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E_1934_Zeitung_Nr.103

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spricht Dr. Porsche die

spricht Dr. Porsche die Hoffnung aus, dass Earl Howe bei Beginn der Saison 1935 Gelegenheit habe, besagten Wagen selbst zu führen, um sich seinerseits ein eigenes Urteil über dessen Fahreigenschaften zu bilden. Das wird wohl der beste und überzeugendste Weg sein, um herumgebotenen Gerüchten ein für allemal den Boden zu entziehen. Wir sind gewiss, dass Earl Howe, als überaus fairer Herrenfahrer und Sportsmann, dieser Einladung baldigst Folge leisten wird. Montlhery oder Paris? Die Diskussion um den Plan, den Grossen Preis von Frankreich nächstes Jahr in den Strassen von Paris austragen zu lassen, ist noch nicht abgeflaut. In weitesten Sportskreisen beschäftigt man sich mit diesem Problem. Sowohl die Industrie wie auch die Rennfahrer und Sportsfachleute wehren sich mit aller Energie dagegen, dass der Grosse Preis von Frankreich nicht mehr auf der idealen Bahn von Montlhery ausgetragen werden soll. Gegen den Plan eines Rennens in Paris selbst hat man an und für sich nicht viel einzuwenden, auch wenn man sich ohne weiteres dessen bewusst ist, dass es sich dabei in erster Linie um ein Schaupiel für die grossen Massen handelte, das jedoch in sportlicher und technischer kein bedeutendes Interesse verdient. Der Widerstand macht sich nur gegen die Idee bemerkbar, den Grossen Preis von Frankreich in Montlhery auszuschalten, um ihn in Paris wieder erstehen zu lassen. Diese Herabwürdigung lässt man sich nicht gefallen. In Kreisen der Konstrukteure hält man sich auch darüber auf, dass die in Frage kommenden Sportsbehörden nicht rechtzeitig Fühlungnahme mit den Firmen ergriffen; ein Rennen in Montlhery stellt an die Maschinen ganz andere Anforderungen als eine Veranstaltung in Paris. Bei den Fahrern ist die Opposition nicht weniger gross. Schon aus nationalen Ehrengründen fordert man die Beibehaltung von Montlhery. Louis Chiron urteilt folgendermassen: «Es ist glatt unmöglich, den Grossen Preis von Frankreich zu verlegen, das wäre der grösste Fehler, den man begehen könnte. Ja, mehr noch, der Grand Prix des A. C. F. kann überhaupt nirgends als in Montlhery ausgetragen werden, wo wir mit unseren neuen Rennwagen die Möglichkeit haben, über die 300 km/St.-Grenze hinaus zu gehen. Dass Paris einen Grand Prix organisieren will, kann man schliesslich noch verstehen, aber das darf auf keinen Fall dazu führen, dass deshalb der Grand Prix in Montlhery wegfällt!» Die 2000-km-Fahrt abgesagt. Wie das Sekretariat der A.I.A.C.R. mitteilt, ist die von Deutschland auf den 6. und 7. Juli 1935 eingeschriebene 2000-km-Fahrt abgesagt worden. Itaiienische Rennfahrer-Ehrungen. In Modena fand kürzlich das traditionelle Bankett zu Ehren der Fahrer der Scuderia Ferrari statt. Zahlreiche Persönlichkeiten aus der Automobilsportswelt und Behördenmitglieder nahmen daran teil, u. a. waren auch anwesend ; Ingenieur Jano, Renzo Castagneto, Enzo Ferrari, Marinoni, Varzi, Trossi, Brivio, Ghersi, Comotti, Tadini, Barbieri, Severi, Aldrighetti usw. In Bologna feierte Maserati in gleicher Weise die Leistungen Nuvolaris und in diesem Zusammenhang auch das 20jährige Bestehen der Firma. A. v. D. — jetzt « Deutscher Auslands- Club ». Wie wir kürzlich gemeldet haben, sind auch dem Automobilclub von Deutschland (A.v.D.) seine letzten Befugnisse als automobilistische Vereinigung entzogen worden, so dass der Club, der für den Automobilsport Deutschlands Grosses geleistet hat, sich