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E_1935_Zeitung_Nr.006

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und Verzweiflung

und Verzweiflung wieder-in die gigantische Schneemauer. Welle auf Welle, wie eine nahende, gewaltige Flut, jagt der pfeifende, singende, klagende Wind über die Fläche. Das Atmen fällt immer schwerer, das Gesicht brennt, wir reiben es wiederholt mit Schnee ab. Neben uns haben sich die kleinen Pferdchen, die mit unsern schweren Hundefellmänteln zugedeckt sind, zu einem ängstlichen Haufen zusammengerottet, als könnten sie sich gegenseitig erwärmen und beschützen. Ihre Nüstern sind voll Eiszapfen, ihr Fell voll Schnee, sie senken die Köpfe, auch sie können kaum noch atmen. Der Dorfälteste und ich schaufeln nebeneinander, wir passen auf die andern auf, ermuntern sie, lachen sie aus. sie sollen meinetwegen wütend werden, nur sich hinsetzen, sich selbst aufgeben sollen sie nicht. «Ich möchte wissen, wie lange du noch lachen wirst!» Es klingt wütend, fast verachtend. Ich kann es kaum verstehen. «Bis wir beide die Köpfe auf der andern Seite der Schneewehe durchgostreckt haben, vielleicht noch länger!» schreie ich. «Verrecken werden wir alle!» «Ist auch eine Beschäftigung!» «Wahnsinnig bist du geworden, Bruder!» «Wenn schon, schau wie die Höhle grösser wird, wir haben es gleich geschafft!» Schaufel um Schaufel, Schaufel um Schaufel, die Schneehöhle ist gross genug, der Widerstand der Männer ist endgültig zu Ende. Der Dorfälteste führt die Pferde hinein, die Männer sind erschöpft zusammengesunken, sie halten wohl noch die Schaufel in der Hand, aber sie rühren sich nicht mehr. Sogar dag Drohen hilft nicht. Plötzlich wird es draussen still, der pfeifende Wind hat seinen Atem angehalten, als wolle er jetzt zum vernichtenden Schlage aushoüen. Fast bis an die Brust im Schnee, wate ich mit dem Dorfältesten hastig zu unseren zugeschütteten Schlitten. Wir wühlen mit den Schaufeln, als seien wir von Sinnen. Schon sind die erforderlichen Sachen herausgeholt, wir waten sohnoll zur Höhle, waten gehetzt zurück, ergreifen alles, was wir nur fassen und finden können, dann aber ... Der Himmel wird plötzlich schwarz, es ist Nacht um uns, und ungeheure Schneemassen fallen wie eine Lawine auf uns nieder. Unsere Gliedmassen werden jetzt nur von der Verzweiflung bewegt wir erreichen die Höhle. Schon rast der Sturm über uns hinweg, in seiner Wucht hat er uns hochgehoben, dann brutal niedergeworfen. Ich sehe, wie sieb der Dorfälteste zweimal überschlägt, dann bleibt er unbeweglich liegen. Ich bin neben dem Eingang zusammengesunken. Endlich kriechen wir in die schützende Oeffnung hinein. Der Scbneeorkan rast dahin! Es ist kein Pfeifen mehr, es ist ein Dröhnen! Himmel und Erde sind nicht mehr zu unterscheiden, sie sind eine einzige schwarze, stürzende Lawine. Es scheint mir, unsere SchneehöhJe müsse jeden Augenblick zusammenbrechen. Nach langen Mühen wird ein kleines Feuer entzündet. Der Qualm flutet zu der schon fast verwehten Höhlenöffnung hinaus Das Feuer prasselt, Pferde und Menschen sind endlich geborgen, gerettet. Die Tiere bekommen zu fressen, wir sitzen ihnen zu _ Füssen. Der heisse Tee erwärmt unsere Eingeweide, mit erstarrtem, kaum beweglichem Munde kauen wir an dem Essen. An die Schneewand gelehnt, entzünde ich meine Pfeife und starre ins Feuer. «Wache über uns, Bruder.,..» In diesen Worten des Dorfältesten liegt die ganze Müdigkeit der Männer. Sie haben sich jetzt seihst aufgegeben, ihr Mut, ihre Ausdauer sind endgültig ausgelöscht. Ein einmütiges Schnarchen donnert durch die > Weine Höhle und während ich das Feuer immer wieder schüre, gafft mich die schwarze Orkannacht durch die kleine Oeffmmg j n der Schneewand