Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1934_Zeitung_Nr.094

E_1934_Zeitung_Nr.094

äunlichem Dunst verlor.

äunlichem Dunst verlor. Gelbgebrannte Felder und blassgrüne Wiesen wechselten mit grossen, schwarzen Waldflecken. Matt schimmerte da und dort ein See oder ein Flussband herauf. In zweitausend Metern kam ich endlich über die Dunstsohicht hinaus. Die Luft hatte in dieser Höhe noch eine Temperatur von 25 Grad. Doch konnte sich der heisse Motor jetzt etwas erholen. Die Luft wurde ruhiger. Und der bis jetzt graublaue Himmel wurde tiefblau. Weithin breitete sich die flache Erde unter mir. Kein Lüftchen war mehr am Steuer zu spüren. So weit das Auge reichte, war kein Wölkchen- zu sehen. Wieder wölbte sich über mir dieselbe glasklare Himmelskuppel, die sich nun schon den siebenten Tag über Mitteleuropa spannte. Man konnte es sich nicht vorstellen, dass es da irgendwo im Westen anders sein sollte. Es schien unwahrscheinlich, dase es nachtschwarze Wolkentürme geben sollte, die wie Trommelfeuer heranwüteten. Nach einer Stunde war ich über Leipzig, hatte einen Viertel der Strecke hinter mir. Das Gelände begann anzusteigen, wurde unregelmässig und hökkerig. Am Horizont tauchten die schwarzen Kämme des Thüringerwaldes auf. In drei Viertelstunden würde ich darüber hinweg sein. Noch wölbte sich über mir die glasklare Kuppel, noch war nirgends die Spur einer Wolke zu sehen Ich dachte mir, dass die sagenhafte Gewitterfront weit im Westen stehengeblieben war, dass sie sich wahrscheinlich zu Tode gelaufen und in kleine, harmlose Kracher aufgelöst hatte. Minute um Minute tickte ab. Zweitausendfünfhundert Meter hoch zog meine Maschine über in Sonnenbrand flirrendem Land unbehindert ihre gleichmässige Bahn nach Südwesten. Der Baldachin der Tragfläche schirmte den Pilotensitz ab* unsichtbar stand der Sonnenball über mir. Der Horizont versank im Dunst Langsam, ereignislos sank die Zeit in das Dröhnen des Motors. Plötzlich wurde ich aufmerksam. Ich wusste im Augenblick nicht, durch was, und erst nach einer Weile merkte ich, dass es am Licht lag. Die Sonne schien anders zu gleissen. Der Dunst über den Gebirgszügen vor mir wurde stärker, wuchs, verdichtete sich zu Schatten. N'ach sieben Tagen in wolkenlosem Sonnenglast war da urplötzlich wieder einmal Schatten, ungewohnter, unheimlicher Schatten. Er war da, stieg von einem Augenblick zum andern hinter den Kämmen der Waldgebirge hervor. Noch waren es nur Schatten — doch sie wuchsen und wuchsen — schlössen schon den ganzen westlichen Horizont ab. Ungreifbar, nur ein Zeichen, dass dort hinter jenen Kämmen etwas anders war, dass dort etwas geschah. • Das also schien sie zu sein, die Gewitterfront. Wenn sie jetzt schon vor dem Gebirge lag, musste sie viel schneller /iehnn, als wir uns das in Berlin gedacht hatten. Doch lag links von mir offenes, sonnenbestrahltes Gelände, noch war der Weg nach Osten frei. Ich drehte von meinem südwestlichen Kurs nach Süden ab. Vielleicht gelang es mir noch, über die flacheren östlichen Kämme hinwegzukommen, bevor sie unter Trommelfeuer lagen. Der Schatten mir zur Seite wurde zur Wand, und die Wand zur Wolkonmauer. die hoch über mich hinauswuchs. Schwarzgraue Walzen, Ballen und Türme schoben sich übereinander, bäumten sich über den Gebirgskämmen auf. bis zu drei- bis viertausend Meter. Ich mueste aus meiner Höhe