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E_1934_Zeitung_Nr.092

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gegen das Durchschlagen

gegen das Durchschlagen des alten roten Anstriches bietet zwar ein Zwischenanstrich mit Aluminiumfarbe. Am besten ist es aber doch, den alten Anstrich ganz abzukratzen, bevor man ihn überdeckt. -at- Eln billiger Zündkerzenprüfer. Ausgebrannte Glühlampen lassen sieh unter Umständen gut als Zündkerzenprüfer verwenden, dann nämlich, wenn der Glühfaden, aus seinen beiden Haltedrähten herausgefallen ist und diese Drähte einen Abstand von etwa iwis sich eine ausgebrannte Glühlampe als ZüncU kerzenprüfer verwenden lässt 5 Millimeter voneinander aufweisen. Setzt man eine solche Glühlampe, wie dargestellt, auf die zu prüfende Zündkerze, so springt zwischen den beiden Haltedrähten ein Funken über. Ein Ausbleiben des Funkens dagegen deutet an, dass entweder die Kerze in sich selbst kurzgeschlossen ist oder dass die Zündspannung überhaupt fehlt. Schutz für vernickelte und verchromte Teile. Die dem Strassenschmutz ausgesetzten, vernickelten Teile, wie Stoßstangen, Radkappen usw. müssen oft geputzt werden, wenn sie ihr schönes Aussehen behalten sollen. Diese Arbeit kann man sich ersparen, indem man die betreffenden Teile mit einer Lösung von Zelluloid und Amylacetat bestreicht. Diese Lösung erhärtet sehr bald und wird so fest, dass der schützende Ueberzug auch durch den Strassenschmutz rieht abgewischt wird. Für die Herstellung dieser Lösung eignen sich alte Zelluloidsachen, die man vorher in heissem Wasser reinigt. Idhn« s P Antwort 9230. Elekir. Thermostaten. Zuschritt weitergeleitet. Red. Antwort 9222. Stossdämpfer «Delco». Zuschrift weitergeleitet. Red. Frage 9235. Regenerierung von Altöl. Ist es eigentlich nicht möglich, das doch massenhaft abfallende Altöl aus den Kurbelgehäusen der Auto-. motoren wieder einer Verwendung zuzuführen? Oder gibt es kein Verfahren, um aus einem gebrauchten Oel wieder ein Oel mit guten Schroiereigenechaften zu machen? F. I. in Z. Antwort: Die Regenerierung gebrauchter Motorenöle lohnt sich nur in grösserem Maßstab. Sie erfordert ziemlich umfangreiche Apparaturen, die wiederum durch fachmännisch geschultes Personal bedient werden müssen. Dabei sind die erfassbaren Altölmengen nicht so grogs, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte. Die Regenerierung kommt also höchstens für ganz grosse Autobetriebe in Frage, oder dann für Betriebe, welche die Regenerieruung überhaupt als Spezialität betreiben. Bei richtiger Aufbereitung kann allerdings aus einem Altöl je nach Qualität wieder ein sehr gut brauchbares Produkt gewonnen werden. Nur ist dann bei wirklich gewissenhafter Aufbereitung der Preisunterschied zwischen dem Frischöl und dem aufbereiteten Oel wiederum nicht so gross, wie man vielfach glaubt. Die Regenerierung geht hauptsächlich so vor eich, dass zuerst die groben Unreinigkeiten abdekantiert werden, dase man das Oel hierauf zuln Verdampfen der leichtflüchtigen Bestandteile erhitzt, dann in abgekühltem Zustand mit Schwefelsäure reinigt, weiter durch Floridin filtriert und entsäuert, und nun nochmals erhitzt und bleicht. Die Anpassung der einzelnen Arbeitsvorgänge an die Art dos Ausgangsstoffes erfordert grosse Erfahrung, -at- Frage 9236. Verstopfter Köhler? Der Kühler meines Fiat-522-Wagens (39.000 