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E_1934_Zeitung_Nr.102

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• * . ' 8 ÄUTOMOBIL-r7EVUE 1934 - N« 102 Reklame !m Strassentransportwesen. Die obige eindrucksvolle Reklame einer einheimischen Choeoladefabrik wird ihre Wirkung gewiss nicht verfehlen. Die Seitenwände des auf einem 2,5-t-Berna- Lieferungschassis montierten Oberbaues sind in künstlerischer Art und Weise in den Dienst der Propaganda gestellt worden. M Fortsetzung von Seite 6. merksam zu machen. Im weitern hat der A. CL S. einen Verkehrsfilm angeschafft, der kostenlos in 100 Kinotheatern der Schweiz gezeigt werden so'l und sich an die Erwachsenen wendet. Auch diese Initiative ist äusserst wertvoll und verspricht guten Erfolg. Lugano, Ort der nächsten Tagung. Unter freudiger Zustimmung wurde Kenntnis genommen von der Bewerbung der Sektion Tessin, um die Uebernahme der Sommerdelegiertenversammlung mit Glubfest. Einige weitere Sektionen, •die sich ebenfalls für die Uebernahme interessierten, etanden zugunsten der Freunde ennet des Gotthard zu deren grosser Genugtuung zurück. Das Fest im Süden verspricht ein ganz besonders reizvoller Anlass zu werden Das Bankett das sich an die geschäftliche Sitzung anschlofis, fand nach den vielen Stunden angestrengter Aufmerksamkeit dankbare Aufnahme. Bald herrschte ein reger Gedankenaustausch von Tisch zu Tisch, heue Bande der Freundschaft wurden geknüpft, die Beziehungen zwischen deutsch und welsch gefestigt, kurzum, die Tagung fand hier einen harmonischen Abschluss. Und mit Begeisterung stimmte man der Feststellung des Tafelpräsidenten zu, dass niemand diese Delegiertenversammlungen missen möchte, falle nun die Statutenrevision so oder anders aus. Revisione Dodge Eigerplätz 2 Einmal muss auch Ihr Wagen vom Fachmann durchgesehen werden. Warten Sie damit nicht zu lange. Die rechtzeitige Behebung kleiner Mängel erspart Ihnen kostspielige Reparaturen. Unsere aufs modernste ausgerüstete Werkstätte mit erstklassigem Personal ermöglicht uns rascheste und sorgfältigste Bedienung zu zeitgemässen Preisen. Wann dürfen wir also Ihren Wagen abholen ? GEBR. MARTI, BERN Vertretung und Service Tel. 23.941 SEKTION BERN. Zusammenkünfte der Sportkommission und weiterer Interessenten. Seit einiger Zeit pflegen die Mitglieder der Sportkommission gesellige Zusammenkünfte, die bis jetzt jeden zweiten Dienstag im .Kornhauskeller stattgefunden haben. Veranlasst wurden die Zusammenkünfte durch das Bedürfnis, sich dann und wann «ausseramtlich» zu sehen. Obwohl der Gedanke von der Sportkommission ausgegangen ist, ist jedes Sektionsmitglied, das die Chargierten einmal' kennen lernen möchte oder ihnen inoffiziell Vorschläge zur Vereinstätigkeit zu machen hätte, freundlich eingeladen; fallen doch die meisten Anregungen zur Bereicherung des Jahresprogrammes stets ausserhalb der Versammlungen und gelangen meistens nicht zu Ohren des Sektionsvorstandes. Die Sportkommission erhofft daher von den freiwilligen Zusammenkünften eine enger« Fühlungsnahme mit den übrigen Mitgliedern. Die nächste Zusammenkunft ist auf Dienstag, den 18. Dezember 1934, 20 Uhr, in den Kornhauskeller