Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.005

E_1935_Zeitung_Nr.005

BERN, Freitag, 18. Januar 1935 Nummer 20 Kp. 31. Jahrgang - N°" & ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Fiskus und Motorfahrzeugverkehr Die Ergebnisse von 1933 Die «schönen Tage von Aranjuez» sind für den kantonalen und Bundesfiskus, was die Erträgnisse des Motorfahrzeugverkehrs anbetrifft, vorbei. Die Kurve geht abwärts, die sieben fetten Jahre, wo man Jahr für Jahr Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage ..Autler-Feierabend". &—8 mal jährlich „Gelbe. Liste" Die acht gespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarit. Telephon 28.222 - Postcheck III 41i -j Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern eine ungeahnte Zunahme der bezüglichen Einnahmen von etlichen Millionen guter Schweizerfranken mühelos registrieren konnte, sind zu Ende. Mit schlagender Eindeutigkeit hat es sich 1933 erwiesen, dass auch das Motorfahrzeugwesen nicht die ge- tat der 1929er-Zunahme zurück. Wie die Tabelle der Einnahmen der Kantone (nach den Angaben des eidg. stat. Am- dem Bombenresultat einer Zunahme von gern, wobei besonders der Kanton Bern mit duldsame Milchkuh ist, der man nur immer stärkere Abgaben und Steuern aller Art ab-teszapfen kann, ohne dass auch etwas zu ihrer Fr. 31,057,548 Fr. 28,009,389 auf die eigentli- Mehrbetreffnis des Kantons Schwyz die er- zeigt, fallen vom Jahresergebnis von Fr. 490,320 aufwarten konnte, während beim Kräftigung getan würde. chen. Motorfahrzeugsteuern, während 3,048,159 folgte Steuererhöhung mitzuberücksichtigen Der Hauptleidtragende ist diesmal der von den verschiedenen Gebühren für Füh-istrerausweiserneuerung, Fahrer- und Fahrzeug- Zehn Kantone verzeichnen kleinere, zum Bund. Vom ausgewiesenen Mindererträgnis ' < "*-o 1933 von 1,8 Millionen Franken gehen prüfungen usw. aufgebracht werden. Das -i,7 Millionen Franken zu Lasten, der Bun-krassdeskasse, während es den Kantonen diesmal Missverhältnis, wonach die Gebühren noch gelungen ist, den 1933 erstmals eingetretenen Rückgang im Motorfahrzeugbestand, der besonders im Motorradwesen katastrophale Auswirkungen angenommen hat, bis auf einen Betrag von Fr. 138,000 zu kompensieren. Aber auch hier setzte ebenfalls die Rückwärtskurve ein, sie wird im Jahre 1934 noch weitere Sprünge nach unten getan haben. Es ist höchste Zeit, dass Bund und Kanföhe zu den' verkehrsfördernden Massnahmen greifen, die einen solch rapiden Rückgang der Motorfahrzeugeinnahmen in den kommenden Jahren abzuschwächen vermögen. I. Die Kantone. Drei Viertel der Einnahmen der Kantone aus dem Motorfahrzeugverkehr rühren von den Motorfahrzeugsteuern und -gebühren, ein Viertel .vom Benzinzoll her. Noch ist es ^löglich geworden, die Erträgnisse aus Steuern und Gebühren einem neuen Höchststand entgegenzuführen. Das Ergebnis pro 1933 ^präsentiert sich mit Fr. 31,057,548 Einnah- ?h\et\, was das Doppelte des Jahresresultates von 1926 und das 35fache desjenigen des Jahres 1919, d. h. vor knapp 14 Jahren, darstellt. Nachstehend einige Zahlen, die die rapide Zunahme der Erträgnisse der Kantone an Motorfahrzeugsteuern und -gebühren (Bruttoeinnahmen), die Fahrraderträgnisse nicht mit ciriberechnet, deutlich wiederspiegeln: F E U I L L E T O N Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. Copyright by Albert Lahgen-Georg Müller, München, .