Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.099

E_1934_Zeitung_Nr.099

BERN, Freitag, 7. Dezember 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang — N° 99 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erseheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.- Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ein welsser Steuer-Rabe. Das Motorfahrzeug hat, wie dies an dieser Stelle verschiedentlich dargelegt wurde, in jüngster Zeit erneut die Begehrlichkeit des Fiskus erweckt, der in allen Kantonen und beim Bund auf der eifrigen Suche nach neuen Einnahmen ist. Wenn die Herren Finanzminister oder Volksvertreter mit ihrem Budgetlatein zu Ende sind, ist es nachgerade zur beliebten Verlegenheitslösung geworden, den Kraftverkehr unter erhöhten Steuerdruck zu setzen. Es nützt leider herzlich wenig, darauf aufmerksam zu machen, dass auf diese Weise, wie es kürzlich sehr richtig von einem gründlichen Kenner unserer Verkehrswirtschaft bemerkt wurde, die Henne geschlachtet wird, welche die goldenen Eier legen soll. Man lässt sich von den scheinbar einfachen Rechnung übertölpeln, dass eine Erhöhung Die Magd des Jürgen Doskocil. tan von Ernst Wiechert. OoiJjiijjut by Albert Langen-Georg Müller, Vom Tage München. (9. Fortsetzung.) Und einmal, als sie leise zurückkehrte, noch demütiger als sonst, fand sie ihn vor dem Herde, die Schultern gebeugt und eines ihrer Kopftücher in den Händen, als habe er es um eine Wunde geschlungen. «Es war... ja.... es waren die Hände mir so kalt..», sagte er und trug das Tuch wieder auf ihren Korb. Aber er machte einen Bogen um den Herd, als sitze dort ein Gast, und sie sah, wie er leise auftrat und dass die Angst eines Kindes in seinen Augen war. Da wusste sie, dass ein jenseitiger Gast dagewesen war und dass die Schatten wieder über ihn gefallen waren, während sie an ihrer Goldenen Stadt gebaut hatte. ' Vor Weihnachten, als Jürgen in der Dämmerung den Holzschlag verliess, sah er die erste Wolfsfährte über seinen Pfad laufen. Er beugte sich herab und legte die Finger in die tiefen Eindrücke. Der Schnee war kalt, aber es war ihm, als dränge sich noch etwas von der Wärme des fremden Tieres in seinen Körper hinauf. Er sah sich prüfend um, aber die Dickung zur Rechten war wie ein verschlossenes Haus, und zur Linken dämmerte der Hochwald, und die Stämme standen der Motorfahrzeugsteuer einen Mehrertrag liefere, der durch eine simple Multiplikation: Steuererhöhung mal Anzahl betroffener Fahrzeuge zu ermitteln sei. Vergisst aber dabei vollkommen, dass die fiskalische Belastung, die eben nicht nur direkt durch die Kantone, sondern in ebenso hohem Masse indirekt durch den Bund in Form seiner Einfuhrzölle erfolgt, bei vielen Kategorien von Fahrzeugen und zahlreichen Gruppen von Besitzern eben bereits die obere Grenze des wirtschaftlich,. Möglichen, und Erträglichen «rrejcht hat; Wird; die Schraube auch nur um einen. Gang mehr angezogen, so bewirkt dies den Rückzug von vielen hundert Fahrzeugen aus dem Verkehr oder doch deren frühzeitigere Abmeldung im Herbst und verspätete Wiederinbetriebnahme in der Fahrsaison. Hier geht aber nicht nur der zusätzliche Steuerbetrag, sondern die Steuer überhaupt verloren, so dass der Fiskus froh sein muss, wenn der Einnahmenausfall durch die anderseits erzwungene Abgabenerhöhung wettgemacht wird. Wie wenig Verständnis mancherorts für diese Verhältnisse vorhanden ist und wie leichtfertig man eine weitere Popularisierung des Motorfahrzeugverkehrs zu unterbinden bereit ist, zeigt beispielsweise der nunmehr im Kanton St. Gallen erfolgte Aufschlag von 30 Fr. bei den Minimalsteueransätzen für Motorwagen bis und mit fünf Pferdekräften. Gerade die Fahrzeuge mit wenigen