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E_1934_Zeitung_Nr.101

E_1934_Zeitung_Nr.101

BERN, Freitag, 14. Dezember 1934 Nummer 20 Cts. 30. Jahrgang - N° 101 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.— REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Ausgabe B (mit Unfallversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50, jährlich Fr. 30.— Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gerade beim Parken wird einem klar, dass das Motorfahrzeug ein Flächenverkehrsmittel ist und einen bestimmten Flächenbedarf hat. Der Flächenbedarf Iässt sich unter Zugrundelegung gewisser Spielräume und unter Annahme einer normalen Fahrgeschicklichkeit für jede Aufstellungsart errechnen. Je nach dem Spielraum, der dem einzelnen Fahrzeug zur Verfügung steht, kann vor allem bei der Längsaufstellung zwischen enger, lockerer und weiträumiger Aufstellung unterschieden werden. Die enge Aufstellung genügt z.B. bei Taxametern dann, wenn sie genau der Reihe nach auf- und abfahren. Bei der lockeren Aufstellung besteht bereits die Möglichkeit des Einreihens durch Vor- und Zurücksetzen, während bei der weitläufigen Aufstellung unmittelbar mit einer S-Kurve der Parkplatz eingenommen und verlassen werden kann. Bei der Längsaufstellung stehen die Fahrzeuge oft auf «Halbspur», indem man sie zur Hälfte auf das Trottoir fährt, um Platz für den fliessenden Verkehr zu gewinnen. Doppelreihen und Mehrfachreihen in der Fahrtrichtung bis zur Schachbrettaufstellung mit 10 und mehr Reihen sind bei Massenparken auf Wiesen u. dgl. üblich. Wird hierbei die denkbar engste Aufstellungsart gewählt, konzentriert sich das «Parken» zum «Pakken». Das Querparken wird gern in sehr breiten Einbahnstrassen angewandt, wenn dann noch zwei Fahrspuren, die eine als Ueberholungsspür gerechnet, für den fliessenden Verkehr übrig bleiben. Aufstellung richtet sich nach Strassencharakter. In vielen Verkehrsstrassen wird die Strasse durch in der Mitte längsparkende Fahrzeuge in zwei Fahrbahnen geteilt. Die Bordkanten sind dann regelmässig nur für «Halten» freigegeben. Das Parkproblem befasst sich mit der Lösung der Abstellfrage auf Grund der vorhandenen Parkgelegenheiten. Erforderlichenfalls bedarf es der Beschaffung zusätzlicher Parkmöglichkeiten. Der Strassencharakter ist bestimmend für die Aufstellung. Ueberall, \ wo die Fahrbahn Ausbuchtungen (eingeknickte Stellen, Häfen) aufweist, wo Inseln oder Schläuche gebildet werden, wo, wie bei Strassengabelungen oder Plätzen, irgendwelche Restzwickel entstehen, gilt es, die parkenden Motorfahrzeuge unterzubringen. Kreisförmige Plätze sind schon durch strahlenförmige (radiale) Aufstellung am besten Fortsetzung aus No. 100 der «A.-R.». F E U I L L E T O N Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. Montage von Personenautomobilen in der Schweiz. Von einem schweizerischen Industriellen erhalten wir die nachfolgenden beachtenswerten Ausführungen: In der Nr. 98 der «A.-R.» ist der Text des neuen Bundesratsbeschlusses betreffend die Montage ausländischer Personenautomobile in der Schweiz veröffentlicht worden. Der Wunsch des Bundesrates, neue Arbeitsmöglichkeiten im Lande zu schaffen, ist verständlich und wird zweifellos allseitig begrüsst werden. In diesem Falle darf man sich aber mit einigem Recht fragen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. Zu Beginn dieses Jahres hat der Bundesrat beschlossen, den einheimischen Maschiuopyright by Albert Langen-Georg Müller, München. * (11. Fortsetzung.) Aber Jonas zuckte nur finster mit den Schultern und machte sich davon. Er drehte sich noch ein paarmal zur Seite, um zu sehen, ob