herunter, musste versuchen, dicht über dem Boden die östlichen Ausläufer der Walze zu durchstossen. An ein Umfliegen war nicht zu denken, schon hatte ich südöstlichen Kurs, und immer noch stand mir die himmelhohe Wand zur Seite, rücke näher, schob sich vor meinen Augen mir über den Weg. Nur noch schräg hinter mir war ein Streifen offener Himmel.. Wie unter Scheinwerferbeleuchtung lag das Stück Land dort im Sonnenlicht. Auf Halbgas pfiff ich abwärts, dem bleifarbenen Boden zu. Die Luft war unbewegt und tot. Noch spürte ich am Steuer keinen Hauch von der dicht vor mir liegenden Front In der Wolkenwand sah ich die ersten Strahlen zucken. Wie aufblitzende Blattrippen durchjagten sie das Grau. Ich war jetzt nur noch wenige hundert Meter hoch. Da sprangen mich jäh die ersten wilden Böen an. Es beginnt. Auf den Strassen fegen gelbe Staubschlangen heran, die Baumwipfel legpn sirh um und biegen sir.h mir Pnt?egfn. Ich sah inmitten einer flachen Einsattelung die Häuserreihen wusste. dass westlich davon der winzige Flugplatz einer lokalen Luftverkehrslinie las. Ich strich tief darüber hinwog, wollte mir für alle Fälle seine genaue Lage einnrägen. Der pralle Windsack stanJ wagrecht am Mast. Aus dem hölzernen Schuppen rannten Monteure, die eilig versuchten, ein Landekreuz auszulegen. Aber ich dachte nicht an eine Landung. Ich hatte ja kpine Passagiere an Bord, hatte keine Verantwortung für andere. Und von Gewittern wusste ich damals noch sehr wenig. Ich hatte mich bis ietzt erst mit etwa zwei Dutzend grösseren und kleineren Sachen herumgeschlagen. Ich sah eine Einbuchtung in dem flascbenfarbenen Wolkenwust, vermutete eine Bresche und steuerte darauf zu. Schwarze Walrlkämme lagen vor mir Eine Regenwand stand dahinter, die aussah, als fiele schwarzer Sand aus den Wolken. Die Blitze jagten einander jetzt. Ich stemmte mich auf dem Seitensteuer hoch und visierte über den Windschutz hinweg. Ein plötzlicher Schmerz Hess mich den Kopf ducken. Es war, als wäre mir eine Handvoll feiner Kies ins Gesicht geschleudert worden. Ich war im ersten Regenschleier. Dann kamen Böen, die mich vom Sitz hochrissen und die metallenen Flügel erzittern Hessen. Das war mir nichts Neues. Als ich aber durch das Brüllen des vierhundertpferdigen Motors die Donnerschläge krachen hörte, wurde ich stutzig. Und als links und rechts von mir Kugelblitze wie Feue- Michael Davis — der Rätselvater Zehn Jahre Kreuzworträtsel. Still und im Rahmen des ihm zukommenden Platzes in der «Morning Post» hat man vor einigen Tagen den 10jährigen Geburtstag des Kreuzworträtsels gefeiert, indem man das erste Kreuzworträtsel der Welt nochmals den Lesern zur Lösung vorsetzte. werkraketen hochschössen, wusste ich plötzlich, dass ich da an eine Sache geraten war, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Und jetzt ging alles sehr schnell. Ich wollte heraus — musste zurück. Ich rise die Verwindung herum und trat mit voller Wucht ins Seitensteuer. Aber da war mit einemmal rund um mich her Finsternis. Tobende, wasserspeiende Finsternis, die von zuckenden Lichtschlägen durchblendet wurde. Es kamen Böenstösse, die so stark waren, dass sie mir für Sekunden die Maschine aus der Hand rissen und sie steuerlos hin und her warfen. Das Brüllen des Motors ging in ein wildes Rohren über, das manchmal plötzlich abriss, wenn die unheimlichen Schläge die