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E_1935_Zeitung_Nr.008

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2 AUTOMOBIL-REVUE

2 AUTOMOBIL-REVUE 1935 TN" 8 einem Kreisschreiben vom 7. Januar 1935 neuerdings an den Bundesratsbeschluss vom 26. März 1934 über die. Hauptstrassen mit Vortrittsrecht erinnert, mit welchem den Kantonen die Kennzeichnung: dieser Strassen bis zu Beginn dieses Jahres Überbunden wird. Der Kampf um das Verkehrsteilungsgesetz. In der Freitags-Sitzung hat der Bundesrat festgestellt, dass das Referendum betr. das Bundesgesetz vom 28. September 1934 über die Regelung der Beförderung von Gütern und Tieren mit Motorfahrzeugen auf öffentlichen Strassen 101779 rechtzeitig eingelangte Unterschriften auf sich vereinigte, von denen 100823 als gültig erklärt worden sind. In Anbetracht der kurzen für die Unterschriftensammlung zur Verfügung stehenden Zeit kommt diesem Ergebnis wohl grössere Bedeutung zu, als allgemein angenommen wird. Bereits beginnen sich denn auch die Kampffronten der einzelnen Parteien und Verbände pro und contra Verkehrsteilungsgesetz abzuzeichnen, obschon die Abstimmung über die Vorlage erst im "April Vielleicht im Mal zu erwarten ist. Von den politischen Parteien hat das Zentralkomitee der radikaldemokratischen einstimmig beschlossen, dem am 2. und 3. Februar stattfindenden Parteitag die Unterstützung des Verkehrsteilungsgesetzes zu empfehlen. An dem letzten Samstag in Luzern stattgefundenen ausserordentlichen Parteitag der sozialdemokratischen Partei referierte der Zürcher Stadtpräsident Dr. Klöti über das Problem der Entstaatlichung resp. der Entpolitisierung der Bundesbahnen, wobei er in erster Linie eine gerechte Verteilung der öffentlichen und sozialen Lasten auf Bahn und Auto verlangte. Nach seiner Ansicht ist die -Schaffung einer Planwirtschaft im Verkehr notwendig, woraus der Schluss gezogen werden kann, obwohl nicht ausdrücklich hervorgehoben, dass sich die sozialdemokratische Partei für das Verkehrsteilungsgesetz einsetzt, obschon. sie in der Regelung der Güterteilung zwischen Schiene und Strasse noch einen bedeutenden Schritt weiter gehen möchte. Im Rahmen der Basler Statistischen und Volkswirtschaftlichen Gesellschaft hat unlängst Generaldirektor Schrafl über das Sanierungsprojekt der Bundesbahnen gesprochen und bezüglich des Verkehrsteilungsgesetzes sich dahin geäussert, dass im Falle der Verwerfung der Entwurf zum Sanierungsgesetz umgearbeitet werden müsse, weil die darin vorgesehene Schuldenentlastung ungenügend wäre. Ungefähr zur gleichen Zeit hat im Schosse .der Staatsbürgerkurse in Soiothurn der Vorsteher des Eisenbahndepartementes gesprochen und dabei die Behauptung aufgestellt, dass eipe Ablehnung des VerkehrsteilungsgesetzeS' dem Staat und somit auch dem Volk rund 300 bis 400 Mill. Fr. kosten würde. Von besonderem Interesse ist alsdann die Stellungnahme der Aspa zum Verkehrsteilungsgesetz, nachdem sich dieser Landesverband, seinerzeit für Annahme der Vorlage ausgesprochen hatte. Der Zentralvorstand hat nun in seiner Sitzung vom 9. Januar beschlossen, dass zur Zeit nicht von den von der Generalversammlung und von der Urabstimmung eingeschlagenen Richtlinien abzugehen sei. Um den Mitgliedern hingegen Gelegenheit zu bieten, zur veränderten Situation Stellung nehmen zu können, soll die ordentliche Mitgliederversammlung bereits Mitte. Februar stattfinden. Der Direktionsausschuss ist beauftragt worden, zusammen mit den Fachgruppen und sonstigen Interessenten bis dahin Verhandlungen mit den zuständi- Der vielbefahrene Julier. chen Weg durch die englischen Kolonien, Vom 1. Dezember 1934 bis zum 15. Januarsondern die westlichere Richtung durch die 1935 haben insgesamt 2813 