eine neue Tätigkeit suchen musste. Diese wurde in der Pflege und der Vertiefung der deutschen Verbindungen mit dem Auslande gefunden. Der Club heisst deshalb von jetzt an «Deutscher Auslands-Club ">, und hat nun eine rein vaterländische Mission zu vertreten, die mit dem Automobilismus überhaupt nichts mehr zu tun hat. Das Jubiläum eines Schweiz. Automobilpioniers. Die gegenwärtigen Zeiten sind nicht dazu angetan, grosse Jubiläen zu feiern. Dennoch rechtfertigen sich nach der Vollendung grösserer Zeitspannen sinnende Rückblicke auf die Vergangenheit, auf das Werden und Wachsen neuer Ideen und Schöpfungen. Der moderne Mensch gibt sich kaum mehr Rechenschaft darüber, dass das Bild der heutigen Welt sich innerhalb eines halben Menschenalters grundlegend gewandelt hat. Auch das Automobil hat sich so ungeheuer rasch eingebürgert, dass man nur zu gerne vergisst,' wie jung dieses ideale Verkehrsmittel im Grunde genommen noch immer ist. Eine Grosszahl der Menschen, die zur richtigen Zeit die Bedeutung des Automobils erfassten, in ihm den Träger einer neuen Zeit erkannten und es somit in jeder Weise förderten, lebt heute noch unter uns. In der Schweiz hat das neue Verkehrsmittel einen verhältnismässig raschen Eingang gefunden. Schon früh setzten sich weitblickende Persönlichkeiten für seine Entwicklung ein. Dieser Tage ist eine kleine, hübsch ausgestattete Schrift «Mit Fahrrad, Motorrad und Auto zur Grossgarage Schlotterbeck» erschienen, durch die man einen überaus AUTOMOBIL-KEVUE 1934 - N° 103 interessanten Einblick in die Verdienste eines | um eich sammelte. Der Automomlverkauf schweizerischen Automobilpioniers erhält: Carl Schlotterbeck. Man darf diese Persönlichkeit, die heute an der Spitze der bedeutenden Firma < C. Schlotterbeck, Automobile, A.-G., Basel und Zürich », steht, gewissermassen als einer der Pioniere der neuen Zeit charakterisieren. Ein grosses Mass an Unternehmungsgeist, an Tatkraft und an Weitsicht zeichnet ihn aus. Carl Schlotterbeck stellte im richtigen Augenblick diese Eigenschaften in die Dienste des neuen Verkehrsmittels. Man braucht nur in kurzen Umrissen die Lebenslinie des Menschen nachzuzeichnen, um einen Begriff von seiner Leistungsfähigkeit und darüber hinaus von seiner allgemeinen Bedeutung für den Autom.obilismus in unserem Lande zu erhalten. Der Weg, der beim idealen Verkehrsmittel unserer Tage enden sollte, begann « auf Schusters Rappen >. Carl Schlotterbeck war der einzige Sohn eines geschätzten Basler •Schuhmachermeisters. Nichts deutete anfänglich auf den späteren Lebensweg hin. Allerdings erwies sich der Jüngling schon als kaufm. Lehrling in einer Basler Drogerie als sehr begabt. In einem Strassburger Bankhaus und in dien Wanderjahren, die Genf, Paris und London zum Ziele hatten, erwarb sich der junge Mann das notwendige Rüstzeug zum Lebenskampf. 1894 kehrte Carl Schlotterbeck wieder in seine Heimatstadt zurück, wo er als kaufm. Angestellter bei der Karosseriefirma Reinbolt & Christo in Dienst trat. In der Zwischenzeit zeichneten sich am Horizonte bereits die ersten Umrisse der neuen Zeit ah: Als Vorläufer des Automobils trat das Velo stark auf den Plan. Der junge Schlotterbeck widmete sich mit leidenschaftlicher Freude diesem Sport, und ging in seiner freien Zeit unter die Gilde der Rennfahrer; ja, er wurde sogar zu einer der damaligen Grossen, und holte sich manchen bedeutenden Preis. Dem Velo folgte das Motorrad; auch dieser Sport begeisterte den jungen Menschen. Im Jahre 1897 verehelichte sich Carl Schlotterbeck, und ein Jahr später avancierte