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E_1934_Zeitung_Nr.094

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10 AUTOMOBIL-KEVUE

10 AUTOMOBIL-KEVUE 1934 - minimalen Mehrkosten können hier nicht als Hemmungsgrund angegeben werden, denn verschiedentlich wird ja auch zur Anwendung seitlicher Hinterrad-Kotflügelverschalungen geschritten, die sicher bedeutend teurer sind, ohne aber einen wesentlichen Wert zu besitzen. Der ganze Karosseriebau ist heute in Wandlung begriffen. Das Bestreben, den Luftwiderstand zu vermindern, ist in aller Mund. Selbstverständlich kann man es nur begrüssen, wenn durch aerodynamisch wirklich gute Karosserien die Leistungsfähigkeit eines Wagens und die Brennstoffausnützung noch verbessert werden. Sicher wird die gute Stromlinienkarosserie auch indirekt noch weiter zur Lösung des Kotschutzproblemes beitragen. Wünschbar wäre jedoch, dass auch das Kotschutzproblem unabhängig davon schon heute in Angriff genommen würde. Wer die Bedeutung dieses Problems noch nicht eingesehen hat, braucht nur zu beobachten, wie sauber z. B. Strassenbahnwagen selbst nach tagelangen Fahrten bei Regenwetter aussehen, während ein Auto vielleicht schon nach wenigen Kilometern förmlich in Schmutz gebadet ist. -s. Moderne Reparaturverfahren im Motorenbau. Nach neueren Untersuchungen ist in den Zylindern von Fahrzeugmotoren noch immer mit einem Vcrschleiss von nahezu 0,01 mm pro 1000 Fahrkilometer zu rechnen. Dieser auffallend hohe Wert erklärt sich aus den besonders ungünstigen Bedingungen, unter welchen zwischen Kolben und Zylinder gleitende Reibung auftritt und die sich bei der ständig zunehmenden Leistung moderner Motortypen immer mehr verschärfen wird. Massnahmen konstruktiver Natur zur Verbesserung dieser Bedingungen haben nur begrenzte Erfolgsaussichten. Die wirksamsten Mittel gegen vorzeitigen Verschleiss bestehen zweifellos noch immer in der Vervollkommnung der Schmiermittel wie auch in der Auswahl geeigneter Werkstoffe für die Zylinderlaufbahn. Die bohen Anforderungen an die Verschleissfestigkeit legen nun den Gedanken nahe, die Zylinderlaufbahn als gesonderten Bauteil auszubilden, um den Werkstoff unabhängig von sonstigen Eigenschaften, wie z. B. leichte Vergiessbarkeit, aussuchen zu können. Als Werkstoff für solche Zylinderbuchsen dient ein sehr feinkörniger Grauguss, der durch Anwendung des Schleudergussverfahrens ein sehr homogenes Gefüge erhält. Gerade die letztere Eigenschaft ist für den Verschleisswiderstand massgeblicher als z. B. die absolute Härte, die mit 230—280 Brinelleinheiten allerdings auch bemerkenswert hoch liegt. Zur Aufnahme solcher Buchsen wird der Zylinderblock aufgebohrt, geschliffen und nachgehont, "um durch einen guten gegenseitigen Flächenkontakt den einwandfreien Wärmeübergang sicherzustellen. Das Einpressen der Buchsen, die zur Erzielung eines sicheren Festsitzes ein Uebermass von 0,04—0,06 mm haben, erfolgt am besten unter einer hydraulischen Presse mit einem Druckvermögen von 30 Tonnen. Bewährt haben eich auch die Ausführungen als sog. c nasse » Buchsen, die direkt ohne Zwischenwand im Wassermantel des Zylinders stehen. Neben dem Schleuderguss-Verfahren hat sich in letzter Zeit eine Stahleinsatzbuchse in grösserem Umfange einführen können, die als Ausgangswerkfctoff Stahlblech von 0,1 mm Stärke benützt und von französischen Ingenieur Tartrais entwickelt wurde. Das Blech wird zu diesem Zweck