Motorfahrzeuge französischen Besitzungen einschlagen. Von die Julierstrasse befahren. Algier aus werden die Fahrer die Sahara durchqueren, den Tshadsee berühren und Immer wieder Dampfautos. durch den Kongo und Südwestafrika bis Unter sensationeller Aufmachung berichten Berliner Tagesblätter über ein Dampfdringen. Die Expedition besitzt einerseits nach der südlichsten Spitze von Afrika vorauto, die Konstruktion eines Deutsch-Amerikaners Hamm, das sich durch bisher uner- dass man mit dem Automobil in kurzer Zeit sportlichen Charakter und soll beweisen, reichte Betriebswirtschaftlichkeit und niedrige diese Route zurücklegen kann und anderseits Herstellungskosten* auszeichnen soll. Der will man auch eine neue Route quer durch den Erdteil auffinden. Haüptvortetl des Hamm-Dampfwagens besteht angeblich darin, dass der aus einem Röhrensystem bestehende Kessel nicht mehr direkt durch die Flammen des vergasten Brennstoffes (Teeröl), sondern nur noch durch Wärmestrahlung beheizt wird, wodurch er eine bisher unerreichte Anpassungsfähigkeit und Unempfindlichkeit erhalten soll. Der erzeugte Dampf wird in einer direkt auf der Hinterachse montierten Dampfmaschine ausgenützt, so dass eine Kupplung, ein Wechselgetriebe und eine Kardanwelle entfallen. Die Herstellungskosten des Wagens sollen nur etwa zirka 1000 Mark betragen. Warten wir ab. Service am laufenden Band. In New-York und andern amerikanischen Grossstädten werden gegenwärtig durch eine grosse Benzin- und Oelfirma neue Service- Stationen eingerichtet, die eine besonders rasche Bedienung der Kundschalt gestatten. Das Auto fährt in diesen Service-Stationen auf eine Drehscheibe und bewegt sich dann langsam im Kreis herum. An der Aussenseite der Drehscheibe befinden sich stationäre Wasser-, Oel- und Luftabgabestellen, aus denen der Wagen während des Drehens gespeist wird, während gleichzeitig von innen her die Brennstoffabgabe stattfindet. eine Automobilexpedition quer durch Afrika. Die drei Franzosen Dupont, Teyssonniere de Gramont und Tisseyre sind vorletzten Donnerstag in Paris mit einem grossen Hispano- Suiza-Wagen zu einer Expeditionsiahft quer durch Afrika aufgebrochen. Sie wollen - mit dem Automobil von Algier bis nach Kapstadt fahren und dabei nicht den gewohnten Hstli^ mti& gen Behörden aufzunehmen zwecks sofortiger Ausarbeitung der Vollziehungsverordnung und Herbeiführung der nötwendigen Sicherungen, welche zum Schütze der Interessen der Verbandsmitglieder als angezeigt erscheinen. Aüsserdem sei an den Bundesrat das Begehren zu richten, zur möglichsten Beseitigung des Misstrauens gegenüber dem Gesetzesvollzug Stellung zu nehmen. In einem Schreiben des Präsidenten der Aspa-Spezialkommission Bahn/Auto an die Redaktion des «Motorlastwagens» gibt derselbe bekannt, dass er sich heute schon aktiv für das Verkehrsteilungsgesetz einsetzen könne. Wenn auch das in den Verhandlungen erreichte Resultat nicht in jeder Beziehung befriedige; so dürfe doch gesagt werden, dass in vielen Punkten eine Einigung erzielt werden konnte. Auf Grund der langwierigen Verhandfungen habe er den Glauben in den ehrlichen Willen der Vertragspartner und in das Vermögen Mistischer Der Viliard-Dreiradwagen. Villard ist ein Dreiradwagen, der seit 12 Jahren in Frankreich als Lieferungswagen gebaut wird. Jetzt hat die Erzeugerin denselben als Personenwagen herausgebracht mit einer kleinen Stromlinienlimousine. Das Vorderrad ist zugleich Triebrad, während die beiden rückwärtigen Räder nur die Last aufnehmen. Der Chaise-Motor ist in einem Block mit dem Dreigangsgetriebe gebaut und treibt das Vorderrad durch eine Kette an. Der Motor ist gegenüber dem Vorderrad wegen des Antriebs nicht abgefedert, sondern nur der Rahmen, der die