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E_1934_Zeitung_Nr.100

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o AUTOMOBIL-REVUE

o AUTOMOBIL-REVUE 1934 — Rechts: Prof. Dr. E. Delaquis, der neuernannte Direktor des T. C. S. Der Vorgenannte ist der schweizerischen Oeffentlichkeit bereits aus seiner erfolgreichen Tätigkeit alß Abteilungschef im eidg. Justiz- und Polizeidepartement bekannt. Schon zu jener Zeit nahm er auch seine akademische Lehrtätigkeit an der Universität Bern auf. Auf das Sommersemester 1929 nahm Dr. Delaquis eine ehrenvolle Berufung an die Universität in Hamburg an, -wo er zu den meistgehörten Dozenten zählte. Mitte dieses Jahres kehrte er in die Heimat zurück, um sein umfangreiches Wiseen und gründlichen praktischen Erfahrungen in den Dienst des T. C. S. zu stellen. Die jetzige Arbeitsüberlastung des Zentralsekretariates, die mit der steten Mitgliederzunahme und der Erweiterung der verschiedenen Verwaltungsabteiliingen in Zusammenhang stand, liess es als notwendig erscheinen, einen Direktor an die Spitze des gesamten Organisationsa.pparates zu berufen. Wir beglückwünschen Herrn Prof. Delaquis zu der ehrenvollen Wahl, aber ebenso den T. G. S., den Posten mit der bestcpialifizierten Persönlichkeit bestellt zu wissen. Links: Das Auto-Amphibium. Das Wasserauto Ist Wirklichkeit geworden. Es hat kürzlich seine ersten Probeund Versuchsfahrten bestanden. Der Kölner Erfinder Bodenstein hat das Auto konstruiert. An Stelle der Wagenräder wurden vier Pontonräder aufmontiert, die Schwimmkörper und Wasserantrieb in sich vereinigen. Die vorderen Räder dienen als Steuer, die hinteren Schaufelräder bewirken die Fortbewegung. Die •praktische Verwendbarkeit wird sich bei weiteren Versuchen erst noch erweisen müssen. Sehr elegant und zweckmässig sieht das Wasserauto auf dem Lande nicht gerade aus! Altbewahrtes Schweizer Fabrikat sicher bis-£O°G. gebrauchsfertig Tr.1.20 perliter frastschutz rintigfacinChem. Fabrik PARAA.G. Rapperswil, (Zeh-See) TelephonU2 Grand Garage Place Ed.Claparede S.A. 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100 II. Blatt BERN, 11. Dez. 1934 Weihnachts-Beilage •B 100 II. Blatt BERN, 11. Dez. 1934 . Ein Weihnachts- Dreiklang Von Kilian Kerst. Kindheit. Der kleine Junge stand an der Haltestelle, den Omnibus zu erwarten, der zum Bahnhof fuhr. Die Luft war mild vom getauten Schnee, es dunkelte, und bald mussten die Glocken des Heiligen Abend läuten. Die Stunde war nahe, die feierlichste aller Stunden, der Abend der hold erbrennenden Weihnachtskerzen. Der Advent klang aus, weich und wehmütig zerrann auf den Zweigen der Schnee; in Eile trugen die Leute die Bäumchen nach Haus, die sie noch rasch vor dem Fest gekauft. Ein Summen, und in der ferne glitzerte der Omnibus aus dem Dunkel hervor. Dem kleinen Jungen an der Haltestelle pocht das Herz. Omnibus fahren dürfen am Heiligen Abend, vorbei am Weihnachtsmarkt, zum Bahnhof hinaus vor die Stadt! 0 glückliche kleine Kinderreise durch den Himmel auf Erden! Es ging rasch durch die Strassen im warmen, grossen Omnibus, der noch gar nicht so lange im Städtchen fuhr. Die mit Tannenreisern und Kerzen geschmückten Schaufenster glänzten vorbei; hinter all den Menschen, die durch die Strassen gingen, schien das Christkind zu schweben. Selige Zeit! Der Wagen bog um die Ecke, sauste geradeaus, schnitt wieder eine Kurve, fuhr nochmals geradeaus, in die Gegend von Sankt Magdälenen. Es brummte dumpf in der Luft, ein Dröhnen von vielen Melodien wehte in die Gassen herab. 