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E_1935_Zeitung_Nr.003

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BERN, Freitag, 11. Januar 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 3- ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE; Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlicli abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Fahren auf Schnee und Eis Die Schneefälle der letzten Tage haben den Automobilisten vor eine Reihe neuer Aufgaben gestellt. Wohl sind die Motorfahrzeuge den Anforderungen des Winterbetriebes zum grossen Teil schon angepasst; was dazu hinsichtlich Ausrüstung und Einstellmassnahmen zweckdienlich ist, haben wir schon in Nr. 97 ausführlich erläutert. Mit dem Auftreten von Schnee und Eis ist jedoch eine weitere Anpassungsmassnahme nötig geworden: die Neuanpassung der Fahrtechnik an die veränderten Fahrbahn-Verhältnisse. Wer sich darüber hinwegsetzen zu können glaubt, wird früher oder später durch höhere Gewalten eines Besseren belehrt werden. Selbst der erfahrene Automobilist tut gut daran, in der nächsten Zeit die Vorsicht zu übertreiben. Denn was ihm, noch an die Fahrweise des Sommers gewöhnt, vielleicht im ersten Moment als übertrieben vor-' sichtige Fahrweise vorkommt, kann in Wirklichkeit nur gerade genügen, um Unfälle zu vermeiden. Jede Statistik lehrt, dass die Unfallzahl immer beim Auftreten von Schnee und Eis stark 'ansteigt. Und da Unfälle grösstenteils die Folgen von Irrtümern und Verschätzungen sind, ist darin auch der deutliche Hinweis zu erblicken, wie leicht man zur Winterszeit im Auto, selbst ohne grobe Fahrlässigkeit, Selbsttäuschungen zum Opfer fällt. Das Schütteln mit dem Auto ist gefährlich. Gegen die Gleitgefahr ist kein Kraut gewachsen. Auch alle die letzten grossen Fortschritte der Auto-, der Zubehör- und der Strassenbautechnik haben das Uebel nur wenig gemildert und die Gefahr keineswegs gebannt. Die Sicherheit der Fahrt steht und fällt zum grossen Teil mit der zwischen dem Rad und der Fahrbahn herrschenden Reibung. Sinkt die Reibung auf einen Zehntel des normalen und gewohnten Wertes herab, wie es unter winterlichen Verhältnissen nicht selten vorkommt, so sind die grössten Ueberraschungen möglich, Ueberraschungen aller Grade und auch aller Variationen, vom Amüsement bis zur Katastrophe, vom neckischen Vorfall bis zum gefährlichen Abenteuer. Und der schöne Satz : « Es staunt der Laie und der Fachmann wundert sich», kann sehr leicht einmal zu unerwünscht grosser Bedeutung gelangen. Blicken wir heute zum Fenster hinaus, so hat der Fahrzeugverkehr anscheinend noch nichts von seiner gewohnten Lebhaftigkeit eingebüsst. Mit dieser unverminderten Lebhaftigkeit befindet er sich aber im Unrecht; nur das Unvermögen der Menschen, sich Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. Copyright by Albert Langen-Georg Müller, Müllchen. (17. Fortsetzung.) Sie schloss die Augen, weil es nun entschieden war. «Du wirst ein Kind haben, Jürgen», sagte sie und legte die Hand auf seine Brust. «Und du allein bist der Vater gewesen, hörst du? Ich lüge nicht. Nur Zeit lassen musst du mir etwas, ja ? Es ist noch., zu früh ist es noch., lass uns den Sommer noch so leben, mit der Lust, wie du es nennst, ja ?» Sie wachte noch lange, als sie an seinem Atem hörte, dass er schon schlief. Das weisse Licht vor dem Fenster wurde rötlich, und die Kraniche riefen vom Moor. «Bevor sie fortziehen», dachte sie, «muss ich ihn fragen, ob er aufhören will zu beten... und wenn er nicht aufhören will, muss ich es tun.. das eine oder das andere... und bis dahin muss ich es wissen, welches leichter sein wird..» Als Jürgen zum Strom ging, tat sie, als ob sie schliefe. Aber als sie die Kahnkette klirren hörte, legte sie die Arme vor sich auf Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage „Auller-Felerabend". 