Karosserie trägt, ist an der Vorderradgabel mittels Federn befestigt. Das Fahrzeug erreicht in der Ebene voll besetzt 75 kmlSt. Hindernisreicher Großstadtverkehr. Unlängst unternahm ein Berichterstatter einer Londoner Zeitung bei verhältnismässig schwachem Verkehr eine Autofahrt durch das Zentrum von London. Um eine Strecke von 6 km zurückzulegen benötigte er 30 Min., wobei 20 Verkehrsampeln, 40 Fussgängerstreifen und 10 Signale der Verkehrspolizei zu beachten waren. Vom eigenen Wagen wurden 14 Signale gegeben und 48mal musste der Gang gewechselt werden. An Verkehrszeichen waren 8 zu beachten. Der Fahrzeuglenker musste 78rnal gewärtig sein, durch Unaufmerksamkeit eine Verkehrsvorschrift zu verletzen, ohne die plötzlich auftretenden Hindernisse durch ändere Strassenbenützer, wie Fussgänger, Motorfahrzeuge :Velos niitzüberücksichtigen . - der vorgesehenen Fachkommission gefunden. Dieser Glaube legitimiere ihn aus innerer Ueberzeugung die Annahme des Gesetzes den Kollegen vom gewerbsmässigen Verkehr empfehlen'zu dürfen. -my- Die Schraube wird angezogen. In der am Freitag in Zürich stattgefundenen Sitzung der Cosuma wurde der Beschluss gefasst, ab 1. Februar den bisherigen Literpreis von 35 auf 36 Rp. zu erhöhen, um sich den erhöhten Weltmarktpreisen des Benzins anzupassen. Aus den U Graubünden verbietet das Auto-Skikjörlng. Erst kürzlich hatte sich das Bundesgericht in einem Prozess darüber zu äussern, ob Automobilgesetz und Vollzugsverordnung irgend welche Bestimmungen enthalten, welche es dem Personenautomobil verbieten würden, Skifahrern als Vorspann zu dienen. Das Bundesgericht kam zu einem negativen Entscheid und erklärte, dass die massgebenden Vorschriften nicht die Absicht erkennen lassen, die Verwendung eines Autos zum Skikjöring zu untersagen. Dagegen haben die Kantone die Möglichkeit, solche einschränkende Massnahmen zu erlassen, sofern es die Sicherheit des Verkehrs oder die Anlage der Strasse als notwendig erscheinen lässt Die Regierung von Graubünden scheint diese Voraussetzungen als gegeben zu betrachten und hat nun die kantonalen Ausführungsbestimmungen zum Automobilgesetz durch folgenden Passus ergänzt: «Es ist verboten, sich von Motorfahrzeugen nachziehen zu lassen. Ebenso ist das Nachschleifen von Gegenständen jeder Art untersagt», womit nun auch das Skijöring hinter Automobilen im Gebiete von Alt Fry Rätien verpönt ist. In weiten Kreisen wird man diese Massnahmen nicht verstehen können, da sie um so überraschender in einem Kanton wirkt, der auf der andern Seite alle Anstrengungen macht, um auch den Besuch der Automobilgäste im Winter und den Wintersport überhaupt zu fördern. Im weiteren ist der Entschluss auch deshalb bedauerlich, weil dadurch neuerdings die mit Mühe erzielte Vereinheitlichung der Verkehrsvorschriften durch kantonale Sonderbestimmungen durchbrochen wird. Es brauchen nur einige Kantone dem bündnerischen Beispiel zu folgen (wir werden wohl kaum lange darauf warten müssen!), so haben wir alsbald wieder die bunteste Musterkarte verschiedenartiger Verkehrsbestimmungen, die man seinerzeit mit der Einführung des eidg. Automobilgesetzes endgültig zu beseitigen hoffte. Leider scheint man aber immer wieder von diesem erstrebenswerten Ziel abzukommen. Automobilsteuerdebatte im Kanton Bern. In der letzten Ausgabe der « A.