zu einem Zylindermantel gerollt, über einen Führungsdorn gespannt und so stramm eingepresst, dass sich die Stossfuge völlig dicht schliesst und nach dem Honen überhaupt nicht mehr festzustellen ist. Das hierzu verwendete Stahlblech wird nach einem Spezialverfahren auf 700 Brinelleinheiten gehärtet! Abgesehen von den ausgezeichneten Werkstoffeigenheiten solcher Buchsen liegt ihr grösster Vorteil wohl darin, dass bei auftretendem Verschleiss nicht der teure Zylinderblock, sondern eben die weitaus billigere Buchse ausgewechselt werden muss. In vielen Fällen, wo ein Ausschleifen des Blockes wegen der geringen Wandstärke überhaupt nicht mehr durchführbar ist, schafft die Buchse erst die weitere Verwendung und selbst bei einfachen Zylindereinheiten, bei denen der Preisunterschied zwischen Vollersatz und Buchse nur gering sein dürfte, wird der Vorteil der grösseren Verschleissfestigkeit überwiegen. Konnten zu Beginn der Entwicklung dieser Reparaturverfahren etwelche Zweifel aufkommen, ob bei starken Wärmespannungen im Block nach einiger Zeit ein Lockern derselben sicher zu vermeiden ist, so haben die Erfahrungen keinen Grund zu solchen Befürchtungen gegeben. Auch der Wärmeübergang zwischen Buchse und Zylinder erfolgt einwandfrei, so dass heute selbst hochbeanspruchte Motoren mit ausgebuchsten Zylindern störungsfrei arbeiten. Haben diese Zweifel tatsächlich eine Zeitlang die Einführung dieser Buchsen bemmen können, so haben sie doch auch ihr Gutes gehabt, indem sie zu einer Parallelentwicklung führten, die sich indes durchaus nicht auf die Wiederherstellung verschlissener Zylinderlauf bahnen beschränkt, sondern zur Behebung aller Verschloißsehäden geeignet ist: Die Spritzverstählung! Darüber berichtet im Maschinenschaden, Heft 8, W. P. Leonhardt/Berlin, sehr eingehend, so dass jenen Ausführungen zu- »ammengefasst Raum gegeben wird: Als Werkstoff dient Stahldraht, der entweder autogen oder mit Hilfe des Flamironbogens geschmolzen und durch Pressluft auf die Zylinderwand gespritzt wird. Das Stahlgut, das in beliebiger Stärke, vorteilhaft aber unter 1 mm aulgespritzt werden kann, sitzt unbedingt sicher fest und sichert ao einen guten Wärmeübergang. Von besonderer Bedeutung wird diese Eigenschaft da, wo das Stahlgut in den Leichtmetallzylinder eingespritzt wird. Versuchsergebnisse von neutraler Seite bastätigen, dass die verschiedene Wärmeausdehnung der beiden Werkstoffe die Haftung der Spritzschicht nicht ungünstig beeinflusst. Das einfache Verfahren hat zudem alle Vorteile der eingezogenen Buchsen, so hohe Verschleissfestigkeit und Einhalten des Originalmasses der Zylinderbohrung bei Erneuerung der Laufflächen. Dadurch vereinfacht sich auch die Lagerhaltung sehr wesentlich, da nur noch Kolben mit Nenndürchmesser benötigt werden. Darüber hinaus kann die Verstählung durch Ausspritzen eine wahrscheinlich noch bessere Wärmeleitung, die völlige Unmöglichkeit einer Lockerung und — was gleichmässiger Ueberzug zwangsläufig hergestellt werden kann. Eine derartige Vorrichtung kann mit bis zu sechs Spritzpistolen gleichzeitig ausgerüstet werden, was das Verstählen eines Sechszylinders in einem Arbeitsgange erlaubt. Es wurde bereits kurz erwähnt, dass die Spritz- Vorstählung in ihrer praktischen Verwendung nicht auf die Wiederherstellung von Zylinderlaufbahnen beschränkt ist, sondern dass sie sich ebenfalls zur Erneuerung aller Teile eignet, die an ihrer Oberfläche