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E_1934_Zeitung_Nr.090

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verschiedenen

verschiedenen Unterrichtsfächern an diese Vorführungen angeknüpft wird. Eine Ergänzung dazu bieten Tabellen, bieten besonders Projektionsbilder, wie sie von der Volkswohlfahrt in Deutschland in den Schulen gezeigt werden. Gegenüber den laufenden Filmen haben Projektionen den grosesn Vorteil, dass zu jedem Bild eine entsprechende Erklärung gegeben werden kann, oder aber, dass der Lehrer,-ehe er die einzelnen Bilder erläutert, Fragen stellt, was in diesen Bildern als besonders markant zu sehen ist". Es ist dies ein außerordentlich zuverlässiger Prüfstein dafür, festzustellen, ob die Schulkinder die Situation recht erfassen, oder ob sie zum Studium der auf dem Bild festgehaltenen Vorgänge längere Zeit benötigen. Gelegentlicher theoretischer Unterricht in der Schule in Form von langweiligen Aufzählungen und langatmigen Erläuterungen von Verkehrsbegriffen und Verkehrsregeln und dem sich daraus ergebenden Verhalten auf den Strasisen muss als ungenügend abgelehnt w&rden.da es für die Jugend nur von geringem Nutzen ist. Wirksamer Verkehrsunterricht musssich unmittelbar am Verkehrsleben, seinem täglichen Ablauf und seinen stündlichen Gefahren orientieren, und bei jeder passenden Gelegenheit im Verkehrsleben selbst praktisch erproben. Ein gewissenhafter Lehrer, dem es wirklich darum zu tun ist, die ihm anvertrauten Kinder mit den Gesetzen des Verkehrslebens vertraut zu machen, hat unerschöpfliche Möglichkeiten, die Gefahren der Strasse zu schildern und eindringlich klar zu machen. Die Statistik klärt uns über den furchtbaren Ernst falschen Verhaltens und die Wichtigkeit richtigen Verhaltens auf. Zeitungsausschnitte, die über die schlimmen Folgen falschen Verhaltens berichten, werden mit und ohne Kommentar am schwarzen Brett angeschlagen oder besprochen. Ich halte diese Massnahme für eine der eindringlichsten. Wenn der Lehrer es versteht, an Hand einer solchen Zeitungsnotiz einen geschehenen Unfall in seiner brutalen Realität vor die Augen der Kinder hinzusteilen, so ist die Wirkung sichtbar gross und nachhaltig. Auf dem Schulhausplatz können gelegentlich beim Turnen Verkehrsregeln geübt werden, z.B. < Rechts gehen, richtiges Ausweichen, Überholen, Mitführen von bmindernden Gegenständen usw. > Auch kqnnten dabei Laufvelos, die sog. Holländer, Velos und ähnliches verwendet werden, das die Schulkinder mitbringen würden. Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Erziehungsmittel zur Selbständigkeit und zum richtigen Verhalten im Verkehrsleben bieten die Schulwanderungen. Gelegentliche Führungen durch die Stadt werden auch der Verkehrsbelehrung dienstbar gemacht. Dabei kann der Lehrer auf das Ueberschreiten des Fahrdammes, aufmerksames Beobachten des Verkehrspolizisten, das richtige und falsche Verhalten der Fussgänger und auf die grossen Gefahren des Radfahrens im Verkehrstrubel hinweisen. In verschiedenen Ländern ist namentlich für die obern Klassen Anschauungsmaterial in Gestalt von Miniaturstrassen mit Kreuzungen, Uebergängen usw. vorhanden, natürlich nicht in Spielzeugsformat, sondern so gehalten, dass damit nach Anleitung des Lehrers praktischer Verkehr geübt werden kann. Grundbedingung ist und muss bleiben, dass die Frage der Verkehrserziehung der Jugend keineswegs oberflächlich behandelt wird. Wenn sie dazu noch systematisch gepflegt wird, und so ausgebaut ist, dass das ohnehin starke Interesse der Jugend für den Verkehr noch weiterhin geweckt wird, muss das Ergebnis die Arbeit lohnen. Glied seines Körpers. Er krümmt sich gleichsam zusammen, um mit der Schwere seiner Glieder sein Herz zu schützen, in das die kalten Worte hineinzielen und die kalte Rechnung der sterbenden Hände. Er weiss, dass es vorübergehen wird. Er weiss, dass alles vorübergeht: der Hunger und der fröstelnde Schlaf, die langen Nächte beim Fischen im schwarzen Wasser, der Spott der Kinder über seine Gestalt, die Jahreszeiten wie die Jahre seines Lebens, die schwer wie die Glieder einer Kahnkette ins Dunkle fallen. «.