Leitungen durchzitterten. An das, was nun folgte, kann ich mich nicht genau erinnern. Ich weiss auch nicht, ob es drei oder sechs Minuten gedauert hat. Ich weiss nur noch, dass jetzt ein wüstes Kurven losging, ein verzweifeltes Hakenschlagen vor sekundenschnell in Regenfluten auftauchenden Hängen. .Fallböen liessen mich in Bodennähe sacken und gleich darauf warfen mich wütende Stösse in Wolkenfetzen. Ich drehte zwischen Waldhängen im Kreise, riss die Maschine über Baumwipfeln hoch, sprang dicht über Kämme hinweg. Bis zwischen Wolkenblei und Regenfluten die Sicht um ein Winziges besser wurde. Bis der Soden ebener wurde und ich über Felder kam. Hausdächer, Strassenzüge tauchten unter mir auf. Es war die Stadt. Die Stadt mit dem Flugplatz im Westen. Ich drehte bei und flog dicht über dem Boden in Richtung des Platzes. Ich suchte im Kreiee, hatte ihn verpasst. Vor schwarzen Waldkämmen musste ich wieder kehrtmachen. In flutendem Regen sah ich nur ein paar hundert Meter weit. Ich flog zurück, bis ich wieder über Hausdächern war, nahm nochmals Richtung. Nach zwei Minuten sah ich schräg vor mir die Holzschuppen. Als ich in einer Kurve gegen den Wind beidrehte, waren sie schon wieder fast im Regen verschwunden. In unbändigen Sätzen sprang die Maschine über den kleinen Platz, blieb dicht vor einem Waldrand, im Winde sehwankend stehen. Dann hörte ich nur noch heulenden Wind, polternden Donner und Regengeprassel auf dem Tragdeck. Nach einer Stunde war ich wieder in einem gelben Himmel unterwegs. Manchmal überflog ich hochflutende, weißschäumende Wildbäche und Stellen verwüsteten, zerknickten Waldes. Spät in der Dämmerung fassten die Räder den Rasen des Endflughafens. Am nächsten Mittag war ich wieder in Berlin. Man kann sich denken, dass diese das Rätsel nicht so flüchtig im Cafe oder vor dem Arbeitsbeginn, sondern wohl still zu Hause bei einer guten Tasse Kaffee gelöst haben, und somit dem Kreuzworträtsel und seinem Erfinder alle Ehre antaten. Michael Davis — so verrät die «B.Z.» — heisst der Rätselvater. Er teilt das Schick- Worten herumgeschlagen, so unterrichtete ihn Michael Davis über 4680 wissenswerte sal aller Erfinder: man vergisst sie, manThemen, die mit den gesuchten Namen verbunden waren, seien sie nun geographischer, kennt sie nicht. So ist es an der Zeit, jetzt nach zehn Jahren unentwegten LÖsens. diesem Wohltäter der Menschheit einen Ruhcher Art. Man wird einem solchen Men- politischer, philosophischer oder sonst welmeskranz zu flechten. Denn : was Michael schen dann nicht absprechen können, dass Davis für den gesamten Erdball tat, wird er nunmehr über einen hohen Grad, von Allgemeinbildung verfügt. Und an diesem Men- ihm selbst wohl auch bis zu einem gewissen Grade vprbortren eeb'ieben sein schen ist es, Michael Davis zum 10jährigen Gewiss, man löste schon früher Rätsel. Jubiläum seinen lauten oder stillen Dank abzustatten. Aber mit dem Kreuzworträtsel wurde eine gewisse Industrie geschaffen. Man braucht zur Schaffung dieser Rätselform nicht die Anmut der Poesie einzubeziehen. sondern man schafft nach graphischen Richtlinien und einem grossen Lexikon. Man hat sich nur die Mühe zu machen und die Mühe wird belohnt. Denn die Menschheit wird anscheinend dieser Art des Rätse'lösens nicht müde. Wenn solch eine Beschäftigungsart zehn Jahre überdauert, so kann man ja nicht mehr von einer