Steuerpferden sind in den letzten Jahren am meisten gekauft worden, weil sich die Abgaben darauf auch von einem Manne mit mittlerem und kleinerem Einkommen eben gerade noch erschwingen Hessen. Als die Wagen mit vier und fünf Steuer^PS aufkamen, da konnte- sich manch einer endlich das ersehnte Auto kaufen oder vom Motorrad zum Kleinwagen übergehen. Dadurch hat doch der Wagenbestand, die Zahl der Steuer-PS und damit die Einnahmen der Kantone zugenommen. Ein einziger Blick auf die letzten Motorfahrzeugstatistiken wird ergeben, dass hauptsächlich die Gruppe der Klein- und Kleinstwagen mit fiskalisch wenig belasteten Motoren eine-Zunahme aufzuweisen hatten. Angesichts, der Einnahmen, die jedes, auch das- kleinste Fahrzeug einbringt, sollte man doch meinen, der Staat habe alles Interesse den Fahrbestand wachsen zu sehen. Nachdem nun, die kleinen Wagen am meisten an der weitern Verbreitung des Automobils teilhatten, wird ausgerechnet diese Kategorie mit einer höheren Steuer belastet. Ausgerechnet die Besitzer trifft man, die vermehrte Abgaben am wenigsten zu leisten vermögen. Man. muss ob solch eines wirtschaftlichen Widersinines nur staunen. Angesichts einer derartig misslichen Einstellung dem Motorfahrzeugwesen gegenüber, mutet die Kunde von einer Massnahme, die eine fiskalische Erleichterung bringt, geradezu .wie eine Legende an. Und doch ist das Wunder geschehen, nämlich im Kanton SoiGjv ffiürüf. EM langgehegtes PostüTaf der Fahrzeughalter war das, den Besitzern von zwei Wagen die Möglichkeit einuzräumen nur eine Kontrollnummer lösen und nur für diese zahlen zu müssen. Dabei erachtete man es als selbstverständlich, dass die Steuer auf dem stärkeren Wagen zu entrichten wäre. Die Begründung hiefür ist durchaus einleuchtend. Wird nur eine Kontrollnummer ausgegeben, so kann der Besitzer auf alle Fälle zur nämlichen Zeit nur ein einziges und nicht beide Fahrzeuge verwenden. Nun kann es ja dem Staate und der Oeffentlichkeit durchaus gleichgültig sein, welches Fahrzeug von Fall zu Fall benützt wird. Dieses steuerliche Entgegenkommen würde aber doch manchen Automobilbesitzer veranlassen, einen zweiten Wagen anzuschaffen. Es gibt zahlreiche Fälle, da gerade Gewerbetreibende, Aerzte usw. zwei verschiedene Fahrzeuge gut verwenden könnten, je nach dem Zweck, dem sie in dunkel, regungslos und gefährlich. «Es könnte ein wildernder Hund sein», dachte er noch. Aber dann schüttelte er den Kopf. Es fiel ihm ein, dass Marte im Dorf war, und er begann zu laufen, gebückt, wie ein schweres Tier, und bei jedem Schritt klang die Schneide der Axt leise gegen das Blatt der Säge. Er erwartete sie am Ausgang des Dorfes, noch vor der Hütte Mac Leans. Der Prediger, begleitete sie, und ihre gedämpften Stimmen gingen vor ihnen her. Jürgen sah nur ihre Gebärden, und bevor er ein Wort verstehen konnte, ging er ihnen entgegen- «Die Wölfe sind im Wald», sagte er, «ich werde auf dich warten.» Dann kehrte er um und ging schnell von ihnen fort. «Fürchtet euch nicht vor den Wölfen des Waldes», sagte Mac Lean mit seiner hohen, weithintragenden Stimme, «aber fürchtet euch vor den Wölfen, die Schafskleider anziehen,..» Er ging schneller, bis zu dem ersten Busch, der halb verschüttet aus dem Schnee herausragte und wie eine Landmark über dem weissen Meere stand. «Ich habe eine Spur gesehen», sagte er nur, als Marte kam. «Es muss jemand bei dir sein.» Erst als sie über die Schwelle traten, sah sie ihn an. «Wann wirst du Feiertag haben, Jürgen?» fragte sie. «Wenn dein Gott erlaubt», erwiderte er nach einer Weile. Immer, wenn Marte in der Morgendunkelheit den Arm ausgestreckt hatte, um Jürgen den besondern Fällen hauptsächlich dienen sollen. Das bringt wiederum vermehrten