-• «Wie ein Bär hast du ausgesehen», fährt die leise und scharfe Stimme fort. «Und wie ein Bär bist du gewesen, der durch die Büsche kriecht. Hast du mir einmal etwas mitgebracht vom Markt? Bist du einmal mit mir zum Tanz gegangen? Hast du mir einmal einen Ring, gekauft?» .Fünf Stunden Schlaf hab ich gehabt', denkt der Fährmann, ,die ganzen fünf Jahre... von trockenem Brot hab ich gelebt...' «Kinder wolltest du haben von mir, in jedem Jahr eins, damit sie aussehen wie du und die Hunde bellen, wenn sie vorüberkommen...», fährt die Stimme fort, und wieder drückt der Finger sich in das blaue Tuch. Omnibusse mit Anhängern. Um eine möglichst wirtschaftliche Ausnutzung der Betriebskosten zu erzielen, werden neuerdings in Rom die Autoomnibusse mit Anhängern versehen. Omnibus, and Anhänger sind durch einen Ziehharmonikagang, ähnlich wie bei den internationalen Schnellzügen, miteinander verbunden. Die Anhänger erlauben, mit 30 Sitzplätzen, eine weitgehende Raumausnutzung. Mit dieser betriebswirtschaftlichen Verbesserung des Autoomnibusbetriebs dürfte das Bestreben, in den italienischen Großstädten mit der Ersetzung der Strasseribahnen durch Autobusse den Verkehr aufzulockern, schnell gefördert werden. Die Benzinsteuer wirft mehr ab als die Wagensteuer. Frankreich hat bekanntlich die direkte Steuer auf Automobile, von einigen besonderen Abgaben auf Lastfahrzeuge abgesehen, aufgehoben und sie durch eine Benzinsteüer im Betrage von 50 Cts. pro Liter ersetzt. Nach amtlichen Angaben vereinnahmte der Fiskus im zweiten Quartal 1934 aus der Benzinsteuer 395 Millionen irs. Im gleichen Zeiträume des Vorjahres ergab die direkte Wagensteuer 305 Millionen trs, so dass der Staat dieses Jahr eine Mehreinnahme von 90 Millionen einstreichen kann. Der Fiskus macht also kein schlechtes Geschäft und der Motorfahrzeugbesitzer zahlt Abgaben nach Massgabe der Strassenbenützung und nicht nach irgendeinem starren Schema. Verwendung von Altgummi In der Reifenfabrikation. Mit Rücksicht auf die Devisentoge des Reichs ist die deutsche Reifenindustrie letzt dazu übergegangen, im verstärkten Masse regenerierten Altgummi zu verbrauchen. Es wird darauf hingewiesen, dass in Amerika etwa 30% des gesamten Gummibedarfs in Form von Regeneraten und Altgummi verbraucht warden. Keine Kurven schneiden! (Aus dem Bundesgericht.) In dem Tessiner Dorfe Rancata fuhr ein Auto in eine scharfe Linkskurve der nur 4 m 40 breiten Strasse ein, ohne sich an der rechten Strassenseite zu halten; ein entgegenkommender Motorradfahrer fand die Strasse zum grössten Teil durch den Wagen versperrt und machte nun den Versuch, links an diesem vorbeizufahren. Da der Automobilist in diesem kritischen Augenblick nicht anhielt, wurde der Motorradfahrer zwischen dem Wagen und einer Hausmauer eingeklemmt und so schwer verletzt, dass eine 70prozentige Invalidität eintrat. Die Verschuldensfrage wurde von den drei urteilenden Instanzen verschieden beantwortet. Der Prätor von Mendrisio wies die Klage des Motorradfahrers gänzlich ab, da er diesem das alleinige Verschulden am Unfälle zuschrieb, welcher zu rasch gefahren sei, keine Signale gegeben und im entscheidenden Augenblick nicht angehalten habe. Der Tessiner Appellationshof sprach dem Motorradfahrer 23,580 Fr. Entschädigung zu, weil er den Unfall einzig dem Verschulden des Beklagten zuschrieb. Durch Urteil vom 24. Oktober hat das Bundesgericht diesen Betrag auf 20,000 Fr. ermässigt. Das Bundesgericht erblickte, wie die erste Instanz, ein Verschulden des Motorrad- ,Wenn man nach Hause kommt", denkt Jürgen, ,aus dem kalten Wasser, aus dem Regen und dem bösen Wind... und so ein warmes Spielzeug ist da, so ein kleines, das man aufheben kann mit einer Hand...' «Und als ich geboren hatte», fährt die Stimme fort, «da sahst du es nicht an, bis es starb in diesem Nebel und Tau, der hereinkriecht bis an den Herd...» .Drei Monate nach dem Altar', denkt Jürgen, ,und es war nicht von mir, und eine Geweihstange von einem Hirsch legten sie mir vor