Modeerscheinunor sprechen. Vielmehr bereitet es dem Menschen immer unt°n nach oben gelesen » — als richtig bestqfM wird. 7udem ist das Kreuzworträtsel zum Prüfstein der besseren Schu'bi'flung geworden. Der Mangel an Kenntnis, welcher F'u^name mit « s » anfängt, e'n « r » in der Mitte hat und mit «e» aufhört kann in gewissen kreuzwort-gewitzten Kreisen ein Achselzucken und berechtisrten Zweifel an der gesellschaftlichen Bildungsstufe aufkommen lassen. Degustez l'aperitif AUTOMOBIL-REVUE 1934 - Anderseits ist man Michael Davis indirekt zu Dank verpflichtet, wenn man durch das Fabrikat eines seiner Filialunternehmer erfährt, dass die Alanen ein sarmatisches Reitervolk sind, was einen wieder dazu animiert, unter « s » festzustellen, dass Samara als Stadt an der Wolga liegt. Dass anderseits Antisthenes der Begründer der Kynischen Schule war, trägt natürlich auch zur Bereicherung des Allgemeinwissens bei. Angenommen, ein durchschnittlicher Rätsellöser löst pro Woche drei Kreuzworträtsel, so sind das 156 Rätsel im Jahr. Zehn Jahre besteht ietzt die Kreuzwortsitte, so dass er also 1560 Rätsel gelöst hat. Nimmt man ferner an, er hat sich, damit das Rätsel aufgeht, mit je drei bis dahin unbekannten Der Tagesfilm Nadelstiche in die Nase der Statue des Hei. Hgcn Guirec. Der Heilige Guirec gilt in der Bretagne als ein Beschützer und Helfer der Liebenden. Wenn ein Mädchen inbrünstig zu ihm betet und — nach alter Tradition — mit einer Nadel in die Nase sedner Statue sticht, so erhört er ihre Wünsche und hilft ihr, einen Ehegefährten zu finden. Dieser Nadel-Brauch wieder sichtliche«; Vergnügen, durch die unlösbaren Rätsel des Leben«; gemartert und an die Symbolkraft der Nadel. ist wohl eine Abart des alten Volksglaubens enttäuscht hier^twas vorzufinden, was un- gelöst werden kann und auch noch von Ploumanach, in dem die Legenden die- Die bretonischen Mädchen des Gebietes einer kloinen Stadt vor mir. Ichbedingt donrjelt — « von oben nach unten und vonses uralten Granitlandes ihre Kraft unvermindert erhalten haben, scheinen dem Heiligen Guirec besonders zugetan zu sein. Sie haben so häufig und ausgiebig die Nase des steinernen Standbildes ihres Heiligen gestochen, dass von ihr nicht mehr viel übrig geblieben ist. Das Gesicht des Heiligen Guirec ist entstellt und seine Statue muss eine neue Nase erhalten. Das ist aber nicht das erstemal in der Geschichte des Heiligen. Zuerst hatte er nur ein Holzstandbild in Ploumanach. «Das Fähnlein der sieben Aufrechten». Gottfried Kellers berühmte gleichnamige Erzählung wird zur Zeit verfilmt. Unter der Reaie yon Frank Wysbar wurden in Freiburg anlässlich des eidg. Schützenfestes und später in der Umgebung von Rapperswil die Aussenaufnahmen gedreht. Zur Zeit wird noch im Atelier gearbeitet. Der Film hat folgende Besetzung: Heinrich George, Karin Hardt, Albert Lieven, Paul Henckels, Lotte Spira, Franziska Kinz und Käthe Haack. «30 Jahre Weltgeschichte». Die Fox-Film hat ein neues Filmwerk fertiggestellt: «30 Jahre Weltgeschichte». Der Film erweckt die verlaufene Spanne Zeit von der Jahrhundertwende bis zum heutigen Tage nochmals zum Leben. Ein Zeitalter sieht darin sein Schicksal in VA Stunden vorüberrasen. Die Zusammenstellung besorgte Laurence Stallings. Sprecher ist Carl de Vogt. «Der Kosak und die Nachtigall». Jarmila Novotna wurde für die Hauptrolle in der