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E_1935_Zeitung_Nr.002

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N» 2 ohne abnehmbaren Kopf. Schon bald erkannte man, dass eine Reparatur oder einfache Ueberholung des Motors bedeutend billiger werden würde, wenn man den Kopf abnehmbar gestaltete. Diese Erkenntnis brach sich nach anfänglichen Anfeindungen schliesslich auf der ganzen Linie Bahn, so dass man heute kaum noch Motorkonstruktionen ohne abnehmbaren Zylinderkopf findet. Dann fanden die Automobilingenieure, dass der Zylinderblock im Verhältnis zu seiner Lebensdauer zu teuer sei, deswegen zu teuer, weil man zu ihm im Hinblick auf die Zylinderlaufbahnen ein zu hochwertiges Material verwenden musste, das dann, wenn ein Ausschleifen nicht mehr möglich war, einfach fortgeworfen wurde. Die Ingenieure gingen von dem Standpunkt aus, dass zu dem eigentlichen Zylinderblock mit dem Zweck der Wasserkühlung ein weit billigeres Material die gleichen Dienste leisten würde, wenn man die Zylinderlaufbahn unabhängig vom Blockguss machen und aus einem Material herstellen könnte, das dem des besten Zylindergusses überlegen und deshalb nicht so leicht unrund werden würde. Sie sagten sich mit Recht, dass, wenn man die Zylindergleitbahnen aus widerstandsfähigstem Material herstellen und in einen billigen Block einsetzen würde, man nicht nur einen lebenskräftigeren, sondern auch einen sowohl in der Herstellung wie in der Reparatur billigeren Motor erzielen müsste. Ersatzteile Grosses Lager für Ansaldo, Lancia, O.M., Fiat, Alfa Romeo, Chili biri,ltala,Spa,Bianchi, Seat, Isotta Frascfiini. Für sämtliche Weltmarken, Autos und Motos Motorventile „FRECCIA" Prompter Versand Semprebon Giovanni Chiasso - Tel.405 Umständehalber an gut. 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Denn bekanntlich haben die Materiale verschiedene Ausdehnungskoeffizienten, so wie es zu Anfang ja auch nicht besonders leicht war, die Ausdehnungsverhältnisse der Leichtmetallkolben mit denen der Zylinder auszugleichen. Dementsprechend gab es auch bei der Verbindung von unabhängiger Zylinderbüchse mit Zylinderblock zunächst Schwierigkeiten, die natürlich sofort die konservativen Kritiker auf den Plan riefen. Aber die Konstrukteure Hessen sich durch die anfänglich überall auftretenden Misserfolge schon deswegen, weil die Idee eine zu grosse und einschneidende war, nicht abschrecken. Sie gingen dem Problem unter Berücksichtigung der gewonnenen Erfahrungen immer tiefer zu Leibe, berechneten, probierten, bis — : nun bis eben eines Tages der Erfolg da und die vollkommene Konstruktion zur Tatsache geworden war. Wenn der kalte Motor Anlaßschwierigkeiten macht... Die wichtigsten Massnahmen, die zu treffen sind, um Anlaßschwierigkeiten im Winter zu vermeiden, wurden in den letzten Nummern schon aufgezählt. Immerhin seien hier noch einige Winke erteilt: Fast immer empfiehlt es sich den Motor zuerst ein paar Mal leer durchzudrehen, bevor man ihn anzuwerfen sucht. Infolge der Reibung wird das Oel dabei oberflächlich schon etwas erwärmt und klebt dann den Kolben weniger stark am Zylinder fest. Zudem wird das Oel auch durch die in den Zylinder gelangenden, unverbrannten Gemischladungen verdünnt. Eine zu starke Oelverdünnung muss allerdings auch wieder vermieden werden, weil sonst der Motor in den ersten Minuten nach dem Anspringen ohne rechte Schmierung arbeiten muss und sich natürlich stärker abnützt. Manchmal kann man das Anspringen des Motors auch sehr erleichtern, indem man beim Anwerfen auskuppelt. Der Motor