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E_1935_Zeitung_Nr.001

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — N° der schematischen Darstellung. Daraus geht hervor, dass alle vorkommenden Fälle praktisch durchführbar sind. Während des Strassentransportes wird zur Entlastung des Hubmechanismus die Ladeplattform durch entsprechende Klappkonsolen gestützt, Fahrzeug und Ladegut werden bei Verwendung der neuen Ladeeinrichtung sehr geschont und ausserdom erfahren die Wartezeiten durch das sehr rasch vorsichgehende Be- und Entladen mit der neuen Vorrichtung eine ganz erhebliche Abkürzung. Schnitt durch den neuen Benzinreiniger und -zuflussresler. Benzinabfluss erfolgt seitlich, an einer Schwimmernadel vorbei. Wird das Benzinniveau im Apparat zu hoch, so hebt sich der Schwimmer und die Schwimmernade] sperrt •den Abf'uss ab. Indem dadurch der Vergaser zeitweise kein Benzin mehr erhält, scheint eine Ersparnis wohl möglich. Ob aber auch ein Stillstand des Motors erwünscht ist, wenn sich der Apparat mit zuviel abgeschiedenem Wasser füllt, erscheint uns schon fraglicher. -at- Teihn. hängt und dass es jedenfalls nicht normal ist. Wie S» aber können die Mängel beseitigt werden? Ein Abwischen des Kollektors nützt meist nur kurare Zeit, fuvixf. Spredi trotzdem ich die Dynamo nur etwa alle 1000 km schwach öle. E..-W. in Z. * Antwort- Sie überlassen die Instandstellung der Dynamo am besten einem 'Spezialisten. Wenn Frage 9281. Anschaffung eines Auto-Radio- Empfängers. In meinem Wagen möchte ich einen Radio einbauen und bitte um gefl. Auskunft, welche' Marken eventuell zu empfehlen sind. H. H. in A. die Verunreinigung des Kollektors nicht von einer Frage 9282. Ueberwintern des Wagens. Was istzu starken Schmierung: der Dynamo herrührt (eine alles erforderlich, um einen Wagen, der nicht gebraucht wird, richtig zu überwintern? F. K, in S. lich vieli, dürfte wohl eine starke Abnützung der Schmierung der Lager alle 1000 km ist zwar reich- Antwort: 1. Eine trockene Garage mit gu-Oelfangringter Entlüftung. Möglichst an zwei Stellen soll ein darstellen. Die Oelfangringe wären dann zu er- in den Lagern die Ursache des Uebek Entlüftungsfenster vorhanden eein, und zwar vorn setzen. • • -atunten an der Tür und hinten oben an der Rückwand. Frage 9284. Schneeketten bei vereister Strasse. 2. Waschen des Wagens samt Chassis; Rahmen, Neuer Benzinreiniger und -Zuflussregler. musste. Ich sagte mir. dass der Hund ohne Zwei- lahm gehen würde, so dass es für mich ein Auf dem französischen Automobilzubehörmarkt ist der unten skizzierte, vor dem Ver- Bremsgestänge usw. mit schwarzem Lack streieister Strasse zu benutzen? Eifier meiner Bekann-' leichtes sein werde, dessen .Besitzer ausfindig zu Bietet es einen Vorteil, Schneeketten auojj bei ver-fechen und Chassis vollkommen durchschmieren. ten behauptet, das« Schneeketten bei jeder Strassenoberfläche, also auch bei vereister Strasse, die Ad- 13 Uhr- war ich zurück und machte mich auf die maahen, wenn ich vom Spital zurück sei. Um gaser in die Benzinzuleitung einzubauende 3. Durch Hochwinden des Chassisrahmons hin- und vorn Federn entlasten und zwischen Chashäsion verbessern und die Schleudergefahr ver- Suche des Hundebesitzers. Derselbe bestätigte,, dass Apparat erschienen, der einerseits die Bil-tedung eines zu benzinreichen Gemisches verhindern und anderseits alle eventuell