angesagt. Heber die folgenden Besammlungen gibt das Sektionssekretariat jederzeit Auskunft. h. I Touristikbulletin des A. C. S. (m. K. o> mit Ketten, o. K. = ohne Ketten.) Zufolge des andauern schönen Wetters in den Höhenlagen sind die Strassen in den Voralpen und teilweise auch im Jurage&iet immer noch schneefrei. Als aussergewöhnlich ist zu melden, daSs der K1 au senp as s wieder durchgehend mit Ketten Schweizer Cabriolets 4/5plätzig (Carrosserie Worblaufen) Italienische Carrosserien Serien und spezielle Innenlenker Ein 100.000-kg-Anhänger-Koloss. Dieser neue Riese der Transporttechnik hat ein Eigengewicht Ton 25.000 kg und eine Tragfähigkeit von 75.000 kg; seine Länge beträgt 12 Meter. Die Ladefläche kann um insgesamt 1,20 m gehoben werden, und zwar vermittels einer hydraulischen Handpumpe. Transformatoren, Turbinen und andere grosse Maschinen sollen auf diesem einzigartigen Anhängewagoa befördert werden. passierbar ist. Die genaue Lage der einzelnen Bergstrassen ist am 14. Dezember, morgens, folgende: Appenzellerland und Toggenburg: Ueberall schneefrei, auch die Strassenübergänge ins Rheintal (Wildhaus, Stoss, Oberegg), ebenso Hulftegg, Rickenstrasse und Zufahrt nach Amden. Schwyz: Ibergeregg, sowie alle übrigen Strassen schneefrei. Glarnerland: Klausenpass seit i2. Dezember mit Autos wieder befahrbar, Ketten sind wegen verschneiten Passagen notwendig. Ueberfahrt für leichtere Wagen nicht empfehlenswert. Strasse über den Kerenzerberg schneefrei. Graubünden: Schneefrei und o. K. befahrbar sind folgende Strassenzüge: Klosters-Davos (Wolfgang); Tiefencastel - Wiesen - Davos (Zügen); Chur- Arösa; Lenzerheide; Oberhalbstein bis Bivio; Albulastrasse bis Bergün (Weiterfahrt m. K. bis Preda, Vorsicht, stark vereist); Thusis - Splügen - Hinterrhein; Oberalpstrasse über Reichenau - Flims - Ilänz - Disentis bis Sedrun; Lukmanierstrasse bis Platta. Julierpass 20 cm Neuschnee, gopfadet und m. K. gut passierbar; Maloja m. K. passiertbar; Oberengadin durchgehend m. K. offen; Unterengadin o. K. befahrbar, Mitnahme von Ketten jedoch angeraten; Strasse Weinberg - Samnaun stark vereist, m. K. passierbar; Ofenpass gesperrt; Misox gepfadet bis San Bernardino-Dorf (ca. 40 cm Neuschnee), Ketten erforderlich. Typ 6 C, 2300 ccm Spezielle Stromlinie — Innenlenker, 4plätzig, Typ „Pescara" 12 HP (ohne Kompressor) — Geschwindigkeit über 150 km./Std. Auskünfte und Vorführungen durch: S.A. ALFA ROMEO, FILIALE LUGANO Telephon 12.35 Quai V. Vela III •11! 12 HP, Gran Turismo u. Turismo Innerschweiz: Brünigpass, sowie Zufahrt nach Engelberg schneefrei. Gotthard, Nordseite aper bis HOspenthal; Südseite schneefrei ab Airolo (Autoverlad Göschenen-Airolo und umgekehrt); Be» drettotal gesperrt. Berner Oberland: Schneefrei und o. K. befahrbar sind: Haslital bis zur Zentrale Handeck; Gadmental; Strassen nach Grindelwald, Lauterbrunnen, Kandersteg und Adelboden; Simmentaistrasse; Saanenmöser; Jaunpass; Gurnigel von Riggisberg her bis Passhöhe Selibühl; Strasse Plaffeien-Zollhaus- Schwefelbergbad; Schallenberg. Jura und Westschweiz: Marchairuz angeschneit, Ketten notwendig. Alle übrigen Jurastrassen sind gänzlich schneefrei. Col du Pillon und Gol des Mosses o. K. passierbar; Forclaz wieder m. K. passierbar, ebenso Montets; Pas de Morgins o. K. befahrbar; Rhonetal o. K. offen bis Fiesch. Weiterfahrt unmöglich; Simplon von Brig her bis Schutzhaus Nr. 2 o. K.; Grosser St. Bernhard o. K. befahrbar bis Liddes; Lac de Champex über Orsieres o. K. erreichbar. Verantwortliche Redaktion: Dr. A. Büchi, Chefredaktion. W. Mathys. — Dr. E. Waldmeyer. — M. Bolllger. Telephon der Redaktion. 