braucht dann nicht auch noch die Zahnräder des Getriebes in Umdrehung zu versetzen, die je nach der Bauart des Getriebes und besonders, wenn ein dickflüssiges Getriebeöl verwendet wird, dem Antrieb einen sehr fühlbaren Widerstand entgegensetzen. Auf alle Fälle prüfe man auch die Frage der Verwendung eines dünnflüssigeren Getriebeöls. Hat die Maschine bei Rauhreif im Freien gestanden, so kann sich auf dem Zündkerzenisolator eine die Zündung vereitelnde Eisschicht niedergeschlagen haben. Rauhreif leistet sich ausserdem hie und da den Spass, das Luftloch im Benzinbehälterdeckel zu verschliessen, so dass dann der Motor von Zeit zu Zeit immer wieder stehen bleibt, weil das Benzin nicht rasch genug zum Vergaser ablaufen kann. Auch feuchte, neblige Luft löst übrigens nicht selten ähnliche Störungen aus. Versagt die Zündung, so wische man vor allem den Zündkerzenisolator trocken und untersuche wenn nötig weiter, ob sich nicht etwa der Unterbrecherhebel auf seiner Achse steckt. Hat der Motor Batteriezündung, so, situf beim Anwerfen .alle Lichter, und eventuellenj ANHÄNGER! Teile allen Anhängerinteressenten mit, dass ich unter Mitwirkung eines bewährten Anhängerkonstrukteurs den gesamten Anhängerbau und modernen Fahrzeugbau aufgenommen habe. Wir bauen Anhänger für Langholz-, Kabelrollen-, Strassenwalzen- und Getreidetransport, Tankwagen, Kipper mit Hand- und Motorbetrieb und Kleinfahrzeuge aller Arten. Einbauten von autom. Bremsen, Pendelachsen, Kippern, Repara« turen und Umbauten prompt. Verlangen Sie unverbindliche Offerten von E.PETER, GOLDACH (St.ß.) Fahrzeugbau Telephon 817 BRASILIEN. Eine Automobilwerkstatt guten Rufes, mit Duco-Malerei und guter maschineller Einrichtung, ist gesundheitshalber sofort zu verkaufen Tüchtigem Mechaniker oder Auto-Kenner ist beste Gelegenheit geboten, sich eine glänz. Existenz zu gründen. Näh. Auskunft ert. die Familie des Besitzers. 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Chiffre Sc 11544 Z an Publicitas, Zürich. 65833 anderen Stromverbraucher auszuschalten, damit die Zündanlage die volle Spannung aus der Batterie erhält. Man muss wissen, dass die Batterie-Stromabgabe mit sinkender Temperatur ohnehin abnimmt, so dass eine halbentladene, oder durch die Beleuchtung stark in Anspruch genommene Batterie häufig die Zündanlage nicht mehr kräftig genug speist. Nach dem Anspringen des Motors gebe man in der ersten Viertelsminute nur ganz wenig Gas. Später sind aber besonders bei Sportmotoren zu niedrige Tourenzahlen zu vermeiden, weil sonst die Kerzen leicht nass werden und versagen. Besser als ein ständiges Fahren mit teilweise geschlossener «Luft» ist es, wenn man bei Eintritt der kälteren Witterung etwas grössere Düsen einsetzt. Wo dieser verstellbar ist sollte vor allem der Leerlauf brennstoffreicher einreguliert werden. Zusammengefasst erfordert das normale Anlassen des Motors bei grösserer Kälte die Erfüllung folgender Bedingungen: Guten Ladezustand der Batterie, Verwendung des richtigen Oels, korrekte Vergasereinstellung, erprobte, genaue Einstellung der Gasdrossel und der Gemlschbereicherungs-Vorrichtung, guten Zustand der Zündkerzen, des Unterbrechers und des Verteilers. Sitzt die Batterie fest? Viele Autobatterien gehen nur deshalb vorzeitig zugrunde, weil sie nicht richtig in ihrem Gehäuse verkeilt oder festgeklemmt sind. Poltert die Batterie beständig in ihrem Kasten herum, so werden ihre Platten verstärkten Stössen ausgesetzt, was zur Folge hat, dass die Plattenfüllung vorzeitig herausbröckelt. Zumindest besteht die Gefahr, dass