im Federn werden dadurch entlastet und behalten ihre Schneeketten nur bei noch verhältnismässigr wei- immerhin habe er den Zusammenstoss nicht beobsisrahmen und Federn Holzklotz einführen. Die ringern, während ich aus eigener Erfahrung den sein Hund freilich nicht angebunden gewesen sei, Spannung besser bei. cher Strassenoberfläche eine gute Wirkung zuschreiben zu können glaube. Welches ist Ihre Meihanden. Rundweg erklärte mir der Hundebesitzer, Benzin enthaltenen Unrefnigkeiten ausscheiden soll. Die Schwimmerkammer des Appa- Klötze unter die Achsen bauen, so dass die Räder nung? P. A, in B. dass er für den angeblich angerichteten Schaden achtet. Eine Haftpflichtversicherung war nicht vor- 4. Vorder- und Hinterachse hochheben und rates ist bis auf etwa eine halbe Höhe mit frei sind. Von den aufgepumpten Reifen je eine Antwort: Wir halten unbedingt Ihre Meinung für die richtige. Wer schon längere Strecken zog die Polizei herbei, um feststellen zu lassen, nicht aufkommen werde, da er kein Geld habe. Ich Wasser gefüllt. Über dem Wasser schwimmt Atmosphäre Luft ablassen. das Benzin, das durch den Deckel der Kammer und einen Filterstutzen eintritt. Der achtet, wie die Schneeketten in diesem Fall die mit Schneeketten auf vereisten oder harten, aperen 5. Wasser ablassen und nachher Motor noch dass der Hund sonst nicht lahm gegangen war, Strassen gefahren ist, hat wohl schon selbst beob- 2 Minuten langsam laufen lassen, damit das Wasser vollständig aus dem Wasserpumpengehäuse und und dass er am Morgen ohne Begleitung herumstreifte. Adhäsion sehr merklich vermindern können. Auf aus den schädlichen Räumen herauskommt. Die Der Halter des Hundes möchte sich nun meiner den modernen Asphalt- oder Teer-Strassendecken Wassereinfüllverschraubung vom Kühler entfernen Schadenersatzansprüche damit erwehren, dass er können die Schneeketten direkt Anlass zum Schleudern geben. Das mit Schneeketten versehene und auf den Führersitz legen, damit im Frühjahr Rad das Fahrzeug nicht, ohne mit Wasser aufgefüllt worden zu sein, in Betrieb genommen wird. 6. Oel ablassen. Für die Oeleinfüllverschraubung gilt das gleiche wie für die Kühlwasserverschraubung. 7. Die Kolbenlaufbahnen durch die Zündkerzenlöcher mit Petroleum oder Oel benetzen und" dabei den Motor mehrmals durchdrehen. Dadurch wird das Verharzen der Kolbenringe verhütet. Während des Ueberwinterns ist es zu empfehlen, etwa alle vier Wochen die Maschine mehrmals mit der Andrehkurbel durchzudrehen und ebenso auch die Hand- und Fussbremse und die Kupplung mehrmals zu betätigen. 8. Die Batterie herausnehmen, Anschlusskontakte dabei reinigen und die Batterie einer Spezialworkstätte für Akkumulatoren zur Ueberwinterung übergeben Die Pflege ist nicht teuer. 9. Die Polsterung der Karosserie ausklopfen, ausbürsten und eventuell Insektenpulver einstreuen. 10. Bei Limousinen sind die Fenster etwas geöffnet zu lassen. 11. Die Lackierung ist mit einem Poliermittel zu behandeln. 12. Die vernickelten, verchromten oder sonst blanken Teile müssen mit Vaseline eingefettet werden. Frage 9283. Verölte Dynamo. Das Amperemeter meines Wagens zeigte seit einiger Zeit starke Schwankungen, was mich veranlasste, die Dynamo einer näheren Prüfung zu unterziehen. Dabei habe ich nun festgestellt, dass der Kollektor stark vorölt ist und im Betrieb stark funkt. Ich vermute nun, dass das Oel am Kollektor und das Funken mit der ungleichmässigen Stromabgabe zusammen- hat hier ganz bestimmt eine viel geringere Adhäsion als der Gummi der Pneus. Natürlich wird man auch aus Rücksicht auf die Strasse und auch der Pneus die Kelten auf schneefreien Strassen nur so lang wie notwendig benützen. -at- Frage 9285. 