er etwa verfolgt würde, aber Jürgen hob die Säge wieder auf die Schulter und bog langsam in seinen Steig ein, der abseits von den andern durch die Wälder führte. Am Abend war er beim Pfarrer und bestellte das Aufgebot. * Auf dem Rückweg blickte er zur Seite und sah das Licht in der Hütte des Propheten. Er zögerte, weil ihm die Worte nicht einfielen, die er sprehen musste, aber dann drückte er doch die Klinke herunter. Die Tür war verschlossen, und eine Stimme fragte, wer da sei. Er war schon im Begriff umzukehren. aber die Stimme hielt ihn fest. Wieder drückte er auf das kalte Eisen, aber die Stimme schwieg nun, und die Lautlosigkeit Das Parkproblem ausgenutzt worden. Bei Plätzen mit Kreisverkehr, die nicht von Strassenbahnen durchschnitten werden, ist oft der Platzkern für Parkzwecke freigegeben oder auch die innere Kreisspur der runden Fahrbahn zum Längsparken ausgenutzt wor'den. Soweit Höfe, Plätze, Anfahrten usw. für das Parken zur Verfügung gestellt werden, ist das sogenannte Durchfahrtsprinzip, das auf der einen Seite die Einfahrt und auf der anderen Seite die Ausfahrt ermöglicht, also ein Wenden überflüssig macht, eine grosse Erleichterung für den Fahrer. Parkzeiten. Rücksichtnahme. Wie der fliessende Verkehr, so weist auch der ruhende Verkehr ein wellenförmiges Auf und Ab auf. Eine besondere Rolle spielen die Berufstätigen, die in der Zeit von 8 bis 9 Uhr früh und zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags hauptsächlich die Plätze wechseln, ferner die Mittaggäste, die zwischen 12 und 2 Uhr vor den Restaurants auffahren, dann die Theater- und Kinobesucher usw., die abends angefahren kommen. Auch tageweise verschiebt sich das Bild, da die Samstagnachmittage und Sonntage im Zeichen de§ Ausflugsverkehrs stehen. Wie im Verkehr so muss auch im Parken wechselseitige • Rücksichtnahme der Fahrer Platz greifen. Dem Grundsatz «Gemeinnutz geht vor Eigennutz» ist bestimmt dann zuwidergehandelt, wenn ein Fahrer sein Fahrzeug: ausgerechnet an einem sehr stark- durch den Ortsverkehr frequentierten Parkplatz aufstellt und dort stundenweise stehen Iässt, obwohl in der Nähe weitere Abstellmöglichkeiten bestehen, wo langfristiges Parkieren wegen der geringeren Frequenz für niemand von Nachteil ist. Ganz besonders krass sind jene von der Polizei festgestellten Fälle, wo Motorfahrzeugführer ihr Vehikel beispielsweise 24 Stunden oder länger auf einem Bahnhof-Parkplatz, der für kurzfristiges Aufstellen derjenigen. Fahrzeuge dienen soll, welche den Zubringer- und Abholdienst besorgen, stehen lassen und sogar in der Zwischenzeit mit dem Zug wegfahren! Man muss auf Grund solcher Erfahrungen die Polizeiorgane begreifen, wenn die Parkdauer an gewissen Oertlichkeiten auf ganz kurze Zeit beschränkt und Fehlbare dann durch empfindliche Bussen eines Besseren belehrt werden. Bestimmte Gegenden. Wenn bestimmte Stadtgegenden sowohl Durchgangsverkehr als auch Ortsverkehr aufweisen, werden die Durchgangsstrassen möglichst für den fliessenden Verkehr frei- hinter der Tür zog wie ein Strudel. Da legte er die Schulter an das graue Holz und drückte mit einer leisen Bewegung das Schloss heraus. Ein Fluch in einer fremden Sprache empfing ihn. Mac Lean stand neben dem Herd. Er hatte eine weisse Binde um die Stirn, über die seine schwarzen Haare fielen, und Jürgen dachte, dass es Grabtücher sein könnten, mit denen man früher die Toten band, wie er in der Bibel gelesen hatte. Es verwirrte ihn, und er wusste nichts zu sagen. So drückte er die Tür wieder hinter sich zu und blieb stehen, wie er eingetreten war. Er blickte aufmerksam in das weisse, steinerne gehalten und die Nebenstrassen für den örtlichen Verkehr und das Parken reserviert. Unter Umständen erfolgt auch in demselben grossen Verkehrsraum eine besondere Verkehrseinteilung, d. h.