Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.008

E_1935_Zeitung_Nr.008

BERN, Dienstag, 29. Januar 1935 Nummer 20 .Rp. 31. Jahrgang - N» 8 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung> halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit PortozuscMag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljahrlich Fr. 7.50 ' Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Aus der Mappe des Technikers Wodurch wird der Brennstoffverbrauch beeinflusst? Die höchste Reisegeschwindigkeit ist nicht auch die wirtschaftlichste. Vielmehr bringt längeres Fahren mit Höchstgeschwindigkeit und häufiges Bremsen einen erhöhten Brennstoffverbrauch mit sich. Jede gewaltsame Verzögerung, sei es durch Eigenwiderstände oder durch Bremsen, vernichtet einen Teil der im fahrenden Wagen aufgespeicherten lebendigen Kraft, die vorher durch Brennstoff erzeugt werden musste und die z. B. besser als Anlaufschwung bei der nächsten Steigung hätte verwendet werden können. Kurze massige Steigungen haben allerdings dann auf den Brennstoffverbrauch keinen wesentlichen Binfluss, wenn Anfangs- und Endpunkt der Fahrt etwa auf gleicher Höhe liegen, Steigungen und Gefälle sich also die vWaage halten. Bei Gebirgsfahrten sind aber 'die Steigungen nicht zu vernachlässigen. Will man wirtschaftlich fahren, muss man unnötiges Bremsen vermeiden, den Wagen auslaufen lassen und die Steigungen mit Anlauf nehmen. Das Auslaufen mit gedrosseltem Motor und besonders das Bremsen mit dem laufenden Motor, womöglich mit eingeschaltetem niedrigem Gang, ist allerdings auch noch'eine gewisse Brennstoffvergeudung. Der Motor wird ; dadurch mit einer ganz unnötig hohen Drehzahl angetrieben und saugt unvermeidlich mehr Brennstoff an als nötig wäre. Wenn man nun etwa Brennstoff und Zündung abstellt, um zu sparen, dringt Oel durch die starke Saugwirkung aus dem Gehäuse an den Kolben vorbei in den Verbrennungsraum und führt später beim Wiederanstellen der Zündung zum Verölen der Zündkerzen. Hat der Wagen aber einen beliebig einschaltbaren Freilauf, dann kann er bergab voder beim Abstoppen aus hoher Geschwin- Migkei 1 (z. B. vor Ortschaften) frei auslaufen, während der Motor sofort auf seine Leerlaufdrehzahl herabgeht und so gut wie keinen Brennstoff verbraucht. Verzichtet man ganz auf die Mitwirkung des Motors beim Bremsen, so kann man durch den Freilauf eine Brennstoffersparnis von günstigenfalls 10% erzielen. Viel stärker fällt dabei allerdings die Schonung des Motors ins Gewicht, da er für die gleiche Fahrstrecke nur etwa 2 /s soviel Kurbelwellenumdrehungen zu machen braucht, wie ohne Freilauf. Einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Brennstoffverbrauch hat die Geschwindigkeit. Der spezifische Brennstoffverbrauch des Motors ist nämlich nicht bei allen Drehzahlen F E U I L L E T O N Die Magd des Jürgen Doskocil. . Roman von Ernst Wiechert. Copyright by Albert Langen-Geore Müller. München. (22. Fortsetzung.) Aber nun, in dieser Stunde, in der alles auf der Schwelle stand, wusste sie, dass dieses Land schön war, auch für sie. Der Strom und dahinter das Moor, der Wald und davor die Felder. Dass es schwer sein würde, dies alles zu lassen und fortzugehen. Jürgen und den Strom, den Hund und die Blumen am Fenster, die Sonne über dem Moor und den Rauch über den Feldern. Dass alles gut sein könnte ohne das Kind. Denn da war doch Grita und der Hund, und die Finken, die von ihrer Schwelle Körner holten. Und Jürgen war da, ein ganzes Reich voller Freude und Lust. Mochten die Tiere des Waldes Kinder tragen und aufziehen, weil niemand da war, der ihre Kinder verzauberte und blind machte im Mutterleib. Aber weshalb sollte sie gehen, zuerst zu den Kiefernbüschen, um auf, den Knien zu liegen, und nachher weiter, um wieder auf Erscheint jeden Dienstag und Freitag INSERTIONS-PREIS: 'Wöchentliche Beilage „Autler-Feierabend". 