dem starken Verschleiss unterliegen. So können angefressene Wellen, trockengelaufene Achsschenkel wie auch ausgelaufene Kugellagersitze durch die aufgespritzte neue Tragfläche wieder ,als vollwertigen Ersatz in Betrieb genommen werden, wobei in vielen Gebrauchsfällen nicht einmal eine Vorbehandlung notwendig ist. Das Spritzgut wird einfach auf die alte Oberfläche gespritzt und hiernach auf Nennmass überschliffen. Es hat sich gezeigt, dass solche ausgespritzten Zylinderlaufbahnen eine Oberflächenhärte von 300 Brinelleinheiten und eine Druckfestigkeit von über 100 kg/qmm aufweisen. Das. Neuer Diebschutz. Das immer aktuelle Problem des Automobilschutzes gegen Diebstahl hat eine interessante neue Lösung mehr gefunden, die wir oben im Bild wiedergeben. Eine der Funktionen der Schutzvorrichtung besteht darin, das Alarmsignal ertönen zu lassen, sobald die Klinke des Handbremshebels zum Lösen der Bremse betätigt wird, wenn nicht vorher ein geheim angeordneter Kontakt unterbrochen wurde. Mit einem Schlüssel lässt sich eine Sperrvorrichtung unter der Bremshebelklinke so verriegeln, dass ausserdem ein Lösen der Handbremse verunmöglicht ist. Versucht man bei eingeschaltetem Kontakt in die Verriegelung einzugreifen, so tritt das Alarmsignal ebenfalls in Funktion. Ein ähnlich durchgebildetes Schloss kann schliesslich auch als Schutz gegen unbefugtes Oeffnen von Limousinentüren verwendet werden, wobei dann das Alarmhorn wiederum in Tätigkeit tritt, wenn ein unbefugter Eingriff erfolgt. Bei der Konstruktion wurde grosse Sorgfalt darauf verwendet, dass selbst ein geschulter Dieb den Schutz nicht aufheben kann. Alle wichtigen Kabelleitungen sind in Stahlrohren verlegt, und statt des üblichen Signalhorns wird eine besonderes Alarmhorn auf der Wagenunterseite eingebaut. -y- Die Anordnung der neuen Diebetahlssich«rnnren. VwsmU* *«i.^ No 94 nke Blegen vernickelter Teile. Vernickelte Teile, die man aus irgendeinem Grund anders formen will, dürfen dazu nicht ohne weiteres erhitzt werden. Durch die Erhitzung würde der Nickelüberzug oxydieren und ganz unansehnlich werden. Die Erhitzung des Stückes ist jedoch dann ohne Schaden für den Nickelüberzug durchführbar, wenn man die vernickelten Flächen vorher mit dickem Oel bestreicht. Dieses Oel wird dann in der Hitze zuerst verkohlt und bildet einen schützenden Beschlag, der den Sauerstoff von der Nickeloberfläche abhält. at. Vorsicht beim nächtlichen Ueberhoien! Es gibt kaum gefährlichere Manöver beim Autofahren als das Ueberholen bei Dunkelheit. Schon das « Vortasten » hinter dem Vordermann, um zu sehen, ob die Strasse frei ist, muss mit grösster Vorsicht geschehen, wenn man nicht unangenehme Ueberraschungen erleben will. Bemerkt man auf der Stra&se kurz vor dem Ueberholen irgendein entgegenkommendes Licht, so unterlasse man das Ueberholen unbedingt. Es ist nämlich so gut wie unmöglich, die Entfernung eines entgegenkommenden Lichtes auch nur annähernd richtig abzuschätzen und seine Geschwindigkeit zu beurteilen. Ein Fehler, der hierbei gemacht wird, kann schwere Folgen haben. Also warten, bis die Strasse zum Ueberholen völlig frei ist ! Altbewährtes Schweizer rabrikar sicher bis-20°G. gebrauchsfertig Tr.1.20 per Liter froftschutz aem Chem. Fabrik PARAA.G. Rapperswil, (Zeh.