km gefahren) wurde wegen leichten Undichtigkeiten verschiedenenorts gelötet durch Spezialisten. Jetzt hält er dicht, aber es entsteht beim Fahren eine starke Schaumbildung, wobei nach ca. 50 km Fahrt mindestens 2—3 Liter Wasser durch das Dampfbildungsrohr ablaufen. Der Kühler kommt aber bei schwerer Bergfahrt (Weissenstein) nicht zum Kochen. Wahrscheinlich kann das Heisswa«ser nicht rasch genug durch die engen Kühleröffnungen hinunter, so dass eine Art Stauung oben eintritt. Kann dem abgeholfen werden, oder muss ein neues Element einmontiert werden? Der Zustand kann so nicht belassen werden, da ein Frostschutzmittel zu bald wirkungslos würde. Als solches war bis jetzt jeweils nur sogenanntes säurefreies Glyzerin verwandt worden. R. W. in Q. AUTOMOBIL-REVUE 1934- Antwort: Der beobachtete Uebelstand dürfte tatsächlich mit einer teilweisen Verstopfung des Kühlsystems zusammenhängen. Das Kühlernet« sollte deshalb vorerst einmal durch eines der dafür im Handel befindlichen Spezialpräparate oder im Notfall auch mit einer Sodalösung nach Möglichkeit gereinigt werden. Treten dann dennoch Wasserverluste durch das Ueberlaufrohr auf, so läset sich eventuell ein Ersatz des Kühlernetzes umgehen, indem das Ueberlaufrohr nachgiebig 1 /verschlossen wird. Einen derartigen Verechluss erreicht man am einfachsten durch Aufstülpen eines Stückchens Gummisehlauch, dessen Ende mit einer Federklammer zugekniffen ist. Normalerweise wird dieser Veiischluss den Austritt von Wasser verhindern. Sobald sich jedoch bei einsetzendem Kochen des Kühlwassers ein höherer Ueberdruck bildet, der dem Kühlernetz gefährlich werden könnte, wird entweder der Gummischlauch platzen oder abgestreift werden, oder die gespannten Dämpfe verschaffen sich an der durch die Klammer zueammengegriffenen Stelle vorbei einen Ausweg. Bei gewissen modernen Wagen ist übrigens ein derartiges «Sicherheitsventil», das einerseits einen zu vermeidenden Wasserverluet ausschliessen, anderseits aber doch den Kühler vor allzu hohen Druckspannungen schützen soll, von Anfang an eingebaut, allerdings in mechanisch, besserer Ausführung, -at- Frage 9237. Oelflecken auf gummierten Stoffen. Wie können Oelflecken auf gummierten Stoffen, wie sie bei Regenmänteln zur Verwendung kommen, beseitigt werden, ohne dass die Wasserdichtigkeit des Stoffes darunter leidet? Ich habe auch die Beobachtung gemacht, dass bei Verwendung von Benzin als Reinigungsmittel die Gummi-Imprägnierung klebrig wird und dann allen Staub aufnimmt. F. D. in P. Antwort: Als Reinigungsmittel dürfen keinesfalls Chemikalien benützt werden, die den Gummi auflösen, wie es bei Benzin der Fall ist. Brauchbar iet dagegen Kaolin oder Pfeifenerde. Man bedeckt die Oelflecken damit, läest das Kaolin einige Zeit auf das Oel einwirken und bürstet es schliesslich weg. Dann kann die fleckige Stelle noch mit QOpror.entigem Alkohol nachgereinigt werden, der ohne Einfluss auf den Gummi ist. -at- !»»