die Kabelisolation durchgescheuert wird oder die Kabel frühzeitig brechen, -at- PHege des Cabriolet-Verdecks. Das Cabriolet ist unser teuerster Fahrzeugtyp. Kein Wunder, der Bau der Karosserie ist schwierig und muss sehr sorgfältig ausgeführt werden, wenn aus dem Cabriolet mit der Zeit nicht ein «Klappriolet* werden soll. Besondere Aufmerksamkeit erfordert auch das Verdeck, das in seiner modernen Ausführung wirklich der Gipfel der Bequemlichkeit ist, weil es sich mit einem Griff öffnen und schliessen lässt. Diese Bequemlichkeit der Bedienung des Verdecks führt aber häufig dazu, dass man.es allzu sorglos behandelt. Kaum hat der Regen aufgehört, so wirft man es mit einem kurzen Ruck zurück und fährt weiter ohne daran zu denken, dass sich nun Prachtvolles NASH-Cabr. Mod. 32, mit Freilauf, 4/5 PL, 6 Zyl., Spezial, zum Spottpreise von Fr. 4500.— sofort zu verkaufen. 10072 CHEVROLET Mod. 1930, in neuwertigem Zustande und neu bereift, Fr. 1500.— MARTINI . 6/7-Plätzcr, prachtvoller Mietwagen, letztes Mod., Fr. 2500.— FORD-Coupe Mod. 30/31, Ia. 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Man hüte sich zum Reinigen Benzin zu verwenden, weil dadurch die wasserdichte Imprägnierung leiden würde. Ist das Verdeck nicht mehr ganz zuverlässig, so behandle man es mit einem der käuflichen Mittel, die von den grossen Gummifabriken zu diesem Zweck in den Handel gebracht werden. + Autolampen-Ersatz. Jeder Autofahrer betrachtet es heute als Selbstverständlichkeit, einen Ersatzreifen sowie Ersatzzündkerzen im Wagen mitzuführen, denn er möchte bei irgendwelchen Zwischenfällen nicht in Verlegenheit kommen. Nicht minder wichtig ist aber für ihn das Mitführen einiger Ersatzlampen der hauptsächlichsten Sorten. Obwohl sich die heutigen Autolampen durch grosse Zuverlässigkeit und lange Lebensdauer auszeichnen, so muss auch mit der Möglichkeit eines Durchbrennens infolge unvorhergesehener Ueberbeanspruchung oder eines Bruches bei übermässiger Stossbelastung gerechnet werden. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, wird sich der vorsichtige Fahrer ein Lampen-Ersatzsortiment zulegen. Frage 9286. Jumho-Pneu. Kann mir jemand mitteilen, wo dieser Pneu in der Schweiz erhältlich ist und bei wem? R. R. in G. Frage 9287. Pctrolvergaser «Rotoviva». Kann mir ein werter Kollege mitteilen, der einen Petrolvergaser, Marke « Rotoviva > eingebaut hat, wie er mit diesem zufrieden ist? Gibt es noch andere, auch gute, aber billigere Petrolvergaser für Lastwagen? E. K. in E. Frage 9288. « Ermetox ». Wer hat Erfahrungen mit dem vielgepriesenen « Ermetox >? E. K. in E. Frage 9289. Behandlung der Batterie. Das erste Vierteljahr 1935 lasse ich den Wagen in der Garage stehen. Den Kühler entleere ich. Wie aber ist die Batterie während dieser Zeit zu behandeln? R. F. in L. Antwort: Das Ueberwintern der Batterie, dem besondere Sorgfalt zuzuwenden ist, kann auf zwei verschiedene Arten geschehen: Entweder, indem die Batterie alle 3 bis 4 Wochen frisch aufgeladen wird, sonst aber sich selbst überlassen bleibt. Oder, in- ROLLSYNOL Motoröl auch bei grimmiger KäIfe nicht stockend, verblüffend ra scher Antrieb, nicht russend REO Obenschmieröl erhöht die Wagens Ernst Hürlimann, Wädenswil Zu verkaufen B A L I L L A, 6 PS, Modell 1933, Zustand wie neu. Offerten unter Chiffre 65871 an die Automobil-Revue, Bern. Wirkliche Occasionen! Wlllys-Knight 1929, 15 PS, Limousine, mit Garantie. Willys-Knight 1928, 14 PS, Limousine, mit Garantie. 10325 Fiat 503 Torpedo. Garage Stadtbach, Bern, Stadtbachstrasse 8a. Telephon 23.601. Te«9i fahren Sie sicher mit Abteilung Oele und Benzine Umständeh. zu verkaufen Citroen 10 L. ' *•> Leistung Ihres Limousine, Modell 1933, 4/5plätzig, 4türig, 9 St.- PS, 17 000 km gef., in tadellosem, wie neuem Zustande. Der Wagen wurde sorgfältig eingefahren. — Stand Baselland. Offerten unter Chiffre 65818 an die Automobil-Revue, Bern. '«sdhi