28 222 (Hallwag) Ausserhalb der Geschäftszeit: 23.295. Au fo kühler ecken % auf- Wunsch m\\ 1 Motorhauben-Decken. AUTO- SATTLEREI MULLER&MARTI Eigerplätz 13 B E R N Tel - 28.298 BeiAnfragtn bitten wir um Angabe der Wagentypt N E B da bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als auszusteigen und selbst den Weg durch den dichten Nebel schrittweise zu suchen. WKre es nicht einfacher, rechtzeitig an solche Unannehmlichkeiten zu denken und bei mir zweckmiisigo E L. L A M P E N W an Ihrem Wagen anbringen zu lassen. Die Anschaffung ist nicht kostspielig und lohnf sich auf alle Falle. Alles Elektrische fiir's Aula stets von ^— (Telephon 31223) Zürich 2 Gutenbergstr. 10 (Telaphon 28701) Bern Belpstrasse M von Wagen jeder Marke sind unsere Spezialitat .. Wir verfügen über neue, moderne, mit Spezialmasehinen .ausgerüstete Werkstätten, ein besonders geschultes und -.1 Jede Karosseriearbeit tlp-top, seriöses Personal, ein grosses Lager an Ersatzteilen, spezielle wie sie dem erfahrenen Fachmann zur Ehre gereicht.' { i Räume für Batterie-Ladung und Kontrolle der elektrischen Elektro- und Autogen- f Anlagen. Eigene Wagenmalerei. Wir arbeiten rasch, zuverlässig und stellen trotzdem nur bescheidene Forderungen SOHWE ISSER El l Massige Preise f SÄUR ER- !s R S A TZT EILLAGER GROSS-GARAGE ^ RUSWILCTEL.5O) Druck. Cliehes und Verlast HALLWAG A.-G., Hfcllersche Buchdruckerei und Wagnersche Verlagsanstalt, Bern.

Bern, Dienstag, 18.Dezember 1934 II. Blatt der „Automobil-Revue" No. 102 Weihnachtsmärchen Es war einmal ein Spielmann, der zog unstet durch die Welt. Seine Geige aber erklang immer, und wo er sie nur spielte, da war Leben. Dort, wo er nicht seinen Fiedelbogen strich, war auch keine Fröhlichkeit, dort mähte die Sense des Todes. Und damit überall einmal Leben sei, die Freude und die Lust, deswegen zog er unstet durch die Welt, und kein Ort war, der ihm hätte Heimstatt sein können. Er wanderte durch alle Jahreszeiten, und der Frühling wie der Sommer, der Herbst sowie der Winter entlockten seiner Geige die ergreifendsten Lieder. Wie das kam, wusste kein Mensch. Eine alte Legende nur, die im Volksmund weiterlebte, sagte aus, dass diesem Spielmann einst ein grosses Glück zu eigen gewesen wäre, da er es aber auf ewig sein eigen nennen wollte, seien die Not und dann der Schmerz zu ihm gekommen und die hätten ihm diese weltweite Sehnsucht gebracht, welche ihn nirgends Ruhe und Rast finden lasse. Deshalb klinge seine Geige so weh, wenn er die Mailieder auf ihr streiche, deshalb singe sie schon vom Schnitter Tod, wenn noch der Sommer mit rotem Mohn und den blauen Kornblumen Leben offenbare; deshalb klänge das Brausen des Sturmes machtvoll von den Saiten, wenn er dem Jahre im goldenen