„ (19. Fortsetzung.) Und eines Nachmittags enthüllte Jürgen seinen grossen Plan, an dem er schon lange gegrübelt hatte, bis er gleichsam jeden Ruderschlag voraus wusste, den er zu tun hatte. Es war nicht mehr selten, dass Kinder des Dorfes sich zusammentaten und einen ganzen Tag fortblieben, um bei den Bauern der Umgegend zu betteln. Schläge gab es nur, wenn sie nichts heimbrachten, und Jürgen versprach, dass sie viel heimbringen würden. Marte widersprach ihm nicht. «Einmal wird es: dir vergolten werden, Jürgen», sagte sie nur. «Hab nur Geduld mit Gott und mit mir.» n, sie wollte nicht mitfahren. Die Kinder seien etwas ängstlich vor ihr. Sie habe den Hund und er brauche sich nicht zu fürchten. So stieg er eines Morgens in das leichte Boot, machte ein Lager aus trocknem Schilf und nahm da's Segel mit. An der ersten Wendung des Stromes, im Weidendickicht, warteten die Kinder. Sie hatten graue Leinensäcke über den schmalen Schultern, wie sie auszugehen pflegten, wenn sie die nahen Dörfer besuchten. Sie kletterten schweigend über den Kahnbord, kauerten sich auf dem Die Zunahme im m letzten Jahre bleibt volle 3 Millionen Franken hinter dem Rekordresul- Kantone Aargau Appenzell A.-Rh. Appenzell I.-Rh. Baselland Baselstadt Bern Freiburg Genf Glarus Graubünden Luzern Neuenburg Nidwaiden Obwalden St. Gallen Schaffhausen Srhwyz Solothurn Tessin Thurgau Urj Waadt Wallis Zug Zürich Total 1933 Total 1932 Total 1931 Motorfahrzeug- -steuern 1933,, Fr. 1 663 674 — 161 012.— 18 327 — 545 873.— 1 046 901.— 4 594 539.— 498 530.— 1 736 594 145 266.— -266 102.— 1140 292.— 756 165.— 53 381.— 42 841.— 1518 678.— 239 274.— 266 491.— 859 762.— 1 287 529.— 931 330.— 35 815.— 3 424 062.— 391 678.— 165 277 — 6 219 996.— 28 009 389.— 28 041 617.— 26170 645.—' Zunahme gegenüber dem Vorjahr 1919 Fr. 890 430 1927 > 17 115 610 1929 » 23 484907 Fr. 3 455 938 1930 » 25 784 663 » 2 299 756 1931 » 29 017 886 » 3 233 223 1932 » 30 661859 » 1643 973 1933 » 31057 548 > 395 689 Die Einnahmen der Kantone aus Verkehrssteuern Gebühren aus dem Motorfahrzeugverkfehr 1933 Fr. 185 787.— 12 251.— 1 617.— 62 191.— 213 752.— 572 486.— 31.964.— 316 205.— 13 268.— 39 676.— 161 970.— 76 796.— 3 540.— 8125.— 11 597.— 41 476.— 27 683.— 130 494.— 86 174.— 76 280.— 9 295.— 375 186.— 28 681.— 17 407 — 544 258.— 3 048 159.— 2 620 242.— 2 847 241.— Schilflager nieder, ermahnten sich durch Zeichen zum Schweigen und waren blass und erregt, als seien beide Ufer mit Schützen besetzt, die den Pfeil schon an der Sehne hatten, um ihn in das Herz ihres Fährmanns zu bohren. «Strom frei!» sagte Jürgen hinter der ersten Rohrinsel. Und dann begann die grosse Fahrt zur Stadt. Jürgen zog das Segel auf, und zwischen verbrannten Ufern trieben sie dahin, eine quirlende, rufende, singende Schar, die Gesichter vorausgewendet, als führen, sie über den Ozean und als sei, was hinter dem See mit verschwommenen Türmen in einen bleigrauen Dunst ragte, die versprochene goldene Stadt. Aber bevor sie Häuser und Menschen erkennen konnten, tauchte Jürgen den grauen Plan, ? der unter seinem Sitz lag, ins Wasser und breitete ihn von Bord zu Bord über das Schilflager und sah in schweren Gedanken auf die schlafenden Körper, die bald in erschöpfte Träume gefallen waren. Es war ein seltsamer Zug für die kleine Stadt, der sich langsam durch viele Strassen! zum Rathaus bewegte. Voran der Fährmann Jürgen Doskocil, den jedermann kannte und von dem alle Kinder der Stadt glaubten, dass er unter dem Wasser wohne und weisse Jungfrauen zu sich herunterlocke in ein einsames und trauriges Reich. Er trug seine beiden Ruder auf der Schulter, von denen er sich nie trennte, so wenig wie ein Fuhrmann von seiner