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E_1935_Zeitung_Nr.004

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masse bröckelt heraus.

masse bröckelt heraus. Abgesehen davon muss, die Batterie durch eine solche Beanspruchung in wenigen Minuten erschöpft sein. Wenn immer möglich besorge man deshalb das erste Durchdrehen des kalten Motors von Hand oder suche die Anlasserarbeit wenigstens durch Betätigen der Handkurbel zu unterstützen. In den meisten Fällen wird dazu ein Helfer nötig sein, es sei denn, dass ein besonderer Anlasserhilfskontakt vorn am Wagen in Greifnähe vorgesehen wurde. Aber auch nach der ersten Inbetriebsetzung des -Wagens kann man Verschiedenes füf die richtige Ordnung im Stromhaushait tun. Apparate mit starkem Stromverbrauch, wie z. B. Zigarrenanzünder, die bis 20 Ampere konsumieren, wie die Scheinwerfer, Widerstands-Heizkörper und dergleihen sind so sparsam wie möglich zu benützen. In jedem Fall hüte man sich vor dem Einbau neuer Stromverbraucher, bevor man den Rat des Fachmannes eingeholt oder sich über ihren Konsum Rechenschaft abgelegt hat. Der Gebrauch des Anlassers ist auf das notwendige Minimum zu beschränken* Sehr häufig Iässt es sich einrichten, dass man den Wagen an einem Gefälle parkiert, so dass man beim nächsten Wegfahren zum Anwerfen des Motors nur einen Gang einzurücken braucht. Eine merkliche Verminderung des Stromverbrauches ergibt gewöhnlich auch die Anwendung von Obenschmiermitteln oder kolloidalen Graphit-Präparaten, die beide gerade während der Anlassmomente bessere Schmierverhältnisse zustande kommen lassen. Im übrigen sorge man dafür, dass der Wagen nicht in einem zu kalten Raum untergestellt wird, da, wie schon angedeutet, die Leistungsfähigkeit der Batterie mit der Kälte stark abnimmt. Eine teilweise oder ganz entladene Batterie kann sogar einfrieren, was fast sicher eine Sprengung aller Zellen zur Folge hat. -y- Shhnmy... Das Flattern der Vorderräder Iässt sich nicht selten beheben, indem lediglich neue Pneus aufgezogen oder die schon benützten Pneus gegeneinander vertauscht werden. -at- Zukaufen gesucht PNEU 32X4 10 AUTOMOBIL-REVUE 1935- neu oder Ia. Occasion. Offerten erb. an Hans Müller, Autogarage, Romanshorn. 10803 Zu verkaufen samtliche BESTANDTEILE eines FIAT-Wägens Mod. 501, einzeln oder gesamthaft. 65942 Joh. Scherrer, Mühlau- Bazenheid (St. G.). Telephon, 63.033. IW* Zu verkaufen oder zu vertauschen gegen 2%—3-Ti-Lastwagen 1FORDSON TRAKTOR für Industrie oder Landwirtschaft, gänzlich durchrevidiert, mit allem Zubehör, zusammenlegb. Führerdach, Sehneeketten etc. Offerten . unter Chiffre 65706 an die Automobil-Revue. Bern Umständehalber an gut Geschäftslage in Binningen (Nähe Basier Stadtgrenze und Tramhaltestelle) Haus mit Laden für jedes Gewerbe und sieben 2- u. 3- Zimmerwohnungen,. günstig zu verkaufen. Anzahlung Fr. 1^—20000. 