die Tür...' «Mach den Mund auf!» fährt die leise Stimme fort. «Hörst du denn nicht?» Da hebt der Fährmann sein graues und schweres Gesicht. Es sieht wie ein Stein aus den Moorwäldern aus, als sei vierzig Jahre lang der Regen darauf gefallen. Es ist die Rinde eines Gesichtes, und man weiss nicht, was darunter ist. Es ist noch keine Hand gekommen, die es entkleidet hätte, und nur die Augen brechen aus der Tiefe auf, und sie haben viel gesehen. «Man darf nicht so sterben», sagt Jürgen Doskocil leise. Er hat es nicht drohend- gesagt. Er hat es nicht einmal anklagend gesagt. Aber es ist AUTOMOBTL-PEVUE 1934 - N°90 istischer Ausgleichskasse für die Ausfuhr. Durch einen Beschluss des deutschen Reichsverbandes der Automobilindustrie wurde eine Ausgleichskasse für die Automobilausfuhr geschaffen. Durch eine Umlage, die bei allen Werken erhoben wird und die sich nach dem Umsatz richtet, wird der finanzielle Grundstock dieser Kasse geschaffen. Das Ziel der Gründung liegt in der gemeinsamen Anstrengung zur Förderung des Exports, um aus dem Exporterlös den notwendigen Bezug ausländischer Rohstoffe sicherzustellen. Konzert auf Antohupen. In Edinburgh feierte der Vorsitzende eines Automobil-Clubs seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlass hatte ein stadtbekannter Komponist ein Konzert komponiert, das nicht mit Instrumenten gespielt wurde, sondern mit Autohupen. Jede Hupe war auf einen besonderen Ton gestimmt, der nur einmal, aber selbstverständlich an der richtigen Stelle, zu ertönen hatte. So kam es, dass am Geburtstagsmorgen der ganze Automobil-Club vorfuhr und dem Geburtstagskind ein Ständchen auf 400 Autohupen brachte. Eine schöne Bestellung. In diesem Jahre bestellte (las Kriegsministerium der U. S. A. bei der amerikanischen Automobilindustrie abermals 2000 Personenund Lastautomobile zum Preis von 1 Million Dollar. Steuerbefreiung In der Tschechoslowakei. Nach dem deutschen Vorbild hat auch die Tschechoslowakei die Steuerbefreiung für fabrikneue Wagen eingeführt. Es handelt sich vorläufig um einen Versuch, indem das Dekret in seiner Wirkung auf Ende 1935 befristet ist. Man verspricht sich von dieser Massnahme einen beträchtlichen Aufschwung der heimischen Industrie, aber auch eine starke Zunahme der staatlichen Einnahmen aus indirektm Steuern und Abgaben. fahrers darin, dass er, durch Abbiegen nach links den Durchgang erzwingen wollte, anstatt an der gefährlichen Stelle anzuhalten. Anderseits hätte der Automobilist wiederholte und kräftige Signale abgeben sollen, auch hätte er die Linkskurve möglichst weit dem rechten Strassenrande entlang nehmen und bei der Ankunft des Motorrades anhalten sollen. Das Verschulden des Autofahrers ist auf X, dasjenige,des Motorradfahrers nur auf % zu bewerten. Hieraus ergibt sich, dass der Automobilist % des auf 25,000 Fr. ermittelten Schadens zu vergüten hat. •> Am 23. Oktober wurden vor Bundesgericht die Folgen eines Verkehrsunfalles erledigt, der gleichfalls auf unvorsichtiges Schneiden einer Kurve zurückzuführen ist. Ein Autofahrer verletzte infolge dieses Fehlers bei der Rheinbrücke von Eglisau einen Motorradfahrer so schwer, dass diesem ein Bein amputiert werden musste und eine Invalidität von 65% eintrat. Das Bezirksgericht Bülach hatte den Automobilisten im Strafverfahren zwar der fahrlässigen Körperverletzung schuldig erklärt, aber nur mit 14 Tagen Gefängnis unter Gewährung des bedingten Straferlasses und mit 200 Fr. Busse bestraft. Im Zivflprozess erwies sich, dass die Ersatzansprüche des Verletzten für den erlittenen Vermögensschaden gedeckt sind durch nun, als sei mit dem Wort vom Sterben die Luft im Zimmer anders geworden. Die Rede der Frau ist ausgelöscht, das Licht brennt mit unbewegter Flamme, und vor dem niedrigen geöffneten Fenster ist das Wasser zu hören, wie es mit dunklen, verstohlenen Klängen unter dem Holz der Fähre versinkt. Ein früher Falter Tauscht um das Licht. Jürgen möchte aufstehen, um ihn in seine grosse Hand zu nehmen und ihn hinauszutragen, wie er zu tun gewohnt ist, aber er fürchtet den Laut seines