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E_1935_Zeitung_Nr.007

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BERN, Freitag, 25. Januar 1935 Gelbe Liste Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Zum Problem der Hilfeleistung Vorbemerkung der Red.: In einer ansehnlichen Zahl von Zuschriften aus dem Leserkreis wurde immer wieder die Frage erörtert, wie sich der Automobilist zu verhalten habe, wenn er auf der Fahrt an einer Unfallstelle eintrifft, wo erste Hilfe notwendig ist. Sicher wird jeder Automobilist als erste Regung den guten Willen empfinden, helfend die Hand anzulegen. Allein durch ein impulsives Vorgehen können mancherlei schwerwiegende Folgen entstehen, deren sich der Hilfsbereite erst zu spät bewusst wird. So kann die Aufnahme des Tatbestandes wesentlich erschwert werden, der sofortige Abtransport von Verwundeten mag aus medizinischen Gründen gar nicht in deren gesundheitlichem Interesse liegen, oder der helfende Fahrzeuglenker kann gar in den garstigen Verdacht kommen, am Unfall selbst beteiligt gewesen zu sein. Es bedarf also nicht nur einer rein menschlichen Beurteilung des Falles. Um nun den Automobilisten über die anderen, nicht gefühlsmässigen Gesichtspunkte des Problems zu orientieren, damit er bei der Hilfeleistung auch das richtige tut oder veranlasst, haben wir uns an kompetente Persönlichkeiten der verschiedenen an dieser Fragestellung interessierten Disziplinen gewandt, die nacheinander hier zum Worte kommen werden. Als Erster tritt der .Jurist auf den Plan, der seine Auffassung wie folgt zur Darlegung bringt: Sehr geehrte Redaktion! Sie haben mich ersucht, vom rechtlichen Standpunkte aus zu der Frage Stellung zu nehmen, wie sich der Motoriahrzeugführer zu verhalten habe, wenn er irgendwo auf der Landstrasse einen Schwerverletzten antrifft. Ich komme Ihrem Ansuchen gerne nach. Mit Ihnen bin ich ebenfalls der Ansicht, dass eine solche Begegnung für den Automobile sten nichts weniger als angenehm ist. Ich bin persönlich zweimal in diese unangenehme Lage gekommen. Das eine Mal mitten in der Nacht, das andere Mal nach erfolgtem Einnachten. Im ersten Falle handelte es sich um einen Schwerverletzten, der neben der Strasse lag, das andere Mal um einen Betrunkenen, der in der Strasse lag und grosse Gefahr bot, überfahren zu werden. In beiden Fällen 'habe ich die Leute liegenlassen, im ersten Falle, um im nahe gelegenen Spital Hilfe zu holen, im zweiten Falle, um in der Nähe Leute auf den auf der Strasse Liegenden aufmerksam zu machen, mit dem Ersuchen, für dessen Wegschaffung besorgt zu sein, da er sonst mit Sicherheit überfahren werden würde. Man könnte mir vielleicht mit Recht vorhalten, ich hätte den Gefährdeten auf die Seite schaffen sollen, denn er hätte sehr Die Magd des Jürgen Doskocil. Roman von Ernst Wlechert. Copyright by Albert Langen-Georg Müller, München. (21. Fortsetzung.) Marte aber steht in der Tür und sieht zu, wie die am Boden Liegenden sich aufrichten, einer nach dem anderen, und sich zum Strom hinunterschleppen. Bei jedem Blitz beugt sie sich vor, als suche sie jemanden, aber der Gesuchte ist nicht da. Und so bleibt sie stehen, bis Jürgen mit den andern zurückkommt, die Augen in die Blitze gerichtet, die ihr weisses Gesicht aus dem Dunkel heraufheben und wieder fallen lassen. Jürgen ist nun wieder still. Sie waschen seine Wunde aus und verbinden sie. Heini zittert am ganzen Körper, und Südekum ruft die Blitze an, dass sie herniederfahren und das Nest der Blindschleichen ausbrennen von der'Erde. «Eine hübsche Reihe von Monaten wird es geben», sagt er händereibend, «Vorbereitung für die Goldene Stadt». Aber Jürgen schüttelt den Kopf. «Kein Gendarm, kein Doktor», sagt er. «Sie müssen fort nach Amerika, und wenn du sie anzeigst, müssen sie bleiben.» Südekum stösst die Elle auf den Boden. «O du Fährmann Gottes», erwidert er, «in den Strom könnten sie ihn werfen und er Erscheint jeden Dienstag und Freitag INS ERTIONS-PREIS: Wöchentliche Beilage ..Antler-Feleräbend". 