^eine Einteilung in verschiedene Verkehrsstreifen mit Fahrbahnen für den Schnellverkehr in der Mitte beiderseits der Strassenbahn und, jeweils durch Parkstreifen davon getrennt, an der linken und rechten Strassenseite mit besonderen Fahrbahnen für den langsamen und Ortsverkehr. Sehr schwierig gestaltet sich das Parken in Siedlungen mit langen einspurigen Strassen von nur wenigen Metern Breite. Hier werden oft die Vorplätze vor Garagen für die Abstellung benutzt werden müssen, da etwaige Strassenausbuchtungen für die Begegnungsmöglichkeiten freizuhalten sind. Vor Bahnhöfen ist das Anfahren meist deshalb unangenehm, weil zu gleicher Zeit nur eine geringe Anzahl Fahrzeuge anfahren können. Man hat hier künstliche Entwicklungslängen in den Anfahrten eingelegt und auf diese Weise die Zahl der vorfahrenden Motorfahrzeuge erheblich vergrössert. An Bahnhöfen macht sich überhaupt immer im Interesse der Erleichterung des Reiseverkehrs eine zweckmässige Raumdisposition erforderlich. Ein weiter «zusätzlicher Weg» vom Zug bis zum wartenden Fahrzeug ist für den Reisenden immer lästig. Man ermöglicht daher in Amerika und Engiand die unmittelbare Vorfahrt der Wagen und Taxameter vor dem Zugabieil, was zweifellos die höchste Form der Bequemlichkeit darstellt.. Da bestimmte Grossgebäude, wie beispielsweise Theater;-oder Geschäftshäuser, aber auch Wohnblocks mit hohem den Mietern gehörigen Fahrzeugbestand, als Verkehrsherde besonderer Art angesprochen werden müssen, gilt es, da die vorhandenen Anfahrtsspuren nicht ausreichen, Gemeinschaftsanlagen für das Unterstellen oder Parken der Fahrzeuge zu schaffen. In diesem Zusammenhange sei auf die Notwendigkeit der Anlage von Werkparkplätzen verwiesen, die bei Handels- oder Fabrikhäusern meist gleichzeitig als Ladehöfe Verwendung finden können. In Garten- und Ausflugslokalen wird immer mehr auf die Parkbedürfnisse der Gäste Rücksicht genommen. Es sollte auch beim Anpflanzen der Bäume mehr auf die Abmessungen und die WendigKeit der Fahrzeuge abgestellt werden. Nicht nur in den Ortschaften, sondern auch über Land spielt das Parkproblem eine wichtige Rolle. Es wird nicht zu umgehen sein, dass beispielsweise das wilde Parken an Waldseen, dort, wo es Überhand nimmt und der Leib war aufgesprungen in grauen Spalten, und vielleicht, in der Nacht, würde Blut aus den Spalten tropfen, ein weissliches Blut, wie aus wieder aufbrechenden Wunden. Es war ihm schwer, vom Pfarrer zu erzähchenbilder, mit denen Mac Lean wie mit Karten zu spielen pflegte. Sie lagen nebeneinander, eines das andere zur Hälfte bedeckend, und wo die Gesichter aufhörten, war die grosse Bibel der Mormonen darübergelegt, so dass von den Körpern nichts zu sehen war. Als ob die Gesichter aus der Bibel herauswüchsen, sah es aus. Jürgen beugte sich nicht herunter. Sein Körper war wie ein gefrorener Baum, als er diese Bilder sah, und der Herzschlag war ihm so schwer, dass seine Lippen grau wurden. Er wollte umkehren, schnell davonstürzen, aber dann sah er doch von Bild zu Bild. Es waren fremde Gesichter und dann eine Reihe von Mädchen aus dem Dorf. Aber eins fehlte. Er sah sich um in dem kahlen Raum, aber ausser dem Herd, dem Bett und dem Stuhl konnte er nichts sehen. Er sah wieder nach Mac Lean hinüber, und der Blick streifte das Kruzifix, an dessen Fuss die Bilder lagen. Er streckte die Hand aus und hob es auf. Es war ein schweres Kruzifix, aus Blei gegossen, und Jürgen dachte, dass man damit einen Menschen erschlagen