-See) TeleDhonU2 bei Reparaturen besonders wichtig ist — den erheblich geringeren Preis für sich in Anspruch neh- men. .Für die serienmässige Verstählung von Zylindern ist .eine automatische Verstählungsmaschine entwickelt worden, die der Spritzpistole eine horizontale wie vertikale Streubewegung erlaubt, so dass die gesamte Fläche der Zylinderbohrung einwandfrei bespritzt werden kann. Der Zerstäubungsstrahl des flüssigen Metalles wird durch eine rotierende Düse in radialer Richtung abgelenkt, damit ein gi Sie einen Wagen ausschreiben, eine Occasion kaufen, eine Stelle suchen, einen Chauffeur oder Mechaniker engagieren, eine Liegenschaft kaufen oder verkaufen wollen, dann füllen Sie nachstehenden Coupon aus. ———— Hier abtrennen —————- An die Administration der „Automobil-Revue 11 , Bern Nehmen Sie nachstehenden Text ein-, zwei-, dreimal (Nichtzutreffendes bitte streichen) in Ihrem Blatte auf. 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Bern, Dienstag, 20. November 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No.94 Anekdoten um „Hans Kleine Geschichten aus dem Leben Stucks. « Ich betrachte mich selbst! » Der silberne « Hans», der Weltrekordrennwagen von Hans Stuck wird zurzeit von der Auto-Union am Gapitol in Berlin ausgestellt. Dabei prangt ein Bild des Rennfahrers und die Tabellen seiner diesjährigen grossen Siege. Nun wollte sich einmal Hans Stuck die Meinung der Leute über einen Rennfahrer anhören. Er fuhr zum Capitol und mischte sich unter die Zuschauer. Aber sofort wurde er erkannt, und die Bewunderung und Autogrammjägerei der Jugend ging los. Damit war es also nichts. Am nächsten Tag fing es nun Hans Stuck schlauer an. Er hängte sich einen schwarzen Vollbart um, die Berliner sagen dazu «Biber », und ging wieder auf die Erkundigungsreise. So stand er mit dem Motto :• « Ich betrachte mich selbst» vor dem Schaufenster zwischen vielen andern und belauschte folgendes Gespräch. Ein junger Mann sagte zu seinem Nachbar : « Ooch, der Stuck, bei die Maschine fahre ick det doppelte. Der soll sich man nich so uffplustern mit di paar Rekorde. Det is janz leicht...» Da fiel der andere ein : < Wat du ? Jib man jarnich an. Dir wird ja schon in die Strassenbahn übel. Du willst besser fahren ? Du gehörst dafür von die Polizei einjesperrt...» In diesem Augenblick griff der b°bartete Hans Stuck in die erregte Debatte ein. Doch, Sie haben g-anz recht. Das ist ganz leicht. Der Stuck soll uns mal in der Maschine fahren lassen. Wie beide würden da glatt 500 Sachen fahren...» Das Hessen sich ietzt aber die Zuhörer nicht länger gefallen. Der populäre Fahrer sollte hier gelästert werden, das gaben die begeisterten Berliner nicht zu. Wütende Zurufe ertönten. « Lassen Sie sich man b'oss nicht Ihren Bart abreissen...» oder «Kiek doch, den lächerlichen Zwerg, der is wohl von jestern übrig jeblieben...» Ja, ein eifriges Mädchen musste auch ihrem Zorn Luft machen, und sie rief dazwischen : « Na, so ein dummer Biber ist mir noch nicht vorgekommen...» Da flüchtete Hans Stuck lachend in seinen Privatwagen, nahm den Bart ab und fuhr winkend davon. So verdutzte Oesichter hat der Vorübergehende lange nicht gesehen. Nun erkannten' alle den « dummen Biber ». Abergläubisch ? Ein Rennfahrer ist natürlich niclit abergläubisch. Auf keinen Fall. Ein Sportsmann, der im Zeitalter der Technik rasende Fahrten unternimmt, hat solche Schwächen nicht. Na ja, die Sache mit den geputzten Schuhen ist eben etwas anderes. Hans Stuck glaubt, dass er jedes Rennen verliert, wenn seine Schuhe geputzt worden sind. Zweimal sind