Bern, Dienstag, 8. Januar 1935 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 2 ZuteizUiexm ScfuMex, Professor Gerhard Goll, der Philologe, ist ein wenig altmodisch. Nicht nur, dass er ein begeisterter Schillerfreund ist und es für nötig hält, seinen Lebensweg auf Schritt und Tritt mit den Zitaten seines hochverehrten Freundes zu pflastern — nein, auch sonst ist er ein wenig zopfig. Turnen und Gymnastik sind ihm, vor allem, wenn sie gar von Frauen betrieben werden, ein Greuel. Auto und Radio hält er für Erfindungen des Satans, und wenn er viel Geld hätte, der Professor Goll, dann würde er sich eine Hofkutsche aus dem 18. Jahrhundert kaufen und vierspännig durch den Stadtpark kutschieren. Nun, so sehr viel Geld hat ja ein Philologe nicht, und so geht denn der Professor, links und rechts ein paar Zitate fallen lassend, zu Fuss durch den stillen Stadtpark. Neulich aber, als er mit dem Bibliothekar Stiller einen solchen Spaziergang durch die, wie er vermeinte, ihm bekannten Wege machte, hat er eine furchtbare Entdeckung gemacht: Mitten durch den Park führt nämlich plötzlich, als ob sich das von selbst verstände, die neue Autostrasse! Professor Goll ist erschüttert! « Sehen Sie nur », flüstert er und zeigt auf die dahinbrausenden Wagen, «das ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären! > « Aber ich bitte Sie », lacht der Bibliothekar, « Sie können das Auto doch unmöglich als das Böse schlechthin bezeichnen? Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen, Herr Professor!» Goll aber macht eine abwehrende Handbewegung. « Blendwerk der Hölle », knirscht er, c aus Gemeinheit ist der Mensch gemacht, und die Gewohnheit nennt er seine Amme.» «Aber ich verstehe Sie wirklich nicht», schüttelt Stiller den Kopf, « Sie zitieren richtige Zitate stets an der falschen Stelle. Ihr Sohn Karl braust zudem, wenn ich nicht irre, Tag für Tag mit dem Motorrad durch '"'"«"Der Knabe Karl fängt an, mir fürchterlich zu werden », nickt der Professor. In diesem Augenblick bremst einer der vorüberfahrenden Wagen. « Hailoh! » ruft eine helle Stimme, « eigentlich sollte es ja eine Ueberraschung für morgen sein. Aber da du mich nun doch schon einmal entdeckt hast: also seit gestern hab' ich meinen Führerschein! » Die helle Stimme schweigt. Professor Goll aber steht wie zur Salzsäule erstarrt. ? « Meine Frau», flüstert er, « die Mutter meiner. Kinder da werden Weiber zu Hyänen! » « Unsinn », lacht der Bibliothekar und zeigt mit der Hand auf die Limousine, die sich bereits wieder in Bewegung gesetzt hat, « verstehen Sie Ihren Schiller doch endlich einmal richtig: und drinnen schaltet die züchtige Hausfrau...» H. R. Siiaestex=7ladikiänqe Zweimai gefeiert. Eine Gesellschaft von Amerikanern, die sich auf einer Vergnügungsjacht im Stillen Ozean befindet, hat sich den Scherz gelei- stet, am Silvestertag 1934 in der Nähe der Datumsscheide zu kreuzen, die ungefähr dem 180. Längengrad entlanggeht. Am Silvesterabend befand sich die Gesellschaft westlich der Datumsgrenze und feierte als erste Silvester zu einer Zeit, wo es bei uns erst 3 Uhr nachmittags war und man noch eifrig auf den Abend rüstete. Nach ausgiebiger Feier wandte das Schiff seine