6—8 mal jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratanschluss 4 Taue vor Erscheinen der Nummern wohl in der Zwischenzeit, d.h. bis die von mir avisierten Leute bei ihm eingetroffen waren, überfahren werden können. Hätte ich den auf der Strasse Liegenden neben die Strasse in Sicherheit gebracht, hätte ich wohl eine menschliche Pflicht erfüllt, eine Pflicht, die mich aber unter Umständen grossen Unannehmlichkeiten ausgesetzt hätte, nämlich dem Verdacht, die betreffende Person angefahren und nachher zwecks Verwischung der Spuren weggeschafft zu haben. Dazu kommt, dass eine rechtliche Verpflichtung, sich in solchen Fällen um Mitmenschen zu kümmern, abgesehen von ärztlichen Verpflichtungen usw., nicht besteht, es sei denn, es handle sich um einen Unfall, an dem ein Motorfahrzeug oder ein Fahrrad beteiligt ist. In diesen Fällen ist der Führer verpflichtet, sofort anzuhalten. Diese Pflicht gilt auch für Fahrzeuge mit Tierbespannung, sofern an dem Unfall ein Motorfahrzeug oder ein Fahrrad beteiligt ist. Ist bei diesem Anlass jemand verletzt worden, so hat der Führer seinen Beistand anzubieten und für Hilfe zu sorgen. Er muss der nächsten Polizeistelle Meldung erstatten, sowie seinen Wohnsitz und Aufenthaltsort angeben. Als beteiligt gilt jedes Fahrzeug, das in irgend einer Weise an der Entstehung des Unfalles mitgewirkt hat, sei es mit oder ohne Verschulden des Führers, durch körperliche Berührung, oder durch sonstige Einwirkung, wie z.B.- blenden, erschrecken usw. In diesen Fällen schreibt das Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr ausdrücklich Beistand- und Hilfeleistung vor (Art. 36). Die Widerhandlung gegen diese Verpflichtung wird mit Busse bis zu 1000 Fr., in schweren Fällen oder bei Rückfall mit Oefängnis bis zu zwei Monaten oder mit Busse bis zu 2000 Fr. bestraft. Lässt der Führer den Verunfallten in hilfloser Lage zurück, so wird auf Gefängnis bis zu 6 Monaten oder auf Busse bis zu 5000 Fr. erkannt (Art. 60). würde noch die Hand heben, dass es niemand weiter erzählt.» «Es soll so bleiben», sagt Marte, «wie Jürgen es will... sie werden nun nicht wiederkommen.» Bald nachdem sie fort sind und Heini den Kahnschlüssel wiedergebracht hat, zieht das Gewitter auf und ein schwerer Regen stürzt über das Land. Marte hat sich noch nicht niedergelegt. Sie sitzt auf dem Bettrand, hält Jürgens Hand und sieht hinaus. Die Donner brüllen nun über Strom und Wald, die Stube ist weiss, und durch das zerbrochene 5 Fenster strömt der Geruch der erweckten Erde. «Sie werden nun sagen, dass sie den Teufel ausgetrieben haben, Marte. Und dass Gott mit dem Regen ein Zeichen gibt, dass sie wohlgetan haben.» Sie fährt nur mit den Fingern leise über seine Hand, und beim nächsten Blitz sieht er, dass sie weint. Mit offenen Augen, ohne ihre Haltung zu verändern. «Hab nicht Angst», sagt er. «Sie gehen bald fort... ein faules Wasser kann neu werden, weshalb nicht ein faules Dorf? Neue Menschen werden kommen, grün wird die Erde wieder sein. Fest muss man stehen im Strom, wie der Heilige, von dem die Fischer erzählen. Christophorus, der das Jesuskind trug. Auch du wirst ein Kind tragen, später, wenn es Zeit ist... weine nun nicht mehr.» «Nichts weiss er», denkt sie, «von dem worum ich weine. Der Gute und Starke. Bald Wie erwähnt, gilt diese Beistands- und Hilfeleistungspflicht ausschliesslich nur dann, wenn ein Motorfahrzeug oder ein Fahrrad an einem Unfall beteiligt ist. Für den Automobilisten aber, dessen Fahrzeug an dem