochmals frisches destilliertes Wasser nach und bringt die Batterie erst jetzt an einen temperierten, frostsicheren Raum zur Aufbewahrung. -at- Frage 9233. Ueberkühlung des Motors. Der Motor meines Wagens wird auch bei den anstrengendsten Fahrten über Alpenpässe, im Großstadtverkehr usw. nur schwach handwarm. Ich habe das immer für einen Vorteil gehalten, nun klärt man mich aber auf, dass eine übermässige Kühlung im Gegenteil ungünstig sei. Was ist daran? Welche Massnahmen empfehlen Sie mir, wenn sich die Sache wirklich ßo verhält? E. E. in T. Antwort: Ist 'der Motor zu kalt, so verliert I CAMIONNETTE, 900 kg Tragkraft, In nur prima Zustand, nicht älter als Jg. 1932, 6 Zyl., nicht über 17 PS, Gesamtwagenlänge ca. 5 m, Ladebrücke 2,30 m. Ev. Kastenwagen, aber nicht höher als 2,10 m. — Ferner: 1 Tellerrad, 50 Zähne, und 1 Kegelrad, II Z., von Marke «Monobloc», 24er Modell, 15 PS, grosses Offiziersmodell. — Offerten an Hutgeschäft Salchli, Lyss. Tel. 202. — NB. Der Interessent ist jeweils nur nach vorh. telephon. Anfrage nur Dienstags, Freitags und Sonntags zu sprechen. 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Als Regel ist zu merken, dass die Temperatur des vom Motor zum Kühler übertretenden Kühlwassers bei normaler Fahrt unter Belastung etwa 80 Grad Celsius betragen soll. Als empfehlenswertes Mittel zur Erhöhung der Kühlwassertemperatur raten wir Ihnen die Stillsetzung des Ventilators oder eine Abdeckung des Kühlers durch Jalousien etc. an. -at- Frage 9234. Schwunoradzahnkranz häufig defekt. Bei meinem 8-Zylinder-Amerikanerwagen musste ich jeweilen bei Beginn der Wintersaison in den letzten Jahren den Zahnkranz des Schwungrades ersetzen, da die Zähne durch Verklemmen des Anlassers defekt und teilweise abgeschlagen wurden. Ich Hess auf Anraten der Reparaturwerkstätte letztes Jahr einen Stahlkranz einbauen, da dadurch das Verklemmen unmöglich werde. Leider muss ich nun feststellen, dass mit einer ganz neuen Batterie sich der Anlasser wiederum verklemmt. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir mitteilen wollten, ob eventuell durch Ersetzen des einspringenden Rädchens dem Uebelstand abgeholfen würde. W. W in B. Antwort: Das anormal häufige Auftreten von Defekten an der Schwungradverzahnung lässt vermuten, dass der Einrückmechaiiismus des Anlassers nicht in Ordnung ist. In erster Linie sollte deshalb hier Remedur geschaffen werden. Was am Einrückmechanismus des Anlassers nicht stimmt, können wir allerdings vom grünen Tisch aus nicht beurteilen, besonders, da wir nicht wissen, um welches Anlassersystem es sich handelt. Beim Bendix- Mechanismus könnte eventuell als Ursache in Frage kommen, dass sich das Ritzel nicht frei genug auf seiner Spindel bewegen kann, dass die Feder zu hart oder der Einbau des Anlassers ungenau oder zu schwach ist Handelt es sich um einen Anlasser mit zwangsläufiger Einrückung, so könnten die Defekte vielleicht durch ein zu frühes Zustandekommen des Kontaktes entstehen. Am besten lassen Sie den Wagen bei einem tüchtigen Automobil- Elektriker auf diese Punkte hin untersuchen, -s. Anfrage 463. Verlustschein. Ein Geschäftsmann machte vor einiger Zeit Konkurs und ich habe nebst anderen Gläubigern einen Verlustschein erhalten. Das Geschäft geht nun auf den Namen seiner Frau. Der Mann fährt jedoch Auto und das Auto ist bei der Kontrolle auf den Namen des Mannes (als Halter) eingetragen. Kann nun der Mann eich ausreden, das Auto gehöre nicht ihm, es sei der Frau, sie habe es bezahlt (laut Quittungen), wenn doch er als Halter eingetragen ist. Kann ihm der Wagen nicht gepfändet werden? J. F. in T. Antwort: Die Eintragung des Autos auf den Namen de3 Ehemannes beweist nichts in bezug auf das rechtliche Eigentumsverhältnis, das Auto kann gleichwohl im Eigentum der Ehefrau und nunmehrigen Inhaberin des Geschäfts stehen. Wenn das Ihnen fraglich erscheint, eo können Sie während 5-Pläizer Sedan 6 Monaten nach Zustellung des Verlustscheins ohne neuen Zahlungsbefehl die Betreibung fortsetzen unter Berufung darauf, dass der Konkursit zu neuem Vermögen gelangt ist. Wird das von geiner Seite bestritten, so entscheidet das Gericht darüber im beschleunigten Verfahren. Wenn das Auto nicht in den Konkurs gefallen ist, so sind dafür verschiedene Gründe möglich, einmal strafbare Beseitigung oder Verheimlichung durch den Konkursiten, sodann mangelhafte Geschäftsführung durch die Konkursverwaltung. Es halt jedoch sehr schwer, nachdem die Gläubigerversammlung die Konkursverwaltung entlastet und ihre Anordnungen gebilligt hat, auf deren Geschäftsführung zurückzukommen. Sie konnten Ihre Beobachtungen an der Gläubigerver- 6ammlung zur Sprache bringen. Vermutlich hat die Konkursverwaltung das Geschäft im Einverständnis mit der Gläubigerversammlung der Ehefrau verkauft und dabei ist der Wagen inbegriffen, jedenfalls kann man nichts dagegen machen, wenn die Frau ihren konkursiten Mann, der nun vielleicht ihr Angestellter ist, im Auto fahren lässt. Wie bemerkt. Sie würden vielleicht gut tun, den Fall durch eine Fortsetzung der Betreibung abzuklären, wobei es sich empfiehlt, vorher mit dem früheren Konkursverwalter Fühlung zu nehmen. ß Anfrag« 464. Tankstelle. Hat eine Gemeinde das Recht, die Bewilligung zum Aufstellen einer öffentlichen Tankstelle am Trottoirrand, aber auf Grund und Boden des Besitzers, zu verweigern? K.K.inR. Antwort: Die grundsätzlich gestellte Frage, ob eine Gemeindeverwaltung das Recht habe, die Aufstellung einer Tankstelle auf Grund und Boden eines Privateigentümers zu verbieten bzw. dafür die Baubewilligung nicht zu erteilen, muss grundsätzlich bejaht werden. Das private Eigentum unterliegt in diesem Falle den öffentlichen Einschränkungen des Baupolizeirechts, das von der Gemeinde gehandhabt wird, mit Rekursrecht an die Direktion des Innern und gegen deren Entscheide an den Gesamtregierungsrat. Nur muss natürlich die bauund verkehrspolizeiliche Einschränkung ihre Gründe haben, sonst kann man nach Erschöpfung de« kantonalen Instanzenzuges an das Bundesgericht gelangen wegen Rechtswillkür, gemäss Artikel 4 der Bundesverfassung. Nach Prüfung der Planskizzen und der Photographie sind wir der Ansicht, dass die Aufstellung einer Tanksäule nicht verweigert werden sollte. Wenn der Gemeinderat seinen Entscheid trifft wegen der geplanten Neuanlage einer Verkehrslinie (Trottoir), so entscheidet sich der Fall nach dem neuen St. Galler Gesetz über das Strassenwesen von 1930, wonach bei Neubau und Korrektion von Gemeindestrassen die Planauflegung durch den Gemeinderat erfolgt, der die Einsprachen erledigt und eine 20tägige Frist zum Rekurs an den Regierungsrat ansetzt,' der seinerseits endgültig entscheidet Gegen dessen Entscheid wäre eventuell die bundesgerichtliche Prozedur einzuleiten mit der staatsrechtlichen Beschwerde wegen Willkür. Wir würden demnach raten, einen Entscheid des Gemeinderates abzuwarten und die Begründung zu verlangen, sowie alsdann, bei negativem Ausgang, die Rekursmöglichkeiten zu prüfen. B. Torpedo, 4-PL, hellgrau, genommen. — Anfragen unter Chiffre 65341 an dieprima Zustand, Fr. 950.