£*«. SP '«»«1* aal Anfrage 465. Reparatur des Motors. Seit August 1932 benütze ich einen 5-t-Diesel-Lastwagen. Durch Zusammenstoss mit einem Luxuswagen wurde die Oelwanne durchschlagen und die Rohrleitung beschädigt. Nach Vornahme der notwendigen Reparaturen und Revision des Motors, stellten 6ich allerhand Mängel ein, wie verbrannte Kolben, halb geschmolzene Nockenlager etc. Welche Schritte habe ich zur Wahrung meiner Interessen zu unternehmen? M. S. in E. Antwort: Ihre Schilderung des Tatbestandes ist nicht ganz völlig klar, und ich bitte Sie deshalb noch um einige Ergänzungen. Sie schreiben, dass die Rohrleitung beschädigt worden sei. Ich bitte Sie um Mitteilung, um was für eine Leitung es sich hier handelt. Auch bitte ich Sie, mir, wenn immer möglich die 1. und 2, Rechnungen der Reparaturfirma zuschicken zu wollen. Die drei neuen Pleuellager, die bei der 1. Reparatur eingesetzt wurden, waren offenbar sonst schon defekt und es ist also diese Arbeit nicht auf den Unfall zurückzuführen, wie auch die Revision des Motors überhaupt. Sollte meine Aufassung irrig sein, so bitte ich Sie um N°92 man Ihnen an die Reparatur des Motors nichts vergüten wolle. Es ist mir hier nicht klar, ob Sie damit die Reparatur meinen oder die Haftpflichtversicherung dos Personenwagens, mit dem Sie seinerzeit kollidierten. ° Handel u. Industvfic» Signal-Verstärkerapparate in der Schweiz, Jeder Automobilist weiss aus Erfahrung, wie schwer es oft ist einen Lastwagen zu überholen. Bis der Lastwagen-Lenker genügend Raum freigibt, kann man sich manchmal gelb und grün ärgern und die Hupe betätigen, bis sie fast heiser wird. Dabei braucht der Lastwagen-Lenker durchaus nicht immer unachtsam zu sein oder gar böswillig zu handeln. In den Führerkabinen von Schwerfahrzeugen herrscht manchmal, besonders wenn diese älter sind, oder wenn schlechte Strassen befahren werden, ein solcher Lärm, dass die Vorfahrsignale nur allzu leicht überhört werden können. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, wurde zuerst in Frankreich eine Vorschrift erlassen, der zufolge jeder Lastwagen mit über 3 Tonnen Nutzlast eine Apparatur zur Verstärkung der hinter dem Wagen abgegebenen Signale aufweisen muss. Auch Italien hat eine ähnliche Vorschrift in Vorbereitung. Die in Frankreich eingeführte Verstärkungsapparatur, Lizenz Maurice Houdaille, wird nun auch bei uns vertrieben. Sie ist bestimmt geeignet, das noch etwas gespannte Verhältnis zwischen den Lastwagen-Lenkern und Personenwagen-Fahrern, zu verbessern und den Verkehr besonders in Gegenden mit ßtarker Verkehrsdichte oder schmalen Strassen zu erleichtern. Das in Frag« stehende Verstärker-System «Transvox VD0> arbeitet mit elektrischer Lautverstärkung, wobei der Verstärkerstrom direkt der Wagenbatterie entnommen wird. Es besteht aus einem links hinten am Wagen angeordneten Empfänger, den nötigen Verbin dun g«- leituneren und dem Tonverstärker, der in der Nähe des Lenkers eingebaut wird. Hinter dem Wagen abgegebene Signale werden zuerst durch den Trichter konzentriert und auf ein Mikrophon geleitet. Das Mikrophon setzt sie in elektrische Schwingungen um, die im Verstärker noch intensiviert lind schliesslich wieder in Schallwellen umgesetzt wer» den. Jedes 10—15 m hinter dem Lastwagen abgegebene Signal wird so dem Lastwagenlenker auch unter sonstigem starkem Lärm deutlich zu Gehör gebracht. Je nach Einsetzen c-der Herausnehmen eines Widerstandes lässt sich übrigens der Verstärkungsgrad den Umständen entsprechend wählen. Anderseits kann die ganze Verstärkungsapparatur bei Ausserbetriebsetzunaf des Wagens durch einfaches Betätigen eines Schalters abgestellt we'l den, so das« die Batterie nicht weiter unnütz bei ansprucht wird. Die Ausführung der Apparatur ist solid und einfach, der Unterhalt