Verfilmung des bekannten Romanes «Der Kosak und die Nachtigall> verpflichtet. Mit den Aufnahmen dieses musikalischen Grossfilmes wird noch in diesem Monat unter der Regie von Johannes Meyer in Griechenland und Aegypten besonnen. In die weiteren Hauptrollen teilen sich Ivan Petrovich, Hans Moser und Gerda Maurus. «Vorstadt — Variete». Der talentierte Regisseur des erstklassigen Titas eMorgen beginnt das Leben», der damit einen interessanten neuen stilistischen Versuch wagte, Werner Hochbaum, dreht zur Zeit in Wien das Werk «Vorstadt — Variete«. In Hauptrollen spielen Luise Ullrich, Mathias Wiemann, Oskar 3ima und Hans Moser. «La Paloma». Die Regie des Sänger-Filmes «La Paloma > hatte Karl Heinz Martin inne; die Mueik schrieb Willy Meisel. Als Hauptdarsteller figurieren Jesey Viehrog, Leo Slezak, Fritz Kampers und Charles Kullmann. Das Holz leistete aber den Nadeln der bretonischen Mädchen nur geringen Widerstand, und so musste sich die Kirchenbehörde entschliessen, dje alte hölzerne Statue des Heiligen Guirec durch ein Standbild«, aus Granit zu ersetzen. Das war zwar weniger empfindlich, aber auf die Dauer konnte auch der Granit nicht 300,000 Nadelstichen im Jahre standhalten. Von der Nase blieben nur fünf tiefe Löcher übrig. Manche reizenden und rührenden Legenden über den Heiligen Guirec gehen in der Bretagne um. Von ihm sollen auch die drei folgenden Gebote zur weiblichen Vollkommenheit stammen: «Ein gutes Weib» — sagt das erste — «soll einer Schnecke gleichen, die niemals ihr Haus verlässt. Nur darin darf sie sich von der Schnecke unterscheiden, dass sie niemals alles, was sie besitzt, auf ihrem Rücken trägt.» Das zweite dieser Gebote lautet: «Ein gutes Weib soll einem Echo gleichen, das niemals spricht, bevor es angesprochen wird. Nur darin soll sie sich vom Echo unterscheiden, dass sie niemals, wie jenes, das letzte Wort haben will.» Und das dritte Gebot ist: «Ein gutes Weib soll pünktlich sejn wie die Uhr eines Kirchturms. Nur darin muss sie sich von der Uhr des Kirch' turms unterscheiden, dass man nicht ihrt Stimme über das ganze Dorf hinhöre!» Wenn ein Mädchen nach diesen Geboten lebt und zu Saint-Guirec betet, so wird er — wie die Bretonen glauben — ihr helfen, bis zum nächsten Jahre einen Ehegatten zu finden.

No 94 - 1934 HDU DE EDIEEJQ Die Statistik kümmert sich auch um die Mode. In Paris ermittelte man die Zahl der jeweils vor der Saisonwende gezeigten Modelle. Es sind mehrere Tausend gewesen, die vor Wochen über die kleinen Bühnen der grossen Salons strömten. Wie abwechslungsreich die Vorschläge zur Kleiderwandlung sind, beweisen die krassen Gegensätze verschiedener Details, die auch statistisch erfasst wurden. Ein mondänes Kleid misst an seiner Saumkante elf Meter und erreicht mit diesem Ueberfluss an Stoff die gewagtesten Tanzkostüme der Jahrhundertwende. Ein anderes Kleid misst nur wenige Zentimeter mehr als einen einzigen Meter und verurteilt seine Trägerin zu winzigen, zimperlichen Humpelschritten. Ihre Trägerin? Nein, nur den schlanken Mannequin, dessen Beruf es ist, alle Exzentrizitäten der Mode im Rahmen der Arbeitsstunden hinzunehmen. Die moderne Frau findet keinen Geschmack an diesem engen Röckchen, das ihre Bewegungsfreiheit hindert. Sie weiss mit diesen ebenso reizenden wie törichten und lebensunfähigen Modevorschlägen nichts anzufangen, und lehnt ab, was sie