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Die Befestigung der Skier geschieht durch eine Anzahl weiterer, durch Flügelmuttern auf klemmbarer Leisten, die rasch auch wie- Pxaktische Befestigung der Skier auf einem Brett auf dem Gepäcklkoffer. der abgenommen werden können. Die ganze Vorrichtung, die im übrigen aus der Skizze klar ersichtlich ist, hat den Vorteil einer raschen Montier- und Demontierbarkeit. Sie ist billig, ungefährlich und ermöglicht zudem, dass man die Skier während der Fahrt im Rückblickspiegel ständig im Auge behalten kann. Das auf dem Reserverad aufgespannte Grundbrett ist durch den Reifen des Reserverades gleichsam noch etwas abgefedert, wodurch die Möglichkeit einer selbsttätigen Lockerung ausgeschlossen erscheint. Unter Umständen kann für seine Befestigung auch allein schon die Mutter des Reserveradträsrers genügen. . Das gesuchte Fachwort In Nr. 101 unseres Blattes forderten wir unsere Leser auf, für das seit ungefähr einem Jahr in starkem Aufkommen begriffene « Verfahren des Gleitsichermachens abgefahrener Pneus durch Vornahme dicht aufeinanderfolgender quergerichteter Sägeschlitze » einen kurzen, prägnanten Fachausdruck zu nennen oder, wenn nötig, neu zu schöpfen. Oft genug hatten wir uns schon über die langen Wendungen geärgert, die (vide oben) zur Umschreibung des in welschen Sprachgebieten bestehenden/ Fachwortes « adheriser » nötig sind. -, Zukaufen gesucht 1 Kran für Abschleppwagen 1 hydr. Autolift mit 3500 kg Tragkraft. 1 Kompressor für Garage-Zwecke. Offerten unter Chiffre 65945 an die Automobil-Revue, Bern. Zukaufen, gesucht Tellerrad und Kegelrad 54/13 und rechte Seitenwelle für STEYR 5 VII 35946 Adler-Garage, Schupfheim. Marke « V O M A G » aus Abbruch. Anfragen unter Chiffre 65934 an die ~ Automobil-Revue, Bern. iSTr. 740X140 zu FIAT 503. 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Wenn unseres Erachtens auch noch niemand den Nagel auf den Kopf getroffen hat, so können wir doch schon eine ansehnliche Musterkarte von neuen Ausdrücken vorlegen, von denen 1 auch der letzte noch besser ist als das in Deutschland gebräuchliche « sommern >, das aus lauter Bequemlichkeit aufkam, weil zufällig ein Herr Sommer das Verfahren in Berlin erstmals zur'Anwendung brachte. Ein Einsender möchte die Pneus «traksieren > (vom englischen « track » = Spur), oder doch wenigstens «profieren». Offen gestanden halten wir den ersten Ausdruck noch für zu vertrackt und die «Profitur» auch nicht gerade für sehr bezeichnend. Ein «frisierter» Pneu passt uns da schon viel besser. Oder wie wäre es mit «lamellisieren » oder noch besser mit < lameliieren», da doch durch das « traksieren », «profieren », die « Profisierung», die «Profitur» (oder wie man will) letzten Endes Lamellen entstehen, unter denen sich jedermann von selbst ungefähr das richtige vorstellt? Anderseits sind auch die Ausdrücke < griffen •» und «nachgriffen» sicher ganz gut. Alljährlich bei Beginn des Winters schickt der Bauer seine Pferde zur Schmiede, um die Hufeisen « griffen », d. h. durch Einsetzen von Stollen «griffig» zu machen. Jedenfalls würden wir mit einer dieser Bezeichnungen schon gerne vorlieb nehmen,, •yftenn sich nichts besseres finden sollte. Oder wer meldet sich noch ? -s. Zukaufen, gesucht Occasionswagen in tadellosem Zustand, nicht über 10 PS, 4/5 PL, wenn möglich mit Hintertüre oder Koffer. Tausch an älteren NASH. Offerten unter Chiffre 65933 an die Zukaufen, gesucht PERSONEN-AUTO 4, ev. 6 Plätze, nur neueres Modell und gute Occasion. An Zahlung müssten ev. fabrikneue Möbel genommen werden. — Ausführliche Offerten unter Chiffre 65944 an die REO (erstklassig. Amerikaner), Sedan, 5 PL, neueres Modell, wenig gefahren, zu verkaufen Alle Neuerungen, splitterfreies Glas. 65957 H. Meisterhans, Neumühlequai 30/34, Zürich. 