praktisch gleich Null und die grossen bisher schon in Frankreich mit ihr genaue Aufklärung. Ich bitte Sie weiter um Aufklärung, ob Sie anlässlich der letzten Revision den Zulässigkeit gasammelten Erfahrungen verbürgen unbedingte Motor durch einen Sachverständigen überprüfen Hessen und welcher Ansicht er über die Ursachen der festgestellten Mängel, insbesondere über das Verbrennen und Anfressen der Kolben war. Sodann verstehe ich Ihre letzte Anfrage nicht recht, dass Seit 29 Jahren inserieren gewisse Firmen in der „Automobil- Revue", weil sie damit gute Erfahrungen gemacht haben. Inserieren Sie auch? In Elsenbeton, zerlegbar, ab Fabrik von Fr. 775 an. in MIETE und ABZAHLUNG für 1 und mehrere Boxen v. Fr.7.50 an monatlich per Boxe. Prospekte und Preise fertig montiert. Wenn Sie sich um eine Stelle bewerben dann vergessen Sie nicht, daß wahrscheinlich eine grosse Zahl Offerten eingehen und Sie zu Ihrem eigenen Vorteil die Beantwortung erleichtern können, Indem Sie der Offerte ein frankiertes Kuvert mit Ihrer Adresse beifügen. 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Bern, Dienstag, 13. November 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 92 Eine neue Hilfsaktion für die notleidende Bergbevölkerung An unsere Leser! Früher als je ist der Winter eingebrochen. Auch im Tiefland ist schon der erste dünne Schnee gefallen, und in den Berggegenden hat die weisse Decke wieder alles Leben zum Erstarren gebracht. Etwas früher als letztes Jahr wenden wir uns mit einem neuen Aufruf für die im Winter besonders hart notleidende Bergbevölkerung an unsere Leserschaft. Durch einen Zufall kamen wir Ende des letzten Jahres in den Besitz von erschütternden Dokumenten der Not, wie diese auch in unserin Lande lebt und von der man in weitesten Kreisen nicht die geringste Ahnung hat. Die Redaktion des «Landfreund», der im gleichen Haus wie unser Blatt erscheinenden Grünen Zeitung für den Landmann, veranstaltete 1933 wie jedes Jahr auf Weihnachten eine kleinere Hilfsaktion für bedrängte Bergbauern. Die Krise hat sich bis in die entlegensten Täler hinein in furchtbarer Härte ausgewirkt, und so häuften sich die Bittbriefe in einem Masse, dem die Zeitung nicht mehr gewachsen war. Wir wandten uns daraufhin an unsere Leserschaft und konnten einen wahrhaft „herzerfreuenden Erfolg verbuchen. Für + 'Ae gesamte Hilfsaktion des letzten Winters liefen nicht weniger als 160 grosse Pakete aus allen Landesteilen ein; dazu kamen noch Fr. 338.— Bargeld. 200 Pakete gingen von uns aus in die Berggegenden der Heimat, und rund 1200 Bergkinder konnten — ausser den vielen Erwachsenen — mit hochwillkommenen Kleidungsstücken und Lebensmitteln beschenkt werden. Leider begann die Aktion erst kurz nach Weihnachten. Das soll diesmal jedoch anders werden. Wir sind von verschiedensten Seiten aufgefordert worden, erneut mit einer ähnlichen Sammlung an die Oeffenilichkeit zu treten und zögern damit nicht, da es uns in unserer Zeit fast eine Pflicht zu sein scheint, mit allen Kräften Hilfe zu üben. Bereits sind wir wieder im Besitze einer grossen Anzahl von Bittbriefen, und täglich mehrt sich noch die Zahl der in Not geratenen Bergleute, die um eine kleine Hilfe anfragen. Wir haben letztes Jahr einige dieser Briefe veröffentlicht — die nackte Not starrt einem daraus entgegen. Wer in der Stadt lebt, weiss sehr oft überhaupt