Herbst die Abschiedslieder spiele, und deswegen zittere die Fiedel in weher Sehnsucht, wenn er im kalten Winter seine Notlieder auf ihr klage. Es war aber einmal eine bitterkalte Winternacht. Ein dichter Schneeflockentanz war 'Zur Ruhe gegangen und bettete weich und weiss die Erde ein. Der kalte Wind strich an einer im Winterschlaf befangenen Rosenhecke vorbei. Unter der Hecke aber sass jener Spielmann — müde, zerjagt und abgehetzt — und er spielte auf seiner Geige. Und sie sang ein wehes Lied, wie von der Stille dieser Winternacht, da der Frost alles Leben überfriert und kein Herz ausgeht, das andere zu suchen. Und es stand ein Stern am Himmel. Wieder einmal stand dem alten Geiger, den es bis ans Herz fror, sein eigenstes Lebensleid vor der Seele, und so kam es, dass sich in die trostlose Melodie seiner Einsamkeit, des Verlassenseins, der Sehnsuchtsschmerzen seines Herzens, der nur in dieser Nacht sich durchzuringen vermögende Schrei nach wärmendem Licht, nach Liebe in erschütternder Klage hineinverlor. Diese Weise tiefsten Leidens durchdrang auch den Rosenstock, unter dem der Spielmann frierend Schütz suchte, als der Wind an den Reisern rüttelte. Und — als wenn die seltsamen Geigenklänge Macht über ihn gewännen, als ob auch das strahlende Sterngebild am hohen Himmelsdom eine ihn weckende Kraft ausstrahlte — die Dornenreiser begannen sich plötzlich zu recken und zu strecken. Der Stock trieb Knospen über Knospen und schliesslich auch Blüten, rot und weiss. Aber leiser, immer leiser erklang des Spielmanns Instrument, und der Stern am Himmel erstrahlte immer heller. Und zuletzt musste der Geiger den Bogen sinken lassen. In der Stille aber, im hellen Licht dieser hohen Nacht, weinte er. Er weinte über das Leid seines Lebens' und das der Welt. Er weihte über die Not dieser Welt, wo in der höchsten Freude Seligkeit der tiefste Schmerz allzeit geboren wird und so kein Frieden den Herzen werden mag. Dann war es still — ganz still. Da blühten weisse Rosen auf des Spielmänns Stirn, die hatte der Tod ihm gebracht. Da blühten auch rote Rosen und die umrankten des Spielmanns Geige. Und es war, als ginge ein geheimnisvolles Flüstern von da aus durch den ganzen Erdenraujn. Wie ein Staunen war es, das selige Staunen um ein Wunder. Dann kam ein flockiger Schneefall und der hat altes leise zugedeckt. In jener bitterkalten Nacht wurde Christus geboren. Seit jener Nacht sind Leben und Tod überwunden — durch die Liebe. H. H. %• \ Ss&esi^läS I1@&1 liilllili Mit Vogelsang verschwand das Jahr. Nun brennen Lichter wunderbar. Mein Kind, nun kommt die frohe Zeit, Das Licht, die grosse 'Innerheit. Christbaum im Walde Lichtwunder (Aus dem Althochdeutschen.) Von Robert Michel. Johanna ist das älteste von den drei Kindern. Und obwohl sie es nur schwer zuwege bringt, die vierjährige Martha auf den Arm zu nehmen, wenn diese müde ist oder wenn hoher Schnee liegt, so sehen die Geschwister in ihr doch die Führerin, der man gehorchen muss. Freilich schämt sich der rundliche Peter manchmal, dass er als Mann seiner Schwester gegenüber nicht so auftrumpfen kann, wie er es bei den Schulkameradinnen tut, aber lange Erfahrung hat ihn gelehrt, dass