-R. > haben wir ausführlich über die verschiedenen Diskussionsvoten berichtet, die anlässlich den grossrätlichen Beratungen über das Wiederherstellungsgesetz wegen der geplanten, Steuererhöhungen auf Motorfahrzeuge voi" den einzelnen Parteivertretern vorgebracht wurden. Während das Begehren einer erhöhten Belastung der Brennstoffe, wie auch die Vorschläge einer bernischen Strassenbaulotterie vom Rate unterstützt wurden, Ist in der Abstimmung mit überwältigendem Mehr der Automobilsteuerartikel an die Kommission zurückgewiesen worden. Notizen Zur Förderung der Verkehrssicherheit Heute Dienstag tritt in Zürich im Kaspar Escherhaus eine von der Polizeidirektion auf Veranlassung der Strassenverkehrsliga einberufene Konferenz mit den Vertretern der grossen Verkehrsinteressentenverbände zusammen, um Massnahmen zu besprechen, die im Interesse einer Verbesserung der Verkehrsdisziplin und Erhöhung der Verkehrssicherheit im Gebiet des Kantons Zürich getroffen werden sollen. Man ist hiebei der Auffassung, dass eine möglichst enge Zusammenarbeit von Behörden und Verbänden dringend not tut, wenn der zunehmenden Verkehrsgefahr und damit den allzu vielen Unfällen vorgebeugt werden kann. Es soll sich bei den ins Auge zu fassenden Vorkehren nicht um eine schikanöse, Vorkontrolle, die nur auf Bussen ausgeht, handeln, sondern um eine planmässige und zweckentsprechende, aber verschärfte Ueberwachung des Strassenverkehrs. V der aus einer Lücke der Wolken heraus. Es war ein unruhiger Wechsel, und alle Formen der Erde, das Schilf, die Erlen, der Saum des Waldes, hatten etwas Schwankendes, das floh und wiederkam, sich verhüllte und wieder an alter Stelle war. Jürgen liebte dieses Licht' nicht. Es blendete und verwirrte ihn, und er musste einmal um eine Rohrinsel zurückfahren, weil er die Mündung des Stromes verfehlt hatte. Die Stadt war ihm laut und böse erschienen, und über seinen Augenbrauen war ein dumpfer Schmerz, den er kannte und vor dem er sich fürchtete. Er sah sich von Zeit zu Zeit um, wobei er den Kopf ganz langsam zur Schulter wendete, aber nichts war zu sehen als Wasser, ein fernes Ufer, ein einsames Licht. Mitten zwischen den Rohrkämpen, die auf dem geraden Wege von der Stadt vor der Strommündung lagen, sah er plötzlich, dass seine Füsse im Wasser standen. Er beugte sich vor und tauchte die Hand hinein, aber es war kein Zweifel, dass Wasser im Boot war. Er trieb den Kahn in das Rohr, damit er still Jag. griff nach der Kelle und begann das Wasser auszuschöpfen. Eine dunkle Unruhe erfüllte ihn, aber dann dachte er, dass das Boot den ganzen Tag in der Sonne gelegen hatte und dass es möglich sein konnte, dass das Pech an einer Stelle sich gelöst hatte und eine Fuge gesprungen war. Doch schöpfte er hastig, obwohl er sah, dass keine Gefahr war. Das Wasser aus der Kelle fiel mit dumpfem Klatschen in das Rohr, und der Lärm seiner Arbeit bedrückte ihn noch mehr. Er Hess die Hand ruhen und hob den Kopf. Das Rohr flüsterte im Wind, ein Fisch sprang drau'ssen auf der freien Fläche, und dann ging jeder Ton wieder fort, schnell und lautlos, zum Rand eines ungeheuren Kreises, an dem es den Atem anhielt «Was für ein Unsinn», dachte er und beugte sich wieder zum Boden des Kahns. Und bei dieser Bewegung sah er, dass ihm gegenüber auf der Ruder» bank jemand sass. Ein dunkler Mantel, ein beschattetes Gesicht, blosse Füsse, die weiss im dunklen Wasser standen. Eine Wolke stand vor dem Mond, aber es war da. Vielleicht dauerte es nicht länger als der Raum zwischen zwei schnellen Herzschlägen. Aber in diesem Raum erkannte Jürgen, dass es Mac Lean war. Und Mac Lean war zum Boden des Kahns gebeugt wie er selbst und starrte auf seine weissen Füsse. Die rechte Hand hing ins Wasser, als spiele sie, und die linke hielt den grossen, flachen Hut an die Brust gedrückt. Keine Kälte ging von ihm aus, kein Grauen. Er sass wie ein Fahrgast, den man mitnimmt und der gedankenverloren und müssig ins Wasser blickt. Und dann war er fort, und der Mond kam wieder und beschien das graue Holz der Ruderbank. Jürgen schöpfte den Rest des Wassers aus, kniete auf. den feuchten Boden nieder, fand den