Nase nach Osten, überschritt die Datumsscheide und feierte nochmals 24 Stunden später Silvester, als in der Schweiz die meisten ihren Kater schon ausgeschlafen hatten. Der Toast des Todes. In der Silvesternacht 1934 forderte in Warschau auf der Strasse ein Herr in Frack und Zylinder die Passanten auf, sich um ihn herumzustellen, denn er werde jetzt ein kleines Schauspiel geben. Es war pünktlich um Mitternacht. Die Passanten sammelten sich und warteten schmunzelnd auf die Dinge, die da kommen sollten. Der Herr im Zylinder zog eine Flasche und ein Gläschen aus Inmitten von Zuckerrohr, Bananen und Kakao liegt das zentral-amerikanische Weideland. Endlos, eintönig und doch in seiner Art grossartig. Vergebens würde das Auge nach der Tasche, schenkte sich ein, erhob das Glas und hielt in feierlichem Ton folgende Ansprache : « Meine Damen und Herren ! Ich bringe jetzt einen Toast. Aber mein Toast ist nicht ein solcher, wie ihr ihn ausbringt, mein Toast ist ein Toast des Todes ! » Darauf setzte er das Glas an die Lippen und trank es in einem Zuge leer. Nach wenigen Sekunden sank er in sich zusammen. Ein Arzt, der sich zufällig unter den Neugierigen befand, stellte fest, dass der seltsame Silvesterbummler ein stark wirkendes Gift zu sich genommen hatte, und sorgte für seine Ueberführung ins Krankenhaus. Hier ergab sich, dass man es mit einem ehemaligen Direktor einer grossen Bank zu tun hatte, der vor einiger Zeit eine halbe Million unterschlagen und in Monte Carlo verspielt hatte. Nach seiner Rückkehr war er verhaftet und zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wenige Tage vor Neujahr hatte man ihn entlassen. Ttcunwieit det Ixopeu, Begegnungen mit Klapperschlangen. Von Dr. Friedrich Morton. saftig grünen Wiesen, nach sprudelnden Quellen und nickendem Weidengebüseh suchen. Nach den rauschenden Fluten der Regenzeit wird die Erde bald trocken und hart, ziehen kreuz und quer Risse durch den Boden und wird die Grasnarbe spärlich und brüchig. Es ist nicht leicht, durch den «Potrero», durch zentralamerikanisches Weideland, zu, wandern. Buschwerk aus Mimosen versperrt: mit nadelscharfen Haken den Weg, reissf Ecken aus dem Khakigewand,, zerfetzt dje Die Signalanlage der Klapperschlange. Doch der Potrero beherbergt noch andere Schrecken! Es ist nicht ratsam, zu Fuss zu gehen % Auch auf kurze Strecken nicht. Die Lichtflut der Tropensonne blendet, die Hitze macht stumpf und die Sinne des Europäers sind stark verkümmert. Im Potrero ist die Klapperschlange zu Hause! Frühmorgens badet sich das unheimliche Tier im Tau. Dann bildet die Schlange einen breiten «Teller» und geniesst Licht, Wärme, Sonne. Mittags sucht sie gern das Pflanzengewirr und die gewaltigen, heiligen Ceibabäume auf. Der Europäer, der in Wald und Busch zu Hause ist, kann sie immer wahrnehmen, wenn er ihre Klapper einmal gehört hat. Es lässt eich am ehesten mit dem Geräusch vergleichen, das eine halbvolle Zündholzschachtel, massig hin und her bewegt, erzeugt. Ist das Ohr einmal darauf eingestellt, hört es au« der Symphonie -des Potreros das Rasseln gleich heraus. Oft und oft habe ich die Klapperschlangen rasseln gehört und habe einen kleinen .Bogen um sie herumgeritten. Aber nur einen kleinen! Denn es fällt der Klapperschlange im Freiluftbado nicht im Traum ein, ungoreizt ihre Tätigkeit aufzugeben oder gar auf den Vorüberziehenden loszuschiessen. Derlei Berichte gehören ins Märchenland. Die Schlange verfolgt den Reiter mit den Augen, dreht ihren Kopf nach, und der Fall ist für beide Teile erledigt. Doch die Signalanlage