schweren Schrittes. .Vielleicht ist es auch der Tod', denkt er. Und dann hört der kreisende Flug auf und erlischt in einem zischenden Geräusch. Ein dunkler Schatten wirft sich über die Wand, die Flamme krümmt sich sterbend hin und her, knisternd wie unter feuchtem Holz. Und dann ist wieder das unbewegte, matte Licht. Aber es ist, als sei jemand dagewesen, ein fremder Atem, ein fremder Blick, und sei noch einmal fortgegangen, um wiederzukehren zu seiner Zeit. «Es ist noch nicht zu Ende», sagt die Stimme der Frau. Aber auch diese Stimme ist nun anders geworden, nicht freundlicher oder böser, sondern ferner, weiter zurück im gleichgebliebenen Raum. Und obwohl sie die Leistungen der Schweiz. Unfallversicherungsanstalt. Dagegen erhöhte das Bundesgericht die Genugtuungssumme, die vom Zürcher Obergericht auf 7000 Fr. bemessen worden war, auf 10,000 Fr. Für die Festsetzung einer hohen Genugtuungssumme sprach, im vorliegenden Falle zunächst der Umstand» dass den Beklagten ein sehr schweres Verschulden, den Kläger gar kein Verschulden am Unfälle trifft. Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Kläger beim Unfall erst 31jährig, kräftig und gesund war, dass er Freud« am Landleben hatte und ein eifriger Tttrner war. Vor wenig Wochen hat das Gericht der Familie einer Frau, die durch die Fahrlässigkeit eines Autofahrers getötet worden war, 8000 Fr. Genugtuungssumme zugesprochen. So erschütternd aber auch der unmittelbare Eindruck eines tödlichen Unfalles für die Hinterbliebenen sein mag, so hat doch derjenige, der sein Leben lang an den Folgen eines unverschuldeten Unfalles zu tragen hat, Schwereres durchzumachen, und wenn die Rechtsprechung bisher nur verhältnismässig geringe Genugtuungssummen zusprach, so bietet die Häufigkeit derartiger Verkehrsunfälle und die oft ungenügende Ahndung durch die Strafgerichte einen Grund, die bisherige Zurückhaltung aufzugeben und höhere Beträge zuzusprechen. Wp. Entscheidende Verkehrsnostulate. Eine am 5. November nach Ölten einberufene Konferenz von Vertretern und Delegierten aller am Strassenverkehr und am Tourismus in der Schweiz interessierten Gruppen, Vereinigungen und Unternehmen hat die brennenden Probleme geprüft, deren Regelung eine grosse Rückwirkung auf die Volkswirtschaft unseres Landes haben kann. Es handelt sich insbesondere um die geplante Erhöhung der Belastung des Benzins, um die Ausbesserung des Alpenstrassennet-' zes und um die Rückwirkungen einer Verschärfung der Verkehrsregelung. Auf Grund der Berichte der Herren L~ chevrens (Genf), Dr. Gubler (Basel) und Dr. von Stürler (Bern) wurde, nach ausgedehnter, von Herrn Professor Delaquis (Genf) geleiteter Beratung, welcher Vertreter der Interessen von über 300,000 Schweizerbürgern beiwohnten, einstimmig folgende Resolution angenommen: Eine Erhöhung des heute schon übersetzten Benzinzolles hätte eine vernichtende Auswirkung auf den Tourismus in und nach' der Schweiz und infolgedessen auf die Volkswirtschaft im allgemeinen. Die Verbesserung des Alpenstrassennetzes ist eine dringende Notwendigkeit; sie darf nicht verzögert, in ihren Ausmassen beschränkt oder auf Grund eines Finanzplanes unternommen werden, welcher durch fiskalische Belastungen dem Allgemelninteresse schwere Schäden zufügt. Endlich darf die Regelung des Strassenverkehrs, wenn sie auch wirksam sein solt-; keine Bestimmungen enthalten, die geeignet sind, dem guten Ruf der Schweiz im Auslande zu schaden: es ist erwünscht und notwendig, dass die Strassenpolizej straffer wäre und vor allem gegenüber sämtlichen Strassenbenützern vorbeugend wirken würde. Weitere Konferenzen werden stattfinden, sobald solche notwendig sind. Inzwischen wird ein Bureau, bestehend aus den Herren Dechevrens, Professor Delaquis, Dr. Ehrenspersrer, Dr. Gubler, Iseli, F. Meyer, Direktor Prlmault und Dr. Riesen beauftragt, die Verteidigung der in der Versammlung vertretenen Interessen zu sichern. Das Sekretariat der Konferenz und das Bureau sollen vom Schweiz. Fremdenverkehrsverband übernommen werden. nicht leiser geworden ist, beugt