nichts davon, dass tatsächlich auch in unsertn Lande viele Menschen, und vor allem auch Kinder, bittersten Hunger leiden müssen. Und die Gemeinden? fragt man gerne in bessermssender Art. Was sollen diese armen Gemeinden, deren Kassen selber fast leer sind und die schliesslich nicht für alle ihre Familien mit den dazugehörenden 8, 10, ja 12 Kindern sorgen können. Viele haben nicht einmal eine magere Kuh im Stalle, und an die meisten hat sich — als Folge der Entbehrung, der schlechten Kleider und der Kälte — noch das Unheil der Krankheiten geheftet? Lassen wir die Not selber in ein paar Briefen sprechen, die uns letzter Tage zugegangen sind: «Ich bin seit acht Jahren invalid, ich habe einen Bruch des Rückgrates gehabt und seitdem muss ich immer an zwei Stecken gehen und das Arbeiten geht sehr schwer. Ich bin sehr arm, muss ja seit meinem Unglück immer Unterstützung von der Heimatgemeinde haben. Und noch dazu eine sehr grosse Familie erhalten, 10 kleine Kinder. Das älteste ist 12 Jahre und das jüngste 4 Monate alt. Wer wäre so barmherzig und würde einer armen Bergfamilie etwas helfen? Wir können alles brauchen, Kleider, Wäsche. Strümpfe, Schuhe oder Lebensmittel. Ich lege Ihnen einen Tranken in Briefmarken bei — das ist das letzte, was ich habe. > (Aus dem Kt. Graubünden.) Ein anderer schreibt aus dem Wallis: « Ich bin in dieser Krisenzeit mit meiner grossen Familie in schwere Not gekommen. Ich habe 12 Kinder, alle unter 16 Jahren, zweimal Zwillinge. Ich bin allein zu verdienen und vor zwei Jahren wurde mir der rechte Arm gelähmt. Ich bin jetzt 52 Jahre alt. Für jede kleinste Gabe — sei es an Kleidern oder Lebensmitteln oder Geld — bin ich vorzüglich dankbar. Ich bitte Euch, mir in der Not zu Hilfe zu kommen. > Noch ein weiterer Brief einer deutschschweizerischen Familie aus dem Freiburger Bergland: « Ich bin in sehr grosser Bedrängnis und möchte mich an Sie wenden. Mein Mann ist schon zwei Monate arbeitslos und wir sind in allergrösster Armut. Wir haben nichts als ein kleines Gärtlein, müssen alles kaufen. Nun sind wir sehr im Rückstand mit der Milch und Spezerei; der Käser will uns bald keine Milch mehr geben, das was man doch absolut haben sollte, um die hungernden Kinder zu nähren. Es tut einem sehr wehe, wenn sie Milch verlangen und man keine geben kann, nur schwarzen Kaffee. Hier sind die Leute leider nicht für die Armen, da fragt niemand, ob man was zu essen hat oder nicht. Es ist mir so schwer, dass mir das Leben fast verleidet. Letztes Jahr war ich leider ständig krank und kam sehr in Rückstand. Nun ist bald der Winter vor der Tür und wir haben kein Geld, keine Kleider, keine Wäsche und Schuhe. Habe schon lange nicht mehr in die Kirche gehen können, da ich gar keine habe. Ich kann schon lange nicht mehr schlafen vor Kummer und Sorgen. Ich weiss nicht, wie das noch gehen soll. » Aus dem gleichen Berggebiet schreibt man uns: « In grosser Not vind Bedrängnis wendet sich eine arme Mutter an Sie, ob es nicht möglich wäre, uns etwas zu helfen. Mein Mann hat seinem Bruder Bürgschaft unterschrieben und wir sollten dann bezahlen. Aber wo das Geld nehmen? Weil wir nichts zahlen konnten, haben sie uns am 27 April alles versteigert. Jetzt sind wir in grösster Not und verdienen nur, was wir mit Kräutersammeln bekommen. Wir sind 12 Personen — noch fünf Buben und fünf Mädchen. Ich möchte Sie