'Hetsskflhlung von Flugmotoren. In der letzten Zeit kann mau ziemlich oft lesen, das* dieses oder jenes Rennflugzeug mit einem «heissgeküblten» Motor versehen gewesen sei. Was ist darunter zu verstehen? G. K. in Z. Antwort: Unter «Heissküblung» versteht man den Betrieb der Motoren bei Temperaturen, die bedeutend höher liegen als diejenigen, die normalerweise bei Wasserkühlung vorkommen. Wird z. B. als Kühlflüssigkeit statt Wasser Aethylen- Glykol verwendet, 60 können Betriebstemperaturen bis 120 Grad C oder noch mehr zugelassen werden, ohne dass die Verdampfung dieser Kühlflüssigkeit zu befürchten ist. Ein Betrieb des Motorßmit 100 Grad C ist jedoch auch dann schon möglich, wenn Wasser als Kühlflüssigkeit benützt wird, wobei aber dafür gesorgt sein muss, dass der entstehende Dampf wieder kondensiert wird. Als Gewinn ist in beiden Fällen die Verkleinerung und Erleichterung der Kühlanlage zu ver- Anfrage 475. Der Hund als Verkehrssünder. Am 10. Dezember 1934 fuhr ich mit meinem Wagen von G. nach B. Ausserhalb der Ortschaft P. gewahrte ich zu meiner Rechten, abseits der Strasse (also im Feld) einen grossen Hund. Plötzlich machte derselbe kehrt und sprang mir direkt ins Auto (09 SO). An meinem Wagen war der Anprall deutlich festzustellen, indem die verchromte Stossstange verbogen und der Kotflügel eingedrückt war. Sogleich stoppte ich, doch war es mir nicht möglich, den Halter sogleich festzustellen, zudem hatte ich eine Patientin bei mir, weshalb icb weiterfahren, sagt, den Schaden hätte ich anderswo erhalten. Ist der Halter nicht verpflichtet, mir den entstandenen Schaden zu vergüten? R. K. in G. Antwort: Richtig ist, dass der Halter eines Tieres für den Schaden, den dasselbe verursacht, haftet, wenn er nicht beweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt angewendet hat Trotzdem raten wir Ihnen ab, gegen den Bauern Klage einzureichen. Die Kasten des Prozesses würden zu dem geringen Schaden, den Sie erlitten haben, in gar keinem Verhältnis stehen. Uebejrdies ist es sehr fraglich, ob Sie den /Beweis, dass der Hund Ihr Automobil beschädigt hat. erbringen könnten. Uns scheint, dass der Schaden sehr hoch bemessen ist. Da der Hund nicht getötet, ja nicht einmal stark verletzt wurde, kann der Anural! nicht sehr heftig gewesen sein. Die Aussagen Ihrer Frau haben einen ganz geringen Beweiswert, aber auch die Feststellungen des Polizisten würden kaum genügen, um darzutun, wem der Hund, der Ihnen in die Fahrbahn rannte, gehört. Im weitern ist es sehr wohl möglich, dass dem Halter der Entlastungsbeweis gelingen würde. Man kann nicht verlangen, dass auf dem Lande ein Hund ständig an der Kette liege oder an der Leine geführt werde. Aber auch wenn der Halter grundsätzlich haften würde, müssten Sie sich doch auf einen erheblichen Abzug an Ihrer Forderung gefasst machen. zeichnen. Je höher das Kühlmittel erhitzt ist, um so kleiner kann die Kühlfläche zur Abgabe einer Nach Art. 25 M.F.G. waren Sie verflachtet, Ihre bestimmten Wärmemenge an die Luft bemessen Geschwindigkeit herabzusetzen oder anzuhalten, sein. Besonders