an. Ich muss sie immer wieder freihalten. Meine Pfeife leistet mir stumme Gesellschaft. Sie geht aber immer wieder aus, ich entzünde sie wieder, einig« Züge, und d«r Mund erstarrt, die Augen fallen zu. Dann raffe ich mich auf, greife nach der Schaufel, werfe den eingewehten Schnee durch die Oeffnung hinaus, vergrösere sie, blicke ins Tosen, horche gespannt, darin setze ich mich wieder hin und lehne mich an die Wand. «... Fayme!...» Ich erschrecke über meine eigene Stimme. In diesem Wort aber liegt meine ganza Ausdauer, mein Mut und mein Wille weiterzutrotzen. Die Pferdchen schlafen, die erschöpften Männer, das Feuer schläft ein.., aber mein Pfeifchen brennt weiter! Der Tag bricht an, er ist kaum wahrzunehmen in dem unaufhörlichen Schneefall. Ich bin der einzige, der sich aus dem B^u heraustraut. Die Männer schlafen drei Viertel des Tages. Nicht ganz so verschlafen und passiv der Dorfälteste. Er hilft mir das Essen zurechtmachen, schürt das Feuer, füttert die Pferde, die rührend still und ergeben, dicht aneinandersedrängt, in der Ecke stehen. Kaum, dass es etwas heller wird, krieche ich auf allen Vieren aus unserem Bau, arbeite mich mühselig zu den Schlitten durch oder wate nach dem nahen Wald. Und gerade diese wenigen Schritte bis zum Wald kosteten mich beinahe das Leben. Im dichten Schneegestöber, das den Tag zur plötzlichen Nacht macht, hatte ich die Richtung nach unserer Schneewehe verloren. Ich war der Verzweiflung nahe, als ein kaum wahrnehmbarer Rauchgeruch mir ungefähr die Richtung unserer Schneehöhle anzeigte. Von nun an markierte ich durch Zweige die wenigen Schritte zum Walde und nahm die Zweige auf dem Rückwege wieder auf. Wohl brachte ich weniger Holz mit und musste noch ein zweites Mal gehen, aber die Gefahr' des Verirrens war wenigstens behoben. Wieder bricht ein neuer Tag an, auch er ist kaum zu erkennen, und schon geht er zur Neige. Ein neuer Tag, und wieder ist es Nacht um uns. Das Wüten des Schneesturms hat etwas nachgelassen. Meine Arbeit besteht im Holzholen und in dem kräfteraubenden Vordringen zu unsern Schlitten, dann in der Belustigung der apathisch gewordenen Männern und dem Zubereiten des Essens. Wie lange wird der Sturm noch toben? Der Mut der Männer sinkt zusehends. Wir haben sehr wenig zu essen, unsere Vorräte an Tabak gehen auch zur Neige. Seit drei Tagen sind wir in der Schneehöhle eingeschlossen. Manchmal sehe ich zu den stillen Pferdchen hinüber; welches von Ihnen ist das schwächste.. . wir werden es bald essen .... «Sind unsere Vorräte zu Ende, dann gehen wir auf die Jagd,» sage ich zu Lopatin. «Dein Revolver, verrostet dir sonst ganz und gar.» Doch mein Bärenführer schweigt sich aius, der andere ebenfalls.. «Mit einem Revolver, Barin, kann man nicht auf die Jagd gehen,» sagt er nach einer Weile. «Nein, meinst du nicht? Dann müssen wir morgen auslosen, wer von uns zuerst in die Suppe kommt.» Alle blicken sich schweigend um. Ich kann mich vor Lachen nicht halten, ich platze heraus, und nun lachen alle aus Leibeskräften, was das Zeug hält. Es macht uns für lange Zeit warm und vergnügt. In der Nacht w^che ich auf. Im Scheine des Feuers sehe ich die vor Entsetzen starrenden Augen der Männer. Unaussprechlichen Schrecken in tai ; Zü> gen, kauern sie beieinander. - •• -> AUTOMOBIL-REVUE 1935 - R Das Unwetter draussen ist wieder «uin Orkan geworden. Wir hören Bäume krachen, satanisches Pfeifen und Dröhnen. «Gott segne uns, Gott «ei uns gnädig!....» und die Bauern nehmen ihre Pelzmützen herunter und bekreuzigen sich, .bekreuzigen ihre kleinen Pfertchen, bekreuzigen den völlig verwebten Ausgang.... Dos Feuer ist vergessen .... Ich weiss nicht, sind es überspannte Nerven oder ist es Tatsache, mir scheint, ais zittere unsere Höhle wie im Erdbeben und könne jeden Augenblick zusammenbrechen und uns alle unter den Schneemassen begraben. Ein titanischer Orkan — die schrankenlose, göttliche Urnatur! Als der Sturm sieh allmählich beruhigt, trete ich hinaus. Auch ich mache unwillkürlich das Zeichen des Kreuzes. Mit aller Kraft bahne ich mir