0 ihr Weihnachtsglocken im Sankt Magdalenenturm! Voller Trost sangt ihr auf, voll heiliger Liebe. Der kleine Junge ist selig vor Dankbarkeit, wie er von euch erschüttert vorüberfährt an dem mächtigen, finsteren Turm. Kommt mit ihm, ihr Glocken, fliegt ihm nach vor die Stadt. Umschwebt ihn, jetzt, wo er am grossen Viereck des Marktes vorüberfährt. Dunkle Tannenbäume, einsame Fichten, wie bedauert er euch, die ihr noch warten müsst bis jemand euch kauft, um euch mit Kerzen zu bestecken, dass ihr strahlen dürft vor der Kinder Freude. Wie ewig ist euer Duft! Wie gütig ihr seid, euch von den vielen Brüdern des Waldes zu trennen, um als Einsame vor den Menschen zu leuchten. Feierlich ragen eure Spitzen über die im Wind flatternden Zeltdächer der Weihnachtsbuden, die in bunter Kette den Markt umziehen. Geflimmer von Baumkugeln im Karbidlicht der Buden, Duft von Lebkuchen, Visionen von Hampelmännern und Schaukelpferden. O wässtet ihr welche Seligkeit ihr in das kleine Knabenherz verströmt, das in diesem Wagen pocht. Vorbei, vorbei die Festlichkeit des Weihnachtsmarktes. Der Omnibus saust durch Vorstadtstrassen, die Häuser werden spärlich; Bäume stehen kahl die Allee hinauf. Und dann geht es empor mit heftigem Surren, auf den grossen Viadukt. Unten glänzen tausend Lampen über einem Netz von Gleisen auf, Dampfwolken steigen wie Ballons in die Luft. Auf der Brücke bleibt der Wagen ein paar Sekunden stehen, und dann biegt er auf der andern Seite in die Kurve und zum Bahnhof, wo der kleine Junge den Onkel abholt, der zum Christfest kommt. 0 selige-Zeit! Junge Liebe. Habe ich noch ein Anrecht auf dich, auf deinen Schatten nur, du leidvoll-selige Zeit? Wie kurz du warst, nur ein Händedruck in der regendurchströmten Dunkelheit des Vortags von Heilig-Abend. Und noch in derselben Nacht fuhrst du in deine Heimat, Gertrude. Ich hatte dir eine silberne Brosche geschenkt, ich steckte sie dir heimlich zu. 0 hätte ich gewusst, dass unser erstes Glück unser letztes wäre! Ich durfte nicht mit dir reisen. Am ersten Christtag kam deine Karte mit deinem Herzgruss. Ich empfing sie wie deine Seele; vor ihr verblasste jedes Geschenk unterm Tannenbaum, ich war dir so nah in deiner grossen Ferne. Wind wehte den gan- Der ganze Zauber ist wieder erwacht! Sie schwebt hernieder, die Heilige Nacht! Die alten Gesänge tönen so traut. Der Stern blitzt auf, den die Hirten geschaut, Sonnenhell über Land und Meer. Deine Augen, Maria, strahlen so sehr! In deine Händlein, Herr Jesu Christ, Alles Heil der Menschheit gegeben ist. Sünde und Tod nur ein dunkler Traum! Die Lichtlein knistern am Tannenbaum. zen Tag, es wurde früh nacht, ich sass einsam am Fenster und hörte den Glocken zu. Waren es die Glocken aus deiner Heimat? War mein Glück mir dir, o Gertrude? Gertrude, wir hörten traurig-selige Hoffnung in Christglocken, Hoffnung, die verwelkte ins Leid « Ihr Kinderlein, kommt...!» Es ist heiliger Abend, nach so vielen Jahren vergangenen Kinderglücks, so langer Zeit seit der ersten Liebe. Ich zähle mit Erwartung die Minuten der Uhr. Ich lebe einsam und ganz allein, krank und voll Leid durch ein dunkles Schicksal. Die Glocken wehn schon in feierlicher Wehmut im Dunkel draussen, hinter den Fenstern der Gasse glühen die Weihnachtsbäume. — 0 du fröhliche — Da ruft unten im Hofe ein Kinderstimmchen: «Onkel!» — Mein Herz schlägt laut vor Glück. Das ist die Kleine, das ist das putzige Kind. Mit einem brennenden Wachslicht erleuchte ich den Flur, das kleine Mädchen stiefelt schon auf der Treppe. Ich öffne die Tür, und dann ist sie mit einem Jauchzen an meiner Brust. Ihre Mutter, die bei den Kleinen ist, macht in der Küche Licht. Wir plaudern ein bisschen, dann muss die Kleine bei der Mutter Friede auf Erden Von Frida Schanz. Die silberne Weihnachtsglocke erklingt. Tausend- und tausendstimmig singt Aus allen Städten ein Kinderchor «Stille Nacht, heilige Nacht!» himmelempor. Und tausendstimmiges Jauchzen dann! — Welt, nun hältst du den Atem an, Löschest die Lichtlein am blauen Zelt Vor dem Glanz, der die Erde erhellt. Vor dem einen) ewigen Stern, Vor der Menschwerdung Gott des Herrn. bleiben, und der Onkel geht in die Stube, um den Baum anzuzünden. — Stunde voll Seligkeit! — Ich träume eine Minute einsam in die Lichter der Weihnachtstanne, Wehmut im