bei raschen Flugzeugen ist das wenn Ihr Wagen Anlass zu einem Unfall bieten sehr wichtig, weil hier der Kühler gewöhnlich einen grossen Teil des Gesamt-Luftwiderstandes ausmacht, »at- al konnte. Sie sagen nun seiher, dass Sie den Hund frei herumlaufen sahen. Dann hätten Sie aber auch damit rechnen müssen, dass derselbe möglicherweise in Ihre Fahrbahn geriet Ein gewisses Mitverschulden am Unfall würde Ihnen auf jeden Fall vorgeworfen werden. * Sensationelle amerik. Erfindung! AUTO Braucht »» »i«l O*l und BUUEU f Gw- u. O«lg«rmch Im Wagen ? Di» Kolben klapp«* T Wir fabrizieren auf jeden Wagen das passende Kühlernetz I Neuestes Hochleistungs-Element! Fr. 15.- Behandlung In 20 Minuten find ittin20Minuten diese kostspieligen Fragen frühere normale Mo- ausgeführt u. Sie haben wieder Ihre torletitung mit f «walrestlos gelöst Hf xeduziextem Benzin- und Oelveibiauch. und k e Verlangen Sie heute noch Gratlspioipekt mit Gebrauchsanweisung, anhand eeitift welchem jeder Automobilist die mit Behandlung selbst vornehmen kann. Versand erfolgt nur gegen Nachnahme. — (Für eventuellen Service werden Fr. 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Bern, Freitag, 4. Januar 1935 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 1 TJlawakesch ~ die v&tzau&exte Stadt Marrakesch, die Hauptstadt des südlichen Marokko, ist für viele von uns nicht mehr als ein Name — ein kleines Stückchen rasch vergessener Geographie. Doch dies ist nur dann der Fall, wenn Sie noch nicht dort waren. Es ist eine Stadt mit tausend Reizen, voll verwirrender Anziehungskraft und Zauber. Ungezählte Jahrhunderte lang war Marrakesch ein grosser Handelsplatz, in einer Ebene gelegen, am Fuss des Atlas-Gebirges, ein Zentrum für den Tauschverkehr eines riesigen Kontinents, der Ruhepunkt für eine unheimliche Ansammlung aller Rassen in Nordafrika. Man nimmt an, dass es im Jahre 1062 v. Ch. gegründet wurde; doch jeder Besucher wird rasch sehen, dass allein schon der Marktplatz den fremdartigen und zauberhaften Ausdruck einer Zeit trägt, deren Ursprung viele Jahrhunderte weiter zurückliegt. Der Hauptanziehungspunkt für Touristen ist der berühmte Marktplatz: Djema el Fna. Jeden Morgen findet dort der Futter- und Gemüsemarkt von Marrakesch statt; doch am Nachmittag ändert sich sein Bild vollkommen und er wird der Tummelplatz der Stadt, der Ort, wo alle herumlungern, die nichts Besseres zu tun haben, ein richtiger Zirkus — mit den verschiedensten Attraktionen, die man kaum wo anders finden kann. Da gibt es die Chleuhs von den Vorbergen des Atlas-Gebirges, ein glücklicher Stamm lachender Eingeborener, die eine andere Sprache sprechen als das Volk in Marrakesch. Sie sind Musikanten und Tänzer. Ihre Instrumente sind Tamtams, zweisaitige Geigen aus Zedernholz und Ziegenhäuten, Flöten mit nur drei Tönen. Und die Tänzerinnen sind kleine Mädchen von zehn bis zwölf Jahren in weissen Kleidern, mit winzigen Zymbals am Daumen und Zeigefinger, sehr graziös, zuvorkommend und geschmeidig, und vor allem sehr geschäftstüchtig! Gegen ein sehr kleines Geldstück werden sie Ihnen mit ihren blossen braunen Füssen einen Spezialtanz vorführen, begleitet von einem Aufruhr der Tamtams, Geigen, Flöten und Zymbals. Hier .sitzt auch der « Märchenerzähler » — ein würdig aussehender Patriarch, sehr redselig, sehr beweglich und sehr eindringlich. Jeden Tag ist er da zu sehen. Seine