—. neueres Modell, fachmännisch eingefahren, zu ver- an Publicitas, Bern. ••**• Automobil-Revue, Bern. Offerten unter Je. 8538 Y. kaufen. 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Bern, Dienstag, 6. November 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No.90 Kanada — das Land der Gegensätze Von Colin Ross. Die folgenden vier kurzen Abschnitte entnehmen wir dem in dieser Nummer besprochenen neuen Reisebuch von Colin Ross: «Zwischen U. S. A. und dem Pol» (Verlag: F A. Brockhaus, Leipzig), das in unvergleichlich interessanter Weise einen genauen historischen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Einblick in Kanada eröffnet. Die folgenden ersten zwei Abschnitte berichten von der in der Welt fast unbekannten Goldstadt Arnos in Abitibi, mitten in der ungeheuren kanadischen Wildnis. Die zwei weiteren Abschnitte schildern die phantastische Weitenproduktion in Kanada, das heute von der Weltwirtschaftskrise in besonders bedrohlicher Weise heimgesucht wird. Die Red. Sechsunddreissig aus einem Stiefel. Arnos. Pere Minette, der « Missiftnnaire Colonisateur », dem die Siedlung in Abitibi untersteht, hat uns ein paar Tage lang kreuz und quer durch den ganzen Bezirk gefahren, von Nord nach Süd, von Ost nach West. Wir haben Lose gesehen, auf denen die Kolonisten gerade angefangen haben, den Wald zu schlagen und zu brennen, wo sie noch in primitivsten Hütten und Verschlagen hausen, und andere, die zu prächtigen Farmen ausgebaut sind mit landwirtschaftlichen Maschinen, Grünfuttersilos, Autos und Tennisplätzen. Dazwischen alle Spielarten. Man kann wirklich von Spielarten reden, denn im Gegensatz zu amerikanischer Gleichförmigkeit wirtschaftet hier jeder auf seine Weise. Der eine fängt mit einer Kuh an, damit er vor allem Milch hat, der andere mit einem Pferd, um rascher mit dem Roden fertig zu werden und sein Holz zum Ver- *kauf nach Arnos fahren zu können. Dieser baut sich sein Haus aus Stämmen, jener aus Brettern, und ich habe nicht zwei gesehen, die sich glichen. Allein, so verschieden auch die Praxis jedes einzelnen Siedlers, die Methode ist überall die gleiche. Immer geht jede Neuanlage von der Kirche aus, und immer bleibt die Kirche der Mittelpunkt. Von einem Kirchspiel aus werden Wege in den noch jungfräulichen Wald geschlagen, und längs dieser Wege reiht sich ein Haus an das andere. Ist die neue Siedlung gross genug, so wird in ihr eine eigene Kirche gebaut, auf Staatskosten oder mit staatlicher Beihilfe, wenn die Siedler noch zu arm sind, Ueberall sind diese Kirchen unverhältnismässig gross und prächtig, die Kirchen wie die Pfarrhäuser. Mitunter kommt man in ein Dorf, das nur aus einigen Blockhütten und Bretterbuden besteht. Die Kirche aber ist ein mächtiger Bau, und daneben steht eine prächtige Villa, in der der Pfarrer wohnt. Die Schulhäuser sind weniger üppig. Oft besteht das ganze Schulhaus nur aus einer Bretterbude, die nicht mehr als einen Raum enthält. Die Schule ist auch nicht Sache des Staates, sondern der Gemeinde. Diese