sie in diesem Jahr zum Rennen geputzt worden, natürlich hat er beide Rennen verloren. d. h. er wurde « nur » Zweiter. Als er nach dem Rennen ausstieg, sah er seine Schuhe an und sagte nur: «Na. unser Mädchen kann sich freuen ! » — Seit dieser Zeit sucht Hans am Vorabend jedes Rennens einen sicheren Ort für seine Schuhe. Mal wird der Schrankkoffer verschlossen, eine andermal kommen die Schuhe in eine unbenutzte Kammer. Wehe, wer ihm noch einmal vorm Rennen die Schuhe putzt. Ja, die Zahlen sind auch ein besonderes Kapitel. Immer die 1 und die 0, sowie die Zahlen, die in der Quersumme zehn geben, bringen Glück. Aber es war auch wirklich immer so. Hat Hans Stuck die Zimmernummer 46, macht in der Quersumme zehn, und die Startnummer 1, die Boxnummer 28, dann hat er das Rennen schon vorher sicher gewonnen. Aberglaube ? — Um Gotteswillen. Angst ? Viele Menschen glauben, dass ein Rennfahrer in seinem rasenden Rekordwagen doch Angst haben musste. Das kommt niemals vor, aber etwas anderes kann passieren. Hans Stuck musste wegen eines Motordefektes in Spanien beim Rennen aufgeben. Nun lag er mitten auf der Strecke und wollte doch, gerne für Prinz Leiningen den Auto- Unionwagen weiter fahren. Wie aber zum Auswechselplatz kommen ? Er schrie nach einem Pferd. Endlich kam dafür ein Taxi angefahren. Stuck sprang hinein und gab sein Ziel an. Doch was geschah ? Wie ein Rasender sauste der Taxi los zum Startplatz, Hans Stuck fürchtete für den Wagen. Eine Weltrekordfahrt ist nichts gegen die Musterleistung jenes Taxichauffeurs gewesen, erklärte später Hans, er hätte in seinem Leben noch nie in einem Auto solche Angst gehabt, wie auf dieser Fahrt. Stuck kam zur, Zeit an und wechselte aus. Aber er gab zu : «In einem Rennen möchte ich diesen feurigen Taxichauffeur nicht als Gegner haben, da würden wir alle weit zurückbleiben... » Das silberne Thermometer. Im Hause Stuck hängt ein grosses Badethermometer, das bis 60 Qrad zeigt und neuerdings versilbert wurde. Damit hat es folgende Bewandnis. Beim Grossen Preis von Deutschland hatte Stuck zwei Minuten Vorsprung und hatte nur noch drei Runden zu fahren. Als er beim Auswechselplatz vorbeiraste, gab er dort das schlimmste Zeichen, das vereinbart worden war. Er zeigte mit den Daumen nach unten. Grosse Bestürzung im Stall der Auto-Union. Das hiess: « Ich gebe gleich auf, das Wasser kocht! » Dr. Porsche war entsetzt, das war ganz ausgeschlossen, vor zwei Runden war neues Wasser in den Kühler gekommen. Sollte Stuck jetzt im letzten Augenblick aufgeben? Kochte das Wasser wirklich, dann musste er es. Als er bei der nächsten Runde mit verbissenem Gesicht angerast kam, hielt man ihm am Stall eine schwarze Tafel raus: « Weiterfahren ! » Stuck raste. Die letzte Runde kam. Stucks Gesicht zeigte, soviel man vom Stall aus in dem Tempo erkennen konnte, « Ihr werdet's ja erleben. Es kann sich nur noch um Sekunden handeln, dann geht der Wagen in die Luft...» Doch er fuhr als Sieger durchs Ziel. Alles stürzte an den Wagen. Er war vollkommen in Ordnung. Doch Hans Stuck behauptete steif und fest, das Wasser habe gekocht. Endlich fand sich die Lösung. Das Wasserthermometer hatte sich bei der Rekordfahrt Dem bereits rühmend erwähnten «Bordbuch eines Verkehrsfliegers» von Walter Ackermann, der unsern Lesern kein Unbekannter ist, entnehmen wir zur Probe noch die folgende spannende Episode. (Verlag Fretz & Wasmuth AG., Zürich.) Es war im Juli. Am