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Durch Schmutz können Kurzschlüsse auftreten; die Anschlüsse und Verbindungen werden schadhaft oder lösen sich. Der Verteiler soll ab und zu einmal -gereinigt, die Anschlüsse sollen geprüft bezw. festgezogen werden. Die Kontakte des Unterbrechers müssen immer blank und sauber, die Funkenstrecke muss auf den richtigen Abstand genau eingestellt sein. Isolationen (Leitungen) sind vor jeglichen Schmiermitteln. (Oel usw.) und grosser Hitze zu schützen. -th- Tedhnisdie Notizen Die Stromlinie marschiert Nachdem bereits vor einigen Monaten die Daimler-Benz A.G. in Stuttgart-Untertürkheim, die Maybach- Motorenbau G.m.b.H. in Friedrichshafen, die Fahrzeugfabrik Bungartz & Co. in München, die Tatra-Werke A.G. in Prag und die Jawa- Werke in Prag Lizenzverträge über die Jaray-Patente für Stromlinienkarosserien abgeschlossen haben, hat kürzlich auch die Auto-Union A.G. in Chemnitz die Lizenz zum Bau der Jaray-Karosserien erworben. Voraussichtlich werden schon auf der kommenden Berliner Automobilausstellung mehrere Jaray-Stromlinienwagen verschiedener Bauart und Herkunft zu sehen sein, darunter auch ein geschlossener Sportwagen auf 4/25 PS-Q Liter)-Fiat-Balilla-Fahrgestell mit besonders grossen Tanks und leicht zugäng- 'ichem grossem Gepäckraum für eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/St. Tech Antwort 9281. Anschaffung eines Auto-Radio« Empfängers. Zuschrift weitergeleitet. Red. Antwort 9286. «Jumbo»-Pneu. Zuschriften weitergeleitet. Red. Antwort 9287. PetrolvergaSer « Rofoviva ». Zuschrift weitergeleitet. Red. II. Antwort 9284. Schneeketten auf vereister Strasse. Richtig aufgezogene Schneeketten sind das einzig wahre Gleitschutzmittel zum Fahren auf verschneiten und vereisten Strassen. Man benütze Schneeketten, deren Querverbindungen nahe genug beieinander liegen, dass eine Querkette stets in Kontakt mit dem vereisten Boden bleibt. Niederdruckpneus sind stärker aufzuzumpen als gewöhnlich, weil sich die Ketten sonst lockern, während fiie aber ihren Zweck nur erfüllen können, wenn sie straff gespannt sind. H. B. in B. Frag« 9295. Kleintransformator «Ismet». Kann mir vielleicht ein Leser den Fabrikanten der Klein- Transformatoren Marke «Ismet» nennen? • H. W. in Z. Fragt 9296. Manschetfenetnlagen. Kann mir ein I.eser mitteilen, wer die Manschetteneinlagen zur Reparatur der Pneus herstellt und wo solch» bezogen werden können? G. D. in Z. Frage 9297. «Anti-KGhler-Defekt» und «Erntetox». Kann mir ein Leser, der mit dem «Anti- Kühler-Defekt und «Ermetox» Erfahrungen gemacht hat, seine Ansichten darüber mitteilen? Können diese Mittel, ohne irgendwelche Schädigungen befürchten zu müssen, verwendet werden? C. B. in N. 1 Schnecken Wanclwinde für ca. 1500 kg Tragkraft, z. Aufziehen einer Gesellschaftskarosserie. Ofefrten unter Chiffre 65900 an die Automobil-Revue, Bern. Zukaufen, gesucht Camion 2 x /2—3 Tonnen Sie befasst sich vorzugsweise mit der Erforschung der Wechselwirkung von Technik und Wirtschaft, mit Werkstattpraxis und fabriktechnischen Prozessen. Industriellen, Kaufleuten und Gewerbetreibenden, vermittelt sie den Kontakt mit den Problemen und Projekten der Gegenwart. SP Zukaufen gesucht Zukaufen gesucht LIMOUSINE 4 Pl. bis 10 St.