6—8 mal jährlich „Gelbe Liste" Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Grössere Inserate nach Spezialtarif. Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Inseratenschlnss 4 Tage TOT Erseheinen der Nummern und Belastungen gleich, er nimmt vielmehr bei hohen Drehzahlen wegen der dann unvollkommenen .Verbrennung des Brennstoffes etwas zu, wird aber auch bei geringer Belastung ungünstiger, weil dann die Eigenwiderstände des Motors stärker zur Geltung kommen. Ausserdem wirkt bei höheren Geschwindigkeiten der starke Luftwiderstand ungünstig auf den Brennstoffverbrauch ein. Aus dem Zusammenwirken dieser Einflüsse ergibt sich eine günstigste Geschwindigkeit, beider einmal der Fahrwiderstand noch nicht so gross ist wie bei Höchstgeschwindigkeit, bei der aber auch die Entlastung des Motors durch den verringerten Widerstand noch nicht so gross ist, dass das Ansteigen des spezifischen Brennstoffverbrauches bei geringen Motorbelastungen den Erfolg wieder ausgliche. Die günstigste Fahrgeschwindigkeit liegt gewöhnlich zwischen 45 und 55 km/St. Die verschieden grosse Gewichtsbelastung eines Wagens beeinflusst den Brennstoffverbrauch überraschenderweise verhältnismässig wenig. Der Fahrwiderstand ist ja in der Ebene nur wenig vom Wagengewicht abhängig. Luftwiderstand und innere Widerstände bleiben gleich. Soweit aber der Widerstand erhöht ist, veranlasst er entweder eine stärkere Belastung des Motors oder ein Absinken der Fahrgeschwindigkeit. Beides verringert meist, wie erwähnt, den spezifischen Verbrauch wieder, so dass z. B. Personenwagen mit 1 oder 4 Personen besetzt, oft genau die gleiche Brennstoffmenge verbrauchen. Sehr ungünstig wirken dagegen kurze Fahrstrecken und längere Unterbrechungen auf den Verbrauch ein. Jeder Motor braucht zum Anlassen aus kaltem Zustand eine gewisse Brennstoffmenge und hat, solange er noch nicht die volle Betriebswärme hat, einen erhöhten Verbrauch. Kurze Fahrten mit langen Abkühlpausen ergeben daher einen erhöhten Brennstoffverbrauch, der bei sehr kurzen Streckenlängen verhältnismässig gross werden kann. Man kann diesen Nachteil durch Warmhalten des Motors während nicht zu langer Fahrpausen mildern. Meist haiben die Vengaser zum Anlassen besondere Vorrichtungen oder Hilfsvergaser, die ein bedeutend fetteres Gemisch liefern. Damit der Brennstoffverbrauch nicht im ganzen erhöht wird, ist es wichtig, dass diese Vorrichtungen möglichst bald nach dem Anlassen wieder ausser Betrieb gesetzt werden. Ein starker Brennstoffüberschuss ist auch deshalb höchst unerwünscht, weil er die Kolbenschmierung verschlechtert und auch durch allgemeine Verdünnung des den Knien zu liegen? Musste ein Tier auf den Knien liegen, um ein Kind zu haben? Wo war ihre Sünde, dass sie auf den Knien liegen musste? Sie wendete ein wenig den Kopf, weil sie den Motor eines Bootes stromauf hörte. Ja, das war das Boot aus der Stadt. Morgens war es vorbeigekommen, mit Fahnen geschmückt, eine Kapelle an Bord und viele Menschen, die zum Hause hinaufgewinkt hatten. Ein Fest hatten sie gefeiert, und nun kameft sie zurück. Aber sie wussten nicht, was hier geschah. Niemand wusste es, nicht einmal Jürgen. Nur sie allein. Da sass sie auf der Fähre, mit gefalteten Händen, still wie eine Schlafende. Aber ihre Hände spannen. Niemand sah es, aber sie sah es. Spannen an einem grauen Faden, der auf dem dunklen Holz der Fähre sich aufrollte und sammelte, und die rote Sonne machte ihn rot... Das Boot kam in die Biegung. Eine Mädchenstimme sang, von gezupften Saiten leise begleitet. «Standen