siebenten Tage, seit aus wolkenlosem Himmel eine weissglühende Sonne auf Mitteleuropa herunterbrannte. Eine halbe Stunde Dntergrundfahrt durch die ausgeglühten Steinschächte Berlins brachte mich auf den Flugplatz in Tempelhof. Es war Mittag. Ueber der weiten Rasenfläche des Flugfeldes lag ein Flimmern und "Wogen, das Platzende verschwamm in zitternden Wellen. Die letzte Wolkenfaser war vom Sonnenglast verzehrt. Die Winde schliefen. Müde klirrten die Werkzeuge in den groesen Flugzeughallen. Der Hallenchef winkte mich in seinen Glasverschlag und zeigte mir sein zerplatztes Thermometer. Wir sprachen davon, wie das nun eigentlich noch werden solle mit der Hitze in diesem Jahre. Ich drückte mich den Schatten entlang auf die Wetterwarte. Wahrscheinlich waren schon wieder Rekordtemperaturen registriert worden. Der Meteorologe vom Dienst sass mit aufgekrempelten Hemdärmeln vor seiner Uebersichtskarte. Er hatte Schweissperlen auf der Stirn, aber sonst sah er für die knallende Hitze sehr munter, sogar verdächtig munter aus. «Dicke Luft auf Ihrem Kurs», begrüsste er mich. Ich wusste genug. Einmal musste dieses Wetterchen ja umfallen. Wir beugten uns über die Wetterkarte, auf der die letzten Meldungen eingetragen waren. Im Westen war ein dicker grüner Streifen eingezeichnet, der sich in der Gegend des mitllnrcn Rheintales über eine Lange von zweihundert Kilometer hinzog. " «Es ist eine schwere Sache im Anrollen>, sagte der Wetterfrosch, während er mit dem Zeigefinger den grünen Schraffen entlangfuhr. «Hier hat die Front um elf Uhr gelegen. Sie zieht mit etwa fünfzig Stundenkilometer West-Ost. Die Stationen melden plötzlichen Druckfall und Böen bis zu 25 Meter pro Sekunde. Es ist eine Gewitterwalze von grösstem Format, mit viel Feuerwerk und allem, was dazu gehört.> Ich griff zum Telephon, verband mit der Endbuchung und fragte, was für die Expreßstrecke gemeldet sei. Strecke 12 habe keine Passagiere, hiess es, nur etwa 70 kg Post und 50 kg Fracht. Keine Passagiere — das war wichtig, danach richtete sich mein Kampfplan. Also keine Zwischenlandung. Kein zeitfressendes Abwarten am Boden! Zuendeführung des Kurses! Die Walze wird zuerst einmal angeflogen und dann zugesehen, was sich tun lässt! Unseren Berechnungen nach musste die Front in etwa drei Stunden westlich vom Thüringerwald stehen. Um diese Zeit würde ich das Gebirge gerade hinter mir haben, und durch Ausbiegen nach Osten sollte es möglich sein, in flacherem Gelände die seitlichen Ausläufer der Walze zu durchfliegen. Schlimmstenfalls würde ich ja immer noch die Möglichkeit haben, umzudrehen, vor der Front davonzulaufen und mich auf dem nächsten Zwischenlandeplatz hinzusetzen. So dachte ich mir das wenigstens. Versuchen könne ich es ja, meinte der Meteorologe, aber ich müsse mich beeilen, damit ich vor der Gewitterfront über den Thüringerwald hinwegkomme. Denn, wenn diese Walze erst einmal auf das Mittelgebirge krache, gelöst und zeigte nicht etwa die Wassertemperatur an, sondern die Motorhitze. Und das war weitaus mehr als 100 Grad. Zur Belohnung schenkte man ihm das Badethermometer, Hess es versilbern und grub folgenden Spruch ein : « Es zeigt nicht über 60 Grad — auch wenn es noch so heiss — und kocht das Hänschen nicht privat — kocht nichts beim Grossen Preis ! H. K. S. 99 Gewitter aus Westen!" Von Walter Ackermann. würde die Hölle los und kein Umfliegen mehr möglich sein. «Es scheint ein unheimliches Ding zu sein, was da anrollt.