Spalt zwischen zwei Brettern und stopfte einen von den Lappen hinein, die immer unter dem Steuersitz lagen. Er wartete noch eine Weile, ob es dicht hielt, und fuhr dann aus dem Rohr in die Strommündung hinein. Die Landschaft schien ihm nun ganz ruhig und geordnet wie sonst Er roch das welkende Erlenlaub, das Schilf, die letzten Schleier des Kartoffelrauches, die in den geschützten Buchten hingen. Er sah auf seine Hände: sie waren ruhig wie immer, und der Schmerz über den Augenbrauen war fort «Wie ein Geschwür sammelt es sich», dachte er, «und dann bricht es auf, und dann ist es gut...» Nur seine Füsse waren kalt, und in seinen Knien war ein dumpfes Gefühl, als seien sie zu lange gebeugt gewesen. Als er um die Biegung kam, sah er Marte auf der Fähre knien und ihre Hände waschen. «Zu Hause könnte sie es doch tun», dachte er noch, «nicht gut ist es, über dem treibenden Wasser zu knien.» Aber dann beugte er sich ohne Gedanken vor und sah ihr zu. Es war zu weit, um ihr Gesicht zu erkennen. Nur die Gebärde war im Mondlicht sichtbar. Immer beugte der Körper sich und tauchte die Hände in das Wasser, und dann hoben* sie sich auf, flach nebeneinander gelegt, als wollten sie das Geschöpfte halten. Aber es zerrann ihnen zwischen den Fingern, und dann strichen die Hände aneinander auf und nieder, als wollten sie auch der letzten Tropfen sich entledigen.- Und dann hoben sie sich ins Mondlicht, als würden sie prüfend betrachtet, und plötzlich, wie in einem Schauder, tauchten sie wieder in die Tiefe. Zuerst sah es ganz natürlich aus, obwohl etwas seltsam in dem Ungewissen Licht Aber dann wurde die Unermüdlichkeit und die starre Gleichmässigkeit der Bewegung unheimlich, als steige dort in der Strömung etwas auf und nieder, und Jürgen begann sich plötzlich zu fürchten. Aber als er die Ruder mit hartem Schlag ins Wasser tauchte, hielt Marte ihre Hände still, als lausche sie, richtete sich langsam auf und ging ruhig zum Hause hinauf. Als er aus dem Boot stieg, fühlte er von neuem, dass seine Knie müde waren, und noch einmal dachte er an die Erscheinung zurück. Aber auch jetzt war sie nur wie ein TraumI ohne Grauen und das Kaltdurchwehende, das sonst hinter dem Gesicht war. Marte hatte sich schon hingelegt Es brannte kein Licht in der Stube. «Ich hörte dich kommen», sagte sie, «hast du schon gegessen?» Ja, er hatte im Kahn gegessen, bevor er abgefahren war. «Dann komm zu mir», sagte sie. Ihre Stimme war leise und ruhig, aber etwas verwunderte ihn an dieser Stimme. Sie sprach, als schlafe sie schon, und die Stimme kam aus der Ferne zu ihm. Nicht aus ihrem Körper, sondern weit hinter ihrem Körper her, wie eine Stimme, die im Dunkeln von einem See ruft und man weiss nicht ob der Rufende in einem Boot ist, oder schwimmt, oder am andern Ufer steht (Fortsetzung im *Autler-Feierabend»J

N°8 - 1935 AUTOMOBIL-REVUE Sportnachrichten Rückblick auf Monte Carlo Die Leistungen der Fahrer. Die XIV. internationale Sternfahrt nach Monte Carlo, deren Ergebnisse wir noch in der letzten Nummer melden konnten, ist am letzten Sonntag offiziell mit dem grossen Defilee.der Wagen und der Preisverteilung zu Ende gegangen. Die Konkurrenten befanden sich bekanntlich schon seit letzten Mittwoch in dem berühmten Rivieraort. Der Rest der. Woche wurde durch verschiedene zusätzliche Prüfungen, mehrere gesellschaftliche Anlässe und vor allem durch die Ruhe ausgefüllt, denn diese war mehr als verdient, nachdem die Fahrer der 103 Wagen 4 Tage lang nicht mehr aus ihren Kleidern gekommen waren, gelegentlich einmal eine Stunde im Wagen, geschlafen hatten, und auch hinsichtlich des Speisezettels auf schmale Kost gesetzt waren. Das Publikum, das am Mittwoch Vormittag der Ankunft der aus allen Teilen