kann auch versagen! Wie Felipe aussah. Wird die Klapperträgerin überrascht, so beisst sie zu und haut ihre Zähne in das Opfer. Einer unserer «Jungen», wie die Indios ohne Unterschied des Alters heissen, war eines Tages in den Petrero geschickt worden, um ein Rind zu holen, das eich verlaufen hatte. Als es Mittag und Nachmittag wurde und Felipe nicht zurückkehrte, machten wir uns auf, um Nachschau zu halten. Wir fanden ihn unter einem orchideenüberwucherten Baum, wo eich uns ein grauenhafter Anblick darbot. Das rechte Bein war gewaltig angeschwollen und wies an der Wade eine scheussliche Verletzung auf. Felipe war in einem Augenblick der Unachtsamkeit von ejner Klapperschlange gebissen worden. Er hatte ;mit der den' Indianern eigentümlichen Stumpfheit und 'Unempfindlichkeit um die Bissteile mit der Haut.-Ein bis zwei Meter hohes,.-zähes.JJn- : .7Mä"Che"fe7'dem schweren "Büschmesser, -ein Loch herkräuf schiesst wäldartig empor, schluckt gierig Ross und Reiter und überschüttet-beide 1 ; ausgeschnitten und überdies aus seinem Pulver-. L'horn etwas in'"dieses Fleischloch geschüttet'und mit blutgierigen Zecken, die Fieber erzeugen/ : i angezündet, ; Wir brachten den Stöhnenden vorsichtig heim und flössten ihm in regelmässigen Zeitabschnitten ' Zuckerrohrschnäps .ein, während ein Stammesgenosse gekaute Wurzelteile einer Urwaldpflanze auf die Wunde auflegte. Wohl nur dem brutalen und sofort nach dem Bisse erfolgten Eingriff hatte es Felipe zu verdanken, dass er mit dem Leben davonkam. Doch macht ihm das Bein auch heute noch immer zu schaffen. Auch war die Klapperschlange keine der ärgsten. Sie hat kein gefährliches Alter, wohl aber gefährliche Zeiten. Zur Zeit der grössten Hitze ist das Gift am stärksten. Auch ist es nicht unwesentlich, wann sie zuletzt biss und ob der erste oder einer der folgenden Bisse die Verwundung herbeiführte. Das Rind und die Sanitätspolizei. Einmal vermissten wir unsere Milchkuh. Auch sie wurde, wie Felipe, in Potrero gefunden. Schwer atmend, lag sie auf dem dürren Boden, Schaum vor dem Maule und mit heraushängender Zunge. Hunderte von ekelhaften Fliegen sassen darauf, krochen den Augenwinkeln zu. Von Hilfe war keine Rede. Die Milchkuh war am Nachmittag verendet und wurde selbstverständlich liegengelassen. Am nächsten Nachmittag führte mich mein Weg zufälligerlveise wieder durch diesen Teil des Potreros. Ein ekelhafter Aasgeruch erfüllte die Luft. Richtig, da war ja gestern die Kuh verendet! Unverändert schien sie dazuliegen. Nur der Bauch war stark aufgetrieben. Ich ritt etwa« näher. Da geschah etwas Seltsames, die Sanitätspolizei stellte sich vorl Aus der Bauchhöhle kamen zahlreiche Aasgeier hervor, humpelten vollgefressen und unwillig über den Störenfried, ein kleines Stückchen fort und blieben abwartend stehen. Ich hatte Lust, der Verwesung noch näher zu treten. So ritt ich bloss im Bogen herum und konnte in die gewaltige Höhlung hineinsehen. Am nächsten Tag waren nur mehr das Gerippe und einige vertrocknete Hautfetzen vorhanden. 