Peitsche.' Und hinter ihm, einen Neuntel des gesamten Steuererträgnisses ausmachen, spricht schlagend dafür, dass die einzelnen Gebühren viel zu hoch angesetzt sind und zum grossen Teil den Charakter einer versteckten Steuer besitzen. Dass man die Gebührenansätze trotzdem immer noch zu steigern sucht ergibt sich daraus, dass die eigentlichen Steuereinnahmen 1933 um Fr. 32,000 zurückgegangen sind, während es den Kantonen Unverdientermassen gelungen ist, die Gebühreneinnahmen gleichzeitig um Fr. 430,000 zu steigern. Es ist heute einfach nicht mehr haltbar und zulässig, dass man den Motorfahrzeugbesitzern z. B. für die alljährliche Abstempelung des Führerausweises (Erneuerung) den weit übersetzten Betrag von Fr. 10 und mehr abnimmt. Von den 25 Kantonen vermochten noch 15 Kantone die Einnahmen an Motorfahrzeugsteuern und -gebühren im Jahre 1933 zu stei- Teil aber auch wesentliche Abnahmen (Genf Fr. 112,407). Nach wie vor zieht der Kanton Zürich den grössten Nutzen aus dem Motorfahrzeugverkehr (Fr. 6,764,254), in weitern Abständen folgen Bern mit Fr. 5,167,025, Waadt mit Fr. 3,799,248, Genf mit Fr. 2,052,799 usw. Total 1933 Total 1932 Zu- resp. Abnahme Fr. 1 849 461.— 173263.— 19 944.— 608 064 — 1 260 653 — 5 167 025.— 530 494.— 2 052 799.— 158 534.— 305 778.— 1 302 262.— 832 961.— 56 921.— 50 966.— 1 530 275.— 280 750.— 294 174.— 990 256 — 1 373 703.— 1 007 610.— 45110.— 3 799 248 — 420359.— 182 684.— 6 764254.— 31 057 548.— 30 661 859.— 29 017 886.— Fr. 1842 272.— 166 595.— 17 980.— 621 139.— 1 175 968.— 4 676 705.— 467 007.— 2 165 266.— 149 496.— 305 298.— 1 308 473.— 881 874.— 55 431 — 51.449.— 1 569 813.— 289 460.— 244195.— 1 071 045.— 1 336 446.— 1 071 828.— 40 833.— 3 793605 — 413 287.— 183 719.— 6 762 675.— 30 661 859.— Fr. 7 189.— 6 668.— 1 964.— 13 075.— 84 685.— + 490320.- + 63 487.— — 112 467.— 9 038.— 480.— 6 211.— 48 913.— 1490.— 483.— 39 538.— 8 710.— 49 979.— 80 789.— 37 257 — 64 218.— 4 277 — 5 643.— 7 072.— 1035.— 1 579.— + 395 669.— 4- 1 643 973.— + 3 528 124.— eines in der Spur des anderen, die «sieben Raben», barfuss, barhäuptig, mit alten Gesichtern, die grauen Säcke um die schmalen Schultern. Zuerst gingen die Kinder mit, die auf der Schattenseite der Strassen spielten. Und dann gingen die Mütter mit, die vor den Türen oder in den Geschäften standen. Und dann gingen die alten Rentner mit, die ihren Morgenspaziergang machten, die Hände auf dem Rücken und die halblange Pfeife im Mund. Und dann gingen die Dienstmädchen mit, den Korb unter dem Arm und den Hausschlüssel in der Hand. Und auf jede^ der hundert Fragen, die an den Zug gerichtet wurden, schwiegen die Kinder mit verschlossenen Gesichtern und sagte Jürgen immer nur das gleiche: «Sie essen Brot von Birkenrinde und fahren im Herbst nach- Amerika, und vorher wird man sie auf die Totenbahre legen.» Vor dem Rathaus hielten sie an, und Jürgen gab ihnen die beiden schweren Ruder zu halten und stieg langsam und bedrückten Herzens die Steintreppe hinauf. Man hatte sie aus den Fenstern gesehen, und in allen Türen standen Beamte und sahen ihnen entgegen und wussten nicht recht, ob sie über die Erscheinung des Wassermanns lächeln oder ob sie traurige und mitfühlende Gesichter machen sollten. Bis einer, dem der ganze Aufzug amtlich nicht korrekt erschien, ihn mit strenger Sachlichkeit fragte, was er wünsche. Ja, er wolle zum Herrn Bürgermeister. In + + t t 4- + + t Mit den Erträgnissen aus Motorfahrzeugsteuern und -gebühren sind die Einnahmen der Kantone aus dem Motorfahrzeugverkehr