einst fünf junge Birken.. Birken jung am weiten Strand.. sing, sing,, was geschah... keines den Bräutigam fand...» Wieder wendete sie langsam das Gesicht Schmieröls einer erhöhten Abnützung Tür und Tor öffnet. Im übrigen ist zwischen der sparsamsten Vergasereinstellung und der Einstellung auf höchste Leistung zu unterscheiden. Beides lässt sich nicht gleichzeitig erreichen. Die sparsamste Einstellung verlangt bei Benzinbetrieb ein Brennstoff- Luft-Gemisch von 17 : 1, die Einstellung für höchste Leistung dagegen ein solches von 13: 1. Praktisch wird man zwischen diesen beiden Einstellarten meist einen Kompromiss schliessen. Den Brennstoffanteil im Gemisch, allzu stark zu verringern hat keinen Sinn, weil sonst nicht nur die Leistung unverhältnismässig stark absinkt, sondern auch der spezifische Verbrauch wieder ansteigt. Aus diesem Grund hat der nachträgliche Einbau von Benzinsparern, die lediglich Zusatzluft einführen, nur dann Erfolg, wenn das Gemisch normalerweise zu brennstoffreich ist. Ausser den hier angegebenen Einflüssen kommt natürlich auch der Allgemeinzustand des Motors und Wagens im Verbrauch stark zur Geltung. Es ist klar, dass undichte Kolben oder Ventile, Ungenauigkeiten in der Zündeinstellung, dauernd schleifende Bremsen, eine rutschende Kuppelung oder in schlechtem Zustand befindliche Lager einen Mehrverbrauch an Brennstoff verursachen müssen, lassen sie diesen doch fzum Teil unausgenützt verpuffen bzw. in Reibungswärme verlorengehen. Normalerweise soll ein gut unterhaltener Personenwagen pro 100 kg Gewicht und 100 Kilometer Strecke etwa 0,9 Liter Brennstoff verbrauchen, oder, nach einer anderen Faustregel, pro 100 km etwa 2 Liter mehr als die Steuer-PS-Zahl des Motors beträgt. Es handelt sich dabei jedoch, wohlverstanden, um günstige Werte. Allein schon durch «forsche» Fahrweise, d. h. ständiges Vollgasfahren oder abwechslungsweises Vollgasgeben und Bremsen, kann der Brennstoffverbrauch leicht auf den doppelten Betrag ansteigen, wenn nicht noch höher. Will-man den Brennstoffverbrauch eines Wagens feststellen, so macht man dazu am besten eine längere Prüfungsfahrt, bei der alle veränderlichen Einflüsse möglichst ausgeschaltet sind. Man fährt z. B. bei möglichst trockenem, windstillem Wetter eine möglichst ebene Strecke von mindestens 50 Kilometer Länge hin und zurück und misst zum Schluss, 'wieviel Brennstoff man nachfüllen muss, um den Behälter (und event. auch den Unterdruckförderer) wieder genau so zu füllen wie bei der Abfahrt. Die Strekkenlänge stellt man ausser durch den Kilometerzähler auch noch auf der Karte fest, da die Angaben der Bordinstrumente nicht selten ungenau sind. und sah es alles hineingleiten in das Feld ihrer Augen: die weisse Welle vor dem Kiel des Bootes, die Fahnen, die Kleider, die Gesichter. «Wenn das Boot gegen das Fährseil stösst», dachte sie, «dann schleudert es mich vielleicht in den Strom... sie werden schreien, aber sie werden mich nicht finden, weil ich mich mit meinen Händen anklammern werde am Kraut des Grundes, wie die Wasservögel, wenn sie verwundet sind...» Aber das Boot glitt über das Seil hinweg, und sie winkten ihr mit Tüchern und Gläsern und Händen zu. Sie wussten wohl, dass sie des Fährmanns Frau war. Sie wollte die Hand zur Antwort heben, aber sie konnte sie nicht von dem Faden losreissen, an dem sie spann. Sie mühte sich, und ihre Augen starrten voller Angst auf das schnell vorbeiziehende Boot. Sie öffnete die Lippen, um zu schreien, aber sie konnte nicht. Nun war es schon an der Rohrinsel, noch eine blaue Fahne am Mast, und dann verschwand es hinter den Erlen. Gleich darauf tauchte der letzte Sonnenrand unter das Moor, und ein kühles Licht floss von allen Seiten über