100 Klapperschläge in der Sekunde. Die Klapper befindet sich am Schwanzende und besteht aus einer hornartigen Masse. Jedesmal, wenn die Klapperschlange sich häutet, bleibt die Haut am Schwanzende erhalten, während die übrige alte Haut abgestreift wird. Bei der zweiten Häutung bleibt wieder das hornartige Ende erhalten. Die beiden Hornglieder sind durch Ränder und Furchen ineinandergefügt, so dass sie beisammen bleiben. Aber ihre Verbindung ist keine völlig feste, so dass sie sich gegenseitig bewegen können. Häutung folgt auf Häutung. Jede fügt ein Glied dazu, und die Klapper wird immer grösser und länger. Ich habe in meiner Sammlung Klappern, die aus 15 Teilen bestehen, also kann von 15 Häutungen gesprochen werden. Doch sollen Klappern mit 21 bis 22 Gliedern gefunden worden sein. Wenn die Klapperschlange als behaglich aufgelöster Muskelteller im Busch liegt und etwas sie reizt und Gefahr im Anzüge ist, dann strafft sich der sehnige Körper. Der Hals wird emporgehoben, um dem Kopf Stossfreiheit zu ermöglichen, und die Schwanzspitze mit der Klapper ist bedrohlich aufgerichtet. Erregt beginnt die Spitze zu schwingen und die Klapper ertönt. Sechzig- bis hundertmal in der Sekunde soll die Klapper vom erzürnten Tier hin und her durch die Luft gepeitscht werden! Wozu dient die Signalanlage? Niemand kann, wenn er ehrlich ist, diese Frage beantworten. Sicher ist sie kaum dazu da, um den Menschen oder eine Milchkuh zu warnen. Auf dem Hang des Vulkans. Von der gigantischen Vulkankette, die das Reich des Sternenbanners vom lateinischen Amerika trennt, kommen zur Regenzeit brausende und tobende Flüsse ins Tiefland, legen ihre Wildheit ab, rinnen durch Zuckerrohr und Potrero. durch .Urwald und Kakao und finden im donnernden Pazifik ihr Ende. Hell und klar ist die Vollmondnacht. Das Kreuz des Südens kann gar nicht zur Geltung kommen. Vollmond, Zeit der Rätsel und Geheimnisse, Zeit, in der der Bambus seine Schösslinge emportreibt und die alten indianischen Götter aus den Tiefen der Vulkane und dem Dunkel der Urwälder emporsteigen. ~ Ich bummle-zum Rio Palo, der hoch oben im todspeienden Vulkangebiete seine Geburtsstätte hat, durch Lava und Bimsstein tobt, Farnwälder durcheilt und im Urwald mit ölig-glatter Oberfläche Erweiterungen bildet, die, von Mangrovendickicht umsäumt, von allerhand Getier bewohnt werden. Ein Indianerpfad wird durch Buschmesser gegen die Tropennatur behauptet. Zur Trockenheit lässt es sich hindurchreiten. Die Hochflut der Regenzeit hat schon manchen Unvorsichtigen samt dem Ross in den Wasserabgrund gerissen. Diesen Pfad bummle ich, mit Machete und Repetierpistole bewaffnet, von Guaca, der treuen Hündin, begleitet, entlang. Lautlos ist die Nacht. Kein Blättchen regt sich. Da dringt unentwirrbares Geräusch an mein Ohr. Immer lauter wird's, bis ich es endlich deuten kann. Schönheit und Grauen. Klappern in grosser Zahl rasseln, dass es einem durch Mark und Bein geht. Der dräuende, an Gefahren und Unbekanntem reiche Urwald, die Nacht in ihm, der mondesglitzernde Fluss und dazu das Zürich ca. 250 m vom H'bahnhof ~ **_•__•_ -* /1 J ? CittäU t — _lt B-h&1 71a. ^A^MI* t Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) Er sah erst in dem Augenblick auf, als Weidenwurzeln den Kahn fingen, sah sich um wie ein verlorener Mensch und ruderte dann den langen Weg zurück. Er glaubte nicht, aber er musste sie fragen. Einen Boden unter den Füssen musste man haben, sonst konnte man nicht leben. Sie war nicht schuld, aber wenn es so war, dann konnte man eben die andere Hälfte tun, von der sie gesprochen hatte. Langsam würde Jürgen tun, was zu tun war, aber nicht halb, wie die andern. Als er das Haus sah, kam von der Moorseite der Gendarm auf die Fähre zu. «Ein bisschen spät kommst du», dachte Jürgen, «aber immer noch zu früh». Er wartete gar nicht auf das Zeichen, sondern fuhr ihm entgegen, um ihn überzusetzen. Er war sehr stramm und sehr gebürstet, der Gendarm, und Jürgen verstand niemals, wie ein Mensch so gerade gehen konnte. Auch auf dem Rade sah er so aus, als seien die Beine, die sich mit den