Märchen haben keinen Anfang und kein Ende. Alle um ihn herum sind bewundernde Zuhörer, glauben fest an all die phantastischen Märchen, die ~er erzählt. Er trägt seidene Gewänder Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt ) Sie hatte über einfache Dinge zu grübeln. Wenn sie nicht hinuntergestiegen wäre nach der Bibel, wäre dann das alles nicht gewesen? Wäre es geboren worden zu seiner Zeit, gesund und stark? Wenn das war, dann müsste sie Jürgen zu sich nehmen, sobald sie gesund war, um ein zweites Kind zu haben. Aber wenn es nicht so war? Wenn jene Augen über ihr blieben und sie durchdrangen, ihren Leib durchdrangen und sich hineinbohrten bis in den Schlaf der Frucht? Wenn sie an der Haut der Blindheit leise spannen, der Krankheit, der Verkrüppelung? Was half es, wenn sie fliehen würden? Bis ans äusserste Meer? Er würde ruhig in seiner Hütte bleiben können, vor seinem Herd sitzend und die Hände faltend, und von dort würde es ausgehen, über Länder und Meere, das Gebet seiner Lippen, und sie erreichen, ihren Schoss, ihre Frucht. Und nur mit seinem Tode würde es aufhören oder... mit ihrem Gehorsam. «Begrabe es», sagte sie am ersten Abend zu Jürgen. Er fragte leise, wie es mit dem Pfarrer sei. Nein, sie wolle keinen Pfarrer. Nicht unter den Eichen, nein. Am Waldrand. und einen langen Stab mit einer spitzen Zwinge, mit welcher er in den Staub Punkte einzeichnet, die den Schauplatz seiner phantastischen Erzählungen bilden, natürlich mit dramatischen Gesten und wilden Schreien. Da ist auch noch eine andere Gruppe, gleichfalls umgeben von einem Kranz von Bewunderern. Der Schlangenmensch! Er steckt eine zahme Schlange in sein « Gandurah», und sie schlängelt sich in seinen Kleidern herunter. Er hat einen Helfer, der Zauberzeichen macht, in die Hände schlägt, dem Zauberer einen raschen Schlag ins Gesicht versetzt und dem armen Tier herausfordernde Rufe zuschleudert. Dann kommt ein Augenblick der Stille und ein scharfes Kommando. Irgendetwas Seltsames wird nun geschehen, und die Eingeborenen rundherum schlagen feierlich die Hände zusammen, die Handflächen becherförmig nach oben, und warten auf das Fürchterliche. Jetzt ist der Moment für den Assistenten gekommen, um von der schreckenserfüllten Menge einen Tribut einzukassieren, die mit wilden Augen auf den Schlangenbeschwörer starrt, während die Schlange Anstrengungen macht, um aus dem unerwünschten Nest herauszukommen. Wenn Sie lange genug warten, werden Sie herausfinden, dass das Schreckliche überhaupt nicht passiert. Es geschieht überhaupt nichts anderes als eben das Einsammeln von Geld... Ganz in der Nähe ist ein alter, gut aussehender Spitzbube, umgeben von gebrechlichen Bänken. Er besitzt das Freiluftrestaurant des Marktplatzes und verkauft eine sehr gebräuchliche Suppe. Diese Suppe besteht aus einem Gemisch von Kohlrüben, Radieschen, Bohnen, Nüssen, Wallnüssen, welche er in einem grossen Kessel zusammenkocht. Das ist seine ganze Küche, und die Ausstattung besteht aus einem grossen Schöpflöffel, einer Menge Näpfen und Holzlöffeln. Er macht sehr gute Geschäfte, besonders am Donnerstag. Sein Nachbar hat einen Obststand. Er verkauft Trauben und Datteln, Feigen und Granatäpfel, die er auf « anziehende » Weise auf schmutzigem Papier oder am Boden ausbreitet. Das Obst ist mit Fliegen übersät und die Arbeit seiner Kinder besteht darin, mit einem Fliegenwedel