um etwas ältere Kleider, Bett- und Leibwäsche und Schuhe bitten, es fehlt an allem bitter. » Zum Schlüsse dieser ganz kleinen Auslese noch ein Brieflein aus dem Kanton Uri: « Wir sind sehr arm und jetzt in grosser Verlegenheit. Ein Mädchen ist krank und wir müssen mit ihm immer zum Arzt. Es hat aber keine Schuhe und wir müssen sie immer leihen, wenn es gehen soll. Es würde genügen, wenn es abgetragene Schuhe wären. Wir sind eine arme Bergbauernfamilie mit 12 Kindern. Alle Kinder haben schrecklich Not an Kleidern und Schuhen. » Wir glauben, dass diese kleine Auslese bereits genügt, um zu zeigen, was wir auch diesmal wollen: Den notleidenden, hungernden Landsleuten soweit beispringen, als es in unsern Kräften steht! Darum: liebe Leserin und lieber Leser, der du diese Zeilen durchgehst, lege die Zeitung nicht wieder achtlos beiseite und danke heimlich dem Herrgott, dass nur dir der Ofen warm und gemütlich brennt und das Nachtessen ausgezeichnet geschmeckt hat. Vergiss deine Mitmenschen nicht! Mit dem leeren Mitleid ist es tiicht getan, noch viel weniger mit guten Worten. Hilf mit und entschliesse dich, schon morgen auszuräumen und zusammenzukramen, was die Familie nicht mehr unbedingt braucht, was sich aber doch noch in einem guten, sauberen Zustande befindet. Im ganzen Lande herum warten Menschen mit der heimlichen Not am Tisch, dass du dich ihrer erinnerst. Ein Mantel, den du nicht mehr gerne trägst, wird als hochwillkommene Gabe empfangen, Strümpfe, Kittel, Hosen, Röcke, Wäsche, Schuhe — das alles sind Gaben von einer Kostbarkeit ohnegleichen.' Und was nützen sie dir noch? Und darum appellieren wir an die aktive Mildtätigkeit unserer Leser. Die Dankbarkeit der beschenkten Menschen ist ohnegleichen. Wir erhielten auf die letzte Aktion hin Dankbriefe von ergreifender Innigkeit. Unsere Redaktion ist während des ganzen Frühlings und Sommers von diesen Bergleuten mit Alpenblumen und Heidelbeeren reich beschenkt worden. Mit einer Tapferkeit ohnegleichen, die der Stadtmensch in solch wahrhaft würgend trostlosen Lagen kaum mehr aufbringen würde, ertragen sie ihre ewige stille Not. Wir bitten unsere geschätzten Leser deshalb aufs herzlichste, uns auch diesmal in unserer Aktion tatkräftig zu unterstützen und uns Kleider aller Art, Schuhe, Wäsche, Lebensmittel und auch Bargeld zur Verfügung zu stellen. Immerhin möchten wir die diesjährige Aktion teilweise auf anderer Basis durchführen und übermitteln unsern Lesern auf Wunsch gerne einen oder mehrere Bittbriefe, die sie dann persönlich selber erledigen können. Anderseits nehmen wir natürlich auch alle direkten Gaben gerne an, die wir dann wie letztes Jahr sofort weiterleiten, nachdem alles sortiert und die Sendungen auf die individuellen Wünsche der einseinen Familien eingestellt sind. Es stehen also diesmal zwei Möglichkeiten offen: entweder die di~ rekle Erledigung von Bittbriefen, die wir den Lesern gerne zur Verfügung stellen, oder die Einsendung von Kleidern, Lebensmitteln und Geld an unsere Adresse. Die Redaktionen der «Autonwbil-Revue* und des «Landfreund» überwachen zusammen die gesamte Aktion, die Verteilung der Gaben, und garantieren auch diesmal für eine sofortige und sorgfältige Erledigung aller eingehenden Gaben. Es sei nur noch erwähnt, d.ass die direkte Erledigung von^ Bittbriefen nur dann möglich sein wird*, wenn auf die genaueren