beschliesst nach freiem Ermessen, was für eine Schule sie haben will, und ob überhaupt eine Schule, denn in der Provinz —Quelbeck besieht keinerlei Schulzwang, zur grossen "Entrüstung der britischen Provinzen. Aber die Quebecker können darauf hinweisen, dass sie, was allgemeine Schulbildung anbetrifft, nicht hinter Ontario zurückstehen, der ältesten der englisch redenden Provinzen, und dass die Zahl der Analphabeten in manchen anderen Provinzen erheblich grösser ist als in Quebeck. Je nach dem Glaubensbekenntnis und je nach - «einer Stellung zur katholischen Kirche wird der eine mehr auf die bescheidenen Schulhäuser im Schatten der üppigen Kirchen achten, der andere mehr darauf, dass diese Kirchen Sonntag für Sonntag voll sind, dass nicht ein Gemeindemitglied fehlt, das halbwegs zur Kirche gehen kann. Man findet auch in andern Ländern gelegentlich volle Kirchen, aber was ich nur in Kanada gesehen habe, ist, dass hier nicht die Frauen die Mehrzahl der Kirchenbeeucher stellen, sondern dass Frauen wie Männer ganz gleichmässig in die Kirche gehen. Der Kirchenbesuch gehört zum alltäglichen Leben wie die F E U I L L E T O N Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) ,Es ist jemand unterwegs', denkt er. Er weiss, wann jemand kommt, um an die rostige Pflugschar zu schlagen, die hüben und drüben am Fährweg hängt. Er erwacht in der Nacht, bevor der dunkle, erzene Klang über das Wasser kommt. Er hat ein «Fährgewissen >, wie der Pfarrer sagt. Er hebt den Kopf und lauscht. Das Schilf ist still, und nur das Wasser zieht in leisen „Wirbeln unter den Weidenwurzeln entlang. f Im Schatten seiner Stirn blickt er nach dem Lager hin. Die Augen der Frau sind aufgeschlagen in dem weissen Gesicht, aber sie sehen an ihm vorbei, durch das kleine Fenster hinaus, und es muss ein weiter Raum hinter den Fenstern sein. Er will sie fragen, ob er aus der Bibel lesen soll, den Psalm von den Flügeln der Morgenröte, aber es dauert lange bei ihm, bis das Wort aus der Seele über die Lippen tritt. Und als es den Weg zu Ende gegangen ist bis an das Tor des Mundes, zerbricht die stille Luft unter den schweren Wellen des ehernen Rufes, der von drüben über das Mahlzeiten und die Feldbestellung. Die Kirche ist nicht nur der Mittelpunkt des geistigen, sondern auch des sozialen und des wirtschaftlichen Lebens. Vor der Kirche befindet eich eine Art Kanzel. Von dieser Kanzel herab werden nach dem Gottesdienst die Gemeinde-Neuigkeiten mitgeteilt. Sie steht jedem zur Verfügung, und der eine verkündet von hier aus, dass er ein paar Ferkel abzugeben habe, der andere, dass er einen gebrauchten Wagen sucht. Jedenfalls steht man nach der Kirche noch lange herum, um Neuigkeiten auszutauschen und Bekannte zu begrüssen; denn stellenweise ist man ja von weit hergekommen. Die Kirche sorgt auch sonst für Gelegenheiten, dass man sich trifft und dass die jungen Leute zusammenkommen. Diese kirchlichen Veranstaltungen, Konzerte, Basare und dergleichen mehr, sind der Heiratsmarkt; denn die Kirche ist sehr dafür, dass die jungen Leute bald heiraten. Es sind also sehr vielseitige Anforderungen, die an einen kanadischen Pfarrer gestellt werden, zumal er gleichzeitig auch der Anwalt, der Agronom, nötigenfalls der Arzt und überhaupt der Berater in allen Fragen des täglichen Lebens für seine Gemeindemitglieder ist. So hoch man nun aber auch das Verdienst der