Jürgen sich ein wenig vor. «Auch später wird es nicht zu Ende sein», sagt die Stimme, «auch später nicht...» Jürgen weiss, was sie meint. Er hat Gesichte gehabt, solange er denken kann. Alle wissen es, und ihr Hohn ist schwerer gewesen als die Last der Gabe, vor der die Türen ins Dunkle sich öffnen. Er weiss, dass sie wiederkommen will. Ein leiser Wind geht draussen durch das Schilf und es spricht die Ufer entlang. Langsam gehen seine Gedanken hinaus, gehen an das schwarze Wasser und bleiben dort mühsam stehen. Da sind die Netze, die im See liegen, da ist der Acker, der gepflügt werden muss. Da ist Regen, Wind und weite Wege im nassen Kleid. Da ist Spott der Kinder und der Hass zwischen den beiden Dörfern, dem auf seiner Seite, das sie das grüne nennen, und dem auf der andern am Moor, das sie das schwarze nennen. Und er zwischen ihnen als der einzige Weg, als eine zitternde Brücke, über die blutigen Füsse gehen. Und der Herd wird nun kalt sein ... und im Schatten wird ein Gesicht stehen... (Fortsetzung im *Autler-Feierabend*.)

No 90 - 1934 Nach wie vor richten sich die Augen der am Autosport interessierten Welt nach Deutschland, das auch nach Beendigung der Internat. Saison fernerhin im Mittelpunkte der Aufmerksamkeit steht. Die letzten hervorragenden Rekordfahrten von Stuck und Caracciola haben erneut bewiesen, dass die Deutschen nicht gewillt sind, auf ihren in r diesem Jahre errungenen Lorbeeren auszuruhen, sondern im Gegenteil sich bereits ernsthaft auf die kommenden Kämpfe der Saison 1935 vorbereiten. Man hat es in Deutschland vielerorts nicht sehr gerne gesehen, dass die Farben des Dritten Reiches auch unter Zuzug von Ausländern verteidigt wurden. In dieser Hinsicht sind nun in der letzten Zeit sehr interessante Gerüchte laut geworden. Die französische, englische und italienische Fachpresse behauptete mit einer auffallenden Hartnäckigkeit, dass der Chef des deutschen Autosportes, Obergruppenführer Hühnlein, eine Verfügung erlassen hätte, nach der in Zukunft auf deutschen Wagen nur noch deutsche Fahrer starten dürfen. Eine Bewahrheitung dieses Gerüchtes hätte natürlich sowohl für Mercedes-Benz wie die Auto-Union ausserordentliche Folgen gehabt, da diese Firmen bekanntlich entweder bereits feste Abmachungen mit ausländischen Piloten getroffen haben oder doch wenigstens in ernsthaften Unterhandlungen stehen. Es gab Blätter, die von einer erfolgten Ausschiffung Fagiolis wissen wollten, und anderseits sogar Stucks Stellung bei der Auto-Union — Stuck ist bekanntlich Oesterreicher — als erschüttert betrachteten. Grund zu diesen wilden Gerüchten, denen wir absichtlich kein Ohr geliehen haben, scheinen die Versuche der Auto-Union geliefert zu haben, die seit mehreren Tagen auf dem Nürburgring unter dem deutschen Nachwuchs Ausschau hält und sich junge tüchtige Piloten heranziehen will. Wie wir jedoch aus gutinformierter Quelle erfahren, sind diese Meldungen alle erfunden und entbehren jeder Grundlage. Die «Oberste Sportsbehörde» will den deutschen Firmen auch für die Zukunft völlig freie Hand lassen und sich in deren Abmachungen mit Fahrern in keiner Weise einmischen. Damit sind diese wilden Gerüchte endgültig dementiert. Man konnte auch damit rechnen, wenn man bedenkt, dass Deutschland zur Zeit noch über eine zu geringe Zahl leistungsfähiger Piloten verfügt, mit denen der Kampf gegen Leute wie Chiron, Varzi, Nuvolari nicht ohne weiteres aufgenommen werden kann. Was nicht ist, kann jedenfalls noch werden, und es ist auch nicht zufällig, dass sich die Auto-Union in, einer so intensiven Weise der Pflege des Nachwuchsfahrertums zuwendet. Eine Autarkie auch im Autosport läge durchaus im Geiste des neuen Deutschlands, das es be- '^immt nicht besonders gern sieht, dass seine färben teilweise von Ausländern verteidigt werden müssen. Wenn diese Gerüchte sich demnach heute als falsch erweisen, so ist keineswegs gesagt, dass nicht in der näheren Zukunft schon ähnliche Pläne doch zur Verwirklichung kommen. Denn man darf sich heute keinen Illusionen mehr hingeben; die autarkischen