> Und noch einmal beugten wir uns tief über die Wetterkarte und starrten auf die grünen Schraffen, auf die vielen gezackten Pfeile, auf die kleinen Windßtriche, die alle wie winzige, flatternde Fähnchen nach Westen zeigten Es ging sich wie auf Filzsohlen auf der glühheissen, weichgekochten Teerung vor den Flugzeughallen. Schweisstriefende Monteure verluden Postsäcke und Frachtstücke in meine Maschine. Ich stieg in den Führersitz. Draussen öffnete einer den Hahn der angeschlossenen Pressluftflasche, der Propeller machte zwei zischende Umdrehungen, und polternd sprang der vierhundertpferdige Motor an. Der Flugleiter gab das Startzeichen. Ich schob den Gashebel nach vorn. Aber die Maschine rührte sich nicht von der Stelle. Sie krallte sich am Boden fest, als ängstige sie sich vor der Ferne, als wittere sie unbekannte Gefahr. Ich musste fasst Vollgas geben, bis sich die festklebenden Räder vom weichen Teer losrissen. Dann sauste die Maschine über steinharten, ausgedörrten Rasen. Schwer nur Hess sie sich abheben, mühsam arbeitete sie sich in der schlecht tragenden Luft an Fabrikschloten und Kirchtürmen vorbei über dem Häusermeer hoch. Ich musste rasch Höhe gewinnen, damit der Motor in der Gluthitze über dem Boden nicht zu kochen begann. Wenige Minuten nach dem Start hatte ich schon 70 Grad auf dem Kühlwasser. Hart schlugen die Sonnenböen von unten herauf. Ich hing über den südwestlichen Vororten Berlins, überflog Kanäle, Eisenbahnlinien, Gärten und Villenquartiere. Der Wannsee war von Hunderten weisser Nußschalen wie von Papierschnitzeln bestreut, am Strand lagen die Menschen zu Tausenden, wie Maden auf gelbem Sand. Mein Wasserthermometer kletterte unaufhörlich. Ich war noch keine 1000 Meter hoch, als es schon 85 Grad zeigte. Die Aussentemperatur hatte noch kaum abgenommen. Der Oeldruck sank, das siedende Oel rann wie Wasser durch die metallenen Gedärme des Motors. Heiss und stickig schlugen die Auspuffgase in den Führersitz. Unter mir dehnte sich in flirrendem Sonnenglast eine Ebene, die sich am Horizont in Schalter mit 4-5facher Wärme-Regulierung Beachten Sie diesen grossen Vorteil beim Heizkissen und wählen Sie nur Marke SOLIS Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) Da er nicht, wie erwartet, aus der Tür seiner Hütte kam, sondern mit seinen lautlosen Schritten um die Ecke des Hauses herum unter sie trat, wich das Mädchen mit einem leisen Schrei vor der grauen Gestalt zur Seite, die unheimlich aus der unheimlichen Erde mit einem Male da war. «Habt nicht Angst», sagte er, «ich war bei der Ziege... sie war im frischen Klee.» «Ja», sagte der Schneider, «hier ist also der Glatzkopf. Sieh dir mal seine Nase an. Er will zum Vetter im Wald. Er wird gleich .Bruder' zu dir sagen. Und ausserdem hat er eine Tochter, die lacht, wenn der Tod ihr im Genick sitzt. Du wirst sie mal hinbringen zu ihrem .Vetter'. Aber zuerst will ich rüber zu den Fröschen.» Jürgen sah still von einem zum andern, nur an dem Mädchen sah er vorbei. «Wo ist es?» fragte er GrotJohann. «Ich werde ihn übersetzen», entschied er dann. «Setzt euch ein bisschen an den Herd solange.» . Sie sahen ihm nach, wie er den Kahn durch die Strömung stiess. Das Wasser war weisslich und blind, wo die Milchstrasse sich spiegelte. Nur die Ränder lagen schwarz zu beiden Seiten. Die jungen Birken rochen betäubend, und alles sah aus, als habe noch nie eines