nicht erschöpft. Ihr Anteil an den Benzinzolleinnahmen (25%) stellte sich pro 1933 auf Fr. 10,921,302, gegenüber Fr. 11,455,216 im Vorjahr. Der Rückgang ist bedingt durch den um ca. 9000 Tonnen geringern Import an Benzin und Benzol im Jahre 1933. Ferner kommt noch die Suvention des Bundes an den Unterhalt der Alpenstrassen von 1,060,000 Franken hinzu, in welchen Betrag sich die Gebirgskantone Graubünden, Tessin (je Fr. 400,000), Uri (Fr. 160,000) und Wallis (Fr. 100,000) teilen. Schliesslich sind noch die Erträgnisse aus Polizeibussen im Motorfahrzeugverkehr mitzuberücksichtigen. Hierüber fehlen zwar zuverlässige statistische Angaben, man wird jedoch anhand der Veröffentlichungen einzelner Kantone'nicht fehlgehen, wenn man diesen Anteil der Kantone wie.. 1932 mit total Fr. 500,000 pro 1933 in Rechnung stellt. Diese vier vom Motorfahrzeugverkehr alimentierten Quellen des kantonalen Finanzhaushaltes haben für alle 25 Kantone pro 1933 folgendes Einnahmentotal ergeben: 1933 1932 Zu-resp. Abn.. Motorfahrzeug- Fr. Fr. Fr. steuern und -gebühren 31057 548 30 661859 +395 689' Anteil d. Kantone • > am Benzinzoll 10 921302 11455 216 — 533 914 Bundessubvention f. Alpenstrassen 1O6O0OO 1060 000'' ' — Bussen a. d. Motorf ahrzeugverkehr 500 000 500 000 —_ Totaleinnahmen der Kantone ' 43 538 850 43 677 075 —138 225 Verzeichnete" dieser Ertrag im Jahre 1931 eine Zunahme von 4,1 Millionen Fr. und 1932 noch eine solche von 2,5 Millionen Fr., so zeigt die nunmehrige Abnahme von rund Fr. 140,000 deutlich die finanzielle Schlechterstellung der Kantone im letzten Jahr. Uni alles deutet darauf hin, dass sich diese Entwicklung 1934 noch wesentlich verschärft haben wird. Rund 43^ Millionen Fr. haben 1933 allein die Kantone aus dem Motorfahrzeugverkehr gezogen. , II. Der Bund. Der Bundesfiskus schöpft im vollen aus' dem Motorfahrzeugverkehr. Uebersetzte Zölle auf Motorfahrzeug- und Benzineinfuhr haben ihm eine Finanzquelle in die Hand gegeben, ohne die die Bundesfinanzen heute schwer aus dem Gleichgewicht kämen. Es ist daher verständlich, dass in weiten Kreisen stets 1 williges Gehör gefunden wird, wenn man' welcher Sache? In einer Sache der Barm-: herzigkeit. Dafür sei das Wohlfahrtsamt zu-, ständig. Aber da schob ihn einer der älteren Beamten sachte zur Seite, sagte ruhig, dass für eine solche Sache kein Amt zuständig sei, sondern ein Mensch, *der selbst Kinder, habe, nahm Jürgen leise beim Arm, und führte ihn zum Bürgermeister. Hier stand Jürgen neben der Tür, setzte sich nicht auf den Stuhl, der ihm angeboten wurde, sah aufmerksam und bescheiden in das nicht unfreundliche Gesicht mit der goldenen Brille und erzählte mit schwerfälligen Worten, dass die Dörfer verhungerten und dass man für die Kleinen etwas sorgen müsse, bevor sie hinübergingen nach der goldenen Stadt. Der Bürgermeister Hess ihn aussprechen und' sagte dann, dass der Kreis in der gestrigen Sitzung beschlossen habe, den Dörfern mit Lebensmitteln zu helfen, dass auch die Stadt sich an diesem Werke beteiligen wolle und er so ohne Sorgen zurückfahren könne. Für die Sieben, die er mit habe, werde sich schon Wegzehrung finden. Aber er möchte ihm nur noch sagen, weshalb gerade er, von dem bekannt sei, dass er ein scheuer und stiller Mann sei, diesen Zug unternommen habe. Darauf wusste Jürgen nur zu sagen, dass nur zu einem stillen Wasser die jungen Tiere kämen, um zu trinken, und wenn das Wasser leer getrunken sei, dann müsse die Erde schreien, damit die anderen es hörten. Der Bürgermeister ging mit ihm hinunter, T