Kirche daran veranschlagen mag, dass im Verlauf von zwei Jahrzehnten ein grosser blühender Bezirk aus dem Urwald herausgeschlagen ist, in dem es zu einer Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Depression weder Not noch Arbeitslosigkeit gibt, sie hätte dies doch nie fertiggebracht ohne die zwei Männer, die die Pioniere von Abitibi waren. Diese zwei Männer waren der Pole Siscoe, der in seinem Kanu den Hurricana hinauffuhr und das Gold entdeckte, und der alte Grossvater Trudel vom St. Lorenz. Der alte Trudel kam kurz vor dem Kriege nach Abititi gewandert, in einem Paar kanadischer Schaftstiefel, die über dem Gelenk durch einen Riemen zusammengehalten werden. Er war damals schon der alte Trudel. Er hatte schon einen ganzen Haufen Kinder, aber die liess er einstweilen zurück; denn die Bahn war noch nicht fertig, und von Chochrane mueste er zu Fuss durch den Urwald. Das war ein langer, beschwerlicher Marsch, bei dem er seine hohen festen Stiefel gut brauchen konnte; denn es ging durch Sumpf und Dornen, durch Gestrüpp und Aestegewirr. Der alte Trudel und die andern, die flim bald darauf nachfolgten, haben im Jahre 1913 den Grund zu Arnos und Abitibi gelegt. Als wir die Trudeis besuchten, war von dem wilden Wald, der einst das ganze Land bedeckt hatte, nichts mehr zu sehen. Ringsum waren nichts als Felder und Wiesen, Das Blockhaus, in dem der alte Trudel ursprünglich mit seiner Familie gewohnt hatte, stand längst nicht mehr. Das zweite, das er sich errichtet hatte, als es ihm schon gut ging, ist heute Hüherstall und Garage. Jetzt wohnt die Familie Trudel in einem Hause, das man schon beinahe eine Villa nennen kann. Hinter dem Haus ist ein grosser Garten, und vor ihm ein Tennisplatz. In dem Hause aber steht auf einem Ehrenplatz der alte Schaftstiefel, in dem der Grossvater Trudel hierher gewandert ist. Aus diesem Stiefel ist all der heutige Wohlstand hervorgegangen, und schliesslich sind es auch die 36 Kinder und Enkelkinder, die heute Trudeis Haus bevölkern. Zur Feier der Goldenen Hochzeit haben sie den alten Stiefel des Grossvaters nach Montreal geschickt und dort vergolden lassen. Ohne es zu wissen und es zu ahnen, haben die jungen Trudeis so das Symbol Abitibis geschaffen; denn diese Fülle von Reichtum und Wohlstand mitten im Urwald konnte nur entstehen, indem zum Stiefel des Landwirts das Gold des Bergmanns kam. Gold. Arnos. Gold gibt jedem Ort, der mit ihm zu tun hat, eine bestimmte Atmosphäre. Alle Goldgräberstädte in der ganzen Welt ähneln einander. Trotz der alles überragenden Kuppel der Kathedrale von Arnos war auch hier die Atmosphäre der Minenstadt bereits auf der Station fühlbar. Wasser kommt. Eine Hand hat an die Pflugschar geschlagen, mit dem eisernen Klöppel, ein einziges Mal, und in dem unbewegten Schweigen stösst jede einzige Schwingung einzeln an Jürgens Ohr. Er liebt den grossen Ernst dieses Tones, der fremd und fast drohend durch die Landschaft geht, ohne Verwandtschaft mit Wind oder Wasser oder Freilich, eines fehlt hier: die zahllosen Bars und die sonst überall unvermeidliche Erscheinung des angeheiterten Miners, der einen bereits beim Betreten des Hotels mit dem mehr oder weniger gelallten Ruf begrüsst: « Have a drink! », eine Aufforderung, deren Zurückweisung einem eine zweite zu einem Boxkampf eintragen kann. Als wir das «Transkontinental »-Hotel von Arnos betraten -— unter einem weniger eindrucksvollen Namen tut es ein Hotel in einer Minenstadt nicht —, saes zwar auch hier die ganze Halle voll Digger und Prospektoren, die ihre Beine in den bis fast zum Knie reichenden Schnürstiefeln weit von sich streckten und in hohem Bogen in die mächtigen Spucknäpfe spuckten. Im Spucken sind die Kanadier wirklich Meister. Sie übertreffen darin sogar die Australier, die doch erster Klasse sind. Das Erstaunliche war jedoch, dass alle diese Miner nüchtern waren, ja dass sie nicht einmal geistige Getränke vor sich hatten. Das rührt daher, dass Kanada den verfehlten Prohibitionsversuch des grossen Nachbarstaates nicht mitmachte, dafür aber etwas sehr Vernünftiges einführte. Spirituosen gibt es nur in den staatlichen « Liquor-Kon trollstellen ». Nur von diesen kann man Schnaps beziehen, und jeder Bezieher erhält immer nur eine Flasche. Da es in Arnos keine Likörkontrollstelle gibt und jede Flasche Schnaps besonders bei der nächsten Kontrollstelle in Rouyen bestellt werden muss, ist das Trinken hier eine umständliche und teure Angelegenheit. Selbst die Konzession für Bier- und Weinausschank wird nur wenigen grossen Hotels erteilt. Dass Trinklustige trotzdem genug Gelegenheit finden, und dass ein üppiger Schmuggel blüht, das festzustellen, hatten wir in den nächsten Tagen und — Nächten freilich reichlich Gelegenheit. Aber das Trinken ist doch erschwert, ohne verboten zu sein, und in der Oeffentlichkeit fehlt die üble Erscheinung des Betrunkenen völlig. Dafür halten die Prospektoren, die nach anstrengenden Wochen oder Monaten im Busch nach Arnos kommen, um so mehr auf ihre äussere Erscheinung. Beinahe jedes zweite Haus ist ein Friseurgeschäft oder hat wenigstens nebenbei einen Friseurstuhl. Der Photograph ist gleichzeitig Friseur, und man kann sich rasieren lassen, wenn man seine Butter oder Eier beim Krämer kauft. Das amerikanische Rasieren, das auch hier üblich ist, ist ja eine Art sybaritischer Luxus, etwas Aehnliches wie ein Dampfbad. Man liegt dazu in einem bequemen Stuhl, wird abwechselnd mit warmen und kalten Tüchern behandelt und mit allen möglichen wohlriechenden Essenzen eingerieben. Es ist eine ebenso langwielige .wie kostspielige Prozedur. Aber was hat man, wenn man abgerackert und erlebnishungrig aus den Minen oder dem Busch kommt und weder Whisky noch Mädels ohne grössere Schwierigkeiten zu beschaffen sind? Man lässt sich rasieren und frisielen. Das ist ein kleiner Ersatz. Und die Stiefel putzen! Das gehört in jedem Fall dazu. Vor jedem Barbierladen steht ein «Shoeshiner», der Thron, auf dem man sich in Amerika die Stiefel putzen lässt. Neben jedem dieser Stiefelputzthrone hockt ein kleiner dreckiger Junge, der einem mit eiskalter Miene für Stiefelputzen 15 Cents abnimmt, 15 Cents sind trotz aller Entwertung des kanadischen Dollars immer noch ca. 60 Rappen Das ist hier der Satz für Stiefelputzen, wie ich feststellen konnte; denn nicht einmal der kleinste Lauser wollte es darunter tun, worauf ich natürlich ins Hotel zurückging und sie selber putzte. Im Hotel traf ich Mr. Siscoe. Ich hatte bereits an den neugierigen Blicken und der allgemeinen Unruhe bemerkt, dass mit dem Zuge jemand Besonderes eingetroffen eein musste, und siehe das, es war der sagenhafte Mr. Siscoe selber. Der berühmte Goldgräber stammt tatsächlich aus Posen, aber er konnte kaum noch ein Wort