Menschen Stimme von Ufer zu Ufer gerufen. «Es ist wie in Amerika», sagte Grotjohann nachdenklich. Als Jürgen wiederkam, war die Tür der Hütte offen, und er ging schnell zum Ziegenstall, um noch einmal nach dem kranken Tier zu sehen, bevor er die lange Fahrt begann. «Es geht ihr besser», sagte die dunkle Stimme des Mädchens, «ich denke, dass du ruhig sein kannst.» Sie kniete neben dem Tier nieder und wendete ihren Kopf über die Schulter zu ihm hinauf. Er sah, dass sie etwas frisches Laub gepflückt hatte und dass das Tier die Blätter aus ihrer Hand frass. «Eine gesegnete Hand hast du», erwiderte er und musste inmitten des Satzes lauter sprechen, damit seine Stimme nicht zitterte. «Drei Stunden habe ich mich gequält, und nun kommst du und alles ist gut.» «Es liegt nicht an meiner Hand... du hattest sie eben schon durchgebracht.» «Aber nicht jeder wäre gleich in den Stall gegangen... und müde bist du ja auch...» Sie beugte sich wieder über das Tier, streichelte einmal über das feuchte Fell und stand dann auf. Er trat schnell zurück und schloss dann umständlich die Stalltür. Aber einmal musste er sich doch umdrehen. Der Himmel war schon rötlich über dem Walde, und er fühlte, dass das Licht schonungslos in sein Gesicht fiel. Auch konnte er nicht vermeiden, dass sie ihn ruhig und prüfend ansah. «Zum Besuch geht ihr?» fragte er, das Band an seinem Kahnschlüssel ohne Not aufbindend. «Er hat euch nicht gut geführt... ich meine... für euch... er hatte nur gedacht, nach Hause zu kommen ...» Er verstummte in ihrem Lächeln. «Gut hat er uns geführt», erwiderte sie nach einem spielerischen Schweigen lächelnd. «Nein, es ist kein richtiger Besuch, nach Amerika gehen wir...» Nun sah er sie an, und in seinen schweren müden Tieraugen lag der Schreck eines Kindes, dem ein Spielzeug über den Bootsrand fällt. Sie sah zur Seite, über das Wasser hin, auf dem die ersten Vogelstimmen erwachten. Es sah aus, als stehe sie schon an Bord eines Schiffes. «Ja... Mormonen sind wir», fügte sie hinzu. «Das ist ein Glaube?» fragte er bedrückt. «Ja...» ' Als sie in die Hütte traten, schrak der Kätner aus dem ersten Schlaf empor. «Im Walde, Bruder...», murmelte er, «mehr nach Osten...» «Ihr könntet erst schlafen», sagte Jürgen. «Es ist nicht gut auf dem Wasser ietzt. Der Nebel ist noch da. Ich bringe euch dann hin.> Sie nahmen es beide dankbar an, und Jürgen schüttete noch ein Lager neben dem Herde für Grotjohann auf. Er schlief schon, als Jürgen sich noch einmal umsah, ob nichts vergessen sei. «Und du?» fragte das Mädchen. «0... ich habe viel Platz nebenan... und ich schlafe nicht viel. Decke dich gut zu und ruhe deine Füsse aus.» «Ganz allein lebst du?» fragte sie und legte das Kopftuch ab. «Ja... aber es macht nichts aus., auch im Walde leben sie allein.» Dann ging er leise hinaus. Das Wasser schimmerte schon rötlich, und die Taucher riefen hell und durchdringend stromauf im See. Ein warmer Tag würde es werden, und das Heu konnte hereingebracht werden. .Amerika ...', dachte er, ,das ist hinter der Welt...'. Er ging noch einmal in den Stall, legte die Hand auf das Fell des Tieres, das nun trocken und warm war, und schlief dann zwei Stunden im Schuppen. Als er die Decke näher heranzog, fühlte er einen Hobelspan zwischen seinen Fingern. ,Sie war nicht da', dachte er noch, .neben dem Herd... und nun schläft er da, der Mormone... vielleicht wird es nun gut sein...' (Fortsetzung folgt.)