N» 6 - 1935 AUTOMOBIL-REVUE 15 %ud Jjovtei spxidti: die es wieder an Mrs. Smyth-Wyndham verkaufte, an die Qrossmutter der gegenwärtigen Besitzerin Lady Thompson, die sich jetzt von dem kostbaren Dokument trennen will. Das Tagebuch der Kaiserin Marie Louise ist in der Tat eines der rührendsten und menschlichsten, welches je von einer gekrönten Frau geschrieben worden ist. Die kindliche Oberflächlichkeit, das tragische Unbehagen, die Sehnsucht der Wiener Erzher- «Die Morgenröte des Jahres 1935 wirdund ihrem Modekönig von einst dafür danken, dass er ihnen ihre Persönlichkeit wie- mit flammenden Lettern auf den Himmelsdom schreiben: Dies ist das Jahr der Frau!» dergegeben hat. Natürlich, so meirit Poiret, So erklärte Paul Poiret, der abgedanktegehört dazu eine gewisse Erziehung der Modezar der französischen Metropole, dem Frau; aber das soll einen Teil seiner Propaganda bilden. Er will die Frauen lehren, zogin spiegelt sich darin auf herzbewegende strafte ihren Gemahl, als er ihr währenddes «Prager Tagblatt» in einem Interview. Die Modewelt wird in diesem Jahr eine Revolution erleben, eine «New Partie», genau wie ihrer Kleidung ihren Charakter, ihre Seele wieder individualistisch zu denken und in Weise. So schildert zum Beispiel die Kai-sächsischen Feldzuges 1813 einmal nicht die gewohnte tägliche Epistel schickte (es war sich in der Welt der Finanzen und der Po- auszudrücken. «t//irf ich werde so wenig da- gerade der Tag, an dem Napoleon die siegreiche Schlacht bei Dresden schlug, einer litik Revolutionen abgespielt haben. Diefür berechnen*, so fuhr der Alte begeistert Frauen von heute sind furchtbar, eine will fort, «dass alle Frauen sich elegant anziehen können. Heute ist es eben so, dass die wie die andere aussehen. Ihre Lippen, Fingernägel und Wangen müssen die gleiche Schneider nicht genug Ideen haben; sie vermögen es nicht, die Masse der Frauen so an- Farbe zeigen. Ihr Haar muss schwarz, blond oder rot sein. Sie scheinen sich nicht im geringsten um ihre persönliche Note zu käm- Ich habe genug Phantasie, um die ganze zuziehen, dass alle verschieden aussehen. mern. Ihr einziger Wunsch ist, genau so auszusehen wie irgend jemand anders, und das halben zu duplizieren. Ich werde nach Japan, Welt individuell zu kleiden, ohne mich allent- bedeutet den Ruin der Mode. Ich kann das nach Indien, nach Amerika, ja zum Nordund Südpol reisen, um den Frauen das grösste nicht länger ertragen, und so will ich eine Revolution verursachen, um diesem Zustand Geschenk wiederzugeben, das die Welt ihnen ein Ende zu machen.» Poiret beabsichtigt, zwanzig verschiedene Modellkleider zu entwerfen, von denen nur fünf bis zehn Kopien hergestellt werden sollen; dann will er zwanzig neue Modelle ausarbeiten, und so fort, um endgültige Verschiedenheit in die Frauenkleidung zu bringen. Nach seiner Revolution werden Frauen mit interessanten Gesichtern ihre Augenbrauen nicht mehr rasleren, ihre Antlitze nicht mehr wie die Indianer bemalen, ihr Haar nicht mehr färben und nicht mehr Puder über sich stäuben, bis ihre natürliche Haut unkenntlich geworden ist. Frauen werden wieder zu Frauen werden Meidet jieoaüutmi der ffiodel Eine närrische Mode. Kleider aus Glas — klingt das nicht greulich ? Man stellt sich gleich irgend etwas Kaltes, Steifes vor, und die Dame, die so ein Kleid trägt ist sicher unnahbar. Nicht aus Tugendhaftigkeit, sondern