er zum Geschäftsführer der Basier Filiale einer bekannten Zürcher Velo-Firma. Dem nun langsam aufkommenden Automobil widmete Schlotterbeck sein grösstes Interesse; schon im Jahre 1899 besass er für die Erledigung seiner Geschäfte einen eigenen Wagen. Dem Wesen des jungen Geschäftsmannes entsnrach es jedoch nicht, lange Zeit in abhängiger Stellung zu verbleiben, und so etablierte er am ersten Tag der Jahrhundertwende — nur ein Zufall oder Symbol? — in Basel einen Handel mit Autompbilen und Velos. Die Geschichte der zahllosen llemmnisse, die in der Kinderzeit des Automobils überwunden werden mussten, könnte allein ein Buch füllen. Das Auto verblüffte, ja erschreckte die Menschen und fand in der ersten Zeit mehr Feinde als Freunde. Die Behörden hatten herzlich wenig Verständnis für das neue Vehikel, und das Landvolk rannte mit den Dreschflegeln hinter den damaligen Automobilisten her, die nach ihrer Auffassung direkt der Hölle entflohen sein mussten. .. Die Wagen selber litten noch an den übelsten Kinderkrankheiten, und echliesslich war auch überall Mangel an erfahrenem Personal. Kurz entschlossen trat Carl Schlotterbeck für eintee Zeit in das damals schon bedeutende französische Automobilwerk «Peugeot» ein, um dort die notwendigen Kenntnisse zu holen. Als gut ausgerüsteter Autom ,9bilfachmann ^kehrte er nach Basel zurück, wo er darauf langsam^ einen geschulten Mitarbeiterstab v.or 30 Jahren war keine leichte Sache. Bei jedem einzelnen Kunden musste ein Berg von Misstrauen, von Unkenntnis und falschen Vorurteilen überwunden werden. Dennoch wusste der initiative Leiter des Betriebes das Unternehmen zu festigen und ständig zu erweitern. 'So grosszügig wie heute konnte man allerdings noch nicht seih: Auch der Kunde, der ein «Veloschlüchli» brauchte, durfte nicht übersehen werden. Aber bald erkannte Carl Schlotterbeck, dass er mit dem Automobil auf richligor Bahn war. Neben Peugeot und Renault sicherte er sich die Generalvertretung von Martini, die damals ausgezeichnete Wagen herausbrachte, von denen einzelne Veteranen heute noch laufen. Mit ganzer Kraft setzte sich Carl Schlotterbeck auch für die einstige Genfer Marke SAG, später Pic-Pic, ein, stets im Bestreben, seiner Kundschaft nur das Bpste in die Hand zu geben. Als hervorragender Meister des Volant hat Schlotterbeck die von ihm vertretenen Marken in ungezählten Kilometer-Ziffern stets auf Herz und Nieren geprüft, und in vielen Wettbewerben des A. C. S. zu Sieg und Ansehen verholten. Kein Wunder, dass-unter der tüchtigen und umsichtigen Führung, wobei die geschäftskundige Gaftin, Frau Elise Schlotterbeck-Simon ihrem Manne unentwegt und mit grosser Sachkenntnis zur Seite stand, die Firma Carl Schlotterbeck sich schon vor dem Krieg als eines der bestgeführten und leistungsfähigsten Automobilhäuser unseres Landes auswies. Der Weltkrieg mit seinen katastrophalen Folgen lähmte den Automobilverkehr fast vollständig, der mehrjährige Geschäftsstillstand hat die Energien jedoch nicht brachgelegt. 1917 wurde in Zürich und später auch in Born eine Filiale eröffnet, und als nach Kriegsschluss die Nachfrage nach Personen- Automobilen ins Ungemessene stie?, konnte Carl Schlotterbeck seine Fähigkeiten als grosszügiger Kaufmann zur Geltung bringen. Er sicherte sich in jenen Zeiten allererste Vertretungen amerikanischer, französischer, deutscher und italienischer Marken, und verstand es, mit richtigem Kennerblick ausgerüstet, den weiten Kreisen roiner vielseitigen Kundschaft bestgeeignete Wagen zu liefern. Das Unternehmen nahm immer grössere