könnte, ohne die Hände um seinen verruchten Körper zu legen. Und während er diesen Gedanken wie einen bitteren Speichel herunterwürgte, pressten sich seine beiden Hände um die beiden Enden des Kru- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inscratensohluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern die Ruhe der Erholungsbedürftigen stört, einer gewissen Regelung unterworfen wird. Gerade bei der Durchführung' des Siedlungsgedankens taucht das Prblem immer wieder auf. Auch in dem Sinne könnte es hier erörtert werden, ob nicht längs der Strassen Parkstreifen als eine Art Dämpfungszonen zur Entlastung der Wohngebiete und Wohnzeilen von den Nachteilen des Verkehrs (Erschütterungen, Geräusche, Rauchentwicklung) eingerichtet werden sollten. Vielleicht empfiehlt es sich auch, was keinesfalls als nebensächlich angesehen werden darf, die Bordkanten der Trottoirs niedriger, etwa nur 5 cm hoch zu gestalten, wodurch, abgesehen von der grösseren Billigkeit, gegebenenfalls ein halbspuriges Auffahren der Motorfahrzeuge ermöglicht würde. Zentrale Behandlung. Mitarbeit der Kraftfahrer. Mannigfach sind die Möglichkeiten, nach denen das Parkproblem behandelt werden kann. Jedenfalls ist das Parkproblem, wie das des gesamten ruhenden Verkehrs so wichtig, dass nicht nur in der wissenschaftlichen Forschung, sondern auch in der Verwaltung eine immer zentralere Behandlung im Zusammenhang mit dem Verkehrsproblem stattfinden muss. An der Technischen Hochschule in Berlin ist vor einiger Zeit ein «Lehrauftrag für Kraftverkehr in Städtebau und Ländesplanung» erteilt worden. Wichtig ist aber hauptsächlich, dass alle' Motorfahrer das Parkproblem zu dem ihrigen machen und ihrerseits dazu beitragen, durch rücksichtsvolles Verhalten einerseits; und geeignete Vorschläge andererseits die öffentliche Verwaltung in der Lösung all der! schwierigen Fragen zu unterstützen. Der ruhende Kraftverkehr ist der eingehenderen Behandlung wert und darf nicht weiterhin als Stiefkind betrachtet werden. Gesicht, und wieder stieg langsam der Wunsch in ihm auf, dies Gesicht zu erwürgen und es zu verscharren im Wald, wo die Brennesseln an Steinhaufen wuchsen. Er konnte nicht sprechen, denn beim ersten Wort würde er die Hände gehoben haben. Auch Mac Lean sagte nichts. Er sah an Jürgens Augen, dass es nicht gut sein würde zu sprechen, und so wich er langsam, Schritt für Schritt, an sein Bett zurück. Und als seien sie durch einen unsichtbaren Faden verbunden, folgte Jürgen ihm lautlos, Schritt für Schritt, bis der Tisch mit dem Kruzifix ihn aufhielt. Neben dem Kruzifix brannte die Lampe, und in ihrem Licht lagen die Mädzifixes und bogen es zusammen, dass im grauen Leibe des Heilandes feine Spalten aufbrachen. Er starrte auf das herunter, was er ohne Besinnung getan hatte, erkannte, wo er mit seinen Gedanken gewesen war, erschrak und legte das verbogene Kreuz voller Verwirrung auf den Tisch zurück. Er öffnete die Lippen, sagte aber nichts, drehte sich um, ohne den Heiligen noch einmal anzusehen, und ging hinaus, gebeugt und demütig wie nach einem verlorenen Kampf. Vor der Schwelle stiess er auf eine verhüllte Frauengestalt, die mit einem Schrei zur Seite ins Dunkel sich warf. Und erst dieser Schrei erweckte ihn. Er sah sich einmal um wie in einem fremden Wald und ging dann langsam den Weg nach seinem Hause hinunter. «Kein Wort», dachte er, immer noch verwirrt, «wir beide kein einziges Wort... •beim ersten Wort wäre ich ein Mörder geworden ... das Kruzifix hat mich bewahrt..» Aber eine dumpfe Sorge stieg wie Nebel in ihm empor. Dass er Christus zerbrochen hatte. Ein Bild nur, aber doch Christus, und