Wünsche, die ge-t, äussert wurden, eingegangen werden kannr so dass beispielsweise einer Mutter mit sechs Buben tatsächlich Bubenhosen oder Kittel und nicht zehn Frauenröcke und Grossvaterfinken zugesandt werden. Die Geschenke sollen alle vor Weihnacht ten zum Abtransport kommen, damit diesmal das «Christkind» wirklich auch durch viele arme Bergstuben geht. Unser Aufruf geht an jene Leser, die bereits letztes Jahr sich in so hervorragender Weise an deti Aktion beteiligt haben, wie auch an die^ welche sich damals nicht gemeldet habetK Wir hoffen, erneut beweisen zu können, dass der Gedanke einer in Freude und Not verbundenen Eidgenossenschaft noch im* mer lebt. Alle Zusendungen und Zuschriften sind unter Nennung des Absenders an die Redaktion der «Automobil-Revue», Abteilung Hilfsaktion, Breitenrainstrasse 97 t Bern, zu richten, Bargeldsendungen an Postscheck-Konto III5890 «Hilfsdienst der Automobil-Revue», Bern. bo. November.., lieber diesem Monat flattert in Sturm 0111(1 kalten Regenschauern eine schwarze Fahne... Ein Wolkenheer, grau in grau, wird über fahles Erdenrund getrieben, jagt übers flache Land, verschlingt die Berge am Horizont und lastet auf den Städten, deren Mauerwerk die eintönig triefende Nässe nicht mehr verlieren wollen. Die Baumreihen der Alleen muten wie hohes Zaunwerk an, steif und unbewegt stehen sie da. Schmutziggelb und klatschnass fällt aus dem kahlen, feuchtglänzenden Gezweig dann und wann ein letztes, welkes Laubblatt zur Erde herab. Trostloses Geschehen... Der dichtgefugte Laubwald reckt tausend nackte Arme wie schreiend zum grauen Himmel auf und die Nebelschleier, die morgens und abends von ihm festgehalten werden, vermögen seine Blösse nicht zu decken. Das Lied, das der Wind im Astwerk spielt, geht unter irrP Stöhnen und in ächzenden Seufzern um die Not solcher Tage. Düster, traurig und stumm steht der Nadelwald. Verlorensein breitet er um sich. In Heizkissen badtzsn stets einsn Im Innern montierten Feuchtschutz und dürfen daher auch zum Wärmen nasser! Umschläge benutzt werden. In Elektrizität»- und SanitätS-, Geschäften ab Fr. St.- er-l hältlich. Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) Dann stand Jürgen auf in dem matten Licht der weissen Nächte, machte Feuer im Herd und trank den heissen Kaffee auf der Schwelle seiner Hütte. Nebel lag noch über dem Wasser, ein Hund bellte im schwarzen Dorf,,und erhielt wütend Antwort von der andern Seite, als sei der Hass der Menschen auch der der Tiere. Aber der Hauch der Erde stand noch unberührt über der Welt, im Nordosten war ein Tor schon weiss über dem Walde aufgeschlagen, und Jürgen wusste, dass die Sonne kommen würde. ,Die Toten gehen umher', dachte er, ,und die Menschen sind mir nicht gut, aber die Sonne kommt. Gras wächst, und die Fische gehen in das Netz... gut ist die Sonne, und jedem Ding gibt sie ihren Schatten.' Es dauerte lange, bis dieser Gedanke ablief in seinem Kopf, aber Trost lag in diesem Gedanken und die stille Ruhe, mit der er das schwere Tagewerk begann. Noch rauchte er eine kurze Pfeife mit getrocknetem Steinklee, und die kleine Glut zwischen seinen Händen war ihm ein wärmender Herd, ihm allein zugehörig, von keinem Schatten bedroht, von keiner Dämmerung gefährlich entstellt. Dann fuhr er mit dem kleinen Zugnetz in die verschilften Buchten oder nahm die Sense und ging zu