es ratsam ist, Johanna doch zu gehorchen. Nun mussten die beiden Kleinen seit Monaten schon jede Münze abführen, die sie da und dort geschenkt bekamen oder manchmal auch im Rinnstein fanden. Rappen um Rappen wanderte in die kleine Pappschachtel zu den andern, die Johanna beisammen hatte, Verdienst aus kleinen Botengängen, bekommen von Nachbarn für Briefe zur Post zu tragen, Holzspalten und sonstigen Hilfeleistungen ähnlicher Art. Johanna spart für den Christbaum. Das soll nicht wieder geschehen, dass sie am Weihnachtsabend mit der Mutter weinend um einen leeren Tisch stehen. Die ganze Zeit über durfte kein Zukkerzeug gekauft werden, kein Johannisbrot und kein Süssholz. Heute aber soll all der Heldenmut, alle Entsagung belohnt werden. Ungeduldig warten die Kinder, dass die Mutter fortgehe. Es ist höchste Zeit für den Weihnachtseinkauf. Man hatte noch nichts besorgen können, weil vor der Mutter so schwer etwas zu verheimlichen war, und dann hatte Johanna gehört, dass man am Christtag alles billiger bekommt. Die Mutter säumt heute besonders lange. Immer von neuem macht sie sich in der kleinen Stube zu schaffen, streicht dort eine Decke zurecht, rückt hier einen Stuhl (Photo Naegeli, Gstaad.) Im Schnee beginnt das Leben weit. Mein Kind, nun kommt die Fröhlichkeit. Das ist die Mär, die jedes Jahr Erblüht: Dass Nacht das Licht gebar! gerade und wischt noch einmal über die Fensterscheiben. Nun muss sie aber doch gehen. In der Villa des Fabrikherrn erwartet sie noch viel Arbeit, aber wenn sie tüchtig schafft,, kann sie vielleicht später für eine Stunde loskommen. Sie gibt Johanna Auftrag, für den Abend im Ofen ein gutes Feuer zu machen, und verlässt die Stube mit einem traurigen Blick auf die drei. Die aber sind nicht traurig. Kaum dass die Mutter zur Türe draussen ist, holt Johanna die Schachtel mit den Münzen und streut das viele Geld über den Tisch aus. Sie will berechnen, wie es am besten zu verwenden wäre. Aber nie will die Berechnung stimmen, nie kann sie sich entscheiden, welchen Betrag sie für Kerzen anlegen darf, welchen für Goldnüsse, für Silberfäden, Aepfel Und Süssigkeiten. Und die kleine Tanne darf nicht vergessen werden. Zu dritt treten sie durch die Tür des Kaufladens, die sich mit einem leisen Knirschen aus ihrer Vereisung gelöst hat. Also: zuallererst ein ganzes Dutzend Kerzen, von den dicken, die recht lange brennen, und dazu eine Schachtel Zündhölzer, und zwölf Kerzenhalter, die so bunt glitzern, blau, rot und grün. Die gefallen Johanna am besten. Sie bezahlt und ist sehr zufrieden, obwohl der Preis den Voranschlag überschritten hat. Und nun zu den anderen Herrlichkeiten. Die Vorräte für die Weihnacht sind zwar fast alle schon ausverkauft, aber es gibt aiuf dem Boden mancher Schachtel und mancher Schublade noch soviel des Verlockenden, dass es ein wahres Schwelgen wird, da auszuwählen. Endlich gebietet Johanna, den Geschwistern und sich selbst Halt. Sie will zahlen. Welch ein Schreck ! Das Geld reicht nicht mehr. Sie hat ihre ganze Habe auf den Ladentisch geleert, zählt und zählt noch einmal, es will nicht mehr werden. Beschämt möchte sie einen Kranz Feigen zurückgeben, um den Ausgleich