Dimensionen an, und im Februar 1027 begannen die Projoktarbeiten für die berühmte Grossgarage Schlotterbeck in Basel, die in ihren Ausmassen und ihrer Grosszügigkeit für den initiativen Geist Carl Schlotterbecks zeugt. Seit dem Jahre 1028 besitzt Basel diese gewaltige Garage, die bekanntlich rund 500 Wagen aufnehmen kann und in ganz raffinierter Weise ausgebaut, ist. Das zu einem Grossbetrieb angewachsene Unternehmen, in dem sich der Gründer auch noch als weitsichtiger Organisator beweisen konnte, wurde am 1. .Januar 1931 in eine Familien- A.-G. umgewandelt. Die 'Söhne, der Schwiegersohn und einige treue, langjährige Mitarbeiter stehen heute an verantwortlichen Posten. Die Firma beschäftigt in Basel allein 100 und in Zürich 40 Angestellte und Arbeiter, die mit der Leitung in einem erfreulichen Verhältnis stehen. Rund 45 selbständig etablierte Vertreter im ganzen Land herum, wirken heute ebenfalls im Dienste der Grossgarage Schlotterbeck. Aus kleinen Anfängen heraus hat ein Mann dieses Unternehmen geschaffen, das heute wirtschaftlich von erster Bedeutung ist. 1900—1935, in dieser Zeitspanne liegt die Arbeit Carl Schlotterbeckfl investiert, der den ehrlichen Dank vielei Automobilisten unseres Landes verdient. bo. Todesanzeige Todesanzeige Wir erfüllen hiermit die schmerzliche Pflicht, Sie vom Hinschiede unseres hochverehrten Direktors und Delegierten des Verwaltungsrates in Kenntnis zu setzen. Herrn Otto Richard Wagner Wir verlieren in dem Verstorbenen den Gründer unseres Unternehmens, der sich durch seine grosse Arbeit, seine reiche Erfahrung und seine volle Hingabe bleibende Verdienste erworben hat. Wir werden seiner stets in Dankbarkeit und Hochachtung gedenken; Bern, den 20. Dezember 1934. Verwaltungsrat und Direktion der HALLWAG A. G. Hallersche Buchdruckerei und Wagnersche Verlagsanstalt Schmerzlich berührt, erfüllen wir die Pflicht, vom unerwartet raschen, viel zu frühen Hinschied unseres verehrten Prinzipals Herrn Direktor Otto Richard Wagner Seniorchef der Hallwag A.G. Kenntnis zu geben. Der Verstorbene war uns ein Vorbild treuester Pflichterfüllung und jederzeit ein gütiger Vorgesetzter, der seinen Untergebenen grosses Verständnis entgegenbrachte. Wir werden ihm alle ein ehrendes Andenken bewahren und versuchen, in seinem Sinn und Geist für sein Werk weiter zu wirken. Bern, den 20. Dezember 1934. Das Personal der Hallwag A.G., Bern und Filialen Zürich, Genf und Stuttgart

N° 103 - 1934 AUTOMOBIL-REVUE LUFTFAH Swissair noch schneller. Am letzten Samstag nachmittag traf unter der Führung von Flugkapitän Franz Zimmermann aus Amsterdam das erste der vier neuen Douglas - D C 2 - Schnellverkehrsflug - zeuge der Swissair in Dübendorf ein. Die Swissair beabsichtigt, die neuen Flugzeuge ab 1. April des nächsten Jahres auf den Linien nach Paris, Berlin und London einzusetzen. Die Swissair-Linien werden dadurch wiederum über das modernste Flugmaterial aller Europa-Strecken verfügen. Wie unsere Leser wissen, gewann ein Douglas-D C2- Flugzeug unlängst die Handicap-Konkurrenz des Flugzeugrennens England-Australien, wobei es eine Strecke von 20,000 km in 3 Tagen 18 Stunden 17 Minuten zurücklegte. In Amerika steht dieser Flugzeugtyp bereits zu Dutzenden in Gebrauch, er ist dort gleichsam zum Standard-Typ der grossen Verkehrslinien geworden. Zu Beginn dieses Jahres hat sich der Holländer Fokker die Lizenz zum Bau von Douglas-Maschinen in Europa erworben, was deren Wert wohl noch deutlicher als alles andere beweist. Die Douglas DC-2 ist ein zweimotoriges Hochleistungsverkeh]\sflugzeu