seinem Wiesenstück im Innern der Forst. Aber abends, mit dem schwimmenden Licht, stand die leise Sorge der Dämmerung wieder vor jedem Schritt. Er hatte das Heu mit Heini zu Käpsen geschichtet, und die Sonne war schon hinabgestiegen hinter den schwarzen Wald. Sie sassen mit dem Rücken gegen das warme Gras und sahen hinüber, wie die Rehe rot und scheu heraustraten aus dem dunkelnden Gebüsch. «Es gibt kein Netz für die Toten», sagte Jürgen und schlug mit Stein und Zunder Feuer in seiner hohlen Hand, «wie für den Fisch oder das Tier ... man kann sie nicht fangen, dass sie nicht mehr da sind, und so sind sie immer da...» Heini wandte das alte Kindergesicht ein wenig zur Seite, wo die Wand des Waldes in einem dunklen Keil aus der Rundung sprang, aber dann sah er wieder geradeaus. Er hatte das Fürchten verlernt in dem Schatten des Mannes, der mit den Toten sprach. Seine langen Finger knüpften Knoten in einen grünen Halm. «Ich habe gelesen, dass sie umgingen, auch früher», erwiderte er. «Man musste sie umbetten und Steine auf sie häufen, in einem weiten Feld ...» Aber Jürgen schüttelte den Kopf. «Das Gewissen ging um, das Böse ... damals ... aber mit ihr ist es anders ... ich bin ihr schuldig geblieben, und nun verlangt sie.» «Und die Springwurzel?» fragte Heini leise. «Nein, dafür nicht.» «Ich sah ihn gestern», fuhr Heini fort. «Auf seiner Eiche. Aber er hatte nichts im Schnabel. Ich bin hinaufgeklettert, aber es war nur Mulm im Loch und leere Nussschalen vom Eichhorn. Und er lachte mich aus, hinten überm Wald. Er lacht wie die Kinder, wenn sie einen Stein gegen meinen Rücken geworfen haben.» Jürgen nickte. «Er hat einen roten Schopf, und manche sagen, dass er der Teufel des Waldes ist... aber keiner weiss, ob die Seele ist wie das Kleid.» «So viel möchte man wissen, Doskocil ... so viel ...» Und dann schwiegen sie, und nur das kleine Feuer glühte in Jürgens Pfeife leise rauschend auf, wenn er den Atem einzog. Eine Woche später, am Tage vor der Sonnenwendnacht, fuhr Jürgen mit Fischen zur Stadt. Die Sterne standen noch am Himmel, und drei Stunden lang glitt der schwere Kahn zwischen Wäldern, Wiesen und Moor dahin. Jürgen verkaufte seine Fische und behielt nur drei Netzbündel mit Schleien übrig. Als er sie aus dem Wasser im hinteren Teil des Kahnes hob, sah er eine Weile auf die sich ohnmächtig öffnenden und schliessenden Kiemen und ging dann in den Laden am Fluss, wo man ihn kannte. Er legte die Fische unter den Ladentisch und trat still in den Hintergrund zurück, als sei die Reihe noch lange nicht an ihm. «Schöne Fische, Herr Doskocil?» fragte der Inhaber liebenswürdig. «Von heute früh», erwiderte Jürgen und trat noch etwas tiefer in den Schatten zurück. «Aber es hat noch Zeit ...» Erst als der letzte Käufer an der Kasse stand, kam er aus seiner Ecke hervor, reichte die Fische über den Ladentisch und fragte so leise, dass der Kaufmann sich vorbeugen musste, ob er dafür ein buntes Tuch und einen Ring haben könnte, einen schmalen, vielleicht mit einem roten Stein, wie man ihn so auf den Dörfern trage. Der Kaufmann, seine Verwunderung gewandt verbergend, rechnete mit halb geschlossenen Augen schnell nach und sagte dann, dass es natürlich gehe. Nur einen goldnen Ehering, den könne man natürlich nicht dafür haben. Aber ein «Ringlein», ja, das würde gehen. Ein solches Ringlein würde genügen, meinte