Herzen und gedenke der Jahre, der Jahre. — Dahin! — «Kommt herein! Kommt alle herein!» rufe ich in den Flur hinaus. Flink wie ein Hündchen stürzt die Kleine in die Tür, stutzt und sieht ernst die stillen Kerzenlichter wie im Traum. Ihre Wangen sind von der Schneeluft rot, ihr kleines Stumpfnäschen sitzt niedlich unter den weit offenen Augen. Die Mama ist leise ins Zimmer gekommen, und nun stehen wir alle vor dem Baum. Vor dem seligen Baum! «Aber sieh einmal hier!» rufe ich erstaunt und schiebe einen Puppenwagen unter den Glanz der Weihnachtskerzen! — 0 Kinderglück, o seliger Jubel! — O du fröhliche —/ Lässt sich die Seligkeit eines Kindes beschreiben? — Kleiner, fliegender Atem, fiebernde Bäckchen, erstrahlende Augen! — 0 erlass es mir,' lieber Leser, die Süssigkeit eines Glücks mit Worten zu erhaschen. Sei demütig mit mir und verschliesse tief in dein Herz dieses selige Jauchzen. Sei still mit mir vor dem brennenden Lichterbaum, in dieser Stunde der Ewigkeit, vor diesem Himmel der Welt. — Damals vor 20 Jahren... Eine Weihnachtserzählung von Ellen Fechner. Draussen schneite es seit vielen Stunden. Der Garten, der gestern noch nackt und melancholisch unter dem grauen Dezemberhimmel gelegen hatte, trug ein glitzerndes Festtagskleid. Antoinette stand am Fenster und' beobachtete, wie drüben, in den weissen Häusern am Hügel, ein Licht nach dem andern aufflammte. Die weisse Schneelast auf den Bäumen schien nicht nur draussen, sondern auch drinnen jedes Geräusch zu dämpfen. Das grosse Haus war wie ausgestorben. Antoinette überlegte, ob noch etwas für den Abend zu tun sei, aber es war alles erledigt. Sie musste nur noch die Blumen für die Weihnachtstafel herrichten, und dazu 1 war es noch zu früh. Sie griff nach einem der Bücher auf dem Schreibtisch, aber dann stellte sie es ungeöffnet wieder zurück. Sie hatte keine Lust zu lesen. Die grosse Stille hier oben bedrückte sie plötzlich. Sie öffnete die Tür und stieg die Treppe hinunter; an den weissgetünchten Wänden hingen alte Stiche, Jagdbilder. Antoinette kannte sie seit ihrer Kinderzeit. Alles in dem grossen Haus war ihr lieb und vertraut, war mit tausend Erinnerungen verknüpft. ""* Antoinettes Gedanken wanderten durch die Jahre zurück, während sie die Treppe hinunterstieg. Im Vorbeigehen sah sie flüchtig ihr Spiegelbild. « Damals t, schoss es ihr durch den Kopf, «damals: habe ich-auch ein grünes Kleid ge»- ; tragen !•» Sie öffnete die Tür zum Arbeitszimmer und trat in den dämmerigen Raum. Durch die Glastüren, die zum Garten führten, fiel der schwache Widerschein der verschneiten Rasenfläche und erfüllte das Zimmer mit hartem grauem Licht. Sie zündete die Lampen an und schloss die Vorhänge. « Damals», spann sie ihre Gedanken weiter, € vor zwanzig Jahren...» «Mama», sagte eine lachende Mädchenstimme, «du bist so versunken, dass du mich überhaupt nicht siehst J Woran denkst du eigentlich ? » Antoinette fuhr ein wenig zusammen bei der unerwarteten Anrede. Dann lächelte sie. «Ich habe dich wirklich nicht gesehen, Renee, und die einzige Entschuldigung dafür mag sein, dass du in der Zeit, an die ich dachte, überhaupt noch nicht existiertest... Ich dachte an die ersten Monate meiner Ehe, an den Weihnachtsabend.» Sie schwieg und blickte nachdenklich in das junge Gesicht der Tochter. «Ich war damals jünger als du, Renee. Ich war im Frühjahr siebzehn geworden, und im Sommer brach der Krieg aus. Grossmama und ich, wir waren gerade verreist und kamen auf ein Telegramm deines Papas, mit 'dem ich damals verlobt war, Hals über Kopf nach Hause zurück. Er war nicht auf dem Bahnhof, um uns abzuholen. Sein Regiment lag schon in Alarmbereitschaft... er durfte die Garnison nicht mehr verlassen. Wir fuhren zu ihm, es war nicht sehr weit, etwa eine halbe Stunde mit der Bahn. Es war Abend und die Sonne ging unter; blutrot und ohne Strahlen versank sie im Nebel ' und tauchte die Welt für einige Minuten in