ihr zusammen. Die Fähre schwankte leise unter den nachziehenden Kielwellen, und ein feiner, weisser Schweizerische Rundschau Die Signalisierang der Hauptstrassen mit Vortrittsrecht war in den letzten Monaten immer noch Gegenstand des Meinungsaustausches zwischen eidg. Justiz- und Polizeidepartement und den Kantonen. Die Frage der zusätzlichen Markierung dieser Hauptrouten ist bis dato noch nicht endgültig abgeklärt. Mit einem Kreisschreiben vom 21. Juni 1934 hat das Eidg. Departement den Vorschlag gemacht, die Stangen der Ortsschaftstafeln auf den Hauptstrassen spiralförmig mit weissen und roten Streifen zu bemalen. Da verschiedene Kantone triftige Gründe gegen eine solche zusätzliche Kennzeichnung geltend machen konnten, indem zum Beispiel die Eisenbahn-Vorsignale weiss-rote Bemasung aufweisen, wurde diese Anregung fallen gelassen. Dagegen wird zur Zeit die von einem Kanton erfolgte Anregung geprüft, unter den Ortschaftstafeln eine rechteckige blaue Tafel mit dem Buchstaben T (Transit) anzubringen. Die Bedeutung dieser symbolischen Bezeichnung wäre auch für ausländische Fahrer leicht verständlich. Die Kantone erhielten die Möglichkeit, sich noch hierzu zu äussern, und sofern keine dringenden Einwände dagegen geltend gemacht werden können, ist in : Aussicht genommen, diese zusätzliche Kennzeichnung der Hauptstrassen auf Beginn der diesjährigen Fahrsaison, voraussichtlich also auf 1. Mai einzuführen. Das eidg. Justiz- und Polizeidepartement behält sich zudem die Möglichkeit offen, später noch weitere Er-* gänzungen der Signalisierung von Hauptstrassen vorzunehmen, sofern sich dies als notwendig ergeben sollte. Wie erinnerlich wurde seinerzeit vom T.C.S. ein Antrag ge- 1 stellt, die Einfahrt der übrigen Wege in die/ Hauptstrassen durch gelbe Streifen auf der Fahrbahn zu kennzeichnen, wie dies in Frankreich üblich ist. Inzwischen hat sich Ende Oktober 1934 auch die Baudirektorenkonferenz mit dieser Angelegenheit befasst. Ohne dabei zu bestimmten Vorschlägen zu kommen, neigte die Konferenz doch einer ergänzenden Signalisierung durch Nummerierung der Hauptstrassen zu. Zurzeit wird dieser Vorschlag durch die Vereinigung Schweiz. Strassenfachmänner geprüft. Damit wird aber am System der Ortschaftstafeln, wie es in der bundesrätlichen Verordnung vom 17. Oktober 1932 vorgesehen ist, nichts geändert. Die Kantone sind daher verpflichtet, auf Hauptstrassen mit Vortrittsrecht die blauen Orschaftstafeln mit weisser Schrift (Signal Nr. 23 der Verordnung vom 17. Okober 1932 übe.r die Strassensignalisation) aufzustellen. Das eidg. Justizund Polizeidepartement hat die Kantone in Schaumstreifen lief murmelnd an beiden Seiten hinter dem Boot her. Dann schwieg auch dieses, und der erste Reiher fiel mit schweren Flügeln aus dem Abendhimmel ins Rohr. Der Hund stand auf, sah sie einmal an und \ging dann langsam zum Hause hinauf. Und «dann war sie ganz allein. Ueber dem dunklen. Wasser und unter dem Abendstern, der weiss und klein über dem Abendrot stand. Von diesem Abend an war Heini verschwunden. Man suchte nach ihm, in den Wäldern und im Strom, aber man, fand keine Spur von ihm. Seine Mutter sagte, dass sie ihm noch einen zweiten Buckel anschlagen würde, wenn sie ihn fänden, aber sie fanden ihn trotzdem nicht. Und dann begannen sie ihr Hab und Gut zusammenzupacken für die goldene Stadt. Am Ende der ersten Septemberwoche kam Jürgen in der Abenddämmerung von der Stadt zurück, wo er Fische abgeliefert hatte. Der zunehmende Mond stand vor ihm über dem Wasser, und dunkle, lose Wolken gingen langsam in einem warmen Wind über die weisse Sichel. Dann verfinsterte sich die Erde, ohne ganz dunkel zu werden, und dann brach das Gestirn, wandernd scheinbar, wie-