aus Palmblättern das « Geschäft» in Ordnung zu halten, indem sie die Fliegen verscheuchen; doch während der meisten Zeit schauen die Kinder entweder den Ereignissen rundherum zu oder sie streiten aufgeregt miteinander, während der Palmblattwedel weit vom Obst und den Fliegen entfernt am Boden liegt. Und da gibt es auch wunderbare Akrobaten mit dem unvermeidlichen Clown, der vergeblich versucht, die Heldentaten der andern nachzuahmen. Da ist ferner der Mann mit den Arzneikräutern, umgeben von einem unglaublichen Gemisch von Mist, alten Vogelbälgen, Kaninchen und Ratten, alten Aspirin- und Jodflaschen, rostigen Löffeln, grossen Scheren, Puderdosen aus Holz, Kupferdosen mit einer schmutzigen Paste, die er an alle jene verkauft, die ihre Krankheit heilen wollen. Diese « Apotheke » wird von einem schlauen, aufmerksamen und einladenden Meister der Betrügerei geführt. Er gewinnt die Menge, indem er alle einlädt, umsonst an einer Flasche mit einem durchdringenden Duft zu riechen. Es ist erstaunlich, wie viele die Paste und den Puder und die Arznei des Herrn Doktor kaufen. Es gibt auch einen Chirurgen, der gegen ein kleines Entgelt blutende Operationen So schlug Jürgen den kleinen Sarg zusammen und legte das Bündel hinein. Er schlug das Tuch nicht zurück. Er hielt es lange in den Händen, bevor er es hineinlegte. Wie eine vergeudete Saat war es, und er wusste nun, dass die Tote es geholt hatte. Nichts hatte geholfen, nicht das Tuch, nicht der Ring. Stärker war sie gewesen als er. Vielleicht musste man es an ihrer Seite begraben, aber dann würde er Marte bestehlen. Auch am Walde war es gut. Die Unterirdischen würden kommen und es ihr bringen. Oder sie würden einen Gang graben, unter Acker und Feld hindurch, bis zu jenem Grabe. Dann würde sie ihr Recht haben und stille sein. Immer war sie still geworden, wenn sie ihr Recht bekommen hatte. Er ging ins Haus und fragte Marte, ob sie ihre Hand auf den Sarg legen wollte. «Nein», sagte sie, mit dem Gesicht zur Wand. Da begrub er es unter den grauen Fichten. Der Spaten klirrte an den Steinen unter der Erde, und wenn er sich aufrichtete, um sich auszuruhen, hörte er die Nachtvögel über dem Strom rufen. Alles hatte das Wasser ihm gestohlen, aber schon rief und zog es ihn wieder, zu seinem stillen, dunklen Rauschen, seiner Unergründlichkeit, seinem Duft, der aus der Tiefe kam. Er stellte den Sarg in die tiefe Höhlung, warf die Erde wieder hinein und stellte ein Kreuz zu Häupten des Grabes, das er zusammengeschlagen durchführt. Die Schnitte werden mit einer Schere gemacht. Alles dies und noch viel anderes macht zusammen den Lärm, den Geruch, das verwirrende und unglaubliche Leben des Djema el Fna aus. Am Donnerstag ist Markt für Ponies, Pferde und Kamele. Junge Männer lassen wunderbare Pferde springen und im Pass gehen, um zukünftige Käufer davon zu überzeugen, dass sie das beste Pferd der Welt kaufen. Die Kamele sehen ruhig und herablassend aus, so als ob sie sich fragen würden, ob sie wohl ihren Besitzer wechseln werden. Nein, es gibt wirklich nichts, das mit Marrakesch verglichen werden kann. Es ist nichts mehr als ein riesiges marokkanisches Dorf !Bcidqe atz Scheidunasacund Man hat im Theater in London einen anregenden Abend verbracht und fährt im Autobus heim. Mr. Fred Cooper würde mit seiner Frau, der schönen, blonden Gladys, gern ein wenig über die Aufführung plaudern. «Die