weil sie nicht nur auf ihr Rouge und auf ihre Locken, sondern auch auf ihr Kle ; .d aufpassen muss. Man muss ja auch auf andere Kleider aufpassen, etwa auf Organdekragen, aber ein gläsernes Kleid ist besonders peinlich. Das lässt sich nicht aufbügein, sondern ist gleich kaputt. Also ganz so arg ist es nicht mit den gläsernen Kleidern. Sie erinnern zwar manchmal an die gläsernen Glocken, unter denen ein Brautkranz oder eine nicht gehende Uhr ruht, sind aber scheinbar etwas haltbarer — als Material ein Mittelding zwischen Cdlophane und Triplex und im Aussehen sehr verschieden. Manche dieser gläsernen Stoffe sehen wie Jahrmarktbonbons aus, bunt und glänzend, und man meint einen nagelackähnlichen Geruch zu spüren. Andere sehen wie sehr steifer Tüll aus, den man mit Caramel Übergossen hätte, andere wieder wie Samt, auf dem ein herrlicher, ganz feiner, glitzernder Rauhreif sitzt. Dieser künstliche Rauhreif sieht so echt aus, dass man ganz verwundert ist, dass er nicht schmilzt. Ja, Glas ist haltbar geworden und das Sprichwort vom « Glück und Glas» stimmt nur noch für die erste Hälfte. Das Glas bricht nicht mehr, es wird höchstens unmodern — aber so weit sind wir noch nicht: das Spiel beginnt erst! I. Vom Emmental soll Leinen sein! Aussteuer W & S kauf ein! Es achtet jede kluge Frau Drum stets auf W & S genau. W & S Leinen für Aussteuern sind In Detailgeschäften erhältlich Hecher, Platten,Teller, Kaffee-, Teekannen, Services Verlangen Sie Katalog jemals bot — die Kunst, sich schön und individuell zu kleiden. Wenn man mir heute eine Million Dollar in bar schenkte, so würde ich einen kleinen Teil davon für mein Alter beiseite legen und alles übrige daran wenden, um aus einer Frau in bezug auf Gesicht, Figur und Kleidung jenes schöne Wesen zu machen, das sie hätte werden sollen. Durch die Poiret'Moderevolution werden die Frauen ihre rechtmässige Erbschaft antreten, die sie in den letzten Jahren für ein Linsengericht verkauft haben. Sie werden die verlorene Macht wiedererlangen, denn i cn werde ihnen ihre Schönheit und Persönlichkeit wiedergeben.-» aus Qia& Das de* 5 ?*L Mo ? e : „ ^ _„. JCaisexin 71lwaez£auise W&S Fabrikanten: Worb & Scheltlln A. Q., Burgdorf ZINNKANNEN A.Rapold. ÄÄ?* 3 * Zürich Zinngiesserei u. Reparaturwerkstatt!,, tpazlalgtsehäft i. zinntuehirr Wie in allen Tageszeitungen gemeldet, wurde in französischen Archiven eine Reihe unbekannter Briefe Napoleons an Josephine "Beauharnais vom italienischen Feldzuge aus gefunden und vor einigen Wochen zur Versteigerung gebracht. Am 17. Dezember ist eine ähnliche Kollektion von Briefen Napoleons an seine zweite Gattin Marie Louise ebenfalls versteigert worden. Unter diesen Briefen befindet sich jener vom Jahre 1814, in dem Napoleon, aus Elba zurückgekehrt, der Kaiserin seinen Feldzugsplan mitteilt.; Dieser Brief wurde von Blücher abgefangen und die verbündeten preussischen und englischen Armeen konnten bequem ihre Dispositionen treffen. Blücher sandte später den Brief mit einem höflichen Begleitschreiben an die Kaiserin nach Paris. Wie weitet aus London gemeldet wird, wurde durch einen Zufall gerade jetzt das in englischem Besitz befindliche intime Tagebuch Marie Louisens entdeckt. Die Kaiserin hatte es in den Tuilerlen liegen lassen, als sie am 29. März 1814 Paris eilends vor dem Feinde verlassen musste. Sie floh damals mit dem König von Rom, den sein Vater nie mehr sehen sollte. Einer der Pagen, der Kaiserin, fand das Tagebuch und der Junge übergab es, nicht ahnend, welchen Schatz er in Händen hielt, seinen schweizerischen Hofmeister. Dieser wieder überliess das vergilbte Heft viele Jahre später seiner Schwester, einer Engländerin, einer Frau Müller, Degustez l'aperitif par excellence