6—8 mal* jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATIONs Breitenrainstr. 97, Bern Grdssere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern rasch auch gefühlsmässig auf neue Verhältnisse umzustellen, kann ihm als mildernder Umstand zugebilligt werden. Die Sicherheitsmarge ist stark herabgesetzt, die Un-eine viel grössere Anziehungskraft ausüben mehr durchgreifen und die Strassengraben fallgefahr entsprechend erhöht. Will es der als man es von der sommerlichen Fahrweise Zufall, dass an jener Ecke zwei Fahrzeuge her nur im entferntesten ahnt, muss man mit ihrer gewohnten sommerlichen Geschwindigkeit zusammentreffen, so wird ein Schaufel- und Abschlepparbeiten angewiesen sich immer darauf gefasst machen, auf Unfall unvermeidlich sein. Auch die beste Bremse vermag nicht mehr zu tun, als die Räder gleichzeitig zu blockieren. Selbst mit blockierten Rädern schüttelt aber der Wagen noch zehn Meter weit, wenn nicht weiter. Solange Schnee und Eis auf der Strasse regieren, spielt sogar die Anzugskraft der Bremsen nur eine Nebenrolle. Nur die Gleichmässigkeit des Bremsanzuges gewinnt an Bedeutung. Glücklicherweise lässt bei den meisten Automobilisten die bessere Einsicht nicht lange auf sich warten. Ein' kleinerer oder grösserer Schreck, durch ein überraschendes Verhalten des Wagens ausgelöst, legt ihrer Fahrweise von selbst die richtigen Zügel an. Obschon die Erfahrung der beste Lehrmeister ist, raten wir aber unseren Lesern dringend, es nicht darauf ankommen zu lassen. Nur zu leicht könnte die Operation gelingen, der Patient dabei aber in die besseren Jagdgründe hinüberwandeln. Fahren in der Stadt, über Land, im Gebirge. An sich verlangt sonst der Winterverkehr in den Niederungen durchaus keine besonderen Kenntnisse oder Fähigkeiten mehr. Mit guten und vor allem gut angepassten Gleitschutzketten auf den Hinterrädern kann man sich bei uns selbst im strengsten Winter sorglos über Land wagen. Steigungen und Gefälle bis etwa 15% machen bei gebahnten Strassen kaum Schwierigkeiten, und selbst wenn man einmal nebenaus geraten und im Strassengraben steckenbleiben sollte, wird' meist mit der Unterstützung hilfreicher Lenkradkollegen rasch wieder flott zu werden sein. Wer nur gelegentlich über Land fährt und sich normalerweise in der Stadt aufhält, wird sogar meistens auf den Gebrauch der Ketten ganz verzichten können, es sei denn, dass er für alle Fälle Gummiketten aufzieht, die den Stahlketten gegenüber den Vorteil haben, kein Geräusch zu verursachen und die Pneus auf aperer Strasse nicht anzugreifen, wogegen sie allerdings bei hohem Schnee etwas weniger wirksam sind. Die Ketten sind dann aber trotzdem im Wagen mitzuführen, sonst wird man erfahrungsgemäss mit aller Bestimmtheit an der nächsten kleinen Steigung steckenbleiben. die Decke, spreizte die Finger und blickte lange auf ihre festen, braunen Hände, die sich abwechselnd öffneten und schlössen. Dann stand sie langsam auf und ging mit hartem Gesicht an ihre Arbeit. 5. Mac Lean hatte gesagt, dass sie im September fahren würden. Mit einem Dampfer so gross wie beide Dörfer zusammen. Und die Uniform des Kapitäns sei ganz mit Gold bedeckt, solch eine Macht besitze er. Denn die Leute, die Reisende von Europa nach Amerika übersetzen, seien etwas andere Leute als die, die sonstwo Reisende übersetzen. Und die Maschine des Dampfers sei so gross wie eine Kirche, ganz aus Stahl, und während der ganzen Reise mache sie nur «Turn tum turn... turn turn tüm», ohne eine Sekunde Pause, und schleppe damit zwei Dörfer hinüber wie nichts. Heini