-PS, nicht unter Modell 33, in einwandfreiem Zustande. BarzahL Offerten unter Chiffre 65935 an die Automobil-Revue, Bern, Zu verkaufen wegen Nichtgebrauch, 14 PS, 6-Plätzer, offen, in ganz tadellosem Zustand. — An Zahlung wird ein mit oder ohne Kipper, neu oder gebraucht. — Nähere Angaben über Marke, Zu- 4-Plätzer, eventuell neue stand und Preis unter Möbel, genommen, bei Chiffre 65954 an die Berger Ernst, Ruthen- Automobil-Revue. Bern. bach 1. E. 65921 Die Technische Rundschau Allgemeine Industrie« und Handels-ZeHung Abonnementspreis nur Fr. S. — Im Halbjahr. 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Bern, Dienstag, 15. Januar 1935 III. Blatt der „Automobil-Revue " No. 4 XJle QescfucfUe vom staffiosen itUto* Den Haag, im Januar 1935. Zu allen Zeiten gab es Männer, die ihr Lebensziel in der Erfindung des perpetuum mobile, des sich selbst erhaltenden Motors, sahen. Besonders in den verborgenen Kammern mittelalterlicher Alchimisten fand dieses Problem nebst dem der künstlichen Goldherstellung immer wieder Beachtung. So ist es nicht überraschend, dass im Wechsel der Jahrhunderte eine Unzahl von perpetua mobilia die Oeffentlichkeit beschäftigt hat Nicht selten dauerte es Jahre, bis sich der Trugschluss herausstellte und damit der schöne Traum ein Ende fand. Das Schiff, dessen Eigenbewegung durch Abzweigung eines Wasserstranges zum Antrieb eines Wasserrades bewirkt .werden sollte, gehört in die Kategorie dieser durch die Wissen-' schatten leider abgestrittenen Möglichkeiten. Glücklicherweise stirbt der Nachwuchs an einsatzbereiten Idealisten nicht aus. Auf der andern Seite sind die Fortschritte der Technik und Wissenschaft — man denke nur an die Spaltung der Atome und- die Fernsteuerung von Schiffen —• so gewaltig und umwälzend, dass Dinge, die ehemals als unmöglich galten, sehr wohl heute ihrer Verwirklichung nahegerückt sein können. Und so geschah es denn auch. Ganz unerwartet scheint das seit Jahrtausenden ersehnte Ziel der kostenlosen Krafterzeugung mit all seinen Verheissungen menschlichen Glückes erschlossen zu sein. Allzuviel weiss man noch nicht über die Arbeitsweise des neuen Motors, aber die Stellungnahme der Behörden lässt auf einen sehr ernst zu nehmenden Vorstoss der unverbildeten, intuitiven Phantasie gegen die klassische Mechanik schliessen. Auch in diesem Falle war es nicht ein Professor oder Akademiker, dem die Krafterzeugung aus dem nichts gelang, und dem damit der höchste menschliche Ruhm zuteil wurde, sondern der Held des Tages ist der junge, zwanzigjährige Konditor Wardenier aus Wolvega. Ein Frise, Bewohner dieser traumhaften Landschaft im Norden Hollands ersann und erschuf das menschliche Wunder. Soweit bisher in Erfahrung gebracht werden konnte, handelt es sich bei der neuen Erfindung um die Kombination eines Luftdruck- und Benzinmotors. Der Benzinverbrauch soll bei Tag und Nachtbetrieb im Jahr nur etwa 20 Liter betragen und die Druckluft, die vierteljährlich nachgefüllt werden muss, wird die zu errichtende Fabrik den Abnehmern kostenlos zur Verfügung stellen. Die Glaubwürdigkeit der Erfindung wird durch die Ausführungen des Herrn Muurling. des Stadtrates von Wolvega, der den Motor in Betrieb gesehen haben wili, ausser Zweifel gestellt, ja die ganze Angelegenheit erhält hierdurch einen fast offiziellen Charakter. Nach Aussagen des Herrn Muurling haben Ingenieure des Staatsdienstes an der Entwicklung des Motors mitgearbeitet. Die Industrie aller Länder ist angesichts der zu erwartenden Umstürzung aller technischen Errungenschaften in eine begreifliche Nervosität geraten und an grosszügigen Angeboten soll kein Mangel F E U I L L E T O N Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wiechert. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt) «Von wem kommst du?» fragte Marte. Er hob nur die Hand und deutete über die Schulter zurück nach dem Dorf. «Sollst du was bestellen?» Kopfschütteln. *Was willst du denn?» Nichts. Nur der unbewegliche Blick auf die Schüssel. .. «Hunger», sagte Jürgen. «Komm her.» Sie fütterten ihn und er ass schweigend, die grossen Augen fremd und scheu auf ihre zuschauenden Gesichter gerichtet. Ob sie kein Brot hätten? Ja, sie sammelten Birkenrinde aus dem Wald, weil das Mehl nicht mehr reiche. Jürgen stopfte sich eine Pfeife und rauchte, bis sein Gesicht nicht mehr zu erkennen war. «Du kannst morgen wiederkommen», sagte Marte kurz. Als er den Stuhl zurückschob, fiel ihr noch etwas ein und sie kam mit den Tellern in der Hand noch einmal an den Tisch zurück. «Wem habt ihr den bestehen. Unter den schwebenden Verhandlungen scheint ein Lizenzabkommen mit einer grossen belgischen Automobilfabrik bereits greifbare Gestalt angenommen zu haben. Doch damit nicht genug. Auch die Ausführungen des bekannten ehemaligen Kanalfliegers und jetzigen Industriellen Bleriot auf dem Luftfahrtkongress zu Washington, bei welchem Anlass von einer Erfindung berichtet wurde, über die aus politischen Gründen nichts näheres verlautbart werden dürfte, sollen sich ebenfalls auf die Erfindung des Herrn Wardenier beziehen. Ohne Frage sind dies alles Beweise für den höchst seriösen Charakter der Angelegenheit. Nach Ausführungen der örtlichen Presse hat die Stadtverwaltung in lobenswerter Voraussicht die Frage der Fabrikation bereits eingehend geprüft und ist eifrig bemüht, der stark unter Arbeitslosigkeit leidenden Gemeinde durch Errichtung einer Fabrikationsstätte am Orte ' des Geschehens die verdiente Erleichterung zu verschaffen. Zwei Grundstücke, jedes im Umfang von 60-70 ha, sind mit Beschlag belegt, zurzeit auch wohl schon erworben. An der Fertigstellung der Pläne für die zu errichtende Fabrik wird mit Eifer gearbeitet. Eingeweihte Kreise bestätigen den bereits fortgeschrittenen Stand der Dinge. Das Gebäude wird die stattliche Länge von 300 m erreichen, die Breite wird kaum weniger messen, und die Höhe des sechsstockwerkigen Gebäudes soll 30 m betragen. Für die kleine Gemeinde Wolvega bedeutet die Unterbringung von 14,000 neuen Arbeitskräften, wie der Plan vorsieht, ein Geschenk des Himmels. Die Erwartungen und Hoffnungen, die allseitig an die neue Erfindung geknüpft werden, grenzen denn auch ans Wunderbare. Die folgende Skizze entnehmen wir dem kurz vor Weihnachten im cAutler Feierabend> rühmend erwähnten Buch des Berners A. R. Lindt «Im Sattel durch Mandsehukuo» (Verlag Brockhaus, Leipzig), in dem der junge Reporter ßeine • tollen Abenteuer als Berichterstatter grosser europäischer Zeitungen während des chinesischjapanischen Konfliktes in der Mandschurei erzählt. Zusammen mit dem Vertreter einer grossen New Yorker Zeitung, Steele, unternahm Lindt aufs Geratewohl eine Erkundigungsreise ins unhekannte Innere der