Verdienst beim Autohandel und -gewerbe und kommt letzten Endes auch dem Staate wieder zugute. Solange aber die volle Steuer für zwei Wagen zu entrichten ist, auch wenn tatsächlich nur immer einer aufs Mal gefahren wird, so bedeutet dies eine Mehrausgabe, die sich nur ganz wenige im Lande überhaupt leisten können oder wollen. Bisher haben alle Kantone dieses bei jeder Gelegenheit einer Revision der Steuer- Vorschriften vorgebrachte Postulat abgelehnt, ohne den negativen Standpunkt aber auch überzeugend begründen zu können. Nunmehr macht Solothurn den befreienden Schritt. Ein neuer Regienrngsratsbeschluss sieht unter gewissen Einschränkungen die Abgabe eines einzigen Paares von Kontrollschildern für zwei Motorfahrzeuge vor. Ausgenommen sind Fahrzeuge, die dem gewerbsmässigen Güterund Personentransport dienen, sowie Spezialfahrzeuge, wie Sattelschlepper, Traktoren usw. Nun hat sich allerdings auch die Regierung von Solothurn nicht dazu entschliessen können, das Prinzip der einfachen Besteuerung in seiner letzten Konsequenz anzuwenden, indem für den zweiten Wagen doch noch ein Viertel der fälligen Steuer erhoben wird. Dennoch bedeutet der Erlass, der auf den 1. Januar 1935 in Kraft tritt, einen wesentlichen Fortschritt und einer der seltenen Lichtblicke in der bisherigen Finsternis der Motorfahrzeugbesteuerung. Es ehrt den Kanton, dass er, obwohl nicht zu den gröss- ,,ten und auch nicht zu den fahrzeugreichsten gehörend, hier mutig, die. erste. Bresche in den dicken und dumpfen Wall einer Besteuerungspraxis gelegt hat, die der weiteren Entwicklung des Motorfahrwesens wenig abträglich war. Hoffentlich lassen sich die übrigen Stände nicht beschämen und folgen diesem Beispiel bei der ersten sich bietenden Gelegenheit! Das Auto als Vorspann. Aus dem Bundesgericht. Die bundesrätliche Vollziehungsverordnung vom 25, November 1932 zum eidg. Automobilgesetz stellt in Art. 17 die für Anhänger geltenden technischen Anforderungen auf. Art. 63 der Verordnung enthält Vorschriften über die Verwendung der Anhänger und bestimmt dabei in Absatz 5: «Personenwagen dürfen einen einachsigen Anhänger zur Beförderung des Touristenreisegepäcks mit sich führen.» Auf Grund von Art. 63 Abs. 5 die Hand zu reichen, blieb sie noch eine Weile in dieser Gebärde liegen, den blossen Arm im dunklen und kühlen Raum, und lauschte dem sich entfernenden schweren Schritt, unter dem der gefrorene Schnee knirschte, bis er in der Dunkelheit und den Wäldern erstarb. Noch erfüllte das Feuer mit rötlich flackerndem Schein den Raum, aber schon kam von allen Seiten das Dunkel und das Schweigen auf die Hütte zu, verengte den Kreis des Lebens, verschloss Schwelle und Fenster und baute hinter Wand und Dach der Hütte eine zweite Wand und ein zweites Dach, in dem nur sie allein das Lebendige war, der Schlag ihres Herzens, der tönende Gang ihres Blutes und die rieselnde Kälte auf der Haut ihres blossen Armes. Sie sah auf diesen Arm hinaus, der ihr zugehörte und der doch wie ein Fremdes ausser ihr war. Auf die sanfte Führung seiner Umrisslinien, die Zartheit seiner Gelenke, die rötlich beschienene Weisse seiner Haut. Und der Einfachheit ihres Denkens bot das Bild sich an, als warte dieses lebendige und gegliederte Gebilde auf etwas, das nicht kommen wollte oder nicht zu kommen wagte, weil jenes Zweite an Wand und Dach zwischen dem Aussen und ihr stand. Dann begann das zunehmende Dunkel des Raumes sich mit flüchtigen Gesichtern zu erfüllen, Gesichten der Vergangenheit und denen der Zukunft. Das Blut ihres Körpers, still geworden unter hartem Tagewerk und INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; fUr Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern W wurde ein Zürcher