erzählte es mit einem spöttischen Lächeln um die bitteren Mundwinkel. So erzählte seine Mutter es hundertmal am Tage, und es müsse wirklich eine Goldene Stadt sein, da sie Verlangen nach seiner Mutter habe. So begannen im Sommer die Höfe und Kätnergrundstücke verkauft zu werden, und das Eisen an der anderen Seite des Stromes rief Jürgen oft hinüber, damit er die Käufer Unbedingt erforderlich wird die Beweh- Tung der Räder mit Ketten dann, wenn man sich in gebirgigere Gegenden begibt, ratsam auch noch einiges sonstiges Gerät. Da in tieferem Schnee und an steilen Steigungen selbst die kettenbewehrten Räder oft nicht im November 535 PW — 85 LW, während zu sein. Eine kräftige Schaufel und ein Schleppseil' im Wagen haben daneben auch schon ähnliche prophylaktische Wirkung wie die Schneekette im Wagen beim Stadtverkehr, sie sind gewissermassen als Maskotten zu betrachten. Schiffbruch Im Schnee. Was aber, wenn man trotzdem einmal festsitzt? Vor allem keine Aufregung. Durch nichts verscherzt man sich die Chancen auf baldiges Wiederflottwerden so gründlich, wie durch unüberlegte Eile, durch blinden Eifer und Zwängerei. Man steige vorerst einmal aus und sehe sich die Bescherung ruhig an. Wo liegt das grösste Hemmnis? Sind alle Räder am Rollen behindert oder nur einzelne? Welche Hilfsmittel hat man -zur Rettung des Schiffbruches zur Hand? * Fast jmmer wird der Fehler gemacht, dass der Fahrer eines steckengebliebenen Wagens durch weiteres blindwütiges Gasgeben freizukommen sucht. Mit dem einzigen Erfolg, dass alle weiteren Erfolgsaussichten gründlich vernichtet werden. Die Räder werden sich bei diesem Vorgehen immer tiefer eingraben, der Wagen schaufelt sich sein eigenes Grab, und zwar um so rascher, je besser die Gleitschutzketten greifen. Haben die Räder keine Ketten^ so schleifen die durchbrennenden Pneus den Boden unter sich zu Eis, und ein Fortkommen ist dann ebensowenig möglich. Besteht noch einige Aussicht, dass überhaupt mit Motorkraft allein flott zu werden ist, so versuche man an einer Steigung vor allem einmal rückwärts wegzufahren oder, allgemein, entgegengesetzt der ursprünglichen Fahrtrichtung. Dem Motor ist dabei aber nur ganz wenig Gas zu geben, nur gerade soviel, dass er beim Einkuppeln, das so zart wie möglich vor sich gehen soll, nicht stillsteht. Drehen sich die Räder trotzdem wieder durch, ohne dass sich der Wagen bewegt, so kann «mit Motorkraft» höchstens vielleicht noch das Verfahren des «Aufschaukeins» nützen, das jedoch etwas zweischneidig und übrigens gar nicht leicht durchführbar ist. Durch abwechslungsweises Ein- und (Fortsetzung Seite 2.) übersetze. Jedesmal stand Marte in der Tür des Hauses und sah schweigend und ernst auf die Fremden, die allein und mit ihren Frauen kamen, um Hof und Vieh und Ernte anzusehen. Und nach ein oder zwei Tagen, wenn Jürgen sie wieder über den Strom gebracht hatte, wandte sie aus der ruhigen Arbeit ihrer Hände ihre dunklen Augen zu ihm und fragte: «Nun, haben sie gekauft?» Und dann sah sie über ihn hinweg in die Ferne und nickte vor sich hin, als zähle sie den Zug der Auswanderer öder sehe ihm nur nach, ernst, und von Gedanken der Zukunft beschattet, wie Zurückbleibende dem Staub über einem Weg nachzublicken pflegen. Es war ein schlechtes Handeln und Verkaufen, weil jedermann in der ganzen Gegend wusste, dass sie zum Herbst ausser Landes gehen wollten und weil ihre Aecker und ihr Vieh aussahen wie in einer Wüste. Die Herbsternte war ihnen verdorben. Dann hatten sie Frost und Wassersnot gehabt. Dann hatten sie mit Hohn und Gelächter gesät, zu einer Zeit, in der um andere Dörfer die Krähen sich schon in der Saat verstekken konnten. Und dann war seit Christi Himmelfahrt nicht mehr als ein