Unfall nicht beteiligt ist, besteht keine Hilfeleistungspflicht. Dieser Grundsatz gilt nicht nur in strafrechtlicher Hinsicht, er gilt auch zivilrechtlich. Das Bundesgericht hat schon wiederholt entschieden, dass derjenige, der es unterlässt, einen andern vor drohendem Schaden zu bewahren, nicht schadenersatzpflichtig wird, sofern er diesen drohenden Schaden nicht selbst verursacht hat. Es hat bei diesem Anlass jeweils ausdrücklich betont, dass eine allgemeine Rechtspflicht für Abwendung einer Gefahr tätig zu werden, für Dritte nicht bestehe. Auch ein Verstoss gegen die guten Sitten hat nur dann die Verpflichtung zu Schädenersatz zur Folge, wenn der Schaden absichtlich zugefügt worden ist. In diesem Falle ersetzt die Absichtlichkeit die mangelnde Widerrechtlichkeit. Was nun schliesslich noch Ihre Frage anbelangt, ob dem Automobilisten, der einen Verwundeten transportiert, für Beschädigungen seines Fahrzeuges (z. B. Verunreinigung durch Blut usw.) ein Entschädigungsanspruch zustehe, so ist diese Frage zweifellos zu bejahen. Hat der Verletzte in den Transport eingewilligt, so ist er sowieso haftbar. Hat er infolge Bewusstlosigkeit oder aus andern Gründen seine Zustimmung zum Transporte nicht ausdrücklich dokumentieren können, so handelt der Automobilist in einem solchen Falle wie ein Geschäftsführer ohne Auftrag, d. h. er kann in diesem Falle alle notwendigen, zweckmässigen und den Verhältnissen angemessenen Aufwendungen, die er für den Verletzten gemacht hat, von diesem zurückfordern. Desgleichen hat er Anspruch auf Entschädigung für allfällig ihm entstandenen Schaden. J*-Damit glaube ich, alle mir gestellten Fragen beantwortet zu haben. Meine vorstehenden Ausführungen können in der Weise zusammengefasst werden, dass eine Verpflichtung zum Anhalten und zum Leisten von Beistand und Hilfe ausschliesslich nur dann besteht, wenn mein Motorfahrzeug oder mein Fahrrad, gleichgültig ob mit oder ohne Verschulden, an einem Unfall beteiligt ist, oder wenn ein mit Tierbespannung versehenes Fuhrwerk in einen Unfall verwickelt ist, an dem ein Motorfahrzeug oder ein Fahrrad beteiligt ist. Komme ich dieser Verpflichtung nicht nach, werde ich strafbar und für den daraus entstandenen Schaden haftbar. In allen andern Fällen besteht keine Rechtspflicht, anzuhalten und Beistand oder Hilfe anzubieten oder zu leisten, und somit auch im Falle der Unterlassung keine Verpflichtung zu Schadenersatz, es sei denn, der Schaden sei von mir verursacht worden. Dr. R. v. Stärler, Advokat. gehen sie fort, aber vorher muss es geschehen, so oder so. Damit ich ein Kind tragen kann, das nicht erblindet in meinem Leibe. Kraft hat er, ein ganzes Dorf zu schlagen und auszutreiben, aber mehr Kraft brauche ich, eine andere Kraft... Zehnmal bin ich dort gewesen, zwischen den Kiefern, und wieder umgekehrt, aber einmal muss ich gehen, bald, ehe die andern gehen...» Dann legt sie sich nieder, neben Jürgens unruhigen Schlaf. Die Wunde heilte ohne Arzt. Zwar war am Morgen das Fieber da, aber er stand auf und bat Marte, mit ihm in den Wald zu kommen. Der Regen fiel noch immer. Sie gingen bis zu einem Wiesenrand, und hier zeigte Jürgen auf ein niedriges, feinblättriges Kraut. Marte musste es pflücken, weil er sich nicht so tief zur Erde beugen konnte. «Mein Vater», sagte er, «kam einmal mit der Hand unter das Fährseil. Sie dachten, dass die Finger abfallen würden, aber er nahm mich mit, an diese Stelle, und ich musste es pflücken für ihn. Nach zwei Wochen ruderte er wieder. Viel wusste er von dem, was die Erde heilt.» Als sie zurückgingen, musste sie ihn stützen. Es war das erste Mal, dass er sich auf sie lehnte, und in aller Dunkelheit ihrer Seele fühlte sie die tiefe Beglückung ihrer Liebe. Sie hatte nie viel davon