Bestrebungen finden auch im Autosport, der solange die Internationalität gepflegt hat, immer mehr Eingang. Sicherlich muss man es bedauern, wenn nationale Eingeschränktheit auch im Automobilsport mehr und mehr triumphiert. Allerdings darf man nicht vergessen, dass gerade Italien in dieser Hinsicht vorangegangen ist, da schon 1934 kein neuer Alfa Romeo-Wagen mehr an das Ausland verkauft wurde. Italien fasst denn auch die deutschen Bestrebungen als das Signal auf, ebenfalls mit allen Kräften sich zu rüsten, und dabei die nationalen Grenzen straffer zu ziehen. Es ist kein Geheimnis mehr, dass sowohl Alfa Romeo wie Maserati neue Rennmaschinen im Bau haben, mit denen die Deutschen voraussichtlich nicht mehr so leicht fertig werden dürften, wie dies noch in der abgelaufenen Saison möglich war. Italien will diese neuen Wagen nur mit einheimischen Kräften besetzt sehen und betont schon jetzt, dass das eigene Land genügend hervorragende Fahrer besitze. So dürfte man auch im Süden den Gedanken der Autarkie in Zukunft noch in vermehrtem Masse pflegen. ^ Schwieriger ist, wie gewohnt, die Lage für Frankreich, das mit wachsender Besorgnis die « Rüstungen » seiner Gegner verfolgt. Die französische Fachpresse kann den Detitschen ihren Resnekt nicht versagen und lobt die schon erwähnten Trainingsfahrten auf dem Nürburgring als kluges Unternehmen weitsichtiger Firmen und Sportsbehörden. Allzu gerne sähe man auch in Frankreich ähnliche Versuche, doch scheitern die Pläne an den verschiedensten Schwierigkeiten. Schon seit langer Zeit besteht tatsächlich in Frankreich die Idee der Schaffung einer Art Rennfahrer-Trainingslager, wo in systematischer Arbeit der Nachwuchs herangezogen Sportnachrichten Autarkie auch Im Autosport? wird. Diese Absicht ist nur einer unter den vielen Wünschen, die in Frankreich immer und immer wieder laut werden, und mit denen man den Automobilsport gründlich zu sanieren bestrebt wäre. In einem Lande jedoch, wo die Behörden für den Automobilsport überhaupt nichts übrig haben — höchstens noch gute Worte — und man sich deshalb gezwungen sieht, an die private Hilfe zu appellieren, sind die Durchführungen ähnlicher grosszügiger Pläne wie in den beiden Nachbarländern zum vorneherein zum Scheitern verurteilt. Allerdings wird jetzt in französischen Sportkreisen — angeregt durch das deutsche Beispiel — die Schaffung eines solchen Rennfahrerlagers wieder bedeutend lebhafter diskutiert. Es besteht höchstens die vage Hoffnung, dass bei einem Gelingen der französischen Nationalspende auch diese und andere Pläne der Verwirklichung näher zu rücken. Vorläufig sieht es allerdings noch nicht danach aus. bo. Sir Malcolm Campbell vor neuen Rekordversuchen. Der berühmte englische Rekordfahrer Sir Malcolm Campbell wird schon in zwei Monaten auf dem Strande von Daytona in Amerika neue Rekordversuche unternehmen. Wiederum soll dazu sein berühmter « Blauer Vogel» benützt werden, der erneut verschiedene Verbesserungen erfuhr. So ist vor allem die Karosserie teilweise umgebaut worden, um den Luftwiderstand, der bekanntlich bei diesen Geschwindigkeiten eine grosse Rolle spielt, noch weiter zu vermindern. Die Karosserie überdeckt die beiden hintern Doppelräder vollständig. Im weitern findet sich im Schwanzteil des Wagens eine neue Vorrichtung, die es ermöglichen soll, dass die Riesenmaschine neben den gewohnten Bremsen auch mit Hilfe des Luftwiderstandes abgestoppt werden kann. Der Engländer ist von seiner berühmten Zuversichtlichkeit erfüllt und hofft, bei seinem neuen Versuch die Geschwindigkeit von 300 Meilen (482 km/St.) erreichen zu können. Es sei bei dieser Gelegenheit daran erinnert, dass Campbell am 22. Februar 1933 mit dem « Blauen Vogel» in Daytona über den fliegenden Kilometer ein Mitte! von 438,4 km/St, und über die fliegende Meile von 437,9 km/St, erreichte. Als vorläufige Daten, an denen die Versuche unternommen werden sollen, werden der 19. Januar oder der 18. Februar 1936 genannt. Wenn man die Energie und die Zuverlässig-keit Campbells kennt, kann man mit Sicherheit damit