Mandschurei, wobei sich die beiden der Sicherheit halber als harmlose Missionäre ausgaben. Sie speisten bei G-enerälen, Räubern und Bauern, und erlebten Wochen der vollständigen Abgeschlossenheit von der ganzen Aussenwelt. Kurz vor ihrer Heimkehr nach Gharbin wurden sie noch ausgeraubt. Der folgende Abschnitt berichtet von diesem ungemütlichen Abenteuer. Han ist ein aufgeweckter Chinese, den die beiden Journalisten als Führer und Dolmetscher gut gebrauchen konnten. Die Red. Wir assen in einem kleinen Dorfe zu Mittag, reichlich und ausgiebig, da wir dank der Gastfreundschaft der Generäle, Mandarine und Bauern beinahe noch im Besitze unserer ganzen Barschaft waren. Han, der unsere Kasse führte, hatte seinen Groll gegen seine Landsleute vergessen und seine übliche gute Laune zurückgewonnen. Da er sich freigebig fühlte, beschenkte er den Wirt mit drei Charbin-Dollars, einer ungeheuren Hafer gegeben?» fragte sie. «Dem Pferd?» Der Junge nickte, sah noch einmal von ihr zu Jürgen, als warte er auf die nächste Frage, und verschwand dann lautlos durch die Tür. Sie sahen, wie er über den Hof zum Walde schlich, mit den Gebärden eines Diebes, dem alle Dinge Augen zu haben scheinen. Am nächsten Tage waren es drei. Dann wurden es sieben, und bei dieser Zahl blieb es. «Lachen werden sie über dich,. Jürgen, wenn sie es erfahren», sagte Marte. Aber er schüttelte den Kopf. «Kinder haben keine Schuld», sagte er. Und immer um die Mittagszeit stand er auf der Schwelle und sah nach der Waldecke hinüber, aus der sie auftauchten, ein scheuer, grauer Zug, wie Tiere, die ihre Heimat verliessen. Es waren einige darunter, die er wiedererkannte, die mit Steinen nach ihm geworfen und das böse Lied hinter ihm hergesungen hatten. Aber er schob ihnen.die Bank näher an den Tisch und passte auf, dass sie keine Gräten verschluckten. Marte sah ihn mitunter von der Seite an, sein erhelltes Gesicht, die schwere Zärtlichkeit seiner Hände, und wieder ging sie in Gedanken, Stunden voraus, den schweren Weg des Abends zu der Mulde zwischen Herr Wardenier wird mit Glückwunschtelegrammen, Briefen und Rückfragen derart überhäuft, dass er zu seinem Bedauern nicht auf alle diese Aeusserungen persönlich eingehen kann. Der neuengagierte Sekretär gibt sich unterdessen die redlichste Mühe, niemand allzu lang ohne Antwort zu lassen. Diensteifrige Reporter und Photographen Hessen sich diesen denkwürdigen Augenblick nicht entgehen, um der ungeduldigen Bevölkerung die Berge unerledigter Post ihrem Publikum im Bilde vor Augen zu führen. Armer Wardenier! Welch eine Qual, berühmt zu sein. Begreiflicherweise drängte aber schliesslich die Oeffentlichkeit auf eine Klarstellung der Situation, denn der Holländer ist kein Freund von Mystik und noch weniger von unkontrollierbaren Gerüchten. So wurde denn eine Kommission zusammengesetzt, auf der erlauchte Vertreter der Wissenschaft anwesend waren und eine gemeinsame Aussprache anberaumt. Bei dieser Gelegenheit sollte Wardenier gewissermassen den Wahrheitsbeweis für seine Erfindung erbringen. Freilich ein für alle Beteiligten höchst spannender Augenblick ! Sei es, dass Wardenier sich dieser anmarschierenden Front nicht gewachsen fühlte, sei es, dass sein völlig überarbeiteter Zustand ihm die nötige seelische Anpassung versagte, Wardenier erlitt einen Nervenzusammenbruch