Inszenierung war sehr interessant», beginnt er, «wie hat dir Elisabeth Bergner gefallen ?» Verstimmt bricht er ab, denn er bemerkt, dass ihm seine Frau wieder einmal nicht zuhört. Er hat sich in seiner vierjährigen Ehe allerdings schon daran gewöhnt, aber ihre Zerstreutheit und Gleichgültigkeit ärgern ihn doch immer wieder. Natürlich, sie hat schon wieder Bridgebekannte erspäht, die bei Oxford Circus eingestiegen sind. Schon ist sie mitten im Gespräch und jetzt ist ihr nichts mehr von Zerstreutheit anzumerken. Man spricht über Bridgeprobleme. Unbekümmert um die anderen Fahrgäste, erörtert man irgendwelche Subtilitäten, von denen Mr. Cooper nicht das geringste versteht, und die schöne Gladys ist Feuer und Flamme. Mr. Cooper ist wütend. Die Bridgeleidenschaft seiner Frau beginnt, ihm unerträglich zu werden. Die Verhandlung, die dieser Tage vor einem Londoner Gericht stattfand, hat nunmehr unter seihe Ehe einen Schlusspunkt gesetzt. Die Vernachlässigung des Haushaltes, die der blonden Gladys zur Last gelegt wurde, steht nach Ansicht des Richters mit ihrer allzu grossen Begeisterung für das Bridge in engstem Zusammenhang. Die Vormittage verbrachte sie, wie ihr Gatte in beweglicher Klage auseinandersetzte, bei der Lektüre von Bridgebüchern und bei der Lösung besonders schwieriger Probleme. Wehe, wenn man sie dabei störte! Das Baby war der Nurse anvertraut, der Haushalt geriet immer mehr in Unordnung und wenn der Mann aus seiner Kanzlei heimkam, befand sich die gnädige Frau bereits im Bridgeclub. «Ich weiss überhaupt nicht, wozu ich verhei- hatte. Er wollte beten, aber es fiel ihm nichts ein. Er stand eine Weile, die Hände um den Spatenstiel gefaltet, sah, wie die Wolkenschatten unter dem Monde durch den Wald krochen, und ging dann den Grenzgraben entlang, zu der Lichtung, auf der sein Acker lag. •'Er war seit dem Eisgang nicht dagewesen. Er hatte 'sich gefürchtet. Aber nun, von dem kleinen Grabe her, konnte er hingehen. Er sah, dass das Buchengestrüpp über dem Grenzgraben mit abgetriebenem Heu und Schilf angefüllt war und dass der Schlamm dahinter nun schon getrocknet und von Rissen durchzogen war. «Es könnte ja sein», dachte er. «Die Strömung war stark, und auf dem Hof liegt nicht mehr als Fingerbreit .. nur wo es gestanden hat, da ist es mehr, wie in der Stube... aber drei Tage waren es, und es reichte mir bis an den Hals...» Er hatte die Augen zugekniffen, dass er nur gerade seinen Weg sah. Der Mond stand über der Lichtung, und der fahle Schein fiel auf eine grüne Wiese. Jürgens Herz begann plötzlich schwer zu klopfen, und er lief ein paar Schritte vorwärts, um aus dem Wegschatten herauszukommen. «Unsinn», dachte er, «was für ein Unsinn». Und noch als er auf der Erde kniete und mit beiden Händen über die starke grüne Saat fuhr, wiederholte er immer das gleiche Wort. Aber auch als er Spiegel dm Zeit aus Erdmauern, verrückten kleinen Geschäften, überfüllten Hütten, Staub, Kamelen, Eseln und einer heiseren Menge. Und doch ist Marrakesch von endlosen wunderbaren Alleen umgeben, mit Oliven, Feigen und Palmen. Die Gärten des Sultans sind ein Paradies von Orangen, Oliven, Feigen, Palm- und Granatapfelbäumen, mit grossen Teichen voll Fischen, in welchen Hunderte von Wasservögeln leben, und all dies ist immer in Sonne gehüllt. Das Leben ist nicht vollständig, wenn man nicht diese Stadt voll unglaublicher