rechnen, dass seine anverkündigten Versuche in Wahrheit auch realisiert werden. Um die Alpenfahrt 1935. Bereits werden wieder Stimmen laut, die sich für die Alpenfahrt des Jahres 1935 interessieren. Bis jetzt kann bloss gesagt werden, dass die Veranstaltung im internationalen Kalender für das nächste Jahr in normaler Weise eingetragen wurde. Der A.C. von Frankreich meldete die Fahrt offiziell an. Die andern für die Organisation in Betracht kommenden nationalen Automobilclubs erwarten nun die französische Einladung zur Unterbreitung ihrer Vorschläge. Neue Rekorde in Montlhe'ry. Der englische Rennfahrer G. E. T. Eyston hat auf der Mont- Iherybahn seine Versuchsfahrten fortgesetzt und mit seinem M.G. folgende internationale Rekorde der Klasse 1100 ccm (alle mit stehendem Start) aufgestellt : 50 Kilometer: 15'33" 33/100 (Mittel 192,8 km/St.). 50 Meilen: 24'51" 2/100 (Mittel 194,2 km/St.). 100 Kilometer: 30'38" 81/100 (Mittel 195,7 km/ St.). 100 Meilen: 49'32" 8/100 (Mittel 194,9 km/St.). 1 Stunde: 194,5 km/St. 200 Kilometer: 1 Std. 1'42" 90/100 (Mittel 194,4 km/St.). Verbesserungen der Zu- und Abfahrtsstrassen zum Nürburgring. Die Zu- und Abfahrtsstrassen rings um den Nürburgring sollen im kommenden Frühjahr grosszügig ausgebaut werden. Der Massenverkehr an den grossen Renntagen auf der Rundstrecke in der Eifel nahm in den letzten Jahren derartige Formen an, dass sich die Fahrzeuge zu Tausenden drängten und alle Strassen verstopften. Für die Zurücklegung verhältnismässig kurzer Strecken wurden oft Stunden benötigt. Diesem Zustand soll nun endgültig abgeholfen werden. Im Rahmen des deutschen Arbeitsbeschaffungprogrammes werden sämtliche Strassenzüge um den Nürburgring ausgebaut. Rennwagen-Odyssee. Wer sich durch die Zeitung schön zu Hause über den Verlauf einer Rennsaison berichten lässt, oder doch nur als schaulustiger Schlachtenbummler das eine oder andere Rennen vom bequemen Tribünensitz Sicherheit nur Harmonie der STRASSEN- Die Strassenhaitung des neuen Hotchkiss 1935 ist unübertroffen bil ln die H A LT U N G geringsten Details. FEDERUNG WEIS durch die GESAMT-KONSTRUKTION SICHERHEIT DIE NEUEN MODELLE Die Hotchkisswagen 1935 zeichnen sieh durch eine in jeder Be- Ziehung vollkommene Federung aus. Noch nie hat ein Wagen diese so wichtige Forderung erfüllt nie der neue Hotehkiss 1935. Sicherheit ohne Widerstandsfähigkeit ist nur ein leeres Wort; Widerstandsfähigkeit ihrerseits ergibt sich nur aus der Harmonie der Gesaint-Konstruklion. Und nur mit dieser Harmonie der Gesamt-Eonstruktion können Sie ruhig auf 100, 120 oder 140 km heraufgehen, nur sie vermag dem Wagen die unbedingte Stabilität unter allen Umständen zu geben. Die Konstruktionen von Hotchkiss beweisen ihre Ueberlegenheit dureh die unerreichten Erfolge bei sportlichen Teranstaltungen, wie Bally von Monte Carlo 1932-33-34,. Paris-Nizza, bei den Bekordfahrten etc. Verl.Sie den Illustr. Kataloeu.die Preisliste durch den Generalvertr.f. dleSchwelz: GRAND GARAGE E. MAURER, #ÖTOWt5ÖIL-!ÄWB Boulevard des Tranchees 50, GENF vertr.f. Zürich, St Gallen u.Thurgau: Binelli u. Ehrsam A.-G., Stampfenbachpl.48, Vertreter fOr BASEL: Paul Staehli, Hardstrasse 62, Basel (Zürich Vertreter für BERN: Andre Zumstein, Ef f I ngerstrasse 93, Bern Vertreter f. LAUSANNE: O. Taillens, Garage Hirondelle, r. de Geneve42, Lausanne verfolgt, der kann sfeh nie eine richtige Vorstellung von dem enormen Arbeitsaufwand machen, den .die Teilnahme an einem oder mehreren Rennen von einer Mannschaft fordert. Auch von der Tätigkeit und Verantwortung, die der Leiter einer solchen Gruppe auf sich nimmt, wird der Fernstehende nur einen matten Begriff haben. Nachdem nun die Saison endgültig vorüber und- alles in den heimatlichen Hafen eingelaufen ist, den erfolgreichen Fahrern und den von ihnen gefahrenen Marken der gebührende Beifall gezollt wurde, so geziemt es sich doch auch derer zu gedenken, die mehr hinter den Kulissen ihre ebenso verantwortungsvolle Aufgabe verrichten, oder doch nur auf kurze Zeit in und vor den Boxen beim Training und am Rennen selbst in