herzustellen, aber der Kaufmann lächelt. Das sei nicht der Rede wert, sagt er, streicht das Geld ein und beginnt schon die Einkäufe in Papier zu wikkeln. Johanna will ihm sagen, sie müsse doch einiges zurückstellen, sie brauche noch Geld für den Christbaum, aber sie kann sich nicht entscheiden, worauf am leichtesten zu verzichten wäre, und dann wagt sie es nicht, den Kaufmann zu behelligen. Die Geschwister ahnen nichts von Johannas Kummer; ihre Augen leuchten in Weihnachtsseligkeit. Sie biegen rasch um eine Ecke, da bleibt Johanna stehen und reisst die Geschwister aus dem Himmel ihrer Weihnachtsträume mit der Eröffnung, dass für den Baum kein Geld mehr da sei. Lautes Aufschluchzen ist das Echo. Johanna möchte am liebsten in das Weinen der Kleinen einstimmen und muss sich doch bemühen, sie zu trösten. Aber alle Worte können nicht über den Jammer hinweghelfen. Da zuckt in Johanna ein Gedanke auf und wird auch schon zum Entschluss: sie werden einen Baum aus dem nahen Wald nehmen. Der Wald ist so gross und der liebe Gott verzeiht es sicher, wenn arme Kinder sich dort einen Christbaum holen. Sie heisst die Kleinen warten, holt aus dem Schuppen des Hauses, in dem sie eingemietet sind, eine Handsäge und eilig gehen die drei auf den Hang zu, der vom Ortsrand an mit Nadelholz bestanden ist. Es wird schon dunkel, aber sie halten sich nach rechts gegen die Waldblösse hin, auf der es nur wenige junge Tannen und Fichten verschiedener Grosse gibt. Welcher Baum soll es sein? Man ist hier freier in der Auswahl, als wenn man sich nach einem Preis richten muss. Immerhin entscheidet Johanna, er dürfe nicht zu schwer sein, sonst könnten sie ihn nicht tragen. Bei einer kleinen Tanne, die frei dasteht und ihre Zweige nach allen Seiten bis zum Boden hin gut entwickelt hat, sind sie einig, dass es kein anderer Baum sein dürfe. Johanna streckt einen Arm hoch und kann nicht den Wipfel erreichen. Trotzdem wollen sie bei dieser Wahl bleiben. Nur, meint Johanna, würden sie wenig Freude an einem Christbaum haben, auf dem sich die Kerzenlichter und alle guten Sachen verlieren würden, weil der Baum zu gross ist. Aber davon kann man sich ja überzeugen, gleich hier, bevor man den Baum absägt; und schon leert sie den ganzen Inhalt des Papiersacks auf den Boden, die Kerzen steckt sie in die Halter und beginnt sie in dem Gezweig der Tanne zu befestigen. In der Tat sieht es sehr arm aus, als die zwölf Kerzen auf dem Baum regelmässig verteilt sind. Aber um ein richtiges Bild zu haben, müssten man erst sehen, wie es sich ausnimmt, wenn die Kerzen brennen, sagt Peter sachverständig. Nun, das ist wieder leicht zu machen. Johanna streicht ein Zündholz an und bald leuchten zwölf helle Sterne in dem kleinen Waldbaum. Ja, jetzt sieht die Sache schon anders aus. Peter und Martha klatschen freudig in die Hände, und weil sie beim Anbringen der Kerzen nicht helfen durften, öffnet Martha ein Päckchen, nimmt, Ringe daraus von rotem Zuckerwerk, die schon auf Goldfäden gebunden sind, und schmückt damit den Baum. Und schon hat sich Peter der Goldnüsse bemächtigt* die er in den Zweigen zu verteilen beginnt. Johanna will den Kindern ihr Tun verbieten, aber sie