Europas anrollenden Sternfahrer beiwohnte, bekam die merkwürdigsten Gestalten zu sehen: Bärtige Männer in seltsamen, sehr wenig eJeganten Leder- und Pelzgewändern, müde Frauen, die sich vom tagelangen Fahren kaum mehr auf den Beinen halten konnten und nicht die richtige Zeit für Lippenstift und Puder gefunden hatten. Um allen diesen aus Eis und Schnee herbeigekommenen Sternfahrern die Aufgabe zu erleichtern, wurde die interessante Schlussprüfung erst auf- den Donnerstag angesetzt, und dazwischen eine Nacht des wohlverdienten Schla- 4es eingeschaltet. Die diesjährige Sternfahrt wurde, wie bereits gemeldet, von den Franzosen Lahaye und Quatresous auf Renault gewonnen. Hotchkiss, das die Sternfahrt nach Monte Carlo in den letzten drei aufeinanderfolgenden Jahren gewonnen hatte, hielt sich diesmal freiwillig von der Veranstaltung fern. •,P*V?it wurde den andern Konkurrenten Ge- «s&fenheit geboten, sich ihrerseits zu messen. Wiederum fiel der Sieg einer französischen Marke zu, was erneut auf die charakteristische Eigenschaft des französischen Wagens als leistungfähiges Tourenfahrzeug hinweist. Frankreich setzte sich so zum vierten aufeinanderfolgenden Male an die Spitze dieser gewaltigen Sternfahrt, die selbst in Amerika nicht ihresgleichen findet, und daher den Titel «Langstreckenprüfungs - Weltmeisterschaft» mit vollem Recht verdient. Der zweite Platz im Gesamtklassement fiel an den Engländer Ridley auf Triumph. Gleichzeitig wurde Ridley mit seinem 1232 ccm Wagen Sieger der Klasse 1500 ccm. (Es sei darauf hingewiesen, dass die in der letzten Nummer unter der Rubrik «Ue.ber 1500 ccm» veröffentlichte Rangliste das Gesamtklassement darstellt, also alle Wagen umfasste.) In der Gesamtwertung belegt das Ehepaar Schell 3j>£. Delahaye den dritten Platz, und an vier- "i * Stelle folgt noch einmal ein von Guyot geführter Renaultwagen. In der kleinen Klasse setzten sich Rouxel-Quinlin auf Peu- . ^>t an die zweite und Husem-Larsen auf 'hat an die dritte Stelle. Besondere Erwähnung verdient noch das Abschneiden der Fordmannschaften. Unter den ersten 15 Wagen des Gesamtklassements finden sich, nicht weniger als 8 Ford. Somit hat sich diese Marke 50 Prozent aller bessern Plätze zu sichern vermocht. Dieses Ergebnis steht in der Geschichte der Sternfahrt nach Monte Carlo einzig da. Auch der Damenpokal fiel im übrigen an die Fordmannschaft Mme Marinowitch-Mlle Lamberjack. Zu dem diesjährigen Rallye nach Monte Carlo haben sich bekanntlich 165 Konkurrenten angemeldet. Von diesen starteten 150 — die Zahl der Forfaits ist also ausserordentlich gpring ;— und 103 Wagen kamen am Mittwoch ans Ziel. (Nicht 104, wie zuerst irrtümlich gemeldet wurde.) Der Ausfall von 47 Wagen ist verhältnismässig sehr gross, letztes Jahr war das Ergebnis bedeutend günstiger. : Bei einer Veranstaltung vom Charakter dieser, weitgespannten Sternfahrt spielt natürlich das Wetter eine gewaltige Rolle. Jedes Jahr sind die Verhältnisse grundlegend anders, so dass alle Berechnungen und Vorsichtsmassnahmen immer nur halben Wert haben. Ein Beispiel dafür: Die Sternfahrt 1934 war in einem ganz aussergewöhnlichen Masse von gutem Wetter begünstigt, so dass im Gesamtklassement die 9 ersten Plätze von den in Athen und Bukarest gestarteten Fahrern belegt werden konnten. Genau das GeriftnteH war nun diesmal der Fall. Im Balkan £& der Schnee metertief und ermöglichte es dem wagemutigsten Fahrer nicht, durch diese Wand des Winters durchzustossen. Sämtliche in Athen und Bukarest abgereisten Konkurrenten blieben diesmal vorzeitig hängen, dafür lachte das Glück in besonderer Weise den Stavanger-, Umea- und Tallinn-Fahrern, die denn auch an der Spitze des Klassements zu finden sind. Die zu Beginn der Sternfahrt