Automobilist vom Bezirksamt Obertoggenburg zu 20 Fr. Busse verurteilt, weil er am 25. Dezember 1933 vermittelst eines am Wagen befestigten Seiles drei Skifahrer nachgezogen hatte; die Urteilsbegründung führte aus, es sei auf Grund der Verordnung für den Automobilisten verboten, etwas anderes zu schleppen als die daselbst erwähnten Anhängewagen. Die .Busse wurde von der Bezirksgerichts* kommission Obertoggenburg bestätigt. Der Kassationshof des Bundesgerichtes hat am 29. November die vom Autofahrer eingereichte Kassationsbeschwerde gutgeheissen und die Busse aufgehoben. Die Verordnung befasst sich lediglich mit den, Anhängern, welche von Lastautos, Traktoren und Tourenwagen verwendet werden dürfen, und Art. 63 Abs. 5 hatte nicht die Absicht, die Verwendung eines Autos als Vorspann zum Skikjöring allgemein zu untersagen. Ein solches Verbot ist den Kantonen überlassen, welche in Art. 3 Abs. 2 des Gesetzes zu beschränkenden Massnahmen für bestimmte Strassenstrecken ermächtigt werden, wo die Sicherheit des Verkehrs oder die Anlage der Strasse es notwendig macht. Wo das Skikjöring besondere Gefahren bietet, sind die Kantone überdies schon auf Grund ihrer Strassenhoheit befugt, im Interesse der Sicherheit der Strassenbenützer Verbote zu erlassen; (Den Motorradfahrern wird in Art. 56 Abs. 1 der Verordnung « das Anhängen von Fahrzeugen an das Motorrad und das Nachschleppen von Gegenständen» verboten; da es sich im vorliegenden Falle um eine Auto handelt, blieb die Frage offen, ob aus Art. 56 ein Verbot der Verwendung von Motorrädern für das Skikjöring abgeleitet werden kann.) — Das angefochtene Bussenurteil stützt sich auf eine Bestimmung der.Verord* nung, welche sich gar nicht auf das.Skikjöring bezieht und muss daher als Verletzung, von Bundesrecht aufgehoben werden.. Wp. Tourismus Die Einreise nach Deutschland mit den nationalen Ausweisen. Wir haben in Nr. 97 bereits mitgeteilt, dass die Ausländer ab 1935 in Deutschland auch ohne internationale Ausweise zirkulieren können. Dazu berichtet uns der T.C.S. noch folgendes : «Die ausländischen Automobile, die für einen zeitlich begrenzten Aufenthalt nach Deutschland fahren und die internationalen Ausweise- besitzen; müssen hinten mit einem Nationalitätenschild vereehen sein (für die Schweiz GH). Die Wagen, die mittels der nationalen Führer- dem schweren Lebensgang ihres Dienstherrn, begann wieder zurückzudrängen zu der Vergangenheit, ihres Lebens, die Bilder der Freude und Lust auszuspülen aus ihrer, Bedeckung und hinauszufragen in den Raum, ob niemand es haben wolle. Und vor allen Gesichtern standen die beiden auf, das schwere und irgendwie mächtige Gesicht des Jürgen Doskocil und das glühende und bleiche Gesicht des Fremden, hinter dem die Zauber eines sinnlichen Glaubens brannten, die Wunder der goldenen Stadt, die Erbarmungslosigkeit eines furchtbaren Gottes, dessen Glaube sich wie ein brennender Körper auf die Körper der Gläubigen warf. Sie zergliederte das alles nicht zu gedanklichen Reihen. Sie trug nur das dumpfe Gefühl in ihrem Blute, dass sie begehrt wurde, von der Erde des Jürgen Doskocil wie von dem. Himmel Mac Leans. Sie dachte an die wenigen Minuten, die sie an Jürgens Seite gelegen hatte, unberührt von seinen Händen, aber überflammt von seinem schweren Blut, und aus den Erinnerungen ihrer Vergangenheit ging sie, gezogen und getrieben, den Weg ihrer Traumbilder weiter, bis zu dem Punkt, wo er in der Seligkeit zerbrach. Und bei aller Fremdheit in der Wirrnis der Seele fühlte sie ohne Irrtum, dass sie in einer Seligkeit der Schwäche ertrank, wenn Jürgens Bild sie zum Ende führte und sie in einer Seligkeit des Schauders zerbrach, wenn sie an den Abgesandten Gottes dachte. Es war ihr,