deutsch; denn er war bereits als kleiner Junge nach Kanada ausgewandert. Merkwürdigerweise sprach er auch kein Wort französisch, sondern nur englisch, obwohl er doch im französischen Kanada lebte und hier sein Glück gemacht hatte. Einen besseren Beweis dafür, wie fast restlos die Minen auch in dein spielerischen Merischenruf, wie eine Glocke von einem dunklen Turm. ,Am Jüngsten Tage könnte es so rufen ...', denkt Jürgen, ,wenn jeder andere Ruf erloschen ist.' «Hol über!» sagt die Frau. Sie hat die Augen geschlossen und das Gesicht zur Seite gewendet. Ihre Stimme ist noch weiter zurückgegangen in .das Unbekannte, und es ist, als wiederhole sie nur im Traume, was sie hart und mahnend zu sprechen pflegte, wenn Jürgen noch still unter seiner Decke lag, schon wach, bevor der Ruf ihn erreichte, aber lauschend, bis der letzte Ton des Eisens erstarb. Das Erz ist verklungen, und Jürgen steht auf. Es ist jemand da in der dunklen Nacht und wartet. Nichts weiss er von ihm. Vielleicht sind seine Augen herübergewendet nach dem matten Licht, und vielleicht hat er die Hand, die gerufen hat, wieder im Mantel verborgen. Das ist alles, was er weiss. Und jedesmal fährt er in ein Geheimnis hinein. Und einmal könnte Christus dastehen, der zu einem Sterbenden will... und einmal könnte Gott dastehen. «Ich habe es mir nun bedacht, Jürgen Doskocil», könnte er sprechen. «Und ich will dir einen Acker •geben und einen stillen See, wo du dich nicht mehr so zu quälen brauchst... Ruhe nun aus, mein Knecht Doskocil...» «Hol über», sagt die Frau noch einmal. Jürgen nimmt die Schlüssel für die Kahnkette und das schwere Ruder hinter dem Herd. Seine Füsse sind mit Lappen umwikkelt, und er geht aus der Stube wie ein schweres, lautloses Tier. Im Flur zündet er die Laterne an, und dann schliesst er leise die Tür. Wie ein warmes Gewölbe tut die Nacht sich vor ihm auf. Er fühlt die schweren Wolken am Himmel und riecht die Erde, in der der Frühling erwacht. Hinter dem schwarzen Dorf ruft ein Vogel über dem Moor. Es klingt, als habe man ihn vergessen. Das Wasser murmelt unter dem Holz der Fähre, und im Schilf rührt sich eine fremde Hand. Jürgens Schatten schwankt wie der Schatten eines Baumes, und die Gräser sehen falsch und böse aus im weissen Licht. Wie in einer erhellten Kugel geht er durch die Nacht, und die Kugel bewegt sich langsam zum Wasser hinab. Wenn sie yersänke, Quebeck in amerikanischen und britisch-kanadischen Händen sind, hätte ich mir kaum wünschen können; denn Siscoe hat sich keineswegs zur Ruhe gesetzt. Er ist nicht nur auch weiterhin Hauptaktionär der Siscoemine, der*auf ihren Betrieb massgebenden Einfluss nimmt, sondern dauernd unterwegs auf der Suche nach neuen Goldadern; Er gönnte sich auch kaum Zeit, in aller Hast ein bescheidenes Mahl hinunterzuschlingen; denn es warteten bereits eine ganze Reihe von Prospektoren auf ihn, die den reichen, einflussreichen Mann für ihre Funde und Pläne interessieren wollten. Ohne auch nur abzuwarten, bis der Nachtisch serviert wurde, stürzte er in der Mittagshitze hinaus und zog mit einem alten Miner ab, der noch aus der alten Zeit zu stammen schien und weder auf Friseur noch Stiefelputzer Wert legte. Er sah wirklich reichlich trampartig aus, und so konnte ich es dem Goldmagnaten nicht übel nehmen, dass er erschrocken zurücksprang, als ich ihn mit dem alten Prospektor zusammen aufnehmen