Erscheinung treten. Da sei heute einmal eines besonderen Dienstzweiges in jeder Rennorganisation gedacht, der Transportabteilung. Nicht, dass hiefür nun ausser dem bereits vorhandenen Personal noch Spezialisten des Transportfaches tätig wären. Dieses Ressort besorgt der Rennleiter oder dessen Stellvertreter mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie all die hundert übrigen Funktionen, die ihm zukommen. Der am Autosport interessierte Leser konnte den Sommer hindurch feststellen, dass die verschiedenen Fabrikmannschaften, aber auch eine Anzahl Einzelfahrer fast an jedem bedeutsamen Rennen internationalen Formates vertreten waren, gleichgültig in welcher Ecke Zentraleuropas gestartet werden musste. Da sich in der Hochsaison die Rennen in den verschiedenen Ländern nun Wache auf Woche ablösen, so ist der Start und die rechtzeitige Ankunft an jedem gewallten Ort keineswegs eine so selbstverständliche Angelegenheit. Es mag zwar den Anschein haben, wenn in Sportberichten z. B. zu lesen ist, dass an einem Sonntag in Brunn in der Tschechoslowakei die nämlichen Mannschaften vertreten seien, die nur acht Tage vorher bereits in San Sebastian am Grossen Preis von Spanien einander gegenübergestanden hätten ! Die 2500 km Distanz wollen nicht nur überwunden sein, sondern es gilt nach ganz sorgfältig erwogenem Plan vorzugehen und lange zum voraus jedes Detail genau festzulegen. Es ist daher nicht von einer eigentlichen Odysee, einer Irrfahrt, hier die Rede, denn die Reiseroute steht seit Monaten zum voraus fest und wurde auch mit geringen Abweichungen eingehalten. Aber eine Kreuzund Querfahrt durch halb Europa war es doch und eine organisatorische und transporttechnische Leistung dazu. Als wir uns gelegentlich mit Oberingenieur Wa!b von der Rennabteilung der Auto-Union und seinem Adjunkten, Ingenieur Eberan, über die weitern Reisepläne ihrer Mannschaft unterhielten, da erhielten wir Einblick in den Transportplan, in dje Marschtabelle, die für Mann und Maschine verbindlich ist. Sie ist ein so interessantes Dokument, das auf einen ersten Blick so vielseitigen Aufschluss gibt, dass wir um die Erlaubnis baten, unsere Leser damit bekannt machen zu dürfen, um auch ihnen auf diese Weise einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Wir sind heute in der Lage, einen Ausschnitt aus diesem Plan wiederzugeben und wollen diesen nun für sich selbst sprechen lassen. Vorerst sei noch daran erinnert, dass die Auto-Union die heurige Saison mit 5 Rennmaschinen bestritt und insgesamt an 14 Rennen vertreten war. An eigenen Transportmitteln standen für die Maschinen besonders hergerichtete Lastwagen zur Verfügung, die zum Teil noch mit Anhängern für Material bewehrt waren. Der Fahrplan für jeden einzelnen Wagen ist durch die Schraffur besonders kenntlich gemacht. Verfolgen wir beispielsweise die erste Maschine (Schraffur von links unten nach rechts oben), die Ende Juli die Fabrik in Zwickau verliess, so geht aus der graphischen Darstellung hervor, dass sie in eigenem Transportwagen an den Klausen gebracht wurde. Von dort ging es wiederum per Strassentransport nach Freiburg zum Bergrekord. Hier blieb die Maschine nun bis Anfang September, wurde dann neuerdings per Lastwagen nach Ventoux verfrachtet. Von dort gings noch nach San Sebastian ebenfalls per Strasse und von da per Eisenbahnzuz endlich wieder nach Zwickau zurück, wo sie gegen Ende September eintraf und auch verblieb. Das Beispiel ist deshalb interessant, weil dieser Wagen, seit er das Werk Ende Juli verlassen hatte, bis Ende September nie mehr zu einem Zwischenaufenthalt nach Zwickau zurückkam. Reparaturen, Kontrollen und Ueberholungen wurden also ausnahmslos unterwegs von den Begleitmonteuren vorgenommen. Folgen wir noch, um die Tabelle gut verständlich zu machen, einem weiteren und zwar dem «schwarzen» Wagen auf seiner Reise. Er verabschiedete sich vom Werk Anfang August und kam per Eisenbahn nach Pescara. Nach Absolvierung dieses Rennens ging es neuerdings per Eisenbahn nach Mailand zum Grossen Preis von Italien auf der