und musste in eine Nervenheilanstalt überführt werden. Den Wahrheitsbeweis für die ihm unterlegte Erfindung blieb er bis heute schuldig. Viele betrachten diesen enttäuschenden Abschluss als das Ende einer nun entrückten Illusion, — andere knüpfen auch heute noch ihr eigenes Schicksal an das des Erfinders aus Wolvega. efr. In de% Wlandschwiei Von A. R. Lindt. Summe für einen Bauern des Landesinnern. Der Wirt nahm das Geld mit einem ungläubigen Lachen in Empfang. Die übrigen Gäste standen auf und massen uns, während sie die drei Banknoten auf ihre Echtheit untersuchten, mit argwöhnischen Blicken. Wir fuhren an Häusern vorbei, deren Mauern zerfielen und deren Torflügel zerfaulten. Kinder spielten in den vereinsamten Höfen. Wie sie unserer ansichtig wurden, flohen sie schreiend in die elenden Lehmhütten. Die Sonne brannte auf das Strohdach des Karrens.. Müde trotteten die Pferde durch den zähen Kot der Strasse, aufgeweicht von den Regengüssen der gestrigen Nacht. Der weiche Boden Hess die Räder lautlos dahinrollen. Steele und Han schritten voraus, während ich träge im Karren lag und mich schläfrig rütteln Hess. In grossem Abstande folgten uns drei Reiter. Ihre Pferde, die sich langsam dahinschleppten, schienen ebenso müde wie die unsrigen. Es musste ungefähr drei Uhr sein. Denn schon begannen die Schatten unter den Pferden hervor in die Matten zu kriechen. Der Fuhrmann sang ein eintöniges Lied. Die Eselin stand von Zeit zu Zeit still, um ihr ermüdetes Fohlen zu locken. Langsam döste ich ein. den Kieferbüschen, in der sie um Kraft betete und in der sie Ohnmacht empfing. «Regen kommt nicht», sagte Jürgen, «aber dafür kommen die Kinder.» Langsam verschmerzte, was das Dorf ihm antat. Selbst der Acker war nur wie eine Narbe, die nur leise brannte, wenn er sich unachtsam an ihr stiess. Doch vergass er nicht, dass es fremde Kinder waren, und Marte fühlte, wie seine Blicke, wenn sie wieder allein waren, in ihrer Spur gingen, stumm und niedergeschlagen, wenn sie ihn ansah, aber immer wartend. Nach dem Essen ging er nun oft mit den Kindern in den Wald, ein zweiter Rattenfänger, mit einem dünnen, grauen Zuge hinter sich her. Hier unter den hohen Fichten, wo noch etwas Kühle war und golddurchwirkte Schatten, fühlten sie, dass alles Gefährliche hinter ihnen geblieben war: Hunger, Glut, schwelender Hass der Häuser. Hier zeigte Jürgen ihnen, wie man Pilze suchen und sie an einem kleinen Feuer rösten konnte. Wo die Heidelbeeren noch nicht vertrocknet waren und die ersten Brombeeren sich dunkel färbten. Wie man Wurzeln graben und sie im Munde halten musste, um die Qual des Durstes nicht zu Im Halbschlaf sehe ich plötzlich schattenmässig wie auf einer Filmleinwand Gestalten vor mir auftauchen. Ein Reiter rechts, zwei Reiter zu meiner Linken. Sie halten mir Revolver vor. Ganz erwache ich erst, als sie. mich anschreien. «Meguo — Lesuguo (Amerikaner _— Schweizer)», rufe ich, zwei Worte, die gleich einer Zauberformel bisher alle Chinesen günstig gegen uns gestimmt hatten. Die > drei Reiter halten weiter die Revolver vor meine Brust. Wieder brüllen sie mich an. Ich habe einen ausgezeichneten Gedanken: Ich hebe die Hände hoch. Steele und Han, an die Rufe der Fuhrleute gewöhnt, wissen noch von nichts. Versunken in die friedliche Welt ihrer Gedanken, schlendern sie ruhig weiter. Ein