wollte. Allein liess er sich von mir jedoch mit sichtbarem Wohlgefallen knipsen. Ich konnte es mir nicht versagen, nachher auch noch den alten Miner im Bilde festzuhalten, der die Aufnahmen mit einem grinsenden «Thank you » quittierte. Dann zogen die beiden eilig los, der schwerreiche Goldminenbesitzer und der trampartige Prospektor. Ich musste daran denken, dass es auf der ganzen Welt mit dem Gold das gleiche ist, dass es keinen mehr los lässt, der es einmal angefasst hat, dass, wer einmal solches gefunden, immer wieder danach suchen muss, auch wenn er alles bisher gefundene und meist so mühsam gefundene wieder aufs Spiel 6etzt! Der Minenbesitzer und der Prospektor gingen eiligen Schrittes an der Kathedrale vorbei, ohne zu grüssen, ja, ohne nur die Hand zu heben, wie es jeder französische Kanadier tut. Es ist wohl Absicht, wenn die katholische Kirche, die sonst allmächtig in Quebeck ist, den grössten Reichtum des Landes, sein Gold, ruhig den Engländern und den Fremden übexlasst. Die Weizenfabrik. Regina. Im Grunde kennt man das alles ja bereits, aus Bildern, aus dem Film, aus Büchern. Wenn man es aber zum erstenmal in Wirklichkeit sieht, wenn man das erstemal mitten im wogenden Weizenmeer der Prärie steht, sich hoffnungslos verloren dünkend in der grenzenlosen Flut, ist man bis ins Innerste erschüttert Weizen, Weizen, so weit das Auge reicht Von Horizont zu Horizont nichts als das eine grenzenlose Feld, Aehre an Aehre schwer und gelb, Millionen an Millionen, Milliarden an Milliarden, unendlich und überwältigend wie das Meer Die Autostrasse ist wie eine Furche, schnurgerade mit dem Dampfpflug gezogen. Wie ein Messerschnitt teilt sie das Wogenfeld. Am Horizpnt erhebt sich ein dunkler Punkt, eine schwarze Barke im gelben Meer. Wie wir näher kommen, ist es die Farm. Es ist eine altmodische Farm. Sie hat zwar alle modernen Maschinen bis auf den unheimlichen Combine, den Mähdrescher, der in einem Tag ein ganzes riesiges Feld abmäht und fix und fertig drischt. Aber daneben hat der Farmer, ein Schwabe aus dem Banat, noch Pferde und Kühe. Gerade wie wir auf der Farm eintreffen, kommen vier Binder an, vor jedem vier Pferde. Sie marschieren gestaf- würde es leise aufzischen wie der Falter im Licht. Die Kette klirrt am Holz des Kahnes, und die Laterne wirft einen weissen Schein auf den dunklen Spiegel rings um das Boot. Dann rauscht das Schilf um das gleitende Holz, und dann ist nur das Flüstern des Wassers unter dem flachen Kiel. ,Sie könnten mich wieder narren', denkt Jürgen, ,wie so oft... aus dem schwarzen Dorf... und fortlaufen, wennn ich komme... aber es rief "wirklich... es ruft anders sonst... Christus könnte zu ihr kommen... zu ihrem bösen Tod ...' Vor seinen Augen ist nichts als eine schwarze Wand, die sich lautlos teilt. Aber er fühlt das Ufer, wie er den kommenden Regen fühlt oder das flachwerdende Wasser. Denn die toten Dinge sind ihm vertraut, und nur der Mensch baut die Mauer der Fremdheit von Herz zu Herz. Der Kiel stösst leise auf, und Jürgen hält mit dem Ruder den Kahn in der Strömung. «Wer ist da?» fragt er scheu. Die Erde schweigt. Ein unsichtbarer Wirbel mahlt sich leise durch die Flut, taucht unter das Boot, versinkt. Der Vogel ruft noch einmal hinter dem Moor. Der Hauch eines Windes kommt aus dem Erlenwald, rührt an das Gras und stirbt. Das Boot ist nun ganz allein. (Fortsetzung folgt.)