nicht aus ehrlichem Herzen akzeptieren will. Sie korrigiert die Mode. Sie will den flachen, kaum zwei Zentimeter hohen Hut nicht mühsam mit der Hand halten müssen, wenn es windig ist. Darum lässt sie ihn mit einem Gummiband an ihrem Kopf befestigen. Der höchste Hut soll einen Viertelmeter Höhe haben. Mit diesem Hut kann man jedoch nicht ins kleine zweisitzige Sportauto einsteigen ; kaum kommt man in die Limousine mit ihrer breiten Tür hinein. Man kneift es also ein, drückt es niedriger zusammen und hat wieder einmal mit der Modekorrektur selbst Mode geschaffen. «Sportliche Aermel für den Jumper», lautet das traditionelle Gesetz. Wenn aber eine Frau in den weiten, bis zur Taille reichenden Aermelansätzen besonders vorteilhaft und hübsch aussieht, dann wird eben auch der Strickpullover solche Aermel bekommen. Dadurch avanciert er zur Nachmittagsbluse und bringt die vorteilhafte Kimonolinie mit, die mancher Frauentyp favorisiert, solange sie modern ist. Wo aber sind die lila Kleider hingeraten? Bei den Moderevuen des Spätsommers, die ja die eigentliche Herbst- und Wintermode vorstellen, waren sie in ziemlich grosser Zahl zu sehen. Lila, in Japan die ausgesprochene Jungmädchenfarbe, bei uns in den letzten Jahrzehnten die /C&IOJ Korrigierte Mode-Exzesse Farbe der älteren, gealterten, schönen Frauen, die trotz der Summe der Lenze, die sie nicht mehr ableugnen können, doch nicht ganz auf Farben verzichten wollten... Lila, früher, abwechselnd mM Grau und Schwarz- Weiss, die Tönung der Halbtrauer, Lila, die Farbe des Flieders, der Veilchen, der Gloxynien und auch die Farbe der Festkleider, wie sie alte Damen trugen, wenn sie wohltätige Feste arrangierten und sich, Orden an der Brust, zu Empfängen begaben. Die jüngeren Jahrgänge spotteten über diese der Mode kerne Rechnung tragenden, bestickten, mit Flitter benähten «Prachtschabracken», wie. jene, die sie trugen, einst über den nickenden Veilchenstrauss auf dem Capothut der Grossmutter, auf dem Samtmuff der Grosstante gespottet hatten. Die moderne Frau korrigiert also die Mode — und lehnt Lila ab. Es bedeutet für sie noch zu sehr ein Privileg der alten Dame. Und obwohl die Vorschläge der Couturiers und Juweliere ganz auf starre Stoffe, auf glattflächige Goldspangen und Nadeln hinweisen, wendet sich die Frau, deren Eigenart zarte duftige Moden ersehnt, den Spitzenstoffen für Kleider, den feinen Mousselins für Wäschestücke und den blumenfarbigen, zartgefassten Schmuckstücken aus Edelsteinen und Halbedelsteinen zu. Ungeliebte Männer Der Pantoffelheld. Man sollte eigentlich meinen, dass die Frauen, die ihren Mann zum Pantoffelheld machen, diesen besonders lieben. Weil sich der Besitzwille in der Unterwerfung (die seitens des Mannes keineswegs etwa einetl masochistischen Charakter trägt, sondern ein Charakterfehler ist) so radikal äussert. Viele berühmte Männer sind Pantoffelhelden gewesen oder haben sich freiwillig dazu hergegeben. Sie liebten die Frau, aber die Frauen liebten im Grunde die Männer nicht. Oft unbewusst. Denn, kann eine Frau Achtung vor einem Manne haben, den sie demütigt ? Und wo keine Achtung ist, ist letzten Endes auch keine Liebe. Sondern nur Herrschsucht, Rachegefühl, Angst vor eige-\ AUTOMOBIL-REVUE 15 liehe Beziehung von Mann zu Frau oder von Frau zu Mann in dem Satz einfängt: Entweder du frisst mich oder ich fresse dich. Der