Reize, Anziehungskraft und Zauber gesehen hat... ratet bin», seufzte Mr. Cooper, «wir haben gär keine gemeinsamen Interessen, ich interessiere mich nicht für Bridge. Wenn meine Frau mit ihrem Bridgepartner fachsimpeln kann, bin ich überflüssig.» Damit war man endlich bei dem gefährlichsten Gegner dieser Ehe angelangt. «Es handelt sich nicht nur um das Bridge, sondern vor allem um den Bridgepartner», erklärte Mr. Cooper und führte zahlreiche Zeugen ins Treffen, die bestätigten, dass die Freundschaft zwischen Mrs. Cooper und ihrem Bridgepartner nicht bloss auf dem gemeinsamen Interesse für Bridge beruhe und das erlaubte Mass übersteige. Die Ehe ist nun aus dem Verschulden der Gattin geschieden worden. Bridge als Scheidungsgrund? Gewiss — denn ohne ihre Leidenschaft für das Bridge hätte Mrs. Cooper den Unwiderstehlichen, der ihre Ehe zerstörte, nicht kennengelernt. «Allerdings wäre dann wahrscheinlich ein anderer gekommen», meint ein englisches Blatt. ein motd als Zcandefuieckehcs- Attraktion Die Pariser Rue de Lappe gehörte noch vor zehn Jahren organisch zu ihrer Umgebung, das heisst, sie gliederte sich nicht nur im Aussehen, sondern auch in der Atmosphäre in jenes Strassengewinkel ein, das sich hinter der Bastille bis zur Nation erstreckt. Damals gab es drei oder vier populäre Bälle in der Strasse, von denen «Le petit balcon» und «Les quatres colonnes», die bekanntesten waren. Francis Carco hat die Rue de Lappe mit ihren Volksbällen sozusagen salonfähig gemacht — erst waren die Fremden, die in Autos, mit Frack und Pelzmänteln ankamen, um sich das Milieu anzusehen, ein angestaunter Besuch — später aber gehörten sie zu dem Bilde dazu, man hatte sich an sie gewöhnt. Jahrelang dauerte der Streit, ob die Rue de Lappe «echt» sei oder nicht — das heisst, ob man dort wirkliche Apachen, wirkliche hommes du milieu finde, oder ob alles nur «gestellt» sei, geschickte Regie, angefangen vom Halbdunkel der Beleuchtung bis zur obligaten Rauferei. Man hatte sich an dieses «Halb und Halb» der Atmosphäre gewöhnt, an den Gedanken, dass Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit fliess. Wasser o. Badu.Tel. Zimmer v. ]•>. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Leimgruber, Bes. die Augen ganz weit öffnete, blieb das Bild unverlöscht liegen, ein grünes, gesundes, leuchtendes Feld, durch das schon quer vor ihm eine Rehfährte zog, die sich tief in den weichen Boden eingedrückt hatte. Das Wasser hatte seinen Acker nicht gestohlen. Er umschritt das ganze Feld. Er sprach mit sich, laut und immer noch verwirrt. Er sprach zu der jungen Saat, zu dem Wasser, das sich verlaufen, zu dem Wind, der es getrocknet hatte. Er sprach wie zu einem jungen Tier, das sich verirrt und ihm viele Sorgen gemacht hatte und das er nun auf den Armen heimtrug, mit leisen Vorwürfen, noch voller Erinnerung an den Kummer des Suchens, aber übertönt von der tiefen Freude der Rettung. Und erst als das Grab ihm wieder einfiel, schwieg er beschämt und ging langsam zu seinem Hause zurück, zu der, die das meiste verloren hatte. «Es hat dem Hafer nichts geschadet», sagte er, als er an ihrer Seite lag. Sie wendete ihr Gesicht im Dunklen zu ihm, und er hörte an ihrem Atem, dass das Wort durch ihre Zugeschlossenheit in sie eingedrungen war. «Er hat das Böse erstickt», sagte sie nach einer Weile, «Brot wirst du haben, Jürgen...» (Fortsetzung folgt.)