spärlicher Regen gefallen. Zuerst sagte Mac Lean, dass es ein Zeichen des Gottes sei, der sie rufe, Sirassen und Tourismus Der vielbefahrene Julien Nichts vermag schlagender die Notwendigkeit einer durchgehenden Nord-Südverbindung während der Wintermonate zu illustrieren, als die bisher erzielten Julier-Frequenzen. Wie wir der Lokalpresse entnehmen, haben im Monat August 9926 Personen und 483 Lastwagen den Pass traversiert, im September 4858 PW — 466 LW, im Oktober 1522 PW — 145 LW, im Dezember 1934 stets noch 457 PW und 123 LW den Pass traversierten. In den ersten Tagen des laufenden Jahres haben bereits 584 Personenwagen den Pass befahren. Da die Strasse sich in einem recht guten Zustand befindet und der Schneepflug innert kürzester Zeit auch mit grossen Schneemassen fertig wird, ist mit einer weitern Verkehrszunahme über den Julier zu rechnen. Zahlen aus dem italienischen Fremdenverkehr. Nach den neuesten Angaben der Agentur von Rom sind in den ersten zehn Monaten des Jahres 1934 insgesamt 2,8 Millionen Fremde nach Italien gereist. Im Vorjahre waren es im gleichen Zeitpunkt 2,5 Millionen Gäste und 1932 nur 1,9 Millionen. Davon sind 790,758 per Bahn gekommen, 1,88 Millionen Personen trafen im Motorfahrzeug ein, 107,413 kamen auf dem Seeweg und 2353 benützten den Luftweg. Das Hauptkontingent-der fremden Besucher rekrutiert sich demnach in ihrer überwältigenden Mehrzahl aus den '• Aütound Motorradtouristen. Welchen Aufschwung der Autotourismus in den letzten Jahren genommen hat, ergibt sich daraus, dass im gleichen Zeitraum des Jahres 1933 1,49 Millionen und im Jahre 1932, 1,10 Millionen Gäste per Strassenfahrzeug Italien aufsuchten. Mit Recht wird diese gewaltige Zunahme des Autoreiseverkehrs, den die Italiener selbst als ein Rekordergebnis bezeichnen, der fortschrittlichen Strassenbaupolitik der Regierung zugeschrieben. Aufgemuntert durch diese Entwicklung hat das fascistische Italien neue grosszügige Strassenprojekte genehmigt, die ihm immer mehr den Ruf des Reiselandes par excellence in ganz Europa einbringen werden. In der Schweiz dagegen will man die bisherige Entfaltung der Autotouristik mit neuen fiskalischen Belastungen beantworten, deren Erträgnisse zudem niemals ausreichen können, um mit dem Ausbau der Strassen, wie ihn das uns umgebende Ausland und vorab Italien mit grossem Eifer betreibt. Schritt zu halten. Erkläret mir... ! Berliner Autobahnring. Nach einem vom Generalinspektor für das deutsche Strassenbauwesen in grossen Zügen genehmigten denn er breche Hütten ab und baue sie wieder auf und wolle ihnen den Uebergang leichter machen aus einem verfluchten in ein gelobtes Land. Aber dann, als die Weiden verdorrten, als die Erde in Rissen aufsprang und Kröten und Gewürm aus den Spalten der Erde zu steigen schienen, sagte er zum erstenmal, leise und wie unter der Bedrfikkung eines Gesichts, dass es wie eine Ver-/ zauberung aussehe und er zu Gott beten wolle, dass er ihnen die Augen öffne für den Weg, der zur Erkenntnis des Bösen führe. «Doskocil», sagte der Schneider Südekum eines Abends am Strom, als er Jürgen durch das Schilf zu sich herangewinkt hatte, «ich habe eine von den Blindschleichen drüben in der Kammer gehabt. Mit dem Kopf unter Wasser, weisst du, dass er schon ein bisschen blau war um die Augen. Und habe nicht losgelassen, bis er mir erzählt hat. Ich würde mir ein Gewehr anschaffen, Doskocil, und viele Patronen mit Schrot laden, Rehposten natürlich. Und einen Balken vor die Haustür, von innen. Denn sonst weil es sein könnte, dass sie mal wieder Lust bekommen, einen Zauberer mit Dreschflegeln totzuschlagen, der ihnen den Regen nimmt und ihr Vieh verhext. Kapiert?» Jürgen war sehr langsam nach Hause ge-