Schwächling hält sich ausserhalb dieser Alternative. Er ist immer zur Verfügung, er mildert viele schwere Stunden, aber für die wirklich guten Stunden wird er abgehängt. Weil es in der Natur des Schwächlings liegt, dass er nichts ganz fordert, bekommt sein ganzes Wesen etwas Ungenügendes, Unzureichendes, Impotentes. Man kann den letzten Ausdruck ruhig übertragen auffassen: Der Schwächling wird von der Frau im letzten Grunde nicht geliebt, weil er sich im letzten Grunde eben nicht — traut. Die durch Frauen werden. Es gibt einen ganz bestimmten Typ von Männern, die, obwohl nicht unenergisch, aus eigener Kraft nichts erreichen. Sie attachieren sich infolgedessen an Frauen, die ihnen in echter Bindung kraft des persönlichen Einflusses, den sie durch Stellung, Geld oder Beziehung haben, von Nutzen sind. Hier ist nicht jener Typ gemeint, der einer Frau, die sich für ihn einsetzt, weil sie seine Fähigkeiten erkennt, alles verdankt. Nicht die Freundin eines Dichters oder Erfinders, die ihre letzte Kraft und ihren letzten Rappen für den Geliebten opfert, kommt hier in Frage. Gedacht ist an jene Männer im gesellschaftlichen Leben, die keine einmalige Beziehung zu Frauen haben, durch die sie werden, sondern deren Leben eine ganze Reihe solcher Beziehungen darstellt, so dass man an den Frauen deutlich die Stufenleiter der Karriere ablesen kann. Diese Männer gelten als Glückspilze der Liebe. Sie sind es mit nichten, denn auch sie sind im Grunde ungeliebte Männer. Weil eine Frau, die einen Mann liebt, der nicht aus eigener Kraft etwas wird, meist in diesem nur sich selbst verehrt, so dass für die schöpferische Liebe in solchen Beziehungen wenig übrig bleibt. Zudem sind es vielfach enttäuschte Frauen, die derartige Männer fördern. Ein Muttertrieb überkompensiert hier zum Teil den erotischen. Der Diktator. Man müsste eigentlich glauben, dass alle Ihn lieben. Wenn man schon sieht, wie bei einem kleinen Versammlungsredner die erotischen Funken unter den weiblichen Zuschauern zu stieben beginnen, um wieviel eher und widerstandsloser liegen die Frauen vor dem Diktator. Aus allen Städten und Stuben des Landes dampft ihm der Weihrauch, den ihm die weiblichen Verehrer anzünden, entgegen. Ganz abgesehen davon, dass sich die ganze unausgeschöpfte Liebe aller altgewordenen Jungfrauen in Träumen zu ihm hinergiesst, hat ihn die Stellung seiner Allmacht so erhöht, dass jede Frau schon ner Minderwertigkeit. Pantoffelhelden sind ungeliebte Männer. Der Schwächling. Der Schwächling ist eigentlich eine komische Figur. Komisch, wenn man die natüraus Eitelkeit sich gern an seiner Seite sehen lässt. Und trotzdem wird Jeder Diktatot noch seit je betrogen. Cäser ebenso wie Napoleon, Von den Zeitgenossen verbietet es der Takt zu sprechen. Aber Diktatoren müssen betrogen werden, denn sie sind naturgemäss meist so von ihrer eigenen Macht und ihrem Wert durchdrungen, dass die Frau nur ein zufälliges Dasein neben ihnen führt. Und dieses Gefühl kann keine Frau vertragen. Da geht sie fremd. Und sucht den, der sie schätzt und nicht nur als Brillant in der eigenen Gloriole benützt. Was aber die Haustyrannen, die Miniaturdiktatoren anlangt, so gilt von ihnen im umgekehrten Sinne dasselbe wie von den Pantoffelhelden : sie sind ungeliebte Männer, weil sie keine Achtung vor der Frau haben. Unsere neue Hilfsaktion Eine erste