in unserem Blatte ausgesprochene Vermutung, den Konkurrenten der Palermo-Route werde ein äusserst hartes Stück Arbeit warten, hat sich in vollem Umfange bestätigt. Das Ergebnis für diese Gruppe ist geradezu katastrophal. Von 27 Wagen kamen nur 10 ans Ziel, weit über 50% sind den Schwierigkeiten dieser Strecke zum Opfer gefallen; darunter befinden sich auch zahlreiche routinierte Touren- und sogar Rennwagenfahrer! Trotzdem diese Route die längste war, gelang es keinem Piloten, sich an die Spitze der Wertung zu schwingen. Nach Aussagen von Palermo-Fahrern trafen diese in den Apenninen gewaltige Schneemengen an. Die Strassen waren nicht gepfadet und deshalb kaum befahrbar. Ein konkurrierender Wagen musste als Schneeräumer dienen, und nur auf diese Weise war es möglich, über die Apenninen hinaus weiterzukommen. Auf eine Strecke von ungefäkr 800 Kilometer sollen auf jeden km mindestens 14 Kurven entfallen sein. Das Tirol war verhältnismässig leicht zu erledigen, um so schwieriger wurde die Reise wieder in einzelnen Teilen Deutschlands, wo die Strassen den reinsten Eisbahnen glichen und die Kälte bis zu —18» anstieg. Die aus Skandinavien gekommenen Teilnehmer, die im allgemeinen weniger über den Schnee zu klagen gehabt haben, sahen sich besonders durch die vereisten Strassen und den starken Nebel behindert. Verschiedene alte Sternfahrtroutiniers zählen die diesjährige Prüfung zu den hindernisreichsten. Bemerkenswert ist die Aussage des Engländers Cathcart Jones, der im Luftrennen London- Melbourne Vierter geworden war und zu der Equipe gehört, die den Rekord Melbourne- London hält. Jones erklärte einem Journalisten, dass für ihn die Sternfahrt nach Monte Carlo genau so anstrengend und schwierig gewesen sei wie der weltberühmte Australienflug. Und das will etwas heissen! Die Siegerequipe äusserte sich in einem Interview folgendermassen über den Verlauf der Fahrt: «Wir haben von Stavanger bis nach Monte Carlo auch nicht die gerinste Störung zu verzeichnen gehabt, ja, wir können sagen, dass es uns durchaus nichts geschadet hätte, wenn die Motorhaube plombiert worden wäre. Wir brauchten sie auf der ganzen Strecke tatsächlich nie zu heben, nicht einmal zum Nachfüllen des Oels. In Skandinavien und Deutschland wurden wir durch den Nebel und die vereisten Strassen etwas behindert. Dies konnte uns allerdings nichts ausmachen, denn wir hatten von vornherein damit gerechnet und uns entsprechend eingestellt. Ueberall konnten wir eine reibungslose Organisation feststellen, und in allen Kontrollorten sind wir aufs herzlichste empfangen worden, ganz besonders in Dänemark und in Norwegen, wo wir Gegenstand begeisterter Begrüssungen von seiten der Bevölkerung waren. Diese Sternfahrt nach Monte Carlo ist eine unvergleichliche Veranstaltung. » Die beiden Piloten hatten sich auf die Veranstaltung sorgfältigst vorbereitet und in Montlhery die komplizierte Schlussprüfung genau eingeprobt. In Journalistenkreisen nahm man im übrigen mit Schmunzeln vom Ausfall des Amerikaners Thorne Kenntnis, der in Bukarest gestartet war und in Jugoslavien rettungslos stecken blieb. Dieser Amerikaner kam bereits vor ein paar Wochen nach Europa, um — wie die Auffassung drüben allgemein ist — an diesem «Kleinkinderrennen» aus purem Vergnügen mitzumachen. Auf ernsthaftes Anra- INTERNATIONALE STERNFAHRT NACH MONTE CARLO 1935 Der von Lahaye-Quatresous gesteuerte Wagen Nr. 51, mit Startort Stavanger (37OO km.) sichert sich den Platz im GESAMTKLASSEMENT auf NAULT DER WAGEN DEN FRANKREICH FÄHRT Höchste konstruktive Vollendung. Unvergleichlicher Komfort und . . .. konkurrenzlose Preise ab Fr. 4330.