Räuber reitet ihnen nach. Er schrei ihnen zu. Langsam drehen sie sich um. Sie öffnen den Mund, ihr Gesicht versteinert sich, und sie heben wie Märtyrer die Arme gegen den leeren, ungeheuren Himmel. Mit heftigen Gebärden machen mir die Reiter begreiflich, dass ich vom Karren steigen soll. Sie führen mich einige Meter hinter den Wagen und zwingen mich in die Knie. Einer bedeutet mir, mich auf den Rücken zu legen. Ich zögere einen Augenblick — und schon klatscht mir die mongolische Peitsche um die Schultern. Ich gehorche. Es ist sicher schön, in der grünenden mandschurischen Ebene zu liegen und in den blauen Himmel zu gucken. Aber mein Blick wird rasch von einer blanken Revolvermündung gebannt. Ich erkenne die Marke: Colt. Auf das Geheiss der Banditen durchsucht einer der Fuhrleute meine Taschen. Alles händigt der Schurke den Räubern aus, Sacktuch, Messer, Geldbeutel, Brieftasche, Kompass. Meine Leicakamera besehen sie sich misstrauisch. Sie scheinen sie für eine neue Art Revolver zu halten und stecken sie nur nach vorsichtiger Prüfung ein. Nachdem die Durchsuchung beendigt ist, befehlen sie dem Fuhrmann, mich mit meinem eigenen Gürtel zu fesseln. Wie ein Wikkelkind, das man pudern will, werde ich auf den Bauch gedreht, und im Nu sind meine Hände zusammengebunden. In dieser Stellung kann ich die Räuber beobachten. Einer trägt die graue, chinesische Uniform, die beiden andern sind als Bauern gekleidet. Alle drei sind stämmige, sonnenverbrannte Burschen. Steele und Han knien die Arme mit den Aermeln ihrer Röcke zusammengebunden, neben dem Karren. Der Uniformierte tastet eben den Dolmetsch ab. Grinsend reisst er ihm das Hemd auf und setzt ihm den Revolver auf die nackte Brust. Ich kann mir vorstellen, wie schaudernd kalt das Metall auf der warmen Häuf wirkt. Han, totenbleich, stimmt mit zitternder Stimme einen Choral an, den er Gott weiss wo einmal gelernt haben muss. Während der Uniformierte uns mit vorgehaltenem Revolver in Schach hält, durchstöbern die beiden andern den Karren. Ver- Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit fliess. Wasser o. Badu.Tel. Zimmer v. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Leimgruber, Bes. empfinden. Wie man Spielwerk schnitzen und Formen konnte, aus Schwämmen, aus Flechten, aus Rinden. Wie man auf Gräsern, auf Schilfhalmen, auf Lindenblättern pfeifen konnte, dass die Rehe hinter dem Gebüsch auftauchten oder die jungen Raubvögel klagend über den Rand der Horste blickten. Und wie mit allem diesem die Zeit freundlich dahinging, bis die Sonne nur noch schräge Balken durch das Astwerk legte und ein Hauch von Kühle aus den Gründen stieg. Und die Kinder, scheu und verschlossen zuerst vor der schwerfälligen Wildheit seiner Gestalt und bedrückt von der Erinnerung an Steinwürfe und Lieder, sahen, wie diese dunkle Riesengestalt sich langsam und fast verlegen vor ihnen auftat und wie in dem wilden Gehäuse weder ein Teufel noch ein schwarzer Mann erschien, sondern ein Zauberer, der mit seinen groben Händen Wunder aus der Erde rufen konnte, die er nur für sie zu rufen schien. So dauerte es nicht lange, bis Jürgen Doskocil beides war, ein Heiliger und ein Teufel, und es war gut, dass die beiden Gemeinden nichts voneinander wussten, sondern beide in Heimlichkeit ihren. Götzendienst versahen. (Fortsetzung folgt.)