Spendeliste. Knappe 24 Stunden nach der Veröffentlichung unseres neuen Aufrufes zugunsten der notleidenden Bergbevölkerung sind auf unserer Redaktion schon die ersten Briefe und Pakete gebefreudiger Leser eingetroffen. Wir veröffentlichen untenstehend eine erste Aufstellung der bis Freitagabend eingegangenen Spenden; die Leser können daraus ersehen, dass auch diesmal die Aktion einen erfreulichen Auftakt genommen hat. Schon jetzt danken wir den hochherzigen Gebern im eigenen sowie im Namen der vielen notleidenden Landsleute, von denen täglich erschrekkendere Bittbriefe einlaufen. Kranke Väter und Mütter mit 10 und 12 Kindern bekennen uns, dass sie am Rande der Verzweiflung stehen und sich überhaupt nicht mehr zu helfen wissen. Es gibt Kinder, die für den Winter nicht einmal mehr ein Paar halbwegs guter Schuhe besitzen, 'trotzdem der Schulweg meistens sehr gross ist. Die verschiedensten Umstände wirken zusammen, um die Not geradezu unerträglich zu gestalten, und wenn es selbstverständlich auch das einzig Erstrebenswerte wäre, grundlegend dafür sorgen zu können, dass überhaupt niemand mehr Not zu leiden braucht, so tut doch im Augenblick rasche Hilfe gut. Und die besteht darin, dass man mitzuwirken versucht, Hunderten und Tausenden von notleidenden Bergfamiücn über einen schweren Winter hinwegzuhelfen. Darum richten wir an unsere Leser nochmals die höfliche Bitte, uns in unserer Aktion zu unterstützen und Umschau nach brauchbaren Kleidungsstücken, Schuhen und Wäsche zu halten und uns entweder auch Lebensmittel und Geld zur Verfügung zu stellen oder von uns Bittbriefe zu verlangen, die dann von Seiten unserer Leser aus direkt erledigt werden können. An Sendungen sind uns bis Freitag, den 16. November zugegangen: wie vorteilhaft Pelz Sie kleidet. Möchten Sie nicht einmal so ganz nach Herzenslust Pelzjacken, Mäntel, Colliers usw. probieren und sich erfreuen ? Wir geben Ihnen gerne Gelegenheit dazu ; kommen Sie ungeniert, denn Dienst am Kunden ist unsere Geschäftsdevise. Uns aber wird es freuen, wenn Sie dabei die Überzeugung gewinnen, dass wir höchsten Ansprüchen zu entsprechen vermögen. IhrBesuch wird unsjederzeitwillkommen sein. Beim Einkauf Ihrer Aussteuer und zum Ergänzen Ihrer Bett-, Tisoh- und Küchenwäsche verlangen Sie im Detailgeschäft W & S Leinen, die Ware ist mit obiger Schutzmarke bezeichnet Fabrikanten: Worb * Soheitlin A.-Q.. Burgdorf Entzückende Wasserwellen formt die Eta-Kappe ohne fremde Hilfe. Die Frisur wird täglich schöner und verjüngt Ihr Aussehen. Angeben ob für Scheitel- oder Querwellen. Reklamepreis der Eta-Kappe einschliesslich Wellenleger Fr. 3.90 per Nachnahme durch Eta-Versand, Äugst 30 (Baselland). zuverlässig -angenehm - unschädlich Verkauf in Apotheken. Prospekt-Versand durch die Genera Wer tretung für die Schweiz: Hempel, Bachtobeistrasse 53, Zürich Telephon 72.527 F. Spiizbarlh-Grieb. zoricii 8 f-eld«ggstrasse 58 — Telephon 27.464 SILBERSCHMIED Ach, wie sehne ich mich nach der ERIKA... nach dieser hervorragenden, modernen Schreibmaschine, auf der es sich so leioht schreibt. Man kann sie gegen kleine Monats, raten erstehen. Nicht passende Schreibmaschinen nehme ich in Zahlung. Gratisprospekt durch: W. Häusler-Zepf, Ölten Restaurant Roxy-Bar Rebgasse-Müllerstrasse Zürich 4 Das gediegene Restaurant Weinspezialitäten, Grill-Küche Die BAR mit bescheidenen Preisen