-. A.G. RENAULT, Secheron-GEN £VE Vertreter in allen Kantonen. Die Ankunft der Sternfahrer in Monte Carlo. ten der Organisatoren hin Hess er dann schliesslich doch den Motor seines Wagens revidieren und das Fahrzeug mit Winterhilfsmitteln versehen. Trotzdem nahm er die ganze Sache von der gemütlichen Seite, und er wird nun unterdessen Gelegenheit gehabt haben, am eigenen Leibe festzustellen, dass diese Sternfahrt nach Monte Carlo doch keine so einfache Sache ist. Eine Ironie des Schicksals ist es auch, dass die bekannten Rennfahrer Nazarro und Soffietti beide nicht verhindern konnten, sich zu verspäten und auf halber Strecke auszufallen... Ueberhäupt zeitigte die Veranstaltung zahlreiche bemerkenswerte Einzelheiten. Wer hätte zum Beispiel mit jenen beiden Mitfahrern tauschen mögen, die, von Skandinavien kommend, im Roadster auf dem offenen Notsitz 4000 km zurücklegten! Diese Fahrer mussten für die Reise in Schnee, Nacht und Eis schon sehr gut ausgerüstet werden, um bei der Ankunft nicht zu Eiszapfen erstarrt zu sein. Die Schlussprüfling. Der Schlussprüfung am Donnerstag sah man mit begreiflicher Spannung entgegen, da sie die Entscheidung über den Sieger zu liefern hatte, und im weitern in ihrem gesamten Aufbau als eine Musteraufgabe zur Feststellung der Beschleunigung, der Geschmeidigkeit, des Lenkeinschlages und der Bremsen aufgefasst werden kann. Die Konkurrenz, die den ganzen Donnerstag beanspruchte, so dass die Resultate erst spät abends bekannt wurden, zerfiel in 2 Teile, die Startprüfung mit kaltem Motor und die ideenreiche, grosse Fahraufgabe. Normalerweise scheint heute eine Startprüfung kaum mehr aktuell zu sein, bei Maschinen, die Tausende von Kilometern zurückgelegt haben und ohne jede Reparatur sofort nach der Ankunft in den geschlossenen Park gestellt werden, ist das natürlich eine andere Sache. Die zweite Aufgabe, bei der der Fahrer eine genau vorgeschriebene Figur zu beschreiben hatte, bestand in folgendem: Zurücklegung einer geraden Strecke von 200 m, Richtungswechsel in einem Quadrat von 10 m unter Benutzung des Rückwärtsganges, Beschreibung einer 8-Figur innerhalb eines Rechteckes von 36 m Länge und 16 m Breite, Zurücklegung von weitern 180 m gerader Strecke, erneuter Richtungswechsel in einem Quadrat von 10 m unter Benutzung des Rückwärtsganges, und schliesslich Befahren einer Endstrecke von 300"nu Diese Prüfung wurde mit Punkten bewertet, die zu dem Resultat der Sternfahrt selbst zugeschlagen wurden. Die Veranstaltung, die vor einem zahlreichen Publikum vor sich ging, erfreute sich des besten Wetters und ergab eine ganze Reihe hervorragender Leistungen. Allerdings, ging es nicht ohne verschiedene Zwischenfälle ab, die glücklicherweise keine ernsteren Folgen hatten. So schoss der Engländer Grant Ferris wegen Blockierung der Bremsen in vollem Lauf in eine Tribüne hinein. Ein Dutzend Zuschauer wurden etwas unsanft durcheinandergeworfen, doch lief alles nur mit Sachschaden ab. Der bekannte englische Journalist Symons fuhr in eine Mauer von Sandsäcken und verbog seine Lenkung, so dass er aufgeben musste. De Ribeiro kam stark ins Schleudern und riss einen Pfosten um. Der Rumäne Sontag geriet mit einer Mauer in unsanfte Berührung, und Jean Trevoux, einer der Favoriten der Konkurrenz, schoss schon auf den ersten 200 m gegen eine Mauer von Sandsäcken und musste aufgeben. Der Prüfung fehlte es somit nicht an Abwechslung und aufregenden Zwischenfällen. Dass die Aufgabe ihre Tücken hatte, zeigte sich in mehreren Fällen. Zu den aussichtsreichsten Konkurrenten gehörte auch de Lavalette, der trotz dreier Kollisionen im Verlauf der Sternfahrt bis nach Monte Carlo gekommen war. Bei der Schlussprüfung kam er vollständig aus dem Konzept und schaltete zweimal irrtümlicherweise den Rückwärtsgang ein. Er verlor kostbare Sekunden und