gewusst. Sie hatte gesehen, dass der Vater die Mutter schlug, wenn er betrunken vom Markt kam, wie es im Dftrfe üblich war, und dass ihre Schweizerische Rundschau Unser Motorfahrzeugaussenhandel. Im Jahre 1934 wurden 11,436 Automobil-Einheiten gegen 11,083 im Vorjahre im Gewicht von 13,509,458 (13,460,216) kg importiert. Während die Einfuhr somit um 353 Stück zunahm, hat sich wertmässig hingegen ein Rückschlag von Fr. 49,52 auf 39,11 Mill., das heisst um 10,4 Mill. Fr. eingestellt Diese entgegengesetzte Entwicklung von Einfuhrhöhe und Importwert darf als Zeichen dafür bewertet werden, dass die seitens der Bundesbehörden auf dem Gebiete des Motorfahrzeugaussenhandels ergriffenen Massnahmen sich allmählich in einer Belebung der inländischen Arbeitsbeschaffung auszuwirken beginnen. Die Wertverminderung der Importe lässt darauf schliessen, dass einerseits die Einfuhr fertigkarossierter Wagen abgenommen hat, während die Steigerung der eingeführten Einheiten anderseits auf vermehrten Import von Motorfahrzeugchassis hindeutet, so dass der inländischen Zubehör- und Karosserieindustrie nicht nur ein Mehrve'rdienst im Betrage des kleinern Einfuhrwertes zukam, sondern darüber hinaus noch ansehnliche weitere Summen, da sich die Preisgestaltung im Automobilgeschäft während des letzten Jahres mehr oder weniger konstant verhielt. Auf der Exportseite verzeichnet das letzte Jahr eine Zunahme der Ausfuhr von 74 auf 96 Einheiten im Gewichte von 2,94 (2,47) Mill. kg. Aber auch auf dieser Seite unserer Handelsbilanz ist ein wertmässiger Rückschlag von 14,38 auf 12,69 Mill. Fr. zu verzeichnen. Während des IV. Quartals des letzten Jahres wurden 2233 Einheiten (2334) eingeführt, die einen Wert von 7,44 (9,56) Mill. Fr. repräsentierten. Es steht somit einer Mindereinfuhr von 101 Einheiten wertmässig ein solcher von 2,12 Mill. Fr. gegenüber. Auf der Ausfuhrseite hingegen ist eine Zunahme von 23 auf 53 Einheiten zu verzeichnen, wogegen wertmässig dafür nur 3,07 gegen 3,41 Mill. Fr. vereinnahmt wurden. Während sich also die Zahl der ausgeführten Motorfahrzeuge um 30 erhöhte, steht dieser Zunahme sogar ein Minderwert von 340,287 Fr. gegenüber. Im Dezember 1934 betrug die Einfuhr 932 (1117) Einheiten im Werte von 3,07 (4,20) Mill. Fr., während auf der Ausfuhrseite 17 (6) Einheiten ausgewiesen werden, die einen Wert von 1,01 (0,98) Mill. Fr. repräsentierten, a Mutter sich zur Wehr gesetzt hatte mit allem, was ihr in die Hände gekommen war. Sie hatte dann erfahren, dass sie begehrt wurde und dass es süss sein konnte, dem nachzugeben. Aber es war das gewesen, was Jürgen die «Lust» nannte, ein berauschtes Gefühl, das mit Bitterkeit schnell erstarb. Nun aber ging sie neben diesem, der ein Riese und ein Kind war, der die Hand unter das Beil halten würde für sie, der ein Dorf auseinandergetrieben hatte und nun den Arm um ihre Schulter legte, um nicht zu fallen. Sie blieben am toten Acker stehen, den Jürgen noch nicht gepflügt hatte. Die Stoppel war vom Sommer verbrannt, und die Steinbank glänzte dunkel im Regen. Von allen Zweigen tropfte es in die gelokkerte Erde. Sie standen unter der letzten hohen Fichte und hörten, wie der Wald im Regen klang. Es war noch Blattzeit, und ein Bock trieb seine Ricke quer über das Feld an ihnen vorbei. Sie hörten den hohen, halb klagenden, halb lockenden Ruf des getriebenen Tieres, wie er hin und her durch das Gebüsch ging und dann über brechende Zweige hinaus verklang. Jürgen sah zur Seite, nach dem Dorf hinüber, als ob er nichts gesehen hätte, aber sie legte die Arme um seinen Hals und drückte ihren Körper dicht an den seinen. «Ein Kind wirst du haben, Jürgen», sagte sie leise, «wie ich dir versprach. Bald wirst du es haben, und es wird bei dir bleiben, alle Zeit... wenn sie