Pedalen krümmten, nur geborgt und der Mensch lebe nur im Oberkörper. Dieser Oberkörper schwebte unberührt und unantastbar über dem blitzenden, rollenden, tretenden Untergestell, wie ein Herrscher über einem Untertan. «Morjen», sagte der Gendarm, obwohl es Abend war, und legte einen Finger an den Helm, «habe mit Ihnen zu reden, Doskocil.» Jürgen nickte und setzte ihn über. Sie blieben gleich an der Fähre stehen, und der Gendarm zog sein Notizbuch und machte den Bleistift an den Lippen nass. Nein, Jürgen wusste nichts, als was man ihm erzählt hatte. Er sei verfeindet mit dem Prediger? Davon sei ihm nichts bekannt, wenn er ihm auch keine Geburtstagsgeschenke gemacht habe. «Zur Sache, bitte», sagte der Gendarm streng. Man erzähle sich, dass seine Frau plötzlich aus der Mormonensekte... ja, und die Sache mit dem Ottereisen ? Mitten im Satz eine scharfe Wendung des Kopfes und ein durchbohrender Blick, als ob das Ottereisen zuschlage und den Fährmann Jürgen Doskocil zwischen seine erbarmungslosen Stacheln nehme. Ja, da habe er drin gesessen, meinte Jürgen. Der Wolf wäre ihm lieber gewesen. Womit er zum Ausdruck bringen wolle, dass er das Eisen gegen Wölfe gestellt habe ? Ja, das wolle er. So... und die fragliche Nacht ? Alibi? Jürgen wusste nicht, was ein Alibi war, aber er deutete nur mit der Hand nach dem Haus. «Gehen Sie und fragen Sie», sagte er. «Es war ja wohl gut, dass ich nicht auf dem Wasser war.» Nein, Jürgen war nicht auf dem Wasser gewesen. Marte behauptete, ein sehr gutes Gedächtnis zu haben, wahrscheinlich weil sie stets nur ein Kopftuch statt eines Helmes getragen habe. Sie erhielt eine Verwarnung, öffnete aber das Fenster und rief Jürgen zu, dass der Herr Wachtmeister gern einen Bärenfang trinken möchte. Nachdem dies geschehen war, eröffnete der Wachtmeister, seine Haltung etwas lockernd, dass «keinerlei Verdachtsmomente» vorlägen und war bereit, ein kleines Gericht Schleie mitzunehmen, die er korrekt wenn auch billig bezahlte. Darauf stieg er wieder von hinten aus auf sein Rad, teilte sich in eine unbewegliche und eine bewegliche Hälfte und verschwand auf dem Weg zum Dorfe. In dieser Nacht noch fragte Jürgen. Er lag so still, als sei er erstarrt, und presste die Finger zusammen, dass die Gelenke ihn schmerzten. «Das Kind», sagte er, «siehst du, sio sprechen so viel von den Mädchen im Dorf.. dass der heilige Geist..» Er stöhnte und hielt den Atem an, weil er nicht wollte, dass sie sein Leiden hörte. «Nun ?» sagte sie hart. Sie wollte ihm nicht helfen. Sie wollte auch nicht, dass er ihr half. Sie wollte, dass dies alles in ihren eigenen Händen bleibe. So schwer ging er'in seinem Tagewerk und auf seinem Lebensweg, dass man ihm nicht eine neue Last auf die Schultern legen durfte. «Ich will nicht wissen», fuhr er noch leiser fort, «ob der Vater ich war oder der... der Heilige Geist... nur, ob es so bleiben wird, so ohne Kind... nur mit der Lust...» Sie lag unbeweglich wie er, die Arme unter dem Kopf verschränkt, die Augen in das Dunkel aufgeschlagen. Es verging eine lange Zeit, bis sie antwortete. «Zu leicht machst du es deiner Frau, Jürgen», sagte sie dann, «und im Dunkeln soll man nicht lügen. Du willst es wissen, natürlich willst du es wissen. Zu demütig bist du, Jürgen.» «Vielleicht», erwiderte er, «vielleicht will ich es nicht wissen, weil ich nicht töten will. Wenn dir Gewalt geschehen ist, muss ich töten... einen Menschen mit den Händen erwürgen, das ist nicht leicht, Marte.. einen Woif, siehst du, ja, aber ein Wolf kann nicht sprechen.» (Fortsetzung folgt.)